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Ein gutes Spiel: Aufgetaut #3 (Unfrozen): LitRPG-Serie
Ein gutes Spiel: Aufgetaut #3 (Unfrozen): LitRPG-Serie
Ein gutes Spiel: Aufgetaut #3 (Unfrozen): LitRPG-Serie
Электронная книга452 страницы6 часов

Ein gutes Spiel: Aufgetaut #3 (Unfrozen): LitRPG-Serie

Автор Anton Tekshin

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Niemand hat sie je ernst genommen.

Sie waren die Aufgetauten. Entbehrlich, Wegwerfware. Doch wie das Schicksal so spielte, hatten sie ihre ‚Eigentümer‘ überlebt. Einige machten sich auf, um die unwirtliche Zukunft zu meistern, in der sie sich befanden. Einer nach dem anderen wagte sich hinaus und verschwand. Andere versteckten sich, um nicht gefasst zu werden, was das Unvermeidliche nur hinauszögerte. Die Existenz falscher Identitäten war eine Bedrohung für das gesamte System.

Nur einer der Aufgetauten verfolgte auch weiterhin seinen ursprünglichen Weg — gegen alle Vernunft und ohne Rücksicht auf seine persönliche Sicherheit. Clem Denisov war es gewohnt, Dinge zu Ende zu bringen, selbst wenn er dabei alles riskierte.

Allerdings war er nun nicht mehr ganz auf sich gestellt. Er hatte Verbündete gefunden, die den Dingen ebenso auf den Grund gehen wollten wie er. Sie waren entschlossen, den mysteriösen Todesfällen von Spielern um jeden Preis ein Ende zu setzen.

Doch könnte der Preis diesmal zu hoch sein? Denn da gibt es immer noch den mysteriösen Jäger, der längst nicht bereit ist, sich selbst als Beute zu sehen.

Mach dich bereit für eine epische Jagd!
ЯзыкDeutsch
ИздательMagic Dome Books
Дата выпуска29 июн. 2022 г.
ISBN9788076196537
Ein gutes Spiel: Aufgetaut #3 (Unfrozen): LitRPG-Serie
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    Ein gutes Spiel - Anton Tekshin

    Vorwort

    LAUT STÖHNEND WARF ich das letzte Paket in die trüben Gewässer des stinkenden Flusses. Hoffentlich würde ich nie wieder ein Wochenende wie dieses erleben.

    Das Schlimme war, dass jeder hartnäckige Ermittler mit einem Detektor diese Typen immer noch finden könnte. Bei der heutigen Technologie wurde es immer schwieriger, Beweise zu vergraben. Man musste Glück haben, um mit so etwas davonzukommen, und wir alle wussten, wie unbeständig Glück war.

    Mein unterer Rücken verkrampfte sich. Es fühlte sich an, als würde eine glühend heiße Stricknadel in meiner Wirbelsäule stecken und jemand würde sie herumdrehen. Das Kampfstimulans ließ endlich nach und hinterließ einen fiesen chemischen Kater. Zu allem Überfluss fror ich in dem böigen Wind und dem kalten Regen. Am liebsten hätte ich mich eine halbe Stunde lang in ein heißes Schaumbad gelegt, wäre danach direkt ins Bett gegangen und hätte den Rest der Nacht geschlafen. Doch leider stand der Morgen vor der Tür und wir waren noch nicht fertig.

    Ich sah mich um, um sicherzugehen, dass wir allein waren, und warf eine Tasche mit den blutigen Werkzeugen so über die Brüstung, dass sie in den Hauptstrom des Flusses fiel. Uff! Das letzte Stück!

    Ich hatte einen guten Grund für diese Schwerstarbeit: Wenn man etwas nicht ewig verstecken konnte, dann musste man es so entsorgen, dass es einen nicht belastete. Das war eine altbewährte Methode, um von schmutzigen Taten nicht eingeholt zu werden.

    Im Laufe meiner Karriere hatte ich die Niedrigsten der Niedrigen zur Strecke gebracht und sie dabei an Gerissenheit und Hinterhältigkeit übertreffen müssen. Ich hatte auch wie ein akribischer Detektiv arbeiten und Tage und Nächte mit dem Sichten von Beweisen verbringen müssen, um festzustellen, was echt und was gefälscht war. Dadurch hatte ich Fähigkeiten erlernt, die ich bei meinen eigenen Morden einsetzen konnte. Da war zum Beispiel der Ganove gewesen, der wegen eines Niesanfalls in seinem zwielichtigen Sägewerk abgestürzt war. Der Typ, der sich scheinbar versehentlich mit seinen eigenen Tränken vergiftet hatte, und der Verlierer, der genau im falschen Moment von einem herunterfallenden Eiszapfen aufgespießt worden war. Karma funktionierte ... nur manchmal brauchte es eine helfende Hand.

    Jedenfalls war ich immer längst weg, bevor mich jemand verdächtigen konnte. Wären da nicht dieser perverse Puppenspieler und Julia Rassokhina gewesen, wäre ich wohl noch ein halbes Jahr oder auch länger unentdeckt geblieben.

    Elvira war Julias kleine Schwester und störte mich jetzt bei meinen Überlegungen. Obwohl sie selbst eine Soziopathin war, hatte auch sie eine schreckliche Vergangenheit und ein schweres Los. Wäre da nicht ein alter Freund ihres Vaters gewesen, hätte ihre kaltherzige Mutter sie von einer psychiatrischen Klinik in die nächste verfrachtet. Schlimmer noch, sie hätte sich auf dem Grund des Flusses wiedergefunden. In mehreren Paketen verpackt.

    „Da kommt jemand", flüsterte Elvira und zerrte an meinem Ärmel.

    „Okay." Ich humpelte vom Kanal weg, der zum Fluss führte, und stützte mich auf ihre schmale Schulter.

    Leider hatte ich meinen tödlichen Stock loswerden müssen und es war unwahrscheinlich, dass ich so bald einen angemessenen Ersatz dafür finden würde. Das allein machte mich schon so wütend, dass ich die blutige Metallsäge in die Hand nehmen und noch jemanden zerlegen wollte.

    Es gab nichts zu sehen, bis wir die Gasse erreichten, die zu den Toren des verlassenen Lagerhauses führte. Wir brauchten mindestens fünf Minuten, um zu dem in der Nähe geparkten Auto mit den ausgeschalteten Scheinwerfern und dem gefälschten Kennzeichen zu gelangen. Ein normales Taxi konnten wir natürlich nicht nehmen, also hatten wir uns erneut an Baba Nyura wenden müssen.

    Doch sie war mehr als bereit, uns zu helfen, nachdem sie sich unsere Geschichte angehört hatte. Natürlich zu einem bestimmten Preis. Die ‚Entschädigung‘ für ihre Bemühungen war das schöne Auto, das die Möchtegern-Mörder benutzt hatten, sowie die Dokumente und Schlüssel, die wir bei der Durchsuchung des Fahrzeugs gefunden hatten. Es war ein teures Gefährt und somit für Baba Nyura ein gutes Geschäft. Aber auch wir waren zufrieden.

    Ein junger, lockenköpfiger Fahrer saß hinter dem Steuer des unscheinbaren Wagens. Er bat uns, auf der Rückbank Platz zu nehmen. Dort befanden sich Vorrichtungen, die verhinderten, dass Geräte und Chips gescannt wurden. Ehrlich, das war Hardcore-Cyberpunk. Man konnte völlig anonym in der City herumfahren.

    Der gleiche Schutzschild gegen Entdeckung befand sich im SUV der Dreiergruppe. Es war ein unverzichtbares Gerät für Kriminelle.

    Wir alle hatten Chips, die leider dazu dienten, unsere Bewegungen zu verfolgen, wo auch immer wir hingingen. Aber dem Überwachungsnetz fehlten immer noch die Satelliten, um eine universelle Überwachung durchzuführen. Selbst in der Stadt gab es blinde Flecken, wie diese Halle am Rande eines Industriegebiets. Hier hatte uns niemand beobachtet. Wir waren vom Highway abgefahren und verschwunden. Diesmal hatte Big Brother uns also nicht im Blick gehabt.

    Wir hatten diese Schwachstelle im Netz genutzt, um das Bild eines bevorstehenden Verbrechens zu erzeugen.

    Die bevorstehende Straftat würde für einen nicht so sorgfältigen Ermittler wie folgt aussehen:

    Alexandra Koganovich (ehemals Rassokhina) heuerte drei Schläger aus der Nachbarregion an, um ihre minderjährige Tochter aus einer früheren Ehe — Elvira Rassokhina — zu beseitigen. Ihr Motiv war, durch das Verschwinden ihrer Tochter in den Besitz von deren Immobilien und anderer Besitztümer zu gelangen. Koganowitsch schätzte den Wert ihrer Tochter auf 7 Millionen Rubel und bot den Auftragsmördern einen Vorschuss von zehn Prozent dieses Betrags an.

    Anhang Nr. 1: Ausdruck einer Banküberweisung.

    Als die mutmaßlichen Mörder jedoch erfuhren, dass das potenzielle Opfer in einem bewachten Haus in einem Nobelviertel wohnte, verlangten sie mehr Geld und erpressten Koganowitsch sogar. Aus Angst, enttarnt zu werden, ging sie auf die Forderungen ein und überwies das Geld auf deren Konto mit der Zusage, sie würden nach Ausführung der Tat noch mehr Geld erhalten.

    Doch es kam zu einem Streit zwischen Koganowitsch und den angeheuerten Schlägern, der diese dazu veranlasste, sich gegen sie zu wenden. Sie zwangen sie, in das Auto zu steigen und sie zu dem vorgesehenen Tatort zu fahren.

    Anhang Nr. 2: Bauplan der Lagerhalle.

    Sie zwangen sie, ihnen das Passwort zu ihrem Bankkonto zu geben, hoben das gesamte restliche Geld ab und töteten sie anstelle ihrer Tochter. Anschließend zerstückelten sie sie, verpacken die Teile und entsorgten sie im Fluss.

    Anhang Nr. 3: Bericht eines Tauchers.

    Der enorme Geldzufluss in einer kurzen Nacht sorgte für Zwietracht unter den Killern. Es kam zu einem Kampf, bei dem einer ein als Stock getarntes Schwert einsetzte — eine hinterhältige Waffe, wenn auch nicht so effektiv wie eine Pistole. Damit tötet er die beiden anderen, aber erst, nachdem es einem der Opfer kurz vor seinem Tod gelungen war, ihn mit einem tödlichen Beruhigungsmittel aus einer Luftdruckpistole zu betäuben.

    Anhang Nr. 4: Gerichtsmedizinischer Bericht

    Was war die Ursache des Brandes? Offenbar übergoss der Mörder mit dem Stockschwert das Auto, mit dem Koganovich transportiert worden war, mit Benzin, um die Beweise zu vernichten. Da er jedoch durch das Beruhigungsmittel benommen war, brach er zusammen, während er das Benzin in Brand setzt.

    Anhang Nr. 5: Bericht über die Brandstiftung

    Das Ende

    Am Ende war es eine fast schon komische Situation, die an Benny Hill erinnerte, wenn man von der Ernsthaftigkeit der Sache absah. Journalisten aller Couleur liebten Blutbäder wie dieses! Im Gegensatz zu den Behörden. Die Angelegenheit wäre also sicher schnell erledigt, solange die Ermittlungen nicht beeinträchtigt wurden.

    Vielleicht würde sogar jemand Einwände erheben. Zum Beispiel durch die Frage, warum ein Mörder auf die Möglichkeit verzichten sollte, die illegalen Gelder auf ein Schattenkonto zu überweisen. Es ging hier immerhin um Millionen! Aber man würde ihn durch unwiderlegbare Fakten rasch zum Schweigen bringen.

    Für jeden Kriminellen, der einen Kommunikator und einen Programmierer an Bord hatte, wäre dies eine einfache Angelegenheit. Ohne Beweise vom Tatort wären solche Überweisungen selbst für Experten schwer nachzuvollziehen.

    Zufällig war … ein Kommunikator in der Liste der Asservatenkammer aufgeführt, obwohl er durch das Feuer beschädigt worden war. Das hatte ich gar nicht erwähnt.

    Als wir auf die Autobahn fuhren, klammerte sich Elvira, die jetzt Vollwaise war, fest an mich. Sie, die sonst von Blutvergießen so unbeeindruckt war, zitterte nun heftig. Wer konnte ihr das verdenken? Ihre zerbrechliche Psyche hatte an diesem Tag viel Schreckliches verkraften müssen.

    „Danke ..."

    Sie gab mir einen leichten, unbeholfenen Kuss auf die Wange.

    „Und, hast du jetzt genug?"

    „Verzeih mir ..."

    „Keine Sorge, meine Kleine, so etwas ist mir nicht fremd, sagte ich mit einem schiefen Lächeln. In der Tat spürte ich tief in meinem Inneren einen schmerzhaften Stich. „Du hast das toll gemacht. Ohne dich hätte ich es nicht geschafft.

    „Das habe ich nicht gemeint! Elvira wich ein wenig zurück. „Ich meine, es tut mir leid, dass ich nicht an dich geglaubt habe. Ich war am Boden zerstört. Aber du ...

    „Sag mir nur, dass du nicht wieder durch die Stadt rennst und in meinem Namen Perverse abschlachtest. Es sei denn, du willst, dass ich dich genau hier absetze."

    „Nein, nein, natürlich nicht! Ich werde keine Dummheiten machen! Ich werde alles tun, was du sagst. Wenn du willst, bleibe ich rund um die Uhr in der Kapsel."

    „Ähm ... ich glaube nicht. Wer würde sich dann um die Wohnung kümmern?"

    Sie seufzte. „Nun, ich denke, ich könnte dort aufräumen."

    „Jetzt machst du mir Angst, sagte ich. „Gib mir die alte, sture, sarkastische Elvira zurück.

    „Mir geht es gut. Es ist nur so, dass ich jeden Atemzug, den ich von jetzt an mache, ob gut oder schlecht, dir verdanke, platzte sie heraus. „Ich hätte sterben können! Die Sonne würde ohne mich aufgehen! Verstehst du das nicht?

    „Mach dir darüber keine Gedanken. Mach einfach weiter."

    „Das kann ich nicht!"

    „Du musst es versuchen, sagte ich. „Sieh es als Gegenleistung.

    „Okay, sagte sie und kuschelte sich enger an mich. „Ich werde mein Bestes tun.

    Langsam hörte sie auf zu zittern. Ich schaute auf die Uhr über dem Armaturenbrett und stieß einen Fluch aus. Wir waren spät dran. Wir mussten zurück auf die Agile Oma, denn in nur 20 Minuten sollten wir in das Talvro-19-System eintreten. Vielleicht könnte die Besatzung ohne die unglückliche kleine Schwertmeisterin auskommen, aber ohne den Boss an Bord würde sie zu einer unkontrollierbaren Herde werden, in der jeder nach seinem eigenen Gutdünken handelte. Und dabei waren die eher bescheidenen, aber netten Upgrades des Raumschiffs noch gar nicht berücksichtigt.

    „Kumpel, könnten Sie das Tempo erhöhen?", fragte ich den Fahrer. Er fuhr ohne automatische Unterstützung, um zu vermeiden, dass wir uns in stark bewachte Gebiete verirrten. Draußen fuhren wir an Slums und schlecht beleuchteten Wohngebieten vorbei. Einige von ihnen sahen aus, als wären sie bereit, abgerissen zu werden, sobald die Sonne aufging. Vielleicht war das auch tatsächlich der Fall.

    „Wir werden gleich schneller fahren, versicherte er uns. „Wir müssen uns auf der Autobahn unauffällig einreihen wie alle anderen auch. Dieses alte Auto hat eine Menge Power, keine Sorge.

    Und tatsächlich, schon bald befanden wir uns an der korkenzieherartigen Einfahrt zu einer Überführung, die wir von einer Nebenstraße aus erreichten. Wir fuhren kurz steil nach oben und kamen auf eine breite, glatte Fläche, die von hohen, transparenten Schilden gesäumt war, die in Betonplatten eingelassen waren. Der Motor des Wagens heulte auf und wir beschleunigten so, dass wir gegen die Rückenlehnen der Sitze gedrückt wurden. Die Lichter der Stadt leuchteten verschwommen vor den Fenstern auf und die Straße vor uns verengte sich, als wären wir in einem Tunnel unterwegs. Dann übernahm der Autopilot das Kommando und der Fahrer gab einen Bericht in den Kommunikator ein. Man konnte sagen, was man wollte, aber Baba Nyura hatte alles im Griff.

    Wir kamen gut voran und bald wurden wir nicht weit von dem Park abgesetzt, in dem bei Einbruch der Dunkelheit alles begonnen hatte.

    Im Rückblick war es nicht einfach gewesen, die ‚Mutter des Jahres 2031‘ herauszulocken, und ohne Elviras Hilfe hätte ich es nicht geschafft. Zuerst hatte ich sie mithilfe eines der Killer erpressen und dann ein Treffen mit ihr arrangieren müssen. Es war hilfreich gewesen, den Mörder als Vermittler zu haben, und ich empfand kein Mitleid mit ihm. Ich machte mir auch keine Sorgen, dass er die Behörden zu uns führen könnte. Selbst wenn die Polizei ihn ausfindig machte. Sie würden ihm wohl kaum glauben, wenn er auf seiner Unschuld in der Sache der verstorbenen Alexandra Koganovich-Rassokhina bestand. Wie könnte er mit dem Finger auf sie zeigen, ohne sich selbst zu belasten? Es war ja nicht so, dass sie das eigentlich geplante Opfer befragen konnten, oder? Das wäre doch ein Witz.

    Natürlich könnten sie Elvira zu einer Befragung vorladen, aber warum sollten sie sie verdächtigen? Sie war ein Unschuldsengel.

    Sie war die ganze Zeit zu Hause gewesen. Sie hatte geschlafen. Davor war sie völlig in das Spiel vertieft gewesen, ohne eine Ahnung davon zu haben, was in der Stadt vor sich ging oder wo eine Lagerhalle brannte, in der sich die Mörder ihrer Mutter befanden. Und nicht nur sie war in die virtuelle Welt eingetaucht, auch der Typ, mit dem sie ihre Wohnung teilte. Ähm ...

    Aber so war es. Wir waren beide zu Hause gewesen. Niemand hatte uns unterwegs gesehen. Nicht das Hauspersonal (echte Menschen, die sich dagegen wehrten, von Robotern ersetzt zu werden) und auch nicht das Sicherheitspersonal des Gebäudes. Elvira war schließlich volljährig und konnte zusammenleben, mit wem immer sie wollte, sogar mit einem erwachsenen Mann. Alles in Ordnung, Leute, nichts Kriminelles.

    Und das stimmte ja auch. Allerdings ...

    Es gab immer noch Lydia. Ich musste damit rechnen, dass sie mir in meinen Träumen Vorwürfe machte. Oder auch nicht. Wie ich sie kannte, war ich mir sicher, dass sie sich einfach darüber freuen würde, dass ich in einer Art von Beziehung war. Es spielte keine Rolle, mit wem. Es müsste nicht einmal ein Mensch sein. Es könnte auch ein Krokodil sein.

    Wir wurden in sicherer Entfernung vom Haus abgesetzt, nicht weit vom Park entfernt. Von dort legten wir den Rest des Weges zu Fuß zurück. Zum Glück regnete es nicht mehr. Das Auto, nun mit neuen Nummernschildern versehen, verschmolz lautlos mit der Dunkelheit, als hätte es nie existiert.

    Dennoch mussten wir wachsam bleiben. Ein entscheidender Moment stand bevor, nämlich die Frage, wie wir es bis zur Wohnung schaffen sollten, ohne entdeckt zu werden. Doch Elvira hatte sich für ihre düsteren Aktivitäten die nötigen Fähigkeiten angeeignet. Sie konnte die Feuertreppe mit einer nachgemachten Schlüsselkarte betreten, die sie von einem Wachmann erhalten hatte. Was er von ihr als Gegenleistung für diesen Gefallen bekommen hatte, wollte ich lieber nicht wissen. Der Hauptschlüssel war jedoch genau das, was wir jetzt brauchten.

    In dem großen Gebäude gab es mindestens drei Notausgänge. Normalerweise waren sie mit stoßfesten Türen verschlossen. Jeder Sicherheitsbeamte konnte sie mit einem Ausweis betreten, aber die Bewohner mussten die Eingangstür benutzen oder sich über die Tiefgarage Zutritt verschaffen, wofür ein E-Schlüssel und das Lesen eines Implantats erforderlich waren. Jedes Mal, wenn jemand das Gebäude betrat, wurde dies automatisch in der Sicherheitsdatenbank vermerkt.

    Das System war für Leute wie uns entwickelt worden. Die Ausgänge des Gebäudes wurden jedoch nicht in der Datenbank erfasst. Wir waren beide über den hinteren Parkplatz gegangen, um die Scanner am Eingang zu umgehen. Elvira verließ das Gebäude immer auf diese Weise, während ich den Sicherheitsbeamten aus dem Weg gehen wollte, die mich vermutlich für eine Art Pädophilen hielten.

    Andernfalls hätten wir uns eine Waffe aus dem Versteck holen, Elviras reizende Mutter ausschalten und dann die Stadt verlassen können, um nie mehr zurückzukommen.

    Wir benutzten den E-Schlüssel, um die schweren Paneele über dem Notausgang zu öffnen, und fanden uns in einem schummrigen Treppenhaus wieder. Die Beleuchtung war dürftig, also mussten wir uns über die Treppe nach oben tasten. Glücklicherweise benutzte Elvira diesen Aufgang ständig, sodass sie mir den Weg weisen konnte.

    Am Ausgang zum Treppenabsatz war eine normale Überwachungskamera angebracht, aber wir konnten sie mit einem kompakten Störsender, der in jede Tasche passte, leicht ausschalten. Schade, denn man konnte sehen, dass sie ausgefallen war, aber das musste reichen. Außerdem, wer achtete schon auf solche Dinge?

    Wir betraten Elviras Wohnung, fielen uns praktisch in die Arme, wie ein verliebtes Pärchen, und ignorierten die Wolke aus holografischen Schmetterlingen, die uns umgab. Meine Beine verkrampften sich und gaben nach. Nach der Uhrzeit hatten wir noch drei Minuten bis zum Start. Natürlich waren wir erschöpft, aber wir konnten nichts tun, als je einen Energydrink aus dem Kühlschrank hinunterzustürzen und uns auf den Start vorzubereiten.

    Elvira half mir aus meinem nassen Mantel und verstaute ihn irgendwo. Sie hatte es aber nicht eilig, in ihr Zimmer zu gehen, und hielt sich in der Nähe meiner Kapsel auf, als wolle sie mich etwas fragen.

    „Ich werde mich nicht vor dir ausziehen, sagte ich und lehnte mich auf der Ladefläche zurück. „Was ist denn? Willst du, dass ich dir sage, dass wir das Richtige getan haben? Ich kann dir weder das eine noch das andere sagen. Für die Behörden sind wir beide Kriminelle, die hinter Gitter gehören. Aber es gab keinen anderen Ausweg. Das war klar. Entweder du oder sie.

    „Ich weiß, das verstehe ich, sagte Elvira mit gesenktem Kopf. „Es ist nur ... Warum hat sie gesagt, dass ich nicht ihre Tochter bin?

    „Sie hat was gesagt?, fragte ich und setzte mich überrascht auf. „Sie hat am Ende eine Menge verrücktes Zeug gesagt. Warum beschäftigt dich das so sehr? Sie hat dich auch eine Schlampe und eine verrückte Psychopathin genannt.

    „Ich weiß."

    „Sie hat nur versucht, sich zu rechtfertigen, erklärte ich. „Es hat ihr geholfen, dich als Findelkind zu sehen, wie Julia — zwei Außenseiter, die ihre Kinder aus ihrer zweiten Ehe bedroht haben. Denk nicht zu viel darüber nach. Ich habe nur einen Blick auf Julia geworfen und gesehen, dass ihr Schwestern seid. Dazu braucht man keinen DNA-Test.

    Ich fuhr unbeholfen mit dem Zeigefinger über ihre Rassokhina-Nase und tippte leicht auf deren Spitze.

    „Du bist Daddys kleines Mädchen. Er wäre stolz auf dich. Natürlich hätte er strenger mit dir sein sollen, aber trotzdem ..."

    Elvira lächelte und der zweifelnde Ausdruck auf ihrem Gesicht verschwand.

    „Achte nicht auf den Unsinn am Ende, sagte ich und beendete damit meinen kleinen Vortrag über Familienangelegenheiten. „Betrachte das übrigens als einen weiteren Befehl.

    „Jawohl, Herr Kommandant", sagte sie, salutierte und stürmte dann die Treppe hinauf, wobei sie sich ihrer Kleidung entledigte.

    „Was für ein Kind ..."

    Ich schüttelte den Kopf und gab das Signal zum Hochladen. Wenn ich doch nur alle Probleme in einer einzigen Nacht mit einer Metallsäge und etwas Einfallsreichtum lösen könnte! Wie damals im guten alten Jahr 2007.

    Obwohl … in diesem Fall wäre ich jetzt nicht aufgetaut.

    Kapitel 47

    (Fortsetzung von Buch Zwei)

    AUF DER BRÜCKE WAR ALLES SO, wie wir es zurückgelassen hatten. Diadfl5fgkg, auch bekannt als Diana, saß immer noch am Steuer. Sie sah in ihrem engen Overall sexy, aber eher gelangweilt aus, als sie die Systembereitschaft prüfte, bevor wir in den Normalraum zurückkehrten. Unsere düstere Schönheit aus dem Mittelmeerraum war ebenfalls vor Kurzem ins Spiel zurückgekehrt und hatte ihre Stellvertreterin weggeschickt, damit diese sich ausruhen konnte. Doch nun war sie selbst in den Müßiggang vertieft.

    Ein weiteres Mitglied der Besatzung machte sich zusammen mit dem Co-Piloten auf den Weg ins wirkliche Leben. Es handelte sich um einen einfachen Krieger, der dieselbe Schicht hatte. Das war kein großer Verlust für unsere Crew. Was mich beunruhigte, war die Tatsache, dass ich ohne meine treue Partnerin in die Schlacht ziehen würde. Shandine hatte sich per Sprachnachricht, die sehr frustriert geklungen hatte, eine Auszeit für die Familie genommen. Meine ‚Amazone‘ wollte unbedingt kämpfen, aber eines ihrer Kinder war krank geworden, weshalb sich das vorerst erledigt hatte. Ich versicherte ihr, dass ihr noch viele Schlachten bevorstünden und sie immer in der Lage sein würde, ihrer Statistik mehr Kills hinzuzufügen. Natürlich war sie trotzdem verrückt vor Sehnsucht.

    Als wir den Subraum verließen, hatten wir nur noch elf Besatzungsmitglieder an Bord: drei Ingenieure, der Artillerist Sven, unsere medizinische Expertin Makha, unsere Pilotin Diana und außerdem fünf Krieger. Dann noch einen gewissen Schwertmeister namens Cooldwon, meine Schülerin Elvira, die sich für die gleiche seltene Spezialisierung entschieden hat, der reptiloide Verteidiger namens Krokot, sein Kumpel, ein Fußsoldat namens Happenstance, und der Schütze Criman. Laut seinem Pass war er ein Mensch, doch in Wirklichkeit war er ein GMO, ein genetisch veränderter Mensch.

    Wer einen teuren Premium-Account besaß, durfte eine solche Verbesserung haben, doch alle anderen musste man sich im Spiel verdienen. Als Schütze hatte sich Criman, der aus dem Grenzgebiet zwischen Deutschland und Österreich stammte, für eine Verbesserung seiner Sehkraft entschieden.

    Auch Shandine hatte sich einer genetischen Veränderung unterzogen. Als Späherin war ihre Wahl auf zusätzliche Geschwindigkeit gefallen, was sie so schnell wie einen leichtfüßigen Rallec machte. Spieler von anderen Planeten konnten ebenfalls genetisch verändert werden, allerdings nur bis zu dreimal. Und je nach Rasse waren einige Bereiche, die für genetische Veränderungen infrage kamen, tabu. Nur Menschen konnten sich in alles verwandeln, was sie wollten. Wir waren so formbar wie ein Klumpen Ton unter den Händen eines Bildhauers.

    Das zeigte einmal mehr, wie anpassungsfähig wir als Spezies waren.

    Nachdem ich überprüft hatte, ob die Besatzung bereit war, wies ich jedem in den verschiedenen Abteilungen seinen Posten zu. Da die Ingenieure unentbehrlich waren, wurden sie dem Triebwerk, dem Schild und dem Energiekern zugeteilt. Makha brachte ich im zentralen Frachtraum unter, damit sie jedem, der nicht sofort zum Respawn aufbrach, schnell zu Hilfe kommen konnte. Dem Artilleristen übertrug ich die Verantwortung für den Laserstrahl, die Krieger verteilten sich auf die zweite Waffenkammer, in der die Raketen untergebracht waren, und das Drohnenkontrollzentrum. Sobald die Spieler alle an ihrem Platz waren, schossen die meisten Parameter der Korvette von den üblichen zweieinhalb Prozent auf zehn Prozent hoch. Fantastisch! Die Agile Oma war jetzt bereit, die Gegner zu vernichten.

    Nun musste ich mich nur noch in den Sitz des Co-Piloten setzen und alle in Kampfbereitschaft zu versetzen. Unser langer Sprung über die Spanne dieses Sektors neigte sich dem Ende zu.

    „Gut, dann wollen wir mal aus diesem Drecksloch verschwinden, oder?", sagte Diana und setzte ein Hollywood-Lächeln auf.

    „Kann losgehen!"

    Sie schaltete eine Art Alien-Rockmusik ein, als wir unweit des Außenpostens in den offenen Raum eintraten. Wir waren umgeben von vielfarbigen Lichtblitzen, Geschütz- und Raketenfeuer sowie Trümmern von Raumschiffen, die in den Kampf verwickelt waren. Und das alles zum wummernden Beat einer Bassgitarre. Der Monitor, der die taktischen Aktionen anzeigte, blinzelte wie unter Schock und zeigte dann immer mehr Gegner an. Die Monitore der Kampfstationen waren viel schneller und zeigten die Liste der Verteidiger, einschließlich der Agilen Oma. Die Verteidiger schienen mit jeder Minute weniger zu werden.

    Es gab drei Einheiten von Grenzwächtern der Union, die hauptsächlich aus schweren Fregatten bestanden. Von ihnen war derzeit nur eine im Einsatz. In der Nähe befanden sich Schiffe von Clanmitgliedern und auch von Verbündeten, aber ich hatte keine Ahnung, wie viele von ihnen bereit waren, bei der Verteidigung zu helfen.

    Die meisten Verteidiger konzentrierten sich rund um Talvro-19, einige wenige Einheiten kreisten außerhalb der angegriffenen Zone, in der sich die Verteidigungssysteme des Außenpostens befanden. Dabei handelte es sich entweder um wendige Aufklärungskutter oder um Korvetten mit dicken Hüllen und schweren Geschützen, die unserem Schiff nicht unähnlich waren.

    Obwohl die Angreifer besser aussahen als die inzwischen untergegangene St. Permadeath, bestanden sie hauptsächlich aus Kuttern und Fregatten in unterschiedlichem Zustand. Es gab nicht mehr als fünf ernsthafte Bedrohungen da draußen. Man konnte sie buchstäblich an einer Hand abzählen. Der größte von ihnen war ein riesiger Durchbruchskreuzer. Er war zwar nur eine Kopie, aber trotzdem in der Lage, eine ganze Reihe von Schiffen mit einer einzigen Salve auszulöschen. Dennoch sah es nicht so aus, als hätte er es eilig, sich in den Kampf zu stürzen. Es gab auch zwei Langstrecken-Kampfzerstörer, die noch mehr beschäftigt waren als ihr Flaggschiff.

    Der Gegner brach eher wegen seines Zustands als wegen unserer Feuerkraft zusammen, aber sie waren uns zahlenmäßig 10:1 überlegen. Mit einer solchen Übermacht brauchten sie keinen strategischen Vorteil. Ihre Satelliten überrannten uns einfach, indem sie in den Kampf stürmten und sich ganz im Stil der Samurai dem sicheren Tod stellten. Sie fielen, noch bevor sie die Zeit hatten, ihre gesamte Munition zu entladen, und schossen etwa die Hälfte ihrer Ladung ab.

    Was unseren Aktionsradius anbelangte, so zählte der Schiffscomputer rasch 89 Objekte. Derzeit befanden wir uns nur am Rande dieses interstellaren Durcheinanders, was bedeutete, dass die Dichte der feindlichen Raumschiffe noch weiter zunehmen würde. Ich sah keinen Grund, mich Hals über Kopf ins Getümmel zu stürzen, also konzentrierte ich mich auf die niedrig hängenden Früchte. Außerdem aktivierte ich den Übertragungsmodus. Ich musste doch mit der Zeit gehen, oder? Deshalb hielt ich alles auf Video fest.

    Ich würde damit nicht das Internet erobern — Weltraumschlachten waren ja nichts Neues. Ich spürte instinktiv, dass ein solides Alibi nicht schaden konnte. Denn in einer bestimmten Lagerhalle in der realen Welt gab es gerade ein Feuer.

    Auf dem Zähler erschienen ein paar Dutzend Zuschauer. Ich fragte mich, was sie taten, während sie zusahen. Waren sie beim Essen? Unterwegs? Arbeiteten sie? Ich konnte nicht fassen, wie manche Leute ihre ganze Zeit hinter einem Bildschirm sitzend verbringen konnten. Bei langen Subraumsprüngen war oft überhaupt nichts los.

    Ich hoffte, dass wir unsere kleine Fangemeinde, die besser als nichts war, nicht enttäuschen würden. In der Zwischenzeit wollte ich sehen, was ich durch das lange Studieren von Raumkampfanleitungen gelernt hatte. Die meisten hatte Amway zur Verfügung gestellt, aber einige hatte ich auch selbst gefunden. Ich achtete schon seit einiger Zeit darauf, mich professionell weiterzuentwickeln, denn meine Werte waren eher mäßig. Aber das riesige Meer von Gegnern da draußen ließ mich vermuten, dass ich heute nicht sehr viel weiterkommen würde.

    Die meisten Schiffe schienen unser plötzliches Auftauchen nicht einmal zu bemerken. Nicht, weil sie uns ignorierten, sondern weil sie selbst gezwungen waren, sich zu fokussieren. Dennoch gab der Bordcomputer des Schiffes eine Warnung aus, dass ein feindlicher Scan eingeleitet worden war. Wer war dieser Angreifer?

    Interessanterweise wurden wir von zwei Kampffregatten und einer Korvette, die uns in nichts nachstanden, unter die Lupe genommen, um etwaige Schwachstellen ausfindig zu machen. Der Katalog deutete darauf hin, dass es sich bei dem Prototyp dieses Schiffes um eine Einheit der vierten Generation aus der Produktion der Ra Reptiloiden handelte. Es war in der Tat ein solides Schiff, das wir in unserer Flotte gebrauchen könnten. Leider war es nicht das beste Szenario, um einen Angriff zu starten.

    „Wie wäre es, wenn wir das Eis brechen, indem wir sie höflich begrüßen?, fragte ich. „Feuert den Laser ab!

    Unser ‚Annihilator‘ schoss sofort einen Strahl geladener Teilchen auf das feindliche Raumschiff. Wow. Es leuchtete heller als eine Sternschnuppe. Der Pilot des armen Schiffes, dessen Schilde nicht mehr funktionierten, hatte keine Zeit, seine letzten Gebete zu sprechen. Ich übernahm das für ihn. Amen, Kumpel. Zeit, abzutreten.

    Die Explosion hatte den Reaktorraum frontal getroffen und das Schiff hatte keine Chance. Es blähte sich auf wie ein feuriger Ballon, reduzierte dabei die Kapazität der drei Satellitenschiffe auf null und verringerte die Ladung von etwa einem Dutzend anderer Schiffe. Das war zweifellos unsere ultimative Waffe.

    Der Nachteil war, dass sie für die nächsten zehn Minuten nicht einsatzfähig war. Und es wäre noch schlimmer gewesen, hätten wir nicht einen Artilleristen in der Waffenkammer und einen Ingenieur neben dem Kern gehabt. In diesem Fall hätte das Nachladen des Strahls noch länger gedauert. Wahrscheinlich hätten wir ihn nur kurz vor Ende der Schlacht einsetzen können.

    Nun konnten wir uns einfacheren Zielen zuwenden. Unsere konventionellen Raketen würden ausreichen. Sie erreichten das Ziel zwar langsam und muteten im Zeitalter interstellarer Reise eher archaisch an, aber man durfte ihre tödliche Wirkung nicht unterschätzen. Erstens verfügten sie über großartige Zielsuchsysteme, was sie sehr präzise machte, und zweitens waren Energieschilde gegen sie nicht wirksam, weil sie einen großen Teil der Hülle trafen. Nach der Aufrüstung des Waffenmoduls der Station hatten wir ein weitaus explosiveres Material für sie entwickeln können. Jetzt konnten wir jeden gegnerischen Kutter mit nur zwei oder drei erfolgreichen Treffern zerstören.

    Allerdings setzte ich unsere äußerst begrenzte Munition nicht ausschließlich für die Zerstörung feindlicher Einheiten ein. Vielmehr richtete ich jede Rakete aus der ersten Kassette auf ein bestimmtes Ziel, und zwar auf die Waffenschächte der feindlichen Schiffe. Die kleineren Raumschiffe hatten nämlich jeweils nur einen einzigen Waffenschacht. Unsere Raketensalve schaltete sechs von ihnen auf einmal aus, nur eines von ihnen hielt stand — zwei Geschosse konnten es nicht außer Gefecht setzen. Trotzdem gelang es uns, seine Module in den roten Bereich zu bringen, was seine Fähigkeit zu einem Gegenschlag stark einschränkte.

    So waren diese Schiffe für eine ganze Weile außer Gefecht gesetzt und stellten keine Bedrohung für uns dar, bis ihre Besatzungen die Teile wieder zusammengesetzt hatten. Das wollte ich aber nicht zulassen und schickte eine Gruppe von Kampfdrohnen mit einfachen Laserkanonen zu ihnen. Warum sollten wir sie nicht treffen, wenn sie gerade am Boden lagen? Die Laserkanonen waren alles, was wir uns angesichts unseres Budgets leisten konnten, aber sie würden ausreichen, obwohl sie an sich nicht tödlich waren.

    Um die eher banalen Drohnen kümmerten sich Criman und Elvira, die jüngsten und eifrigsten Besatzungsmitglieder. Es war in Ordnung, wenn sie es vermasselten, denn diese Drohnen wurden direkt hier in der Korvette aus Schrott und handelsüblichen Mineralien zusammengebaut, wirklich prosaisches Zeug. Außerdem war Diana trotz ihrer vorgetäuschten Gleichgültigkeit ziemlich fleißig gewesen und hatte auf dem Weg nach Pandora und zurück drei ganze Drohnentrupps zusammengestellt.

    Gut für sie, aber trotzdem würde ich mir unsere furchtlose Pilotin bald einmal genauer ansehen müssen. Ja, sie war vor nicht allzu langer Zeit in eine brenzlige Situation geraten, aber viele ihrer offensichtlichen Prellungen und Wunden entsprachen nicht dem, was man bei einer normalen Schlägerei erwarten würde. Ich hatte bereits vermutet, dass unsere laszive Schönheit mit der rauchigen Stimme ihr eigenes Spiel trieb, doch jetzt war ich mir sicher. Ich musste nur noch herausfinden, ob sie auf unserer Seite oder im Auftrag von jemand anderem arbeitete.

    In der Zwischenzeit erledigten unsere flinken, mit Lasern ausgerüsteten Drohnen innerhalb einer Minute ihre Arbeit an den beschädigten Schiffen. Das war etwa so lange, wie es dauerte, eine neue Patrone mit Raketen nachzuladen. Zu diesem Zeitpunkt hatten zwei mehr oder weniger solide aussehende Fregatten das Scannen beendet und eröffneten das Feuer. Die nächstgelegene richtete vier Schnellfeuerkanonen auf die Agile Oma aus, die uns mit billigen, kinetischen Geschossen bewarfen. Es war, als wollte man einen Elefanten mit einer Luftdruckwaffe erschießen. Nun, das war alles, was sie hatten — geeignet, um zum Beispiel leicht gepanzerte Ziele wie Kutter, Satelliten oder Drohnen auszuschalten.

    Die andere Fregatte setzte jedoch starke Laserwaffen ein, die uns abwechselnd an der gleichen Stelle trafen. Unser Schild hielt stand, aber seine Kapazität sank um 30 Prozent. Auch unsere Hülle wurde beschädigt, wenn auch nicht sehr stark. Das Schlimmste war jedoch, dass andere Gegner beschlossen, sich in den Kampf einzumischen. Einige beschossen uns, während andere versuchten, unsere Drohnen auszuschalten. Jetzt konnten wir uns nicht mehr darauf verlassen, dass wir unsere Ladung regenerieren konnten, denn alles, was wir gewonnen hatten, wurde durch einen Treffer zunichtegemacht.

    Diana schaltete sich ein und flog eine Reihe von engen Kurven, damit wir kein so leichtes Ziel waren. Für die kleinen Fische, die auf uns zielten, schien das auch zu funktionieren, aber dann drängten sich andere Spieler aus der Belagerung in das Geschehen um uns herum.

    Ich feuerte die nächsten Raketen aus unserem Arsenal auf die mit Lasern ausgerüstete Fregatte ab und schaltete eine Anlage aus. Das half zwar, aber es fehlte uns an Unterstützung und wir brauchten irgendeine Art von Deckung, um uns wieder aufzuladen.

    Als ob er meine Gedanken gelesen hätte, meldete sich in diesem Moment unser talentierter Clanchef.

    „Hallo, Streamer! Besser spät als nie ..."

    „Wir sind so schnell wie möglich hergekommen, mussten aber einige

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