Вы находитесь на странице: 1из 56

Rassismus Report 2005

Einzelfall-Bericht über rassistische


Übergriffe und Strukturen in Österreich

Zur kostenlosen Weitergabe. Darf nicht verkauft werden.

zara 05 umbruch 13-3.indd 1 16.03.2006 13:29:45 Uhr


*DenkbarAlles

[cdc]
RechenkünstlerSportkanone

KunstliebhaberinSprachtalent

freakIntelligenzbestieOpern

freundKarrieretypSchöngeist
OrganisationsgenieComputer
* Ob Sie sich beruflich fortbilden oder persönlich
entfalten möchten, die 18 Wiener Volkshoch-
schulen sind dabei Ihr idealer Partner. Die
Palette an Kursen, Vorträgen und Lehrgängen
der Wiener Volkshochschulen orientiert sich
an den Wünschen und Bedürfnissen der
Menschen, für die wir arbeiten.

Allgemeinbildung, Business Skills, EDV,


2. Bildungsweg, Musik, Körper & Geist,
Kunst & Kultur, Lifestyle, Sport, Sprachen,
University Meets Public

Bildungstelefon: (01) 893 00 83

Die Wiener Volkshochschulen – für geistige, berufliche und körperliche Fitness!

Verband Wiener Volksbildung Ein Herz für’s Hirn


www.vhs.at

zara 05 umbruch 13-3.indd 2 16.03.2006 13:29:48 Uhr


wer hören
will muss
fühlen.

zara 05 umbruch 13-3.indd 3 16.03.2006 13:29:52 Uhr


��� ��� �����
�������������� �����
����� ��� ���� ���� � ��� ������ ����� � ��� �����

����� ���������� ������������� �������


� ����� ����� � ��������� ��� ��������� ��� ���
������� ��� ��� ���������� ����� ������� �������� �������
� ����� ������������ ����������������� � ����������
����� ���������������� ���������� ��������
� ����� ��������� ����� ��� ������� ��� ����� ���� ������� ���
�������������� ��� �������� ������������ ��������
� ����� �� ����� ����� �� ��� ���� ��� �����
����� ��� ��� ���������� ��� ��������� ��������� ������
��� ����������������� ����� ������ �����
� ����� ����� � ��������� ��� ��������� ��������� ����
���������� ��� ���������������� ������
� ����� �� ���� �� �������� ���� �����
��������� ������ �����

����� ������ ��� ����������


�������� ��� ����
���� ������� ���� ����� ���� ����
��� ������� ����� ��� ���������
�� ���� ������ �����

����� ���� ��� �� �����


��������������
������ ���� �����������
Foto: Johannes Zinner

������������� ��������� �������

zara 05 umbruch 13-3.indd 4 16.03.2006 13:29:53 Uhr


Inhaltsverzeichnis

2 Impressum

3 Vorwort

4 Statistik

6 Öffentlicher Raum
11 Politik und Medien

14 Dienstleistungsverweigerung in Lokalen oder Geschäften

17 Rassistische Beschmierungen im öffentlichen Raum

18 Polizei

23 Sonstige Behörden und öffentliche Institutionen

25 Arbeit

27 Wohnen

30 Rassismus als Reaktion auf Anti-Rassismus-Arbeit

33 Kommentare anderer Organisationen


33 Peregrina

34 THARA

36 asylkoordination österreich

37 Forum gegen Antisemitismus

38 Helping Hands Graz/Anti-Rassismus-Hotline

39 Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

41 Gleichbehandlungsanwaltschaft

42 Volksanwalt

43 ZARA-Zivilcourageworkshops an Schulen

zara 05 umbruch 13-3.indd 1 16.03.2006 13:29:53 Uhr


Danksagungen
Danke an die Lektorin Irene Lohwasser, die bereit war,
diesen Report unbezahlt zu korrigieren!

Danke an die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen von


ZARA: Andreas Liberda, Christine Lohwasser, Christa
Markom, Monika Muhr, Romina Rabl, Stefan Radinger,
Oliver Schuster.

Impressum
Medieninhaber und Herausgeber: Graphik und Layout: schultz+schultz / Alva Unger
Verein ZARA – Druck: Manz Crossmedia, 1050 Wien
Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit, Blattlinie: Der Rassismus Report erscheint jährlich und
Luftbadgasse 14–16, wird kostenlos abgegeben. Er beinhaltet
1060 Wien, Informationen über Rassismus in Österreich und
www.zara.or.at Entwicklungen in der Europäischen Union.
ZARA ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Wien. Schwerpunkte bilden Berichte über Einzelfälle mit
rassistischem Hintergrund und ExpertInnenkommentare.
Chefredaktion: Xiane Kangela
Redaktion – wenn nicht anders gekennzeichnet: Das Team der ZARA-Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen
Xiane Kangela, Dieter Schindlauer, von Rassismus ist für Terminvereinbarungen erreichbar:
Verena Krausneker, Hikmet Kayahan, Mo - Mi 10-14 Uhr, Do 17-19 Uhr
Marta Hodasz, Eva Matt und Wolfgang Zimmer T: (01) 929 13 99, F: (01) 929 13 99-99
Lektorat: Irene Lohwasser E-Mail: office@zara.or.at
Anzeigenleitung: Jamal Hachem Homepage: www.zara.or.at

Gefördert durch:

Mit freundlicher Unterstützung von:

zara 05 umbruch 13-3.indd 2 16.03.2006 13:29:55 Uhr


Vorwort

Der Rassismus Report erscheint dieses Jahr zum sismus Reports im Jahr 2000 aber nicht geändert. Der
sechsten Mal und in etwas neuer Form. Es gab einen alte, immer noch aktuelle ZARA-Forderungskatalog ist
Wechsel in der redaktionellen Verantwortung, da die ebenfalls auf der ZARA-Homepage unter http://www.
langjährige Rassismus Report-Hauptverantwortliche, zara.or.at/materialien/forderung/ zu finden.
Verena Krausneker, als ZARA-Vorstandsmitglied letz- Unverändert ist die Arbeitsdefinition der ZARA-
tes Jahr zurücktrat und ihre Funktion für Öffentlich- Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen von Rassis-
keitsarbeit abgab. Ihr Grundkonzept, die Darstellung mus:
zahlreicher rassistischer Einzelfälle, die in ihrer Sum-
me dazu dienen, rassistische Strukturen in Österreich Rassistische Diskriminierung bedeutet, dass ein Mensch
aufzuzeigen, wurde aber unverändert übernommen. aufgrund seiner Hautfarbe, seiner Sprache, seines Aus-
Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich für die sehens, der Religionszugehörigkeit, Staatsbürgerschaft
geleistet Arbeit und für ihr außerordentliches Engage- oder Herkunft in irgendeiner Form benachteiligt wird.
ment für ZARA bedanken. Dies kann bedeuten: Benachteiligungen, Beschimpfun-
Neu am Rassismus Report, einem der zentralen gen oder tätliche Angriffe, die sich bei der Arbeits- und
Projekte von ZARA ist, dass befreundete Organisa- Wohnungssuche, in Lokalen und Geschäften, bei Kon-
tionen diesmal nicht gebeten wurden, Einzelfälle zu takten mit Behörden und mit Privaten, im öffentlichen
schicken, sondern stattdessen einen Kommentar zum Raum und auch durch Medien äußern.
vergangenen Jahr einbrachten. In diesem Report sind
nur bei ZARA gemeldete Fälle publiziert. Diese Ände- Im Jahr 2005 wurden 1.105 rassistische Vorfälle an die
rung schien notwendig, da die wenigsten Organisa- Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen herangetra-
tionen Rassismus und seine Dokumentation zu ihren gen und bearbeitet. Wie jedes Jahr ist eine repräsen-
primären Aufgaben zählen. Bei allen sind Erfahrungen tative Auswahl davon im Rassismus Report zu finden.
mit Rassismus aber Teil der täglichen Arbeit. Neu ist Wie jedes Jahr gilt, die Zahl der gemeldeten Fälle ist
ebenfalls, dass jedem Kapitel ein einführender Text quantitativ nicht repräsentativ für Rassismus in Öster-
vorangeht, in welchem ZARA-Obmann Dieter Schind- reich.
lauer einen umfassenden Überblick zur rechtlichen Gleich geblieben ist leider auch die prekäre finan-
und gesellschaftlichen Situation gibt. Eine ausführli- zielle Situation von ZARA. Deshalb möchte ich Sie
che aktualisierte Sammlung der rechtlichen Rahmen- bitten, wenn Sie die Arbeit von ZARA wichtig finden,
bedingungen kann zudem auf der ZARA-Homepage spenden Sie oder werden Sie förderndes Mitglied.
unter http://www.zara.or.at/materialien/rechtliches/ Sie ermöglichen mit ihrer Unterstützung die Betreu-
nachgelesen werden. ung von Opfern von Rassismus, die Information für
Wie im Rassismus Report 2004 angekündigt, hat ZeugInnen und Interessierte, aber ebenso die Präven-
ZARA mit den Gleichbehandlungsanwältinnen eng tion in Form von Schulungen und Workshops.
zusammengearbeitet und Fälle vor die Gleichbehand-
lungskommission gebracht. Mit der Einsetzung dieser
Institutionen wurde die ZARA-Forderung nach einer Herzlichen Dank!
unabhängigen Ombudseinrichtung zum Teil verwirk-
licht. Im Großen und Ganzen hat sich der ZARA-For- Xiane Kangela
derungskatalog seit dem ersten Erscheinen des Ras- Redakteurin und ZARA-Vorstandsmitglied

zara 05 umbruch 13-3.indd 3 16.03.2006 13:29:55 Uhr


Statistik

Statistik
2005 dokumentierte das ZARA-Team 1.105 rassisti- • Sonstige Behörden und öffentliche Institutionen
sche Vorfälle. 45% der KlientInnen waren Frauen, 36% bezeichnet alle Vorfälle, die zwischen privaten Ein-
Männer, 18% der Fälle wurden anonym gemeldet und zelpersonen und öffentlichen Institutionen und Be-
1% stammt von Organisationen. hörden (mit Ausnahme der Polizei) bzw. deren Ver-
Der Anteil an ZeugInnen unter den ZARA-KlientIn- treterInnen stattgefunden haben, wie etwa Ämtern,
nen lag 2005 bei 54%. Selbst direkt betroffen waren Justizanstalten, Schulen etc.
unter den meldenden Personen 46%.
• Wohnen widmet sich Berichten über Vorkommnis-
se im Wohnbereich. Von der Wohnungssuche bis zur
Organisationen 1%
Nachbarschaft.
Anonym 18%

Frauen 45%
• Arbeit beinhaltet Berichte über Vorkommnisse, die
Männer 36% im weitesten Sinne mit „Arbeit“ zu tun haben, also
Arbeitsmarkt, -suche, -kollegInnen, Stellenausschrei-
bungen usw.

• Rassismus als Reaktion auf Anti-Rassismus-Ar-


beit bezeichnet jene Briefe, E-Mails und Anrufe, die
sich gegen ZARA, gegen die Arbeit von ZARA oder
gegen einzelne MitarbeiterInnen richten.
Betroffene 46%
ZeugInnen 54%
(In der diesjährige Statistik wurde die Kategorie Info,
also die Beantwortung zahlreicher Infoanrufe, Anfra-
gen per E-Mail oder die persönliche Beratung von In-
teressierten nicht mehr ausgewiesen.)

Anmerkungen

Reaktion
Es gehört zu den Aufgaben der ZARA-BeraterInnen,
auf ZARA 10% einerseits den Wahrheitsgehalt einer Sachverhaltsbe-
Wohnen 3% Öffentlicher
Raum 67%
schreibung zu überprüfen und andererseits sich auch
Sonstige Behörden 5% um die Sicht der „Gegenpartei“ oder einer dritten Sei-
te zu kümmern. BeraterInnen können nicht garantie-
Polizei 7% ren, dass alle Informationen, die ihnen – von verschie-
denen Seiten – zugetragen werden, der „Wahrheit“
Arbeit 9%
entsprechen. Die Interessen jener Person, die sich an
die Beratungsstelle wendet, stehen an erster Stelle;
deswegen wird deren Darstellungen Vertrauen und
Verständnis entgegengebracht. Ihre Aussagen müs-
sen ernst angehört, dürfen deshalb aber nicht unkri-
Information zu den einzelnen Bereichen tisch übernommen werden.
und ihren Bezeichnungen Mit Good Practice möchten wir auf positive Bei-
spiele, gute Kooperation mit ZARA und eine zufrie-
• Mit Öffentlicher Raum sind alle Vorfälle bezeichnet, denstellende Problemlösung hinweisen.
die sich an Orten, die einem nicht näher bestimmten
Personenkreis offen stehen, wie beispielsweise Stra- Anmerkungen zur Bezeichnung der von
ßen, öffentliche Verkehrsmittel, Geschäfte, Lokale, in
Medien und in der Politik etc. zugetragen haben. Von Rassismus betroffenen Menschen und zu
den verzeichneten 739 Fällen in diesem Bereich wa- anderen terminologischen Fragen, die sich
ren 425 rassistische Beschmierungen. bei diesem Thema stellen.
• Polizei umfasst alle Berichte, die in irgendeiner Form In den Rassismus Reporten geht es um rassistische Dis-
mit – in der Regel einzelnen VertreterInnen – der Si- kriminierungen, und so ist es oftmals notwendig, die
cherheitsverwaltung, der Polizei oder Gendarmerie zu Logik des rassistischen Denkens nachzuzeichnen und
tun haben. das Aussehen der Betroffenen zu beschreiben. Begriffe

zara 05 umbruch 13-3.indd 4 16.03.2006 13:29:57 Uhr


Statistik

wie „Dunkelhäutige“ oder „Farbige“ lehnt ZARA ab, da ÖsterreicherInnen“ aussehende TürkInnen oder eben
sie ungebrochen aus der Kolonialzeit oder der Realität wie vermeintliche AfrikanerInnen aussehende Öster-
der Sklaverei und Segregation in Amerika übernom- reicherInnen gibt. Allein der Begriff „Afrika“ kann zu
men wurden. Der Begriff „Schwarzafrikaner“ ist aus Simplifizierungen und Generalisierungen einladen, da
dem Substitut für die Bezeichnung „Neger“ in den Be- er die Heterogenität des Kontinents und seiner über 50
richten der Polizei über die Chronikteile der Zeitungen Länder negiert. Rassisten oder rassistisch Diskriminie-
in den allgemeinen Sprachgebrauch übergewechselt. rende wissen aber zumeist sehr wohl, wen sie diskrimi-
Der Begriff „Schwarzafrikaner“ kommt aus dem erken- nieren. Sie zielen gegen alle Menschen, die von ihrem
nungsdienstlichen Denken und erinnert unwillkürlich Bild des oder der „echten ÖsterreicherIn“ abweichen.
immer an Kriminalität. Aus diesem Grund wird er im Die Schwierigkeit, präzise zu formulieren, ist nur ein
Rassismus Report ebenfalls nicht verwendet. Da es Dilemma von vielen, auf die man bei der Erstellung ei-
aber in den Reporten wichtig ist zu erklären, warum nes Rassismus Reportes stößt. Die Frage, inwiefern der
eine Diskriminierung stattgefunden hat, und dass sie Report zur Reproduktion von Rassismus beiträgt, stellt
für die österreichische Mehrheitsbevölkerung etwas sich insbesondere bei Berichten über rassistische Be-
anderes bedeutet als etwa für Angehörige von diskri- schmierungen. Verbreitet der Report nicht auch diese
minierten Minderheiten, ist es wichtig, das Aussehen Verhetzungen? Gibt er der Hetze nicht gar noch ein
zu erwähnen. Zumeist wird im Report die Staatsbür- Forum? Diesem möglichen Nachteil steht allerdings
gerschaft oder das Herkunftsland angegeben, sofern der Vorteil gegenüber, dass der Report ein Mittel zur
sie oder es bekannt ist. ZARA ist sich darüber im Klaren, Sensibilisierung gegen Rassismus ist; insbesondere für
dass dadurch die rassistische Logik bis zu einem gewis- Menschen, die in ihrem Alltag keine Erfahrungen mit
sen Grad widergespiegelt und weiterverbreitet wird, rassistischer Diskriminierung machen müssen. Aber
sieht jedoch aus praktischen Gründen die Nennung der Report soll nicht nur zur Sensibilisierung beitra-
der Herkunft als notwendig an. ZARA weiß auch, dass gen. Er dient auch als Argumentationshilfe gegen jene,
dadurch Pauschalisierungen und Vorurteile unhinter- die der Meinung sind, Rassismus sei ein Kavaliersdelikt,
fragt bleiben, da es blonde, wie vermeintliche „echte ein Einzelfall oder das Problem einiger weniger.

Im Reichtum
der Kulturen
liegt ein
Geschenk.
Im Reichtum der Kulturen
liegt ein Geschenk.

Weltladen 1010 Wien Weltladen 1080 Wien Weltladen Salzburg


Lichtensteg 1 Lerchenfelder Straße 18-24 Linzer Gasse 64
(Rotenturmstr./Hoher Markt) 1080 Wien 5020 Salzburg
01 - 5352886 01 - 4083996 0662 - 877474

EZA Fairer Handel GmbH, Wenger Straße 5, 5203 Köstendorf


Tel:06216 20 200 - 40, E-Mail: office@eza.cc; www.eza.cc

zara 05 umbruch 13-3.indd 5 16.03.2006 13:29:57 Uhr


Öffentlicher Raum

Öffentlicher Raum

Österreich ist ein sicheres Land. Im Vergleich zum All- bo bist du, eine sinnlose Kreatur“. Eine Klage wegen
tag an den vielen anderen Orten dieser Welt herrscht Beleidigung ist aussichtslos, weil der Vorfall nicht von
die wunderbare und oft unterschätzte Freiheit, sich ZeugInnen beobachtet worden ist. Daher bleibt es auf
zu jeder Tages- und Nachtzeit überall unbeschwert Wunsch von Frau D. bei der Dokumentation.
bewegen zu können. Dieses Gefühl der Sicherheit ist
von geradezu unschätzbarem Wert. Leider gilt diese
Sicherheit nicht für alle Menschen, die hier leben, in
gleichem Maße. Insbesondere Menschen, die so ge-
2 Im April 2005 wird ZARA ein Fall rassistischer Ge-
walt gemeldet. Ein 17-jähriger Gymnasiast, des-
sen Mutter Österreicherin und dessen Vater Afrikaner
nannten „sichtbaren Minderheiten“ angehören, also ist, wird auf dem Hauptplatz von Feldbach in der Stei-
Menschen, die aufgrund ihrer Hautfarbe oder weil sie ermark niedergeschlagen. Der 17-Jährige wird von 6
religiöse Symbole tragen, kurz wegen ihres Äußeren Skinheads, es findet an jenem Tag ein Skinhead-Tref-
von vielen als „fremd“ wahrgenommen werden, erle- fen in Knittelfeld statt, erst rassistisch beschimpft und
ben dieses Land oft ganz anders. Die in diesem Kapitel dann verprügelt. Die Skinheads sagen u.a. zu dem
dargestellten Begebenheiten zeugen von einer ande- Jungen: „Wir haben gedacht, Feldbach wäre von euch
ren, „parallelen“ Realität. Es finden sich Beispiele von gesäubert worden.“ Die Mutter des Jugendlichen
gleichsam aus dem Nichts auftauchender Gewalt, die wendet sich, geschockt von dem Vorfall, an ZARA. Sie
sich ohne Vorwarnung an Minderheitsangehörigen bekommt Auskunft über die rechtliche Situation und
entlädt. Zumeist ist das Mittel, mit dem Ausgrenzung, Adressen von Hilfsorganisationen in der Steiermark. Es
Ablehnung und Hass transportiert werden, die Spra- wird Anzeige erstattet. Die Polizei kann die Täter aus-
che. Beleidigungen, Beschimpfungen und Beschmie- forschen, einer ist geständig und wird verurteilt. Da
rungen sind ganz klar eine Form von Gewalt, die nicht etwa zur selben Zeit ein zweiter Fall, in welchem wie-
verharmlost werden darf. Diese Form von Gewalt ver- der Skinheads die Täter sind, gemeldet wird, beginnt
giftet das Umfeld und schafft Unfrieden, Angst und das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorbe-
Zorn. Selbst wenn es in Österreich zum Glück zu ver- kämpfung (BVT) aktiv zu werden. Bei ideologisch mo-
gleichsweise wenigen körperlichen rassistischen Atta- tivierten und organisierten Verbrechen fällt es in die
cken kommt, so ist die sprachliche Form der Gewalt Zuständigkeit des BVT, die Hintergründe zu ermitteln.
geradezu alltäglich geworden. Auffallend ist auch die Am 18.04.2005 erscheint ein Artikel über die Vorfälle
Unverfrorenheit, mit der die rassistischen Aggressio- auf derstandard.at unter dem Titel „Rassistische Über-
nen in aller Öffentlichkeit ausgelebt werden. Offen- griffe mehren sich“.
sichtlich fühlen sich die TäterInnen dabei sehr sicher,
rechnen nicht mit dem Eingreifen von PassantInnen
oder gar mit rechtlicher Verfolgung. Glücklicherweise
täuschen sie sich damit immer öfter. Ihre Taten wer-
3 Im April 2005 wird Dr. B. bei einem rassistisch
motivierten Angriff in Wien von Skinheads be-
wusstlos geschlagen. Der aus der Demokratischen Re-
den bemerkt und abgelehnt. Immer mehr ZeugInnen publik Kongo kommende, seit vielen Jahren in Wien
melden sich bei ZARA, um derartige Vorfälle zumin- lebende, Dr. B. ist Vorstandsmitglied der Wiener Inte-
dest dokumentieren zu lassen oder sich als ZeugIn- grationskonferenz (WIK) und engagiert sich unter an-
nen für rechtliche Verfahren zur Verfügung zu stellen. derem auch beim Austrian Network against Racism
Das ist wichtig und macht Mut und Hoffnung, dass (ANAR). Dr. B. befindet sich in der Nähe des Nasch-
Österreich bald ein sicheres Land sein wird. Für alle. marktes auf dem Heimweg, als sich ihm sechs Skin-
Der rechtliche Bereich ist schwer einzugrenzen. Auf heads in den Weg stellen und ihn zunächst rassistisch
den Seiten 64-66 im Rassismus Report 2004 kann man beschimpfen. Kurz darauf schlagen sie ihn zu Boden,
die strafrechtlichen Bestimmungen nachlesen, auch prügeln mehrere Minuten lang auf ihn ein und lassen
unter http://www.zara.or.at/materialien/rechtliches/ ihn bewusstlos liegen.
sind diese zu finden. Eine Augenzeugin berichtet, dass einer der Täter
seinen Fuß hebt, ihm die Stiefelsohle ins Gesicht hält

1 Frau D., türkischer Herkunft, geht nach Hause. Es


regnet ziemlich heftig und niemand außer ihr ist
im engen Gässchen. Ein Auto parkt aus und will an ihr
und sagt: „Leck meine Stiefel, Sklave.“ Die herbeigeru-
fene Polizei nimmt eine Anzeige wegen Körperverlet-
zung und Sachbeschädigung auf. Herr Dr. B. wird ins
vorbeifahren. Plötzlich kurbelt der Fahrer das Fenster Krankenhaus gebracht, wo er mehrere Tage bleiben
herunter und schreit sie an: „Vollbimbo, warum blei- muss. Zahlreiche Organisationen und AktivistInnen
ben Sie nicht stehen?!“. Sie fragt ihn völlig fassungslos: bekunden ihre Solidarität. Die Ermittlungen bleiben
„Was haben Sie gesagt?“. Er wiederholt: „Warum blei- ergebnislos, die Täter können nicht ausgeforscht wer-
ben Sie nicht stehen?“ und schimpft weiter: „Ein Bim- den. Auch in diesem Fall ermittelte das Bundesamt für

zara 05 umbruch 13-3.indd 6 16.03.2006 13:29:57 Uhr


Öffentlicher Raum

Verfassungsschutz und Terrorbekämpfung (BVT). Eine ZARA. Sie sind sehr aufgebracht und wollen unbe-
ausführliche Berichterstattung ist auf www.afrikanet. dingt etwas unternehmen. Eine ZARA-Mitarbeiterin
info zu finden. verfasst eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft we-
gen rassistischer Beleidigung; die Körperverletzun-

4 Frau T. macht mit ihrem Vater, Herrn T., beide


iranischer Herkunft, eine Übungsfahrt mit dem
Auto, da sie tags darauf ihre Führerscheinprüfung
gen wurden von den Polizisten aufgenommen. ZARA
begleitet Frau und Herrn T. durch das Verfahren. Es
wird schließlich einem außergerichtlichen Tataus-
hat. Sie wird müde und entschließt sich, an einem gleich (ATA) zugeführt, im Zuge dessen sich die Ag-
Ort, an dem keine Halte- oder Parkverbotsschilder an- gressorInnen in einem Gespräch gegenüber Frau und
gebracht sind, zu parken. Plötzlich hören beide, wie Herrn T. für ihr Verhalten entschuldigen. Frau T. und ihr
eine Frau von einem nahe gelegenen Garten schreit: Vater nehmen die Entschuldigung an.
„Schleichts euch!“ Frau T. kurbelt das Fenster herunter
und fragt, ob sie damit gemeint wären. Die Frau ant-
wortet: „Ja, schleichts euch!“ Frau T. und ihr Vater sind
verwirrt, wissen nicht, ob sie etwas falsch gemacht
5 Herr E. aus Gambia sitzt an einem Julisamstag
gegen 14:00 Uhr im Volksgarten auf einer Park-
bank. Eine Frau um die 30 auf einem schwarzen Fahr-
haben und fragen nach, was denn sei. Darauf bekom- rad fährt vorbei und beschimpft Herrn E. Sie schreit
men sie von der Frau zu hören: „Ich will nicht, dass ihr wiederholte Male: „Nigger Raus“, „du, Scheiß-Nigger“,
auf dieser Straße stehen bleibt!“. Herr T. wird ärgerlich „We don‘t need niggers here!“ Herr E. beschließt, zu ei-
und schreit zurück: „Wir können hier noch tausendmal nem auf dem Ballhausplatz geparkten Polizeiauto zu
parken.“ Frau T. bittet ihren Vater, den Sitzplatz zu tau- gehen, um sich an einen Polizeibeamten zu wenden.
schen, er solle von nun an weiterfahren. Hierzu stei- Das Auto ist jedoch nicht besetzt, die Beamten nicht
gen die beiden aus dem Auto, währenddessen kommt auffindbar. Herr E. wendet sich an die Fahrradfahrerin:
eine zweite Frau zum Gartenzaun und schreit ebenso „Please stop! Ich werde die Polizei rufen und der kön-
aggressiv: „Steig in dei Auto und fohr los!“ Frau T. sagt nen Sie dann erklären, warum Sie mich beschimpfen!“
zu ihr, sie solle doch die Polizei rufen, wenn sie meint, Ein Mann wendet sich an Herrn E. und sagt ihm, er sol-
sie würden etwas Verbotenes tun. Die schimpfenden le die Polizei rufen. Sie tauschen sich noch über die
Frauen werden durch drei Männer verstärkt, die eben- richtige Nummer der Polizei aus, als die Frau auf Herrn
so brüllen, dass die beiden verschwinden, in ihre Hei- E. zufährt, vor ihm hält, ihm mit einem Pfefferspray
mat zurückgehen sollen. Die Situation eskaliert. Ei- in die Augen sprüht und Richtung Karlsplatz flüch-
ner der Männer steigt in ein Auto, macht in schneller tet. Zwei Jugendliche, denen Herr E. sein Handy gibt,
Fahrt einen Bogen und kommt ca. 15 cm vor Herrn T. rufen die Ambulanz. Er wird in die Notaufnahme des
zu stehen. Herr T. stützt sich an der Motorhaube des AKH eingeliefert und dort behandelt. Das Kranken-
ihn bedrängenden Autos ab. Der aggressive Fahrer haus erstattet pflichtgemäß Anzeige. ZARA verfasst
steigt aus dem Auto und schlägt Herrn T. ins Gesicht. zusätzlich eine Sachverhaltsdarstellung an die Staats-
Frau T. droht mit einer Anzeige, worauf eine der Frau- anwaltschaft, damit diese wegen Körperverletzung
en meint: „Macht nichts, Österreicher decken Österrei- und rassistischer Beleidigung ermittelt. Herr E. meldet
cher!“ Frau T. gibt zur Antwort: „Schütteln sie sich ih- sich nicht mehr bei ZARA.
ren Stammbaum ab!“ Die Frau antwortet, dass sie das
nicht nötig habe, dass sie eine „waschechte“ Österrei-
cherin sei. Schließlich ruft Frau T. die Polizei. Wenig
später treffen vier Polizeibeamte ein und nehmen die
6 Herr K., serbischer Herkunft, lebt seit 35 Jahren
in Österreich. Er ist mit seinem 33 Jahre alten
Sohn verabredet. Herr K. sieht seinen Sohn bereits
Daten der beteiligten Personen und den Sachverhalt auf der anderen Straßenseite stehen, betritt den Ze-
auf. Für Herrn T. wird ein Krankenwagen gerufen, da er brastreifen, macht zwei Schritte, als plötzlich ein Auto
mehrere Verletzungen davongetragen hat. auf ihn zurast. Herr K. muss zurückspringen, um nicht
Nach dem Vorfall wenden sich Frau und Herr T. an überfahren zu werden. Dabei stürzt er. Der Autofahrer

zara 05 umbruch 13-3.indd 7 16.03.2006 13:29:58 Uhr


Öffentlicher Raum

bleibt stehen, springt aus dem Wagen und geht mit Haltestelle Westbahnhof, um nachzusehen, ob die Po-
drohenden Gestikulierungen auf Herrn K. zu. Herr K. lizei schon dort ist. Als sie bei der Haltestelle ankom-
sagt ihm, dass er seinetwegen zu Sturz gekommen men, sehen sie zwei Polizisten. Frau M. geht zu ihnen
sei. Der Autofahrer antwortet: „Du Hurentschusch, du und stellt sich als diejenige vor, die angerufen hätte.
hast nicht einmal das Recht auf dieser Straße zu ste- Sie erzählt den Polizisten noch einmal genau, was vor-
hen, geschweige denn, dass ich für einen Tschuschen gefallen ist. Ein Polizist antwortet, dass er nachgese-
abbremse, du Scheißhaufen, du Hurenkind, fahr dort hen habe und dabei festgestellt habe, dass weder der
hin, wo du herkommst!“ Herr A. erwidert darauf, dass Hitlergruß mit dem Heben des Armes noch das Ru-
er ihn anzeigen werde. Die Reaktion des Autofah- fen von „Heil Hitler“ eine strafbare Handlung sei. Der
rers ist: „Wenn du mich anzeigst, bring ich dich um, andere Polizist erklärt, dass es sich bei den Männern
du Scheißtschusch, du hast nicht einmal das Recht um deutsche Touristen handelt, die auf der Durch-
hier zu sein, und wenn du auch nur versuchen soll- reise nach Ungarn zu einem Fußballmatch wären. Es
test mich anzuzeigen, ich werde dich finden, du Hu- entsteht eine Diskussion zwischen Frau M., ihrem Ar-
rentschusch, und bringe dich um, ich werde dich fin- beitskollegen und den Polizisten. Ein Polizist meint,
den, du Tschusch, schleich dich dort hin, von wo du dass man 10 Dienstwägen anfordern müsste, um die
herkommst. Für Tschuschen wird nicht abgebremst, Daten aller Männer aufzunehmen, zudem wäre es
ihr gehört‘s alle vergast, ihr Hurentschuschen.“ Völ- sinnlos. Bald wären die Täter wieder in Deutschland
lig schockiert und aufgelöst wenden sich Herr A. und und die österreichische Polizei hätte keine Handha-
sein Sohn an ZARA. Sie werden über die rechtlichen be mehr. Der andere Polizist ergänzt, dass ihm die ös-
Möglichkeiten informiert. Da sich die Betroffenen terreichischen Neonazis weit mehr Sorgen bereiten
aber nicht mehr bei ZARA melden, wird der Fall nur würden. Sein Kollege meint, dass ihm auch die Links-
dokumentiert. linken Sorgen bereiten würden. Als Frau M. sagt, ge-
rade in Österreich dürfe man bei solchen Szenen die

7 Frau I. fährt mit ihrem nigerianischen Mann im


Auto. Er will die Spur wechseln und blinkt, um
den beabsichtigten Spurwechsel anzuzeigen. Auf
Augen nicht verschließen, erwidert der eine Polizist,
das sei „doch eher das Problem des deutschen Volkes“.
Auf Nachfrage, was er damit gemeint hätte, bekommt
der anderen Spur fährt der Lenker eines Müllwagens Frau M. keine Antwort. Die Polizisten beenden das
der MA 48 beharrlich weiter, sodass es für Herrn I. un- Gespräch, sie geben Frau M. auf Ersuchen ihre Dienst-
möglich ist die Spur zu wechseln. Plötzlich überholt nummern.
der Müllwagen das Ehepaar und der Lenker schreit Frau M. schickt ein Gedächtnisprotokoll an ZARA,
aus dem Fenster: „Du gschissener Neger, unnediger!“ nach langem und intensivem Überlegen will sie den
Frau I. schildert den Vorfall ZARA und wird darüber Vorfall aber nur dokumentiert wissen, da sie aufgrund
informiert, dass der Müllwagenfahrer bei der Polizei ihrer Arbeit auf eine gute Zusammenarbeit mit der
wegen rassistischer Beschimpfung gemäß § 115 iVm Polizei im 15. Bezirk angewiesen ist.
§ 117 Strafgesetzbuch angezeigt werden kann. Dar-
über hinaus könnte auch ein Beschwerdebrief an die Anm. der Red.: Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat mehr-
MA 48, verantwortlich für die Müllabfuhr, verfasst mals entschieden, dass Ausrufe wie „Heil Hitler“ oder
werden. Frau I. bittet um Dokumentation des Falles, „Sieg Heil“ als auch das Zeichen für den so genannten
will jedoch weiter nichts unternehmen. Hitlergruß charakteristische Symbole des National-
sozialismus sind. Somit ist der demonstrative Gebrauch

8 Frau M., die in einem Sozialprojekt arbeitet, war-


tet wie jeden Morgen am Westbahnhof auf die
Straßenbahn, um in ihr Büro zu fahren. An diesem
dieser Parolen und Gesten in der Öffentlichkeit mit dem
Vorsatz auf nationalsozialistische Betätigung verbun-
den und fällt unter das Verbotsgesetz. Es handelt sich
Morgen stehen ca. 10 Männer bei der Haltestelle, ei- also durchaus um eine strafbare Handlung. Siehe die
nige mit Bierflaschen in der Hand, alle alkoholisiert. Entscheidungen vom 13.09.2000 des OGH unter www.
Sie pöbeln die Wartenden an. Als die Straßenbahn ris.bka.gv.at, mit den Geschäftszahlen 13 OS 45/00 oder
kommt, behindern sie die Fahrgäste beim Einsteigen. 13 OS 47/00
Die Männer heben ihre rechte Hand, skandieren Heil-
Hitler-Rufe und singen rechtsextreme Lieder. Frau M.
geht zum Straßenbahnfahrer, um ihn über die Män-
ner zu informieren, und bittet ihn die Polizei zu rufen.
9 Frau C., Muslima, die ein Kopftuch trägt, meldet
ZARA telefonisch folgenden Vorfall und bittet
um Dokumentation. Sie steht im Dezember 2005 in
Dieser meint lapidar, er könne nichts machen, solan- Innsbruck am Straßenrand und versucht auf die ande-
ge es zu keiner Sachbeschädigung käme. Auch der re Straßenseite zu gelangen. Der starke Verkehr lässt
Hinweis darauf, dass im Haltestellenbereich Fahrgäs- sie zögern und auf einen passenden Moment warten.
te beim Einsteigen behindert und belästigt wurden, In der Zwischenzeit überquert eine andere Frau die
veranlasst den Fahrer nicht, aktiv zu werden. Frau M. Straße und geht in ihre Richtung. Als diese bei Frau
steigt drei Stationen später aus und ruft von ihrem Ar- C. ankommt, herrscht sie sie an: „Steh nicht so dumm
beitsplatz aus die Polizei an. Ein wenig später begibt rum!“ Frau C. ist empört über diese Frechheit und
sie sich selbst mit einem Arbeitskollegen zurück zur verbittet sich solche Bemerkungen. Die Frau schimpft

zara 05 umbruch 13-3.indd 8 16.03.2006 13:29:59 Uhr


Öffentlicher Raum

und schreit jedoch weiter: „Kulturlose Barbarin fahr aus der Station, weg von dem Mann, zu kommen. Auf
zurück nach Hause!“ und: „Dein Visum hast du doch der Rolltreppe bemerkt sie, dass er, stark nach Alko-
sicher gekauft, du Terroristin!“ Frau C. ist geschockt, hol riechend, hinter ihr steht. Er beginnt sie anzupö-
dutzende PassantInnen, die die aggressive Attacke beln: „Was willst du in diesem Land?“, „Raus hier!“ und
der Frau mitbekommen, zeigen keinerlei Bereitschaft „Ich werde darauf schauen, dass du aus diesem Land
sich einzumischen. Frau C. will sich nicht provozieren verschwindest.“ Er nähert sich ihr und schlägt sie völ-
lassen, lässt die Frau stehen und geht weg. Diese läuft lig unerwartet in den Bauch. Glücklicherweise eilt ihr
ihr allerdings noch einige Zeit schimpfend hinterher, ein Passant zu Hilfe. Er hält den Mann davon ab, sie
bis Frau C. in ein Geschäft geht, um sie abzuschüt- weiter zu schlagen. Sie verlässt schnell die U-Bahn-
teln. station und geht nach Hause. Dort angekommen er-
zählt Frau R. ihrem Bruder von diesem Vorfall. Dieser

10 Im November meldet Frau T. folgenden Vor-


fall. Sie und Herr A. aus Nigeria gehen zu-
sammen mit einem Freund in ein Lokal im 19. Wiener
erstattet daraufhin Anzeige. Frau R. wird von der Po-
lizei zur Einvernahme geladen. Man teilt ihr mit, dass
man die Identität des Angreifers kennen würde. Er
Gemeindebezirk. Ein anderer Gast betritt zusammen wäre am Tag des Vorfalls zur Polizei gekommen und
mit seinem Hund das Lokal. Die Kellnerin macht ihn habe gegen den Passanten, der Frau R. zu Hilfe geeilt
höflich darauf aufmerksam, dass in diesem Lokal Hun- war, Anzeige erstattet. Der Passant, meint er, habe ihn
de nicht erlaubt sind. Daraufhin zeigt der Hundebesit- grundlos zusammengeschlagen. Der einvernehmen-
zer auf Herrn A. und seinen Freund und sagt, bevor er de Polizist fügt aber auch hinzu, dass der Mann in der
geht, laut, sodass alle Gäste im Lokal es hören können: Polizeistation und am Westbahnhof randaliert habe.
„Mein Hund darf nicht hinein, aber die da schon!“ Gleichzeitig unterstellt er Frau R., sie würde den Pas-
santen kennen und würde seine Identität nun absicht-

11 Zahlreiche Beschwerden und Artikel in Medi-


en über das Verhalten der KontrolleurInnen
und der MitarbeiterInnen privater Sicherheitsdienste
lich verheimlichen, um ihn zu schützen. Frau R. hat das
Gefühl, man möchte sie zur Täterin machen. Es fällt ihr
schwer, seit diesem Vorfall mit der U-Bahn zu fahren.
Fall 11
Good Practice

in der Badner Bahn gegenüber Fahrgästen, die sicht- Sie hat Angst.
bar ausländischer Herkunft sind, bewegten die Ver- ZARA verfasst für Frau R. eine ausführliche Straf-
antwortlichen der Wiener Lokalbahnen AG dazu, sich anzeige an die Staatsanwaltschaft. Außerdem vermit-
mit ZARA-MitarbeiterInnen zu treffen. telt ZARA ihr ein Gespräch bei Peregrina, dem Thera-
ZARA berichtete über die Vorkommnisse im Rassis- piezentrum für Immigrantinnen (www.peregrina.at).
mus Report 2004, im Fall 110. Bei dem Gespräch im Dort wird ihr psychologische Unterstützung zur Verar-
April 2005 waren der Leiter der Verkehrskontrolle, sei- beitung des rassistischen Angriffes angeboten.
ne Assistentin, drei Kontrolleure und zwei ZARA-Mit-
arbeiterInnen anwesend. Es war ein informatives und
konstruktives Gespräch, bei welchem seitens der Bad-
ner Bahn versichert wurde, sich zu bemühen, Kontrol-
13 Frau A. berichtet ZARA von einem Besuch in
der Sauna im Brigittenauer Bad. In der Sau-
na wird sie Zeugin, als eine Männergruppe antisemiti-
leurInnen besser zu schulen. Die Anwesenden einig- sche Witze und rassistische Bemerkungen macht. Als
ten sich auf eine engere Zusammenarbeit. Außerdem sie sich die Verbreitung von solchem Gedankengut
stellte der Leiter der Verkehrskontrolle in Aussicht, im verbittet und androht, sich bei der Direktion zu be-
Jahr 2006 ein ZARA-Sensibilisierungstraining für die schweren, wird sie selbst beschimpft. Der Wortführer
KontrolleurInnen in Anspruch zu nehmen. der Gruppe versucht, Frau A. in ein Gespräch zu ver-
Im Jahr 2005 kamen ZARA nur mehr vereinzelt Be- wickeln und sagt ihr, er wäre ein Nazi. Außerdem sei
schwerden über rassistisches Verhalten von Kontrol- er Fremdenlegionär gewesen und habe schon Men-
leurInnen der Badner Bahn zu. Vier Meldungen wur- schen getötet. Frau A. hat das Gefühl, dass die Gruppe
den dem Leiter der Verkehrskontrolle zur Kenntnis „alteingesessen“ ist und sich dort öfter trifft.
gebracht und entsprechend bearbeitet bzw. aufge- Als Frau A. zu ZARA kommt, hat sie bereits einen
klärt. Beschwerdebrief vorbereitet, den sie an die Stadträtin
Grete Laska und an die MA 44, zuständig für Bäder-

12 Frau R., indischer Herkunft, fährt im Juli ge-


gen 23.00 Uhr mit der U-Bahn Richtung
Westbahnhof. Das Abteil ist voll, viele TouristInnen
verwaltung, schicken will. Sie ist sich aber nicht sicher,
ob ihr nicht durch die Beschwerde Gefahr droht. ZARA
bietet an, die Briefe im Namen der Beratungsstelle zu
sind noch unterwegs. Ein älterer Herr, gut gekleidet, schicken. Weil sie aber zu ihrer Aussage stehen möch-
offenbar stark alkoholisiert, deutet ununterbrochen te, wird vereinbart, dass sie ihren Brief abschickt und
Richtung Türe und starrt Frau R. in unangenehmer ZARA einen eigenen Beschwerdebrief anschließt. Wir
Weise an. Am Westbahnhof angekommen, steigt Frau klären mit Frau A. außerdem, wie hinsichtlich einer
R. aus und beobachtet, wie der ältere Herr ein Mäd- Anzeige nach dem Verbotsgesetz wegen Wiederbe-
chen asiatischer Herkunft heftig zur Seite stößt. Das tätigung vorzugehen wäre. ZARA erhält wenig später
Mädchen fragt ihn schockiert: „Was soll das?“ Frau R. einen Brief der MA 44, in dem der zuständige Abtei-
bekommt Angst und versucht, so schnell wie möglich lungsleiter den Vorfall bedauert und gleichzeitig ver-

zara 05 umbruch 13-3.indd 9 16.03.2006 13:29:59 Uhr


Öffentlicher Raum

sichert, dass sich Frau A. jederzeit an die zuständige folgenden Text schickt ZARA an den Geschäftsführer:
Badaufsicht wenden könne. Diese sei verpflichtet, Per- „Das Musical ‚Jesus Christ Superstar’ ist keine naive
sonen, die sich rassistisch äußern oder andere Bade- Wiedergabe der Evangelien, sondern eine moderne
gäste belästigen, des Bades auf Dauer zu verweisen. Interpretation. (...) Wenn J. K. anmerkt, daß er bisher
auf keinen Vorwurf wegen Antisemitismus gestoßen

14 Frau O. meldet per E-Mail folgenden Vorfall.


Sie und ihr Mann sitzen am Saunabuffet der
Römertherme in Baden und beobachten, wie ein höf-
sei, und gleichzeitig einräumt, manche Zuschauer in
Amstetten hätten die Kleider der Juden auf der Büh-
ne kritisiert, dann widerspricht er sich offensichtlich.
licher, blinder Mann sehr nachlässig und unfreundlich Es ging diesen Zuschauern ja kaum um Modefragen,
vom Kellner bedient wird. Der Kellner wendet sich, um sondern wohl eher um die Darstellung des Jüdischen.
Zustimmung bemüht, an das Ehepaar und sagt, der Irgendwie war ihnen vielleicht unwohl bei der Vorstel-
Mann sei ein Zigeuner und er möge die nicht, denn lung vom ‚Juden’, der dunkel daherkommt und einen
sie wären nicht ortsansässig und nicht integrierbar. albernen Hut trägt, wie er ihn schon im Mittelalter auf-
Frau und Herr O. widersprechen dem Kellner. In Zu- zusetzen hatte.
sammenarbeit mit ZARA wird ein Beschwerdebrief an ‚Die Bibel’, also die Evangelien, waren Zeugnis ei-
die Geschäftsführung der Römertherme Baden ver- ner großteils innerjüdischen Polemik vor zweitausend
fasst. Die Geschäftsführung entschuldigt sich für das Jahren. So zu tun, als könne dieser Text ohne Interpre-
Verhalten ihres Angestellten, hält fest, dass derartige tation und gleichsam werkgetreu heute wiedergege-
Aussagen nicht ihrer Firmenphilosophie entsprechen ben werden, ist abstrus. Er ist ja keine innerjüdische
und bereits Konsequenzen gezogen wurden. Debatte mehr. Er wurde seit vielen Jahrhunderten
vielmehr auch verwendet, um gegen die Juden zu

15 Frau S. meldet uns, dass das Musical „Jesus


Christ Superstar“ am Sommertheater Amstet-
ten antisemitisch in Szene gesetzt wurde. Juden wer-
hetzen und sie zu morden.
Jede heutige Aufführung birgt eine Stellungnah-
me. Und zwar nicht bloß zur Kreuzigung Jesu im da-
den stereotyp als raffgierige Geschäftsleute dargestellt maligen Palästina, sondern auch zur Ermordung von
und für die Kreuzigung von Jesus verantwortlich ge- Millionen Juden seither, etwa in Österreich.
macht. Neben den „geifernden“ Juden fordern in der In- Wer heute sagt, ‚die Juden’ hätten Jesus umge-
szenierung auch Muslime die Kreuzigung von Jesus. bracht, schließt an jenen Antijudaismus an, der letzt-
ZARA wendet sich erst telefonisch an die Veranstal- lich zu Auschwitz führte.
tungsgesellschaft. Der Geschäftsführer verteidigt sei- Jesus, so heißt es in den Evangelien, soll von der
ne Produktion. Das Musical stehe nicht mehr auf dem römischen Herrschaft in Palästina zum Tode verurteilt
Spielplan; zudem wäre es nicht seine Absicht gewe- worden sein. Ein Teil des jüdischen Volkes soll in ihm
sen, rassistische oder antisemitische Ressentiments den Messias gesehen haben, ein anderer Teil mag ihn
zu schüren. Die Inszenierung sei werk- und bibel- als Rabbiner geachtet, eine Fraktion ihn als Gefahr
getreu auf die Bühne gebracht worden. Er habe mit und Konkurrenz gefürchtet haben. Wie auch immer;
Priestern gesprochen, die ihm eine „klare Darstellung ein Großteil wird ihn nicht einmal gekannt haben,
der Leidensgeschichte Jesu“ bestätigt hätten. Wenn denn es existieren in den jüdischen Schriften der da-
nun verlangt würde, nicht die Juden als für den Tod maligen Zeit gar keine Aufzeichnungen über ihn.
von Jesus Verwantwortliche zu zeigen, „könnte man ja Es ist wahr, daß in den Evangelien alle antijüdi-
auch gleich die Bibel umschreiben“. Er habe sich mit schen Grundmuster zu finden sind, auf die sich J. K.
dem Holocaust und dem Leiden der Juden auseinan- beruft.
der gesetzt. Stunden habe er im jüdischen Museum in Die ganze Geschichte von der Vertreibung der
Berlin verbracht, dort habe er gesehen, dass es auch Händler aus dem Tempel bis zum Judaslohn konnte
sehr arme Juden gegeben hätte. Das Bild des raffgieri- zur Einstimmung für Pogrome genutzt werden.
gen, reichen Juden wäre völlig verfehlt. Er meint wei- Jahrhundertelang wurde mit diesem Credo gegen
ter, das Stück sei aber nun mal so. Es gab zwar auch Juden gehetzt.
von anderer Seite Kritik an den in schwarze Gewänder Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den
gehüllten und mit Hüten ausgestatteten jüdischen sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts setz-
Priestern. Die Kritik von ZARA sei aber ein absoluter te sich allerdings offiziell eine andere Lesart in der Kir-
Einzelfall. che durch. Wer heute dennoch behauptet, ‚die Juden’
Er sagt: „Jesus bezeichnete sich ja als König der Ju- hätten Jesus umgebracht, folgt, ob er will oder nicht,
den. Laut Stück und Bibel ist es nun mal so, dass man dem antisemitischen Diskurs und bestärkt ihn.“
sagen könnte, dass die Juden ihren eigenen König Der Geschäftsführer nimmt den Brief zur Kenntnis,
umgebracht haben.“ sieht aber nicht ein, dass die Inszenierung problema-
Ein ZARA-Jurist bittet den befreundeten Schriftstel- tisch ist. Da sie nicht mehr zur Aufführung kommt, do-
ler und Historiker Dr. Doron Rabinovici um Hilfe. Den kumentiert ZARA den Fall bloß.

10

zara 05 umbruch 13-3.indd 10 16.03.2006 13:29:59 Uhr


Politik und Medien

Politik und Medien


Immer wieder wird ZARA von besorgten und empör- Im Gegenteil: Wir alle sind im Sinne einer wachsamen
ten Menschen aufgefordert, etwas gegen diskrimi- und den Menschenrechten verpflichteten Demokra-
nierende Äußerungen von PolitikerInnen oder gegen tie immer wieder aufgerufen, klar Stellung zu bezie-
voreingenommene und verantwortungslose Medien- hen und nicht müde zu werden, Werte zu verteidigen
berichterstattung zu unternehmen. Zumeist geht es sowie Angriffe auf eine offene und gleichberechtig-
um derartig verzerrende und hetzerische Aussagen, te Gesellschaft abzuwehren. Die rechtlichen Bestim-
dass viele Menschen das Gefühl haben, dass „so et- mungen hierzu sind im Rassismus Report 2004 unter
was doch eigentlich verboten sein müsste“. Hierzu ist „2. Strafrecht“, auf Seite 64 und 65 nachzulesen oder
zu sagen, dass in den weitaus meisten Fällen, die an auf http://www.zara.or.at/materialien/rechtliches/ zu
ZARA herangetragen werden, eine strafrechtliche Ver- finden.
folgung der Verantwortlichen nicht möglich ist. Das
Strafrecht darf die Meinungsfreiheit nur so weit be-
schränken, als die Grenze der in einer demokratischen
Gesellschaft inakzeptablen Unerträglichkeit erreicht
wird. Diese Latte liegt sehr hoch. Selbst noch so dum-
me und gefährliche Aussagen unterliegen grundsätz-
lich dem menschenrechtlichen Schutz der Freiheit der
Meinungsäußerung. Auch dann, wenn für viele Men-
schen gefühlsmäßig die Grenze der Unerträglichkeit
längst erreicht ist, ist dennoch zumeist das Strafrecht
noch nicht anwendbar. Erst wenn Verhetzung im Sin-
ne des Strafgesetzbuches oder eine Verletzung des
Verbotsgesetzes vorliegen, kann das Strafrecht wirk-
sam eingesetzt werden.
ZARA fordert seit Jahren, den Verhetzungstatbe-
stand zumindest so weit zu öffnen, dass die real so er-
schrekend häufig anzutreffende generelle Hetze ge-
gen MigrantInnen, „AusländerInnen“ oder „Fremde“
vom Schutzbereich erfasst ist. Dies wäre unter Wah-
rung des Rechtes auf freie Meinungsäußerung mög-
lich und aufgrund internationaler Verpflichtungen
auch geboten. Gleichzeitig ist klar, dass der Einsatz
des Strafrechtes nicht die Lösung aller Probleme sein
kann. Der Gedanke, doch bei allen rassistischen Aus-
sagen härter mit dem Strafrecht durchzugreifen, mag
verführerisch sein. Dennoch können sich die Maßnah-
men gegen öffentliche Äußerungen nur dort auf das
Recht stützen, wo dies das Menschenrecht auf Mei-
16 Im Zuge des Wiener Wahlkampfes im Okto-
ber bekommen Wiener Haushalte in regel-
mäßigen Abständen das Magazin „Wir Wiener das
nungsäußerungsfreiheit nicht beschränkt. Dies folgt Bürgermagazin“ zugesendet. Dieses Magazin dient
dem Grundgedanken der Europäischen Menschen- dem Wiener FPÖ-Spitzenkandidaten H.C. Strache als
rechtskonvention, die davon ausgeht, dass in einer Wahlwerbung und ist voll mit hetzerischen und ras-
demokratischen Gesellschaft andere – nichtrechtliche sistischen Inhalten. Mehrere besorgte und verärgerte
– Möglichkeiten bestehen, mit dummen und diskrimi- BürgerInnen beschweren sich bei ZARA über das Ma-
nierenden Aussagen fertig zu werden. Es wird also im- gazin. Insbesondere ein Artikel mit dem Titel „Wiener
mer wieder notwendig sein, auf Äußerungen, wie sie Milieu fest in afrikanischer Hand“, in welchem es heißt:
im folgenden Kapitel exemplarisch dargestellt sind, zu „Schwarzafrikanische Kriminelle sind als Taxifahrer ge-
reagieren und klar dort Rassismus festzumachen, wo tarnt unterwegs und hören den Polizeifunk ab. Gewalt
er geäußert wird. Vor einem möglichen Trugschluss wird angedroht und ausgeübt.“, verärgert die afrikani-
sei hier auch klar gewarnt: Durch den weiten und not- schen Taxifahrer. Seit Erscheinen des Artikels werden
wendigen Schutz der Presse- und Meinungsfreiheit sie von Fahrgästen gemieden, nach Drogen gefragt
kommt es immer wieder zu Äußerungen, die unver- oder gefragt, ob es wahr wäre, dass sie den Polizei-
tretbar und gefährlich sind. Dass die Rechtsordnung funk abhören würden. Herr O., Obmann des Vereines
die UrheberInnen dieser Aussagen nicht bestraft, be- African Taxi Association Wien (ATA), und Herr F., Mit-
deutet nicht, dass solche Aussagen von der Gesell- glied desselben Vereins, wenden sich an ZARA. Sie
schaft geduldet oder gar akzeptiert werden müssen. möchten unbedingt etwas gegen diesen Artikel tun,

11

zara 05 umbruch 13-3.indd 11 16.03.2006 13:30:00 Uhr


Politik und Medien

da sie durch solche Wahlwerbung ihre Existenzgrund- Abspaltung der FPÖ. Neben dem Mandat von Haber-
lage bedroht sehen. Sie ziehen auch einen Anwalt ler verfügt die Liste bis zur Wahl, im März 2005, über
hinzu. Sowohl die ZARA-MitarbeiterInnen als auch 3 weitere Mandate im Gemeinderat. ZARA bekommt
der Anwalt kommen zum Schluss, dass man rechtlich von mehreren Wiener NeustädterInnen verärgerte
nicht gegen die Redakteurin, das Magazin, oder die und besorgte E-Mails und Flugblätter zur Dokumen-
FPÖ vorgehen kann. ZARA und der Verein ATA verfas- tation zugeschickt. Einziges Wahlkampfthema der Lis-
te von Haberler ist, die von ihm als solche bezeichnete
sen aber eine gemeinsame Stellungnahme und wei-
„Ausländerproblematik“. Überschriften wie: „Zukunft
sen auf die verheerenden Konsequenzen derartiger
statt Zuwanderung“, „Zuwanderung zerstört Sozial-
Artikel hin. Die Stellungnahme wird sowohl auf der
stadt“ oder „Das Boot ist voll!“ prangen auf den Flug-
ZARA-Homepage als auch auf der Homepage von ATA
blättern. Unter dem Motto: „Er (Wolfgang Haberler,
(http://ata.omotech.com/) veröffentlicht. Anm. der Red.) sagt, was wir denken“ lässt Haberler
die Wiener Neustädter BürgerInnen wissen, dass er in
der Stadt keine Scheinasylanten, Drogendealer oder
Sozialschmarotzer haben wolle, dass die Gefängnisse
mit Ausländern überfüllt wären, dass „jede dritte Ge-
burt im Wiener Neustädter Krankenhaus muslimisch
ist“ und dass Kirchen in Moscheen umgebaut würden.
Da es rechtlich keine Handhabe gegen die rassisti-
schen Flugblätter gibt, dokumentiert ZARA nur.
Bei den Wahlen am 6. März 2005 verliert die Liste
Haberler 3 Mandate. Die Liste ist nur mehr durch ihn
allein im Gemeinderat vertreten.

18 Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Telfs


plant ein Minarett zu errichten. Dies führt zu
massiven Protesten unter der nicht-muslimischen Be-
völkerung. Der Bürgermeister erhält zahlreiche Droh-
briefe und in der öffentlichen Debatte kommt es zu
rassistischen und anti-muslimischen Äußerungen. Ein
Anrufer meldet ZARA im Dezember einen Eintrag im
Gästebuch auf der Internetseite der Marktgemeinde
Telfs:

„Die Landnahme durch die muselmanischen Barbaren


in Europa kann nur wie folgt verhindert werden:

1) Atomare Vernichtung Mekkas, um den muselma-


nischen Untermenschen zu zeigen, daß sie nichts ge-
gen Europäer und US-Amerikaner ausrichten können,
und daß ihr beschissener Mondgötze Allah nur eine
von 360 lächerlichen Lehmfiguren in der Kaaba war.

2) Vollständige Enteignung und Deportation aller Mu-


selmanen in ihre Heimatländer (bei Widerstand sofor-
tige Erschießung).

3) Totaler Krieg gegen alle muselmanischen Länder,


gegebenenfalls mit Einsatz von Neutronenbomben.

4) Besetzung aller muselmanischen Länder durch eu-


ropäische und amerikanische Truppen und Etablie-
rung von Besatzungsregimes.

17 Im Zuge der Gemeinderatswahlen im März


2005 erhalten Wiener Neustädter Haushalte
zahlreiche Flugblätter der Liste Haberler – W.N.Aktiv.
5) Versklavung der muselmanischen Völkerscharen
und Einsatz dieser Untermenschen in Bergwerken
Wolfgang Haberler wird vom Dokumentationsarchiv und sonstigen Arbeitslagern.
des Österreichischen Widerstands der rechtsextre-
men Szene zugeordnet. Seine Liste, W.N.Aktiv, ist eine 6) Verbot der Ausübung des Islam bei Todesstrafe.

12

zara 05 umbruch 13-3.indd 12 16.03.2006 13:30:01 Uhr


Politik und Medien

7) Umwidmung bzw. Vernichtung aller muselmani-


schen Kultstätten.“

ZARA erstattet Anzeige gegen den/die VerfasserIn bei


der Staatsanwaltschaft Innsbruck wegen § 188 StGB der
Herabwürdigung religiöser Lehren und § 283 StGB Ver-
hetzung. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck teilt ZARA
Anfang März 2006 mit, dass das mit der Sachverhalts-
ermittlung beauftragte Landeskriminalamt für Tirol
den Verfasser des Postings nicht ausforschen konnte.
Das Verfahren wurde daher eingestellt.

Good Der Bürgermeister von Telfs, Stephan Opperer (ÖVP) lässt


Practice sich durch die Proteste und Bürgerinitiativen nicht beir-
ren. Er lässt wissen, dass es keine rechtlichen Möglichkei-
ten gäbe den Bau des Minaretts zu verbieten. Außerdem
betont er immer wieder, dass die MuslimInnen, die in
Telfs leben, genauso Telfser wären wie die KatholikInnen.
Die Bürgerinitiative zieht ihren Protest zurück, das Mina-
rett wird gebaut.

19 Im August wird ZARA darauf hingewiesen,


dass unter der Adresse http://iblis.twoday.net
ein gewisser „Iblis“ anti-muslimische und hetzerische
Blogeinträge verfasst. Unter anderem bezeichnet er
Mohammed als „geisteskranken Kinderschänder“,
den Turban als „Windel“ und schlägt vor: „Lösungs-
ansatz: we should invade their contries, kill their lea-
ders, and convert them to christianity“.
ZARA erstatte Anzeige bei der Staatsanwaltschaft
wegen Herabwürdigung religiöser Lehren und wen-
det sich mit AktivistInnen, der Initiative muslimischer
ÖsterreicherInnen (IMÖ) und European Network
Against Racism (ENAR) an die Anbieter des Blogs von
Twoday. Diese löschen, nach zahlreichen Beschwer-
den, den Account von Iblis.

20 Herr H. meldet ein Userfoto auf


www.clubinfo.at, das folgenden Begleittext
enthält: „Ich bin rechts und würd gern Mädchen ken-
nen lernen die genau so ausländer hasst wie ich“.
Auf Betreiben von ZARA werden Photo und Text
entfernt.

21 Ein Mitarbeiter der Internetplattform


no-racism.net schickt ZARA zur Dokumenta-
tion folgende an die Plattform adressierte E-Mails:

„ihr vollkommenen idioten/die neger sind die ver-


brecher/und ihr stellt euch mit den verbrechern
gleich/tschuschen raus slawen raus/neger raus/neger
raus“ und „bald seids ihr pleite und diese grausliche
seite verschwindet/idioten wie sie haben bei uns nix
verloren/ihr könnts euch gleich zusammen mit den
negern schleichen“.

13

zara 05 umbruch 13-3.indd 13 16.03.2006 13:30:03 Uhr


Dienstleistungsverweigerung in Lokalen oder Geschäften

Dienstleistungsverweigerung
in Lokalen oder Geschäften
Seit Juli 2004 gilt in Österreich das neue Gleichbe- in Geschäfte zu gehen. ZARA leitet ein Strafverfah-
handlungsgesetz. Eine wichtige Neuerung, die dieses ren in die Wege. Die Staatsanwaltschaft schlägt einen
Gesetz bringt, ist ein klares Verbot der Diskriminie- außergerichtlichen Tatausgleich (ATA) vor. Im Verein
rung „beim Zugang zu und der Versorgung mit Gü- Neustart, der den ATA leitet, soll es zu einer Ausspra-
tern und Dienstleistungen“ aufgrund der „ethnischen che zwischen dem Täter und Frau E. kommen. Sie wird
Zugehörigkeit“. Das sollte eigentlich bedeuten, dass von einer ZARA-Mitarbeiterin zu dem Gespräch be-
rassistische Ablehnungen durch Lokalbetreiber oder gleitet. Die Begegnung mit dem Verkäufer macht Frau
Geschäftsleute der Vergangenheit angehören. Wie die E. sichtbar Angst. Seine lapidare, offenbar nicht ernst
Beispiele in diesem Kapitel belegen, ist die Umsetzung gemeinte Entschuldigung kann sie nicht annehmen.
dieser gesetzlichen Vorschrift aber noch nicht ge- Frau E. geht es nicht gut; das Strafverfahren stresst sie
glückt: Jugendliche werden von Türstehern aufgrund sehr. So sehr, dass sie keine klaren Aussagen trifft und
ihrer vermeintlichen ethnischen Herkunft am Eingang der Verkäufer schließlich freigesprochen wird. Der Vor-
zu Diskotheken abgewiesen, muslimische Frauen wer- fall hat Frau E. traumatisiert. ZARA vermittelt deshalb
den aus Geschäften gejagt und beleidigt, weil sie ein ein Gespräch mit Peregrina, dem Therapiezentrum
Kopftuch tragen. Tafeln mit der Aufschrift „Kein Platz für Immigrantinnen (www.peregrina.at). Frau E. wird
für Zigeuner“ werden bedenkenlos aufgestellt. All das dort therapeutisch betreut. Frau E. und ZARA haben
ist verboten. Es ist also nicht nur eine Frage der Moral gemeinsam mit dem Klagsverband (www.klagsver-
und Ethik, derartige Praktiken zu unterlassen, sondern band.at) auch ein zivilrechtliches Verfahren nach dem
Diskriminierung stellt einen klaren Rechtsbruch dar. neuen Gleichbehandlungsgesetz wegen unmittelba-
Das Bewusstsein dafür ist sehr schwach ausgeprägt. rer Diskriminierung und Belästigung eingebracht. Im
Daher ist es weiterhin notwendig, das gesetzliche Dis- Verfahren erster Instanz wurde vom Gericht Diskrimi-
kriminierungsverbot auch gerichtlich durchzusetzen. nierung und Belästigung festgestellt und ein Scha-
Das Gleichbehandlungsgesetz sieht für diese Fälle denersatz in Höhe von 700 € zugesprochen. Zu Re-
als Sanktion sowohl den Ersatz allfälliger materieller daktionsschluss ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.
Schäden sowie eine Kompensationszahlung für die
erlittene Beeinträchtigung der Würde vor. Etliche Fälle
sind bereits bei Gericht anhängig. Entscheidungen la-
gen bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Rechtliche
23 Herr G. ist Arzt, kommt aus China, lebt aber
schon seit vielen Jahren in Österreich. Er
geht mit seinem österreichischen Freund zur Bank
Information dazu ist im Rassismus Report 2004 unter am Wiener Stephansplatz. Es handelt sich um seine
dem Absatz „Rassistische Diskriminierung außerhalb Hausbank; dass heißt, man kennt ihn dort. Er will von
der Arbeitswelt“, auf Seite 62 oder unter http://www. seinem gedeckten Konto 6.000 € abheben. Wie im-
zara.or.at/materialien/rechtliches/ zu finden. mer weist er zur Legitimation seiner Person den Ärz-
teausweis, der von der österreichischen Ärztekammer

22 Frau E., eine Muslima, die ein Kopftuch trägt,


geht mit ihrer Freundin und ihrem Baby,
das sie im Kinderwagen schiebt, in ein Modewaren-
ausgestellt wird, vor. Der Bankangestellte beginnt mit
der Abbuchung vom Konto, hält plötzlich inne und
lehnt ab. Er will den Ärzteausweis nicht anerkennen,
geschäft. Es ist Winter und sie will sich einen Mantel da es sich dabei nicht um einen amtlichen Lichtbild-
kaufen. Sie probiert einen langen Mantel an. Ihr Kind ausweis handele. Er kontaktiert seine Vorgesetzte te-
beginnt zu weinen, weshalb sie sich über den Kinder- lefonisch, um sich der Richtigkeit seiner Vorgehens-
wagen beugt, um das Kind zu beruhigen. Plötzlich weise zu vergewissern. Als er mit dieser spricht, fügt
herrscht ein Verkäufer sie an, der Mantel würde am er hinzu, dass es sich bei dem Kunden um einen Chi-
Boden streifen und schmutzig werden. Sie solle ihn nesen handeln würde. Die Vorgesetzte bestätigt, dass
sofort ausziehen und das Geschäft verlassen. Er wolle es richtig wäre, den Ausweis nicht anzuerkennen. Herr
ohnehin kein Geld von Ausländern. Frau E. zieht so- G. verlangt persönlich mit der Vorgesetzten zu spre-
fort den Mantel aus und geht zum Ausgang. Zu ihrer chen. Sie kommt und erklärt, es wäre im Sinne der
Freundin gewandt sagt sie: „Ist der noch normal?“ Der Kunden, dass man nur unter Vorlage eines amtlichen
Verkäufer hört das, stößt sie gegen die Ausgangstür, Lichtbildausweises Geld abheben dürfe. Herr G. gibt
tritt ihr mit dem Fuß in den Rücken und schlägt ihr mit sich damit nicht zufrieden und erwidert, dass er in je-
der Faust ins Gesicht. Frau E. und ihre Freundin erstat- der anderen Filiale mit seinem Ärzteausweis Geld ab-
ten Anzeige in der nahe gelegenen Wachstube. Die heben könne. Die Vorgesetzte sagt, im ersten Bezirk
PolizistInnen holen einen Rettungswagen. Erschüt- gäbe es eben viele Verbrecher und wiederholt, einen
tert von dem Vorfall wenden sich die beiden Frauen amtlichen Lichtbildausweis zu verlangen, sei im Inter-
an ZARA. Frau E. traut sich seit dem Vorfall nicht mehr, esse der Kunden. Gleich nach dem Vorfall gehen Herr

14

zara 05 umbruch 13-3.indd 14 16.03.2006 13:30:03 Uhr


Dienstleistungsverweigerung in Lokalen oder Geschäften

G. und sein Freund in eine andere Bank. Nun versucht troffenen müssen verletzt ins AKH gebracht werden.
sein Freund, ebenfalls mit einem Ärzteausweis, 6.000 € Frau J. schildert daraufhin den Vorfall ZARA und will
von seinem Konto abzuheben. Er bekommt das Geld ihn dokumentiert wissen. Zur Hauptverhandlung vor
ohne Probleme. Herr G. fühlt sich wegen des Vorfalls Gericht erscheinen die zwei Angeklagten nicht. Bis
in seiner Bank zutiefst beleidigt und diskriminiert. Er Redaktionsschluss wurde kein neuer Termin ausge-
wendet sich an ZARA, wo gemeinsam ein Beschwer- schrieben.
debrief verfasst und an die zuständige Abteilung der
Bank gesendet wird. In dem Brief wird um ernsthafte
Aufklärung des Vorfalles ersucht. Herr G. würde sonst
die Bank wechseln. Er erhält ein Antwortschreiben
26 Herr S., Herr. K. und Herr O., drei UNO-Beamte
afrikanischer Herkunft, fahren mit ihren Fahr-
rädern durch den Prater. Nach einiger Zeit beschlie-
von der Ombudsperson der Bank. Die Antwort ist aber ßen sie, etwas trinken zu gehen. Sie bewegen sich auf
nicht zufriedenstellend, da nicht auf den eigentlichen einen Kiosk mit kleinem Schanigarten zu und wollen
Grund der Beschwerde Bezug genommen, sondern sich setzen. Ein Mann kommt ihnen entgegen, deutet
nur eine Information über die Vorschriften gegeben ihnen zu gehen und sich nicht zu setzen. Die drei den-
wird. Es wird ein weiterer Brief verfasst und an die Om- ken, der Kiosk würde schließen, und gehen wieder. 10
budsperson geschickt. Erst im zweiten Brief entschul- Minuten später radeln sie abermals am Kiosk vorbei,
digen sich die handelnden Personen. Herr G. wechselt sie sehen, wie andere Gäste dort sitzen und bedient
nicht die Bank, meidet jedoch diese Filiale. werden. Sie wundern sich und gehen hin. Sie fragen
die Kellnerin, warum sie sich 10 Minuten vorher nicht

24 Frau G., ihre Schwester und ein afroamerika-


nischer Freund aus Louisiana, USA, sitzen in
einem Kaffeehaus im 10. Wiener Gemeindebezirk und
setzen durften. Die Kellnerin sagt zu ihnen, dass sie
schwarz wären und dass der Boss keine Schwarzen in
seinem Gastgarten haben wolle, denn die würden mit
wollen ihre Bestellung abgeben. Ein Mann kommt Drogen handeln. Die drei sind wütend über diesen
hinter der Theke hervor zu ihrem Tisch und sagt, sie Vorfall, eine derartige Erniedrigung und Diskriminie-
sollen das Kaffeehaus sofort verlassen, da er keine rung haben sie noch nie erlebt. Sie wenden sich an
„Schwarzafrikaner“ bedienen würde. Die drei fragen zahlreiche Organisationen, auch an ZARA. ZARA do-
nach, aus welchem Grund er keine „Schwarzafrikaner“ kumentiert den Vorfall. Die drei haben bereits selbst
bedienen würde. Der Mann gibt ihnen keine Antwort, die Gleichbehandlungsanwaltschaft eingeschaltet,
sondern fordert sie stattdessen erneut auf, das Lokal die bringt den Fall vor die Gleichbehandlungskom-
zu verlassen. Frau G. geht zur Polizei, dort teilt man ihr mission. Ein Ergebnis ist noch ausständig.
mit, dass sie nicht zuständig wäre und sie zum Zivilge-
richt gehen müsste. Sie kommt zu einem vereinbarten
Beratungsgespräch zu ZARA und wird über die recht-
lichen Möglichkeiten informiert. Da der Freund wie-
27 Gemeinsam mit seinem Freund versucht
Herr G. an einem Freitag, im Oktober 2005,
gegen 24:00 Uhr in ein kubanisches Tanzlokal in der
der in den USA ist und Frau G. nichts ohne sein Einver- Wiener Innenstadt zu gehen. Beide sind österreichi-
ständnis unternehmen will, dokumentiert ZARA den sche Staatsbürger afrikanischer Herkunft. Sie wollen
Fall. das Lokal betreten, werden jedoch von 2 Türstehern
und einem Mann „mit Krawatte“ aufgehalten. Sie dür-

25 Frau S. ist mit einer Freundin und zwei Freun-


den aus Nigeria in Wien abends unterwegs.
Zur After-Hour sind sie in einem Lokal im 4. Bezirk. Ei-
fen nicht hinein. Es wird ihnen kein Grund genannt
und sie werden zur Seite gedrängt. Die beiden wollen
jedoch den Grund für die Ablehnung erfahren. Herr
ner ihrer zwei Freunde, Herr A., wird im Lokal von zwei G. fragt, ob er und sein Begleiter unpassend gekleidet
jungen Männern gefragt, ob er Drogen zum Verkauf wären. Der Mann „mit Krawatte“ meint, nein das wäre
habe. Herr A. verneint das ausdrücklich und bittet sei- es nicht. Währenddessen gehen mehrere „Weiße“ und
ne Freundin, Frau J., die Security des Lokals über den „Schwarze“ lateinamerikanischer Herkunft an ihnen
Zwischenfall zu informieren. Die Security reagiert um- vorbei in den Club. Der Mann „mit Krawatte“ sagt zu
gehend und verweist die zwei jungen österreichi- den beiden Wartenden, wenn sie sich beschweren
schen Drogenkonsumenten sogleich des Lokals. Etwa wollen, sollen sie doch ein E-Mail schreiben. Herr G.
eine Stunde später entschließen sich die vier das Lo- meint, es wäre rassistisch, nur sie, weil sie aus Afrika
kal wieder zu verlassen. Herr A. bittet die anderen, ihn wären, nicht ins Lokal zu lassen. Der Krawattenträger
zum Taxistand zu begleiten. Er habe ein ungutes Ge- meint, es hätte nichts mit Rassismus zu tun und ver-
fühl. Seine Ahnung bestätigt sich leider kurz darauf. sucht leiser zu reden. Das Thema scheint ihm peinlich
Die zwei Männer, die des Lokales verwiesen wurden, zu sein. Herr G. erzählt ihm, dass er früher ohne Pro-
warten auf der Straße. Sie beschimpfen die Frauen als bleme in den Club gekommen wäre und es jetzt aber
„Negerhuren“, skandieren unentwegt rassistische Pa- so gut wie unmöglich sei. Der Mann will ihn beruhi-
rolen und werden gewalttätig. Sie schlagen auf die gen und sagt, vielleicht kommen sie ja ein anderes
vier ein. Zum Glück sieht das die Security des Lokals Mal rein, vielleicht das nächste Mal. Schließlich offen-
und reagiert rasch, indem sie die zwei jungen Män- bart der Mann doch noch den wahren Beweggrund.
ner bis zum Eintreffen der Polizei festhält. Die Be- Er sagt: „Kennst Du Brigitta? Das ist meine Freundin.

15

zara 05 umbruch 13-3.indd 15 16.03.2006 13:30:03 Uhr


Dienstleistungsverweigerung in Lokalen oder Geschäften

Immer wenn sie im Club ist und auch Schwarze da nicht nennen. Daraufhin lässt Herr R. den Geschäfts-
sind, will sie mit einem von ihnen ‚nach Hause gehen’“. führer des Lokals rufen. Dieser meint: „Meine Türste-
Nach dieser Aussage brechen Herr G. und sein Freund her arbeiten nach Anweisung.“ Der Eintritt wird den
das Gespräch ab und gehen. beiden weiterhin verwehrt.
Wie Herr G. bereits erwähnt hat, war das nicht das ZARA erstattet Anzeige nach Art IX Abs 1 Z 3 EGVG
einzige Mal, dass er in diesem Lokal rassistisch diskri- und stellt für Dr. R. einen Antrag an die Gleichbehand-
miniert wurde. Deshalb wendet er sich an ZARA. Ge- lungskommission wegen unmittelbarer Diskriminie-
meinsam wird Anzeige gegen die Lokalbetreiber nach rung gemäß § 31 Abs 1 Z 4 GlBG. Das derzeit offene
Art IX Abs 1 Z 3 EGVG erstattet. Zudem stellt ZARA im Verfahren wird beobachtet.
Namen von Herrn G. einen Antrag an die Gleichbe-
handlungskommission, die feststellen wird, ob es in
diesem Fall zu einer Diskriminierung aufgrund der
ethnischen Herkunft beim Zugang zu einer Dienstleis-
29 Im August wird ZARA per E-Mail gemeldet,
dass auf einem Osttiroler Campingplatz
Roma und Sinti keinen Zugang haben. Der Betreiber
tung gegeben hat. Die Entscheidung der Kommission des Campingplatzes in Sillian bringt 2 Schilder bei der
ist noch ausständig. Rezeption an, auf denen Folgendes zu lesen ist: „Kein
Platz für Zigeuner“ und „Nessun posto per i gypsies“.

28 Im Oktober 2005 gegen 23:40 Uhr wollen


Dr. R., österreichischer Staatsbürger, in Nige-
ria geboren, und sein aus Kenia kommender Kollege,
Das Regionalfernsehen und der Standard berichten
über den Fall. Im Standard-Interview verteidigt sich
der Betreiber des Campingplatzes: „99 Prozent der
Herr J., ebenfalls österreichischer Staatsbürger, nach Campingplätze nehmen keine Zigeuner auf.“ Er sei
einem Kinobesuch in Innsbruck in die in der Nähe lie- von Herausgebern von Campingkatalogen gewisser-
gende Diskothek M. gehen. Als die beiden zum Ein- maßen dazu gezwungen worden, Roma und Sinti ab-
gang kommen, sagt einer der beiden Türsteher: „Sie zuweisen. Wenn er es nicht getan hätte, wäre er nicht
dürfen nicht hinein.“ Herr R. erkundigt sich nach dem mehr in Reiseführer aufgenommen worden. Außer-
Grund. Der Türsteher erwidert: „Weil Sie Afrikaner sind, dem meint er: „Wenn jemand kommt, der mir nicht
und Ausländer nicht in das Lokal dürfen. Machen Sie gefällt, weise ich ihn ab. Hotels dürfen das ja schließ-
es sich mit dem da aus.“ Er zeigt auf seinen Kollegen, lich auch.“
der, wie sich später herausstellt, aus Ghana kommt. ZARA erklärt ihm, dass dem nicht so ist. Er erhält
Herr J. beginnt mit diesem, ihm persönlich bekann- eine Anzeige, die bei der Bezirkshauptmannschaft Li-
ten Türsteher zu diskutieren. Auf die Frage „Why can‘t enz nach Art IX Abs 1 Z 3 EGVG eingebracht wird. Vo-
we enter?“ antwortet der ghanaische Türsteher: „They raussichtlich wird dieses Verwaltungsstrafverfahren
don‘t allow blacks and foreigners here.“ Herr J. erkun- mit einer Bestrafung des Campingplatzbetreibers in
digt sich: „Since when?“ Der Türsteher erwidert: „Since erster Instanz vorläufig enden.
I came back from holidays.“ Dr. R. wendet sich wieder
an beide Türsteher: „Sie verweigern mir den Eintritt in
Ihr Lokal deshalb, weil ich ein Schwarzer bin?“ Der ers-
te Türsteher antwortet: „Ausländer dürfen nicht hin-
ein.“ Herrn R.s Kollege fügt hinzu: „Wir sind österreichi-
sche Staatsbürger.“ Einer der Türsteher beendet das
Gespräch mit den Worten: „Es tut mir leid.“ Während
sich die beiden entfernen, sehen sie 2 Polizisten in
der Nähe, die sich gerade um ein rechtswidrig abge-
stelltes Fahrzeug kümmern. Sie gehen zu ihnen und
schildern den Vorfall. Die Beamten sind sehr freund-
lich, meinen aber, dass es nicht zu ihren Aufgaben ge-
höre, wegen solch einer Diskriminierung einzuschrei-
ten, begleiten die beiden Herren aber dennoch zum
Eingang der Diskothek. In Gegenwart der Polizisten
sagt jedoch keiner der beiden Türsteher, aus welchem
Grund ihnen der Eintritt verwehrt wird. Dr. R. verlangt
die Namen der beiden Türsteher, sie wollen diese aber

16

zara 05 umbruch 13-3.indd 16 16.03.2006 13:30:04 Uhr


Rassistische Beschmierungen im öffentlichen Raum

Rassistische Beschmierungen
im öffentlichen Raum
Die Zahl der Meldung rassistischer Beschmierungen an dieser Stelle für die gute Zusammenarbeit mit den
ist im Jahr 2005 wieder massiv angestiegen. Insge- Wiener Linien und dem Bürgerdienst der Stadt Wien
samt wurden 425 Beschmierungen, hauptsächlich aus bedanken. Beide sind wichtige Partnerinnen bei der
Wien gemeldet. Die Anzahl ist jedoch in keiner Wei- Tilgung der rassistischen Kritzeleien.
se repräsentativ für die tatsächlich existierende Zahl
auf Wiens Straßen und Plätzen. Registriert werden nur Statistik:
gemeldete Fälle. An Hauswänden, Türen, in U-Bah-
nen, Straßenbahnen oder Bussen finden sich Beleidi- 2005 wurden insgesamt 425 Beschmierungen ge-
gungen wie „Scheiß Tschuschen“, Drohungen wie „Tür- meldet, davon waren 124 in Fahrzeugen der Wiener
ken raus“ und zahlreiche Aufforderungen zur Tötung Linien.
wie „Kill Nigger“ oder „Tötet Neger“. Rechtlich gesehen
sind alle rassistischen Beschmierungen als Sachbe- HAS 10%
schädigung zu werten, und zwar nicht wegen des In- RAS 10%
halts, sondern allein wegen des Aktes der Bemalung,
weshalb auch die Übermalung von Beschmierungen, AFR 75% TUR 3%
sofern sie nicht mit dem/der HausbesitzerIn abge-
sprochen ist, ebenso strafbar ist. Beschmierungen, die
Drohungen oder Aufforderungen zur Tötung enthal- ISL 1%
ten, fallen prinzipiell unter Verhetzung gemäß § 283
StGB. Um rechtlich als Beleidigung einklagbar zu sein,
müssen Beschmierungen an Hauswänden gegen eine
bestimmte Person gerichtet sein. Hakenkreuze fallen
unter das Verbotsgesetz, während antisemitische Be-
schmierungen nur dann rechtlich relevant sind, wenn
sie antisemitisch im nationalsozialistischen Sinne AFR „AfrikanerInnen“
sind. HAS Hakenkreuze und „Antisemitisches“
RAS „Rassistisches“
TÜR „Anti-Türkisches“
ISL „Anti-Muslimisches“

Was unternimmt ZARA?

Wird eine Beschmierung bei ZARA gemeldet, so müs-


sen Ort und Inhalt möglichst genau angegeben werden
(Straßenbahnwagennummer, Adresse, ...). Ehrenamt-
liche MitarbeiterInnen von ZARA dokumentieren In-
halt, Ort und Art der Beschmierungen und organisieren,
wenn möglich, auch eine fotografische Dokumentation.
Rassistische Beschmierungen sind aus ZARA-Sicht kei- Als nächster Schritt wird bei den zuständigen Behörden
ne Lappalie. Die Tatsache, dass Tötungsaufforderun- und/oder HausbesitzerInnen um Entfernung gebeten.
gen und andere schreckliche Botschaften tagtäglich Nach einiger Zeit erfolgt die Kontrolle, ob die Beschmie-
von unzähligen Menschen, die daran vorübergehen, rung noch vorhanden ist. In diesem Fall muss der gesam-
gelesen werden, ist beunruhigend. Die Angesproche- te Ablauf von Neuem begonnen werden. ZARA schließt
nen müssen jeden Tag lesen, dass sie getötet wer- die Arbeit erst ab, wenn die Beschmierung tatsächlich
den, hier verschwinden, zurück in den Busch, nach entfernt wurde.
Vorderasien oder sonst wohin sollen. Für diese Men-
schen ist es bedrohlich, Derartiges zu lesen. Solche Bitte melden Sie rassistische Beschmierungen an:
Mitteilungen wirken als Bestätigung von Vorurteilen. office@zara.or.at
Die ehrenamtliche ZARA-Mitarbeiterin Monika Muhr
nimmt sich der Sisyphusarbeit an, sich um die konse- Einen weiterführenden Text zum Thema finden sie im
quente Dokumentation und Entfernung der unzähli- Rassismus Report 2004, Seite 17 von Mag.a Christa
gen Beschmierungen zu kümmern. ZARA möchte sich Markom.

17

zara 05 umbruch 13-3.indd 17 16.03.2006 13:30:05 Uhr


Polizei

Polizei

Der Polizei kommt eine besonders verantwortungs- Durch das Negieren der Probleme werden diejenigen
volle und schwierige Aufgabe in unserer Gesellschaft im Apparat geschützt, die sich nicht an die Regeln hal-
zu. Um Ruhe, Ordnung und Sicherheit aufrechterhal- ten, die unprofessionell mit ihren Aufgaben umgehen
ten zu können, ist sie auch Trägerin und Verwalterin und dem Bild der Polizei, vor allem aber unschuldigen
des staatlichen Gewaltmonopols. Das bedeutet, dass Menschen schaden. Es handelt sich also nicht um die
die Anwendung von Gewalt bis hin zum Waffenge- Taten der viel zitierten „schwarzen Schafe“, sondern
brauch zum Tätigkeitsprofil von ExekutivbeamtIn- um einen institutionellen Mangel, für den die Instituti-
nen gehört. Die Arbeit der Polizei, insbesondere die on Polizei insgesamt verantwortlich ist. ZARA bemüht
Ausübung von behördlicher Befehls- und Zwangsge- sich, den Personen, die von der Polizei falsch und dis-
walt, unterliegt einer strengen rechtlichen Reglemen- kriminierend behandelt wurden, nicht nur im Rahmen
tierung. Das ist in einem Rechtstaat notwendig und der rechtlichen Möglichkeiten beizustehen. Durch das
wichtig. Ebenso ist es wichtig, dass die Zivilgesell- Aufzeigen einer erheblichen Anzahl von rassistischen
schaft gegenüber der Exekutive wachsam und kritisch Diskriminierungen und Übergriffen Jahr für Jahr will
bleibt. Die Anforderungen, die einzelne Mitglieder der ZARA die Exekutive dabei unterstützen, Fehler anzu-
Gesellschaft an die Exekutive stellen, sind voll von Wi- erkennen und professioneller zu werden. Für die Be-
dersprüchen und oft emotional aufgeladen. Zum ei- troffenen ist die Beschwerde immer noch ein sehr
nen kann die Polizei nicht schnell genug zur Stelle schwieriger Akt, der Stärke und Durchhaltevermögen
sein, wenn ein Individuum sich Schutz und Hilfe er- erfordert. Denn sie sind es, die beweisen müssen, dass
wartet, zum anderen soll aber der eigene Handlungs- ein oftmals traumatischer Übergriff tatsächlich pas-
spielraum in anderen Fällen möglichst wenig von der siert ist. Hierbei stehen sie meist einer Überzahl von
Exekutive eingeschränkt werden. österreichischen ExekutivbeamtInnen gegenüber. Die
Mit derartigen komplexen Anforderungen muss bestmögliche Betreuung der betroffenen Menschen
die Exekutive als Organisation, aber auch jede/r ein- ist ZARA ein wichtiges Anliegen. Die gesetzlich vorge-
zelne Beamtin/Beamte tagtäglich umgehen. Dazu sehenen Möglichkeiten der Richtlinien- und Maßnah-
kommen unangenehme Arbeitszeiten, oftmals sehr menbeschwerde, die von den zuständigen Unabhän-
schlechte Arbeitsbedingungen, eine streng hierar- gigen Verwaltungssenaten (UVS) kontrolliert werden,
chische Organisationsform und politische Machtinte- bieten grundsätzlich eine taugliche Grundlage zur
ressen, die den Arbeitsalltag der ExekutivbeamtInnen Überprüfung polizeilichen Handelns. Rassistische Dis-
schwer belasten. Nichtsdestotrotz verstehen die meis- kriminierung durch PolizeibeamtInnen hat im Beson-
ten PolizistInnen ihren Beruf als Berufung, machen ihn deren negative Auswirkungen auf die Betroffenen:
gern und gehen professionell an ihre Aufgaben heran. Viele fühlen sich nicht mehr sicher. Sie haben Zwei-
Dennoch kommt es immer wieder zu Fehlleistungen. fel an der Rechtsstaatlichkeit in diesem Land. Sie füh-
Es wäre auch schlichtweg unmöglich, mehrere Milli- len sich unerwünscht und allein gelassen. Daher ist
onen Amtshandlungen im Jahr ohne Fehler durchzu- es wichtig, dagegen anzugehen, wenn Beschwerden
führen. Die Kritik von ZARA setzt an der Exekutive als nicht ernst genommen werden und diskriminieren-
Institution an: Die Polizei als Apparat ist nicht bereit, de Akte nicht geahndet werden. So dumm und falsch
zuzugestehen, dass Fehler passieren. Dabei geht es es ist, pauschal zu behaupten, dass PolizistInnen nun
aber nicht nur um kleine Versäumnisse, sondern auch mal RassistInnen seien, so richtig ist der Vorwurf, die
um Einsätze, die aufgrund der polizeilichen Handlun- Sicherheitsexekutive als Institution handle rassistisch,
gen vielfach auch Menschenrechtsverletzungen dar- solange sie nicht transparent, entschlossen und spür-
stellen. Leider scheint die Institution Polizei aber nicht bar gegen diskriminierendes Fehlverhalten aus den
bereit zu sein, auf solche Fehlleistungen adäquat zu eigenen Reihen vorgeht. Detaillierte rechtliche Infor-
reagieren. Noch immer werden Beschwerden von Per- mationen zu diesem Bereich sind im Rassismus Re-
sonen gegen polizeiliche Übergriffe nicht zum Anlass port 2004 unter dem Absatz „Sicherheitspolizei“, auf
genommen, bestehende Schwächen des Systems zu Seite 66 zu finden oder unter http://www.zara.or.at/
erkennen und entsprechend gegenzusteuern. Viel- materialien/rechtliches/ nachzulesen.
fach werden Beschwerden nach wie vor nicht ernst
genommen. Es wird versucht, die Glaubwürdigkeit
der BeschwerdeführerInnen in Frage zu stellen oder
sie werden mit Repressalien wie Anzeigen, unzähligen
30 Herr N. kommt aus Indien, er hat seit 2001
in Österreich Asyl. In Indien ist er ein ange-
sehener Schriftsteller, in Österreich unterrichtet er
Kontrollen und Drohungen eingeschüchtert. Insbe- indischen Tanz. Im November 2005 gegen 20:00 Uhr
sondere wird der Vorwurf der Voreingenommenheit fährt er mit der U1 Richtung Reumannplatz. Er schläft
oder Diskriminierung zumeist pauschal abgestritten. jedoch ein und verpasst den geplanten Umstieg am

18

zara 05 umbruch 13-3.indd 18 16.03.2006 13:30:05 Uhr


Polizei

Stephansplatz. Bei der Endstation Reumannplatz wird handlung zugegen gewesen seien, sondern sich in ei-
er vom U-Bahn-Personal unsanft geweckt. Er wird auf- nem Nebenraum aufgehalten hätten. Eine Reaktion
gefordert, auszusteigen und die Station zu verlassen. der Staatsanwaltschaft gibt es bis Redaktionsschluss
Herr N. versteht nicht, warum er die Station verlas- nicht. Auf eine Beschwerde beim Unabhängigen Ver-
sen soll, er möchte mit der U-Bahn wieder zurückfah- waltungssenat (UVS) verzichtet Herr N., da er das Kos-
ren. Er ist im Besitz einer Jahreskarte und zeigt diese tenrisiko nicht übernehmen kann.
auch dem Aufsichtspersonal. Herr N. und der männ-
liche Aufseher beginnen laut zu diskutieren. Der Auf-
seher wird schließlich handgreiflich und packt Herrn
N. am Oberarm und hält ihn fest. Ein Aufseher und
31 Herr K. fährt mit dem Dienstbus seines Ar-
beitgebers, dem Evangelischen Flüchtlings-
dienst, in eine Reparatur-Werkstätte. Der Termin wur-
eine Aufseherin, eskortieren Herrn N. schließlich zum de zuvor vereinbart. Sein Arbeitskollege fährt mit
Überwachungszimmer, in das die U-Bahn-Aufseherin einem zweiten Wagen hinterher. Herr K. und sein
verschwindet und wie sich herausstellt die Polizei ver- Kollege zeigen dem Mechaniker das zu reparierende
ständigt. 2 Polizeibeamte treffen ein und führen Herrn Fahrzeug. Bei dessen Begutachtung sagt er zu den
N. in den Videoüberwachungsraum. Der Beamte A. beiden: „Das Auto ist ein Klumpert, die Reparatur kos-
verlangt seinen Ausweis. Der andere Polizist B. steht tet zu viel Zeit. Ich will das eigentlich nicht reparieren.“
inzwischen vor dem Ausgang und „bewacht“ diesen. Herr K. schlägt dem Mechaniker vor, wenn er an die-
Herr N. legt seine Geldbörse auf den Tisch. Aus dieser sem Tag zu wenig Zeit hätte, würde er an einem an-
nimmt der Beamte A. zunächst seinen Ausweis und deren Tag wieder kommen und geht in das Büro, um
überprüft die Personaldaten. Da Herr N. im Dialekt dort einen neuen Termin zu vereinbaren. Einige Zeit
gesprochenes Deutsch schlecht versteht, bekommt später folgt ihnen der Mechaniker und sagt, er wolle
er lediglich die Beschimpfungen „Scheißausländer!“, die Arbeit überhaupt nicht machen. Herr K. will den
„Arschloch!“ und das Gelächter der Anwesenden mit. Grund wissen. Der Mechaniker antwortet: „Ich will
Schließlich entnimmt der Beamte A. 21 € und hän- mit Euch nichts zu tun haben.“ Herr K. fragt: „Warum?
digt ihm die Geldbörse und gleichzeitig eine Organ- Sie kennen uns doch gar nicht. Sie sehen mich heu-
strafverfügung wegen Lärmerregung aus. Herr N. ver- te zum ersten Mal. Ist das wegen unserer Hautfarbe?“
sucht zu erfahren, warum ihm das Geld abgenommen Der Mechaniker erwidert: „Ja, ich habe viele Gründe
wurde, doch ihm wird lediglich gesagt: „Nimm Deine dafür. Verlassen sie sofort mein Grundstück oder ich
Geldbörse und verschwinde!“ Er besteht darauf, den rufe die Polizei!“ Herr K. ruft selbst die Polizei, er will
Grund für die Strafe zu erfahren, als plötzlich der Be- sich so eine Behandlung nicht gefallen lassen. Wenig
amte A. auf Herrn N. zugeht, ihm den Arm verdreht später treffen zwei Polizeibeamte ein. Herr K. begrüßt
und ihn mit einem Griff auf den Boden zwingt. Der Be- die beiden und erklärt ihnen, dass er sie gerufen habe.
amte A. tritt etwa 4-mal mit dem Fuß in die Seite und Die beiden Polizisten ignorieren Herrn K. und wenden
auf das Gesäß von Herrn N. Danach zieht er ihn wieder sich dem Mechaniker zu. Herr K. macht die Polizisten
in die Höhe und wiederholt seine Anordnung, er sol- abermals darauf aufmerksam, dass er es gewesen sei,
le die Geldbörse einstecken und verschwinden. Herr der sie gerufen habe. Als Reaktion bekommt er zu
N. sammelt seine Sachen ein und sagt: „Was sie tun, hören: „Blöder, halte Deinen Mund!“ und wird von ei-
ist falsch!“ Nun geht der Beamte B. auf ihn los, dreht nem Beamten zur Seite gestoßen. Herr K. sagt, ganz
ihm den linken Arm auf den Rücken, drängt ihn zur überrascht von der Behandlung des Beamten: „Was
Türe und schlägt ihm mit der Faust in den Bereich der machen Sie? Sie sind Polizist!“ Daraufhin wird er noch
rechten Niere. Der Beamte A. sagt zu B., er solle jetzt einmal, vom selben Beamten, gestoßen. Diesmal mit
aufhören und Herrn N. aus dem Zimmer werfen. Der dem Kommentar: „Halte Deinen Mund oder Du wirst
Beamte B. öffnet die Türe und stößt Herrn N. hinaus. schon sehen!“ Die Polizisten nehmen die Personali-
Er fällt vor dem Wachzimmer auf den Boden. Eine Zeu- en von allen Anwesenden auf. Herr K. verlangt nach
gin, Frau P., fragt, was passiert sei und wie sie ihm hel- der Dienstnummer der Beamten. Diese geben ihm die
fen könne. Herr N. schildert ihr, was passiert ist und Dienstnummer erst nach mehrmaligem Auffordern
sie gibt ihm ihre Adresse und Telefonnummer. Herr N. mündlich. Nachdem Herr K. verlangt, ihm die Dienst-
schleppt sich zur U-Bahn und fährt nach Hause. Am nummer schriftlich zu geben, schreibt der vorwie-
nächsten Tag lässt sich Herr N. von einem Freund zur gend handelnde Beamte die Nummer auf ein nasses
Caritas bringen, wo man ihm rät, sofort ein Spital auf- Auto, das im Werkstättenbereich steht. Nun erkundigt
zusuchen. Er geht in die Notaufnahme des UKH Lo- sich Herr K. nach dem Dienstort der beiden, er will
renz-Böhler. Es werden Verletzungen festgestellt und sich dort beschweren. Herr K. fährt unmittelbar nach
es wird ihm dringend geraten, zur Beobachtung zu dem Vorfall zu dem von den Polizisten angegebenen
bleiben. Herr N. wird jedoch auf eigenen Wunsch wie- Wachzimmer. Dort stellt sich heraus, dass der angege-
der entlassen. ZARA erstattet Anzeige bei der Staats- bene Wachposten der falsche ist und jener der Beam-
anwaltschaft gegen die beteiligten Polizisten. Auf eine ten im Nachbarort liegt. Also fährt Herr K. weiter, zum
schriftliche Anfrage bei den Wiener Linien bezüglich nächsten Wachposten und beschwert sich beim zu-
dieses Vorfalles erhält ZARA die Auskunft, dass die be- ständigen Beamten. Herr K. vereinbart telefonisch ein
teiligten Organe der Wiener Linien nicht bei der Amts- Beratungsgespräch mit einer ZARA-Mitarbeiterin. Er

19

zara 05 umbruch 13-3.indd 19 16.03.2006 13:30:05 Uhr


Polizei

erscheint zum Termin mit einer Strafverfügung in der richtet davon, dass ihr Mann mit dem Gesicht nach
Höhe von 60 € wegen „aggressiven Verhaltens gegen- unten und den Händen auf den Rücken gefesselt am
über Organen der öffentlichen Sicherheit“. Gegen die- Boden im Flur liegt. Die Polizisten sagen zu ihr, dass
se verfasst eine ZARA-Mitarbeiterin einen Einspruch. sie über ihn steigen solle. Als sie meint, es gäbe keinen
Gleichzeitig wird eine Richtlinienbeschwerde an den Platz, wird ihr erwidert, sie soll doch einfach auf ihren
UVS (Unabhängigen Verwaltungssenat) wegen des Mann „draufsteigen“. Ihr Mann wird ins Nebenzimmer
Verhaltens der Polizisten gerichtet und ein Antrag bei gebracht, von dort hört sie Geräusche, die darauf hin-
der Gleichbehandlungskommission wegen des dis- deuten, dass ihr Mann geschlagen wird.
kriminierenden Verhaltens des Mechanikers einge- ZARA informiert Frau L. über die rechtliche Lage
bracht. und rät ihr, mit den befreundeten Frauen Kontakt auf-
Mittlerweile wurde das Verwaltungsstrafverfahren zunehmen und ihnen zu raten, Gedächtnisprotokol-
gegen Herrn K. wegen „aggressiven Verhaltens“ ein- le über die Festnahmen anzufertigen. Der Mann von
gestellt. In Punkt 3 der Richtlinienbeschwerde wegen Frau L. war bei einer der Kontrollen durch die Poli-
Bekanntgabe des falschen Dienstortes und falscher zei auch selbst dabei, wurde aber nach Ausweisleis-
Dienstnummern bekam Herr K. recht. Das Verfahren tung und dem Nachsatz „Na, Sie sprechen aber gut
in den übrigen Punkten (Verwendung des Du-Wortes Deutsch“ unbehelligterweise weggeschickt. Frau L.
und Gebrauch diskriminierender Äußerungen) ist vor befürchtet trotzdem für die bevorstehenden Tage
dem UVS noch anhängig, auch das Verfahren vor der das Schlimmste und hat Angst um ihren Mann. Eini-
Gleichbehandlungskommission ist noch nicht abge- ge Tage später meldet sich Frau L. wieder bei uns. Die
schlossen. Ehefrauen der gambischen Männer, die verhaftet wor-
den waren, sind aus Angst vor weiteren Übergriffen

32 Frau S. will folgenden Fall bei ZARA doku-


mentiert wissen. Ihr Mann afrikanischer Her-
kunft wird offenbar grundlos auf ein Wachzimmer im
nicht bereit, rechtliche Schritte gegen die beteiligten
BeamtInnen zu unternehmen. Mittlerweile hat Frau
L. die Information erhalten, dass die Telefone der in-
10. Bezirk mitgenommen. Er kann sich ausweisen und haftierten Männer von der Polizei abgehört und an-
es gibt keine Hinweise auf eine strafbare Handlung. geblich die Namen gambischer Speisen für Synonyme
Er muss so lange auf der Wachstation bleiben, bis sei- einer „Geheimsprache“ im Zusammenhang mit straf-
ne Frau ihn abholt. Sie fragt bei den Beamten nach, baren Handlungen gehalten wurden.
weshalb er mitgenommen wurde, und beharrt dar- Nach einiger Zeit meldet sich Frau L. wieder und
auf eine Antwort zu bekommen. Schließlich lässt man berichtet, dass einige der Inhaftierten nach 2 Wochen
sie wissen, dass er nur mitgenommen wurde, weil er Haft am Wiener Straflandesgericht wieder entlassen
schwarz ist. Frau S. ist froh, dass es ZARA gibt, bedankt wurden. Ihrem Mann sei noch nichts passiert, aber sie
sich für die Dokumentation des Vorfalles, will jedoch werde sich melden, falls es Neuigkeiten gibt.
auch nach Aufklärung über die rechtlichen Möglich- ZARA dokumentiert die von ihr geschilderten Vor-
keiten die Sache auf sich beruhen lassen, um sich und kommnisse, kann jedoch ohne die Betroffenen nichts
ihrem Mann eventuell damit verbundene Probleme darüber hinaus unternehmen.
zu ersparen.

33 Frau L. ist mit einem Mann aus Gambia ver-


heiratet. Sie erzählt ZARA, dass Anfang Juni
34 Herr C., österreichischer Staatsbürger afri-
kanischer Herkunft, wird im Juli in der U3-
Station Stephansplatz von einer Polizeibeamtin nach
um die 30 Personen, alle Gambier, teilweise mit Öster- seinem Fahrausweis gefragt. Er hat seine Jahreskarte
reicherinnen verheiratet und fast alle mit geregeltem dabei, zeigt ihr diese, wird aber zusätzlich nach einem
Berufsleben, zum Teil auf brutale und menschenver- anderen Ausweis gefragt. Herr C. erwidert, er habe
achtende Weise zuhause oder am Arbeitsplatz fest- sich nichts zuschulden kommen lassen und sei nicht
genommen wurden. Die meisten von ihnen werden verpflichtet, seinen Ausweis vorzuweisen. Wenn es un-
am Wiener Straflandesgericht in Untersuchungshaft bedingt notwendig sei, müsse er diesen von Zuhause
genommen und sind bereits anwaltlich vertreten. holen. Die Beamtin fordert ihn auf, ihr zu folgen, und
Der Grund für die Festnahmen ist Frau L. beim ersten führt ihn in die nahe gelegene Polizeistation. Zunächst
Beratungsgespräch noch nicht bekannt. Bei den Ver- werden seine Personalien am Computer überprüft.
haftungen ist es laut Aussage von österreichischen Die Polizistin sieht, dass er österreichischer Staatsbür-
Ehefrauen, mit denen Frau L. in Kontakt steht, zu ras- ger ist. Herr C. soll sich an die Wand stellen, damit der
sistischen Wortmeldungen und Gewalttätigkeiten Inhalt seiner Hosentaschen kontrolliert werden kann.
durch die EinsatzbeamtInnen gekommen. Folgende Er protestiert: „Ich habe nichts getan!“ Die Beamtin
Aussagen sollen gefallen sein: „Nigger sind Schweine“, und drei weitere „fixieren“ Herrn C. und versuchen
„Nigger stinken“, „Warum sind Sie mit ‚so etwas’verhei- ihm Handschellen anzulegen. Die Polizistin stemmt
ratet?“, „Suchen Sie sich doch lieber einen von meinen sich dabei mit dem Fuß an ihm ab und fügt Herrn C.
Kollegen als Mann“, „Das sind die Mörder deiner En- Prellungen am Oberkörper zu. 2 weitere Beamte wer-
kelkinder“... den zur Verstärkung gerufen und unterstützen die an-
Eine bei einer Festnahme anwesende Ehefrau be- deren 4 Kollegen bei der Festnahme. Schließlich ge-

20

zara 05 umbruch 13-3.indd 20 16.03.2006 13:30:05 Uhr


Polizei

lingt es ihnen Herrn C. unter Gewaltanwendung und dungsgeschäftes nach draußen geholt. Sie stellt nur
Zufügung weiterer Verletzungen Handschellen anzu- lakonisch fest, dass solch „billige“ Hosen bei Ihnen
legen und seinen Tascheninhalt zu untersuchen. Da- nicht verkauft würden. Herr L. findet die Situation be-
bei finden die Beamten nichts Außergewöhnliches. schämend, zudem er die Verkäuferin kennt und sich
4 Beamte tragen Herrn C. hierauf an Händen und Füßen eine Menschenmenge um sie versammelt hat. Die
aus der Station. Er wird in ein Polizeifahrzeug gesetzt beiden werden auf ein Wachzimmer gebracht, wo sie
und ins Bezirkspolizeikommissariat Innere Stadt ge- von den sich betrinkenden PolzistInnen angespuckt
führt. Dort sitzt er verletzt 3 weitere Stunden in einer und weiter beleidigt werden. Die beiden Asylwerber
Zelle und wird schließlich vom Amtsarzt untersucht. verbringen die Nacht in Haft. Am nächsten Morgen
Man bringt ihn zu einem Juristen und vernimmt ihn werden sie entlassen. Ihre persönlichen Sachen wer-
ohne DolmetscherIn, obwohl er kaum versteht, was den ihnen aber nicht übergeben, sondern von einem
der Beamte ihm mitteilt. Er unterschreibt 4 Formulare, Polizisten lachend aus dem Fenster geworfen.
deren Inhalt er ebenfalls nicht versteht, und erhält ei- Herr L. erhält zusätzlich eine Verwaltungsstrafe we-
nen Erlagschein, den er einzahlen soll. Außerdem wird gen aggressiven Verhaltens gegenüber den Beamten.
er wegen Widerstandes angezeigt werden. Er kommt mit einer Betreuerin von SOS-Menschen-
ZARA begleitet Herrn C. zu einer Einvernahme als rechte Traiskirchen zu ZARA. Die beiden werden hin-
Zeuge vor einem Beamten des Büros für besondere Er- sichtlich möglicher rechtlicher Schritte beraten.
mittlungen. Das Verfahren gegen die BeamtInnen we-
gen der Körperverletzungen an Herrn C. wird jedoch
frühzeitig von der Staatsanwaltschaft eingestellt.
ZARA verfasst eine Berufung gegen die Verwal-
36 Herr J. aus Gambia will mit seinen ebenfalls
afrikanischen Freunden und einer öster-
reichischen Freundin einen kranken Bekannten im
tungsstrafe, hilft Herrn C. beim Ausfüllen des Verfah- Allgemeinen Krankenhaus (AKH) besuchen. Sie setzen
renshilfeantrages und begleitet ihn zum ersten Ver- sich vor das AKH auf Parkbänke. Kurze Zeit später wer-
handlungstermin wegen Widerstandes gegen die den sie von einem Mann fotografiert. Zunächst den-
Staatsgewalt. ken sie, es handle sich um einen Touristen und deu-
Im Verfahren vor dem Wiener Straflandesgericht ten ihm, er möge aufhören. Der vermeintliche Tourist
vertritt Herrn C. eine engagierte Verfahrenshelferin. kommt auf sie zu und sagt: „Ich bin Polizist, ich darf Fo-
Die Anwältin versucht für ihren Mandanten, gegen tos machen.“ Er zeigt ihnen seine Dienstmarke. Sie er-
den mehrere einander bestätigende PolizeibeamtIn- widern, dass er sicherlich nicht das Recht habe, ohne
nen aussagen, das Beste. Sie rät Herrn C., seine Schuld jeglichen Grund zu fotografieren. Der Zivilbeamte
an der Eskalation der Situation im Wachzimmer zu ge- antwortet, fotografieren gehöre zu seiner Arbeit. Er
stehen. Im Gegenzug erhält er eine geringe Strafe und verlangt die Ausweise von allen, außer der Österrei-
der Richter erspart sich die ausführliche Einvernahme cherin. Sie fragt, warum er ihren Ausweis nicht sehen
der BeamtInnen. Herr C. wird schließlich zu einer be- wolle. Er antwortet, nur die der Schwarzen würden
dingten Freiheitsstrafe von 3 Monaten verurteilt. Er ihn interessieren, diese wären ja in der Regel keine Ös-
nimmt diese Strafe an; die Staatsanwaltschaft beruft terreicher. In der Diskussion äußert der Zivilbeamte
nicht gegen das Urteil. Sätze wie: „Ich darf eure Ausweise kontrollieren, weil
Schwarze Verbrecher und Dealer sind.“ Zu der Frau

35 Herr L., Asylwerber aus Mazedonien, geht


im Juli mit seinem aus dem Iran kommen-
den Freund B. in ein Shopping-Center. Sie betreten
sagt er: „Du bist wahrscheinlich ein Junkie und bist
deshalb mit den Schwarzen zusammen.“
Der Zivilbeamte ruft zwei weitere BeamtInnen,
ein Bekleidungsgeschäft, um sich Jeans anzuschau- einen Polizeibeamten und eine Polizeibeamtin, hin-
en. Beim Verlassen des Geschäftes werden sie von der zu und brüstete sich vor seinen KollegInnen: „Heu-
Polizei kontrolliert. Sie weisen ihre Lagerkarten aus te werde ich noch jemanden ins Gefängnis bringen.
Traiskirchen vor und ehe die BeamtInnen diese anse- Ich weiß, dass die Verbrecher sind.“ Die Daten der Be-
hen, schimpfen sie: „Scheiß-Asylanten, geht‘s zurück!“ amtshandelten werden von der Zentrale überprüft.
Die Karten werden dann doch überprüft. Herr L. kann Diese teilt mit, dass alles in Ordnung wäre. Der Zivil-
aus einem Gespräch der BeamtInnen hören, dass sie beamte gibt sich damit nicht zufrieden und ruft bei
in Ordnung sind. Sein Freund wird jedoch von einem einem weiteren Kollegen an, dem er aufträgt, die Da-
Beamten beschuldigt: „Deine Karte ist falsch!“ Als Herr ten nochmals genauestens zu überprüfen. Doch auch
L. sich einmischt, erntet er ein „Halt Deine Schnau- dieser kann nichts Verdächtiges finden und bestätigt
ze!“ vom Polizisten. Sie werden aufs Parkplatzgelände die Auskunft der Zentrale. Die PolizistInnen lassen die
geführt und dort durchsucht. Danach werden ihnen 5 Männer und die Frau in Ruhe. Herr J. will diesen Vor-
Handschellen angelegt. Auf die Frage von B., warum fall nicht auf sich beruhen lassen und wendet sich an
die Beamten dies tun würden, antwortet ein Polizist: ZARA. Nach einem umfassenden Beratungsgespräch
„Weil ich das gerne mache, mit Euch zu spielen, ihr über die rechtlichen Möglichkeiten entscheidet er
Scheiß-Asylanten.“ Dann wird Herr L. gefragt, ob er sich für einen Beschwerdebrief beim zuständigen Be-
die kurze Hose, die er gerade anhat, gestohlen hätte. schwerdebeamten und für einen Antrag auf Löschung
Er verneint. Hierauf wird eine Angestellte des Beklei- der erkennungsdienstlichen Daten. Ein Verfahren vor

21

zara 05 umbruch 13-3.indd 21 16.03.2006 13:30:05 Uhr


Polizei

dem UVS (Unabhängigen Verwaltungssenat) will er Herrn M. handle es sich um ehrlich verdientes Geld,
aufgrund des Prozesskostenrisikos und aufgrund der das der Gast für eine Reise gespart hätte.
psychischen Belastung, die dieses mit sich bringen 20.10.05: Es kommen 4 Beamte ins Lokal, die unter
würde, nicht anstreben. Eine ZARA-Mitarbeiterin ver- anderem die Gewerbeberechtigung und die Betriebs-
fasst einen Beschwerdebrief und einen Antrag auf anlagengenehmigung sehen wollen. Es kommt er-
Löschung der Fotos. Im Antwortschreiben auf den neut zu Personenkontrollen. Herr M. erhält wegen der
Beschwerdebrief wird mitgeteilt, dass die Fotos alle defekten Entlüftung, die von der Polizei eine Woche
wieder gelöscht wurden. Die angelasteten Aussagen zuvor zerstört wurde, eine Verwaltungsstrafe.
werden jedoch von den handelnden Beamten abge- Am 13.11.05, 17.11.05 und 29.11.05 kommt es zu
stritten. Sie bestehen darauf solche Aussagen nie ge- Personenkontrollen im Lokal.
tätigt zu haben. Herr J. befindet sich aufgrund per- Die Gäste sind fast ausschließlich AfrikanerInnen.
sönlicher Umstände nicht mehr in Österreich. ZARA Seit Beginn der Kontrollen ist der Umsatz stark zurück-
unternimmt daher nichts weiter und dokumentiert. gegangen. Gäste kommen nur noch abends, sie es-
sen rasch und gehen wieder. Herr und Frau M. gehen

37 Herr K. aus Senegal lebt seit vielen Jahren in


Österreich. Er arbeitet als Flüchtlingsbera-
ter und spielt in seiner Freizeit in einer Band. An ei-
zu einem Anwalt, der sich um die Entschädigung für
den Schaden im Lokal nach dem Polizeibefugnis-Ent-
schädigungs-Gesetz kümmert. Überdies verfasst er
nem Oktoberabend hat seine Gruppe ein Konzert. Am eine Beschwerde an das Innenministerium aufgrund
Nachmittag des Konzerttages will er ein Bandmitglied der anhaltenden, geschäftsschädigenden Kontrollen
vom Bahnhof in Wiener Neustadt abholen. Auf dem und kümmert sich um die Verwaltungsstrafe wegen
Parkplatz des Bahnhofes trifft er zufällig Arbeitskolle-
der zerstörten Lüftung. ZARA begleitet und berät Fa-
gen, die ebenfalls aus Afrika kommen und in Öster-
milie M. gemeinsam mit einer Redakteurin der Tages-
reich leben. Sie stehen und plaudern miteinander, als
zeitung Der Standard. Ihr Fall wird auf derstandard.at
Herr K. feststellt, dass sie von einer ÖBB-Angestellten
unter „Wir sind die Polizei, wir können alles tun“ pu-
fotografiert werden. Kurze Zeit später erscheinen Po-
bliziert. Zahlreiche unterstützende Statements in den
lizeibeamte mit dem Fotoapparat der ÖBB-Angestell-
Postings im Forum zu dem Artikel und eine ZARA-
ten in der Hand. Die Sicherheitswachebeamten füh-
Solidaritäts-Veranstaltung im Café Madu in der Rem-
ren eine Identitätskontrolle durch. Herr K. fragt nach,
brandt Straße im 2. Bezirk geben dem Ehepaar Kraft
wieso sie fotografiert und kontrolliert würden, sie hät-
weiterzumachen. Bis zu Redaktionsschluss gab es kei-
ten sich doch nur unterhalten. Einer der Beamten teilt
ne weiteren Kontrollen in dem Lokal.
ihm mit, dass sie gerufen wurden, da sich Verdächtige
im Bahnhofsbereich aufhalten würden.
Eine ZARA-Mitarbeiterin unterstützt Herrn K. da-
bei einen Antrag auf Löschung erkennungsdienstli-
39 Frau K. hat einen 18-jährigen Sohn und eine
jüngere Tochter, ihr Freund, Herr S., ist Nige-
rianer. Eines Tages stürmen mehrere WEGA-Beamte in
cher Daten zu verfassen. Bei Redaktionsschluss gab es
ihre Wohnung und suchen nach dem Freund. Sie tref-
noch kein Ergebnis.
fen jedoch nur den Sohn von Frau K. an. Diesem teilen

38 Frau M. wendet sich im Oktober mit einem die Beamten mit, er solle sie sofort informieren, wenn
Hilferuf an ZARA. Seit einiger Zeit wird die Herr S. wieder zu Hause wäre. Etwa eine Stunde spä-
Geschäftsgrundlage des Lokals ihres afrikanischen ter ist die ganze Familie in der Wohnung. Der Sohn in-
Mannes im 2. Wiener Gemeindebezirk durch regelmä- formiert wie beauftragt die Polizei, dass Herr S. und
ßige Polizeikontrollen zerstört. die ganze Familie nun zuhause seien. Kurze Zeit später
stürmen abermals WEGA-Beamte die Wohnung. Den
Die Chronologie: anwesenden Personen werden Waffen gegen den
Kopf gehalten, die Beamten zerstören während der
13.10.05: Das Lokal wird von 15 WEGA-Beamten ge- zweiten Aktion Glastüren und verschiedene Gegen-
stürmt. Sie suchen angeblich nach einem „Schwarzen“ stände, die ihnen „im Weg stehen“. Der Familie wird
wegen eines Drogendeliktes. Das Lokal wird kom- gesagt, dass Herrn S. ein Gewalttäter und Drogende-
plett verwüstet. Unter anderem werden mehrere Tü- aler sei. Herr S. kommt in Untersuchungshaft. Gleich
ren komplett zerstört und die Entlüftung beschädigt. nach dem Vorfall wendet sich Frau K. an ZARA, um
Ein Gast wird mitgenommen, der Grund ist unklar. den Vorfall dokumentieren zu lassen, und an einen
Als Herr M. sein Lokal betritt, wollen ihm die Beam- Anwalt, der ihren Freund vertritt. Nach acht Monaten
ten Handschellen anlegen. Nachdem Herr M. sie auf- Untersuchungshaft kommt Herr S. schließlich frei. Er
klärt, dass das Lokal ihm gehört und gegen ihn nichts wird von allen ihm angelasteten Punkten freigespro-
vorliegt, sehen die Beamten davon ab. Bei einem der chen. Sein Anwalt kümmert sich nun um die Haftent-
afrikanischen Gäste finden die Beamten 7.700 €. Laut schädigung.

22

zara 05 umbruch 13-3.indd 22 16.03.2006 13:30:06 Uhr


Sonstige Behörden und öffentliche Institutionen

Sonstige Behörden und


öffentliche Institutionen

Die „öffentliche Hand“ begleitet uns durch unzählige aus der Schule nehmen.“ Frau R. schließt sich mit an-
Lebensbereiche. Zumeist ist diese Hand schützend deren Eltern zusammen. Sie wollen sich an den Stadt-
und unterstützend für uns tätig: etwa in Schulen, im schulrat wenden, um die Konflikte in der Klasse zu lö-
öffentlichen Verkehr, Ämtern und Krankenhäusern. sen. Sollte sich keine Lösung finden lassen, will Frau R.
Im folgenden Kapitel finden sich Fälle, in denen Men- ihre Tochter in eine andere Schule geben. Leider mel-
schen von ebendiesen öffentlichen Institutionen det sich Frau R. in Folge nicht mehr bei ZARA.
oder deren MitarbeiterInnen keinen Schutz erfahren
haben, sondern diskriminiert wurden; durch rassisti-
sche Äußerungen oder diskriminierende Praktiken.
Die öffentliche Verwaltung steht unter einem stren-
41 Frau E. schickt ZARA ein E-Mail und leitet
eine Beschwerde weiter, die ihr Mann wegen
eines Vorfalles im AMS verfasst hat. Herr E., er kommt
gen Gleichbehandlungsgebot, das in der österreichi- aus Ägypten, wird von einer AMS-Mitarbeiterin äu-
schen Bundesverfassung abgesichert ist. Zudem legt ßerst unfreundlich behandelt und letztlich unerledig-
das novellierte Bundes-Gleichbehandlungsgesetz ter Dinge aus dem Zimmer geworfen. Er protestiert
fest, dass jede Diskriminierung durch Verwaltungsbe- und besteht darauf, dass man sich seines Problems
dienstete eine Verletzung der Dienstpflicht bedeutet. annimmt. Die AMS-Mitarbeiterin ruft stattdessen die
Verwaltungsbehörden sind daher besonders aufgeru- Polizei. 4 Beamte erscheinen, reden Herrn E. mit „Du“
fen, die Sensibilität und das Verständnis ihrer Bediens- an, sagen zu ihm beleidigende Sätze wie: „Geh zurück
teten zu erhöhen, um ungerechtfertigte Benachteili- heim, und bleib dort, beim Nil“ und „Wir werden Dir
gungen oder Beleidigungen und Belästigungen, die zeigen, wie es in Österreich ist.“ Schließlich nehmen
auf rassistischen Vorurteilen beruhen, zu verhindern. sie ihn fest und legen ihm Handschellen an. Im Aufzug
Positiv ist anzumerken, dass Interventionen von ZARA bekommt er von den Polizisten Schläge auf Rücken
bei öffentlichen Institutionen durchwegs fruchtbrin- und Kopf. Dann bringt man ihn ins Bezirkskommissa-
gend sind, sodass viele Vorfälle aufgeklärt und zur Zu- riat und nach einer Untersuchung durch den Amtsarzt
friedenheit der unmittelbar Betroffenen gelöst wer- ins Krankenhaus.
den konnten. Detaillierte rechtliche Informationen zu Herr E. berichtet bei einem persönlichen Bera-
diesem Bereich sind im Rassismus Report 2004 unter tungsgespräch bei ZARA, dass er zu einem Polizei-
dem Absatz „1. Verfassungsgesetzliche Grundlage“, juristen in der Bundespolizeidirektion Wien geladen
auf Seite 63-64 zu finden oder unter http://www.zara. wurde. Im Gespräch mit einem Beamten wird ihm an-
or.at/materialien/rechtliches/ nachzulesen. Zuständig geboten, dass er, wenn er keine Anzeige gegen die
für diesen Bereich ist zudem der Volksanwalt Dr. Pe- Polizisten erstatten und 36 € an Verwaltungsstrafe
ter Kostelka. Nähere Information hierzu siehe unter bezahlen würde, nicht mit einer Strafanzeige zu rech-
www.volksanw.gv.at. nen hätte. Herr E. erstattet daraufhin keine Anzeige,
schickt aber eine schriftliche Beschwerde an das AMS

40 Frau R.s Tochter geht in die dritte Klasse einer


Schule im 16. Bezirk. Frau R. und ihre Tochter
kommen aus Afrika. Die Tochter wird in der Schule ras-
und die Bundespolizeidirektion Wien. Aufgrund die-
ser werden Ermittlungen gegen die Beamten einge-
leitet. Herr E. hat nun doch ein Verfahren wegen ver-
sistisch gemobbt und mehrmals tätlich angegriffen. suchten Widerstands gegen die Staatsgewalt laufen.
Der Haupttäter ist ein österreichischer Klassenkollege, ZARA empfiehlt Herrn E. einen Anwalt und begleitet
der schon einige Schulwechsel hinter sich hat. Frau R. ihn zur Gerichtsverhandlung am Landesgericht für
beschwert sich mehrfach, dass ihre Tochter mit blauen Strafsachen. Herr E. beschreibt die Szene im AMS.
Flecken und Bisswunden nach Hause kommt. Erst als Dann kommt es zur Aussage von zwei Mitarbeitern
auch eine österreichische Mutter aktiv wird, ergreift des AMS. Diese schildern übereinstimmend, dass sie
die Schulleitung Maßnahmen und suspendiert den keine Schlagversuche oder gezielte Tritte von Herrn
problematischen Schüler vorübergehend. Bei einer E. gegen die Beamten und somit keine aktive Wider-
Elternkonferenz soll versucht werden, eine Lösung zu standshandlung gesehen hätten. Sie sagen aus, Herr
finden. ZARA kann Frau R. zwar nicht begleiten, bietet E. hätte lediglich passiven Widerstand geleistete. Der
aber für den Fall eines nicht akzeptierbaren Lösungs- dritte Zeuge ist der Polizeibeamte, der die Anzeige ge-
vorschlages von der Direktion weitere Hilfe an. Die Be- gen Herrn E. verfasst hat. Er wird zunächst vom Richter
sprechung endet leider unbefriedigend für Frau R. Der darauf aufmerksam gemacht, dass er sich der Aussa-
Direktor meint, „jeder, dem‘s nicht passt, soll sein Kind ge entschlagen könne, falls er sich sonst selbst belas-

23

zara 05 umbruch 13-3.indd 23 16.03.2006 13:30:06 Uhr


Sonstige Behörden und öffentliche Institutionen

te. Sichtlich nervös schildert der Beamte den Vorfall. Rassismus Report 2004, Fall 126). Die Prüfungen wer-
Seine Angaben bleiben sehr vage. Auf seine schriftli- den u.a. von MitarbeiterInnen der Fachgruppe für Per-
che Anzeige und die detaillierten Angaben angespro- sonenbeförderung der zuständigen Länderkammer
chen, bestätigt er nur, was ihm vorgelesen wird. Auf abgenommen. Frau B. ist sehr bemüht diesen Fall auf-
Fragen des Richters verstrickt er sich jedoch in Wider- zuklären. Sie organisiert ein Gespräch zwischen den
sprüche. Nach ihm sagen die beiden anderen an der Zuständigen in der Wirtschaftskammer und ZARA-
Amtshandlung beteiligten Beamten aus. Auch diese MitarbeiterInnen. Der Melder konnte unter der ver-
beiden können den Richter nicht überzeugen, da sie fügbaren E-Mail Adresse leider nicht mehr erreicht
in ihren Aussagen nicht klar sind. Herr E. wird freige- werden, das Gespräch aber entwickelt sich gut. Disku-
sprochen. Der Richter deutet an, dass der Beamte, der tiert wird der Prüfungsablauf und Probleme können
die Anzeige verfasst hat, aufgrund fälschlicher Mel- aufgezeigt werden. Von einem Mitarbeiter der Fach-
dungslegung ein Verfahren zu erwarten habe. gruppe wird festgehalten, dass noch im Jahr 2005 die
mündlichen Prüfungen in schriftliche Prüfungen um-

42 Eine aufmerksame Leserin macht ZARA auf


einen Bericht mit dem Namen „Betrugsbe-
kämpfung aktiv und offensiv“ aufmerksam, der vom
gestellt werden sollen, wodurch zumindest teilweise
den Vorwürfen des Melders in Zukunft der Boden ge-
nommen werden kann. Am Ende des Gesprächs eini-
Bundesministerium für Finanzen herausgegeben wird. gen sich die Anwesenden in zukünftigen Beschwer-
Zu finden ist die Broschüre unter: https://www.bmf. defällen auf eine engere Zusammenarbeit zwischen
gv.at/Publikationen/Downloads/BerichteBilanzen/ MelderInnen, ZARA und der WKÖ.
Betrug2003.pdf. Auf Seite 9 des Berichts heißt es un-
ter dem Titel „Illegale Arbeitsverhältnisse“: „Schwarz-
arbeiter am Werk; ‚billige’ Arbeitskräfte aus dem Osten
ohne arbeitsrechtliche Genehmigung und Absiche-
44 Das Forum gegen Antisemitismus meldet
folgenden Vorfall: SportlerInnen des jüdi-
schen Vereins S.C. Hakoah trainieren in den Sportan-
rung stehlen legalen Arbeitswilligen den Arbeits- lagen des Wiener Brigittenauer Gymnasium. An ei-
platz. Keine Abgaben, keine Sozialbeiträge. Manche nem Tag im Juni kommt es zu Streitereien zwischen
werden zu echten ‚Sozialschmarotzern’“. An anderer dem Schulwart und einigen Spielern der Hakoah. Der
Stelle spricht der Bericht von „getürkten LKW-Ladun- Schulwart lässt seinen Ressentiments freien Lauf und
gen“. ZARA schreibt einen Brief an den Verfasser und sagt: „Ihr seid so wie die Nigger in Amerika.“
Herausgeber der Broschüre, in welchem auf die pro- ZARA und das Forum gegen Antisemitismus ver-
blematischen Formulierungen aufmerksam gemacht fassen einen Beschwerdebrief an den Direktor der
und um Stellungnahme gebeten wird. Bis Redaktions- Schule. Dieser führt ein Gespräch mit dem Schulwart.
schluss ist keine Antwort eingelangt. Der Schulwart bedauert, und meint, dass seine Aussa-
ge scheinbar missverstanden wurde. Er mokiert sich
Fall 43
Good Practice 43 Frau B., eine Mitarbeiterin der Wirtschafts-
kammer Österreich (WKÖ), stößt beim Lesen
des Rassismus Report 2004 auf einen Fall, der Taxilen-
auch darüber, „dass jede Kritik am Verhalten Einzelner
sofort als rassistisch bzw. antisemitisch interpretiert
wird“. Er entschuldigt sich aber beim Obmann der Ha-
kerprüfungen betrifft. Gemeldet wurden damals dis- koah. ZARA hält in einem E-Mail an den Direktor noch-
kriminierende Prüfungsmethoden gegenüber Kan- mals fest, dass die Aussagen des Schulwarts eindeutig
didatInnen nicht österreichischer Herkunft (siehe waren und nicht missverstanden werden konnten.

Markus Omufuma - Informationsbroschüre


In dieser Broschüre findest du Informationen zu Marcus Omufuma, dem
marcus omufuma

rassitischen Alltag in Österreich und der Asylgesetzgebung. Weiters: eine


Dokumentation der rassistischen Beschmierungen des Marcus Omufuma
Gedenksteins. Kostenlos zu bestellen auf unserer Homepage.

Suspect
Das Suspect ist die Zeitung der GAJ-Wien und erscheint 4 mal im Jahr. Jeden Dienstag ab 18:30 GAJ-
Wir versuchen damit eine Alternative zum gesellschaftlichen Mainstream Wien Plenum in der Lindengasse
zu bieten, das Abo ist ebenfalls kostenlos auf unserer Homepage zu 40, 1070 Wien, Tel: 01/52125242
bestellen. info@gajwien.at
www.gajwien.at

24

zara 05 umbruch 13-3.indd 24 16.03.2006 13:30:06 Uhr


Arbeit

Arbeit
Rassistische Diskriminierung in der Arbeitswelt ist tigung geworden ist. Herr E. bereitet zu Redaktions-
spätestens seit dem In-Kraft-Treten des novellierten schluss eine Klage an das zuständige Arbeitsgericht
Gleichbehandlungsgesetzes im Juni 2004 in Öster- vor, in welcher er angemessenen Schadenersatz ein-
reich explizit verboten. Das Verbot der Diskriminie- fordern wird. Dabei wird er von ZARA, dem Klagsver-
rung betrifft folgende Bereiche: Stellenausschreibung, band zur Durchsetzung der Rechte von Diskriminie-
Ein- oder Anstellung, Entlohnung, Verwendung, den rungsopfern (www.klagsverband.at) und der Wiener
beruflichen Aufstieg und die Aus- und Weiterbildung, Arbeiterkammer unterstützt.
die Arbeitsbedingungen, Kündigungen oder Entlas-
sungen. Wie die Fälle in diesem Kapitel zeigen, ist die
Realität noch weit von dem Ideal einer diskriminie-
rungsfreien Arbeitswelt entfernt. Die weit verbreitete
46 Herr D. kommt aus Nigeria und ist auf Arbeits-
suche. Er will sich als Reinigungskraft bei der
Firma S., ansässig in Wien, die im Kurier eine freie Stel-
Praxis der explizit diskriminierenden Stellenausschrei- le inseriert hat, bewerben. Zunächst ruft er an und er-
bung und rassistischer Einstellungsdiskriminierung ist kundigt sich, ob er vorbeikommen soll und weist dar-
immer noch eine massive Hürde für die Angehörigen auf hin, dass er acht Jahre Berufserfahrung habe. Er
insbesondere der so genannten „sichtbaren Minder- wird zu einem Gespräch eingeladen. Es warten schon
heiten“. Im Jahr 2005 wurden ZARA 77 Fälle von diskri- mehrere Personen vor dem Zimmer. Bald ist er an der
minierenden Inseraten gemeldet. In allen Fällen wur- Reihe und wird aufgerufen. Als die Angestellte ihn
de Anzeige erstattet. Nach wie vor werden Kriterien sieht, sagt sie zu ihm: „Sie müssen nicht hereinkom-
wie Hautfarbe oder Akzent von ArbeitgeberInnen he- men. Wegen ihrer Hautfarbe kann ich sie nicht neh-
rangezogen, um StellenbewerberInnen abzulehnen. men, weil unsere Kunden keine Schwarzen wollen“.
Aber selbst wer den Sprung in ein Arbeitsverhältnis Er geht nach Hause und erzählt das Erlebnis seiner
geschafft hat, ist nicht vor weiterer Diskriminierung Freundin. Diese ruft bei der Firma an und spricht mit
oder Belästigung mit rassistischem Hintergrund ge- der Angestellten. Sie bestätigt ihr die Aussage. Auch
feit. Rassistisches Mobbing von KollegInnen oder Vor- nach ausdrücklichem Hinweis auf das neue Gleichbe-
gesetzten kann die Arbeit zur „Hölle“ und Betroffene handlungsgesetz zeigt sie sich nicht beeindruckt. Sie
krank machen. ZARA hat in diesem Jahr etliche Men- kenne das Gleichbehandlungsgesetz, aber sie bleibe
schen auf dem mühsamen Weg begleitet, das Recht, bei ihrer Aussage. Die Freundin wendet sich daraufhin
das ihnen auf dem Papier zukommt, auch einzufor- an ZARA und schildert den Vorfall. Leider will Herr D.
dern. Dieser Schritt erfordert Mut und Durchhaltever- nichts gegen die Firma tun. Er ruft bei ZARA an und
mögen von den Betroffenen. Viele Menschen geben erklärt, dass er schon lange in Österreich lebe, doch
aufgrund der prozessuralen Hürden, aus Angst vor ei- seine Situation würde sich ohnehin niemals ändern.
nem Jobverlust oder einfach weil sie resignieren, auf. Er ist mutlos. Dies ändert sich auch nicht nach einem
Sie wollen ihren Fall nur dokumentiert wissen, aber langen Gespräch mit einer ZARA-Mitarbeiterin.
nicht weiter gegen die diskriminierende Behandlung
vorgehen. Weiterhin sind Betreuungsorganisationen
und nicht zuletzt auch die Justiz gefordert, durch kon-
sequentes Handeln den Weg vom Recht-„Haben“ zum
47 Herr A. kommt aus Gambia. Er beginnt im
April 2005 über die Leiharbeiterfirma als Zim-
merreinigungskraft im Hotel am Flughafen Schwe-
Recht-„Bekommen“ möglichst kurz und direkt zu hal- chat zu arbeiten. Es wird ihm mitgeteilt, dass man ihn
ten. Detaillierte rechtliche Informationen zu diesem geringfügig beschäftigen würde, wenn er den An-
Bereich sind im Rassismus Report 2004 unter dem Ab- forderungen entspräche. Nach zwei Tagen ruft seine
satz „I. Die neue Gleichbehandlungsgesetzgebung“, Ehefrau im Hotel an und erkundigt sich nach der An-
S. 58-63 oder unter http://www.zara.or.at/materialien/ meldung. Eine Mitarbeiterin der Leiharbeiterfirma re-
rechtliches/ zu finden. agiert sehr unfreundlich auf ihre Nachfrage. Sie teilt
Frau A. mit, dass ihr Mann noch nicht fix aufgenom-

45 Im Fall 121 aus dem Rassismus Report 2004,


in welchem Herr E., jordanischer Staatsbür-
ger, an seinem Arbeitsplatz in einer Speditionsfirma
men wurde. Außerdem beschuldigt sie ihn, sich an
nicht für ihn vorgesehenen Orten aufzuhalten und
während der Pausen zu rauchen. Beide Anschuldi-
rassistisch diskriminiert wurde, gibt es eine rechtliche gungen sind frei erfunden. Für eine Woche Arbeit mit
Entscheidung. Herr E. war arbeitsrechtlich schlechter insgesamt 42,5 Stunden erhält Herr A. schließlich
gestellt als seine österreichischen KollegInnen, wur- 54,76 € von der Leiharbeiterfirma. Herr A. beendet
de von diesen als „Kameltreiber“ oder „Araberarsch“ das Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung. Bei ei-
beschimpft, gemobbt und schließlich so sehr ge- nem persönlichen Beratungsgespräch berichtet Herr
schlagen, dass er im Krankenhaus landete. Die Gleich- A. ZARA, dass seine KollegInnen fast ausschließlich
behandlungskommission hat nun im Februar 2006 schlecht über ihre Arbeitsrechte informierte Migran-
festgestellt, dass Herr E. Opfer von massiver Beläs- tInnen waren. ZARA begleitet Herrn A. an einem der

25

zara 05 umbruch 13-3.indd 25 16.03.2006 13:30:07 Uhr


Arbeit

darauf folgenden Tage zur Arbeiterkammer. Dort ver- und holt zum Schlag aus. Die anderen zwei Männer
fasst man einen Forderungsbrief an die Leiharbeiter- kommen dazu und schlagen und treten Herrn K. Er
firma. Inhalt des Briefes ist es, eine Nachzahlung der kann sich nur schlecht wehren und ruft nach der Po-
kollektivvertraglich festgelegten Entlohnung von lizei. Diese kommt schließlich, greift ein und nimmt
275 €, für die von Herrn A. geleistete Arbeit, zu ver- die Aggressoren mit auf die Wachstube. Herr K. wird
langen. Einige Wochen später geben Frau und Herr A. mit dem Rettungswagen in ein Unfallkrankenhaus
bekannt, dass die Firma das restliche Gehalt nachge- gebracht. Zwei Tage nach dem Vorfall kommt er mit
zahlt hat. Das Ehepaar bedankt sich und lässt wissen, einem befreundeten Ehepaar zu ZARA. Die Verletzun-
dass es die Adresse der ZARA-Beratungsstelle bereits gen in seinem Gesicht sind noch deutlich sichtbar.
an viele Bekannte weitergegeben hat. ZARA dokumentiert und begleitet Herrn K., der von
einem Anwalt der Taxifirma vertreten wird, durch den

48 Frau S. kommt von den Philippinen und ist


Krankenschwester. Zu ihrer Arbeit gehört es
auch den Intimbereich von PatientInnen zu waschen.
Prozess. Nur einer der drei Täter wird verurteilt und
muss Schadenersatz zahlen. Die anderen bleiben frei.
Herr K. hört auf, als Taxifahrer zu arbeiten. Er befindet
Der Sohn einer Patientin besucht seine kranke Mut- sich nun in einem Ausbildungsprogramm des AMS.
ter regelmäßig im Spital. Als Frau S. bei einem dieser

50
Besuche allein mit diesem Sohn im Zimmer ist, sagt Ein anerkannter Flüchtling aus der Demo-
er zu ihr, sie möge ihn in seine Wohnung begleiten kratischen Republik Kongo ist auf Arbeits-
und mit ihm dasselbe machen wie mit seiner Mutter. suche. Er bewirbt sich bei einer mobilen Heimhilfe,
Kurze Zeit später kommt eine zweite Krankenschwes- welche SeniorInnen betreut. Dort wird er abgelehnt,
ter ins Zimmer und bittet den Sohn, bei nächster Gele- weil, wie ihm mitgeteilt wird: „Schwarze von unseren
genheit ein Duschgel für seine Mutter mitzubringen. Klienten abgelehnt werden“. Bei einer anderen Firma,
Frau S. ergänzt, die Mutter würde auch Wattestäb-
einer Hilfsorganisation für Flüchtlinge, bewirbt er sich
chen benötigen. Herr V. sagt darauf, wütend, er werde
als „Abwäscher“ und bittet diesmal eine Bekannte für
sicher keine Wattestäbchen bringen, schließlich be-
ihn anzurufen. Sie bekommt zu hören, dass der Chef
zahle er genug für den Aufenthalt seiner Mutter. Au-
Schwarze nicht nimmt. Er bewirbt sich in einem Gast-
ßerdem soll Frau S. wieder in ihre Heimat gehen, dort
haus im neunten Wiener Gemeindebezirk. Seine Be-
würde man gar nicht wissen, was Wattestäbchen sind.
werbung samt Foto bekommt er mit dem Kommen-
Zusätzlich beschimpft er sie als Hure. Frau S. ist fas-
tar „Nicht geeignet“ zurückgeschickt. Seine Bekannte
sungslos und geht aus dem Zimmer, entschließt sich
wendet sich an ZARA, er will jedoch nichts dagegen
aber nochmals ins Zimmer zurückzukehren, um ihm
unternehmen, deshalb wird der Fall lediglich doku-
mitzuteilen, dass sie nicht mehr mit ihm spreche und
mentiert.
dass er primitiv sei. Frau S. wendet sich an ZARA, da sie
zwar von ihren Arbeitskolleginnen Unterstützung er-
fährt, aber von ihren Vorgesetzten Herrn V. gegenüber
im Stich gelassen wird. Ebenso holt sie Rat von einem
51 Herr F., seit 2003 anerkannter Konventions-
flüchtling aus Tschetschenien, bewirbt sich
bei einer Baufirma als Maurer. Nach Überprüfung sei-
Anwalt ein. Erst im Zuge des weiteren Geschehens er-
ner Bewerbungsunterlagen soll er eingestellt wer-
klären sich ihre Vorgesetzten bereit, sie umfassend zu
unterstützen. ZARA dokumentiert den Fall. den. Kurze Zeit später ruft seine Flüchtlingsbetreue-
rin von der Hilfsorganisation, die Herrn F. unterstützt,

49 Herr K. aus dem Iran ist Taxifahrer. Im März beim Chef der Baufirma an, um nachzufragen, wann
steht er mit seinem Wagen am Standplatz er anfangen solle. Sie wird auf später vertröstet. Sie
Hietzinger Hauptplatz. Gegen Mitternacht kommt ein ruft deshalb immer wieder an und fragt nach. Der Ar-
Ehepaar auf seinen Wagen zu. Während er das Fenster beitsbeginn wird so über vier Monate verzögert, bis
herunterkurbelt, reißt die Frau die Autotüre auf und Herr F. endlich zu arbeiten anfangen darf. Herr F. ist
fordert Herrn K. auf, ein zweites Taxi zu rufen, da sie genau 2 Tage und 9 Stunden auf der Baustelle. Er ist
sechs Personen wären. Herr K. meint, er würde das zuständig den Müll wegzuräumen. Am Ende des 3. Ta-
gerne tun, sofern sie auf dieses warten und in der Zwi- ges teilt ihm der Polier mit, er müsse nicht mehr kom-
schenzeit nicht ein anderes nehmen. „Rufst du uns ein men, da auf dieser Baustelle nur Österreicher arbeiten
Taxi oder nicht?“, schreit ihn daraufhin der Mann an. würden. Tags darauf ruft die Betreuerin den Chef an.
Herr K. steigt aus und versucht es ihm nochmals ruhig Dieser teilt ihr ebenfalls mit, dass Herr F. nicht mehr
zu erklären. Inzwischen kommen die anderen vier Per- kommen solle. Seine Begründung gegenüber der Be-
sonen zum Taxistand. Einer der neu Dazugekomme- treuerin ist aber, Herr F. hätte nicht gut gearbeitet. Die
nen schreit Herrn K. an: „Geh scheißn, du Tschusch!“ Flüchtlingsbetreuerin wendet sich an ZARA. Sie kennt
und skandiert weitere rassistische und fremdenfeind- Herrn F. als sehr ordentlichen, verlässlichen und ehr-
liche Parolen. Herr. K. weist die Beleidigungen zurück lichen Mann. Herr F. will auch nach Aufklärung über
und erklärt, er würde keine Personen befördern, die seine rechtlichen Möglichkeiten nichts unternehmen,
ihn beschimpfen. Der Mann packt Herrn K. am Arm ZARA dokumentiert den Fall.

26

zara 05 umbruch 13-3.indd 26 16.03.2006 13:30:07 Uhr


Wohnen

Wohnen

Ein adäquater Wohnraum ist, wie die Versorgung mit


Wasser und Nahrung, ein Grundbedürfnis jedes Men-
schen. Daher ist der Zugang zu Wohnraum auch einer
52 Frau P. sendet ZARA ein E-Mail. Sie berichtet
von einem nigerianischen Freund, der mit
seiner Familie in einer Wohnsiedlung bei Villach lebt.
jener Bereiche, der, durch europarechtliche Vorschrif- Er ist zum Ziel von rassistischen Beschimpfungen sei-
ten abgesichert, frei von rassistischer Diskriminierung ner NachbarInnen geworden. Darüber hinaus schlos-
sein soll. Die Realität sieht anders aus: VermieterInnen sen sich die NachbarInnen zusammen, um einen An-
lehnen Personen weiterhin aufgrund ihrer Herkunft trag bei der Wohnungsgenossenschaft zu stellen, der
ab, WohnungsvermittlerInnen bestehen darauf, ras- die Kündigung der Familie zum Ziel hatte. Der ange-
sistische Wünsche („nur InländerInnen“) ihrer Auftrag- gebene Grund für die Ablehnung der nigerianischen
geberInnen umsetzen zu dürfen. Im Jahr 2005 wurden Familie ist der vermeintliche Lärm, den die Kinder ver-
ZARA 3 diskriminierende Inserate gemeldet, gegen ursachen. Einige Zeit später wird von der Wohnungs-
die Anzeige erstattet wurde. Wie bei allen ZARA-Zah- genossenschaft tatsächlich ein Kündigungsverfah-
len, hängt die Höhe nur von den Meldungen in der ren am Bezirksgericht Villach eingeleitet. Die Familie
Beratungsstelle ab. Die tatsächliche Anzahl solcher In- verliert den Prozess und muss die Wohnung räumen.
serate ist wesentlich höher, wie ein Blick in den Anzei- ZARA steht mit rechtlichem Rat zur Seite, kann aber
genteil österreichischer Zeitungen zeigt. aufgrund des rechtskräftig beendeten Verfahrens den
Einige WohnungsanbieterInnen bedienen mit Verlust der Wohnung nicht mehr verhindern. Frau P.
überteuerten Substandard-Wohnungen explizit den unterstützt die Familie ihres Freundes nun bei der Su-
Markt der „AusländerInnen“. Der Immobilienmarkt ist che nach einer neuen Wohnung in einer weniger ras-
somit von massiven Zugangsbeschränkungen, die auf sistischen Nachbarschaft.
dem Rassismus der Besitzenden beruhen, geprägt.
Doch selbst wer eine Wohnung gefunden hat, wird
dort rassistischen Anfeindungen durch NachbarInnen
oder die Hausverwaltungen ausgesetzt. All das beein-
53 Im Juni erfährt ZARA aus den Nachrichten
von einem tödlichen rassistischen Übergriff.
„Kurz vor Mitternacht reißen zwei Schüsse die Be-
trächtigt die Lebensqualität von MigrantInnen oder wohner des Gemeindebaus in der Tautenhayngas-
Angehörigen von „sichtbaren Minderheiten“. Gerade se in Wien-Fünfhaus aus dem Schlaf. Im Hof liegt ein
die Allgegenwärtigkeit, die Alltäglichkeit und die im 33-jähriger Serbe mit einem Bauchschuss. Eine Zeu-
wörtlichen Sinn „Nachbarschaft“ des Rassismus macht gin verständigt noch die Rettung, wenig später erliegt
ihn in diesem Feld so zermürbend und gefährlich. Die das Opfer aber seinen schweren Verletzungen.
neue Gesetzeslage bietet eine rechtliche Handhabe Der mutmaßliche Täter, ein 65-jähriger Pensionist
gegen viele dieser Formen von Diskriminierung. ZARA wird wenig später von der Polizei festgenommen. In
hat in etlichen Fällen interveniert, auf eine gütliche, seiner Wohnung finden die Beamten auch die Tat-
einvernehmliche Lösung hingearbeitet und letztlich waffe. Wie Zeugen berichten, haben der Pensionist
auch die gerichtliche Durchsetzung des Anspruchs und der Serbe, die Stiege an Stiege gewohnt haben,
auf Nichtdiskriminierung begleitet. Das Gleichbe- seit Wochen gestritten. Der Pensionist habe in diesen
handlungsgesetz sieht als Sanktion bei derartigen Streitgesprächen meist ging es um die Kinder des Ser-
Diskriminierungsfällen vor, dass den Diskriminierten ben und um Lärm nie aus seiner Ausländerfeindlich-
ein Anspruch auf angemessenen Schadenersatz zu- keit einen Hehl gemacht. ‚Vor allem, wenn er getrun-
steht. Dieser Schadenersatz gliedert sich in zwei Teile: ken hat’, berichtet ein geschockter Nachbar.
Zum einen soll jeglicher finanzielle Schaden vergütet Freitagnacht dürfte sich der Pensionist wieder
werden, zum anderen aber auch ein angemessener durch den Lärm im Hof gestört gefühlt haben. Er
und abschreckender Betrag für die mit der Diskrimi- stürmte in den Hof, es kam zu einem lauten Streitge-
nierung einhergehende Verletzung der Würde der be- spräch, dann fielen zwei Schüsse...“
troffenen Menschen bezahlt werden. Zu Redaktions- www.wien-heute.at am 18.06.2005
schluss waren noch keine derartigen Verfahren vor Herr L. hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Frau
Gericht abgeschlossen, sodass noch nicht über deren L. kommt im Juli mit ihrer Tochter zu ZARA und er-
Ausgang berichtet werden kann. Detaillierte rechtli- zählt von der Tat. Der Täter Helmuth M. sitzt in Unter-
che Informationen zu diesem Bereich sind im Rassis- suchungshaft. Die Ehefrau des Täters, die immer noch
mus Report 2004 unter dem Absatz „b) Ausnahmen die Nachbarin der Familie des Opfers ist, schimpft
vom Gebot der Gleichbehandlung“, Seite 62 zu finden trotz der Tat ihres Mannes weiterhin auf die Ange-
oder unter http://www.zara.or.at/materialien/rechtli- hörigen. Immer wieder bekommen Frau L. und ihre
ches/ nachzulesen. Kinder Sachen zu hören wie: „Dreckige Tschuschen“

27

zara 05 umbruch 13-3.indd 27 16.03.2006 13:30:07 Uhr


Wohnen

oder „Mein Mann war gescheit, dass er ihn gleich ganz Handlungsmöglichkeiten auf. Frau C. bedankt sich für
umgebracht hat.“ Als Frau L. mit Hilfe anderer Mitbe- das informative E-Mail, will jedoch nichts unterneh-
wohnerInnen eine Gedenkstätte für ihren Mann im men, da sie schon so oft in dieser Situation war. Sie
Hof installiert, protestiert Frau M., sie werde diese ka- sei nicht davon überzeugt, dass sich die Lage ändern
putt machen. Sie sagt u.a.: „Für dieses Arschloch zün- würde. Das wichtigste für sie sei, eine Wohnung zu fin-
dest du auch noch Kerzen an.“ Frau L. befürchtet, dass den. Situationen, wie die oben beschriebene, will sie
Frau M., die wie ihr gewalttätiger Mann einen Waffen- lieber schnell vergessen.
schein besitzt, ebenso zu einem Übergriff fähig sein
könnte. Wiener Wohnen bietet der Familie des Opfers
eine Ersatzwohnung an. Frau L. möchte jedoch nicht
ausziehen, da sie viel Unterstützung durch die ande-
56 Herr Ö. wohnt schon seit 8 Jahren in einer
Wohnung im 10. Wiener Gemeindebezirk.
Im Jahr 2000 ist seine Frau aus der Türkei zu ihm ge-
ren NachbarInnen erfährt. ZARA wendet sich für Fa- zogen. Ein Jahr später bekommt das Ehepaar Kinder.
milie L. an das Büro des Wiener Wohnbaustadtrates, Ab diesem Zeitpunkt entstehen Probleme mit einer
um eine Lösung der für die Hinterbliebenen unerträg- Nachbarin. In den Streitereien geht es hauptsächlich
lichen Situation zu finden. Wiener Wohnen überzeugt um Ruhestörung und die Lärmempfindlichkeit der
schließlich Frau M., das Angebot einer Ersatzwohnung Nachbarin. Den Unmut über den Lärm, den Kinder na-
in einem anderen Gemeindebau anzunehmen. Im De- turgemäß verursachen, äußert die Nachbarin jedoch
zember 2005 beobachtet ZARA den Prozess gegen in ausländerfeindlichen Parolen. Die Familie wird von
den Täter Helmuth M. Seine Verteidigung ist darauf der Frau als „Scheiß Tschuschen“ oder „Scheiß Auslän-
aufgebaut, dass er sich aufgrund seiner starken Alko- der“ beschimpft, sie sollen wieder nach Hause in die
holisierung kaum mehr an die Tat erinnern könne. Der Türkei, denn hier müsse man sich an Regeln halten.
Schuss hätte sich nur versehentlich aus seiner Waffe Herr Ö. wendet sich an ZARA und möchte den Fall do-
gelöst. Die Geschworenen befinden Herrn M. nicht kumentiert wissen. Zur Konfliktlösung hat er sich be-
des Mordes, sondern lediglich der schweren Körper- reits an die Hausverwaltung und Gebietsbetreuung
verletzung mit Todesfolge schuldig. Herr M. wird zu gewandt. Der Konflikt kann durch Gespräche mit der
6 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Rassismus als Er- Nachbarin zwar nicht gelöst, aber dennoch in Bahnen
schwerungsgrund findet bei der Verurteilung keine gelenkt werden, die ein Nebeneinanderleben mög-
Berücksichtigung. lich machen.

54 Frau L. ist ägyptischer Herkunft und mel-


det ZARA folgenden Vorfall. Sie ist auf Woh-
nungssuche und besichtigt eine im Kurier inserierte
57 Dr. C., italienischer Staatsbürger, hat in Itali-
en studiert und ist nach 7 Jahren Aufenthalt
in Deutschland vor kurzem nach Österreich gezogen.
Wohnung. Als sie dort ankommt, wird sie vom an- Er ist Bioinformatiker. Im August 2005 begibt sich Dr. C.
wesenden Vermieter nicht beachtet. Auch als sie ihm nachmittags zu einer Innsbrucker Immobilienfirma.
eine Frage stellt, ignoriert er sie. Am Ende des Besich- Er interessiert sich für eine 3-Zimmer-Wohnung in ei-
tigungstermins meint er zu ihr: „Ich vermiete nicht an nem Neubau in der Innsbrucker Tiergartenstraße. In
Ausländer, ich wohne ja selbst in dem Haus!“ Frau L. der betreffenden Anzeige steht, dass diese Wohnung
wird von ZARA über die rechtlichen Möglichkeiten nur an „seriöse“ Mieter mit „guter Bonität“ vermietet
aufgeklärt, sie will jedoch den Fall nur dokumentiert wird. Der Mietzins beträgt monatlich 880 €. Als Dr. C.
wissen. im Büro der Immobilienfirma ankommt, ist zunächst
nur eine Mitarbeiterin da, die auf seine Frage, ob die

55 Frau C., serbischer Herkunft, ist auf Woh-


nungssuche. Sie geht zu einem vereinbar-
ten Besichtigungstermin in einem Zinnshaus im 12.
besagte Wohnung noch zu haben sei, mit Ja antwor-
tet. Kurze Zeit später betritt der Eigentümer des Im-
mobilienbüros, Herr U., den Raum. Seine Mitarbeiterin
Wiener Gemeindebezirk. Es sind mehrere Interessen- erklärt ihm, dass Dr. C. sich für jene Wohnung inter-
tInnen dort. Ein älterer Mann kommt auf sie zu und essiere. Dr. C. fragt, ob eine Besichtigung möglich sei.
fragt sie, ob sie zum Besichtigungstermin gekommen Herr U. antwortet darauf nicht, sondern stellt Dr. C. die
wäre, was sie bejaht. Dann will der Mann wissen, wo- Frage, woher er denn komme. Dr. C. sagt, dass er Itali-
her sie denn käme. Sie fragt hierauf, was für eine Rol- ener sei, worauf Herr U. meint: „Nein, diese Wohnung
le das spielen würde. Da wird der Mann wütend und ist nur für Inländer.“ Nach dieser Aussage verlässt
herrscht sie an: „Sie müssen sofort mein Haus verlas- Dr. C. mit der Bemerkung, dass dies völliger Unsinn
sen! Ich will keine Ausländer in meinem Haus haben.“ sei, entrüstet das Büro. ZARA bringt einen Antrag bei
Frau C. und ein paar andere InteressentInnen gehen. der Gleichbehandlungskommission gegen den Eigen-
Vor dem Haus erzählt ihr ein Mann, dass er bereits tümer des Immobilienbüros ein. Das Verfahren läuft
vor zwei Tagen bei einer Wohnungsbesichtigung im noch. In einer ersten Stellungnahme meint Herr U.,
12. Bezirk war und dass dort derselbe Mann genau- dass er diese diskriminierende Aussage niemals getä-
so agiert habe. Frau C. schildert diesen Vorfall ZARA tigt habe, sondern die betreffende Wohnung zu die-
in einem E-Mail. ZARA klärt sie über ihre rechtlichen sem Zeitpunkt schon vergeben war.

28

zara 05 umbruch 13-3.indd 28 16.03.2006 13:30:07 Uhr


Wohnen

58 Frau S. kündigt Ende Juni 2005 ihren Miet-


vertrag bei der Wohnheim Verwaltungsge-
sellschaft m.b.H. (WV-Ges.m.b.H.). Sie schlägt vor, bei
aus den USA kommt. Die ältere Mitarbeitern meint:
„In den USA gibt es sicher Menschen mit weißer und
schwarzer Hautfarbe. Welche Hautfarbe haben denn
der Suche nach einem/einer NachmieterIn behilflich Sie?“ Frau D. antwortet, dass sie weiß sei. Die Mitarbei-
zu sein. Ein Mitarbeiter der WV-Ges.m.b.H. nimmt terin des Immobilienbüros bietet ihr nun doch einen
das Angebot an, fügt aber hinzu: „Es darf aber kein Besichtigungstermin für die Wohnung an. Frau D. und
Schwarzer sein ... wissen‘s eh, das entspricht nicht un- ihr Mann sind sich nicht sicher, ob sie diesen Termin
seren Grundsätzen.“ tatsächlich wahrnehmen sollen, gehen aber hin, da sie
Frau S. findet diesen Nachsatz mehr als merkwür- neugierig sind. Zum Treffen kommt die ältere Makle-
dig angesichts folgender Passage aus dem Heimben- rin, die ganz freundlich ist. Frau D. und ihr Mann neh-
ützungsvertrag der WV-Ges.m.b.H.: „II.2. Der Heim- men die Wohnung nicht. Stattdessen kommen sie ins
benützungsvertrag kann bei Vorliegen wichtiger ZARA-Büro und erzählen einer Mitarbeiterin das Er-
Gründe von der Heimleitung mit sofortiger Wirkung lebte. Diese verfasst mit dem Einverständnis von Frau
fristlos vorzeitig aufgelöst werden. Als solche gelten D. und ihrem Mann einen Brief an das Immobilienbü-
insbesondere: ...Verletzung der religiösen und/oder ro mit der Bitte um Stellungnahme. Die Geschäftsfüh-
moralischen Interessen des Heimes (z.B. durch antise- rerin des Büros ruft bei ZARA an und erklärt, dass ihr
mitische, antiisraelische oder sonstige rassistische Äu- bewusst wäre, dass ihr Handeln nicht rechtmäßig sei,
ßerungen oder Verhaltensweisen)“. aber sie ihr Geschäft schließen müsste, würde sie ge-
ZARA wendet sich an die WV-Ges.m.b.H. und er- setzmäßig handeln. 80% der EigentümerInnen, die
sucht um Aufklärung. Eine Mitarbeiterin der WV-Ges. ihre Wohnungen vermieten wollen, fordern: keine In-
m.b.H. sagt am Telefon, es müsse sich bei dem Vorfall
der, Japaner, Schwarze oder dergleichen. Sie könne
um ein Missverständnis gehandelt haben, gleichzei-
ihre Praxis nicht ändern. Frau D. und ZARA erstatten
tig berichtet sie aber von Problemen mit „schwarzen“
Anzeige nach dem EGVG.
MieterInnen und betont, dass es auch mit „Schwar-
zen“ aus den USA Probleme gegeben hätte. Zusätz-
lich erhält ZARA aber eine schriftliche Stellungnahme,
in der versichert wird, dass man mit dem betreffenden
60 Frau J. und ihr Mann, beide polnischer Her-
kunft, wollen in einer Kleingartenanlage ein
Grundstück pachten. Sie besprechen mit dem Ob-
Mitarbeiter gesprochen hat und ihn wegen seiner ras-
mann des Kleingartenvereins und mit einem Notar
sistischen Aussage ermahnt hat. Die Geschäftsleitung
die notwendigen Punkte. Es wird ein Termin zur Ver-
spricht ihr Bedauern aus und verspricht sich hinkünf-
tragsunterzeichnung vereinbart. Das Ehepaar infor-
tig an das Gleichbehandlungsgesetz zu halten.
miert sich in der Zwischenzeit bei der Bank über Fi-
nanzierungsmöglichkeiten und bekommt von einem
59 Frau D. und ihr Mann sind auf Wohnungs-
suche. Auf www.immobilien.net finden sie
eine Wohnung. Frau D. ruft das zuständige Immobi-
Freund ein Fertigteilhaus für das Grundstück angebo-
ten. Am ausgemachten Tag ruft Frau J. beim Obmann
lienbüro an und erkundigt sich nach der inserierten des Vereins an, um den Termin zu bestätigen. Am Te-
Wohnung. Eine Mitarbeiterin des Immobilienbüros, lefon teilt ihr dieser mit, dass sie nicht vorbeikommen
die den Anruf entgegennimmt, teilt Frau D. mit, dass soll, er habe mit den Mitgliedern des Vereins gespro-
die Wohnung bereits vergeben sei. Frau D. hört, wie chen und der Vertrag könne doch nicht abgeschlos-
sich die Mitarbeiterin im Hintergrund mit einer an- sen werden. Auf die Frage nach dem Grund, erwidert
deren Person unterhält, dann meldet sie sich wieder der Obmann: „Na ja, sagen wir mal so, weil sie Auslän-
und meint, Frau D. solle doch im Büro vorbeikommen. der sind. Sie machen dann immer Party.“ Frau J. wen-
Frau D. wundert sich, da die Wohnung schon verge- det sich an ZARA und lässt sich über mögliche recht-
ben sei. Die Mitarbeiterin sagt, sie solle trotzdem kom- liche Schritte beraten. Sie will zunächst mit Hilfe von
men, da sie noch andere ähnliche Wohnungen im An- ZARA einen Brief an den Obmann schreiben und ihn
gebot hätten. Und wieder hört Frau D., wie sich die über das neue Gleichbehandlungsgesetz in Kenntnis
Mitarbeiterin einer anderen Person zuwendet. Nach setzen. Im Antwortschreiben dementiert der Obmann
kurzer Zeit meldet sich die andere Person, der Stim- seine Aussage. Frau J. will es nicht auf sich beruhen
me nach eine ältere Dame, am Telefon. Sie entschul- lassen und möchte den Grund für das Nichtzustande-
digt sich für ihre Kollegin, die neu im Geschäft wäre. kommen des Vertragsabschlusses von ihm erfahren.
Sie erklärt Frau D., dass die Kollegin einen Akzent ge- ZARA verfasst auf Wunsch von Frau J. einen weite-
hört hätte und nicht wüsste, welchem Land ihr Akzent ren Brief an den Obmann, der jedoch unbeantwor-
zuzuordnen wäre. An Schwarze, Japaner und Schwe- tet bleibt. Nach mehrmaligen erfolglosen Versuchen,
den würden sie nicht vermieten, da sie mit diesen im- Frau J. zu kontaktieren, unternimmt ZARA keine wei-
mer Probleme hätten. Frau D. gibt bekannt, dass sie teren Schritte und dokumentiert den Vorfall.

29

zara 05 umbruch 13-3.indd 29 16.03.2006 13:30:07 Uhr


Rassismus als Reaktion auf Anti-Rassismus-Arbeit

Rassismus als Reaktion auf


Anti-Rassismus-Arbeit
Die in diesem Kapitel dargestellten Vorfälle geben österreicher müßen für den Abschaum auch noch zig
einen unzensierten Einblick in die negativen, hasser- Milliarden zahelen
füllten Reaktionen, auf die antirassistische Arbeit in das ist unterdrückung ausbeutung un rassismus“
Österreich stößt. Meist im unmittelbaren zeitlichen
Zusammenhang mit öffentlichkeitswirksamen anti- und
rassistischen Aktionen oder Medienberichten hagelt
es regelrecht Anrufe, E-Mails, Postings und Briefe, die „Vorname: andi
Hass, Neid, Wut und Wahn zum Inhalt haben. Diese Nachname: mailat prokorny
Manifestationen des Rassismus scheinen zuweilen E-Mail: gehts.scheissen@zara.at
die These zu bestätigen, dass Rassismus nicht nur die Tel.: 133
Opfer, sondern ebenso die Träger der Ressentiments Wann: gestern
krank macht. Die MitarbeiterInnen der ZARA-Bera- Wo: kindergarten
tungsstelle versuchen immer wieder, mit schimpfen- Wer: alle Kinder
den und drohenden AnruferInnen in ein konstruktives
Gespräch einzutreten, jedoch mit höchst geringem Alle haben 10 kleine Negerlein gesungen
Erfolg. Offenbar ist es das vorrangige Ziel dieser Men- .... einer hatte Aids da warens nur mehr neun...... einer
schen, ihre zumeist einfältigen und falschen Bilder war eindrogenneger... dawarens nur mehr acht.... ei-
von der Welt hinauszuschreien und zu schimpfen. Sie ner war ein Vergewaltiger....dar warens nur mehr sie-
verwenden dazu platte, dumpfe und oft auch het- ben .... einer kam in die Schubhaft....da warens nur
zerische Parolen, bei denen ein Merkmal ins Auge mehr sex....einer war ein randalier.... da warens nur
springt: Besonders „beliebt“ scheint die Annahme zu mehr fünf einer war ein Mörder da warens nur mehr 4
sein, die Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft wä- $ grausliche Neger sind immer noch frei... Einer schlug
ren existenziell gefährdet, gegenüber MigrantInnen einen Postler nieder , da warens nur mehr drei.
unterprivilegiert und hilflos deren willkürlichen Atta- .... einer hat sich selbst erhängt da warens nur mehr
cken ausgeliefert. Diese Umkehrung der Täter-Opfer- zwei... einer schluckte alle seine Drogen da blieb nur
Rollen scheint der Motor ihres Eifers zu sein. Die hier ein Neger mehr der Neger, hatte Heimweh und haute
abgedruckten Beispiele von rassistischen Hasstiraden ab nach Afrika.
sollen nicht ein Forum für diese sein, sondern einfach So das schöne Ende der Geschichte
belegen: Auch das ist ein Teil der Realität in diesem Wenn nur im Wirklichen Leben man auch die Neger
Land. so schnell Losbekommen könnte WEG MIT DER NE-
GERBRUT!!!“

61 Ein Mann sendet im Juni 2005 folgendes


E-Mail an ZARA:
63 Ein Mann sendet über das Kontaktformular
der ZARA-Homepage folgendes E-Mail:
„YUGOS UND TÜRKEN RUNTER VON DER WELT! ALLE!
Das fordert die zivilisierte Menschheit.“ „schmeist die Türkenbrut und die Kaffern aus Östreich
raus, sperrts euren untestützungsbedürftigen Laden

62 Im Juni 2006 erhält ZARA von einem Inter-


net-Terminal aus der Bibliothek der Wirt-
schafts-Universität Wien (WU) mehrere rassistische
zu und gehts was anständiges arbeiten.
Ein - um Österreich - besorgter Österreicher“

E-Mails. Da die Zahl der E-Mails stetig ansteigt, infor-


miert ZARA die technische Abteilung der WU. Erfreuli-
cherweise kümmert sich diese sehr rasch um das Pro-
64 „lini tanti“ sendet über das Kontaktformular
der ZARA-Homepage Folgendes:

blem und forscht den Täter aus. Die Universität erteilt „es ist gut, das man seine meinung zu den
dem Mann Hausverbot. rasssistischen verbrechen durch die tschuschen und
Zwei Beispiele: neeger abgeben kann mehrere Morde durch neger
und ander tschuschen zeigt das die Verbrechensrate
„millionen von Tschuschen negern bei den tschuschen und negern 10 - 20- mal so hoch
die haben unser Land überfallen ist als bei den oesterreichern. deshalb ist es richtig das
und zu einen Verbrecherstadl gemacht pack gar nicht herreinzulassen und von denen die hier
Tschuschen morden rauben vergewaltigen sind mindesten ein drittel wieder abschieben
und am ärgsten sind die grauslichen Neger uns kostet diese vertschuschung jedes jahr 5 - 10 Mil-

30

zara 05 umbruch 13-3.indd 30 16.03.2006 13:30:08 Uhr


Rassismus als Reaktion auf Anti-Rassismus-Arbeit

liarden Euros der grossteil der oesterreicher hat ge- ist das nur für ein Name, schleich dich dorthin woher
nug von der verbrecherischen vetschuschungspolitik du gekommen bist und arbeite mal was, nicht nur
drum neger raus tschuschen raus“ Steuergeld verschwenden und unrechtmäßig den
Österreichern vorenthalten, und die österreichischen

65 Herr G. V. jun. sendet im November ein E-Mail


unter seinem Namen:
Pensionisten können verrecken!!
Es lebe die FPÖ, und auf das ihr keine Subventionen
mehr bekommt!! Ich hoffe PROKOP verschärft das
„Ihr seid einfach nur peinlich! Gebt Drogennegern eine Asylrecht, und führt die Schubhaft wieder ein, und
Plattform, verabscheut alles österreichische!!!!Pfui, Ich verbietet euren VErein, der eine Schande für das gan-
spucke auf solche Nestbeschmutzer!!!!!! Mein Groß- ze Land ist.
vater war bei der SS (unfreiwillig!), er würde sich im PS: Todesstrafe für die schwarzen Drogendealer, weil
Grabe umdrehen. Ihr seid eine Schande für diesen sie töten auch unsere jugend!!!“
Staat!!!!“

66 Am 10. November 2005 langt folgendes


handschriftlich verfasste Fax im ZARA-Büro
68 Im Februar 2005 sendet „Mike Jager“ ein
E-Mail an ZARA:

ein: „ich bin von einen wilden neger überfallen worden,


jetzt habe ich angst das ich aids bekomme die neger
„Warum Türkenfut habenja fast alle aids man sollte sie alle einsperren ne-
stinken tut ger sollten nach afrika abgeschoben werden“
weil sie sich nicht
waschen tut
Als das Hirn verteilt wurde
standen die grünen + Anhänger blöd herum.
Als Scheiße verteilt wurde
waren sie ganz vorne
damit sie viel abbekamen“

69 Folgendes E-Mail erreicht ZARA über das


Kontaktformular der ZARA-Homepage.

„Vorname: sir
Nachname: österreicher
Wann: gestern
Wo: österreich
Wer: 10000 afrikanische affen die affen haben öster-

67 Über das Kontaktformular der ZARA-Home-


page wird ein E-Mail geschickt:
reich überfallen die wilden affen bringen österreicher
um ,vergewaltigen,stehlen und sind einfach grauslich
darum schiken wir die affen zurük nach afrika wehret
„Anrede: Herr der überfremdung überfremdung vernegerung sind
Titel: Führer verbrechen“
Vorname: Adolf
Nachname: Hitler
E-Mail: adi@hitler.de
Straße: 13 Vogelgasse
70 Ebenfalls über das Kontaktformular der
ZARA-Homepage kommt Folgendes:

PLZ/Ort: Berchtesgaden 1 „Vorname: ugauga


Kommentar: Der Führer wird kommen und euch alle Nachname: neger
holen! Wann: seit jahren
Wo: österreichweit
die STrafe bekommt ihr eh jetzt, Ihr seid nämlich plei- Wer: tausende neger
te HAHAHAHAH, ihr Österrreich Hasser, ihr Österreich
Vernaderer ihr Nestbeschmutzer, ihr falschen Leute, die negerplage ist ausgebrochen diese grauslichen
die auf Kosten der Steuerzahler kriminellen Auslän- neger
dern und illegalen Asylanten finanzieren wollt, küm- überfallen österrreich und ziehen eine spur des ver-
mert euch doch mal um die Österreicher, HIKMET was brechens

31

zara 05 umbruch 13-3.indd 31 16.03.2006 13:30:08 Uhr


Rassismus als Reaktion auf Anti-Rassismus-Arbeit

neger töten, morden und vergewaltigen......“ vorherrschende Verdummung, kriminalisieren. Wir


werden weiterhin nicht zulassen das Neger, Tschu-

71 Im Februar 2005 sendet „neger erwin“ über


das Kontaktformular:
schen und andere gewisse Kanaken sich hier in Öster-
reich wohl füllen können und ihre Verbrechen unge-
straft begehen können Affen gehören nach Afrika und
„Vorname: neger Neger sind nun mal eine Art von Affen Tschuschen
Nachname: erwin und die anderen Kanaken haben in Österreich nichts
E-Mail: polize@ju.de verloren Tschuschen raus Neger raus und die gewis-
Tel.: 122 senVerbecherbande auch raus Zara verrecke!!“

ich brauche einen kundigen rat wie kriegt man die


ganzen grauslichen tschuschen und kanaken wieder
aus wien raus darf man das verbrechergesindel ein-
73
E-Mail:
Abermals über das Kontaktformular der
ZARA-Homepage erhält ZARA folgendes

fach abknallen? oder kann man sie auf die reichsbrü-


cke stellen und ihnen einen tritt geben so das siein die „Vorname: bruno
donau fliegen und von der donau kommt das meiste Nachname: kreisky
ausländische gesindel leicht wieder nach hause tschu- Wann: immer
schen und slawen sin bald zu hause türkenpack muß Wo: österreichweit
durchs schwarze meer die neger haben einen weite- Wer: Neger 10 000de Neger
ren weg sie müssen durch das mittelmeer aber das ist
eh gut wenigsten können sie in der zeit keine verbre- Die grauslichen Neger überfluten unser Land Dieses
chen begehen“ Negerpack gehört abgeschoben und Leute wie Ihr
die sich für dieseverbrecher den Negern stark machen

72 Im Jänner 2005 erhält ZARA-Obmann Dieter


Schindlauer Folgendes per E-Mail:
gehören eingesperrt! Neger raus Tschuschen raus und
Zara auflösen“

„From: „james last“ last729@...


To: dieter.schindlauer@zara.or.at
Subject: Ihr grauslichen HETZER
74 Im März 2005 sendet „neger pfui“ über das
Kontaktformular an ZARA folgenden Text:

„Neger Tschuschen kanaken raus aus europa“


Zara ist eine grausliche Hetzerbande Menschen mit
Zivilcourage, die sich gegen die vertschuschung
wehren die sich gegen die ausländischenverbrecher-
banden stellen werden von diese Scheißverein Zara
75 Ebenfalls im März 2005 und über das Kon-
taktformular sendet „uga uga“ an ZARA:

angegriffen und verfolgt. Zara bedient sich Gestapo- „scheiß neger raus
Methoden hetzt die Polizei aufGewissenhafte Bürger aus österreich
Zara und Sie als einer der Oberhetzer und die zara verbrecher ab nach afrika zu ihren neger-
will Menschen, die Widerstand bieten gegen die freunden“

ServiceTel:
01/401 20-0
mail@oebv.com
www.oebv.com

Gedanken über
die Zukunft?
Sicherheit ist immer relativ. Umso wichtiger ist es, für alle Fälle vorzusorgen.
Sichern Sie Ihre Familie und alles was Ihnen sonst noch wichtig ist, zu besonders
günstigen Konditionen ab. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit sind wir
der traditionelle Partner für den öffentlichen Dienst – aber auch alle Privaten können
unser Allround-Angebot nutzen.
„Alles aus einer Hand“ – von Mensch zu Mensch!

Mit der ÖBV durchs Leben

32

zara 05 umbruch 13-3.indd 32 16.03.2006 13:30:09 Uhr


Kommentare anderer Organisationen

Kommentare anderer Organisationen

Zielsetzung von ZARA ist „die Förderung der Zivil- genseitigen Informations- und Erfahrungsaustausch
courage und einer rassismusfreien österreichischen soll ein etwaiges Gegen- und Nebeneinanderarbeiten
Gesellschaft, die Bekämpfung von allen Formen des so gut wie möglich ausgeschlossen werden.“
Rassismus, die Förderung der rechtlichen und tatsäch- Der Rassismus Report bietet jedes Jahr eine Mög-
lichen Gleichstellung aller Menschen in Österreich un- lichkeit, auch andere Standpunkte als jene von ZARA
abhängig von Hautfarbe, Sprache, Aussehen, Religi- publik zu machen. Wir haben einzelne Organisationen
onszugehörigkeit, Staatsbürgerschaft oder Herkunft.“ gebeten, einen kurzen Erfahrungsbericht bzw. Exper-
In dem ZARA-Leitbild findet sich auch ein Grundsatz, tInnenkommentar über ihren Kontakt mit Opfern und
der besagt, dass es wichtig ist, Allianzen zu bilden und ZeugInnen rassistischer Vorkommnisse und ihren Um-
aktive Vernetzungsarbeit mit VertreterInnengruppen gang mit Informationen, die Rassismus im Jahr 2005
zu betreiben. Unter www.zara.or.at ist weiters zu lesen: betreffen, zu verfassen. Die folgenden Organisationen
„Das Wissen von unmittelbar von Rassismus betroffe- haben Beiträge geschickt und liefern eine wertvolle
nen Menschen ist eine wichtige Ressource. Durch ge- Ergänzung zum Blickwinkel von ZARA.

Peregrina
Kommentar zum Rassismus Report 2005

Rassismus ist kein punktuelles, sondern ein andauern- nisse der MigrantInnen im Alltagsrassismus. So waren PEREGRINA
des Charakteristikum der Lebenssituation der Mehr- in Jobinseraten „deutsche Muttersprache“ oder „per- Bildungs-,
heitsangehörigen und MigrantInnen. Rassismus ist fekte Deutschkenntnisse“ als Voraussetzung für Reini- Beratungs-, und
alltäglich, allgegenwärtig, faktisch oder befürchtet. gungsjobs zu finden. Therapiezentrum für
Das heißt, auch wenn kein sichtbarer Grund zur An- Der Arbeitmarkt ist nach wie vor der Bereich, an Immigrantinnen
nahme einer Diskriminierung besteht, ist Rassismus dem die Folgen des strukturellen sowie alltäglichen Währingerstraße 59/
Stg. 6/1. Stock
im Spiel, wenn der/die Betroffene ihn erwartet und Rassismus am sichtbarsten sind. Von 380 Frauen 1090 Wien
befürchtet. Denken wir nur an den politischen Diskurs aus 52 Ländern, die 2005 die Bildungsberatung von T: (01) 408 33 52
(01) 408 61 19
über MigrantInnen im Jahr 2005 und dessen Wider- PEREGRINA in Anspruch genommen haben, waren F: (01) 408 04 16-13
hall in der Bevölkerung: 77 Prozent nicht erwerbstätig, das heißt, sie konnten information@peregrina.at
www.peregrina.at
Schon Anfang des Jahres wurde die Schuld an den am Arbeitsmarkt nicht Fuß fassen. Die Hälfte der Rat- Öffnungszeiten:
schlechten Ergebnissen der PISA-Studie MigrantIn- suchenden hatte auf Grund der restriktiven Zugangs- Mo – Do 8:30 –17:30 Uhr
nenkindern und deren Müttern zugeschoben. Die an- bestimmungen keinen oder nur einen erschwerten
gedachte Lösung war einfach: Zwangsdeutschkurse Zugang zum Arbeitsmarkt. Fast 70 Prozent der er-
für Mütter und Kinder! werbstätigen Frauen arbeiteten in einem Job, für den
Dem folgte die sich über das ganze Jahr hinzie- sie überqualifiziert waren.
hende Debatte über die Aufnahme der EU-Beitritts- Rassistische und sexistische Diskriminierung ge-
verhandlungen mit der Türkei, die mit rassistischen hen bei Migrantinnen Hand in Hand. Frauen, die in
Argumenten, ohne Rücksicht auf die in Österreich le- ihren Herkunftsländern zum Beispiel in technischen
benden MigrantInnen türkischer Herkunft und auf de- Berufen tätig waren, werden am österreichischen Ar-
ren Kosten geführt wurde. beitsmarkt in feminisierte (und ethnisierte) Jobs ge-
Und zuletzt sorgte der Wiener Wahlkampf dafür, drängt. So wurde einer Reisekauffrau aus Tibet mit
dass sich moslemische Frauen fürchten mussten, von langjähriger Berufserfahrung in einem Berufsorien-
selbst ernannten Frauenrechtlern (zwangs)befreit zu tierungskurs vom Arbeitsmarktservice (AMS) gera-
werden. Bei all diesen Beispielen richteten sich die Ag- ten, einen Pflegeberuf anzustreben. Als Asiatin könne
gressionen vornehmlich gegen Frauen. Vor allem flo- sie das sicher besser, hieß es als Argumentation beim
rierte der politische Diskurs über die Deutschkennt- AMS. Dabei wurden weder ihre für den Pflegeberuf

33

zara 05 umbruch 13-3.indd 33 16.03.2006 13:30:09 Uhr


Kommentare anderer Organisationen

fehlenden Qualifikationen noch ihr persönliches Inte- sich bei einem Reinigungsunternehmen als Raum-
resse berücksichtigt. Die Migration bedeutet für vie- pflegerin bewerben. In dem Moment, als sie das Büro
le Frauen in Bezug auf ihre berufliche Karriere einen betrat und „Guten Tag“ sagte, sprang die zuständige
Rückschritt in der Emanzipation. Firmenmitarbeiterin auf, machte mit ihren Händen
Ein anderer, aus Statistiken der Bildungsberatung eine zurückweisende Bewegung, als würde sie je-
von PEREGRINA ersichtlicher Aspekt ist, dass Frauen, mand überfallen, ging einige Schritte zurück und sag-
die als Erwachsene nach Österreich eingewandert te: „Bitte nicht, wir haben keine Arbeit für Schwarze;
sind, tendenziell ein höheres Ausbildungsniveau vor- die Schwarzen machen nur Probleme, sonst nichts,
weisen können als in Österreich aufgewachsene Mi- gehen sie weg!“
grantinnen der zweiten bzw. dritten Generation. Ein So ein Verhalten hinterlässt Verständnislosigkeit,
Indiz dafür, dass es um die Bildungschancen von Mig- Ratlosigkeit und Verzweiflung. Wir versuchen die Kli-
rantinnen nicht sehr gut bestellt ist? entin weiter zu betreuen und zu stärken, damit sie bei
Muslimische Frauen mit Kopftuch und schwarze der Arbeitssuche sowie im Alltag nicht die Kraft und
Frauen haben es am Arbeitsmarkt am schwierigsten. den Mut verliert.
Einerseits werden sie als Opfer ihrer männlichen An- Die Möglichkeit, im Rahmen des Gleichbehand-
gehörigen betrachtet, andererseits wird ihnen Rück- lungsgesetzes zu klagen, wird aus nachvollziehbaren
schrittlichkeit attestiert und jegliche Kompetenz ab- Gründen nicht in Anspruch genommen. Die finanzi-
gesprochen. Auf jeden Fall werden sie als Produkt ellen und psychischen Ressourcen, um eine Klage
ihrer „imaginierten“ Kultur gesehen und nicht als In- durchzuziehen, sind bei den meisten Migrantinnen
dividuum. nicht gegeben.
Zwei Beispiele aus dem Beratungsalltag verdeut-
lichen dies: Als eine Beraterin von PEREGRINA bei ei- Gamze Ongan – Obfrau von PEREGRINA
nem Ministeriumsbeamten wegen der Versicherung
für eine Asylwerberin aus der Demokratischen Repu- Die Zielsetzung von PEREGRINA besteht darin in erster
blik Kongo nachfragte und dabei erwähnte, dass sie Linie Migrantinnen sowie ihre Familien bei der Bewälti-
Ärztin sei, bekam sie zur Antwort: „Na, wahrscheinlich gung ihrer rechtlichen, psychischen und sprachlichen Le-
ist sie eine Krankenschwester.“ benssituation in Österreich zu unterstützen. PEREGRINA
Eine afrikanische Klientin von PEREGRINA wollte wurde 1984 als Non-Profitorganisation gegründet.

THARA
„Kein Platz für Zigeuner“ Diskriminierung gegen Roma und Sinti
in Österreich im Jahr 2005

Initiative Roma und Sinti gelten in der EU als häufigste Ziel- tentInnen an Wiener Schulen) haben den Vorurteilen
THARA Haus scheibe von Rassismus1, folgert die in Wien ansässige der Mehrheitsbevölkerung anscheinend noch nicht
EQUAL EP nEwC_ Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus genug entgegengewirkt. In einer Jahrhunderte wäh-
baselines und Fremdenfeindlichkeit (EUMC). renden Tradition wird das Wort „Zigeuner“ im Wiener
Volkshilfe Österreich Nicht nur in Anbetracht des diesjährigen Vorfalls Jargon stets für jemanden Hinterhältigen und Betrü-
Radetzkystraße 27/2/14
1030 Wien
auf einem Osttiroler Campingplatz, der mit einem gerischen verwendet.
T: 0676 83 402 287 Schild mit der Aufschrift „Kein Platz für Zigeuner“ für Gegen den allgemeinen Vorwurf der Diskriminie-
F: (01) 817 67 85
nadine.papai@volkshilfe.at
Aufsehen sorgte2, wird deutlich, dass auch in Öster- rung wird oft versucht, statistisch zu argumentieren.
nadine.papai@thara.at reich Roma und Sinti von direkter Diskriminierung Anhand der Volkszählungen soll ersichtlich sein, dass
www.thara.at
betroffen sind. Schon seit Längerem geplante oder nur wenige Roma und Sinti in Österreich leben und
auch umgesetzte Gegenmaßnahmen und der stei- daher minderheitenpolitische Forderungen, wie zum
gende Trend zur Förderung von Projekten zur Sensibi- Beispiel das Recht auf eigene Medien, in der Vergan-
lisierung gegen Rassismus (zum Beispiel Roma-Assis- genheit schwer zu verwirklichen waren. Noch 1991

34

zara 05 umbruch 13-3.indd 34 16.03.2006 13:30:11 Uhr


Kommentare anderer Organisationen

gaben nur 145 Personen an, Romanes (die Sprache oft nicht ernst genommen, wenn sie sich über Miss-
der Roma) zu sprechen, während sich bei der Volks- stände beschweren. So klagt eine slowakische Romni
zählung 2001 6.273 Menschen dazu bekannten3. Die über die Probleme ihrer Tochter in einer Mittelschu-
Tatsache, dass auch noch in dieser Statistik eine Un- le im 21. Wiener Gemeindebezirk, sie werde andau-
terrepräsentation gegeben ist, scheint oft vollkom- ernd „Tschusch oder Kanak“ beschimpft. Als sie dies
men außer Acht gelassen zu werden. ExpertInnen schließlich bei der Direktorin meldete, meinte diese,
meinen, viele Roma und Sinti bekennen sich nicht öf- sie habe zu viel zu tun und in ihrer Schule gäbe es
fentlich zu ihrer Minderheit oder geben die Mutter- überhaupt keinen Rassismus9. Um solchen Problemen
sprache ihrer ehemaligen Herkunftsländer an. Daher entgegenzuwirken versucht das Bildungsministerium
schwanken die Schätzungen für Österreich zwischen das Unterrichtsprinzip „Interkulturelles Lernen“10 um-
10.000 und 40.000 Roma und Sinti4. Der Umstand, zusetzen. Es ist geplant, zukünftig LehrerInnen auch
dass diese Gruppierung oft auch nicht explizit in zum die Möglichkeit zu geben sich weiterzubilden, um sich
Beispiel Wohnstatistiken erwähnt wird, führt zu einer bei ihrer Arbeit in interkulturellen Klassenräumen bes-
Verzerrung der Realität oder zu einem Informations- ser zurechtzufinden. Solch eine verpflichtende Qualifi-
defizit bei öffentlichen Stellen5. kation könnte zu einem Ansteigen der Motivation für
Roma und Sinti gelten als eine der ökonomisch die Sensibilisierung gegenüber der Kultur der Roma
benachteiligtsten Gruppen Österreichs6 und werden führen. Letztlich bleibt aber offen, ob der Wille zur Im-
vor allem Opfer struktureller Gewalt oder Diskrimi- plementierung und auch die unbedingt notwendige
nierung, sind also von ungleicher Verteilung von Ein- Verpflichtung vor allem der zuständigen Institutionen
kommen, Bildungschancen und Lebenserwartungen zu diesen Aktivitäten gegeben sein wird.
betroffen. Vor allem im Wohnungs- und Bildungsbe-
reich kommt es zur Diskriminierung von Roma oder 1
Fremdenfeindlichkeit in den EU Mitgliedstaaten: Trends, Entwick-
lungen und bewährte Praktiken Jahresbericht 2005 – Teil 2, erhältlich
allgemein von MigrantInnen. Als unmittelbare Folge unter: http://eumc.eu.int/eumc/material/pub/ar05/AR05_p2_DE.pdf,
der sozialen Benachteiligung wird auch der Eintritt in p. 21
den Arbeitsmarkt enorm erschwert. 2
Der Standard (31.08.2005) „Kein Platz für Zigeuner auf Osttiroler Cam-
pingplatz“
„Wir vermieten nicht an Zigeuner“8, hört man re-
3
Statistik Austria, Volkszählung 2001, Hauptergebnisse I Österreich, Ver-
gelmäßig bei der Suche nach Immobilien von den je- lag Österreich, Wien 2002, p. 73
weiligen VermieterInnen, die an „Ausländer“ oder aus- 4
Baumgartner Gerhard, 6 x Österreich – Geschichte und aktuelle Situa-
drücklich an „Zigeuner“ nicht vermieten wollen. So tion, Drava, Klagenfurt 1995 oder auch: http://www.gruene.at/10bl/
auto/info.html, (06.07.2005)
kommt es, dass vor allem immigrierte Roma in Woh-
5
Informationen aus Gesprächen mit RAXEN Focal Point für Österreich
nungen mit niedrigeren Standards leben, wie zum Dezember 2005
Beispiel den so genannten Hausmeisterwohnungen. 6
Informationen aus Gesprächen mit RAXEN Focal Point für Österreich
Meist leben Roma dort in einer großen Familienge- Dezember 2005
meinschaft. Zwar gibt es solche Wohnungen auch in 7
Johan Galtung, Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens- und Kon-
fliktforschung, Reinbeck bei Hamburg, 1975 oder auch: http://
den Wiener Gemeindebauten, diese Mietobjekte sind de.wikipedia.org/wiki/Strukturelle_Gewalt (6.12.2005)
jedoch für viele MigrantInnen in Folge ihrer nicht ös- 8
Aussage basierend auf einem am 16.12.2005 geführten anonymen
terreichischen Staatsbürgerschaft nur sehr schwer zu- Interview mit vier Roma (sowohl Männer und Frauen) und auch eige-
ner beruflicher Erfahrung
gänglich. Auch soziale Einrichtungen oder Program-
9
Interview geführt mit der Mutter des Kindes am 08.12.2005
me, wie die Vergabe von Notfallswohnungen durch
10
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (2003)
die Gemeinde Wien, sind wenig hilfreich, da sie ihrem Gesetzliche Grundlagen schulischer Maßnahmen für SchülerInnen mit
Namen aufgrund der langen Wartezeiten und stren- einer anderen Erstsprache als Deutsch, Gesetze und Verordnungen, In-
formationsblätter des Referats für interkulturelles Lernen Nr. 1/2003,
gen Richtlinien meist nicht gerecht werden. available at: http://www.bmbwk.gv.at/medienpool/6416/nr1_2003.
Ein generelles Verschließen der österreichischen pdf, (20.11.2005)
Gesellschaft nach außen spiegeln nicht zuletzt auch
die momentanen politischen Debatten und Hetzkam- THARA ist eine Initiative der Vereine kanonmedia, Roma-
pagnen gegen „Ausländer“, die auch bei den diesjäh- no Drom, Verein Alte Fleischerei - backbone, der Volkshil-
rigen Wiener Landtagswahlen präsent waren, wider. fe Österreich und der waff Programm Management
Diese gesellschaftspolitische Entwicklung zeigt ihre GmbH. THARA wird im Rahmen des Projekts nEwC_ba-
Auswirkungen unter anderem auch in der Schule. selines der EU-Gemeinschaftsinitiative EQUAL aus Mit-
Vor allem Roma-Kinder werden oft in Sonderschu- teln des Europäischen Sozialfonds und aus Mitteln des
len abgeschoben. Diese für Kinder mit psychischen Österreichischen Bundesministeriums für Wirtschaft
oder physischen Benachteiligungen eingerichteten und Arbeit gefördert. Strategische PartnerInnen sind die
Schulen werden oft als Alternative für Kinder mit Arbeiterkammer Wien, der Fonds Soziales Wien, das Lan-
Sprachschwierigkeiten gesehen. Aber Kinder erleiden desjugendreferat der Stadt Wien, der Wiener Arbeitneh-
in der Schule auch noch andere Formen der Diskrimi- merInnen Förderungsfonds und die Wirtschaftskammer
nierung aufgrund ihrer Herkunft und Eltern werden Wien.

35

zara 05 umbruch 13-3.indd 35 16.03.2006 13:30:12 Uhr


Kommentare anderer Organisationen

asylkoordination österreich
asylkoordination Das Jahr 2005 erlebte eine erneute Zuspitzung des Rassismus der PolitikerInnen auch in der Bevölkerung
österreich Rassismus gegen AsylwerberInnen. AsylwerberInnen zu verbreiten. Immer wieder kam es in Gemeinden, in
Laudongasse 52/9
sind dem durch den politischen und medialen Diskurs denen AsylwerberInnen einquartiert werden sollten,
1080 Wien konstruierten Rassismus ausgesetzt, der die jährlich zu – meist von rechten MandatarInnen geschürten –
T: (01) 53 21291
asylkoordination@asyl.at
etwa 30.000 AsylwerberInnen aus Dutzenden ver- Bürgerprotesten. Bei der Arbeit vor Ort bot sich uns
www.asyl.at schiedenen Ländern als einheitliche Gruppe betrach- dann allerdings oft ein gänzlich anderes Bild. Sobald
tet und mittels Zuschreibungen wie „Asylbetrüger“, die Flüchtlinge tatsächlich anwesend waren, fanden
„Scheinasylanten“ oder „Wirtschaftsflüchtlinge“ ab- sich zahlreiche Freiwillige, die den AsylwerberInnen
wertet. Wie bereits bei früheren Gelegenheiten, wenn mit Spenden und direkter Unterstützung halfen.
Regierungen gesetzliche Maßnahmen im Rahmen Dieser die Gesetzwerdung begleitende rassistische
der Asylpolitik legitimieren und durchsetzen wollten, Diskurs führt zu einer Zunahme des Alltagsrassismus.
wurde von der Regierung mit Unterstützung der Mas- Besonders stark litten Menschen in interkulturellen
senmedien ein Bild von Flüchtlingen konstruiert, das Partnerschaften unter der Hetze. Die massive Diskus-
diese Personengruppe als Bedrohung für die öffentli- sion um „Scheinehen“ führt dazu, dass vor allem Frau-
che Sicherheit oder den Arbeitsmarkt hinstellt. Diese en, die beabsichtigen einen afrikanischen Asylwerber
Art des rassistischen Diskurses wurde von Ruth Wodak zu heiraten, häufig rassistische und sexistische Bemer-
als „Racism at the Top“ bezeichnet. kungen zu hören bekommen. Manche Standesämter
Die Verschärfungen im österreichischen Asyl- und (besonders das Standesamt in Floridsdorf ) weigerten
Fremdenrecht wurden mit einem Missbrauchsdiskurs sich, Eheschließungen vorzunehmen, wenn die Asyl-
legitimiert, bei dem PolitikerInnen am rechten Rand, werberInnen nicht alle Papiere aus ihrem Herkunfts-
wie die Nationalratsabgeordnete Helene Partik-Pablé land vorweisen konnten. Immer wieder riefen bei uns
oder Heinz Strache, den Ton und die Linie vorgaben. verzweifelte Frauen an und berichteten über ihre Er-
Die SPÖ stimmte schließlich dem gesamten Frem- fahrungen.
denpaket im Parlament zu. Das immer wieder von Die neue Gesetzeslage ab 1. Jänner 2006 verschärft
den Regierungsparteien wiederholte Argument, wa- die Probleme von Ehegemeinschaften zwischen ös-
rum die Asylgesetze verschärft werden müssen, lau- terreichischen StaatsbürgerInnen und AsylwerberIn-
tete, dass AsylwerberInnen ihren Status „für Straftaten nen. War es bisher möglich, im Falle der Heirat mit
missbrauchen“ würden (Wilhelm Molterer in der De- eine/r/m österreichischen StaatsbürgerIn sofort ei-
batte um das Fremdenpaket im Parlament). Der Bou- nen Antrag auf Niederlassungsbewilligung im Inland
levard legte nach: Beliebtes Thema bei Krone und Co zu stellen, müssen die Flüchtlinge jetzt den Ausgang
sind afrikanische Drogendealer. des Asylverfahrens abwarten und bei negativem Aus-
Fast harmlos nimmt sich die Krone-Berichterstat- gang bei einer österreichischen Botschaft in ihrer Her-
tung neben den Meldungen der „Neuen Zeitung für kunftsregion eine Niederlassungsbewilligung bean-
Tirol“ aus. Dort wird ein anonymer Polizeibeamter tragen. Ansuchen, die 2005 noch in Österreich gestellt
zitiert, „dessen Nackenhaare sich sträuben, wenn er werden konnten, wurden teilweise seit dem Sommer
das Wort Marokkaner hört“. In dieser Tonart geht es nicht mehr bearbeitet und die Betroffenen von der
weiter. Es werden hierbei offensichtlich falsche Be- Fremdenpolizei über die Rechtslage nach dem 1. Jän-
hauptungen aufgestellt, wie zum Beispiel, dass straf- ner 2006 bewusst im Unklaren gelassen.
fällige AsylwerberInnen unter anderem Namen un-
bemerkt einen neuen Asylantrag stellen würden, was Die asylkoordination österreich arbeitet seit 1991 auf
allerdings wegen des Fingerprint-Systems EURODAC nationaler und internationaler Ebene. Vernetzung, Öf-
längst nicht mehr möglich ist. Das Fazit solcher Be- fentlichkeitsarbeit und Bildung sind die zentralen Auf-
richterstattung lautet: Marokkaner sind Drogendea- gaben der asylkoordination. Über 25 Vereine und mehr
ler, „nutzen die Schwächen des Asylgesetzes gnaden- als 300 Einzelpersonen sind heute Mitglieder der asyl-
los aus“ und sind hochgradig aggressiv. koordination. Fünf hauptamtliche MitarbeiterInnen sind
Diskussionen um die Unterbringung von Asylwer- in unserem Büro mit der Umsetzung der Vereinsziele be-
berInnen waren nicht nur in Kärnten ein Mittel den schäftigt.

36

zara 05 umbruch 13-3.indd 36 16.03.2006 13:30:12 Uhr


Kommentare anderer Organisationen

Forum gegen Antisemitismus


Auch im Jahr 2005 war eines der wichtigsten in der Das rechtsextreme Milieu verarbeitete das Jubi- Forum gegen
Öffentlichkeit präsenten Themen die Situation im Na- läumsjahr auf seine Weise. Immer wieder wurde in Antisemitismus
hen Osten. Im Rahmen der Auseinandersetzung mit einschlägigen Publikationen von der nur „angebli- Seitenstettengasse 4
diesem Thema wurde auch legitime Kritik an der Po- chen Befreiung“ 1945 gesprochen. Das Ende der Nazi- 1010 Wien
T: (01) 531 04-255
litik Israels geübt, teilweise aber wurde die Schwelle Herrschaft wird somit zur „totalen Niederlage“ umge- F: (01) 531 04-980
zum Antisemitismus überschritten. So zum Beispiel, münzt, wobei insinuiert wird, dass die Besatzung nach info@fga-wien.at
www.fga-wien.at
wenn Israel das Existenzrecht abgesprochen und Ter- 1945 um vieles schlimmer gewesen wäre als das Drit-
rorismus als legitime Form des Kampfes gegen Israel te Reich. Im Mittelpunkt der Erinnerung standen die
bezeichnet und als antiimperialistischer Kampf ver- so genannten „Kriegsverbrechen“ der Alliierten und
klärt wird. deren „Bombenholocaust“. Auch wird das derzeitige
Als Beispiel für diesen perfiden Antisemitismus sei Vorgehen der US-Truppen im Irak gerne als Vergleich
hier das im Pro Media Verlag erschienene Buch „Blu- zu damaligen Kriegshandlungen der Alliierten heran-
men aus Galiläa“ genannt, welches von Fritz Edlinger, gezogen.
Generalsekretär der Gesellschaft für Österreichisch- In besonders Besorgnis erregender Weise machte
Arabische Beziehungen, herausgegeben wurde. Der der Bund freier Jugend (BfJ), eine Vorfeldorganisati-
Autor des Buches, ein angeblicher Jude namens Israel on der Arbeitsgemeinschaft für demokratische Poli-
Shamir alias Jöran Jermas, wurde von Edlinger als die tik (AfP), auf sich aufmerksam. Nachdem Prof. Heinz
Stimme des „anderen Israel“ gepriesen, wobei sich das Mayer in einem Rechtsgutachten unter anderem fest-
Buch als ein Amalgam der übelsten antisemitischen stellte, dass beide Organisationen „massiv gegen die
Verschwörungstheorien und antisemitischen Stereo- Bestimmungen des Verbotsgesetzes verstoßen“, ver-
type herausstellte. Die Debatte über diese Hetzschrift äußerte der BfJ die Rechte an seiner Publikation „Ju-
führte letztlich dazu, dass sich Herausgeber Edlinger gend Echo“ an „rumänische Kameraden“ und organi-
gezwungen sah, sich von dem Werk zu distanzieren. siert deren Vertrieb nun von Spanien aus, um einem
Der Nahostkonflikt ist auch Nährboden für Rekru- möglichen Zugriff durch österreichische Behörden zu
tierungsbemühungen durch die islamistische Szene, entgehen. Wie gut die rechtsextreme Szene interna-
die laut dem aktuellen Verfassungsschutzbericht auch tional vernetzt ist, zeigte sich auch anläßlich eines im
in Österreich, hauptsächlich im Umfeld von bestimm- November von der FPÖ in Wien durchgeführten Tref-
ten radikalen Moscheen, stattfinden. Der Bericht stellt fens von rechtsextremen Parteien aus mehreren euro-
auch eine steigende Radikalisierung fest, welche eine päischen Ländern.
mittel- bis langfristige Bedrohung darstellt. Erfreuli-
cherweise versucht der offizielle Islam in Österreich Das Forum registrierte im Jahr 2005 insgesamt 143
dieser Entwicklung entgegenzuwirken und distanziert antisemitische Vorfälle:
sich eindeutig von so genannten „Hasspredigern“, die
diesen Sommer durch die Medienberichterstattung in 22 Beschimpfungen
den Blickpunkt der österreichischen Öffentlichkeit ge- 53 Beschmierungen
langt sind. 2 Drohanrufe
Das vergangene Jahr 2005 wird auch als so ge- 38 antisemitische Postings im Internet
nanntes „Gedankenjahr“ in die Geschichte eingehen. 4 Sachbeschädigungen
Nicht zuletzt war dieses Jahr von Erinnerung und 5 Schmähbriefe und -anrufe
Gedenken an das Ende des zweiten Weltkriegs, dem 1 tätlicher Übergriff
Ende der Besatzungszeit und der Befreiung der Kon- 1 Verbreitung antisemitischer Schriften
zentrationslager geprägt. Leider ließen sich mehrere 2 Drohbriefe
Ewiggestrige nicht davon abhalten, das vom offiziel-
len Österreich feierlich begangene Jubiläumsjahr mit Ein kurzer Auszug aus unseren Fällen
braunen Äußerungen zu schmücken. So lieferten die
Bundesräte Kampl (Wehrmachtsdeserteure als „Ka- Am 04.03.2005 wird, am Wartehäuschen klebend,
meradenmörder“, Bezeichung der Entnazifizierung als ein antisemitischer Hetzbrief bei der Station der Li-
„brutale Nazi-Verfolgung“) und Gudenus (mit seiner nie O „Landstraßer Hauptstraße“ gefunden. In diesem
mehrfachen Infragestellung des Holocaust) die bes- Brief ist die Rede vom „Verbrecher Peter Pilz und die
ten Argumente wider das von mehreren Seiten pro- MOSAD Hurra Freda Blaumeisner“ sowie der Natio-
pagierte „Vergessen“ der Nazi-Gräuel. nalratsabgeordneten Terezija Stoisits als „Zahyonisti-

37

zara 05 umbruch 13-3.indd 37 16.03.2006 13:30:12 Uhr


Kommentare anderer Organisationen

sche-CIA-MOSAD Hurra“. 5000 Jahren verfolgt und ‚gehasst’ werden, vielleicht


Am 10.05. befinden sich neben der Gegensprech- kommen sie irgendwann mal drauf, das sie selber
anlage eines Wohnhauses ein Hakenkreuz und der Schuld daran haben. Was Sie mit den Palästinensern
Schriftzug „Deutsche wehrt euch“. aufführen, grenzt an Massenmord.“ Später ergänzt
Am 14.05. werden verschiedene Beschmierungen, dieser „mich kotzt nur deren Selbstherrlichkeit an, die
darunter „88“ (Codezeichen unter Neonazis für „Heil Selbstverständlichkeit, wie sie sich Dinge nehmen, die
Hitler“ Anmerkung der Red.), „Sieg Heil“, Hakenkreuze Ihnen nicht gehören, räubern, morden, unschuldige
und SS-Runen im Bus 24A gemeldet. Menschen töten und im gleichen Atemzug über ‚Wie-
Am 20.06. wird die Schändung des Grabsteins von dergutmachung’ aus dem 2. Weltkrieg Unsummen an
Gustav und Henriette Löw entdeckt. Die Gräber wur- Geldern fordern!“
den mit einem weißen „J“ übermalt.
Am 06.10. wird gemeldet, dass ein Plakat der Grü- • Monitoring: Das Forum verfolgt die Aktivitäten von
nen zur Wien-Wahl vor der Hauptuni mit dem Schrift- extrem rechten und extrem linken Organisationen und
zug „Judensau“ versehen worden ist. islamistischen Extremisten, beobachtet die Entwicklun-
Am 09.05. fährt eine jüdische Frau im Taxi, als ihr der gen dieser Szenen vor allem in Österreich und den Nach-
Lenker sagt, dass die Juden an den Einbahnen schuld barländern und registriert antisemitische und antiisrae-
seien. Auf die Frage, wieso das so sei, antwortete der lische Vorfälle. Um all das zu ermöglichen, bezieht das
Taxilenker: „Weil so viele Juden im Rathaus sind“. Forum seine Informationen einerseits aus diversen öf-
Beim Basketballtraining der jüdischen Basketball- fentlichen Medien und ist andererseits auf Hinweise der
mannschaft Hakoah am 09.06. sagt der Schulwart der Bevölkerung angewiesen.
Schule, in der gespielt wurde, zu den Sportlern: „Ihr
seid schlimmer als die Nigger in den USA.“ • Information: Das Forum informiert die Mitglieder der
Kultusgemeinde im Rahmen eines monatlichen Artikels
Postings in der „Gemeinde“ und durch eigene Aussendungen und
Beiträge (z.B. Newsletter) über aktuelle Vorfälle in Öster-
Am 30.08. steht in einem Posting im Krone-Talksalon: reich und der Welt.
„Der 2. Weltkrieg ist eine Erfindung der Amerikaner“,
um vom „Bombenholocaust an der Deutschen Zivil- • Unterstützung: Das Forum dient als Anlaufstelle für
bevölkerung abzulenken.“ Personen, die antisemitische Vorfälle melden möchten
Am 01.09. befindet sich im Forum von kurier.at ein oder Belästigungen und Bedrohungen ausgesetzt sind.
Posting, in dem u.a. steht: „Gibst einem Juden/Israeli Es dokumentiert diese, unterstützt Betroffene durch per-
eine Watschn, bist ein Nazi oder zumindest ein Ras- sönlichen Kontakt, überlegt und setzt mit ihnen gemein-
sist!“ und „Warum ein Volk fast 2000 Jahre immer wie- sam Schritte und bietet gegebenenfalls juristische Erst-
der verfolgt wird ist schon sehr interessant!“ beratung.
Am 12.10. befinden sich im Forum vom xpserver.
de folgende Inhalte: „Jesus war’n Jude, ich steh auf Ju- • Kontakte: Das Forum steht mit anderen gegen
den, am liebsten gut durch, mit Zwiebeln, ich mach im Antisemitismus und Rassismus engagierten Organisati-
Vortrag, nächste woche gehen wir nach auschwitz“ onen und Personen in Kontakt, um Informationen aus-
Am 03.11. postet der User robsi1973 im Krone- zutauschen und gegebenenfalls gemeinsame Aktivitä-
Talksalon unter anderem „Komisch das die Juden seit ten zu setzen.

Helping Hands Graz/Anti-Rassismus-Hotline


HELPING HANDS In der Steiermark hat das vergangene Jahr wieder Besonders auffällig und im Ansteigen begriffen
GRAZ sehr unterschiedliche Diskriminierungsfälle zutage sind Fälle von Nachbarschaftsdiskriminierung. Zu-
Schlögelgasse 9/9
gebracht. Von Alltagsrassismus, wie Beschimpfungen dem wird mittlerweile bei Immobiliengesellschaften
8010 Graz auf der Straße, Handgreiflichkeiten, wie Runterreißen betont, dass EigentümerInnen keine „Fremden“ wol-
T: (0316) 873 5188
0699 11338402
des Kopftuches, bis hin zum institutionellen Rassis- len oder NachbarInnen sich durch „Ausländer“ gestört
F: (0316) 8731551 mus, wie Ablehnung aufgrund der ethnischen Zuge- fühlen. Dies wird, ohne mit der Wimper zu zucken,
www.helpinghands-graz.at
Ansprechperson:
hörigkeit und Hautfarbe bei der Wohnungs- und Ar- dargelegt. Man müsse ja einsehen, dass die „Auslän-
Daniela Grabovac beitssuche, bezeugen unsere Fälle die Bandbreite des der“ eine andere Kultur hätten, lauter und schmutzi-
diskriminierenden Wirkens. ger seien. Diese würden einfach nicht in die Gegend

38

zara 05 umbruch 13-3.indd 38 16.03.2006 13:30:13 Uhr


Kommentare anderer Organisationen

passen. Abs. 1 Z 4 GlBG ist im Gutachten der Gleichbehand-


Bei der Arbeitssuche werden MigrantInnen mit lungskommission als Diskriminierung anerkannt wor-
dunkler Hautfarbe sehr oft mit dem Hinweis „Neger den, da den Betroffenen aus rassistischen Gründen
nehmen wir nicht“ abgelehnt. Das Bewusstsein, dabei die Bedienung verweigert wurde. Zwei weitere Fälle
rassistisch zu agieren, fehlt. werden noch vor der Kommission verhandelt, sind je-
Jemanden aufgrund der Herkunft auszuschließen doch noch nicht entschieden worden. Zusätzlich mel-
und seinen Unmut laut kundzutun, wird als absolut le- deten wir den Gleichbehandlungsanwältinnen zwei
gitim empfunden. Fälle, die ebenfalls noch behandelt werden.
Aufgrund des Gleichbehandlungsgesetzes wur- Unsere Fälle vom Jahr 2005 können Sie auf der Ho-
de jedoch der Verhandlungsspielraum für unsere Tä- mepage www.helpinghands-graz.at nachlesen.
tigkeit als Anti-Diskriminierungseinrichtung erwei-
tert, um endlich mediativ wie auch rechtlich handeln Die Anti-Rassismus-Hotline von Helping Hands Graz
zu können und Opfern von Diskriminierungen eine wurde eingerichtet, um für die Betroffenen wie auch Zeu-
Handhabe dagegen zu geben. Drei Fälle, die von Hel- gInnen von Diskriminierungen zur Verfügung zu stehen
ping Hands Graz beraten wurden, sind bei der Gleich- und somit eine schnelle Beratung zu ermöglichen. Da-
behandlungskommission eingereicht worden. Ein Fall durch sind die MandantInnen an keine offiziellen Büro-
von Diskriminierung beim Zugang und bei der Versor- zeiten gebunden und werden sofort mit einer rechtskun-
gung mit Gütern und Dienstleistungen gemäß § 30 digen Person verbunden.

Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen


Wer so wenig politisch wahrgenommen wird wie die Wien“ oder „Kinder, die alles umrennen“, fehlen nicht, Initiative
FPÖ unter H.C. Strache in Wien 2005, muss wohl be- um das Weltbild einer Gesellschaft von „einander ähn- muslimischer
sonders tief in die populistische Trickkiste greifen. Das lichen Mitmenschen“ anzupreisen. Die vermittelte ÖsterreicherInnen
in ganz Wien affichierte Wahlplakat mit der Überschrift Botschaft: „Wir als FPÖ diktieren die totale Anpassung T: (01) 259 54 49
baghajati@aon.at
„Duell um Wien“ zeigt Strache rechts im Bild mit dem jedes ‚Anderen’ oder verweigern des Recht auf Anwe- dieinitiative@gmx.at
Stephansdom im Rücken und dem blauen Slogan: senheit“. Das penetrante Betonen von „unser“ ist dis- Ansprechperson:
Dipl.-Ing. Tarafa Baghajati
„HC Strache für uns Wiener“. Bürgermeister Häupl wird kriminierend, stellt es die angeblichen „anderen“ doch
in der linken Bildhälfte vor dem Hintergrund der Flo- als besitzergreifende Fremdkörper dar. In der gleichen
ridsdorfer Moschee und mit der roten Aufschrift: „Für Schrift wird auf Seite 23 natürlich nicht versäumt, das
mehr Zuwanderung“ gezeigt. „Christliches Abend- zweite Feindbild vorzubringen: „Asylmissbrauch ist
land“ versus Islam ist die unmissverständliche Ansage, schwarz“. Plumper kann Rassismus kaum sein, wenn
bei der die Grenze zum bloßen Bedienen von Ressen- pauschal über Menschen einer bestimmten Hautfar-
timents und Ängsten gegen Muslime überschritten be das Urteil gesprochen wird. Zu den männlichen
wird. Der Stephansdom als Wahrzeichen Wiens und „schwarzen Drogendealern“, kommen als Feindbild
die österreichischen Christen werden missbraucht, seit dem Sommergespräch mit Armin Wolf auch die
um Strache bei seinem selbst ausgerufenen Wahldu- weiblichen „schwarzen Prostituierten“.
ell im wahrsten Sinn des Wortes zu sekundieren. Es
steht zu hoffen, dass die katholische Kirche, aber auch Es geht aber keinesfalls nur um die FPÖ
andere christliche Institutionen hier Stellung nehmen
und diesen Missbrauch zurückweisen. Es wäre ein Fehler, Rassismus und Islamfeindlichkeit
Der Islam ist keine „Zuwandererreligion“, wie Stra- ausschließlich auf Strache und FPÖ zu reduzieren. In
che dies gerne zu verstehen geben würde. Schließlich Österreich erscheinen erstmals islamfeindliche Inter-
ist der Islam im österreichischen Rechtsstaat seit 1912 netseiten, die nicht der bisher bekannten Zuordnung
anerkannt, sind von den 350.000 MuslimInnen im ins extrem rechte Lager entsprechen, sich sogar von
Land ca. ein Drittel längst österreichische Staatsbür- Straches FPÖ-Stil distanzieren. Sie haben das alleinige
gerInnen. Hetze gegen MuslimInnen ist für die FPÖ Ziel, den Islam als Religion und MuslimInnen in Euro-
eine alte Masche. 2005 wurde jedoch aggressiver als pa anzugreifen. Diese Volksverhetzung wurde von der
je zuvor vorgegangen. In einer FPÖ Hauswurfsendung Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen registriert
(Impressum: „Wir Wiener“, 1210 Wien) brachte ein „Lo- und mit Unterstützung von befreundeten NGOs wie
kalaugenschein in unseren Parks!“ vier muslimische z.B. ZARA auch rechtlich verfolgt. Die Thematisierung
kopftuchtragende Frauen mit Kinderwagen ins Bild, auf europäischer Ebene folgt gemeinsam mit europä-
um im Text gegen „Frauen in orientalischen Gewän- ischen Institutionen wie dem EUMC und internationa-
dern“ und „Männer mit sultanartigen Turbanen“ Stim- len wie OSCE und OHDIR, die am 27.09.2005 erstmals
mung zu machen. Verzerrungen wie „Belagerung von NGOs nach Warschau einluden, um das Phänomen Is-

39

zara 05 umbruch 13-3.indd 39 16.03.2006 13:30:14 Uhr


Kommentare anderer Organisationen

lamfeindlichkeit näher zu erörtern und gemeinsame der Mittel, noch in der Schaffung eines Feindbildes un-
Strategien zu entwickeln. terscheiden. Denn überall, wo einseitige und tenden-
Eine neue Stufe erreicht der Ton in anonymen Brie- ziöse Darstellungen sozialer Missstände in ein Verant-
fen an die Islamische Glaubensgemeinschaft. Waren wortlichmachen der Religion Islam an sich münden,
bisher Schmähungen und düstere Beschimpfungen kommt dies der eigenen Linie zupass. Zwangsehe
vorherrschend, erleben wir einen härteren, bisher wird etwa, entgegen den Ergebnissen wissenschaftli-
weit gehend unbekannten Ton voll direkter Drohun- cher Studien und den Erfahrungen aus der Praxis, als
gen. Im September 05 erhielt beispielsweise ein akti- „islamisches Phänomen“ dargestellt. Expertinnen, wie
ves Mitglied einen Brief mit dem Abschluss: „Es könn- jene von Orient Express, wiederholen beispielsweise
te Ihnen eines Tages gehen wie den Juden. Diese wurden immer wieder sinngemäß: Zwangsehe ist nicht in der
auch immer frecher, bis das Volk genug hatte.“ Die Si- Religion begründet, findet sich bei Gruppen unter-
gnatur unter der Handschrift lautet „Österreicher, die schiedlichen Religionsbekenntnisses und unabhän-
ihre Heimat lieben“. Ein anderer rassistischer Brief en- gig vom Grad der Religiosität der Familie.
det mit: „Ihr seid unerwünscht! Verschwindet aus unse- Festgehalten sei, wie erleichternd hier die sofor-
rem schönen Land! Euer Allahu Akbar könnt Ihr woan- tige Welle der Solidarität und unmissverständliche
ders rufen. Für mich sind Islamisten das, was für euch Zurückweisung einer solchen Linie seitens mehrer
Schweine sind. Wobei das noch eine Beleidigung ist für namhafter NGOs und AktivistInnen wirkte. Nun muss
diese intelligenten Tiere. Merkt euch: wir wissen über mit aller Klarheit ausgesprochen werden: Der Weg
euch bescheid, wir beobachten euch ganz genau!!! Bald zu einer weiteren Eskalation und daraus resultieren-
es die rechtlichen Mittel gegen euch geben, dass ist nur den physischen Attacken auf MuslimInnen scheint
noch eine Frage der Zeit“ gefährlich nahe. Daher sollen alle oben angeführten
Beispiele zum Anlass genommen werden, einmal
Steinwurf auf Linzer Moschee mehr daran zu erinnern, wie wichtig ein umsichtiger
und fairer Umgang mit dem und rund um das Thema
Wenn muslimische Gläubige bei ihrem Morgengebet „Islam“ ist. Der Appell geht dabei an Politik, Medien
in der Moschee mit einem Stein angegriffen werden, und Zivilgesellschaft. Durch den Anerkennungssta-
so ist die Schwelle zu physischer Gewalt überschritten. tus des Islam in Österreich und durch aktive Teilhabe
Eine solche Attacke zeugt von Hass und Gewaltbereit- der MuslimInnen am politischen und gesellschaftli-
schaft gegenüber einer religiösen Minderheit, sodass chen Diskurs ist eine Situation geschaffen, die den
darauf nicht nur von muslimischer Seite reagiert wer- Dialog fördert und die Integration von MuslimInnen
den sollte. Ein Steinwurf von außerhalb verursachte beschleunigt. So konnte Österreich auch im internati-
in einer Linzer Moschee Glasbruch bei einer Fenster- onalen Vergleich bisher immer ein alles in allem posi-
scheibe. Der Vorfall ereignete sich in den frühen Mor- tives Bild zeigen. Es wäre ein Irrtum, dies als naturge-
genstunden am Samstag, dem 24. September. Durch geben zu betrachten.
einen Vorhang wurden die Glassplitter glücklicher-
weise aufgefangen, sodass niemand verletzt wurde. Dipl.-Ing. Tarafa Baghajati Vizepräsident von ENAR-
Da sich die Betenden in unmittelbarer Nähe des Fens- European Network against Racism und Mitgründer
ters aufhalten, wären körperliche Verletzungen sonst der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen
nicht auszuschließen gewesen. Offenbar nahm der
Täter dies in Kauf. Die Moscheeleitung meldete den Wir sind nicht nur für Muslime da!
Übergriff sofort bei der Polizei. Es wird Anzeige gegen Wir fördern die gesellschaftliche Partizipation von mus-
Unbekannt erstattet. limischen BürgerInnen im Sinne des Allgemeinwohls, in-
dem wir offen in verschiedenste Richtungen initiativ auf-
Niemand ist immun treten.
Arbeitsbereiche der Initiative:
Undifferenzierte Kritik, verbale Ausfälle, Pauschal- • Medien und Öffentlichkeitsarbeit
verdächtigungen und kollektive Beschuldigungen • Zivilgesellschaftliches Engagement insbesondere im
führen zu gesellschaftlichen Spannungen. Diese Be- Antirassismus-Bereich
obachtungen sind keinesfalls Erscheinungen, die aus- • Politische Partizipation von MigrantInnen allgemein
schließlich am rechten Rand der politischen Szene zu und besonders von MuslimInnen
suchen sind. In der letzten Zeit kursieren Meldungen • Interreligiöser Dialog
von linken AktivistInnen, die sich weder in der Wahl • Innermuslimische Integrationsarbeit

40

zara 05 umbruch 13-3.indd 40 16.03.2006 13:30:14 Uhr


Kommentare anderer Organisationen

Gleichbehandlungsanwaltschaft
Seit In-Kraft-Treten des Gleichbehandlungsgesetzes Im Bereich der Arbeitswelt handelt es sich häufig um Anwältin für die
Gleichbehandlung
(BGBl. I Nr. 66/2004) im Juli 2004 sind Diskriminierun- Anfragen, die Diskriminierungen bei der Begründung ohne Unterschied der
gen aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit in der oder Beendigung von Arbeitsverhältnissen zum Inhalt ethnischen Zugehörig-
keit, der Religion oder
Arbeitswelt und in sonstigen Bereichen verboten. In haben. In einigen Fällen ging es um Belästigungen, Weltanschauung, des
der Arbeitswelt sind außerdem Benachteiligungen wie z.B. rassistische Beschimpfungen, Bemerkungen Alters oder der sexuel-
len Orientierung in der
aufgrund der Religion oder Weltanschauung, des Al- oder Witze von ArbeitskollegInnen und/oder Arbeit- Arbeitswelt
ters, der sexuellen Orientierung – und seit 1979 auf- geberInnen. ArbeitgeberInnen dürfen einerseits nicht Taubstummengasse 11
grund des Geschlechts – gesetzlich verboten. Zur Un- selbst belästigen und haben andererseits auch die 1040 Wien
T: (01) 532 28 68
terstützung und Beratung von Menschen, die sich aus gesetzliche Verpflichtung, angemessene Abhilfe zu F: (01) 532 02 46
den neuen Gründen diskriminiert fühlen, wurde die schaffen, wenn es beispielsweise zu einer Belästigung gaw2@bmgf.gv.at
www.bmgf.gv.at
Gleichbehandlungsanwaltschaft um zwei Gleichbe- durch ArbeitskollegInnen kommt. Nach telefonischer (Gleichbehandlung/
handlungsanwältinnen erweitert. Einerseits um die oder schriflicher Kontaktaufnahme durch die Betroffe- Gleichstellung/GAW)
Beratung nach
Anwältin für die Gleichbehandlung ohne Unterschied nen war das Schreiben eines Briefes mit einer Auffor- Vereinbarung:
der ethnischen Zugehörigkeit, der Religion oder Welt- derung zur Stellungnahme an die ArbeitgeberInnen Mo: 9:00 – 18:30 Uhr
Di – Fr: 9:00 – 15:00 Uhr
anschauung, des Alters oder der sexuellen Orientie- in den meisten Fällen der gewünschte erste Schritt.
rung in der Arbeitswelt und andererseits um die An- Einige Fälle wurden danach oder auch direkt an die
wältin für die Gleichbehandlung ohne Unterschied Gleichbehandlungskommission weitergeleitet.
Anwältin für die Gleich-
der ethnischen Zugehörigkeit in sonstigen Bereichen. Mit dem Begriff „sonstige Bereiche“ sind vier Berei- behandlung ohne Un-
Die Gleichbehandlungsanwaltschaft ist eine Ein- che außerhalb der Arbeitswelt gemeint: Bildung, So- terschied
der ethnischen Zuge-
richtung des Bundes, die inhaltlich selbstständig und zialschutz, soziale Vergünstigungen sowie Güter und hörigkeit in sonstigen
unabhängig ist. Unsere Hauptaufgabe als Gleichbe- Dienstleistungen, einschließlich von Wohnraum. Bereichen
handlungsanwältinnen ist die rechtliche Beratung, In- Taubstummengasse 11
1040 Wien
formation und Unterstützung von Menschen, die sich Die meisten Fälle und Anfragen betrafen bisher Be- T: (01) 532 28 68
diskriminiert fühlen. Je nach Wunsch und Bedürfnis nachteiligungen aufgrund der ethnischen Zugehörig- F: (01) 532 02 46
gaw3@bmgf.gv.at,
der betroffenen Person kann mit dem/der Arbeitge- keit im Zusammenhang mit Gütern und Dienstleistun- www.bmgf.gv.at
berIn bzw. der diskriminierenden Person oder Stelle gen. Konkret waren dies zum Beispiel Beschwerden (Gleichbehandlung/
Gleichstellung/GAW)
Kontakt aufgenommen, verhandelt und zwischen die- wegen Diskriminierungen beim Zugang zu Restau- Beratung nach
sen vermittelt werden. Wir können auch ein Verfahren rants, Bars, Imbissstuben und Geschäften, Benachtei- Vereinbarung:
Mo: 9:00 - 18:30 Uhr
vor der Gleichbehandlungskommission einleiten und ligungen beim Abschluss einer Versicherung sowie Di – Fr: 9:00 – 15:00 Uhr
die Betroffenen dabei vertreten. Ein weiterer wichti- bei der Miete oder dem Kauf einer Wohnung. Auch
ger Tätigkeitsbereich ist die Öffentlichkeits- und Be- Belästigungen aufgrund der ethnischen Zugehörig-
wusstseinsarbeit. Beispielsweise informieren wir im keit – sei es verbal oder durch demütigendes und be-
Rahmen von Vorträgen und Schulungen über das leidigendes Verhalten – sind immer wieder Thema im
Diskriminierungsverbot und die vorhandenen recht- Rahmen der Beratungstätigkeit.
lichen Möglichkeiten, um gegen Diskriminierung vor-
zugehen. Das Gleichbehandlungsgesetz bietet eine Die Gleichbehandlungsanwältinnen bieten Ihnen:
gute Grundlage, die es nun gilt, bekannt zu machen,
zu nutzen und durchzusetzen. • Kostenlose und persönliche Beratung, Unterstüt-
Der Einsatz möglichst vieler Menschen aus unter- zung und Information in allen Fragen betreffend Diskri-
schiedlichsten Bereichen ist im „Kampf“ gegen Dis- minierung in der Arbeitswelt aufgrund der ethnischen
kriminierung unverzichtbar. Gerade NGOs sind sehr Zugehörigkeit, der Religion oder Weltanschauung, des
wichtige MultiplikatorInnen, um gemeinsam gegen Alters oder der sexuellen Orientierung sowie bei Diskri-
Rassismus vorzugehen, rassistische Handlungswei- minierungen aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit in
sen aufzuzeigen und das Gleichbehandlungsgesetz Bereichen außerhalb der Arbeitswelt
durchzusetzen. Daher stehen wir in einem regelmä- • Vertretung und Vermittlung bei Verhandlungen vor
ßigen Austausch mit ZARA, einer der erfahrensten einem Verfahren
NGOs in diesem Bereich. • Einleitung eines Verfahrens und Vertretung vor der
Gleichbehandlungskommission
Im Folgenden einige Schwerpunkte unserer bisheri- • Information über das Gleichbehandlungsgesetz
gen Tätigkeit im Hinblick auf Diskriminierungen auf- Vorträge, Seminare und Teilnahme an Veranstaltungen
grund der ethnischen Zugehörigkeit: zum Thema Gleichbehandlung

41

zara 05 umbruch 13-3.indd 41 16.03.2006 13:30:14 Uhr


Kommentare anderer Organisationen

Volksanwalt
Menschenrechtsgarantien müssen erlebbar sein

www.volksanw.gv.at Der Schutz vor Diskriminierung ist zentraler Bestand- Volksanwaltschaft, die gem. Art. 148a B-VG von jeder-
teil des heutigen Menschenrechtsverständnisses, zu mann mit der Aufdeckung von Missständen in der öf-
dem sich Österreich national und international aus- fentlichen Verwaltung befasst werden kann.
drücklich bekennt. Das kostenlose „Recht auf Beschwerde“ und der
Dementsprechend enthält das Verfassungsrecht Umstand, dass die Verwaltung ihr Handeln gegenü-
zu Fragen der Gleichbehandlung und des Diskrimi- ber einem unabhängigen Kontrollorgan rechtfertigen
nierungsverbotes Bestimmungen unterschiedlichs- muss, ermöglicht es uns auch in grundrechtssensiblen
ter Reichweite. Der Umstand, dass der Grundrechts- Belangen in einen Dialog einzutreten. Nur eine Admi-
bestand als solcher durch viele Überlagerungen und nistration, die so gezwungen ist, ihr Handeln immer
Ergänzungen im Laufe der Zeit unübersichtlich ge- wieder im Lichte des Imperativs der Menschenrechte
worden ist sowie das Unvermögen einen modernen zu rechtfertigen, wird auch den zweiten Schritt set-
Grundrechtskatalog in das B-VG aufzunehmen, ge- zen, nämlich nicht bloß reaktiv, sondern auch proaktiv
bietet jedoch eine Gesamtreform. Eine vertiefte po- zu agieren. Im Jahr 2006 wird die Volksanwaltschaft –
litische Diskussion wird dabei wohl noch notwendig
ausgehend von rund 17.000 einlangenden Anliegen
sein. Verweisen möchte ich z.B. darauf, dass die EMRK
– dem Parlament zum 4. Mal einen „Sonderberichtteil“
unmittelbar anwendbare „verfassungsgesetzlich ge-
erstatten, in dem menschenrechtsrelevante Prüfungs-
währleistete Rechte“ iSd Art 144 B-VG enthält. Das
verfahren gesondert beleuchtet werden.
nach dem Muster des Art. 7 der Allgemeinen Erklä-
An einer Kooperation mit ZARA ist mir zur Ver-
rung der Menschenrechte 1948 ausgestaltete 12. Zu-
breiterung des Anschauungsmaterials sehr gelegen.
satzprotokoll zur EMRK, welches ein allgemeines nicht
Gemeinsam wurde in Aussicht genommen, dass der
bloß auf konventionsgeschützte Rechte beschränktes
Volksanwaltschaft dokumentierte Rechtsverletzun-
Verbot der Diskriminierung auf Grund von Geburt,
gen ZARA vorgelegt werden, damit diese den Verwal-
Rasse, Sprache, Geschlecht, nationaler Herkunft und
Zugehörigkeit zu einer Minderheit enthält, wurde am tungsspitzen gegebenenfalls in spezieller oder ge-
4.11.2000 von Österreich zwar unterzeichnet, aber nereller Hinsicht Maßnahmen zu deren Beseitigung
bislang nicht ratifiziert. empfehlen kann. Dabei muss der verfassungsrecht-
Selbst ein effektiver gerichtlicher Rechtsschutz ist liche Anspruch der Wahrung der Interessen Privater
freilich nur ein Aspekt eines umfassenden Menschen- gegenüber der Öffentlichkeit bestehen bleiben, was
rechtsschutzes. Die Realität des Alltags ganz allgemein ZARA aber auch respektiert.
an Normen mit Grundrechtsgehalt zu messen und Mögen die Aufgaben und Möglichkeiten auch ver-
Verletzungen – falls es solche gibt – zu dokumentie- schieden sein, die Zusammenarbeit mit ZARA stellt für
ren und aufzuzeigen, ist zur Entwicklung eines Grund- mich einen weiteren Schritt zur stärkeren Verwirkli-
rechtsselbstverständnisses ebenso unerlässlich. chung der Menschenrechte und der Bekämpfung von
ZARA leistet mit seiner engagierten Arbeit einen Rassismus dar.
wichtigen Beitrag, indem Diskriminierungsopfern,
deren Anliegen sonst „untergehen“ würden, Auf- Dr. Peter Kostelka
merksamkeit verschafft wird. Niederschwelliger Men-
schenrechtsschutz liegt auch im Aufgabenbereich der Volksanwalt

42

zara 05 umbruch 13-3.indd 42 16.03.2006 13:30:14 Uhr


ZARA-Zivilcourageworkshops an Schulen

Aktiv gegen Diskriminierungen

Das Bewusstsein jedes/jeder Einzelnen gegenüber tisch agiert, kann ausufern. Der Täter bekommt noch
Alltagsdiskriminierungen zu verändern, dafür zu sen- mehr Aufmerksamkeit, man kann selbst angepöbelt
sibilisieren, was tagtäglich in Straßenbahnen, in Su- werden. Wo das „Held spielen“ seine Grenzen hat,
permärkten, auf öffentlichen Plätzen, in Schulklassen sollen die SchülerInnen für sich selbst herausfinden.
passiert, ist ZARA-Ziel. Die Bereitschaft jedes/jeder „Ich rede nicht gerne vor vielen Menschen. In der U-
Einzelnen, etwas gegen Unrecht zu tun, soll gestärkt Bahn einfach aufzustehen ist irgendwie unangenehm.
werden. Dies sind elementare Ansatzpunkte, um das Deshalb fand ich die Vorschläge gut, dass ich den Tä-
Diskriminierungspotenzial einer Gesellschaft zu ver- ter einfach ablenke und nach dem Weg oder der Uhr-
ändern. ZARA hat daher ein Workshopkonzept erar- zeit frage“, Klara, 16 Jahre. Oft reicht es aus, sich in das
beitet, das dabei helfen soll, das „Etwas-Tun-Wollen“ Sichtfeld zwischen Täter und Opfer zu stellen, um die
auch in die Tat umzusetzen. ZARA-Zivilcouragework- Situation zu entschärfen und Solidarität zu zeigen.
shops werden seit 5 Jahren vorwiegend mit Schulklas- Neben verbaler spielt insbesondere die körperli-
sen und Jugendgruppen abgehalten. Ziel ist es, Schü- che Selbstbehauptung eine wesentliche Rolle, des-
lerInnen hinsichtlich rassistischer Diskriminierung halb wird das gezielte Einsetzen von Stimme, Mimik
und eigenen und fremden Vorurteilen gegenüber zu und Körperhaltung geübt. Das fördert die persönliche
sensibilisieren. Ihr Mut, gegen Rassismus aufzutreten, Standfestigkeit im Umgang mit oft unangenehmen
soll gestärkt werden. Situationen in der Öffentlichkeit. Letztlich geht es we-
niger darum, „genau das Richtige“ zu tun, als darum,
„Mir hat am Workshop gut gefallen, dass wir so viel einfach etwas zu tun. Dieses Positionieren und Solida-
diskutiert haben“, Markus, 14 Jahre. Die Trainings sol- risieren kann viele Formen haben. Das zuvor zu üben,
len zum Reflektieren anregen und Begriffe mit Inhal- macht Mut in der Realsituation einfach etwas auszu-
ten füllen, die zuvor zwar schon selbstverständlich probieren.
verwendet wurden, deren tatsächliche Bedeutung Seit einem halben Jahr hat der Zivilcourageansatz
aber oft noch sehr unklar ist. Was ist Diskriminierung? der Workshops mit konkreter Zielgruppe Schule eine
Was ist ein Vorurteil? Was bedeutet Zivilcourage? Wo zusätzliche Dimension erhalten. Firmen können im
fängt Gewalt eigentlich an? In vielen Schulklassen Rahmen der ZARA-Zivilcouragekampagne „Unterneh-
gibt es im Alltag neben der inhaltlichen Vermittlung men schenken Zivilcourage“ Workshops für Schulklas-
wenig Raum für kontroverse Diskussionen. Die Schü- sen sponsern und damit ihren zivilgesellschaftlichen
lerInnen erfahren durch die Trainings die unterschied- Beitrag leisten.
lichen Standpunkte ihrer MitschülerInnen und sind So bleibt Rassismus nicht unwidersprochen!
durchwegs erstaunt darüber. Sie merken, dass es Ge-
duld braucht andere Meinungen anzuhören und als Näheres zur Kampagne unter: http://www.zara.or.at/
solche „stehen zu lassen“. trainings/schulaktion/
Die interaktiven ZARA-Trainings knüpfen an den
persönlichen Erfahrungen der Jugendlichen an. Jede/r Karin Bischof / Katrin Wladasch – ZARA-Trainerinnen
weiß etwas über Diskriminierung zu erzählen, sei es
weil er/sie selbst Diskriminierung erlebt hat, sei es,
dass er/sie jemanden diskriminiert hat oder diskri-
minierende Vorfälle beobachtet hat. In Rollenspie-
len können die Jugendlichen im geschützten Raum
Alltagssituationen nachspielen und mögliche Hand-
lungsstrategien ausprobieren. Der Rollenwechsel zwi-
schen betroffen sein, selbst zu diskriminieren und die
Foto: Christine Lohwasser

Rolle der/des Dritten als Zeuge/in und was ich in die-


ser Situation tun könnte, eröffnet neue Perspektiven.
„Wir haben plötzlich alle auf den Täter eingeredet
und gar nicht gemerkt, dass das Opfer völlig allein da-
steht“, Romina, 16 Jahre.
Dagegen reden, wenn jemand in der U-Bahn rassis-

43

zara 05 umbruch 13-3.indd 43 16.03.2006 13:30:14 Uhr


Chancengleichheit ist der
Schlüssel zur Integration.
Alexander Van der Bellen

www.gruene.at

zara 05 umbruch 13-3.indd 44 16.03.2006 13:30:17 Uhr


www.friedlundpartner.at

Sie können nicht alles können.


Aber noch viel lernen.
ro
Jetzt ist die beste Zeit: Der waff unterstützt WienerInnen bei ihrer berufs- Bis zu1.100 Eu e
r u n g für Ihr
bezogenen Weiterbildung mit bis zu 1.100 Euro Förderung, wenn Sie
Fö rd e
dung!
Weiterbil
derzeit beschäftigt sind, keine über den Pflichtschulabschluss hinaus-
gehende Ausbildung haben oder älter als 40 sind. Vereinbaren Sie vor
Kursbeginn einen Termin mit dem BeraterInnenteam und lassen Sie sich
über alle Voraussetzungen für eine Förderung informieren.
Damit Sie weiterkommen im Beruf.
Wiener ArbeitnehmerInnen
Förderungsfonds

2 217 48-555 www.waff.at

PROGRESS.
DAS MAGAZIN DER ÖSTERREICHISCHEN HOCHSCHÜLERiNNENSCHAFT.
EMANZIPATORISCH, ANTIRASSISTISCH, GESELLSCHAFTSKRITISCH.
32 Seiten zu Universität, Bildungspolitik, Gesellschaftskritik und Kultur.
Erscheint acht Mal im Jahr.

Wer PROGRESS also weiterhin kostenlos lesen oder erstmals ein Gratisabo
bestellen will, tut das jetzt unter progress@oeh.ac.at.

ÖH - Bundesvertetung

zara 05 umbruch 13-3.indd 45 16.03.2006 13:30:19 Uhr


zara 05 umbruch 13-3.indd 46 16.03.2006 13:30:21 Uhr
zara 05 umbruch 13-3.indd 47 16.03.2006 13:30:23 Uhr
*DenkbarAlles

[cdc]
RechenkünstlerSportkanone

KunstliebhaberinSprachtalent

freakIntelligenzbestieOpern
OrganisationsgenieComputer

freundKarrieretypSchöngeist
* Ob Sie sich beruflich fortbilden oder persönlich entfalten möchten,
die 18 Wiener Volkshochschulen sind dabei Ihr idealer Partner. Die
Palette an Kursen, Vorträgen und Lehrgängen der Wiener Volks-
hochschulen orientiert sich an den Wünschen und Bedürfnissen der
Menschen, für die wir arbeiten.

Business Skills, EDV, 60 Sprachen, Musik, Allgemeinbildung,


Lifestyle, 2. Bildungsweg, Sport, Körper & Geist, Kunst & Kultur,
University Meets Public

Bildungstelefon: (01) 893 00 83

Verband Wiener Volksbildung Ein Herz für’s Hirn


www.vhs.at

Politische Zeitschrift
Bildung Bibliothek
Menschen- Beratung
rechtsbil- Fortbildung
dung im Unterrichts-
Unterricht materialien

Aktionstage Politische Bildung – Initiative zur Stärkung demokratischer Strukturen


www.aktionstage.politische-bildung.at

LehrerInnenplattform – Vernetzung, Think Tank, Entwicklung neuer Methoden


www.lehrerinnenplattform.at

Recht hat jedeR?! – Trainings zum alltäglichen Umgang miteinander


www.humanrights.at/rhj

www.zentrum-polis.at
service@zentrum-polis.at

Zentrum polis arbeit im Auftrag des Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
Projektträger: Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte – Forschungsverein

zara 05 umbruch 13-3.indd 48 16.03.2006 13:30:25 Uhr


> 4000 Fahrer

> 40 Kulturen

= 1 Taxirufnummer
--> Vierzig - Einhundert

w w w. t a x i 4 0 1 0 0 . a t

zara 05 umbruch 13-3.indd 49 16.03.2006 13:30:26 Uhr


zara 05 umbruch 13-3.indd 50 16.03.2006 13:30:29 Uhr
Wien – Jubiläumsjahr 2006

Mozart und Freud


Die Stadt Wien feiert mit zahlreichen Veranstaltungen den 250. Geburtstag
Wolfgang Amadeus Mozarts, des ersten „Popstars“ der Musikgeschichte und
den 150. Geburtstag von Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalyse.

Veranstaltungen
Foto: Herbert-von-Karajan-Centrum

Leben und Werk Mozarts im


Mozarthaus Vienna
1., Domgasse 5,
ab Ende Jänner 2006
www.mozarthausvienna.at

Mozart bei den Wiener

D
Festwochen 2006
ie Stadt feiert den 250. Ge- Kulturelles Erbe Freuds erhalten
Opern, Konzerte, Theaterauf-
burtstag Mozarts. Ein Blick Ein weiteres Jubiläum gibt es 2006:
150 Jahre Sigmund Freud. Seine führungen, Performances,
ins Köchelverzeichnis zeigt
Psychoanalyse stellt die Grundlage Filme und Ausstellungen
den Tatendrang des Genies: Opern,
der modernen Tiefenpsychologie www.festwochen.at
Sinfonien, Klavierkonzerte, Lieder,
Tänze, Serenaden und mehr. Mozart und Psychotherapie dar.
Idomeneo, Clemenza di Tito,
wurde nur 35 Jahre alt. Zehn Jahre Seine epochale Erkenntnis war die
Die Zauberflöte, Cosi fan tutte,
davon verbrachte er in Wien. Eine Entdeckung, dass unbewusste Vor-
Don Giovanni
Zeit, die ihn und die Stadt deutlich gänge auf das Leben eines Men-
Theater an der Wien
geprägt hat. Jeder, der will, kann schen Einfluss nehmen. Die Sig-
mund Freud Privatstiftung, die sich www.theater-wien.at
2006 Mozart kennen lernen: Auffüh-
rungen wird es in allen Bezirken für die Erhaltung und Vermittlung Allgemeine Informationen
Wiens geben. des kulturellen Erbes Freuds enga-
zum Mozartjahr 2006:
giert, wartet im Jubiläumsjahr 2006
www.wienmozart2006.at
Mozartjahr für alle mit zahlreichen Aktivitäten sowie
Auch das Mozarthaus Vienna, das internationalen Kooperationen im „Stimme und Verstummen“
Gebäude mit der einzigen in Wien Bereich Kultur, Kunst, Musik und Soiree zum 150. Geburtstag
erhaltenen Wohnung Mozarts, öff- Wissenschaft auf. Sigmund Freuds,
nete Ende Jänner seine Tore und Im Mittelpunkt steht die Sonderaus- 5. Mai 2006, Volksoper
präsentiert in sechs Stockwerken stellung „Die Couch: Vom Denken im
Leben und Werk des Genies. Liegen“ im Sigmund Freud Museum, „Die Couch:
Das Theater an der Wien beginnt die Wissenschaft, Kunst und Litera- Vom Denken im Liegen“
seine neue Ära als Opernhaus mit tur verbindet. Zur EU-Präsidentschaft 5. Mai bis 5. November 2006 im
fünf der Hauptopern Mozarts, die Österreichs findet im ersten Halbjahr Sigmund Freud Museum, 9.,
Bezahlte Anzeige

als Neuproduktionen gezeigt wer- 2006 das internationales Symposion Berggasse 19,
den. Egal, ob Musik, Literatur, Film „Psychoanalyse und Gewalt“ statt, Telefon 01/319 15 96
oder Ausstellungen – begegnen wir das der amerikanische Konfliktfor- www.freud-museum.at
Mozart und feiern ein Fest für ihn! scher Vamik Volkan leiten wird.

zara 05 umbruch 13-3.indd 51 16.03.2006 13:30:31 Uhr


Neu

r.
r St ZARA – Beratungsstelle für Opfer und
bau

lfe
ari ahi
ZeugInnen von Rassismus
gass

M
e

Das ZARA-Team ist für Terminvereinbarungen


erreichbar:
Schadekgasse
Jo

r.
r St
an

e Mo - Mi 10-14 Uhr und Do 17-19 Uhr


“Haus des Meeres” orfe ass
Am

n d dg
llig

Esterhazypark e b a
mp Luf
t
erl

ass

Gu Luftbadgasse 14–16
in

Eg
gS

ge A–1060 Wien
asse
tr.

rth
e
g. zeil T: (01) 929 13 99
ien
nitzg

W
ke F: (01) 929 13 99–99
Lin
Kau

office@zara.or.at
U3>Neubaugasse, U4>Kettenbrückengasse sowie 57A und 13A. www.zara.or.at

zara 05 umbruch 13-3.indd 52 16.03.2006 13:30:38 Uhr

Вам также может понравиться