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Jahreskonferenz

Musikland Niedersachsen
2010

5. Treffen Musikvermittlungsteam

Herausforderung Musikvermittlung -
Werkstatt des Musikvermittlungs-
teams zu Hürden im Arbeitsalltag

Moderation: Anne Benjes, Musikland


Niedersachsen

Das Treffen fand am Vormittag des er-


sten Tages der Musikland Jahreskonfe-
renz 2010 in der Landesmusikakademie Sie sprach von Nöten und Freuden in der
Niedersachsen in Wolfenbüttel statt. Mit Kooperationsarbeit. Wichtig sei es, zwei
einem Rückblick auf die Aktionswoche grundlegend verschiedene Herange-
Ohrenschmaus, welche vom 20. – 26. hensweisen in der Arbeit mit Koope-
September 2010 stattgefunden hatte, rationspartnern zu unterscheiden: Ent-
wurde die Sitzung eröffnet. Frau Benjes weder eine gute Idee ist vorhanden, zu
stellte fest, dass die landesweite Medien- der der passende (ggf. neue) Kooperati-
aufmerksamkeit z. B. durch das NDR onspartner gesucht wird oder man geht
Fernsehen vielen Projekten zugute kam. von einem langjährigen bewährten Part-
Die Woche wurde vom Musikland- ner aus und kreiert das passende Pro-
Filmteam begleitet. Ein Video- jekt, z.B. bei veränderten Rahmenbedin-
Zusammenschnitt der Projekte ist auf gungen (Bsp. Ganztagsschulen).
der Musikland-Homepage einsehbar. Der
Wunsch nach einer Fortführung einer Nach dieser Unterscheidung gebe es
solchen Aktionswoche wurde ausgespro- mehrere Punkte, die die Kooperationsar-
chen, wenn möglich zukünftig mit mehr beit erleichtern könnten: Einen Koopera-
Kooperationspartnern und Projekten. tionsvertrag, der langjährig oder für ein-
zelne Projekte geschlossen wird, könne
Die eigentliche Sitzung widmete sich die Ziele klar formulieren und somit Fra-
Hürden der Musikvermittlung im Arbeits- gen wie die Finanzierung, die Dokumen-
alltag: möglichen Schwierigkeiten in der tation und Präsentation schon im Voraus
Zusammenarbeit mit Kooperationspart- klären. Als weitere Hürden nannte Kahl-
nern, Fragen nach Zielgruppen sowie der mann logistische Fragen wie die Bereit-
Stellung und Funktion von Musikvermitt- stellung von Instrumenten, Transportfra-
lung innerhalb der eigenen Organisation. gen, den Austausch von Kontaktdaten
Vier Impulsreferate aus dem Team ga- (beispielsweise mit LehrerInnen und El-
ben Einblick in die unterschiedlichen Er- tern) sowie Zeit und Ort einer Veranstal-
fahrungen auf diesem Gebiet und stan- tung. Diese Fragen im Voraus zu klären,
den stellvertretend für die jeweilige Hür- könne Kollisionen mit Konkurrenzveran-
de. Sie gaben Anlass zum Gespräch. staltungen und plötzliche Überraschun-
gen vermeiden. Als Tipp riet Kahlmann,
Für die „Zusammenarbeit mit Kooperati- auch bei guter Organisation flexibel zu
onspartnern“ gab Denise Kahlmann von bleiben sowie, wenn möglich, DozentIn-
Musik in Hainholz/Musikzentrum Hanno- nen, LehrerInnen oder Eltern in organi-
ver einen Einblick in ihre Arbeit. satorische Fragen einzubinden.

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Das zweite Impulsreferat zur Hürde „Ko- dung unterschiedlicher Ensembles und
operationspartner“ wurde von Martin Chöre der Region, aber auch nicht direkt
Heubach und Ruth Emanuel von Concer- mit Kulturveranstaltungen in Verbindung
to Gandersheim gehalten. gebrachte Partner, etwa Cafés oder örtli-
Concerto Gandersheim war durch die che Vereine wie die Feuerwehr. Letztere
Gründung eines Trägervereins zusätzlich bringen kulinarische Kompetenzen oder
zum kirchenmusikalischen Angebot der Erfahrungen im Organisieren von örtli-
Gemeinde Bad Gandersheim in Südnie- chen Festen mit. Durch die Schaffung
dersachsen entstanden. Die letzten zehn neuer Kooperationen kann gleichzeitig
Jahre galt die Arbeit allen möglichen Mu- auch ein erweitertes Publikum angespro-
sikern, vom Kinderchor bis zum profes- chen werden.
sionellen Vokalensemble. Martin Heu-
bach ist Intendant der Gandersheimer Hilfreich für den Informationsaustausch
Dommusiken. und für die Vernetzung von Kulturveran-
staltern könne ein Runder Tisch nach Art
der „Hauptsache Kultur“-Treffen in Bad
Gandersheim sein. Heubach nannte hier
die klaren Vorteile für den ländlichen
Raum, sich auszutauschen und gegebe-
nenfalls ein gemeinsames Marketing zu
betreiben. Die Idee, den regionalen Tou-
rismus durch Kulturveranstaltungen zu
fördern, biete neue Möglichkeiten der
Kooperationen auf dem Land.

Ausgehend von den Internationalen Abschließend für die Hürde Kooperati-


Gandersheimer Dommusiktagen sprach onspartner wurde der Wunsch nach ei-
Heubach vom Vorteil eines solchen Festi- nem verstärkten Erfahrungs- und Infor-
vals für örtliche Kulturveranstalter auf mationsaustausch der Musikvermittler
dem Land, das auch kleineren Veranstal- untereinander angesprochen. Ein ge-
tern Aufmerksamkeit bringe, die sie meinsamer Verteiler wurde angeregt,
sonst nicht hätten. woraufhin Frau Benjes auf Hans Walter
vom Referat „Musikalische und künstleri-
Die Kooperationen betreffend, setzt sche Bildung“ des Niedersächsischen
Heubach in seiner Arbeit darauf, Kompe- Kulturministeriums verwies, welcher in-
tenzen des jeweiligen Partners zu er- teressierte Musiklehrer regelmäßig mit
schließen und zu nutzen, was Synergie- Informationen versorgt und über einen
Effekte mit sich bringe. Kooperationen funktionierenden Verteiler verfüge. Ein
mit der Wirtschaft beispielsweise bieten Terminabgleich, wie es beispielsweise
oftmals finanzielle Förderung, jedoch das Chorleitertreffen Hannover macht,
auch die Möglichkeit, ungewöhnliche Auf- wurde hauptsächlich für urbane Räume
führungsorte zu bespielen. Beispiele für als sinnvoll erachtet. In der Diskussion
die Erschließung solcher neuer und un- um Verträge kristallisierte sich heraus,
gewöhnlicher Räume für geistliche Musik dass Verträge mit Kooperationspartnern
waren ein Konzert in einer Burg sowie eine Augenmaßfrage seien, je nach Art
die Idee, das Weihnachtsoratorium in ei- des Partners und Größe des Projekts. Als
ner leer stehenden, kathedralengleichen psychologische Absicherung könnten die-
Papierfabrik aufzuführen. Als weitere se jedoch oft hilfreich sein. Beispielver-
Beispiele für Kooperationen in seiner ei- träge und Checklisten sollen demnächst
genen Arbeit nannte Heubach die Einbin- auf www.musikland-niedersachsen.de im

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Bereich Musikvermittlung zur Verfügung gen „key persons“ und die richtige Szene
gestellt werden. Dazu bittet Frau Benjes anzusprechen sei die Kunst dabei. Als
die Mitglieder des Teams um Zusendung Mittler für unterschiedliche Kultur-
von (Muster-)Verträgen und Arbeitshil- Länder-Vereine zu fungieren gelinge
fen, die auf der Plattform veröffentlicht nicht immer, notfalls müsse man sich für
werden können. einen Partner entscheiden.

Die Frage nach dem ideellen Gewinn für


Sponsoren eines Projekts wurde mit der
Notwendigkeit der Identifikation eines
Produkts mit örtlichen Partnern beant-
wortet. Mitarbeiterkarten und eine
Imageaufwertung des Unternehmens
seien zudem motivierend für Unterneh-
men, sich für Kulturprojekte einzusetzen.
Es wurde festgestellt, dass in der Koope-
ration mit Schulen persönliche Kontakte
sehr wichtig seien, da allgemeine Anfra-
gen an Schulen oftmals nicht beachtet Zur „Stellung und Funktion von Musik-
werden. Bei einer kontinuierlichen Arbeit vermittlung innerhalb der eigenen Orga-
sei die Vertrauensbasis leichter herzu- nisation“ sprach Hermann Baumann von
stellen als bei einmaligen Projekten oder den Internationalen Händel-Festspielen
Festivals. Göttingen. Musikvermittlung sei aus sei-
ner Sicht eine gesamtgesellschaftliche,
politische Aufgabe und nicht allein Sache
Zur Hürde „Zielgruppen“ bot ein Impuls- der Institutionen wie der Orchester. Kür-
referat von Christoph Sure, Geschäfts- zungen im Musikunterricht könne man
führer des MASALA Welt-Beat Festi- deshalb nicht einfach hinnehmen. Auf die
vals/Pavillon Hannover Einblick in die Ar- Frage, was Orchester tun könnten, um
beit mit internationalem Publikum. Sure zur Bildung im Bereich Musik beizutra-
sprach von der „Marke MASALA“, die in- gen, bemerkte Baumann, dass bei
zwischen ein Stammpublikum gefunden Klangkörpern wie großen Orchestern ein
hat, aber auch von länderspezifischen Programm rund um bestehende Projekte
Fans, die einzelne Konzerte besuchten. entwickelt werden müsse. Er ergänzte,
Ausgehend von den Afrikanischen Näch- dass man Kinder schon im frühen Alter
ten in den Achtzigerjahren hat sich das an die klassische Musik in Konzerten he-
Festival verändert, etabliert und kann in- ranführen müsse, indem man beispiels-
zwischen auch Experimente wagen. weise eine Kinderbetreuung während ei-
ner Hälfte der Konzerte anbiete. Als Bei-
Wichtig für die Ansprache der Zielgrup- spiel einer Forderung an die Politik wurde
pen eines Konzertes sei es, den richtigen die Notwendigkeit einer musikalischen
Ton zu treffen. Auch Plakate und persön- Ausbildung für Erzieherinnen von einer
liche Kontakte zu Zielgruppenvereinen, Teilnehmerin erwähnt.
wie beispielsweise länderspezifischen
Kulturvereinen, seien unumgänglich. Ein Ausblick auf das nächste Treffen des
Ständig Kontakt zum Stammpublikum zu Musikvermittlungsteams, das Ende Fe-
halten und gleichzeitig neue Zielgruppen bruar/Anfang März 2011 stattfinden
anzusprechen sei das Ideal. Wie Heu- wird, beendete die Sitzung.
bach, sprach auch Sure von den Kompe-
tenzen und Interessen der Partner, hier
im Hinblick auf das Publikum. Die richti- Das Protokoll führte Mechthild Schlumberger.

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