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Schwarze Sonne (Phantom-Server Buch 3): LitRPG-Serie
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Электронная книга357 страниц4 часа

Schwarze Sonne (Phantom-Server Buch 3): LitRPG-Serie

Автор Andrei Livadny

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Zander und seine Freunde stellen sich furchtlos der Gefahr, denn ein sicherer Respawn-Punkt verheißt Hoffnung. Nichts und niemand kann ihnen schaden oder sie vernichten. Schließlich ist alles nur ein Spiel – oder?

Ein Spiel, bei dem sich die Protagonisten in einem uralten Hyperraumnetz bewegen und auf die unterschiedlichsten außerirdischen Zivilisationen treffen. Ein Spiel, wie es realistischer nicht sein könnte. Die Erde ist menschenleer. Das Schicksal der Menschheit ist unbekannt.

Unsere Helden sitzen im Darg-Sternensystem fest. Jetzt geht es ums Überleben. Sie müssen den Phantom-Server finden, das Zentrum des interstellaren Netzes, das die uralte Zivilisation der Gründer geschaffen hat. Wenn sie leben wollen, müssen sie das Geheimnis entschlüsseln – oder dabei sterben.
ЯзыкDeutsch
ИздательMagic Dome Books
Дата выпуска30 мая 2022 г.
ISBN9788076194076
Schwarze Sonne (Phantom-Server Buch 3): LitRPG-Serie
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    Schwarze Sonne (Phantom-Server Buch 3) - Andrei Livadny

    Kapitel 1

    Darg-System. Asteroidengürtel.

    An Bord der Fregatte der Gründer

    FUNKELND WURDE das Licht von Lioris Augen reflektiert.

    Ihr Wohnmodul war in weiche Schatten getaucht. Kerzen flackerten auf dem kleinen Tisch neben der Statuette der tanzenden Dunkelelbin. Wachs tropfte an den Stumpen hinab und verfestigte sich zu fremdartigen Formen, die mich an die Gefahren der erstaunlichen Spielewelten erinnerten, denen wir uns nur zu bereitwillig gestellt hatten. Unbekümmert hatten wir uns ins Abenteuer gestürzt, stets einen sicheren Respawn-Punkt in der Hinterhand. Wir waren Helden gewesen, denen nichts passieren konnte.

    Diese Universen waren eine Zuflucht gewesen, wenn uns die Realität zu öde wurde. Eine Welt am Draht, die wir in der geschützten Umgebung der In-Modus-Pods erkundet hatten.

    Selbst tattrige Greise waren dort auf ewig jung und stark. Niemals hätten wir gedacht, dass all das einmal ein Ende hätte. Und doch hatten wir die Realität längst hinter uns gelassen.

    Ein dumpfer Ruck unterbrach meine Gedanken. Die Wände um mich herum vibrierten. Monitore erwachten zum Leben und enthüllten das Panorama der Milchstraße mit ihren Abermilliarden von Sternen. Unser Raumschiff führte einen letzten Test aller Subsysteme durch, um sicherzustellen, dass alles für die Schlacht bereit war. Langsam verschwanden die feurigen Sonnen aus unserem Blickfeld.

    Lioris unergründliche Augen glänzten voller Furcht und Hoffnung. Man mochte nicht glauben, dass sie schon lange tot war. Ich saß mit ihrer Identitätsmatrix zusammen, die von den mit meinem Mind-Expander verbundenen Naniten repliziert wurde.

    Man hatte uns versprochen, das Spielerlebnis der Zukunft mit noch nie dagewesenem Realismus testen zu können. Mutig und furchtlos hatten wir uns der Herausforderung zugewandt. Niemand von uns hatte gewusst, dass jeder Schritt buchstäblich der letzte unseres irdischen Lebens sein konnte. Wir hatten keine Ahnung gehabt, dass unsere neuen Fertigkeiten und Entdeckungen auf wahrem Wissen beruhten und dass jede davon von unseren Neuroimplantaten an einen Server auf der Erde übermittelt wurde.

    Kleine Wissenshäppchen waren wie glühende Kohlen. Sie erhellten den Weg nicht, sondern verbrannten nur den eigenen Verstand.

    Mit einer kurzen Augenbewegung deaktivierte Liori die Monitore. Das Weltraumpanorama verschwand, und das Licht der Kerzenflammen wirkte kurz grell, bevor es erlosch.

    „Zander, es ist so weit."

    Direkter neurosensorischer Kontaktmodus deaktiviert

    Hinter der Systemmeldung sah ich, wie die Umrisse von Lioris Zimmer langsam verblassten. Ich stand im kalten, roten Licht an einem niedrigen Geländer.

    In den Tiefen des Startdecks wurde ein Plasmaschneider gezündet. Ein Feuerwerk an Funken und Leuchtspuren erschuf lange Schatten an den Wänden. Zu meiner Rechten troff die Finsternis aus den ovalen Öffnungen der Raumdocks. Kraftschilde verhinderten, dass Luft entwich. Eine Ebene unter mir befanden sich die Dockingstationen mit den Jägern. Haash-Mechaniker bereiteten die beiden Condors auf den Einsatz vor.

    Der Schwerkraftlift hinter mir öffnete sich. Ich drehte mich um. Charons hochgewachsene Gestalt betrat die Plattform.

    Ein Haash, fühlender Xenomorph, Level 57, Pilot

    Er trug bereits seine Rüstung, aber noch keinen Helm. Kurze Kabelpeitschen, mit denen die Haash-Piloten die Verbindung zu den Systemen ihrer yrobs – so hießen die Jäger in ihrer Sprache – herstellten, liefen außen über die dreifingrigen Handschuhe.

    „Zander?", zischte die riesige, empfindungsfähige Echse und neigte dabei den Kopf aus Gewohnheit. „Zander, wo’rhoom?"

    Dieses Wort war mir unbekannt. Zu Beginn hatte ich unsere Verständigungsprobleme als kleine Gemeinheit der Spielentwickler aufgefasst. Mittlerweile wusste ich, dass die Lebewesen hinter den fühlenden Xenomorphs wirklich keine Menschen waren.

    Charon stand da und wartete auf eine Antwort. Die Pupillen seiner Reptilienaugen verengten sich, und durch das halb geöffnete Maul entwich heißer Odem.

    Endlich hatte mein Semantikprozessor das Wort analysiert. wo’rhoom bedeutete wörtlich, eine Grenze zu überschreiten, und im übertragenen Sinn, angespannt zu sein.

    Ha! Da lag er ganz richtig. Bei den Haash gab es keine Notlügen und keine Beschönigungen. Ihre direkte und geradlinige Art trug ihnen den Ruf ein, unbarmherzig und mitleidslos zu sein.

    Ich hörte, wie sich der Lift erneut ankündigte, gefolgt von einem Luftstrahl. „Hoppla, falsches Deck!"

    „Max? Komm bitte hierher. Ich hockte mich hin und fragte mit möglichst mahnender Stimme: „Wer hat dir denn erlaubt, hier herumzustreifen?

    Der Junge lächelte scheu. „Ich suche Liori. Sie hat versprochen, mit uns zu spielen. Es ist toll, wenn sie verschwindet und dann Stück für Stück wieder auftaucht."

    Charon berührte meine Schulter und wies mich auf die Anzeige für die körperliche Energie des Jungen hin. Erschreckend. Der orangefarbene Balken blinkte warnend.

    Meine eigene Anzeige leuchtete kaum noch und war tiefrot. Ralph war so schwach, dass er das Bett hüten musste. Jürgen und Frieda waren noch mehr oder weniger mobil, und Arbido, der sich erst viel später als wir auf dem Phantom-Server angemeldet hatte, ging es noch am besten von allen.

    Max war gerade einmal fünf Jahre alt. Er begriff nicht, in welcher Gefahr wir schwebten.

    „Hör’ mir gut zu, Max. Geh’ zu den Mädchen und Jungs. Kannst du ihnen sagen, dass sie sich alle auf ihren Plätzen anschnallen sollen?"

    „Okay. Aber was ist, wenn die Mädchen nicht auf mich hören?"

    „Dann sag’ ihnen, dass ich dich zum Anführer der Kinder gemacht habe."

    „Echt? Ist das wahr?"

    „Natürlich. Und jetzt ab mit dir."

    Max hüpfte überglücklich in den Lift.

    Charon blickte ihm alarmiert und teilnahmsvoll nach. Die grauen Flecken auf seiner Haut waren ein klares Zeichen für seine Verunsicherung.

    „Wir müssen uns beeilen, fuhr er mich an. „Ihr sterbt alle.

    * * *

    Wir fuhren mit dem Lift zur Andockstation.

    Auf unserem Weg kamen wir an unzähligen Maschinen und Apparaten vorbei, deren Funktion wir nicht kannten. Zwischendurch erblickte ich immer wieder Anzeichen lang vergangener Kämpfe: eingebrannter Ruß an den Wänden und mit großen Stahlplatten geflickte Löcher im Rumpf. Nachdem die Raumstation Argus gefallen war, hatten wir die Fregatte der Gründer zu unserer neuen Heimat auserkoren. Überall gab es Spuren der Außerirdischen und ihrer Geschichte zu entdecken.

    Bis vor ein paar Tagen hatten mich die Schäden und der schlechte Zustand des riesigen Schiffs nicht wirklich gekümmert. Ja, hier musste mal ordentlich aufgeräumt werden, und es waren ziemlich viele Reparaturen fällig. Na und? Schließlich war das alles nur ein Spiel.

    Doch jetzt wusste ich, dass die Realität viel komplexer aussah. Unsere Identitäten waren durch den Hyperraum hierher übertragen und in die außerirdische Technosphäre integriert worden. Wir konnten mit der echten Welt um uns herum und ihren Objekten interagieren, sie sogar manipulieren. Auf dieselbe Weise hatten auch die Gründer das Universum erforscht. Ihre Technologien überstiegen das Verständnis der klügsten Köpfe der Menschheit bei Weitem, und doch funktionierten sie noch immer.

    Das Darg-System war nur ein unbedeutender Fleck auf der gewaltigen Karte des uralten, interstellaren Netzes. Hier gab es ein paar aufgegebene Raumstationen, deren Gänge schon lange luftleer waren. Dazwischen schwebten die Wracks von Kampfflotten und anderer Weltraumschrott.

    Wer auch immer auf der Erde das Sagen hatte, interessierte sich nicht dafür, was aus uns wurde. Die Technosphäre dieser untergegangenen Zivilisation lag in Trümmern und hatte stagniert, bis wir sie wiedererweckt hatten, indem wir die funktionierenden Reste zusammengeklaubt und mehr schlecht als recht zum Laufen gebracht hatten. Man hatte uns in dem Glauben gelassen, wir würden uns in einer Spielwelt bewegen, in denen die Gründer lediglich eine Backgroundstory waren. So war gewährleistet worden, dass wir keine lästigen Fragen stellten. Wir hatten uns in die Innereien der Raumstationen vorgewühlt, immer auf der Suche nach KI-Modulen, die uns in der Geschichte voranbringen sollten. Wir hatten uns Implantate einsetzen lassen, die wir für Cyber-Upgrades hielten, die uns aber jetzt durch den Ultrarealismus dieser Erfahrung ins Grab zu bringen drohten.

    Ich konzentrierte mich wieder auf die Gegenwart und erkannte die Silhouetten der beiden Condors und der drei yrobs durch den Nebel. Noch standen die Luft-Raum-Flieger fest auf dem Boden, über Leitungen und Schläuche mit den fragilen Wartungsmasten verbunden. Die Navigationslichter warfen einen wabernden Schein auf die Cargonit-Rümpfe.

    Danezerath und Maurugael erwarteten uns. Ich nannte die beiden lieber Danny und Mark, denn Haash-Namen waren für einen Menschen nicht leicht auszusprechen.

    „Der Frachter des Daugoth-Clans ist in Position, meldete Jürgen sich über den Sprachkanal. „Foggs’ Sturmtrupp freut sich schon auf die Action.

    „Wie steht es um unsere Energie?"

    „Ich habe die Reaktoren auf 12 % hochgefahren. Damit haben wir genug Saft für die Kraftschilde, um drei Minuten unter vollem Beschuss auszuhalten."

    „Verstanden. Wir versuchen, nicht zuzulassen, dass es dazu kommt."

    Ich sah die Haash an. Obwohl sie selbst erfahrene Flieger waren, standen sie heute in der zweiten Reihe. Wenn wir die von der uralten KI übernommene Basis der Gesetzlosen einnehmen wollten, mussten wir uns auf spezielle Fertigkeiten verlassen, über die nur Liori und ich verfügten.

    Im Grunde genommen war die Sache ganz einfach.

    Die Erde war Tausende von Lichtjahren entfernt. Niemand war in den Megastädten dort unterwegs, es herrschte Totenstille. Die getönten Kunststoffscheiben der In-Modus-Pods spiegelten den roten Schein der Notbeleuchtung in den Gebäuden wider. Die Lebenserhaltungssysteme waren zusammengebrochen und die Energiereserven unserer echten Körper erschöpft. Die Erde schien verlassen zu sein. Niemand würde für neue Lebenserhaltungskartuschen sorgen. Die Menschen waren auf mysteriöse Weise verschwunden. Ich konnte mir das nicht erklären, nur vermuten, dass die menschliche Zivilisation vielleicht einer außerirdischen Technologie zum Opfer gefallen war.

    Es spielte keine Rolle mehr.

    Für uns gab es nur einen Ausweg. Wir mussten zu digitalen Wesen werden, so wie die Gründer es geworden waren. Wir mussten die Nabelschnur durchtrennen, die uns mit der Erde verband, denn sobald die Körper in den Kapseln starben, würden auch wir es in dieser entfernten Welt tun. Es konnte jeden Augenblick so weit sein.

    „Zander, sagte Charon, als er zu mir kam. Sichtlich nach Worten ringend fügte er hinzu: „Du musst dich auf deine alten Fertigkeiten verlassen.

    „Du meinst, als ob das noch immer ein Spiel wäre?"

    Er nickte energisch, bevor er in seinen yrob stieg.

    * * *

    Das Cockpit meiner Condor lag im Dunkeln. Der Pilotensessel thronte auf den Schwerkraftabsorbern. Das Lebenserhaltungssystem war abgeschaltet. Überall waren in aller Eile Reparaturen durchgeführt worden. Das Glas vieler Monitore war noch immer von Rissen durchzogen. Wir hatten keine Zeit gehabt, sie zu ersetzen.

    Ich zögerte.

    Zander, bitte mach schnell.

    Entschlossen griff ich nach der winzigen Abdeckung meines Mind-Expanders und öffnete sie. Darunter blinkten schwach die Anzeigen des Cybermoduls.

    In einer geübten Bewegung zog ich es heraus. Der dünne Wafer war mit Neurochips bestückt. Es fühlte sich an, als ob ich einen Teil meiner Seele verloren hatte. Lioris Stimme erstarb. Ich spürte ihre Gegenwart nicht länger in meinem Verstand.

    Das externe Neuronetz wurde getrennt.

    ‒5 auf Mnemotechnik

    Ich steckte das Modul in eine Öffnung an der Instrumentenkonsole. Es quietschte ein wenig, als es in den Tiefen der Elektronik verschwand.

    Als grauer Nebel stiegen die Naniten von meiner Rüstung auf und bildeten im Pilotensessel Lioris Gestalt. Nach und nach konnte ich alle Details erkennen, vom Gesicht bis zu Einzelheiten des Anzugs.

    „Ich fühle mich so leer ohne dich, flüsterte sie. „Leer und kalt.

    Ich konnte das bis zu einem gewissen Grad nachfühlen. Wenn die Condor abgeschossen würde, dann wäre von ihr nichts mehr übrig als ein paar Chips, die durch das All trieben. Das war Liori völlig klar. Leider gab es keine andere Möglichkeit. Wir mussten uns aufteilen. Die Haash verfügten nicht über Mnemotechnik-Fertigkeiten, und ich allein wäre nicht in der Lage, das Ziel mit Stahlnebel zu umgeben. Auch die Sensoren der Verteidigungssysteme könnte ich nicht ausschalten.

    Ich warf einen Blick auf die Symbole des Status-Interfaces. Charon hatte recht gehabt. Es sah aus wie in jedem Spiel: Level, Fertigkeiten, Talente – wie immer.

    Als wir die Wahrheit über uns selbst erfahren hatten, hatten wir die Grenzen der Spielwelt verlassen. Ich fragte mich, wer wohl die ganzen Spieldaten aktualisierte. Und warum?

    Jürgens Stimme unterbrach die Stille. „Zander, wir sind so weit. Wo bleibst du?"

    „Los jetzt, flüsterte Liori mir zu. „Ich sage nicht Lebewohl.

    Ihr Körper wurde wieder durchscheinend, als ein Teil der Naniten sich mit den Cybersystemen des Jägers verband.

    * * *

    Die Deckaufbauten der Fregatte waren deutlich auf den Monitoren zu erkennen.

    Ein Nebel aus Sauerstoff stieg auf und verschwand dann langsam, als die Atmosphäre aus der Dockingstation gepumpt wurde. Hinter dem Kraftfeld konnte ich die Umrisse der gewaltigen Asteroiden erkennen, die sich langsam drehten.

    Die Startbeschleunigung drückte mich in den Sitz.

    Die eisbedeckten Gesteinsbrocken füllten mein Sichtfeld aus. Mit einer kleinen Korrektur der Schwenkdüsen schoss ich daran vorbei. Die atemberaubende Weite des Weltraums öffnete sich vor mir.

    An Steuerbord befand sich der Gasriese Wearong – der bräunliche Planet war unverkennbar. In weiter Ferne zu meiner Linken lag Darg, klein wie eine Erbse.

    Ich schaltete zwischen den Kameras um und sah mir die Fregatte der Gründer näher an – die Relic. Die Form erinnerte an einen Flügelrochen. Der 300 Meter lange Rumpf war mit unzähligen Einschlagspuren übersät, und überall wurde austretende Radioaktivität angezeigt. Die Reaktorblöcke arbeiteten alles andere als zuverlässig.

    Die Kraftschilde leuchteten nur schwach. Auf meinen Anzeigen überprüfte ich den Status der Bordsysteme des großen Schiffs. Elf der elektromagnetischen Gaußgewehre und einer der gerichteten Plasmageneratoren waren einsatzbereit.

    An vielen Stellen waren notdürftige Reparaturen zu sehen.

    Zwei Wearong begleiteten die Fregatte. Diese faszinierenden Wesen stammten von dem Gasriesen, dessen Namen sie trugen. Sie waren empfindungsfähig und halfen uns aus freien Stücken. Ihre gewaltigen, durchscheinenden Körper gaben einen schwachen Schimmer ab, als sie dicht über dem Rumpf des Gründerschiffes schwebten. Sie waren bereit, als lebende Schilde zu dienen.

    Ich hatte meinen Zielkurs erreicht.

    Lioris Condor flog neben mir. Die yrobs der Haash folgten gut 300 Kilometer hinter uns. Die Signatur der Fregatte wurde schwächer. Nur im äußersten Notfall würde sie in den Kampf eingreifen.

    Sobald ich beschleunigt hatte, schaltete ich die Triebwerke ab. In der Schwerelosigkeit bremste keine Atmosphäre die Vorwärtsbewegung.

    Mein Mind-Expander empfing die Daten meines Jägers. Vor uns lag der Asteroid, der den Gesetzlosen als Basis diente. Er war etwa 1.800 Meter lang. Krater und Öffnungen bedeckten die Oberfläche. Die KIs der Gründer hatten das Kommando von den Gesetzlosen übernommen.

    Nach und nach wurden dem Plan auf meinem Monitor weitere Details hinzugefügt. Rund um einen alten Grubenschacht waren zwei längliche Raumdocks errichtet worden. Eine Staubschicht bedeckte die Bauwerke, die Tore waren verschlossen. Dazwischen befand sich eine silbrig glänzende Ladestraße, über die wohl früher das abgebaute Gestein in Frachter verladen worden war. Ein solches Frachtschiff schwebte auch jetzt über der ehemaligen Mine, allerdings umgebaut zu einer Verteidigungsanlage.

    Jürgen hatte mit seiner Vermutung richtig gelegen. Die Gesetzlosen nutzten das vom Technologen-Clan entwickelte Verteidigungssystem gegen Angriffe aus dem Weltraum. Die Zentrale lag gut geschützt im Bergwerk. Die Waffen dagegen befanden sich auf den Felsbrocken, die den Asteroiden wie winzige Monde umkreisten. Eine solche Asteroidengruppe zog auf derselben Laufbahn durch das Weltall.

    Strahlung strich über meine Haut. Halt, das war ja die Schiffshülle, die ich spürte, denn mein Nervensystem war eins mit den Cyber-Modulen des Jägers. Es fühlte sich an wie ein Hauch heißen Windes, der ein schmerzhaftes Jucken zurückließ.

    An Lioris und meiner Condor öffnete sich kurz das Druckschott, um die Nanitenkolonien herauszulassen. Sofort verteilten sie sich und verbargen uns mit Stahlnebel auf Level 10 vor den feindlichen Sensoren. Nachdem wir getarnt waren, scannten wir beide unser Ziel.

    Ein komplexes Tunnelsystem zog sich durch den gesamten Asteroiden. Insgesamt gab es unter der Oberfläche fünf Stockwerke.

    „Zander? Diese Energiesignatur sieht vielversprechend aus."

    Eine grüne Markierung erschien auf meinem Plan, circa 150 Meter unter der Oberfläche.

    Ich studierte die Signatur und verglich sie mit meinen Datenbanken.

    Kein Zweifel: Das war das Artefakt der Gründer, das einzige verbliebene Hyperraum-Modul im Darg-System, mit dem sich Identitäten kopieren und übertragen ließen.

    Es war unsere einzige Chance aufs Überleben.

    Wir näherten uns dem Asteroiden. Bis jetzt verlief alles nach Plan. Liori und ich hatten die Verteidigungsanlagen mit unseren mnemonischen Fähigkeiten lahmgelegt. Auf diese Weise würden die Haash in ihren yrobs kurzen Prozess damit machen können.

    Mit jeder Flugsekunde wurde der Plan detaillierter.

    Aber was zum Teufel war das?

    Wie aus dem Nichts erschien eine Gruppe grellroter Markierungen in einer Lichtsekunde Entfernung. Drei Frachtschiffe, etwa 100 Drohnen und … war das ein Bauwerk, oder was?

    Ich wich vom Angriffskurs ab und versteckte den Jäger hinter einem großen Felsbrocken. Liori tat es mir gleich. Auch die yrobs wurden langsamer und gingen zwischen den Asteroiden in Deckung.

    Die Sensoren der Condor sammelten weiterhin Daten. Schließlich wurde ein riesiger, künstlicher Himmelskörper angezeigt. Es sah aus, wie eine Steppenhexe aus Stahl. Nur dass diese nicht über eine staubige Straße im Western rollte. Mein Mind-Expander zeigte weitere Details an. Inmitten des Gewirrs erkannte ich ein unfertiges Raumschiff der Titan-Klasse, in das unsere Fregatte mehrfach hineingepasst hätte!

    War das eine Raumwerft?

    Die drei fremdartigen Frachter hatten den Kurs geändert und ihre Luken geöffnet – mehrere hundert Tonnen Cargonit-Erz schwebten heraus.

    Die Drohnen schossen auf das Metall zu und sammelten es in ihren Kraftfeldern ein. Dann brachten sie es zu großen Energieblasen. Dort wurde das Erz geschmolzen. Übrig blieb ein Molekularnebel.

    Staunend beobachtete ich den Einsatz der Gründertechnologie.

    „Zander, was ist los bei euch?, erklang Jürgens ungeduldige Stimme über das Kommunikationssystem. „Warum greift ihr nicht an?

    Ich leitete die Sensordaten an ihn weiter. „Schalte die Triebwerke ab und aktiviere die Schilde der Fregatte. Ich melde mich, sobald wir wissen, was hier los ist."

    „Auf keinen Fall. Ich bleibe auf Kurs", antwortete der Technologe. Der Mut der Verzweiflung sprach aus ihm.

    Die kleinste Verzögerung könnte unser aller Tod bedeuten. Doch das plötzliche Auftauchen dieses Dings direkt neben unserem Ziel hatte unsere Pläne durchkreuzt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass die Gesetzlosen diese Werft gebaut hatten. Wahrscheinlich waren die uralten KI-Systeme dafür verantwortlich. Nur sie konnten so gewaltige Mengen an Molekularnebel verarbeiten.

    Über eine Sonde richtete ich einen Laserkommunikationskanal ein.

    „Liori? Was hältst du davon?"

    „Der Bau des Schiffs wird von einer KI gesteuert, antwortete sie. „Aber ich glaube nicht, dass die Anweisungen von der Basis der Gesetzlosen kommen. Dazu ist die Entfernung zu groß. Ich kann auch keine Aktivitäten in dem alten Bergwerk entdecken.

    Frieda meldete sich ungläubig zu Wort. „Also denkt ihr, die lassen uns in Ruhe, wenn wir uns nicht nähern oder sie nicht angreifen?"

    „Erinnerst du dich daran, wie Wartungsroboter arbeiten?, antwortete Liori gelassen. „Sie folgen ihren Standardroutinen. Sie lassen sich noch nicht einmal von einem Kampf in direkter Nähe aus dem Tritt bringen.

    „Kein gutes Argument, wandte Charon in seiner gewohnt direkten Art ein. „Wenn wir die Basis erstürmen, weckt das bestimmt die Aufmerksamkeit der KI.

    Die unerwartete Verzögerung so kurz vor dem Ziel setzte uns gehörig zu.

    „Wir können nicht zurück, schluchzte Arbido. „Wir haben doch keine andere Wahl.

    „Ganz ruhig. Ich blase den Angriff nicht ab." Dann wandte ich mich an Danezerath, dessen yrob mit einem hoch entwickelten Tracker ausgestattet war. „Danny, kannst du eine Datenübertragung zwischen der Werft und dem Ziel ausmachen?"

    Nowr", verneinte er.

    Hunderte grellrote Punkte wurden auf dem Radar markiert. Unbewusst knirschte ich mit den Zähnen, als ich sie beobachtete. Alle Markierungen hielten auf die Werft zu. Die Frachter flogen weg – vermutlich, um neues Erz zu holen. Kurz darauf waren ihre Signaturen nicht mehr zu sehen.

    Die Drohnen der Gründer deaktivierten die Energieblasen, und der Inhalt schwebte ins All. Molekularnebel erhob sich rund um die Werft. Die Wand aus glühendem Gas war für unsere Scanner undurchdringlich.

    Wir sahen weiter zu. Liori hatte recht. Die Drohnen folgten stur ihrer Programmierung. Sie teilten sich in mehrere Gruppen auf und begannen mit der nächsten Fertigungsphase. Mithilfe von elektromagnetischen Feldern wurde das Glühgas komprimiert.

    Eine Reihe von Blitzen grellte kurz auf.

    Durch Gegenstandsreplikation waren aus dem Gas Panzerplatten geworden. Deutlich waren die rautenförmigen Segmente zu erkennen. Langsam schwebten sie aufeinander zu und bildeten größere Rumpfsegmente.

    Ich musste Charon recht geben. Sobald wir die Basis erstürmten, würde das die Aufmerksamkeit der KI wecken. Ich fragte mich, ob wir mit der Fregatte die Oberhand behalten würden. Es gab keine großen Schiffe in der Nähe. Avatroid verfolgte mit seinen Truppen die Überreste der Eurasischen Kolonialen Flotte.

    „Ich habe eine Idee", rief Jürgen.

    „Lass hören!"

    „Der Traktorstrahl der Relic! Ich kann damit den Asteroiden ins Schlepptau nehmen und an den Rand des Systems bringen. Wenn noch jemand drin ist, können wir uns weit entfernt von der KI darum kümmern."

    „Das klingt logisch", stimmte Charon zu.

    „Perfekt. So machen wir es. Ich hatte nicht die Zeit, nach Alternativen zu suchen. „Alle auf Position. Lasst die Drohnen in Ruhe. Und haltet euch von der Werft fern.

    * * *

    Ich nahm den ersten natürlichen Satelliten ins Visier.

    Beim Näherkommen scannte ich den riesigen Felsbrocken. In seinem Innern arbeitete ein kompakter Reaktor, während auf der Oberfläche mehrere Laser und elektromagnetische Geschütze zu erkennen waren.

    Mein Herz klopfte.

    Die Werftdrohnen waren nur eine mickrige Lichtsekunde entfernt. Sie flitzten durch den Molekularnebel, sammelten die langsam abkühlenden Panzerungsplatten ein und brachten sie zum unfertigen Rumpf.

    Mit den Systemen der Condor überwachte ich die Kommunikationsfrequenzen, aber es gab keinen Austausch zwischen Werft und Minenasteroid.

    Ohne Vorwarnung schaltete das Funkmodul auf die Notruffrequenz. Eine leise, stark verrauschte Stimme ertönte:

    „Hier Station Eurasia. Mayday! Wir werden von einem unbekannten Feind angegriffen! Unsere Schilde versagen. Luft entweicht. Mayday!"

    Neue Quest: Rette die Eurasia!

    Halte Avatroid auf.

    Belohnung: Dein Ansehen beim Oberkommando der Kolonialen Flotte wird deutlich steigen. Du wirst mit der Station Handel treiben und die dortige Ausrüstung für Schiffsreparaturen nutzen können.

    „Liori? Hast du das mitbekommen?"

    „Ja. Mir wird auch eine Quest angezeigt."

    Wir näherten uns dem Ziel und umkreisten den Asteroiden auf unterschiedlichen Bahnen. Statt unsere Bordgeschütze einzusetzen, schalteten wir das Verteidigungssystem gegen Angriffe aus dem Weltraum mit unseren Naniten und der Fertigkeit Mnemotechnik aus. Die mikroskopisch kleinen Roboter schlüpften durch Lücken in der Verteidigung, machten Sensoren blind, störten die Datenübertragung und hemmten die Servomotoren. An den feindlichen Stellungen poppten im Sekundentakt Warnmeldungen auf.

    Systemversagen

    Kritischer Schaden

    Gerätestörung

    Nummer eins war erledigt! Wir setzten Kurs auf die nächste fliegende Geschützstellung. Eine schwache Energiesignatur tauchte am Rand der Scannerreichweite auf: Die Relic war fast

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