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Lotse der Toten (Der Weg eines NPCs Buch 4): LitRPG-Serie
Lotse der Toten (Der Weg eines NPCs Buch 4): LitRPG-Serie
Lotse der Toten (Der Weg eines NPCs Buch 4): LitRPG-Serie
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Lotse der Toten (Der Weg eines NPCs Buch 4): LitRPG-Serie

Автор Pavel Kornev

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Niemand stirbt gern in der virtuellen Realität, aber Todesdrohungen von echten Gangsterbossen sind noch weitaus schlimmer. Die Alternative, für sie in der VR einen Auftrag auszuführen, klingt in dieser aussichtslosen Lage gar nicht so schlecht. Allerdings gelten in den Spielen geheimnisvoller Auftraggeber weitaus strengere Regeln. Ob man eine Wahl hat oder nicht, spielt hier keine Rolle – ihre verdeckten Pläne kennen kein Erbarmen.

Andererseits hatte ich bislang nie eine Wahl, deshalb erschien mir der Preis für meine Freiheit nicht zu hoch. Ich musste mich lediglich einloggen, zum Nekromanten werden, meine unheilvollen Verfolger abschütteln, die Eliminierungsprüfung überstehen und eine ganz bestimmte Person ausfindig machen. Welche? Warum? Und wie sollte ich das anstellen?

Falsche Fragen. Wichtig war nur eine einzige: Warum ich? Warum John Doe?
ЯзыкDeutsch
ИздательMagic Dome Books
Дата выпуска30 мая 2022 г.
ISBN9788076196292
Lotse der Toten (Der Weg eines NPCs Buch 4): LitRPG-Serie
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    Lotse der Toten (Der Weg eines NPCs Buch 4) - Pavel Kornev

    Prolog

    Offline

    WENN DU IN einen Abgrund blicken willst, musst du nur einmal in einen Revolverlauf schauen. Und zwar nicht, allen Vorsichtsmaßnahmen zum Trotz, beim Reinigen der Waffe, sondern wenn ein Fremder sie in der Hand hat und damit auf dich zielt … zum Beispiel mitten auf die Stirn.

    Das erlebte ich gerade.

    In der Röhre herrschte Finsternis, dahinter war verschwommen die Silhouette eines Mannes auszumachen. Mir gelang es nicht, den Blick auf den Schurken selbst zu richten, so sehr hielt das falsche Ende des Schalldämpfers mich in seinem tödlichen Bann. Ja, „tödlich" ist das richtige Wort, daran gibt es keinen Zweifel.

    Mein Magen krampfte sich zusammen. Erst als sich der Revolverlauf ein wenig senkte, ließ meine Lähmung nach.

    Gehorsam drückte ich den Knopf, der das Autofenster herabfahren ließ. Ich saß in meinem eigenen Elektroauto auf meinem eigenen Parkplatz auf der Wartungsebene des Hochhauses, in dem ich mir ein eigenes Büro gemietet hatte.

    Mit leisem Rauschen glitt das Fenster herab.

    Mein eigenes — und wenn schon. Wenn der Kerl jetzt abdrückte, würde mir nichts mehr bleiben. Nicht einmal mein Ich. Der leblose Leichnam wäre nur ein Haufen Fleisch und Knochen mit etwas verstreuter Gehirnmasse.

    Das Fenster war unten angekommen. Der Motor hörte auf zu surren. Stille machte sich breit.

    „Schöne Grüße von Kogan", sagte das verschwommene Gesicht mit ausdrucksloser Stimme.

    Ich konnte mich nicht dazu durchringen, den Kerl anzusehen.

    Etwas explodierte.

    Ein Blitz durchfuhr mich, als wäre in meinem Kopf eine Granate hochgegangen. Sämtliche Farben verschwanden, alles war weiß. Die Welt war zu einem weißen Nichts geworden.

    Dann wurde ich aus dem Auto in dieses Nichts gezerrt.

    Nein, die Seele war mir nicht aus dem Leib gerissen worden. Ich hatte nicht den Eindruck, als würde ich bei lebendigem Leib in den Himmel befördert. Obwohl ich nichts hören konnte und kaum begriff, was vor sich ging, war mir, als würde ich unter den Armen gepackt und über den Betonboden geschleift.

    Die schemenhaften Umrisse vor mir waren wohl ein Paar schwarze Kampfstiefel. Aha. Offenbar kehrte mein Sehvermögen allmählich zurück.

    Jetzt hatten sie mich vermutlich in einen Van oder Minibus bugsiert und — nach dem leichten Vibrieren zu urteilen — die Schiebetür zugeworfen. Zumindest hatte ich den Eindruck.

    Mir klingelten die Ohren, vor meinen Augen schwammen weiße Kreise. Nur auf meinen Tastsinn schien wieder Verlass zu sein, denn unter den Fingern spürte ich rauen Teppich.

    Auf dem ich in meinem maßgeschneiderten Anzug lag, der mich ein halbes Vermögen gekostet hatte.

    Stopp, der Anzug war jetzt egal. Wurde ich gerade entführt?

    Und wenn ja, war das besser als eine Kugel im Kopf — oder doch nicht?

    Es kam entscheidend darauf an, was die Ganoven vorhatten. Sie hatten Kogan erwähnt, also ging es nicht um Lösegeld. Und da sie keine Gläubiger waren, würden sie sich mit dem sprichwörtlichen Pfund Fleisch nicht zufriedengeben.

    Verdammt! Wieso war das ausgerechnet jetzt passiert? Nach so vielen Jahren?

    Schließlich war ich auf Nummer sicher gegangen, war ans andere Ende des Landes gezogen, hatte die Branche gewechselt, verzichtete auf soziale Medien und hatte sogar neue Versicherungen abgeschlossen. Was war nur los? Was wollte Kogan von mir? Gut, meine Aussage hatte entscheidend dazu beigetragen, dass er für acht Jahre hinter Gittern gelandet war — na und? Mittlerweile war er wegen guter Führung freigekommen und auf dem Weg in das sprichwörtliche Gelobte Land! Warum zum Teufel konnte er die Vergangenheit nicht ruhen lassen? War er sich so sicher, dass man ihn nicht aufspüren konnte — oder meinte er, dass ihn niemand verraten würde?

    Aber was kümmerte mich das? Es änderte nichts an meiner Lage. Hätte er mich doch an Ort und Stelle erschossen …

    Trotz des fiesen Klingelns in den Ohren nahm ich wahr, dass die Tür wieder aufgeschoben wurde. Diesmal konnte ich einen der Kidnapper einigermaßen erkennen. Er trug einen Tarnanzug, einen Funktionsgürtel, einen Revolver und einen Helm mit Gasmaske und getöntem Visier. Damit sah er nicht wie ein typischer Gauner aus. Ich bezweifelte jedoch, dass Kogan einen privaten Sicherheitsdienst anheuern würde, nur um mich zu entführen. Das wäre etwas übertrieben gewesen, so viel war ich nun auch nicht wert.

    Damit blieb nur noch der Staat. Aber die Vorstellung war genauso absurd!

    Man packte mich unter den Armen, zerrte mich hoch und hob mich auf einen Autositz. Dann wurde das Tischchen heruntergeklappt und ein Laptop daraufgestellt.

    „Wenn Sie so weit sind, machen Sie es auf, sagte der Typ in Tarnkleidung. „Verstanden?

    Mein zögerliches Nicken stellte ihn offenbar nicht zufrieden, denn er wiederholte: „Haben Sie verstanden?"

    Obwohl mir von der Betäubungsgranate immer noch die Ohren klingelten, verstand ich seine Worte klar und deutlich. „Ja", stieß ich hervor, um ihn nicht weiter zu verärgern.

    Zugegeben, meine Antwort klang jämmerlich. Trotzdem ließ er mich jetzt in Ruhe, stieg aus dem fensterlosen Van und schob die Seitentür hinter sich zu.

    Ich hatte keine Eile, den Laptop aufzuklappen, sondern lehnte mich im Sitz zurück. Immer wieder schloss und öffnete ich die Augen, damit die weißen Flecken verschwanden, die in meinem Sichtfeld tanzten.

    Allmählich sah ich wieder besser. Zögerlich strich ich über den Gummirand des Computers. Eindeutig eine Spezialanfertigung. Schließlich nahm ich all meinen Mut zusammen. Ich wollte endlich wissen, was hier vorging.

    Also klappte ich den Deckel auf.

    Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte — vielleicht die grinsende Visage meine Ex-Chefs —, aber vor mir erschien das Logo des Spiels Türme der Macht, das sich langsam vor einem schwarzen Hintergrund drehte.

    Was sollte das denn jetzt? Zum x-ten Mal in den letzten fünf Minuten fiel mir die Kinnlade herunter.

    Dann wurde ein Kommunikationskanal eingeschaltet, in dem ein Gesicht erschien. Kein echtes, sondern das Gesicht einer Zeichentrick-Figur. Und diese war kein Mensch.

    Der Avatar hatte einen schmalen Schädel, gräuliche Haut, aschfarbenes Haar und spitze Ohren. Schwarze Augen mit vertikalen Pupillen, in denen purpurrote Pünktchen funkelten. Aha. Ich hatte also die Ehre, von einem Dunkelelf besucht zu werden.

    Oder vielmehr einer Elfin. Es war Isabella Ash-Rizt — oder jemand, der sie verkörperte.

    Seit vier Jahren hatte ich mit dieser gar nicht so netten Dame nichts mehr zu tun gehabt.

    Doch nein, das war kein Trick. Isabella war echt.

    „Hallo, Schätzchen, begrüßte sie mich wie üblich. „Lange nicht gesehen!

    Soweit ich wusste, arbeitete sie für die Nachrichtenabteilung einer Strafverfolgungsbehörde. Keine Ahnung, um welche es sich handelte.

    „Hau ab!", rief ich.

    Die Elfin (natürlich war sie keine Elfin … aber irgendwie musste ich sie schließlich nennen) lachte kurz auf. „Ist das der Dank dafür, dass wir dir gerade das Leben gerettet haben?"

    Mittlerweile war mein Kopf wieder so klar, dass ich einen Haken witterte. „Von wegen, erwiderte ich. „Willst du etwa behaupten, das sei keine Finte gewesen?

    Isabella schüttelte den Kopf. „Leugnen, Zorn, Verhandeln, zählte sie an ihren langen Fingern mit schwarzlackierten Nägeln ab. „All das wird dir nicht weiterhelfen, genauso wenig wie Depressionen. Am besten gehst du direkt zur Phase der Akzeptanz über. Übrigens, Schätzchen, dein ehemaliger Chef ist ein ziemlich rachsüchtiger Bursche. Zu deinem Glück konnte der Kerl, der ihm einen Auftragskiller beschaffen sollte, den Mund nicht halten. Uns blieb keine Zeit, einen von uns einzuschleusen, deshalb mussten wir improvisieren, wenn du verstehst, was ich meine.

    „Aber was hast du mit dem Spiel zu tun?", fragte ich.

    „Wir wollen dir ein Geschäft anbieten."

    In meinen Ohren klingelte es schrill und mein Kopf hämmerte, deshalb verlor ich die Beherrschung. „Ach, tatsächlich? Kannst du dir nicht denken, wohin du dir deine Angebote stecken kannst? Oder muss ich noch deutlicher werden?"

    „Wie wäre es, wenn wir dich ins Zeugenschutzprogramm nehmen? Dann bekommst du einen neuen Namen, eine neue Herkunft und sogar ein neues Gesicht, falls du möchtest. Einschließlich Spesen. Ich weiß, dass es dir nicht gerade schlecht geht, aber Geld hat man nie genug. Was hältst du davon?"

    Diese Sache hatte so viele Haken auf einmal, dass ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte. Trotzdem machte ich nicht den Fehler, das Angebot sofort auszuschlagen. Ich musste gründlich überlegen.

    „Das ist ganz einfach, Schätzchen, versuchte Isabella weiter, mich zu überreden. „Entweder du bleibst bei deiner Aussage und lebst glücklich und zufrieden bis zum nächsten Anschlag auf dein Leben …

    „Falls es überhaupt einen geben wird."

    Isabella ging auf meinen Einwurf nicht ein. „Ich kann schlecht einschätzen, wie hartnäckig Mr. Kogan ist. Du kennst ihn besser als ich. Oder du nimmst unser Angebot an und stirbst offiziell hier und jetzt. Um die technische Seite kümmern wird uns."

    Das gab mir zu denken. Mein gesamtes Kapital lag auf digitalen Bankkonten, sodass ich weiterhin darauf Zugriff haben würde. Eine Familie hatte ich in den letzten Jahren nicht gegründet, es gab nicht einmal Menschen, die mir nahestanden, denn insgeheim hatte ich immer geahnt, dass irgendwann so etwas wie jetzt passieren würde. Zugegeben, es war nicht gerade angenehm, in ständiger Angst zu leben.

    Außerdem war mir klar, dass Kogan keine Ruhe geben würde. Wenn er sich in den Kopf gesetzt hatte, mich zu vernichten, würde er dieses Ziel gnadenlos verfolgen. Ich zweifelte nicht eine Sekunde an seiner Entschlossenheit — deshalb hatte ich mich in dieses entlegene Nest am anderen Ende des Landes verzogen.

    Das Zeugenschutzprogramm konnte ein Ausweg sein. Aber zu welchem Preis?

    „Und was verlangst du als Gegenleistung?", fragte ich nach diesen Überlegungen widerwillig.

    „Zwei Monate deines Lebens. Oder sogar noch weniger, wenn du schnell bist. Im Idealfall ist alles in weniger als einem Monat erledigt."

    „Ist was erledigt?"

    „Du sollst jemanden für uns finden …" Offenbar war meine Miene so entsetzt, dass Isabella mitten im Satz abbrach und beruhigend die Hand hob. „Ich meine online, Schätzchen! Wir müssen ihn erst online finden. Hast du schon mal von der Multi-Plattform Deep Sleep gehört?"

    „Das ist doch Quatsch, murmelte ich, denn ihr Angebot brachte mich aus der Fassung. „Wieso braucht ihr dazu ausgerechnet mich?

    „Glaub mir, Schätzchen, ohne dich geht es nicht. Jetzt möchte ich dich bitten, den Vertrag zu lesen und den Daumen auf den Scanner zu halten …"

    Online

    DUNKELHEIT. Stille. Glückseligkeit.

    Dann zuckten um mich herum unvermittelt eine Reihe greller Blitze auf, gefolgt von Kreischen und Kratzen sowie knisternden Elektrostößen.

    Ich wollte mir den Helm vom Kopf reißen, doch ich hatte keinerlei Kontrolle über meinen Körper. Ich konnte nicht einmal schreien. Das war auch gut so, denn wenige Augenblicke später ließen die Blitze nach und die schrille Kakofonie ebbte ab, während mein Geist in grenzenloser Finsternis versank.

    „Achtung bitte, ertönte eine geschlechtslose Stimme in meinem Kopf. „Bereitmachen zur Gerätekalibrierung. Denken Sie an ein weißes Quadrat.

    Das tat ich, und schon leuchtete zu meinem Erstaunen die geometrische Form, die in meiner Fantasie entstanden war, in der Dunkelheit auf.

    Sobald sich das Bild stabilisiert hatte, bekam ich die nächste Anweisung.

    „Versuchen Sie, aus dem Quadrat einen Kreis zu machen."

    Auch das gelang mir mühelos, genau wie die Änderung der Farbe von Weiß zu Grün. Danach musste ich den Kreis zur Raute formen und diese links blau und rechts rot einfärben.

    Damit war die Kalibrierung abgeschlossen.

    Gerät einsatzbereit

    Die Finsternis zuckte, die zweifarbige Raute verschwand, stattdessen erschien das Logo der Entwicklerfirma. Ich wurde wie ein Zweig in einem Whirlpool herumgewirbelt. Mein Gehirn stürzte in ein Flammen umzucktes Portal.

    Doch aus dem freien Fall wurde ein sanfter Gleitflug, als der Kaninchenbau sich auftat und ins grenzenlose All überging. Nach und nach erschienen Sterne im Dunkel, kamen immer näher und wurden immer heller, bis ich darin ein Meer aus Portalen erkannte, die in virtuelle Welten führten.

    Bitte wähle eine Eintrittsstelle.

    Du kannst sie später ändern.

    Mein Blick schoss hektisch hin und her. Welches war das richtige Fenster? Endlich kam ich zur Besinnung und erteilte in Gedanken ein Kommando.

    „Grenzenloses Reich."

    Und es funktionierte. Eines der virtuellen Icons wurde größer, sodass ich hindurchschlüpfen konnte und durch einen Tunnel auf ein paar helle Pünktchen zuraste, die in weiter Ferne schimmerten.

    Dann sah ich ein Stahlgitter, das den Tunnel versperrte.

    Suche nach gesperrten Konten läuft …

    Die Systemnachricht tauchte unverhofft auf und ließ mich zusammenzucken, weil ich fest damit gerechnet hatte, gegen die spitzen, blutverklebten Gitterstangen zu prallen. War das von den Entwicklern wirklich so programmiert oder spielte meine überspannte Fantasie mir einen grausamen Streich?

    So oder so, es war furchterregend.

    Neue dauerhafte Kontosperren entdeckt: Türme der Macht.

    Ich ahnte, dass ich gleich zurück in die Realität geschleudert werden würde wie ein ungezogenes Kätzchen. Die Aussicht, aus dem Zeugenschutzprogramm geworfen zu werden, weckte in mir solche Panik, dass der Zusammenprall mit den heransausenden spitzen Stangen im Vergleich nicht mehr so furchteinflößend oder unangenehm wirkte.

    Multi-Plattform Deep Sleep: Keine globalen Kontosperren entdeckt

    Grenzenloses Reich: Keine Kontosperren entdeckt

    Zutritt gewährt!

    Offline

    NEIN, ICH HATTE mich nicht Hals über Kopf auf die „Kooperation" eingelassen. Erst hatte ich mir sämtliche Details erläutern lassen, in denen bekanntlich oft der Teufel steckt. Ich hatte nicht die Absicht, mich als virtuellen Sklaven zu verkaufen — sofern es tatsächlich um einen virtuellen Einsatz ging.

    Aber die Vereinbarung stellte sich als vollkommen klar und eindeutig heraus, ohne Hintergedanken, Zweideutigkeiten oder Kleingedrucktes. Für die Leistung gab es eine Gegenleistung, wenn man so will.

    Ich sollte einen Spielcharakter in der Welt von Grenzenloses Reich erstellen und dann zwei Monate als Berater unser Justizministerium unterstützen, das durch ein anonymes „Ermittlungsteam" vertreten wurde. Nach Ablauf der genannten Frist würde ich im Rahmen des Zeugenschutzprogramms eine neue Identität und ausreichend finanzielle Mittel bekommen, sodass ich irgendwo im Land neu anfangen konnte.

    Doch zuvor musste ich eine gewisse Person ausfindig machen, deren Identität mir noch nicht bekannt war. Sollte meine Mission scheitern, würde das zwar keine Strafe nach sich ziehen, aber ich würde in diesem Fall nur eine bescheidene Entschädigung kassieren und ohne neue Identität meinem Schicksal überlassen.

    „Aber wieso gerade ich?", kam ich immer wieder auf die entscheidende Frage zurück.

    „Was weißt du über die Plattform Deep Sleep?", entgegnete Isabella auf dem Display.

    Ich zuckte ahnungslos die Schultern.

    „Es handelt sich um eine Gruppe virtueller Projekte. Während der Neurovirus-Pandemie vor einigen Jahren sind sie groß ins Geschäft eingestiegen, weil sie ihre Spielkonsolen als medizinische Geräte vermarkten konnten. Sie scheffelten eine Menge Geld — aber offensichtlich war das nur eine Seite des Projekts, mit dem das Militär in Wirklichkeit zwei Zwecke verfolgte. Das Start-Set kostet nur einen Bruchteil der Summe, die für VR-Pods älterer Generationen fällig waren — außerdem gibt eine Option mit Nachtverbindung, bei der man für die durchwachte Zeit entschädigt wird. Darüber hinaus existieren erweiterte Optionen mit unbegrenztem Online-Erlebnis."

    Es gab kein „Neurovirus". Das war nur die gängige Bezeichnung für ein Virus mit einer komplizierten wissenschaftlichen Abkürzung, das sich über die Luft verbreitete, schneller mutierte als die Grippe, das zentrale Nervensystem der Erkrankten befiel und ihnen fast alle körperliche Fähigkeiten nahm, während das Gehirn selbst nicht geschädigt wurde. Obwohl es erst seit wenigen Jahren existierte, waren schon mehr als 200 Millionen Menschen betroffen. In der dritten Welt war angesichts dieses Problems mittlerweile sogar die Euthanasie legalisiert worden.

    Im Westen allerdings kam das nicht infrage, denn eine beträchtliche Anzahl der Betroffenen war wohlhabend oder sogar stinkreich — darüber hinaus besaßen viele Leute umfassenden Krankenversicherungsschutz, während in anderen Ländern der Staat die Gesundheitsversorgung finanzierte. Aus diesen Gründen hatte sich die virtuelle Realität zur bahnbrechenden Lösung für die Probleme der Menschheit entwickelt. Eine Reihe der Virusopfer war weiterhin im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte, sodass etliche Unternehmen ganze Abteilungen auf VR umstellten und dort ihr erkranktes Personal weiter beschäftigten. Alle anderen bekamen von staatlichen Stellen oder Versicherungen kostenlose VR-Abonnements, da die Einstiegsausrüstung nicht besonders kostspielig war.

    Somit konnten viele Menschen — nicht nur die vom Neurovirus betroffenen — in den eigenen vier Wänden arbeiten, andere treffen oder die Welt bereisen und historische Gebäude, Baudenkmäler und sogar ganze Städte als digitale Bilder bewundern. Ganz zu schweigen von den Spielen an sich. Niemand musste sich mehr aus dem Haus wagen, wo die geheimnisvolle, unheilbare Krankheit lauerte. Immer mehr vollkommen gesunde Menschen blieben lieber in ansteckungsfreien Räumen. Wieso für Flüge oder Hotels bezahlen, wenn man einfach ein digitales Abo abschließen konnte? Manche verbrachten per VR bis zu acht Stunden am Tag im Büro, während andere in fortgeschrittene Ausrüstung investierten, um Wochen oder gar Monate am Stück online zu bleiben. Einige Menschen lebten sogar dauerhaft in der virtuellen Realität — und nicht nur diejenigen, die von der Krankheit betroffen waren. Die Medien prägten sogar eine neue Bezeichnung für diese Bevölkerungsgruppe: „digitale Außenseiter".

    Isabella sagte nichts, als wartete sie darauf, dass ich weitersprach.

    „Bei dieser neuen Technologie ist das menschliche Gehirn an der Datenverarbeitung nicht beteiligt, fuhr ich fort. „Es bekommt ein fertiges Signal, mit dem die Empfindungen gefiltert werden können, damit selbst nach Monaten der vollständigen Immersion niemand vor Schmerz stirbt.

    Isabella nickte. „Du hast absolut recht, Schätzchen. Allerdings hast du ein winziges Detail übersehen. Die Multi-Plattform Deep Sleep gehört dem Konzern VRL und liegt auf den gleichen Servern wie Türme der Macht, deshalb sind die beiden in gewisser Weise miteinander verknüpft. Ob es dir gefällt oder nicht, aber John Doe muss eine zweite Runde spielen. Du musst einen neuen Charakter schaffen, der deinem alten Gerippe so ähnlich ist wie nur möglich. Bitte gibt dir Mühe und vermassel es nicht."

    „Aber wieso?"

    „Das wirst du noch rechtzeitig herausfinden, Schätzchen. Jetzt tu mir den Gefallen und leg den Daumen auf den Scanner …"

    Online

    Zutritt gewährt!

    DIE SYSTEMNACHRICHT VERBLASSTE. Die rostigen Stangen bewegten sich auseinander. Ich knallte also doch nicht dagegen, sondern schoss hindurch, während ich innerlich fluchte und mir der virtuelle Schweiß ausbrach. Dabei war das vermutlich das geringste meiner Probleme, da mein eigentlicher Körper gerade in einem Krankenhausbett lag und nicht in einer vollautomatischen Ultra-Immersionskapsel. Ich hoffte nur, dass ich mir vor Nervosität nicht in die Hosen gemacht hatte. Wie peinlich.

    Allmählich wurde mein Flug langsamer. Eine neue Nachricht erschien.

    Geschlechtsidentitätskontrolle läuft …

    Vor meinem inneren Auge tauchten weitere Nachrichten auf, die Zugriff auf meine Krankengeschichte, Sozialversicherungsdaten und Social-Media-Accounts meldeten. Doch ehe ich es mit der Angst zu tun bekommen konnte, kam die nächste Meldung.

    Du bist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Cisgender-Mann

    Geschlecht im Spiel: Männlich*

    Akzeptieren / Ändern

    *Die Multi-Plattform Deep Sleep toleriert keinerlei Diskriminierung, auch nicht aufgrund des Geschlechts einer Person. Sofern unsere User ihrer Identität treu bleiben, können sie auf ihrem gewählten Weg Außergewöhnliches erreichen, unabhängig von Rasse oder Geschlecht.

    Auf diese Nachricht folgte ein riesiger Block mit kleingedruckten Entschuldigungen für den Fall einer fehlerhaften Useridentifikation, dazu Fußnoten, Endnoten und Anmerkungen, mit denen sich die Entwickler gegen jegliche juristischen Schritte absichern wollten. Ich ignorierte alles, akzeptierte die Ergebnisse meiner Identitätsprüfung mit einer mentalen Nachricht und flog weiter.

    Wähle eine Rasse.

    Isabella hatte mir eindeutige Anweisungen gegeben — ich musste einen Charakter schaffen, der meinem guten alten toten Schurken John Doe so ähnlich wie möglich war. Doch als ich in der Liste der verfügbaren Rassen nach „Untoter" suchte, wurde ich nicht fündig. Besonders traurig war ich darüber nicht, denn ich hatte keine große Lust, mich wieder in einen Toten zu verwandeln. Schon der bloße Gedanke war mir zuwider.

    Ich sah mir noch einmal die Liste durch, doch prompt kam wieder der Haftungsausschluss, diesmal mit dem Hinweis, dass mein gewähltes Geschlecht die Auswahl der verfügbaren Rassen einschränke, sodass nicht alle auf der Liste erschienen. Allerdings wurde auch erwähnt, dass ich mich in dieser Phase der Charaktererstellung noch für ein anderes Geschlecht entscheiden konnte, „unter der Bedingung, dass die Spielentwickler in keiner Weise für Unannehmlichkeiten haftbar gemacht werden, die sich aufgrund einer solchen Entscheidung im Spiel ergeben könnten".

    Ich änderte jedoch nichts und beschäftigte mich nicht länger mit der unendlichen Liste von Rassen, sondern wählte einfach „Mensch". Ja, so ein rassistisches Schwein bin ich. Auch ignorierte ich das angebotene Premium-Abo, das Zugriff auf weitere Optionen geboten hätte, darunter eine größere Auswahl an Rassen. Genau, geizig bin ich auch noch.

    Standardmäßig bot das System mir den Namen meines alten Charakters aus Türme der Macht an. Schmunzelnd bestätigte ich. Ja, ich wollte mich als „John Doe" einloggen.

    Die nächste Phase der Charaktererstellung erforderte dagegen mehr Überlegungen.

    Wähle deine Klasse.

    Das brachte mich ins Grübeln. Was wollte ich sein? Welche der verfügbaren Optionen kam meinem nekromantischen toten Schurken am nächsten? Der nächste Abschnitt mit Kleingedrucktem war recht erfreulich, denn ich erfuhr, dass sich meine jetzige Auswahl lediglich auf meine anfänglichen Fähigkeiten auswirken würde. Im weiteren Verlauf des Spiels konnte man den Charakter nach Belieben weiterentwickeln.

    Dennoch vermochte mich das nicht uneingeschränkt zu beruhigen. Manche Fehler ließen sich nur schlecht wieder ausbügeln, das wusste ich leider nur zu gut.

    Also wollte ich nichts überstürzen, sondern ging die gesamte Liste durch. Besonders lang war sie nicht, da sämtliche Klassen bereits in einzelne Kategorien unterteilt waren.

    Krieger, Barbaren, Berserker ... nein.

    Bogenschützen, Waldläufer, Jäger ... nein.

    Schurken, Diebe, Attentäter ... nein.

    Bei der letzten Gruppe geriet ich ins Zögern. Schließlich hatte ich meinen Charakter in Türme der Macht anfangs als Schurken gestaltet. Dennoch entschied ich mich gegen diese Klasse. Da mein Charakter auch eine Neigung zum Todeszauber hatte, wäre es unklug gewesen, darauf zu verzichten.

    Geistliche, Mönche, Paladine ... nicht ganz das Richtige.

    Hexenmeister, Zauberer, Schwarzmagier ... ja! Gefunden!

    Kaum hatte ich meine Wahl aktiviert, erschien in der schwarzen Leere des Spiels ein feuriger Kreis mit Flammenzungen, die an die Zeiger einer Uhr erinnerten. Die vier Stellen, an denen sich normalerweise die Ziffern 3, 6, 9 und 12 befinden, waren mit gerade Linien verbunden, die ein Quadrat bildeten. In den Ecken saßen die Symbole der vier Elemente Erde, Wasser, Luft und Feuer.

    Dann entstand auf gleiche Weise ein zweites Quadrat, das die weiteren Ziffern mit den Symbolen für Alchemie, Mentalismus, Blutzauber und Golembau verband. Und schließlich erschien ein drittes, das Heilung, Exorzismus, Nekromantie und Dämonologie symbolisierte.

    Um eine spezielle Schule mit Geheimwissen auszuwählen, musste ich das Rad drehen. Sobald ich eine Wahl getroffen hatte, verblassten die anderen Optionen nach einem komplexen Schema. Mein gewählter Entwicklungszweig schien am hellsten. Die direkt daneben liegenden leuchteten ebenfalls, doch je größer die Entfernung, desto blasser wurde die Schrift und war auf der gegenüberliegenden Seite vollkommen erloschen.

    Zugegeben, nichts wäre ich lieber geworden als ein Pyromant, der seine Feinde in der Schlacht mit Feuersbrünsten versengen konnte. Allerdings wich das zu stark von meinem früheren Charakter ab, deshalb wollte ich es nicht riskieren und entschied mich stattdessen für Nekromantie.

    Auf der Stelle veränderte sich die Liste der Schulen in ein Knochenrad, das von leblosen weißen Flammen verzehrt wurde. In der Mitte bildete sich ein Schädel, dessen leere Augenhöhlen mich in stummer Erwartung anstarrten.

    Eine neue Inschrift erschien.

    Auswahl bestätigen

    Ich wollte jedoch nichts überstürzen und öffnete die Beschreibung des Berufs. Offenbar musste sich ein Nekromant nicht auf Todeszauber beschränken. Auch von den angrenzenden Schulen Erde und Blut konnte er - mit Ausnahme der allermächtigsten - sämtliche Zaubersprüche verwenden, wenn auch mit kleineren Einschränkungen. Je weiter man sich entfernte, desto stärker wurden diese. Bei Wasser und Golembau standen mir die drei höchsten Levels nicht zur Verfügung, bei Exorzismus und Dämonologie erhöhte sich die Anzahl auf sechs, mit noch erheblicheren Einschränkungen. Sowohl Pyromantie als auch Telepathie konnte ich vergessen, denn hier standen Nekromanten nur die simpelsten Zaubersprüche zur Verfügung, und Luftzauber, Heilen und Alchemie waren für mich komplett gesperrt.

    Schade, aber egal. Ich war ein Nekromant. Ein Nekro!

    Sobald ich meine Auswahl bestätigt hatte, erschien ein neuerlicher Warnhinweis, der als Schriftrolle mit blutiger Schrift gestaltet war.

    Nekromanten sind in weiten Teilen von Grenzenloses Reich geächtet. Neben Gesetzeshütern werden dich Mitglieder verschiedener Organisationen sowie Anhänger gewisser Religionen verfolgen. Ein Mentor ist möglicherweise schwer zu finden, da die Schule des Todes nur für ausgewählte Spieler zur Verfügung steht.

    Achtung! Bei Usern, die sich als soziopathischer Einzelgänger unter verwesenden Leichen nicht wohlfühlen, könnte diese Spezialisierung das Spielerlebnis beeinträchtigen.

    Akzeptieren / Ändern

    Akzeptieren. Natürlich.

    Als ob ich eine andere Wahl hätte!

    Offline

    ISABELLAS ANWEISUNG, mein neuer Charakter solle meinem alten nekromantischen Schurken so ähnlich wie möglich werden, machte mir mehr Probleme als die Blendgranate.

    „Was soll der Mist?, entfuhr es mir. „Ich dachte, ich hätte …

    „Du bist in Türme der Macht blockiert, nicht in Deep Sleep, sagte Isabella, als hätte sie meine Gedanken gelesen. „Und zwar aus medizinischen Gründen. Ich fürchte, du bist einzigartig, Schätzchen. Wenn bestehende User die Geräte wechseln, wechseln ihre Profile mit ihnen. Deines ist jedoch eingefroren und kann nicht editiert werden, weil es den Status „Experimentell hat. Wir haben das bereits geprüft, es stimmt wirklich. Theoretisch kannst du bestimmte undokumentierte Spielfeatures für deine Zwecke nutzen. Du kannst sie hacken, wenn du verstehst, was ich meine."

    „Klingt nicht besonders attraktiv. Und auch nicht gerade legal."

    „Du musst lediglich einen einzigen Bösewicht für uns ausfindig machen. Solange du in unserem Einflussbereich bleibst, kann dir nichts passieren."

    „Und wie soll ich ihn finden?"

    „Kannst du nicht lesen? Das steht doch alles im Text, erwiderte Isabella ungeduldig. „Weitere Anweisungen bekommst du, wenn du Level 20 erreichst und sich zeigt, ob unsere Erwartungen erfüllt werden oder nicht. Deshalb bekommst du in der Anfangsphase nur die standardmäßige medizinische Ausrüstung und nicht den erweiterten Immersions-Pod. Alles Weitere hängt davon ab, wie lange du brauchst. Und jetzt gib endlich Ruhe und unterschreib das verflixte Ding!

    Schweigend drückte ich den rechten Daumen auf den Bildschirm, um die erläuterten Bedingungen zu akzeptieren.

    Fast unmittelbar darauf öffnete sich die Schiebetür. Ein Kerl in Tarnkleidung — ob es wieder der gleiche war oder jemand anderes, konnte ich nicht sagen — reichte den Laptop nach draußen.

    „Bitte den Kopf senken, sagte er dann. „Wir müssen den medizinischen Chip entfernen.

    Gehorsam drückte ich das Kinn auf die Brust. Mir wurde ein Schmerzmittel gespritzt, aber trotzdem spürte ich einen heftigen Stich, als er mir ein Gerät auf die Haut setzte.

    Dann warf man mir zwei Taschen zu — die eine war leer, in der anderen steckten ein orangefarbener Overall und Schuhe mit weichen Sohlen.

    „Alle Kleidung und persönlichen Habseligkeiten abgeben."

    Ich seufzte schwer, während ich mich auszog und alles, was mir gehörte, in die Taschen stopfte. Es war, als würde ich mein altes Leben hinter mir lassen. Dann reichte ich die Sachen dem geheimnisvollen Typen. Nachdem die Tür zugefallen und der Minibus davongefahren war, zog

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