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Donnerstag, 7.

April 2011
FEUILLETON Süddeutsche Zeitung Nr. 81 / Seite 11

Ein Pakt für oder gegen Europa?


An Gründen für eine Gemeinschaft fehlt es nicht, wohl aber an einem politischen Willen – und an Verantwortung / Von Jürgen Habermas
ie letzte Märzwoche war von dafür ist der verblüffende Applaus der

D zwei politischen Großereignis-


sen beherrscht. Der Machtver-
lust der Regierungsparteien im
Stammland der CDU besiegelte den zügi-
gen Ausstieg aus der Atomenergie; zwei
anspruchsvollen „liberalen“ Wochenzei-
tung für die Kanzlerin, als diese in der
Causa Guttenberg die politische Kultur
des Landes berlusconisierte. Zudem dürf-
te sich die kommentierende Presse, wenn
Tage zuvor verkoppelte der Europäische sie ein Gegengewicht gegen eine perspek-
Rat seine Beschlüsse zur Stabilisierung tivenlose Politik bilden wollte, ihre The-
der gemeinsamen Währung mit einer In- men nicht ganz vom Takt des Tagesge-
itiative zur überfälligen Koordinierung schehens vorgeben lassen. Beispielswei-
der Wirtschaftspolitiken in den beteilig- se behandelt sie die Bewältigung der Eu-
ten Mitgliedsstaaten. Allerdings wird ro-Krise als ein hochspezialisiertes Wirt-
das Gewicht dieses integrationspoliti- schaftsthema; dann fehlt der Kontext,
schen Schubs öffentlich kaum wahrge- wenn die politischen Redaktionen in gro-
nommen, denn in anderen Hinsichten bil- ßen Abständen geruhen, die Folgen der
den die beiden Ereignisse einen bemer- Krise für den Umbau der Europäischen
kenswerten Kontrast. In Baden-Würt- Union im Ganzen doch einmal aufzugrei-
temberg kippt eine soziale Bewegung fen.
nach vierzig Jahren zivilgesellschaftli- Die Wiederentdeckung des deutschen
chen Protestes eine beinharte Mentalität, Nationalstaates, der neue Modus einer
auf die sich die industriefreundlichen Eli- kompasslos auf kurze Sicht fahrenden
ten bislang verlassen konnten. In Brüssel Politik und das Zusammenwachsen der
wird nach einem Jahr Spekulation gegen politisch-medialen Klasse mögen Grün-
den Euro hinter verschlossenen Türen de dafür sein, dass der Politik für ein so
ein Maßnahmenpaket „für wirtschaftspo- großes Projekt wie die Einigung Europas
litische Steuerung“ verabschiedet, mit die Luft ausgeht. Aber vielleicht geht der
dessen Auswirkungen sich in erster Linie Blick nach oben, auf die politischen Eli-
Juristen, Ökonomen und Politologen be- ten und die Medien, überhaupt in die fal-
schäftigen werden. Dem langfristig von sche Richtung. Vielleicht können die
unten erkämpften Mentalitätswandel einstweilen fehlenden Motivationen nur
dort steht hier ein von den Finanzmärk- von unten, aus der Zivilgesellschaft
ten kurzfristig erzwungener Integrations- selbst, erzeugt werden. Der Ausstieg aus
schub in der Zusammenarbeit der natio- der Atomenergie ist ein Beispiel dafür,
nalen Regierungen gegenüber. dass sich die politisch-kulturellen Selbst-
Die energiepolitische Wende, die sich verständlichkeiten und damit die Para-
über Jahrzehnte im politischen Licht ei- meter der öffentlichen Diskussion nicht
ner lärmend-argumentierenden Öffent- ohne die zähe Maulwurfsarbeit sozialer
lichkeit angebahnt hat, bedeutet eine Zä- Bewegungen verschieben.
sur. Aber gilt das auch für den experto-
kratisch ausgehandelten, in den Wirt-
schaftsteilen der Presse versickerten,
fast tonlos vollzogenen Politikwechsel zu Woher sollen die
einer intensiveren Abstimmung von Poli- Motive kommen?
tiken, die gemäß dem Europavertrag in
nationale Zuständigkeit fallen? Was ist Eine soziale Bewegung für Europa
das Problem – und kann es durch eine liegt nicht in der Luft. Stattdessen beob-
Verabredung unter den Regierungschefs achten wir etwas anderes – eine Politik-
der betroffenen Mitgliedstaaten über- verdrossenheit, deren Ursachen unklar
haupt gelöst werden? sind. Die geläufigen Diagnosen machen
das Unbehagen an Persönlichkeitseigen-
schaften und Stilmerkmalen von gefeier-
ten Ersatz- und Gegenfiguren fest. Es
Der Konstruktionsfehler heißt, dass viele Bürger am Seiteneinstei-
der Währungsunion ger Gauck das eckige Profil einer wider-
ständigen Lebensgeschichte schätzen,
Die finanztechnische Frage, ob der in am Kommunikator Guttenberg die Elo-
Brüssel vereinbarte Stabilitätsmechanis- quenz und den Glanz der eleganten
mus, der den im Mai 2010 vereinbarten Selbstdarstellung und am Moderator
Rettungsfonds im Jahre 2013 ablöst, die Geißler das Knorrige eines sympathi-
Spekulation gegen den Euro beenden schen Schlitzohrs – allemal farbige Ei-
wird, lasse ich dahingestellt. Wichtiger genschaften, die den biederen Verwal-
ist die politische Frage jenes Konstrukti- tern der politischen Routine abgehen.
onsfehlers der Währungsunion, über den Aber diese antipolitische Schwärmerei
die Finanzmarktspekulation nun allen für das Überparteiliche könnte auch ein
die Augen geöffnet hat. Bei der Einfüh- Ventil für einen ganz anderen Ärger sein
rung des Euro im Jahre 1999 hatten eini- – für den Verdruss an einer politischen
ge noch auf die Fortsetzung des politi- Das historische Erbe spricht für Zurückhaltung. Der Stier ist da anderer Ansicht, und was Europa davon hält, ist, ihrem Gesichtsausdruck nach zu schließen, eher Unterforderung.
schen Einigungsprozesses gehofft. Ande- ungewiss: Die Entführung der Europa, Gemälde von Liberale da Verona (etwa 1490, Ausschnitt). Abb.: The Bridgeman Art Library Früher ließen sich die Politiken der
re Befürworter glaubten an das ordolibe- Bundesregierungen aus einer nachvoll-
rale Lehrbuch, das der Wirtschaftsverfas- ziehbaren Perspektive bündeln: Adenau-
sung mehr zutraut als der Demokratie. Hause die nötige Legitimation „beschaf- weitere Übertragung von Souveränitäts- einer Kanzlerin, die vor ihrem Debakel ten Plagiator aus Rücksicht auf dessen er war auf die Bindung an den Westen fi-
Sie meinten, dass die Einhaltung simpler fen“. Das muss aber ein claire-obscure rechten selbst im Kernbereich der Union vom 8. Mai 2009 die europäische Hilfe Beliebtheit im Amt behielt. Kühl kalku- xiert, Brandt auf die Ostpolitik und die
Regeln für eine Konsolidierung der der sanften Pression von oben und der ablehnen würden. Aber diese Voraussa- für Griechenland und den Rettungs- lierend hat sie für ein paar Silberlinge, Dritte Welt; Schmidt relativierte das
Staatshaushalte genügen müsste, um (ge- unfreiwillig-freiwilligen Akkomodation ge ist zu bequem, wenn sich die politi- schirm für den Euro wochenlang blo- die sie an den Wahlurnen dann doch Schicksal des kleinen Europa aus dem
messen an den Lohnstückkosten) eine An- von unten erzeugen. Was bedeutet denn schen Eliten damit von ihrer Verantwor- ckierte. Auch das jetzige Paket ist vom nicht hat einstreichen können, das rechts- Blickwinkel der Weltökonomie, und Hel-
gleichung der nationalen Wirtschaftsent- das Recht der Kommission, die Haushal- tung für den erbärmlichen Zustand der wirtschaftspolitischen Musterknaben staatliche Amtsverständnis kassiert. Ein mut Kohl wollte die nationale in die euro-
wicklungen herbeizuführen. te der Mitgliedstaaten „rechtzeitig“, also Union entlasten. Dass die jahrzehntelan- mit so wenig Sensibilität geschnürt wor- Großer Zapfenstreich hat die Normalität päische Einigung einbinden. Alle woll-
Beide Erwartungen sind dramatisch vor der Entscheidung der Parlamente zu ge breite Zustimmung zur europäischen den, dass die Nachbarländer bei geeigne- dieser Praxis auch noch besiegelt. ten noch etwas! Schröder hat schon eher
enttäuscht worden. Die schnelle Aufein- prüfen, anderes als die Anmaßung, ein Einigung sogar in der Bundesrepublik tem Anlass nicht länger auf „Brüssel“, Dem liegt ein Verständnis von Demo- reagiert als gestaltet; immerhin wollte
anderfolge von Finanz-, Schulden- und wirksames Präjudiz zu schaffen? stark abgenommen hat, ist nicht selbst- sondern auf das „deutsche“ Politikmus- kratie zugrunde, das die New York Times Joschka Fischer eine Entscheidung über
Eurokrise hat die falsche Konstruktion Unter diesem Grauschleier können verständlich. Der europäische Einigungs- ter zeigen werden, das sie sich nicht über- nach der Wiederwahl von George W. die finalité, wenigstens die Richtung der
eines riesigen Wirtschafts- und Wäh- sich die nationalen Parlamente (und gege- prozess, der immer schon über die Köpfe stülpen lassen wollen. Zum neudeut- Bush auf die Formel von der post-truth europäischen Einigung herbeiführen.
rungsraums, dem aber die Instrumente benenfalls die Gewerkschaften) dem der Bevölkerung hinweg betrieben wor- schen Mentalitätswandel passt übrigens democracy gebracht hat. In dem Maße, Seit 2005 zerfließen die Konturen voll-
für eine gemeinsame Wirtschaftspolitik Verdacht nicht entziehen, andernorts den ist, steckt heute in der Sackgasse, das Europa-unfreundliche Lissabon-Ur- wie die Politik ihr gesamtes Handeln von ends. Man kann nicht mehr erkennen,
fehlen, sichtbar gemacht. Europaskepti- gefasste Vorentscheidungen nur noch ab- weil er nicht weitergehen kann, ohne teil des Bundesverfassungsgerichts, das der Konkordanz mit Stimmungslagen ab- worum es geht; ob es überhaupt noch um
ker wie Angela Merkel sind unter diesen zunicken, das heißt konkretisierend nach- vom bisher üblichen administrativen Mo- sich gegen weitere Integrationsbestre- hängig macht, denen sie von Wahltermin mehr geht als um den nächsten Wahler-
systemischen Zwängen widerstrebend zuvollziehen. Dieser Verdacht muss jede dus auf eine stärkere Beteiligung der Be- bungen mit einer willkürlichen Festle- zu Wahltermin hinterherhechelt, verliert folg. Die Bürger spüren, dass ihnen eine
zu einem Schritt in Richtung Integration demokratische Glaubwürdigkeit zerfres- völkerung umgestellt zu werden. Statt- gung unverrückbarer nationaler Zustän- das demokratische Verfahren seinen normativ entkernte Politik etwas vorent-
gedrängt worden. Nun soll der Fehler auf sen. Das Wischiwaschi einer Koordinie- dessen stecken die politischen Eliten den digkeiten zum Hüter der nationalstaatli- Sinn. Eine demokratische Wahl ist nicht hält. Dieses Defizit drückt sich sowohl in
dem informellen Wege der „offenen Koor- rung, deren rechtlicher Status absichts- Kopf in den Sand. Sie setzen ungerührt chen Identität aufwirft. Staatsrechtler dazu da, ein naturwüchsiges Meinungs- der Abwendung von der organisierten Po-
dinierung“ beseitigt werden. Diese Notlö- voll im Ungefähren bleibt, genügt nicht ihr Eliteprojekt und die Entmündigung haben das Urteil unter der sarkastischen spektrum bloß abzubilden; vielmehr soll litik aus wie in jener neuen Protestbereit-
sung hat aus Sicht der Akteure den Vor- für Regelungen, die ein gemeinsames der europäischen Bürger fort. Für diese Überschrift „Das deutsche Verfassungs- sie das Ergebnis eines öffentlichen Pro- schaft der Basis, für die Stuttgart 21 die
zug, keine schlafenden Hunde zu we- Handeln der Union erfordern. Solche Unverfrorenheit möchte ich nur drei gericht sagt ,Ja‘ zu Deutschland“ treff- zesses der Meinungsbildung wiederge- Chiffre ist. Für die eine oder die andere
cken. Andererseits ist sie, sofern sie über- Beschlüsse müssen auf beiden für Uni- Gründe anführen. lich kommentiert. ben. Die in der Wahlkabine abgegebenen politische Partei könnte es sich doch loh-
haupt funktioniert, in der Auswirkung onsentscheidungen vorgesehenen Wegen Stimmen erhalten das institutionelle Ge- nen, die Ärmel hochzukrempeln, um of-
undemokratisch und dazu angetan, in legitimiert werden – nicht nur auf dem wicht demokratischer Mitbestimmung fensiv auf den Marktplätzen für die euro-
den Bevölkerungen der verschiedenen indirekten Wege über die im Rat vertrete- erst in Verbindung mit den öffentlich ar- päische Einigung zu kämpfen.
Mitgliedstaaten gegenseitig Ressenti- nen Regierungen, sondern auch über das Die Wiederentdeckung Demoskopiegeleiteter tikulierten Meinungen, die sich im kom- Mit dem Verzicht auf „große“ Projekte
ments zu schüren. europäische Parlament unmittelbar. An- des deutschen Nationalstaates Opportunismus munikativen Austausch von themenrele- ist es nicht getan. Dem Klimawandel,
Die Regierungschefs haben sich darauf dernfalls wird die bekannte zentrifugale vanten Stellungnahmen, Informationen den weltweiten Risiken der Kerntechnik,
festgelegt, jeweils im eigenen Land einen Dynamik des Fingerzeigens auf „Brüs- Die nationale Einigung hat in Deutsch- Die neue deutsche Normalität erklärt und Gründen herausgebildet haben. Aus dem Regelungsbedarf des finanzmarktge-
Katalog von Maßnahmen zur Finanz-, sel“ nur noch beschleunigt – die falsche land einen Mentalitätswandel in Gang ge- nicht die Tatsache, dass es bisher in kei- diesem Grunde privilegiert das Grundge- triebenen Kapitalismus oder der Durch-
Wirtschafts-, Sozial- und Lohnpolitik Methode wirkt als Spaltpilz. setzt, der (wie politikwissenschaftliche nem der Mitgliedsstaaten eine einzige Eu- setz die Parteien, die nach Artikel 21 „an setzung der Menschenrechte auf interna-
umzusetzen, die eigentlich Sache der nati- Solange die europäischen Bürger al- Untersuchungen belegen) auch das ropawahl und kaum ein Referendum ge- der politischen Willensbildung des Vol- tionaler Ebene kann sich die internatio-
onalen Parlamente (bzw. der Tarifpartei- lein ihre nationalen Regierungen als Han- Selbstverständnis und die Orientierung geben hat, in denen über etwas anderes kes mitwirken“. Auch die Europäische nale Gemeinschaft nicht entziehen. Und
en) wären. In den Empfehlungen spiegelt delnde auf der europäischen Bühne im der deutschen Außenpolitik erfasst und als über nationale Themen und Tickets Union wird keinen demokratischen Cha- gegenüber der Größenordnung dieser
sich ein Politikmuster, das die deutsche Blick haben, nehmen sie die Entschei- in Richtung einer stärkeren Selbstzen- entschieden worden ist. Politische Partei- rakter annehmen können, solange es die Probleme hat die Aufgabe, die wir in Eu-
Handschrift trägt. Von der wirtschaftspo- dungsprozesse als Nullsummenspiele trierung verändert hat. Seit den neunzi- en vermeiden natürlich die Thematisie- politischen Parteien ängstlich vermei- ropa lösen müssen, fast schon ein über-
litischen Weisheit der verordneten Auste- wahr, in denen sich die eigenen Akteure ger Jahren wächst allmählich das Selbst- rung von unpopulären Fragen. Das ist ei- den, Alternativen zu Entscheidungen sichtliches Format.
rität, die auf eine kontraproduktive Dau- gegen die anderen durchsetzen müssen. bewusstsein einer militärisch gestützten nerseits trivial, weil es das Ziel von Par- von großer Tragweite überhaupt zum
erdeflation in der Peripherie hinauszulau- Die nationalen Helden treten gegen „Mittelmacht“, die als Spieler auf welt- teien sein muss, Wahlen zu gewinnen. An- Thema zu machen.
fen droht, will ich gar nicht reden. Ich „die anderen“ an, die an allem schuld politischer Bühne agiert. Dieses Selbst- dererseits ist es keineswegs trivial, war-
konzentriere mich auf das Verfahren: Die sind, was „uns“ das Monster Brüssel auf- verständnis verdrängt die bis dahin ge- um seit Jahrzehnten Europawahlen von HEUTE
Regierungschefs wollen sich jedes Jahr ge- erlegt und abverlangt. Nur im Blick auf hegte Kultur der Zurückhaltung einer Zi- Themen und Personen beherrscht wer-
genseitig über die Schulter sehen, um fest- das von ihnen gewählte, nach Parteien vilmacht, die vor allem einen Beitrag zur den, die gar nicht zur Entscheidung an- Das Unbehagen an der FILM
zustellen, ob denn die Kollegen den Schul- und nicht nach Nationen zusammenge- Verrechtlichung des Systems der ungezü- stehen. Der Umstand, dass sich die Bür- politisch-medialen Klasse
denstand, das Renteneintrittsalter und setzte Parlament in Straßburg könnten gelten Staatenkonkurrenz leisten wollte. ger über die Relevanz des Geschehens im „Die Dunkelheit zieht mich an“
die Deregulierung des Arbeitsmarktes, die europäischen Bürger Aufgaben der Der Wandel zeigt sich insbesondere seit subjektiv entfernten Straßburg und Brüs- Die Medien sind am beklagenswerten Eva Green, Bond-Girl und Bertoluccis
das Sozialleistungs- und das Gesundheits- wirtschaftspolitischen Steuerung als ge- dem Regierungswechsel von 2005 auch sel täuschen, begründet sehr wohl eine Gestaltwandel der Politik nicht unbetei- Muse, über Schönheit, Verstörung und ih-
system, die Löhne im öffentlichen Sektor, meinsam zu bewältigende Aufgaben in der Europapolitik. Genschers Vorstel- Bringschuld, der sich jedoch die politi- ligt. Einerseits lassen sich die Politiker ren neuen Film „Womb“ Seite 12
die Lohnquote, die Körperschaftsteuer wahrnehmen. lung von der „europäischen Berufung“ ei- schen Parteien hartnäckig entziehen. vom sanften Zwang der Medien zu kurz-
und vieles mehr an die „Vorgaben“ des nes kooperativen Deutschlands spitzt Freilich scheint die Politik heute allge- atmigen Selbstinszenierungen verfüh- LITERATUR
Europäischen Rates angepasst haben. sich immer stärker auf einen unverhohle- mein in einen Aggregatzustand, der sich ren. Andererseits lässt sich die Pro-
nen Führungsanspruch eines „europäi- durch den Verzicht auf Perspektive und grammgestaltung der Medien selbst von Professor unter Prügelknaben
Und was wäre schen Deutschlands in einem deutsch ge- Gestaltungswillen auszeichnet, überzu- der Hast dieses Okkasionalismus anste- Vier Leben, mindestens: Die Memoiren
die Alternative? prägten Europa“ zu. Nicht als wäre die gehen. Die wachsende Komplexität der cken. Die munteren Moderator(inn)en des Politologen und früheren bayerischen
Dies ist die Einigung Europas nicht von Anfang an regelungsbedürftigen Materien nötigt zu der zahlreichen Talkshows richten mit ih- Kultusministers Hans Maier Seite 14
falsche Methode Eine anspruchsvollere Alternative be- im deutschen Interesse gewesen. Aber kurzatmigen Reaktionen in schrumpfen- rem immer gleichen Personal einen Mei-
stünde darin, dass die Kommission diese das Bewusstsein eines verpflichtenden den Handlungsspielräumen. Als hätten nungsbrei an, der dem letzten Zuschauer MEDIEN
Die rechtliche Unverbindlichkeit der Aufgaben auf dem demokratischen Wege historisch-moralischen Erbes sprach für sich die Politiker den entlarvenden Blick die Hoffnung nimmt, es könne bei politi-
intergouvernementalen Vorverständi- des „ordentlichen Gesetzgebungsverfah- diplomatische Zurückhaltung und für der Systemtheorie zu eigen gemacht, fol- schen Themen noch Gründe geben, die „Ins offene Meer des Risikos“
gung über Politiken, die in Kernkompe- rens“, also mit Zustimmung von Rat und die Bereitschaft, auch die Perspektiven gen sie schamlos dem opportunistischen zählen. Manchmal zeigt der ARD-Presse- Edzard Reuter über das Projekt „Kon-
tenzen der Mitgliedstaaten und ihrer Par- Parlament ausübt. Das würde allerdings der anderen einzunehmen, normativen Drehbuch einer demoskopiegeleiteten club, dass es auch anders geht. text: Wochenzeitung“ Seite 15
lamente eingreifen, führt in ein Dilem- eine Kompetenzverlagerung von den Mit- Gesichtspunkten Gewicht einzuräumen Machtpragmatik, die sich aller normati- Zwar stehen wir mit unserer Qualitäts-
ma. Wenn die Empfehlungen zur wirt- gliedsstaaten auf die Union verlangen, und gelegentlich Konflikte durch Vorlei- ven Bindungen entledigt hat. Merkels presse, wenn ich recht sehe, im internatio- WISSEN
schaftspolitischen Steuerung wirkungs- und eine derart einschneidende Vertrags- stungen zu entschärfen. Atommoratorium ist nur das auffälligste nalen Vergleich gar nicht so schlecht da.
los bleiben, verstetigen sich die Proble- änderung erscheint einstweilen als unrea- Für Angela Merkel mag das im Um- Beispiel. Und nicht Guttenberg, sondern Aber auch diese Leitmedien bleiben Wie bei Muttern
me, die damit gelöst werden sollen. Wenn listisch. gang mit Israel noch eine Rolle spielen. die Regierungschefin selbst hat (in den nicht unberührt von dem Umstand, dass Gentech-Kühe geben Milch, die der von
jedoch die Regierungen ihre Maßnahmen Wahrscheinlich stimmt die Erwar- Aber der Vorrang nationaler Rücksich- Worten der FAZ) „die halbe Republik die mediale mit der politischen Klasse zu- Frauen erstaunlich ähnlich ist Seite 16
tatsächlich in der beabsichtigten Weise tung, dass die europamüden Bevölkerun- ten ist nie zuvor so blank in Erscheinung und fast die ganze CDU zum Lügen ge- sammenwächst – und über diesen Ritter-
koordinieren, müssen sie sich dafür zu gen unter gegebenen Umständen eine getreten wie im robusten Widerstand bracht“, als sie den öffentlich überführ- schlag auch noch stolz ist. Ein Beispiel www.sueddeutsche.de/kultur