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Föderaler Ausbildungsausschuss Staatliche Ausbildungsinstitution der Hochschulausbildung „Staatliche Pomorenuniversität im Namen von M.W. Lomonossow"

L.Yu. Shchipitsina

Stilistik der deutschen Sprache

Teil I. Theorie

Lehrbuch

Archangelsk

Pomorenuniversität

2009

Федеральное агентство по образованию Государственное образовательное учреждение высшего профессионального образования «Поморский государственный университет имени М.В. Ломоносова»

Л.Ю.

Щипицина

Стилистика немецкого языка

Часть I. Теория

Учебное

пособие

УДК 811.112.2'38(075.8) ББК 81.432.4-937

Щ858

Рецензенты: доктор филологических наук, профессор кафедры зарубежной литературы и межкультурной коммуникации Нижегородского государственного лингвистического университета имени H.A. Добролюбова В.Г. Зусман; кандидат филологических наук, доцент кафедры немецкого языка Карельского государственного педагогического университета Н.В. Горбель; кандидат филологических наук, доцент кафедры немецкого языка Поморского государственного университета имени М.В. Ломоносова Е.В. Костеневич

Печатается

по решению

редакционно-издательского

совета

Поморского

университета

Щипицина, Л. Ю

Ч. 1:

Щ 858

Стилистика немецкого языка = Stilistik der deutschen Sprache:

;

Архангельск:

в 2 ч.

- Поморский университет, 2009. - 144 с : ил. - Текст на нем. яз.

Поморский

Теория : учебное им.

гос.

ун-т

/

пособие

Л.Ю. Щипицина

М.В.

Ломоносова.

ISBN 978-5-88086-817-9

Учебное

пособие

разделов

и

теоретических наиболее и основных стилистических средств немецкого языка. Предназначено для студентов факультетов иностранных языков, а

основных

понятиями

содержит

стилистики,

обзор

знакомит

с

дисциплины

положений

важными

описание

терминологией

дает

филологов,

стилистикой.

также

для

тех,

кто

интересуется

немецкой

УДК811.112.2'38(075.8)

ББК 81.432.4-937

© Щипицина Л.Ю., 2009 © Поморский университет, 2009

ISBN 978-5-88086-817-9

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

6

1. Stiltheorie

8

1.1. Stilistik: Gegenstand, Aufgaben, Stellung unter anderen Wissenschaften

8

1.2. Die wichtigsten Begriffe der Stilistik: Stil, Stilarten, Stilzug

12

1.3. Funktionaler Stil

22

1.4. Stilistische Bedeutung der sprachlichen

Einheiten

34

1.5. Sprach-und Stilnorm.

Stilistische Fehler

42

1.6. Text aus stilistischer Sicht

49

2. Stilbeschreibung

62

2.1. Phonetische und graphische Stilmittel

62

2.2. Lexische Stilistik

68

2.3. Morphologische un d syntaktische Stilistik

82

2.4. der Bildkraft. Tropen un d Figuren

Mittel

96

2.5. von Humor un d Satire

Mittel

111

Schlusswor t

119

Glossa r

120

Seminarplän e

125

Prüfungsfrage n

134

Tes t

135

Lösunge n

138

Quellennachweis

141

VORWORT

Das vorliegende Lehrbuch ist für die Studenten des 4. Stu-

deutschen

Sprache befassen. Die theoretische Grundlage des Lehrbuches bilden die Ideen der russischen Stilforscher (E. Riesel, M.H . Кожина, И.Р. Гальперин, Н.Л. Романова u.a.) un d der deutschen Wis­ senschaftler (W. Fleischer, G. Michel, B. Sowinski, B. Sandig usw.). Die Konzeption des Lehrbuches lehnt sich an die Unter­ scheidung innerhalb der Stilistik der Stiltheorie, die die all­ gemeinen theoretischen Probleme der Stilistik jeder Sprache betrachtet, der Stilbeschreibung, wobei stilistische Besonder­ heiten der einzelnen Sprachebenen des Deutschen beleuchtet werden, und der Stilanalyse, die die ganzheitliche Beschrei­ bung der stilistischen Merkmale der funktionalen und fiktiona- len Texte umfasst. Entsprechend diesem Herangehen werden i m ersten Kapi­ tel der Gegenstand und Aufgaben der Stilistik, Begriffe „Stil", „Stilzug", „Stilnorm", „Stilfehler" und stilistische Aspekte der Textlinguistik beleuchtet. I m zweiten Kapitel werden die pho­ netischen und graphischen Stilmittel beschrieben sowie die sti­ listische Differenzierung des Wortschatzes, morphologische und syntaktische Stilistik, Tropen und Figuren und Mittel von Humor und Satire. Jeder Abschnitt i m 1. un d 2. Kapitel stellt theoretische Grundlagen des jeweiligen Themas dar, enthält Literaturhinweise un d Aufgaben zur Vertiefung des behandel- ten Themenbereichs. Zu einigen Aufgaben gibt es Lösungen.

dienjahres

bestimmt, die sich mit der Stilistik der

Der Abschnitt „Stilanalyse" mi t Textbeispielen des wissen- schaftlichen, offiziellen, publizistischen Stils un d des Stils der Alltagsrede sowie der fiktionalen Texte und entsprechenden Aufgaben für die Stilanalyse sind i m Praktikum gesammelt, das als ein getrenntes Lehrbuch mit dem vorliegenden theore- tischen Teil einen einheitlichen Komplex zu m Kurs der Stilistik bildet. Dem vorliegenden Lehrbuch ist ein Glossar mit der Erklä- rung der wichtigsten stilistischen Begriffe hinzugefügt. Die De- finitionen der Begriffe sind in Anlehnung an verschiedene deutsche und russische Stilforscher formuliert. Das Lehrbuch eignet sich auch zu m selbständigen Erlernen der Theorie. Zu m Prüfen der Kenntnisse dienen die Testauf- gaben mit den Lösungen.

die

Orientierung im Kurs erleichtern und die eigentlichen Aufga- ben der Stilistik - Beherrschen der Theorie und Praxis der Sti- listik - ermöglichen.

Archangelsk, 24.03.2008 Die Autorin

Hoffentlich

wird

solche Konzeption des

Lehrbuches

1. STILTHEORIE

1.1. Stilistik: Gegenstand, Aufgaben, Stellung unter anderen Wissenschaften

Stilistik als Wissenschaft über das Funktionieren und Variieren der sprachlichen Ausdrucksmittel im Kommunikationsakt in verschiedenen Situationen. Aufgaben der Stilistik. Begriffe der Stilkompetenz und Stil- performanz. Passive und aktive Stilkompetenz. Aus der Entwicklungsgeschichte der Stilistik Die Stellung der Stilistik in der modernen Sprachwissenschaft neben Literaturkunde, Rhetorik, Soziolinguislik. Die Hauptrichtungen und Arten der Stilistik.

Theoretische

Grundlagen

Stilistik ist eine Teildisziplin der philologischen Wissenschaften, die ihren spezifischen Gegenstand und ihre Aufgaben hat. Gegens- tand der Stilistik ist die Erforschung aller Stile einer Nationalsprache (schriftlicher und mündlicher, literar- und umgangssprachlicher, künstlerischer und nicht-künstlerischer), dabei steht im Fokus der stilistischen Betrachtung konkreter Gebrauch, Funktionieren der Sprache. Stilistik ist also die Wissenschaft über das Funktionieren und Variieren der sprachlichen Ausdrucksmittel i m Kommunika- tionsakt in verschiedenen Kommunikationssituationen.

Zu den Aufgaben der Stilistik zählen: 1) Erforschung der Funkti- onalstile, 2) Erforschung der effektivsten Verwendungsweisen der Sprache in verschiedenen Kommunikationssituationen, 3) Entwick- lung der Sprachkultur, 4) Entwicklung von Methoden und Kriterien zur Textgestaltung, Textinterpretation und Textbeurteilung [Flei- scher, Michel 1975: 15-18]. Studierende der Stilistik müssen stilisti- sche Besonderheiten der Rede unterscheiden lernen und bei der Ana-

lyse verschiedener Texte sowie bei der bewussten Gestaltung der ei- genen Rede anwenden. Man spricht von der Stilkompetenz und von der Stilperformanz, vgl. [Sandig 1986: 141-154]. Stilkompetenz ist Kenntnis bestimmter Regeln und Normen des Sprachgebrauchs entsprechend der Kom- munikationssituation. Die Stilkompetenz kann passiv und aktiv sein. Unter Stilperformanz wird reale Verwendung der Strukturen unter Einhaltung der stilistischen Regeln verstanden. Stilistik ist eng mi t Rhetorik, Literaturwissenschaft, Psycho-, So- zio-, Pragma- und Textlinguistik verbunden. Besonderheit der stilis- tischen Betrachtung besteht darin, dass die Stilistik die Sprache unter funktionalem Aspekt betrachtet. Die Stellung der Stilistik i n der mo- dernen Sprachwissenschaft illustriert die Abbildung 1.

Abbildung Stilistik unter anderen linguistischen Disziplinen [Riesel, Schen- dels 1975:11]

Literaturtheorie,
Literaturwis-

senschaft

Stilistischer

Aspekt der

Poetik,

Metrik

Literaturwissenschaft

Stilistik

(Linguo-

stilistik)

Linguistik

 

Funktionalstilistik=

Funktionale

=Beschreibung aller

Textstilistik

inkl.

Stilsysteme inkl. Sti-

Textinterpretati-

listik der schönen Li-

on von

Wort-

teratur

kunstwerken

g

g.

M

V i

Stilistischer

Aspekt der

Linguistik

 

Phonologie /

Mor-

Wort-

Lexikologie/

Syn-

Phonetik

pholo-

bildung

Phraseologie

tax

gie

1

Aus der Abbildung sind auch zwei Hauptbereiche der Stilistik ersichtlich: Funktionalstilistik als Beschreibung aller Stilsysteme un - ter paradigmatischem Aspekt und funktionale Textstilistik als prak- tische stilistische Analyse der Texte verschiedener funktionaler Stile (syntagmatischer Aspekt). Dazu wird der stilistische Aspekt der Lite- raturwissenschaft und der Linguistik benutzt. Funktionale Stilistik und funktionale Textstilistik werden unter Makrostilistik zusam- mengefasst, weil sie sich mi t der Erforschung des Stils als Komplex- erscheinung und Organisationsprinzip von sprachlichen Kommuni-

kativen Einheiten befassen. Makrostilistik ist der Mikrostilistik ge- genübergestellt. Die Mikrostilistik befasst sich mit der stilistischen Charakteristik sprachlicher Einheiten und unterschiedlicher Stilfigu- ren sowie mit ihren Verwendungsmöglichkeiten im Kleinkontext (Satz, Wortgruppe) oder in einem erweiterten Kontext (Absatz, über- satzmäßige Einheit). Nach einer anderen Klassifikation [Klin, Koch 1979: 9] wird die Stilistik in drei Bereiche eingeteilt:

das ist die Lehre vo m

Wesen des Stils, vo m Gegenstand der Stilistik, vo n den gedanklich- sprachlichen Strukturen und Formen, den stilbildenden Mitteln und Faktoren als Grundlage für die praktische Anwendung; 2) die beschreibende Stilistik (Stilanalyse un d Stilbewertung) als angewandte Wissenschaft von der Stiluntersuchung, Interpretation und Klassifikation sprachlicher Mitteilungen; 3) die praktische Stillehre (Stilunterweisung) als Lehre von der bewussten, zweckmäßigen Verwendung der sprachlichen Mittel bei der Textgestaltung sowie von der Berücksichtigung stilistischer Fak- toren. Die Hauptrichtungen der Stilistik im XX. Jahrhundert sind Indi- vidualstilistik, statistische Stilistik, Devianzstilistik, Funkionalsti- listik, pragmatische Stilistik.

1) die theoretische

Stilistik (Stiltheorie);

Weiterführende

Literatur

1) Fleischer W., Michel G. Stilistik der deutschen Gegenwarts- sprache. Leipzig, 1975. S. 13-40. 2) Riesel E. Stilistik der deutschen Sprache. M. , 1963. S. 39-46. 3) Riesel E., Schendels E. Deutsche Stilistik. M., 1975. S. 5-14.

Стилистика немецко­

го языка: Учебное пособие. Вологда: ВГЕ1У, 2003. S. 5-10. 5) Sandig, В. Stilistik der deutschen Sprache. Berlin: N.Y: de Gruyter, 1986. S. 141-154. 6) Sowinski B. Deutsche Stilistik. F/M: Fischer, 1991. S. 9-11.

4)

Romanova N . Stilistik. Leicht gemacht.

Aufgaben

Ш Aufgabe 1. Welche Arten der Stilistik werden in folgenden

Auslegungen erwähnt? Geben Sie Defmition für die ausgegliederten Stilistikarten.

Die Art des Schreibens und des Redens galt in der Antike als

Ausdruck des Menschen: „Wie aber, sprach ich, die Art und Weise des Vortrages und die Rede? Folgt diese nicht der Gesinnung der

Seele?" - eine rhetorische Frage in Piatons

konzeptionen setzen beim Individuum an und seinem Werk: Man kann sie daher unter dem Stichwort Individualstilisti k zu- sammenfassen. Sie hat vor allem in der Literaturwissenschaft Bedeu- tung erlangt. Das Interesse gilt dabei dem Personalsti l von

Dichtern und Schriftstellern, aber auch der ästhetischen und emotio-

nalen Wirkung auf den

Stil als Abwei-

Diese Stil-

<Man hat auch>

chung von der Norm der Standardsprache definiert: Die sprachlichen Markierungen, die ein Text über seine Normalform hinaus enthalte, seien seine stilistischen Merkmale. Damit war diese Richtung, die Devianzstilistik , freilich wieder auf literarische Texte verwie- sen und musste zudem definieren oder festlegen, was als Norm an- zusehen sei. So ist dann versucht worden, die Norm statistisch zu definieren. Diese Stilkonzeption, die S t i I s t a t i s t i к, beruht auf Zählungen, wie häufig beispielsweise bestimmte Wörter und Wortklassen, Wort- und Satzlängen, grammatische Formen und syntaktische Konstruktionen auftreten. Aber bei komplizierteren Texten kann man so nicht vorge- hen: Nicht alles ist quantifizierbar, nicht jede Zahl ist signifikant - z.B. wenn bestimmte Worthäufigkeiten von der Funktion des Textes her vorgegeben sind. Die Funktion des Textes ist deshalb für eine andere Stilkonzepti- on, für F u n к t i о n а I s t i I i s t i к, Ausgangspunkt der Definition. Die­ sem Stilbegriff liegt die Auffassung zugrunde, dass der Zweck der Rede ihre Form wesentlich bestimme.

[Götze, Hess-Lüttich 1999: 564-565]

ffi Aufgabe 2. Erklären Sie die Aufgaben der Stilistik anhand Analyse folgender stilistisch unangemessener Beispiele (die Beispiele sind [Romanova 2003: 9-10] entnommen).

(1) Der Angeklagte wird zu drei Jahren verknackt (Urteilsspruch) (2) Mit behutsamer und liebevoller Zuwendung nehme man sich dieses wunderschönen Gegenstandes an (Gcbrauchsanleitung) (3) Na, Junge, 50 Jahre sind doch eine verdammt lange Zeit (und der größte Teil deines Lebens ist schon vorbei) (Jubilarsehmng).

ffl Aufgabe 3. Informieren Sie sich über die Verschiedenheit der stilistischen und grammatischen Betrachtung der Sprache nach B. Sowinski [Sowinski 1991:10J.

Während die Grammatik die Regularitäten des sprachlichen Sys-

tems

täten und Irregularitäten der Sprachverwendung (Performanz) sowohl in der Form von Inventaren der stilistischen Mittel und Möglichkeiten (»stilistischen Grammatiken«) als auch - mit Hilfe entsprechender Analyse- und Systemkriterien - in der Deskription und Interpretation des Stils von Einzeltexten.

aufzeichnet, erforscht die Stilistik die Regulari-

(Kompetenz)

1.2. Die wichtigsten Begriffe der Stilistik:

Stil, Stilarten, Stilzug

Die wichtigsten Begriffe der Stiltheorie (Stil, Stilbedeutung, Stilzug, Stilfigur). Begriff „Stil", „Funktionaktil", „Individualstil", „Zeitstil". Sprach- und Redestil. Determinanten des Stils. Das Objektive und das Subjektive im Stil. Stilmerkmale und Stilwerte. Der Stilzug als inneres Wesensmerkmal eines Textes. Typen der Stilzüge (Emotionali- tät/Rationalität, Statik/Dynamik, Expressivität/Sachlichkeit usw.).

Theoretische

Grundlagen

Die wichtigsten Begriffe der Stiltheorie sind der Stil, die Stilbe- deutung, der Stilzug, die Stilfigur u.a. Einer der grundlegenden Begriffe ist der Begriff „Stil". Er bleibt sinnlich verschwommen, weil mit diesem Terminus verschiedene Sphären menschlicher Tätigkeit verbunden sind (vgl. Architekturstil, Schwimmstil, Musikstil, Erziehungsstil usw.). Aber auch in der Sprachwissenschaft, aus welcher der Begriff „Stil" ursprünglich stammt (lat. sti!us=Stäbchen zum Schreiben), ist der Begriff „Stil" von verschiedenen Sprachwissenschaftlern unterschiedlich ausge- legt. Im Allgemeinen versteht man unter Stil die Ar t und Weise des sprachlichen Ausdrucks.

Definitionen des Stils sind folgende Momente

obligatorisch: Der Begriff Stil bezieht sich

- auf den Gebrauch der Sprache;

- auf den Text als Produkt menschlicher Tätigkeit;

Für verschiedene

- in den Begriff „Stil" wird die Tatsache der Auswahlmöglichkeit bzw. des -zwanges eingeschlossen. Das bedeutet, dass der Sprachbenutzer kann bzw. muss aus ei- nem Feld äquivalenter sprachlicher Mittel und Konstruktionen be- stimmte Ausdrucksvarianten wählen, die nach seinen Erfahrungen und nach seinem Könnensniveau der Realisierung seiner Kommuni- kationsabsicht optimal entsprechen. Die Wahl der Ausdrucksvarianten ist durch die äußeren Bedin- gungen (Tätigkeitssphäre, soziale Umgebung, Kommunikations- partner usw.) un d die inneren Bedingungen (die Charakteristik des Sprechenden selbst) determiniert. W. Fleischer und G. Michel [Flei- scher, Michel 1975: 54] sprechen von folgenden Determinanten des Stils:

(1) der Sprecher/Schreiber (2) der Hörer/ Leser (3) das sprachliche Zeichensystem (die linguistischen Faktoren:

welche Sprachmittel stehen dem Sprecher/Schreiber zur Verfügung, welche synonymischen Möglichkeiten gibt es usw.). (4) der Mitteilungsgegenstand (das Denotat) (5) der Verständigungsweg (mündlich oder schriftlich) (6) die Verständigungsart (monologisch oder dialogisch) (7) die Verständigungssituation (gesellschaftliche Sphäre un d spezielle Begleitumstände) Der Stil hat also eine objektive und eine subjektive Seite. Das Ob- jektive am Stil bilden die Vorschriften und traditionelle Vorstellun- gen von der Angemessenheit des Ausdrucks. I n dem Objektiven of- fenbaren sich die allgemeinen Gesetze, denen die sprachliche Dar- stellung der Sprechenden und Schreibenden aller Nationen und aller Zeiten unterliegt. Das Subjektive erlaubt die persönliche Färbung der Rede, das Okkasionelle im Sprachgebrauch, so wird die Rede le- bendiger, konkreter. Stil wird manchmal als „Einheit un d Individua- lität der Gestaltung" der Rede zugleich verstanden [W. Kayser, zit. nach: Romanova 2003: 11]. Die beiden Seiten müssen zusammen wirken, keine darf verabsolutisiert werden (sonst würden wi r völlig gleich sprechen oder Unverständlichkeiten und Störungen in der Kommunikation haben).

Laut der Unterscheidung der Sprache und der Rede von F. de Saussure, kann man den Stil gleichzeitig als Phänomen der Sprache und der Rede betrachten. Das Sprachstilsystem ist ein theo- retisches Modell, das nur eine Seite des realen Forschungsobjekts

widerspiegelt (Gesamtheit aller phonetischen, grammatischen, lexi- schen und speziellen stilistischen Ausdrucksmittel i m System, para- digmatisch organisiert). Die andere Seite bildet dynamisch- syntagmatische Ausformung der stilistischen Gesetzmäßigkeiten i n konkreten Texten. Es gibt verschiedene Grundlagen für die Stilklassifikation:

• Differenzierung der Stile unter historischem Aspekt ergibt Zeit- und Epochenstile.

• Unter funktionalem Aspekt gliedert man Bereichs-, Gattungs-

oder Funktionalstile aus.

• Unter personellem Aspekt gibt es Alters- und Geschlechtsstile sowie Individualstile einzelner Autoren.

• Unter geographischem und sozialem Aspekt kann man geo-

graphische und soziale Stilarten unterscheiden.

• Nach dem Verständigungsweg unterscheidet man schriftliche

und mündliche Äußerungen. Weitere wichtige Stilbegriffe sind mi t der Unterscheidung der Stilmittel, Stilwerte und Stilzüge verbunden. Stilmittel (Stilistika, Sg.: Stilistikum) sind elementare stilistische Einzelvarianten des Sprachgebrauchs. Beispiele dazu sind z.B. onomatopoetisches Wort

(plumps), Epitheton (mollige Arme), praesens historicum (Gehe ich ein-

Aufzählung, Wiederholung u.a.m. I m Kontext werden ihnen

bestimmte verwendungsbedingte Stilwerte zuerkannt (z.B. emotio- nal, anschaulich, objektiv usw.). Komplexe von Stilelementen, die auf charakteristische Weise zusammenwirken und die über einen ge- meinsamen Stilwert verfügen, werden Stilzüge genannt. Stilzüge sind innere qualitative Wesensmerkmale eines Textes. Laut E. Riesel werden alle Stilzüge in drei große Gruppen eingeteilt:

Logik, Expressivität und Mittel der Bildkraft, jeder Text verfügt über obligatorisch-primäre Stilzüge (z.B. Logik, Objektivität, Sachlichkeit sind für einen wissenschaftlichen und einen amtlichen Text obligato- risch), dazu kommen fakultativ-sekundäre Stilzüge. So kann ein po- lemischer wissenschaftlicher Text expressiv wirken und sogar emoti- onale Stilmittel zulassen. W. Fleischer und G. Michel [Fleischer, Mi -

chel 1975: 62-64] sprechen von generellen (Konstanten der grundle- genden funktionalen Stile), speziellen Stilzügen der Genre- (Sub-)stile innerhalb der übergreifenden Funktionalstile und originellen - nicht verallgemeinerungsfähigen Stilzügen eines konkreten Textes. Stilzüge werden meistens paarweise als Oppositionsglieder ge- nannt: Emotionalität / Rationalität, Statik / Dynamik, Expressivität /

mal

),

Sachlichkeit, Breite / Knappheit, Ungezwungenheit / Formalität, verallgemeinerter Charakter / Konkretheit usw. Jeder Funktionalst!] wird durch mehr oder weniger bestimmte Stilzüge gekennzeichnet, die die Eigenart dieses Stils ausmachen. Die Stilzüge finden ihren konkreten Ausdruck in der Auswahl der Wör- ter, i m Gebrauch bestimmter grammatischer Mittel, Formen oder Konstruktionen sowie i n der Komposition des Textes.

Weiterführende

Literatur

1) Кожина M.H. Стилистика русского языка. М., 1983.

2)

§7-11.

deutschen

Gegenwartssprache. Leipzig: Bibliographisches Institut, 1975. S. 54-

56, 62-64.

Fleischer

W.,

Michel

G.

Stilistik

der

3)

Riesel

E. Der Stil der deutschen Alltagsrede. M. , 1963. S. 57-64.

4)

Riesel E., Schendels E. Deutsche Stilistik. M. , 1975. S. 24-28.

5)

Romanova N . Stilistik. Leicht gemacht.

Стилистика немецко­

го языка: Учебное пособие. Вологда: ВГПу, 2003. S. 11-22.

Aufgaben

Щ Aufgabe 1. Erklären Sie, i n welcher Bedeutungsvariante

das

Wort „Stil" in folgenden Beispielen angewendet wurde 1 .

a) Im gestrigen Konzert wurde Beethovens Sonate völlig im

romantischen Stil wiedergegeben;

b) Am Portal dieser Kirche kann man den Übergang vom spät-

gotischen zum Renaissancestil feststellen;

c) Dieser Mensch hat überhaupt keinen Stil;

d) Der Direktor führt ein Leben in großem Stil;

e) Das Weihnachten in Russland wird nach dem Gregoriani-

schen Kalender alten Stils gefeiert;

f) Der Marathonläufer legte auch die letzten Runden noch in einem bemerkenswert flüssigen Stil zurück;

g) Der Intematsleiter versucht die Heimkinder völlig im Stile

Makarenkos zu erziehen;

h) Thomas Mann gebraucht einen komplizierten und ver-

schachtelten Stil;

1 Die Aufgabe 1 und die Aufgabe 6 (S. 19) ist nach dem Übungsbuch zur deutschen Stilistik [Klin, Koch 1979: 1, 8] angeführt.

i) Weil Max einen gewandten Stil schreibt, wurde er zum Re- dakteur der Studentenzeitung gewählt.

ffl

Aufgabe

2. Vergleichen Sie

verschiedene

Definitionen

des

Begriffs „Stil". Unterstreichen Sie

tion.

Wählen Sie eine Definition, die Ihrer Meinung nach am klarsten ist.

3-5 Schlüsselwörter i n jeder Defini-

in den

meisten

Definitionen

vor?

Welche

Begriffe

kommen

der Sprache im Sprech-

und Schreibakt - ein System von Gesetzmäßigkeiten der Aus- drucksgestaltung [Riesel 1963:10]

(2) Stil ist ein historisch veränderliches, durch gesellschaftli- che Determinanten bedingtes Verwendungssystem der Sprache, objektiv verwirklicht durch eine qualitativ und quantitativ geregelte Gesamtheit sprachlicher Mittel - mit anderen Worten: realisiert aufgrund kodifizierter Normen für die einzelnen Kommunikations- bereiche [Riesel, Schendels 1975:16] (3) Stil ist die auf charakteristische Weise strukturierte Ge- samtheit der in einem Text gegebenen sprachlichen Erscheinun- gen, die als Ausdrucksvarianten innerhalb einer Reihe synonymi- scher Möglichkeiten von einem Sprecher/Schreiber zur Realisie- rung einer kommunikativer Funktion in einem bestimmten Tätig- keitsbereich ausgewählt worden sind [Fleischer, Michel 1975: 41]

(1) Stil ist

die Verwendungsweise

(4)

в принципы или правила использования языка, т.е. принципы, правила выбора и комбинирования языковых средств в рече­ вом тексте [Брандес 1983: 6]. стиль формы произведения и структурный облик функции субъек­ тивно-духовного воздействия [там же: 17]

Стиль

деятельностном

аспекте

-

В предметном аспекте

это

тип

определяется

внешней

как

языковой

(5)

-

это особое символически значимое свойство

Стиль

человеческой деятельности и ее продуктов, возникающее в результате выбора субъектом определенного, чаще всего об­ щественно осознанного способа деятельности и несущее ин­ формацию о субъекте деятельности - о его принадлежности к той или иной эпохе, культуре, социальной группе, о социаль­ ной роли, в которой он выступает, и т.п. [Долинин 1987:13]

и общность изобразительных приемов в литературе и искусстве или

ном

в отдель­

определенного

(6)

-

1)

Стиль

идейно

художественно

направления, а также слог

обусловленная

времени

2)

произведении;

индивидуальный

писателя;

(7) Aus Sicht der Handlungsstiüstik ist Stil die „sozial relevante Art und Weise der Durchführung einer Handlung mittels Text oder im Gespräch" [Sandig 1995: 28].

ffl Aufgabe 3. Informieren Sie sich, welche Betrachtungen des Suis B. Sowinski i n seinem Lehrwerk anführt. Wie erklären Sie diese Vielfalt der Meinungen bezüglich des Begriffs „Stil" i m Laufe der Zeit?

Stil als sprachlicher Schmuck

Als »Stil« wurde demnach in der antiken und mittelalterlichen Rhetorik, die über den Rhetorik- und Lateinunterricht bis in unsrer Zeit nachwirkte, die durch eine bestimmte Art des rhetorischen Schmucks ausgezeichnete und darin von der gewöhnlichen »Um- gangssprache« unterschiedene Form der Sprachverwendung an- gesehen, die aus einer gewissen Technik des Gebrauchs von Stilmitteln zu bestimmten Redezwecken hervorgegangen war. Da die Rhetorik allmählich immer mehr in der Poetik aufging, kam es dazu, daß schließlich nur noch poetischen Texten Stilcharakter

zugesprochen wurde. (

Stil als Abweichung von einer Norm Wiederholt wird heute die Auffassung vertreten, daß sich sprachlicher Stil nur in Abweichungen von einer sprachlichen

Gebrauchsnorm äußert. Diese Ansicht ist nicht neu, liegt sie doch bereits den rhetorischen Figuren und Tropen zugrunde, die als verfremdende Entfernung vom normalen Sprachgebrauch aufge-

faßt

sen der poetischen Sprache allgemein als Abweichung von ande- ren Sprachnormen verstanden, Beispiele zur Stützung dieser The- se lassen sich aus Dichtungen aller Zeiten erbringen, ob man nun die gereimte Form älterer Dichtungen oder die ungewöhnlichen Wortkombinationen moderner Dichtung als Abweichung von der

Norm der Schriftsprache ansieht. Es spielt dabei auch keine Rolle, ob es sich hier um Abweichungen von einer eher statistisch erfaß- baren Gebrauchsnorm oder einer eher psychologisch faßbaren Erwartungsnorm handelt, die den Rezipienten (Leser/Hörer) die

Varietät al s Kontrast zur gewohnten Sprachform erleben läßt. (

Stil als funktionale Redeweise Innerhalb der funktional ausgerichteten Stilistik wird unter Stil »eine zweckmäßig gestaltete Sprache« verstanden. Dabei wird vorausgesetzt (und durch Stilanalysen bewiesen), daß in bestimm- ten Bereichen der Sprachverwendung bestimmte charakteristische

)

In neueren Untersuchungen wird gerade das We-

)

( имени M.B Ломоносова

НАУЧНАЯ

-yj

Stilmerkmale dominieren, z.B. die Neigung zu sprachlichen Abs-

traktumsbildungen im Stil der

Funktionalstile hat dazu beigetragen, daß der Begriff des Sprach- stils etwas vom Charakter des Individuell-Zufälligen verloren hat, der ihm bisher im allgemeinen Bewußtsein

Die funktionale Stilistik greift den bereits in der antiken Rheto- rik gültigen Grundsatz auf, daß unterschiedliche Redezwecke

auch unterschiedliche stilistische Anforderungen bedingen. (

Die Theorie der

)

Stil als angemessene Ausdrucksweise

Soweit Stilistik nicht als beschreibende und interpretierende Stilforschung, sondern als pädagogische Disziplin der Stillehre

liegt hier meistens eine Auf-

fassung vom sogenannten »guten«, d.h. vor allem »angemesse-

So wurden hier oft bestimmte Stilregeln

verkündet, ohne daß jeweils eine genaue Textbestimmung gege- ben war. Eine Anweisung wie die, möglichst oft Verben statt Sub- stantive zu verwenden, ist z.B. dort weniger sinnvoll, wo es um die Formulierung einer wissenschaftlichen Arbeit geht, die eine be- sonders exakte Begrifflichkeit und damit einen ausgesprochenen Nominalstil verlangt. Auch die oft erhobene Forderung nach einem

möglichst flüssigen, schnell lesbaren Stil kann nicht immer erfüllt

werden; z.B. nicht bei detaillierten Beschreibungen.(

[Sowinski

und Stilerziehung verstanden wird

nen Stil«

)

1991:14-29].

Ш Aufgabe 4. Informieren Sie sich über die Ansicht auf den Stil

als Produkt un d als Prozess menschlichen Handelns. Für welche

Sphären sprachlichen Handelns wäre diese Unterscheidung noch wichtig?

Stil als Produkt sozialen Handelns ist eine Konfiguration aus sprachlichen und anderen semiotischen Elementen, die zu einer Gestalt zusammengesetzt werden. Stil als Prozess (bzw. Stilbil- dung) ist die Auswahl und Kombination dieser Ressourcen unter spezifischen Rahmenbedingungen. Die zweite Auffassung lässt sich sehr gut auf Hip-Hop-Diskurs anwenden, wenn man den Style als Werkzeug zur Identitätsbildung begreift [Androutsopoulos 2003:

275].

ffl Aufgabe 5. M.P. Brandes meint, dass die Vielfalt der Mei- nungen in Bezug auf den Stilbegriff einerseits positiv, andererseits negativ ist [Брандес 1983: 5]. Finden Sie Argumente für die positive

und für die negative Bewertung der Meinungsvielfalt bezüglich Begriffs „Stil".

des

ffl Aufgabe 6. Unter welchen Bedingungen können wi r vo n ei- nem „stillosen" Text sprechen? Welche Verhaltensweisen von Men- schen kann man als „stillos" bezeichnen?

Aufgabe 7. Vergleichen Sie verschiedene Definitionen des

Begriffs „Stilzug". Versuchen sie eine zusammenfassende Definition des Stilzugs zu geben, indem Sie die Ihrer Meinung nach wichtigsten Besonderheiten dieses Phänomens berücksichtigen.

a) Mit diesem Terminus bezeichnen wir innere qualitative We-

sensmerkmale eines Funktionalstils/Substils oder einer beliebigen Textsorte, die zwangsläufig aus der gesellschaftlichen Spezifik ei- nes konkreten Schreib- und Sprechaktes entspringen und ebenso zwangsläufig ein bestimmtes Mikrosystem von sprachlichen Mit- teln aller Ebenen zu ihrer Realisierung nach sich ziehen [Riesel, Schendels 1975: 24].

ffl

b) Stilzüge sind die auf Häufigkeit, Verteilung und Verbindung

der Stilelemente beruhenden charakteristischen Besonderheiten eines Textes [Fleischer, Michel 1975: 62-64]. c) Stilzug: Wirkungscharakter von Kombinationen der Stilmittel innerhalb eines Textes, oft bedingt durch das Zusammenwirken von Darstellungsstil und Sprachstil (z.B. Humor, Ironie) [Sowinski 1991: 336].

d) Stilzüge, auch Stilmerkmale: Charakteristika des Stils kon-

kreter Texte, die bei der Stiluntersuchung zutage treten. Sie sind bei bewußter Textgestaltung Ergebnis vorgefaßter Stilprinzipien. Sie können Merkmal eines einzelnen Textes, einer Textgruppe (Genrestil) oder der Texte eines Autors (Individualstil) sein. Stilzü- ge äußern sich z. B. in Dichte, Präzision, im Gebrauch des Sprachbilds, in charakteristischen syntaktischen Fügungsweisen (Nominalstil, Verbalstil), in Statik oder Dynamik der Darstellung, in auffallenden Formen der Disposition, der Komposition und der Gedankenführung.

Zum Teil wird der Begriff Stilzüge im Sinne von Hauptmerk- malen dem Begriff einzelner Stilmerkmale übergeordnet [Krahl, Kurz 1973:120].

Stil-

merkmals, die Typen der Stilmerkmale un d vergleichen Sie diesen Begriff mit dem Begriff des Stilzugs.

3.3.4.1. Zum Wesen von Stilmerkmalen eines Textes In der Textlinguistik und Stilwissenschaft besteht Überein- stimmung darin, daß es für die stilistische Charakteristik eines Textes nicht ausreicht, lediglich die Stilelemente und -figuren auf- zuzählen. Der Stil in seiner Ganzheit ist mehr als die Summe sei- ner Elemente. Daher ist es sowohl im Hinblick auf die Textproduk- tion wesentlich, jene Besonderheiten (Merkmale) der Stilqualität zu erkennen, die für einen Text oder Texttyp charakteristisch sind.

( - )

ffî

Aufgabe 8. Informieren Sie

sich über den Begriff des

jene Stilbesonderheiten eines Textes,

die sich aus dem Relationsgefüge und Zusammenwirken der ein- zelnen Stilelemente ergeben. Sie sind nicht an ein einzelnes sprachliches Mittel gebunden. Es sind Gestaltungsmerkmale in der sprachlichen Abfassung des Textes, die durch verschiedenar-

tige sprachliche Mittel realisiert werden können und die jeweilige Formulierungsvariante in der Äußerung von Bewußtseinsinhalten ausmachen. So kann etwa das Merkmal Kürze (Verdichtung) im Unterschied zur Länge (Ausdehnung) auf folgenden Stilelementen im Text beruhen:

Entscheidend sind

Kürze

Länge

-Kurzwort (FDGB)

-Vollform

(Freier Deutscher Ge-

werkschaftsbund)

-Zusammensetzung

(Gefah-

- Wortgruppe

(Meldung über be-

renmeldung)

stehende Gefahr)

-Fachwort (Strecke,) - gemeinsprachliche Umschrei- bung (eine gerade Linie, die nach zwei Seiten hin begrenzt ist,)

-prädikative Normalform (etwas beweisen) -Satzglied (Derne Kritik hat mir sehr geholfen)

- prädikative „Streckform" (etwas

unter Beweis stellen)

- Gliedsatz (Daß du mich kritisiert

hast, hat mir sehr geholfen) -vollständiger Satz (Der Ausdruck Kraft ist ein Terminus der Dynamik und bezeichnet die Ursache für die Änderung des Bewegungszustan- des freier Körper bzw.)

-elliptischer Satz (Kraft: Grund- begriff der Dynamik; Ursache für die Änderung des Bewe- gungszustandes freier Körper

bzw

)

Im konkreten Text sind die Verhältnisse allerdings komplizierter. Eine so einfache Gegenüberstellung, wie sie im dargestellten Sche-

ma vorgenommen worden ist, erscheint kaum möglich; denn es kommt in Wirklichkeit selten vor, daß zwei Texte genau oder annä- hernd genau die gleichen Informationen vermitteln und dabei der ei- ne Text das Merkmal der Kürze, der ändere das der Länge aufweist. Dabei verstehen wir Kürze und Lange, d.h. „wenig" und „viel" an sprachlicher Formulierung bei gleichem Informationsgehalt von vorn- herein als relative Unterschiede

Eine strenge Klassifikation aller denkbaren Stilmerkmale er- scheint nicht möglich, lediglich eine Grundorientierung zur typisieren- den, d.h. auf Ausprägungsgraden beruhenden Einteilung von Stil-

merkmalen in offenen Gruppen. (

(1) Kennzeichnung von Stilmerkmalen n, nach der relativen Häufig- keit, Streuung oder Konzentration bestimmter sprachlicher Mittel im Text:

)

Kriterium

Stilmerkmale (Beispiele)

1. Wortarten

- verbal, nominal

- verbal, substantivisch, adjektivisch

2. Satzformen

parataktisch (koordinierend), hypotaktisch (subordinierend)

-

3. konjunktionale

Verbindungsart

4. Stilfiguren

5. Stilschicht/Stilfärbung

6. lexikalische Schichten

- Periodenstil

- syndetisch, asyndetisch,

polysyndetisch

- kopulativ, adversativ, kausal

- figurativ (figurenreich)

- metaphorisch, metonymisch

- personifizierend, allegorisierend, gleichnishaft

- periphrastisch

- normalsprachlich (neutral), gehoben, salopp

- abwertend, gespreizt, spöttisch, vertraulich

- Fremdwortstil

-archaisierend, anachronistisch -fachsprachlich, gruppensprachlich usw.

'

(2) Kennzeichnung von Stilmerkmalen nach der kognitiven und kommunikativen Funktion der Ausdruckswahl:

Kriterium

Stilmerkmale (Beispiele)

1.

Redundanzgrad

- aufgelockert, verdichtet - knapp, weitschweifig, umständlich

2.

Grad der sprachlich

- streng logisch verbunden,

expliziten Wiedergabe

logisch locker gefügt

logischer Zusammenhänge - klar, verschwommen

3. Erkenntniswert der verwen

deten sprachlichen Mittel

4. Ausdruck moralischer

Qualitäten

- wahrheitsgemäß, wahrheitsfordernd

- demagogisch, manipulierend, heuchlerisch

- parteilich

-offen, ehrlich, mutig

5.

Partnerbezogenheit

- überzeugend

- eingehend (auf den Partner)

- beeindruckend

-förmlich, ungezwungen

6.

Anschaulichkeitsgrad

- bildhaft, anschaulich, gegenständlich

- abstrakt

7.

Emotionalität

sachbetont, erlebnisbetont -nüchtern, emphatisch

-

- lyrisch, hymnisch

8.

Dynamik

- dynamisch, statisch

variationsreich, gleichbleibend, monoton

-

9.

Kompliziertheitsgrad

- schlicht, einfach, natürlich

- anspruchslos, ausdrucksarm

- kompliziert, manieriert

usw.

[Kleine Enzyklopädie 1983: 478-482].

Ш Wer hat mehr Begriffe auf der Liste?

Aufgabe 9. Stellen

Sie

eine Liste der Stilzüge

zusammen.

Aufgabe 10. Bereiten Sie einen beliebigen Text / Textauszug

vor (literarischen, Werbetext, Pressetext o.a.), in dem nach Ihrer Mei-

nung ein oder mehrere Stilzüge sehr deutlich sind. Präsentieren Sie

Ihren Text den Kommilitonen un d lassen Sie sie die Stilzüge i m Text

bestimmen.

ffl

1.3.

Funktionaler Stil

Funktionalstil: Diskussion und Definition. Grundlage der Ausgliede- rung der Funktionalstile. Problem der Stilklassifikation: Prager Schule, E. Riesel, W. Fleischer / G. Michel. Beschreibung einzelner Funktional- stile. Alternativen zum Begriff des Funktionalstils (Textsorte, Diskurs).

Theoretische Grundlagen

Die funktionale Betrachtungsweise

hat sich in den Stilistiken des

etabliert. Nach dieser Ansicht ist die kommunikative Funktion der Sprache das wichtigste Einteilungsprinzip der einzelnen Stiltypen. Man geht dabei aus der These aus, dass Texte bestimmter außer- sprachlicher Handlungssituationen über eine ähnliche kommunika- tive Funktion verfügen, was den Gebrauch ähnlicher Stilmerkmale

hervorruft

(z.B. werden i m Stil des Journalismus aktuelle Ereignisse

beleuchtet,

was mit Gebrauch von Realien verbunden ist).

Funktionalstil ist die Verwendungsweise der Sprache auf einem bestimmten Gebiet menschhcher Tätigkeit, objektiv verwirklicht durch eine Gesamtheit lexischer, grammatischer und phonetischer Mittel.

Das grundlegende Problem der Funktionalstilistik büdet die Zahl und Typologie der Funktionalstile. Die ursprüngliche Typologie der Prager Schule (L. Dolezel) umfasste 4 Funktionalstile:

-Direktivstil, -Erkenntnisstil, -Konversationsstil, -künstlerischer Stil. Laut E. Riesel gibt es 5 Funktionalstile:

-Stil der öffentlichen Rede, -Stil der Wissenschaft,

-Stil der

Presse un d Publizistik,

-Stil der Alltagsrede, -Stil der schönen Literatur [Riesel 1963:14-15]. W. Fleischer und G. Michel schlagen nicht nur eine Typologie der Funktionalstile vor, sondern auch die Grundlage für dessen Aus- gliederung, die immer auf einer Zweiteilung basiert (Abb. 2).

2

Abbildung

System der Funktionalstile [Fleischer, Michel 1975:

246]

1 ungezwungen / "ausgefeilt'

2 künstlerisch nicht ausgeformt

Л / künstlerisch ausgeformt

/

А Stil des Alltags­ verkehrs

В

Stil der Wissen­ schaft

С

Stil der Di

rektive

Stil der Belle­ tristik

Der Stil der Publizistik und Presse findet i n diesem System nen Platz, wird aber von den Autoren auch ausgegliedert.

kei-

Als

allgemeine

Ausgliederungsprinzipien der

Funktionalstile

dienen:

gesellschaftliche Aufgabe der Texte i n einem bestimmten Kommu- nikationsbereich (funktionale Spezifik), sprachlich-stilistische Gestaltung der Texte i n einem bestimmten Kommunikationsbereich (linguostilistische Spezifik).

funktionale Spezifik setzt sich aus folgenden Komponenten

zusammen:

Die

1) Aufgaben und Ziel der Mitteilung (z.B. inoffizielles Kommu- nizieren, Veranlassung, Erkenntnisvermittlung usw.), 2) Beziehung zum Gegenstand der Mitteilung (sachlich, subjek- tiv ), 3) Verständigungsweg (mündlich/ schriftlich), 4) Verständigungsart (Monolog/Dialog), 5) soziale Basis (wissenschaftliche Institutionen, typische Teil- nehmer). Die linguistische Spezifik schließt phonetische, lexikalische, grammatische und stilistische Mittel ein. Lexikalischer Aspekt: Gebrauch von Termini, sachlichen Bezeich- nungen, Realien, Fremdwörtern, Fachausdrücken, Phraseologismen, Expressivität und Einschätzung in der Wortwahl. Grammatischer Aspekt: nominale oder verbale Konstruktionen, Satzstrukturen und Satzlänge, Überwiegen bestimmter Satztypen, Gebrauch der Klischees oder Freiheit i n der Satzgestaltung. Stilistischer Aspekt: Gestaltung jedes Textes entsprechend dem Funktionsbereich: Bildlichkeit und Bildhaftigkeit sind v.a. für schön- geistige Literatur typisch, Standard und Klischees für technische und öffentliche Texte.

Bei der Charakteristik einiger Stile sind auch andere Sprachberei- che wichtig. So spielt z.B. der phonetische Bereich eine große Rolle für die Beschreibung des Stils der Alltagsrede. Bei der Sachprosa (wissenschaftlicher und offizieller Stil) sind auch die architektoni- schen Sprachmittel relevant. Kurze Charakteristik der wichtigsten Funktionalstile. Stil der offiziellen Rede: der Sprachgebrauch i n offizieller Kommunikation zwischen Dienststellen, Organisationen und Bevöl- kerung, Leitungstätigkeit innerhalb eines Betriebes.

Gesellschaftliche Aufgabe: Verständigung zwischen den öffentli- chen Behörden, Organisationen und Bevölkerung Stilzüge: Sachlichkeit und Sachbezogenheit

Substile: unmittelbare Direktive (Gesetze, Verordnungen, Verträ-

ge, Kochrezepte

)

un d mittelbare Direktive (politische Rede)

Gattungen un d Textsorten: Regierungsdokumente (Erlässe, Gesetze usw.), diplomatische Dokumente (diplomatische Verträge, Memoran- den, Noten, Protokolle usw.), juristische Texte (Gesetzbücher, Ord- nungen, Gerichtsdokumente usw.), Wirtschaftstexte (Verträge, Ge- schäftsbriefe usw.), Militärtexte (Befehle, Vorschriften, Verordnun- gen, Berichte), administrative Texte (Akte, administrative Briefe, Pro- tokolle usw.), private Texte (Anträge, Bevollmächtigungen, Testamen- te, Erklärungen, Bestätigungen usw.).

Sprachliche Gestaltung: funktionalbezogene Lexik mit gehoben-

offizieller Färbung (wohnhaft, minderjährig, Kopfbekleidung, Pflegebedürftig- keit usw.), Pronominaladverbien (hiermit, hierorts, hierfür usw.), Amtspräpositionen (zwecks G., mangels G., infolge G. u.a.), analytische

Verbverbindungen (Funktionsverbgefüge) (Bericht

erstatten statt ^rich -

ten', Bedeutung haben statt ,bedeuten', Verwendung finden statt verwen-

Impera-

tivformen und andere Mittel der Veranlassung (Niemand darf wegen sei- ner Behinderung benachteiligt werden), Passiv un d unpersönliche Kon- struktionen wirken unpersönlich und somit offiziell (Es wird ersucht,

, Rauchen verboten), unpersönlich un d knapp sind die Ellipsen des offiziel- len Stils (Deutliche Handschrift erbeten, Zum Ausgang).

Stil der Wissenschaft: Fachmännisch orientierter Sprach- gebrauch zur Darstellung gesellschafts-, natur-, mathematisch- und technischwissenschaftlicher Sachverhalte in der Forschung, in der wissenschaftlichen Publizistik, im wissenschaftlichen Propaganda, populärwissenschaftliche Tätigkeit und Bildungstätigkeit.

in den

Massenmedien (Presse, Rundfunk, Fernsehen, Teil des WWW ) mi t dem Zweck der Informierung und Meinungsbildung. Stil der Alltagsrede: Der Sprachgebrauch in nicht offizieller, zwangloser Situation, in der Familie, auf dem Arbeitsplatz unter den vertrauten Kollegen, i n lockeren Gesprächen des offiziellen Lebens. Stil der schönen Literatur: Sprachgebrauch in der künstlerischen Literatur, indem die Dichter die Realität mit ästhetischer Wirkung auf den Leser nachahmen.

den' usw.), Genitivketten (Die Pflege der Pflichten der Bürger

),

Stil

der

Publizistik un d Presse:

Der

Sprachgebrauch

Besondere Probleme sind mit dem Stil der Alltagsrede, der schöngeistigen Literatur und der Publizistik und Presse verbunden. Der Stil der Alltagsrede stellt unbearbeitete Rede dar. Hier kann nicht von der bewussten Wahl der Sprachmittel gesprochen werden.

Die beiden anderen Stile sind sehr uneinheitlich. So reicht bei dem Stil der Publizistik und Presse das Textsortenspektrum vom Wetter- bericht bis zum Feuilleton aus, bei dem Stil der schönen Literatur spielt die Gattung, Epoche un d Individualstil des Autors eine sehr große Rolle. Außerdem stehen dem Autor eines literarischen Werkes

alle anderen Stile i m Dienste.

Es ist zu berücksichtigen, dass es Kommunikationsbereiche gibt, die relativ eigenständige Funktionalsphären bilden (Militärwesen, Justiz, Werbung usw.). Beachtenswert ist auch, dass innerhalb eines Sachgebietes verschiedene Funktionalstile benutzt werden. So kann Politik als Thema wissenschaftlicher Arbeiten, journalistischer Mel- dungen, alltäglicher Gespräche oder im Direktivstil auftreten.

Stilforschung spricht man auch über

den religiösen Stil (Stil der sakralen Texte) [Romanova 2003: 39-40; Романова, Филиппов 2006: 112-115]. Dieser Stil bezieht sich auf den Sprachgebrauch in den Heiligenbüchern, bei den Predigten und Got- tesdiensten. Dieser Stil dient dem Regulieren der Menschenverhält- nisse i n Bezug auf Moralgesetze un d zu m Ausdruck des seelischen Zustandes eines Menschen. Es gibt spezifische Gattungen und Textsorten (Bibelübersetzung, Heiligenleben) und die typischen Aus- drucksmittel lexischer und syntaktischer Ar t [Романова, Филиппов 2006: 112-115]. Jedenfalls hat dieser Stil eine relativ kurze For­ schungsgeschichte un d wird nicht vo n allen Forschern als eine eigen­ ständige Spracherscheinung gesehen [Костомаров 2005: 91]. Außer- dem ist der deutsche religiöse Stil sprachlich nicht so stark gekenn- zeichnet wie der russische.

Im Allgemeinen ist die Spezifik der Funktionalstile nicht auf eine Nationalsprache beschränkt: gleiche außersprachliche Situationen entstehen i m Deutschen, Russischen un d Englischen, sie sind nur mi t jeweils unterschiedlicher Sprache, Kultur und Geschichte verbunden (vgl. den Geschäftsverkehr auf Deutsch, Englisch oder Russisch). Der Vorteil der funktionalen Stilbetrachtung besteht in der zweckgebundenen Systematik der stilistischen Gestaltung. Als nachteilig bezeichnen die europäischen Sprachforscher die Tatsache, dass die funktionalstilistischen Typologien auf außersprachlichen Kriterien beruhen, sprachwissenschaftlich ist die Abgrenzung nicht

In der neueren russischen

eindeutig; zwischen einzelnen Stilen gibt es viele Übergänge. „Zwi- schenformen wie wissenschaftliches Gespräch, populärwissenschaft- liche Darstellung, Lexikonartikel u.v.a. lassen sich nicht i n starre Schemata pressen. Und die Charakteristika, die den Stil der schönen Literatur bestimmen, mögen für bestimmte literarische Formen gel- ten, für andere gelten sie mitnichten" [Götze, Hess-Lüttich 1999: 572]. Die Theorie der funktionalen Stile ist in der BRD-Stilistik nicht verbreitet. Stattdessen sprechen die europäischen Linguisten ge- wöhnlich über funktionale Varianten der Nationalsprache (Funktio- lekte, z.B. Alltagssprache, Instruktionssprache, Fachwissenschafts- sprache, Literatursprache, Pressesprache) [Löffler 1994] oder klassifi- zieren alle Texte der deutschen Sprache nach bestimmten Textsorten / Textmustern. So gliedert B. Sowinski [Sowinski 1991: 281] folgende Prosaformen nach der Ar t und Absicht der sprachlichen Informati- onsdarbietung aus:

-brieflich-mitteilende,

-ansprechende

-berichtende,

-hervorhebende,

-beschreibende,

-erörternde,

-erläuternde,

-schildernde,

-bindende, Diese Prosaformen schließen konkrete Texttypen ein. Unter den Texten des ersten Typs nennt B. Sowinski z.B. private Briefe, Werbe- briefe, Reklamationen, Mahnungen, Bewerbungsschreiben und An- träge [ebd.: 281-284]. Man kann eine bestimmte Parallele zwischen diesen Prosafor- men un d den Darstellungsarten beobachten (s. den Abschnitt zur Textstilistik). Als ein Nachteil des Vorschlags von B. Sowinski er- weist sich die Tatsache, dass Beschreiben, Berichten, Erörtern usw. i n einem Text und sogar in einem Absatz einander abwechseln können. Also wäre es kompliziert, solch einen Text als beschreibend, mittei- lend, erläuternd usw. zu klassifizieren.

Eine andere Alternative den Funktionalstilen bietet die jüngere Diskursforschung mit dem Begriff des Diskurses an. Als Diskurs

wird der Text zusammen mit den extralinguistischen Faktoren ver-

standen [Карасик len das Ziel un d

Grundlage werden folgende Diskursarten ausgegliedert [ebd.]:

1999: 3-4]. Z u den diskursbildenden Faktoren zäh- die Teilnehmer der Kommunikation. Au f dieser

-

-

-

politischer,

juristischer,

wirtschaftlicher,

-

-

-

medizinischer,

sportlicher,

religiöser,

-

- diplomatischer,

werbender,

- massenmedialer,

- pädagogischer usw.

Man merkt, dass die Diskurse viel konkreter als Funktionalstile

sind. So entsprechen z.B. der politische, juristische, wirtschaftliche,

werbende, diplomatische u.a.

Diskurse i m Großen und Ganzen ei-

nem Stil der Direktive. Das erlaubt die Feinheiten jedes konkreten Diskurses genauer zu beschreiben. Andererseits geht beim Diskurs- herangehen der Systemcharakter des Sprachgebrauchs verloren. Au - ßerdem bleibt die Liste der Diskurse offen, un d man kann sie unend- lich lange fortsetzen. Diese Vielfältigkeit der Diskursarten ist auch mit der Verschwommenheit des Begriffes „Diskurs" verbunden.

Die Beschreibung einer Nationalsprache als System der Funktio- nalstile bleibt also ganz rational. Ma n kann sie durch die Beschrei- bung einzelner Diskurse oder der Existenzformen der Nationalspra- che (Fachsprache, Mediensprache, Alltagsprache usw.) ergänzen.

Weiterführende

Literatur

1) Карасик В.И. Характеристики педагогического дискурса // Языковая личность: аспекты лингвистики и лингводидактики:

Сб. науч. тр. Волгоград, 1999. С. 3-4. 2) Костомаров В.Г. Наш язык в действии: Очерки современ­ ной русской стилистики. М.: Гардарики, 2005. С. 91. 3) Романова H.H., Филиппов A.B. Стилистика и стили: учеб. пособие; словарь. М.: Флинта; МПСИ, 2006. 416 с. 4) Fleischer W., Michel G. Stilistik der deutschen Gegenwarts­ sprache. Leipzig, 1975. S. 243-253. 5) Riesel E. Stilistik der deutschen Sprache. M., 1963. S. 10-22. 6) Riesel E., Schendels E. Deutsche Stilistik. M. , 1975. S. 18-28. 7) Romanova N.L. Stilistik. Leicht gemacht. Стилистика немец­ кого языка: Учебное пособие. Вологда: ВГПу, 2003. S. 23-29. 8) Sowinski В. Deutsche Stilistik. F/M: Fischer, 1991. S. 20-21.

ffl

Aufgaben

Aufgabe 1. Vergleichen Sie

die folgenden Definitionen des

Funktionalstils. Versuchen Sie das Gemeinsame für diese Definitio- nen zu formulieren.

(1) Funktionalstil ist die historisch veränderliche, funktional und expressiv bedingte Verwendungsweise der Sprache auf einem bestimmten Gebiet menschlicher Tätigkeit, objektiv verwirklicht durch eine zweckentsprechend ausgewählte und gesetzmäßig geordnete Gesamtheit lexischer, grammatischer und phonetischer Mittel [Riesel 1963:10]. (2) Funktionalstile sind Subsysteme der Sprache, wobei jedes von ihnen über seine eigenen spezifischen Besonderheiten in der Lexik, Phraseologie, Syntax u.a. verfügt. Die Herausarbeitung der FS ist durch Spezifik des Sprachverkehrs in verschiedenen Sphä- ren der menschlichen Tätigkeit bedingt [I.W. Arnold, zit. nach:

Romanova 2003: 25].

(3) Bereichsstil, Funktionalstil (Riesel), Funktionsstil (H . Be- cker u.a.): Gesamtheit der für einen gesellschaftlichen Bereich charakteristischen Stilzüge bzw. Stilprinzipien. Ausgehend von ähnlichen Funktionen, die Mitteilungen in einem solchen Bereich, z.B. im Amtsverkehr, in Wissenschaft, Alltag, Publizistik, haben, wird bei dieser Klassifikation versucht, bestimmte Stiltypen her- auszuarbeiten, die trotz unterschiedlicher Thematik und unter- schiedlicher konkreter Funktion der einzelnen Texte ähnliche Stil- züge aufweisen [Krahl, Kurz 1973: 22].

Ш Aufgabe 2. Informieren Sie sich über Probleme der Stildiffe-

renzierung. Fallen Ihnen weitere Argumente ein, u m die genannten Funktionalstile als problematisch zu bezeichnen?

(a) Ein besonderes Problem stellt der Sprachgebrauch in der

gibt hier keinen situativ genorm-

ten Sprachgebrauch, keine Sprache, die eigens für künstlerische Literatur prädestiniert ist, zumindest nicht in der Art und dem Gra-

de, wie dies für die Funktionalstile im nichtkünstlerischen Bereich charakteristisch ist. So gesehen, erscheint es auch nicht sinnvoll, den Stil - oder besser: die Stile - der künstlerischen Literatur als „fünften" Stiltyp einfach additiv neben die genannten Funktionalsti- le zu stellen. Wenn es, wie allgemein immer wieder betont wird, für die künstlerische Literatur keinen „besonderen" Stil gibt, son- dern zur sprachlichen Realisierung spezifisch künstlerischer Ab- bilder der Wirklichkeit Stilelemente bzw. Stilmerkmale sämtlicher Funktionalbereiche in Betracht kommen, dann sind die wesentli- chen Unterschiede zwischen künstlerischem und nichtkünstleri- schem Sprachgebrauch offensichtlich in tiefer liegenden grundle- genden kommunikationstheoretischen Gesetzmäßigkeiten künstle- rischer und nichtkünstlerischer Texte zu suchen, also nicht nur in

künstlerischen Literatur

es

der Art des Formulierens, im Gebrauch von „Poetismen", Quasi- Poetismen oder anderer spezieller sprachlicher Mittel. [Kleine Enzyklopädie 1983: 484].

(b) Am meisten bestritten sind Stil der Wissenschaft, Stil der Belletristik oder der schöngeistigen Literatur und Stil des Alltags- verkehrs. Die Fragen, die hier diskutiert werden, sind folgend:

• ob es gerecht ist, über den Stil der Belletristik zu reden, weil die Texte so unterschiedlich nach ihrer Struktur sind und Merkma- le anderer Funktionalstile, als Widerspiegelung der Realität in ei-

Die Belletristik ge-

braucht allerlei Ausdrucksmöglichkeiten einer Sprache, um das Ziel der ästhetischen Einwirkung auf den Leser zu erreichen. Ge- rade diese Funktion der Literatur kann als Grund der Ausgliede- rung dieses Funktionalstils auftreten. Die sprachliche Information ist zugleich ein Ergebnis der schöpferischen Tätigkeit des Senders und programmiert die ähnliche Arbeit des Lesers vor. Dies alles insgesamt kann als Kriterium besonderer Art für Funktionalstil der Belletristik betrachtet werden;

• die Thematik der Alltagsrede, Gebrauch der Wörter aller

Sprachschichten, überwiegendes Fehlen der schriftlichen Regist- rierung erschwert die Definierung dieses Funktionalstils. Das Hauptproblem sei hier die Verschwommenheit der Grenze zwi- schen dem Stil der Alltagsrede und den anderen Funktionalstilen, z.B. das Gespräch der Wissenschaftler über die Forschungen nach der Arbeit, am Tisch, kurz gesagt in privater kommunikativer Situation, gehöre zum Funktionalstil der Wissenschaft oder eher zum Alltagsverkehr? Man nennt aber Merkmale und Kriterien, die für diesen Stil als klassifizierende wirken: auffallende Besonder- heiten in der Phonetik, Grammatik und in der Wortwahl, dazu auch direkter Kontakt zwischen den Kommunikationspartnern. Die Op- position zwischen dem Stil der Alltagsrede und den anderen Funk- tionalstilen beruht sich auf der Gegenüberstellung von Umgangs- sprache und Literatursprache (nach G.Michel);

ner fiktiven Welt der Literatur, in sich

» ob der Stil der Wissenschaft als ein in sich einiger Stil her-

vortritt, weil es neben dem echten wissenschaftlichen Stil auch die Texte populär-wissenschaftlichen Charakters existieren, die ihrer Struktur, lexikalischen und grammatischen Merkmalen zu den

dichterischen Texten tendieren, den Leser unterhalten. Die Erwei- terung des Interessentenkreises bestimmt das Abweichen von den strengen Gesetzen der Sachlichkeit und der expliziten Logik der Darlegung in einem wissenschaftlichen Text. [Romanova 2003: 38-39].

ffl Aufgabe 3. Geben Sie eine ausführliche Charakteristik des Stils der Wissenschaft, der Publizistik und Presse, der Alltagsrede und der schöngeistigen Literatur nach dem Muster des Direktivstils i m Abschnitt 1.3. oben.

ffl Aufgabe 4. Bestimmen Sie, zu welchem Funktionalstil die angeführte Textprobe gehört. Gehen sie dabei von der gesellschaftli- chen Funktion un d der linguostilistischen Spezifik des Textes aus.

Sehr geehrte Herren vom technischen Support!

Voriges Jahr bin ich von der Version Freundin 7.0 auf Gattin

1.0 umgestiegen. Ich habe festgestellt, dass das Programm einen

unerwarteten Sohn-Prozeß gestartet und mir sehr viel Platz und wichtige Ressourcen belegt hat. In der Produktanweisung wird ein

solches Phänomen nicht erwähnt. Außerdem installiert sich Gattin

1.0 in allen anderen Programmen von selbst und startet in allen

Systemen automatisch, wodurch die Aktivitäten aller übrigen Sys- teme gestoppt werden . Möglicherweise ist Gattin 1.0 mit Viren verseucht? Die Anwendungen Kartenspielen 10.3, Umtrunk 2.5

und Fussball-Sonntag 5.0 funktionieren nicht mehr, und das Sys-

1.0

nicht minimieren, wahrend ich meine bevorzugten Anwendungen benutze. Ich überlege ernsthaft, zum Programm Freundin 7.0 zu- rückzugehen , aber "Uninstall" funktioniert bei Gattin 1.0 nicht. Können Sie mir weiterhelfen? [Update vo n Version Freundin 7.0 auf Gattin 1.0. http.//www.witze.de ]

tem stürzt

bei jede m

Start ab. Anscheinend

kann ich Gattin

Aufgabe 5. Stellen Sie anhand der folgenden Beispiele fest,

welche Sätze und Wendungen Einflüsse des Funktionalstils der Wis- senschaft aufweisen 2 :

Es ist sehr sicher, dass Mit einem hohen Grad von Sicherheit In unserer Zeit ist es unmöglich, dass Es gehört zu den Unmöglichkeiten in unserer Zeit, dass Wir wissen nicht, bei welcher Temperatur dieser Stoff schmilzt. Der Schmelzpunkt dieses Stoffes ist eine unbekannte Größe. Wegen vieler Unsicherheitsfaktoren ist für uns eine Entschei- dung noch nicht möglich.

ffl

2

Die Aufgaben 5-8 men.

sind dem Lehrbuch [Klin,

Koch 1979:

12-23] entnom-

Wir können uns noch nicht entscheiden, weil vieles unsicher ist. Das Orchester sollte das gesangliche Element berücksichti- gen. Das Orchester soll auch Lieder ins Programm aufnehmen.

ffi

Aufgabe 6. Entscheiden Sie, welche Formen aus dem Fach-

wortschatz

i m Text

nicht

angemessen

sind.

Korrigieren

Sie

diese

Formen.

Deine Artikulation ist aber sehr undeutlich! Mein Freund konn- te die Klassifizierung der Hunderassen erfolgreich durchfüh- ren. Mit mehreren Interjektionen wollte er die Anwesenden auf sich aufmerksam machen. Die Grammatikalität dieses Satzes lässt zu wünschen übrig. Da die Quecksilbersäule infolge des Zustroms warmer Luftmassen anstieg, begann es zu tauen, und wir konnten nicht mehr Ski fahren. Die pädagogische Grundhaltung unserer Nachbarn bei der Erziehung ihrer Kin- der scheint nicht in Ordnung zu sein.

Ш Aufgabe 7. Schlagen Sie i m Kleinen Wörterbuch der Stilkunde

[Krahl, Kurz 1973] die folgenden Stichwörter nach: Antithese, Ana- pher, Klimax, Antiklimax, Aufzählung, Zuordnungsfolge, Paralle- lismus, Parenthese, Syllogismus. Prüfen Sie, welche Bedeutung diese Mittel und Figuren für verschiedene funktionale Stiltypen haben!

Ш

Aufgabe 8.

Nennen Sie

die präpositionalen

Wortgruppen,

die dem traditionellen Direktivstil angehören. Versuchen Sie diese Präpositionalfügungen durch solche aus der Alltagssprache zu ersetzen 3 .

Kraft des Beschlusses des Amtsgerichts zu B. wird gemäß dem neuen Gesetzbuch Artikel II, laut Paragraph 27, in Gemäss- heit mit der Dienstverordnung der Gerichtsbehörden, eine neue Verfahrensweise behufs Vorbeugung etwaiger Verstöße gegen die behördliche Rechtsprechung erfolgen.

Aufgabe 9. Ersetzen Sie in den nächststehenden Wendungen

die steife nominale Aussageweise durch den einfacheren, natürlichen Verbalausdruck; vergleichen Sie Ihre Antwort mit der Lösung.

ffl

3

Die

Aufgaben

8,

9 sind

in Anlehnung

78-86] formuliert.

an die Aufgaben

[Brandes, Markina 1966:

des

Lehrbuches

in Beantwortung (Erwiderung, Erledigung) Ihres Schreibens, Ihrer Antwort entgegensehend, in Kürze, in Balde, Bestellung überschreiben, antwortlich Ihres Briefes, vermittelst Bahn, per Bahn, betreffs Lieferzeit, bezugnehmend auf Ihr Schreiben, Für Ihre Bestellung dankend, unter Bezugnahme, baldgefälligst (baldgefl.), benötigen.

Aufgabe 10. Füllen Sie die Lücken i m Text „Rotkäppchen auf

in richtiger

Form; vergleichen Sie Ihre Antwor t mi t der Lösung.

hierorts

aktenkundig, welche

durch ihre unübliche gewohnheitsrechtlich Rotkäpp-

chen genannt zu werden

ihrer Mutter ein Schreiben zustellig gemacht, in welchem ihrer Krankheit und Pflegebedürftigkeit mach-

dieselbe

te, worauf die Mutter der R. dieser die Auflage machte, der Groß- mutter eine Sendung voll Nahrungs- und Genussmittel zu Gene-

pflegt. Die Mutter besagter R. wurde

Amtsdeutsch"

ffl

mit den unten

unserer

stehenden

Amtswörtern

ist

Im

Kinderanfall

Stadtgemeinde

eine

, noch unbeschulte

sungszwecken

.

Vor ihrer

wurde

R. seitens

ihrer Mutter

über

das

Verbot

Verlassens der Waldwege auf Kreisebene belehrt.

* * * betreffs, Inmarschsetzung, Kopfbedeckung, Minderjährig, Mit- teilung, seitens, wohnhaft, zustellen.

Aufgabe 11. Verfassen Sie Ihren Lebenslauf nach dem gege-

benen Muster. Beachten Sie dabei folgende Hinweise:

Der Lebenslauf soll einen Bericht enthalten über: a) Herkunft (Angaben des Geburtstages un d Geburtsortes, Name und Stand des Vaters und der Mutter); b) Bildungsgang; c) bisherige Berufs- tätigkeit; d) gesellschaftliche Betätigung; e) persönliche Lebens- verhältnisse. Der Lebenslauf soll möglichst lückenlos sein, für mögliche Unterbrechungen der Studien- oder Berufstätigkeit sollte es plausible Erklärungen geben. Der Lebenslauf wird mit Ort, Datum und Namen abgeschlossen.

ffi

Muster:

Ich, Klaus Dieter Meyer, wurde am 4. April 1966 als Sohn des kaufmännischen Angestellten Richard Meyer und seiner Ehefrau, der Verkäuferin Erna Meyer geb. Schulze, in Gießen geboren. Anfang 1971 zog unsere Familie nach Auerbauch, wo ich im September 1972 eingeschult wurde. Da mein Vater weiterhin in Gießen arbeitete, zogen wir 1976 dorthin zurück. In Gießen be- suchte ich die Realschule und erlangte 1982 den Realschulab- schluss. Gleich darauf besuchte ich das Fachgymnasium und 1984 begann ich das Maschinenbaustudium an der Fachhoch- schule Gießen. 1986 ging ich als Austauschstudent im Erasmus- Programm für ein Jahr in die USA, in den Jahren 1988-1990 sammelte ich Berufserfahrung in einem Maschinenbaubetrieb in Spanien, wo ich als Arbeiter in der Montageabteilung eines Mer- cedes-Benz-Werkes tätig war. 1992 beendete ich mein Studium an der FH Gießen, und als Diplom-Ingenieur bekam ich gleich darauf die Praktikantenstelle im Eisenbetonwerk der Stadt Marburg. Seit März 1993 bin ich Ingenieur im Maschinenbauwerk der Stadt Bie- lefeld.

1995 habe ich Helene Claus geheiratet, mit der zusammen wir zwei Kinder haben: die 1997 geborene Tochter Elisabeth und den Sohn Michael, geb. 2004.

Bielefeld, den 4. März 2005

Klaus Meyer

1.4. Stilistische Bedeutung der sprachlichen Einheiten

Stilbedeutung als Bestandteil der semantischen Wortbedeutung. Ab- solute und kontextuale Stilbedeutung. Struktur der Stilbedeutung (funk- tionale, normative, expressive Komponente).

Theoretische

Grundlagen

Jedes Wort besteht aus dem Wortkörper (Laute, Buchstaben) und dem Wortinhalt (Bedeutung). Die Wortbedeutung ist eine komplexe Erscheinung: Die Wörter fixieren Abbilder von Gegenständen und Erscheinungen der objektiven Welt, sowie auch subjektive Vorstel- lungen über diese Gegenstände. Dementsprechend lässt sich die Struktur der Wortbedeutung so beschreiben:

lexische Wortbedeutung = grammatische

> Bedeutung

stilistische

J

Die lexische Bedeutung vermittelt Abbilder vo n Gegenständen oder Erscheinungen der realen Wirklichkeit. Sie ist obligatorisch i m Strukturgefüge eines Wortes und verhältnismäßig stabil. Die lexische Bedeutung besteht aus einer hierarchisch geordneten Konfiguration von Bedeutungselementen (Semen). Z.B. beinhaltet das Wort „Bru- der" folgende Seme: Gegenständlichkeit (belebt), Mensch, Verwand- te, männlich, der die gleichen Eltern wie der Sprechende hat.

Die grammatische Bedeutung besteht aus einer hierarchisch ge- ordneten Konfiguration der Seme und vermittelt die Information über die jeweilige Wortart und deren Kategorien (z.B. Genus, Zahl u.a. bei dem Substantiv). Vgl.: gut - die Güte - das Gute

Die stilistische (konnotative) Bedeutung ist fakultativ, instabil, existiert als zusätzliche Semantik i m Wort, die i m Text realisiert wird oder die in den Text hineingebracht wird. Vgl. verschiedene stilisti- sche Färbung der synonymischen Reihe Gesicht, Antlitz, Fresse, Visa- ge, Fratze. Die meisten Wörter besitzen nu r eine denotative Bedeutung, die subjektiven Vorstellungskomponenten (konnotative Bedeutung) sind nicht bei allen Wörtern vorhanden. Aber beide gehören zur semanti-

schen Struktur des Wortes. Die konnotative Bedeutung

munikation, subjektiven Einstellungen des Sprechers, die denotative Bedeutung mit objektiver Welt, mit außersprachlicher Wirklichkeit verbunden.

ist mi t Kom-

Die

Terminologie zur Bezeichnung der Stilbedeutung ist unein-

heitlich. Man operiert mit folgenden Begriffen:

Stilbedeutung, Stilfärbung (E. Riesel),

- Stilfärbung (M.P. Brandes), Konnotation (M.N. Koshina, I.W. Arnold),

- Stilschicht (G. Michel).

Stilistische Bedeutung (SB) ist Teil der Wortbedeutung, sie drückt die Beziehung des Menschen z u dem vo n ih m genannten Ge- genstand oder Erscheinung aus. Z.B. wenn man „Bandit" sagt, so nennt man nicht nur die objektive Tatsache (hier: eine Person, die die Gewalt anderen Leuten gegenüber ausübt), sondern drückt auch die eigene negative Einstellung zu dieser Person aus.

E. Riesel unterscheidet zwei Arten der SB: Absolute un d kontex-

tuale SB [Riesel 1963: 32-36]. Absolute SB findet man beim absoluten

Gebrauch isolierter lexikalischer Einheiten, die unabhängig vom Kontext sind (paradigmatisch; auf der Ebene der Sprache, i m Stilwör- terbuch fixiert), z.B.: betrügen - lügen - schwindeln (umg.) - sohlen (sa- lopp-umg., landschaftl.). Kontextuale SB wirkt nicht isoliert, sondern ist von verschiedenen Stilfärbungen und anderen stilistischen Fakto- ren des Textes beeinflusst, zu denen das Wort i n semantische un d syntaktische Beziehung tritt. So kann auch das Wort mi t negativer absoluter Konnotation i m Kontext positiv wirken, vgl. : Mein lieber Nichtstuer 1 .

Struktur der SB.

Die SB

stellt eine komplexe, historisch verän-

derliche Erscheinung dar und kann nach drei Seiten erfasst werden:

a) nach der Zugehörigkeit eines Wortes zu einem Kommunika-

tionsbereichs

b) nach dem Verhältnis zur neutralen Sprachnorm (normative Komponente), c) nach der Ar t und Grad der Expressivität (expressive Kompo- nente) [Riesel, Schendels 1975: 29-35]. Die funktionale Komponente ergibt sich aus der Zugehörigkeit eines Wortes zu einem bestimmten Kommunikationsbereich, zu ei- nem bestimmten Funktionalstil oder Stiltyp. Funktional markiert sind z.B. folgende Wörter (Konstruktionen): zwecks der Untersu- chung, der noch heute zu untersuchende Fall (Amtssprache), Anoden- strom (Physik, Wissenschaftssprache).

Die funktionale Komponente schließt i n sich die Eigenschaft des Wortes ein, das betreffende Lexem i m Bewusstsein der Sprachge- meinschaft mit einem bestimmten Funktionalstil oder Fachgebiet zu verbinden. Bei der Nennung des Wortes wird dieses Fachgebiet mi t ins Bewusstsein gerufen.

Funktionalität ist also die Fähigkeit der Spracheinheiten, Vorstel- lungen über die Formen der Lebenstätigkeit, Bedingungen der Kommunikation hervorzurufen, die für verschiedene soziale Grup- pen typisch sind. Es ist ein Signal von der Regelmäßigkeit der Sprachmittel in bestimmter Kommunikationssphäre. Die normative Komponente gibt das Verhältnis zur neutralen Sprachnorm an, d.h. sie gibt die Lage über bzw. unter dem stilisti- schen Nullpunkt der Flöhenskala.

(funktionale Komponente der SB),

Die Zahl und die konkrete Zusammensetzung der

entsprechen-

den Markierungen variiert je nach dem Autor. So unterscheidet

E. Riesel 6 Arten der normativen Markierungen [Riesel 1963: 27], i m

„Dudenwörterbuch" werden 5 Elemente des normativen Systems

ausgegliedert

deutschen Stilistik" E. Klin und H . Koch schlagen das folgende Sys- tem der normativen Ebenen vor (Tab. 1).

Tabelle 1

Normative Ebenen [Klin, Koch 1979:

zur

[Duden

1988]. Die Autoren

des

„Übungsbuches

43]

Schwulstig

Gehoben

(po-

Neutral-

Umgangs-

Vulgär

(geschraubt)

etisch)

litera-

sprachlich

(grob)

 

risch

den

Geist

entschlafen,

sterben

ins Gras bei-

krepieren,

aushauchen

verscheiden

ßen

verrecken

zu

Gemüte

einen riskie-

trinken

einen heben,

saufen,

führen

ren, nippen

hinter

die

die

Kehle

 

Binde gießen,

schmie-

tanken

ren

das

Bedürf-

Appetit

Hunger

Kohldampf,

Freßlust

nis,

Nah-

Mordshunger

rung

aufzu-

nehmen

 

lustwan-

sich ergehen

spazieren

bummeln

kriechen,

deln,

pro-

gehen

sich die Füße

herum-

menieren

 

vertreten

latschen

Die emotional-bewertende (expressive) Komponente gibt Hin- weise über Grad und Ar t der Expressivität. Expressivität kann dabei als Ausdruckskraft, Neuigkeit, Ungewöhnlichkeit des Ausdrucks verstanden werden. Expressiv ist alles, was anziehend und überzeu- gend wirkt. Paradigmatisch kann man ein Wort nur als expres- siv/nicht expressiv bezeichnen, eine genauere Bestimmung kann nur im Text vollzogen werden. So wirkt die folgende Überschrift aus der „Zeit" expressiv, weil hier die paradigmatisch neutrale, obwohl auch metaphorisch gebrauchte Farbbezeichnung rot-grün, die hier für die deutsche Regierungskoalition steht, in paradoxale Verbindung mit dem Wort Grauzone tritt: In der rot-grünen Grauzone [Die Zeit 10/2006: 4].

Emotionale Einstellungen verbinden sich oft mit der gesenkten Norm: Bärenhunger (umg., emot.), scheißegal (salopp, emot) , Rindvieh (Schimpfwort nur aus dem Kontext). Manche Stilwörterbücher benutzen spezielle Vermerke für die emotional gefärbten Lexeme. Vgl.:

scherzhaft

(Adamskostüm)

vertraulich

(Alterchen)

verhüllend

(abberufen für „sterben")

altertümelnd

(alldieweil)

gespreizt

(beehren)

Papierdeutsch

(anteilig)

übertrieben

(abscheulich)

abwertend

(Ablasskrämer)

spöttisch

(Amtsmiene)

Schimpfwort

(Aas)

derb

(abkratzen - für „sterben") [Duden 1988].

kann die Expressivität ver-

schiedener Natur sein. So unterscheidet man folgende Aspekte der Expressivität [Сковородников, Копнина 2003:765].

bei Metaphern

a) Bildlichkeit: erhöhter (das Lehensschi ff).

Nach

der Meinung der Stilforscher

Anschauungsgrad, z.B.

b) Emotionalität: Die Eigenschaft der Wörter, menschliche Emo-

tionen zu nennen (Hass, Freude) oder auszudrücken (Au!).

c) Wertung: Einschätzung der bezeichneter Gegenstände / Er-

scheinungen als gut, neutral, schlecht, vgl. die ideologische Zeitungs- lexik Banditen vs. Befreiungskämpfer.

d) Verstärkung/Intensivierung der Bezeichnung: lexisch (total, ex-

trem), Wiederholung (sehr-sehr), Wortbildung (blitzschnell, nagelneu).

e) Emphase / Akzentierung (durch Intonation, Pausen, Tempo).

Alle drei Komponenten der SB (funktionale, normative, expres- sive) sind aufs Engste miteinander verbunden. Die Veränderung ei- ner Komponente zieht Veränderungen anderer Komponenten mit sich.

Es gibt lexikalische Einheiten, die nur teilweise stilistisch mar- kiert sind: unter paradigmatischem Aspekt sind in diesem Fall die Lexeme nur nach einer stilistischen Komponente markiert. Z.B.: Halb- leiter (funktional gefärbt (Physik), normativ und expressiv neutral).

Weiterführende

Literatur

1) Сковородников А.П., Копнина Г.А. Экспрессивность

речи // Культура русской речи: Энциклопедический словарь- справочник. М.: Флинта; Наука, 2003. С. 764-765.

2) Duden. Stilwörterbuch der deutschen Sprache. Die Verwen-

un d erw. Aufl. /

dung der Wörter i m Satz. 7., völlig neu bearbeitete

von G. Drosdowski. Mannheim et al.: Dudenverlag, 1988. 864 S. 3) Fleischer W., Michel G. Stilistik der deutschen Gegenwarts- sprache. Leipzig, 1975. S. 87-89. 4) Riesel E. Stilistik der deutschen Sprache. M., 1963. S. 22-37. 5) Riesel E., Schendels E. Deutsche Stilistik. M., 1975. S. 28-39. 6) Romanova N.L. Stilistik. Leicht gemacht. Стилистика немец­ кого языка: Учебное пособие. Вологда: ВГПУ, 2003. S. 43-49. 7) Sowinski В. Deutsche Stilistik. F/M : Fischer, 1991. S. 199-241.

Aufgaben

ffl Aufgabe 1. Vergleichen Sie verschiedene Definitionen des Begriffs „Stilbedeutung". Unterstreichen Sie 3-5 Schlüsselwörter i n jeder Definition. Welche Wörter werden in den meisten Definitionen zur Erklärung der Stilbedeutung herangezogen?

(1) Unter „funktionaler Stilfärbung" verstehen wir jenes spezi-

fische Gepräge

der lexischen, grammatischen

und

phonetischen

Mittel,

Sprachstil hinweist

das

gerade

auf

ihre

Zugehörigkeit

zu einem

bestimmten

[Riesel 1963: 23]

(2) Die absolute stilistische Bedeutung (=Stilfärbung, Markie-

rung, Kolorierung, stilistische Charakteristik) ist eine dem Sprach- system innewohnende linguistische Erscheinung, die die qualitati- ve und quantitative Verwendung der sprachlichen Einheit im Kon- text vorausbedingt. Sie fügt eine zusätzliche unentbehrliche In- formation zur lexischen und grammatischen Bedeutung hinzu; damit hilft sie den Gebrauchswert des betreffenden Sprachele- ments zu objektivieren und richtig in den Griff zu bekommen. [Riesel, Schendels 1975: 29] (3) Elemente der Wortbedeutung, die sich auf das begriffliche Abbild eines Objekts beziehen, nennt man denotativ , <und man> bezeichnet solche dagegen, die sich auf die emotionale Einstellung des Sprechers oder Schreibers beim Kommunikati-

onsakt beziehen, als konnotati v

die Wortwahl <ist> auch

von bestimmten Kennzeichnungen der Wörter abhängig, die im Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (Bd.1, 70) als S ti l s с hic h te n und S ti l r b u n g erfaßt werden. Wichtig:

unter-

1)

Dieselben

Wörter

und

Sememe

können

sich

schiedlich verhalten: Draht -

п., auf Draht

sein

-

salopp-umg.

eingehen (Kleid) - п., zur ewigen Ruhe eingehen - gehoben Der Mann wird mir doch nicht eingehen - salopp-umg.

2)

Dieselben Wörter und

Sememe können sich unterschiedlichen Schichten abgehören:

fern

Wörter

derselben

-

Wortfamilie

-

-

n, fernab

gehoben

3)

Wortbedeutung

und Stilschicht sollen

nicht

verwechselt

werden

- Stilschicht, sondern im semantischen

-

Duft

Geruch

Gestank

unterscheiden

sich

nicht

Merkmalskomplex

in

der

[Fleischer, Michel 1975: 70-87] (4) Stilfärbung: an bestimmte Stilebenen und Funktionalstile gebundene assoziative Wirkung der Stilmittel (meist der Wörter)

z.B. abwertend, vulgär, grob, vertraulich u.a. [Sowinski 1991: 335]

содержания,

присутствующие в языковом материале, которые опираются на коллективный опыт использования языка, отражают многие типические черты культуры эпохи [Brandes 1983: 94].

(5)

-

Коннотации

социально-исторические

Aufgabe 2. Informieren Sie sich über die Begriffe der Stilebe-

ne, Stillage und Stilschicht. Was verbindet sie? Wie beziehen sich die- se Begriffe auf die Stilbedeutung?

Stilebenen, Stillagen, Stilschichten Die Unterscheidung verschiedener Stilebenen hat eine lange Tradition. Die auf Cicero zurückgehende .Dreistillehre' ist nach wie vor aktuell. Sie erfasst drei nach Gegenstand und beabsichtigter Wirkung unterschiedene Sprechweisen (Genera dicendi): den einfachen, den mittleren und den hohen Stil. Der einfache Stil (Stilus humilis) hat den Zweck, in sachlicher, schmuck- und schnörkelloser Rede über Sachverhalte zu infor- mieren und zu belehren (docere). Es ist der Stil der Alltagsrede, der wissenschaftlichen Abhandlung, der Mitteilung. Der mittlere Stil (Stilus mediocris) dient der gefälligen Unterhaltung (delectare), mäßig geschmückt mit Metaphern, pointiert in der Wortwahl, mit Witz und Scharfsinn in der Formulierung: die Stillage gepflegter Konversation, des Essays, der guten Sachprosa. Der hohe Stil (Stilus gravis) zielt auf die innerliche Bewegung des Lesers oder Zuhörers (movere) und erfordert rhetorische Nur der wirklich bedeutsame Gegenstand rechtfertigt den schweren, getragenen, bewegenden Ausdruck. Auf das Alltägliche, Nebensächliche gemünzt, dient er der Parodie und

ffl

Stilistische Hinweise in unseren heutigen Wörterbüchern und Grammatiken fußen im Grunde noch immer auf diesem Modell:

die Stilebenen, Stillagen, Stilschichten des Wortschatzes stehen

im Mittelpunkt. Wörter wie Fresse, Fratze, Visage, Gesicht, Antlitz oder sich kriegen, heiraten, ehelichen, sich vermählen werden unterschiedlichen Stillagen zugeordnet: vulgär, derb, einfach oder familiär, umgangssprachlich oder salopp, bildungssprachlich, hochsprachlich, gehoben, gewählt und schließlich dichterisch, poetisch. Gemessen am tatsächlichen Sprachgebrauch erweist sich das Raster indes als zu grob. Die Stillage der meisten Wörter ergibt sich erst aus ihrem Zusammenhang im Test. Lenz, als dichterisch für das normalsprachliche Wort Frühling markiert, wird auch in salopp-familiärer Rede gern gebraucht: Die macht sich in dem Job

Andere Bezeichnungen für gängige

Stilschichten sind z.T. nicht schichtenspezifisch (Vulgarismen), z.T. durch die Funktion oder den Gegenstand bedingt (Amtsdeutsch, Papierdeutsch; bildungssprachlich, fachsprachlich). Die Beschreibung einer Stilebene muss also ergänzt werden. Dabei müssen sowohl die Merkmale des Sprechers/Schreibers und Hörers/Lesers (Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildung usw.) als auch die Bedingungen ihres Kommunikationsverhältnisses be- rücksichtigt werden (Status, Position, Rolle; Schicht, Klasse, Gruppe; Kultur, Subkultur). [Götze, Hess-Lüttich 1999: 569-570]

'n sonnigen

ffl Aufgab e 3. Irvformieren Sie sich über den Begriff „Stüregister". Denken Sie sich weitere Situationen aus, deren spracHich-stffistische Aus- formung je nach Stüregister unterschiedlich ist.

Stilregister. Auch wer die Standardsprache spricht oder schreibt, variiert seinen Ausdruck oft erheblich. Je nach den Um- ständen wählen wir das sprachliche Register, das uns jeweils am geeignetsten Die wichtigsten Kriterien für die Wahl des Registers wurden schon genannt: das Thema, das Medium, das Verhältnis der Part- ner zueinander. Diese drei Dimensionen bestimmen wesentliche stilistische Eigenschaften des jeweiligen Registers. Die erste Dimension betrifft das Verhältnis von Sprache und dem, worüber gesprochen wird. Das hat vor allem Auswirkungen auf die Wortwahl, aber auch auf die Grammatik. Die zweite Di- mension betrifft vor allem die Unterschiede, die sich aus der Diffe- renz zwischen gesprochener und geschriebener Sprache ergeben. Das gilt auch für Zwischenformen, z.B. wenn ein Text schriftlich so konzipiert wird, dass er ,gut gesprochen' werden kann (z.B. Nach-

richtentexte des Rundfunks und Fernsehens) oder ,wie gespro-

chen' wirkt (z.B. in literarischen Dialogen, die möglichst ,echt', d.h. realistisch wirken sollen). Die dritte Dimension betrifft die sprachli- chen Konsequenzen, die sich aus der Beziehung der Partner er- geben. Das kann im Sprachstil dementsprechend von abweisen- der Schroffheit oder kühler Distanziertheit über sachlich, kollegial, ungezwungen, salopp, familiär bis zu freundschaftlicher Vertraut- heit und Intimität Natürlich wirken alle drei Dimensionen in konkreten Situatio- nen stets zusammen. Hier folgt ein Beispiel, bei dem jeweils die Redekonstellation entsprechend der Zielsetzung variiert wird:

(1) Thema: Kunst (Museumsführung), Medium: gesprochen, Stil: förmlich:

Und hier haben wir nun ein weiteres wertvolles Gemälde von Rubens vor uns. Es gehört zu seinen Frühwerken. Er

wird ja auch der zweite

Tizian genannt

(2) Thema: Kunst (Alltag), Medium: gesprochen, Stil: salopp:

Guck ma! Was is das denn für'n Schinken! Nee, also, ich

find das Bild

entsetzlich

(3) Thema: Kunst (Wissenschaft), Medium: geschrieben, Stil:

sachlich-informativ:

Die Datierung dieses Gemäldes ist unsicher. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es der noch von seinen Lehrers Adam van Noort und Otto van Veen (1556-1629) beeinflussten Frühphase zuzurechnen, trotz hellerer Palette, aber noch mit manieristischen Zügen, die die souveräne Handschrift

des späteren Meisters

freilich

schon

erahnen

lassen

Jedes Register wäre in einer anderen Redekonstellation un- angemessen: Einem unterschiedlich zusammengesetzten Muse- umspublikum wird ein Gemälde in kurzen, allgemein verständli- chen Sätzen erläutert; unter Freunden ist im privaten Gespräch ein salopper Ton erlaubt; der (kunst-)wissenschaftliche Kommen- tar bietet Informationen in gegliedertem Satzbau und reichem Vo- kabular, mit Fremdwörtern und für die Textsorte typischen Wen- dungen. [Götze, Hess-Lüttich 1999: 572-573]

1.5. Sprach- und Stilnorm. Stilistische Fehler

Begriff der Sprach- und Stilnorm. Extra- und intralinguistische Fakto- ren, die die Norm bestimmen. Norm, Usus und Okkasionalismus. Ver-

letzung der stilistischen Norm. Typologie der stilistischen Fehler. Um- normung. Synonymie als Grundlage der stilistischen Wahl.

Theoretische

Grundlagen

Die Sprachentwicklung hat dazu geführt, dass zur Bezeichnung der gleichen Dinge, Erscheinungen und Vorgänge unterschiedliche Wörter (Lexeme) gebraucht werden können, z.B. sterben und ent- schlafen, Computer un d Kiste usw. Stilistik als Wissenschaft von der Wahl der Ausdrucksmittel, die zur Situation am besten passen, muss Hinweise geben, was und i n welcher Situation gebraucht werden kann. In dieser Hinsicht ist der Begriff der Norm wichtig. Man unterscheidet Srach- und Stilnormen. Sprachnormen sind Gesetzmäßigkeiten, mit deren Hilfe die schriftliche und mündliche Form der Literatursprache einheitlich geregelt wir d [Riesel 1963: 46]. Die Sprachnormen beziehen sich auf verschiedene Sprachbereiche, also unterscheidet man phonetische, lexische, morphologische, syn- taktische Normen [Мыркин 2003:113-209]. Um den Begriff der Norm besser zu illustrieren, kann man ihn i n Bezug mit dem Begriff des Sprachsystems setzen: Das Sprachsystem ist Gesamtheit aller Varianten, die gesagt werden können, die Norm ist Gesamtheit aller Varianten, die gesagt worden sind und gesagt werden dürfen [E. Koseriu, zit. nach: Riesel, Schendels 1975: 40]. Stilnorm ist die Gesamtheit historisch veränderlicher Gesetzmä- ßigkeiten, die die Eigenschaften und den Gebrauch der sprachlichen Einheiten auf allen Ebenen bewerten und verbindliche Kriterien für rich tig/falsch, angemessen/unangemessen darstellen" [Riesel, Schendels 1975: 40]. Die Stilnormen differenzieren die Verwendung der allgemeinen Sprachnormen nach funktionalen und semantisch- expressiven Momenten und regeln den Gebrauch stilistischer Kate- gorien, wie etwa Kürze, Überfluß, Dynamik, Anschaulichkeit, Bild- haftigkeit u.a.m. B. Sowinski zählt zur Stilnorm auch die stilistischen Erfordernisse einer Gattung bzw. Textsorte.

Es gibt Textsorten, die mehr oder weniger Freiheit in der Wahl der Stilmittel erlauben. Eine geringere Wahlmöglichkeit gibt es z.B. bei juristischen, geschäftlichen, sachlich informierenden und vor- schreibenden Texten. In anderen Textbereichen besteht eine größere Wahlmöglichkeit der Stilmittel, vor allem bei literarischen Textfor- men, in der Sprache der Werbung, im persönlichen Schriftwechsel

und i n der mündlichen Rede. Gerade die Freiheit des sprachlichen Ausdrucks ist hier stilistische Norm. Faktoren, die die Norm bestimmen:

a) Zeit (in welchem Hotel bist du abgestiegen ?)

b) Nation, Region (ich bin gegessen, gestanden)

c) Verhältnis des Sprechers zu m Gegenstand der Rede und seine

kommunikative

Rolle

(das

Konzert

war

geil/ein

Ge-

nuß/fantastisches,

phänomenales

Ereignis/erfreulich)

die spezifische Vervvendungsweise vie- z. B. i m wissenschaftlichen Text unter-

ler Wörter und Wendungen

scheidet sich deutlich etwa vo m Gebrauch i m Stil der Alltagsrede des privaten Sprachverkehrs.

Die Faktoren, die die Nor m des stilistischen Gebrauchs bestim- men, können (intra)linguistische un d extralinguistische Natur haben:

a) extralinguistische Faktoren: sozialer Status des Sprechers (Al -

ter,

tionssituation;

d) funktionaler Bereich -

Beruf, Geschlecht,

Zustand,

),

Charakteristik der Kommunika-

b) intralinguistische Faktoren: Synonymie, Polysemie, Nationale

Varianten, Verbindungsmöglichkeiten, grammatische Kategorien usw.

Die Verletzung der stilistischen Norm kann beabsichtigt und nicht beabsichtigt sein. Bewusste Verletzung der Stilnorm, die spe- zielle Funktion i m Text erfüllt, nennt man Abweichung von der Norm, vgl.: Wer nicht will, wird gewollt (E. Strittmatter, Der Ochsen- kutscher). Diese Fälle stellen Okkasionalismen (Einmalbildungen) dar, deren ungewöhnliche Charakter i n der Rede höchst expressiv wirkt, vgl . die Einmalbildung vergewohltätigen, die aus Verschmel- zung von „vergewaltigen" und „wohltätig" entstanden ist.

Der unmotivierte normwidrige Gebrauch wird als Verstoß gegen

die Norm gesehen un d muss gemieden werden. Z.B.: Sie hören die

Sendung

vierzehnten

Wenn man unbewusst die Stilnorm verletzt, spricht man von den Stilfehlern. Die Aufgabe der Stilistik ist diese Fehler zu identifizieren und ihnen vorzubeugen. Eine einheitliche und endgültige Klassifika- tion der Stilfehler gibt es nicht. Jedenfalls können wi r i n Anlehnung an russische Stilisten [Романова, Филиппов 2006: 173-188] von zwei Gruppen der Stilfehler sprechen: die eigentlich-stilistischen Fehler und die Fehler, die nach einzelnen Sprachbereichen klassifiziert wer­ den. I m Weiteren betrachten wir jede Gruppe eingehender.

ab 1. Februar vierzehntägig

Tag).

(richtig: vierzehntäglich,

also jeden

a) die eigentlich-stilistischen Fehler:

- Verletzung der Regeln des kommunikativen Benehmens (рече­

вой этикет): man duzt statt „Sie" zu sagen, benutzt falsche (unhöfli- che) Anreden, bezeichnet mi t dem Pronomen der 3. Person (sie, er) die anwesenden usw.;

- nicht motivierte Stilmischung: Benutzung eines Wortes mi t

nicht passender Stilfärbung in einem sonst stilistisch einheitlichen Kontext, vgl . Der Protagonist der Geschichte hat es kapiert (umg.

Wort

i n einer analytischen, also streng formalen Arbeit);

-

nicht motivierter Gebrauch der Fremdwörter, vgl.: Es bleibt zu

eruieren, auf welches Beispiel

er rekurriert;

- Stilarmut: der Sprechende begnügt sich mit dem Minimum an

Wörtern, benutzt dieselben syntaktischen Konstruktionen, nur weni- ge oder gar keine stilistischen Figuren;

- Stilbanalität: der Sprechende benutzt die klischierten abgedro-

schenen Wörter und Wendungen, die schon uninteressant un d über- drüssig wirken, besonders in den selbstgemachten Gratulationen, vgl.: Rosen, Tulpen, Nelken,/alle Blumen welken/Nur dein Glück allein/Soll stets blühend seinl

- Kanzlei- un d Wissenschaftsstil: Wir haben und schwer getan

mit der Etitschlussfassung bezüglich der Weiterbeschäftigung unserer Übersetzerinnen. Die Inanspruchnahme externer Ubersetzungsbüros

ist weitaus kostengünstiger. b) die Fehler, die nach einzelnen Sprachbereichen klassifiziert werden:

- phonetische: falsche Akzentsetzung (z.B. die Rubrik mi t der Be-

tonung auf der ersten Silbe in der Rede der russischsprachigen Stu-

Kakophonie wegen der An -

sammlung der gleichen Laute/Morpheme, die Klitisierung der Wör- ter (z.B. hasste statt hast du) i n dem nicht passenden Kontext;

- lexische: die Wörter werden nicht in der eigentlichen Bedeu-

tung gebraucht, vgl. die größere Hälfte, die Katachrese (Kontamina- tion von zwei Ausdrücken), z.B. die Bedeutung spielen, Paronymie, d.h. die Verwechslung vo n ähnlich lautenden Wörtern, z.B. sich ver- sagen (statt: sich versprechen), sich vergangen (statt: sich verlaufen), Tautologie / Pleonasmus (der volle Anschlag, die potenziellen Mög- lichkeiten, Rückantwort, Zusammenaddieren);

denten), falsche Aussprache der Wörter,

- morphologische: falsche Deklination und Konjugation, die aber

bestimmten grammatischen Gesetzmäßigkeiten folgen, vgl. backt, ich backte, falsche Pluralbildung, z.B. die Täte (statt: Taten), falscher

Genus (Interferenz der Muttersprache, z.B. der Wahl (statt: die Wahl); - syntaktische: falsche Wortverbindung, z.B. für die Reise bezah-

len, Doppelsinnigkeit der Konstruktion, z.B. Der Ingeniur hat den Di-

rektor in seinem Büro

rektors?), Ich fragte ihre Großmutter, wie alt sie ist (die Enkelin oder die Großmutter?).

gefunden (im Büro des

Ingenieurs oder des Di -

Es gibt auch eine andere Klassifikation der Stilfehler [Шанцева

2000]:

a)

semantische Fehler (falscher Lexemgebrauch, falsche

lexische

Verbindung, Tautologie);

b) funktionale Fehler (nicht motivierter Gebrauch der Umgangs­

sprache, emotional-expressiver Wörter, der Kanzleisprache);

c) ästhetische Fehler (Weitschweifigkeit, Monotonie im Satzbau, zu lange Sätze, abrupte Sätze, Klischeegebrauch, Kakophonie). Man muss versuchen, den eigenen aktiven Wortschatz möglichst bereichern, um die Stilarmut zu vermeiden. Zur Bewältigung der

Stilfehler muss man

viel lesen, das Gelesene stilistisch beurteilen un d

auf diese Weise den eigenen stilistischen Geschmack bilden.

Umnormung. Die Stilnormen sind nie stabil und verändern sich im Laufe der Zeit i m Wechselprozess zwischen den kommunikativen Bereichen. Umgangssprachlich oder funktional gefärbte Wörter kön- nen in den allgemeinen Sprachgebrauch eindringen. So passiert z.B. mit vielen Bezeichnungen aus der Computerbranche: Computer, E-Mail, online, hochladen, aus dem Internet ziehen, googeln.

sich

diese Gebrauchsweise durch un d wird nicht mehr als fehlerhaft be-

trachtet: deutsche Literaturgeschichte,

gen Arbeitsstunden. Auch die Bedeutung der grammatischer Kategorien und Elemen- te kann Grundlage der stilistischen Umnormung bilden. So hat die Infinitivgruppe um+zu+INF mit primär finaler Bedeutung die tem- porale Bedeutung der Nachzeitigkeit entwickelt: Wenige der Seeleute gelangten in die Rettungsboote, um ein paar Tage später auf der unüberseh- baren Menge salziger Flüssigkeit zu verdursten (G. Kuriert).

Die Grundlage der stilistischen Wahl innerhalb einer National- sprache bildet die Synonymic Synonyme sind bedeutungsähnliche Wörter. Man unterscheidet folgende Arten der Synonyme:

Bei einigen ursprünglich

falschen

Wortverbindungen setzt

das geheime Wahlrecht, die

freiwilli-

• lexikalische (im Sprachsystem)

• lexikalische (denotative) und stilistische.

und kontextuale (im Text),

Lexikalische Synonymie betrifft formal verschiedene lexikalische Einheiten, die sich i m wesentlichen Teil ihrer Semstruktur decken, sich aber durch sekundäre Bedeutungsmerkmale bzw. stilistische Markierung unterscheiden, vgl.:

• klug - intelligent - gescheit -

• stieren - starren - glotzen - schauen - gucken

verständig

Kontextuale Synonyme sind formal verschiedene Bezeichnungen für denselben Gegenstand i m Text, nicht unbedingt synonym i m Sprachsystem. So kann man in einem Text über die jungen Leute fol- gende kontextuale Synonyme finden:

Kinder - sie - die Zukunft der Nation - Nachkömmlinge - die Kleinen - Gören - Bälger - die Lütten Kontextuale Synonyme dienen zur Variation des Ausdrucks, ge- ben eine zusätzliche Information, sei es eine objektive Feststellung, eine Präzisierung des Gesagten oder eine subjektive Bewertung; i m Stil der Wissenschaft sind die kontextualen Synonyme (besonders bezüglich einer Erscheinung, die terminologisch festgelegt wird) ge- wöhnlich nicht zugelassen, weil dadurch die Eindeutigkeit der Aus- sage gestört wird.

Weiterführende

Literatur

1) Мыркин В.Я. Языковая норма: узус и кодификация: Учеб­ ное пособие. Архангельск: Поморский государственный универ­ ситет, 2002. 230 с. 2) Романова H.H., Филиппов A.B. Стилистика и стили: Учеб. пособие; словарь. М.: Флинта; МПСИ, 2006. С. 172-188. 3) Fleischer W., Michel G. Stilistik der deutschen Gegenwarts­ sprache. Leipzig, 1975. S. 56-59. 4) Riesel E. Stilistik der deutschen Sprache. M., 1963. S. 46-50. 5) Riesel E., Schendels E. Deutsche Stilistik. M., 1975. S. 40-46. 6) Romanova N.L. Stilistik. Leicht gemacht. Стилистика немец­ кого языка: Учебное пособие. Вологда: ВГПу, 2003. S. 41-43. 7) Sowinski В. Deutsche Stilistik. F/M: Fischer, 1991. S. 66-67.

Aufgaben

Ш Aufgabe 1. Formulieren Sie den Hauptgedanken der folgen­ den Auslegungen zum Begriff der Stilnorm.

Stilnormen sind Gebrauchsnormen bzw. Erwartungsnormen, nicht ideale Normen. Das bedeutet, dass sie nach Zeit und Raum

(Stilwandel; Regionalstile), Situation und sozialer Gruppe (Situati- onsstile; Gruppenstile) variieren können. Insofern sind auch As- pekte der Sprachgeschichte, Dialektologie, Pragmatik und Sozio- linguistik für die Stilbeschreibung wichtig. Im Zentrum steht jedoch das Regelwerk der Andererseits kann man sprachliche Wohlgeformtheit nicht auf Grammatikalität festlegen. Häufig begegnen uns ungewöhnliche Wortverbindungen in Gedichten, farbige Metaphern im politischen Sprachgebrauch, abweichende Wortbildungen oder Schreibweisen in der Werbung (frischwärts, Allllrad), saloppe Gelegenheitsbil- dungen im Jargon von Jugendlichen, das 'Pidgin'-Deutsch vieler Ausländer, und wir werten diese Sprachformen oft nicht einmal als Verstöße gegen die Regeln der Grammatik, obwohl sie von deren Normen abweichen. Aber für eine Stilbetrachtung sind Grade der Grammatikalität nicht ausreichend; Stil ist keine Unterkategorie der Grammatik. Wichtiger ist die Kategorie der .Akzeptabilität'. Ein Satz wie: Derjenige, der den Mann, der den Pfahl, der auf der Brücke, die auf dem Weg, der nach Worms führt, liegt, steht, um- geworfen hat, anzeigt, bekommt eine Belohnung ist grammatisch korrekt, aber ist er stilistisch akzeptabel? Man muss wohl unter- scheiden zwischen .obligatorischen' Regeln der grammatischen Normen und .fakultativen' Regeln des stilistischen Gebrauchs. .Fakultativ' bedeutet Möglichkeit der Wahl zwischen Alternativen, zwischen Varianten der Formulierung und ihrer jeweiligen Kombi-

nation.

[Götze, Hess-Lüttich 1999:

567]

Aufgabe 2. Finden Sie stilistische Fehler und korrigieren Sie

sie; vergleichen Sie Ihre Antwor t mit der Lösung 4 .

Alex ist pikiert, weil ich sein Gerede langweilig finde. Seit dem Tod ihres Mannes ist Doris sehr stark introvertiert. Der Konflikt zwischen Arbeitsanforderungen und privaten Be- dürfnissen findet hier seinen Austrag. Die Wiederaufforstungsmaßnahmen haben Millionen gekostet. Ohne die Bereitstellung finanzieller Mittel durch die Bundesregie- rung wäre das Projekt nicht zur Durchführung gekommen. Damit die betriebliche Altersversorgung auch in Zukunft Bestand haben kann, muss jetzt eine Neuregelung vorgenommen werden.

ffl

4

Die Beispiele für diese Aufgabe sind dem Lehrbuch [Hoffmann 86] entnommen.

1999:

78-

„Hast du denn in den Ferien deine Arbeit zum Abschluss ge- bracht?" „Ja, und ich habe es sogar in Erwägung gezogen, für eine Woche wegzufahren. Doch dazu hätte ich einen Kredit meiner El- tern in Anspruch nehmen müssen. Ich hatte gerade erst einen Computerkauf getätigt und keine müde Mark auf dem Konto." Wir werden prüfen und kontrollieren, ob alle Anmerkungen in den Text eingearbeitet wurden. Ich werde in meinen Ausführungen nicht auf alle Einzelheiten und Details eingehen; stattdessen werde ich mich auf Entwicklun- gen und Tendenzen konzentrieren. Ich kann diesen lauten Krach nicht mehr aushalten. Ich bin offen für andere Alternativen.

1.6. Text aus stilistischer Sicht

Stilistik als Teil der Textlinguistik. Begriff des Textes. Merkmale eines Textes. Hauptbegriffe der Textstilistik: Kommunikationsform, Textsorte, Textkomposition. Texteinheiten (Absatz). Verflechtungsmittel im Text. Kontext, stilistischer Kontext. Darstellungsarten (Erzählen, Berichten, statisches und dynamisches Beschreiben, Schildern, Erörtern). Erzähl- perspektive (auktorialer Erzähler, Ich-Erzähler, Heldenperspektive). Rededarstellung.

Theoretische Grundlagen

Stilistik ist eng mit der Textlinguistik verbunden, weil sich beide Disziplinen mit Texten befassen. Jedoch liegt der Schwerpunkt der Textlinguistik auf der Erforschung der Sprache in ihrer Realisierung als Text, während die Stilistik nur eine Komponente des Textes - die

stilistische - in Betracht zieht. Die stilistische Komponente ist mit der

situations- und funktionsbedingten Auswahl der Textelemente ver-

bunden, mi t der Entscheidung des Sprechers oder Schreibers, der Fakultativität sprachlicher Einheiten des Textes, also mi t der Variati- on der Darstellung [Fleischer, Michel 1975: 37].

Neben den rein stilistischen Möglichkeiten eines Textes befasst sich die Textlinguistik auch mit den Elementen und Gesetzmäßigkei- ten, die nicht von der Wahl des Sprechers abhängen, sondern für die Konstitution eines Textes obligatorisch sind, z.B. Satz- und Textver-

flechtung, semantische Relationen i m Text, Gesetze der Textkompo- sition.

textlinguistische Kategorie ist, die

Textlinguistik aber viel breiter als Stilistik ist.

Das

bedeutet,

dass Stil eine

des

Textes als ihrer Teildisziplin ist das Problem der Textdefinition. Z u den strittigen Aspekten des Textbegriffes zählen folgende:

Was konstituiert den Text (Wörter, Sätze, Absätze)? Wie ist das Verhältnis des Textes un d anderer Spracheinhei- ten und Sprachebenen? Wo liegen die Grenzen eines Textes? Sind die Grenzen vo n der Größe des Textes abhängig? Ist für einen Text die schriftliche Form obligatorisch? Die Stilistik interessieren alle Texte, die es gibt, deswegen sollte man bei der Beantwortung dieser Fragen möglichst breite Auffas- sung des Textes erzielen. So existieren i m Stil der Alltagsrede haupt- sächlich mündliche Äußerungen und Gespräche, und es lohnt sich nicht, sie den schriftlichen Gebüden gegenüberzustellen. Viel pro- duktiver ist in beiden Fällen von Texten zu sprechen, die bestimmte gemeinsame Gesetzmäßigkeiten haben.

Zu solchen Gesetzmäßigkeiten gehört z.B. die Frage nach den Textgrenzen. Nach der Meinung von I.W. Arnold sind die Textgren- zen nicht von der Größe des Textes abhängig, der Text kann auch aus einem einzelnen Satz bestehen. Signale für die Abgrenzung eines Textes von den anderen sieht die Forscherin in der einheitlichen pragmatischen Aufgabe (hauptsächlich, Information zu vermitteln), inhaltlicher Ganzheitlichkeit und dem Zusammenhang (thematische Reihen, Wiederholungen der Symbole, Themen, Szenen usw.). Gera- de die Informationsvermittlung, Ganzheitlichkeit und Zusammen- hang (информативность, целостность, связность) sind Haupt­ merkmale des Textes nach I.W. Arnold [Арнольд 1981: 34-40].

В. schlag. Seine Ideen sind in der Tabelle 2 verallgemeinert.

Die grundlegende Frage

der Textlinguistik un d der Stilistik

Sowinski

[Sowinski 1991:

31-37]

hat

einen

ähnlichen

Vor-

Tabelle 2

Merkmale un d Grenzen des Textes nach B. Sowinski

Signale für Grenzen Semantische (inhaltliche)

Strukturell-linguistische (stilistische) Einheitlicher Sprachstil

Optische bzw. akustische

Merkmale Inhaltlicher Zusammenhang

Akustische / optische Gestal- tung

Die Textdefinition hängt von der Beantwortung der oben skiz- zierten Fragen ab. Für die breite stilistische Auffassung des Textes wird hier die leicht modifizierte Definition von W. Fleischer und G. Michel vorgeschlagen [Fleischer, Michel 1975: 190]: Der Text (lat. textum - das Gewebe, Gefüge) ist eine Ganzheit, die einen i m Be- wusstsein widergespiegelten komplexen Sachverhalt mit sprachli- chen Mitteln in mündlicher oder schriftlicher Form darstellt. Für die stilistische Beschreibung des Textes sind folgende Begrif- fe wichtig: Kommunikationsform, Textsorte, Textkomposition, Text- einheit. Im Weiteren gehen wir kurz auf jeden Begriff ein. Man unterscheidet grundsätzlich zwei Kommunikationsformen:

die mündliche und die schriftliche. Die beiden Formen sind durch bestimmte Kommunikationsbedingungen ausgezeichnet (Tab. 3). Tabelle 3 Kommunikationsbedingungen bei der schriftlichen und mündli- chen Textform [nach Koch, Oesterreicher 1990:12]

Die mündliche

face-to-face-Interaktion physische Nähe

Dialog Privatheit Vertrautheit" Spontaneität freie Themenentwicklung Situationsverschränkung Emotionalität

Form

Die schriftliche

Form

raumzeitliche Trennung

keine physische Nähe Monolog Öffentlichkeit Fremdheit Reflektiertheit Themenfixierung Situationsentbindung Objektivität

Die genannten Kommunikationsbedingungen der beiden Kom- munikationsformen ziehen die entsprechende sprachliche Realisie- rung der Texte nach sich. So sind für die mündliche Kommunikati- onsform folgende sprachliche Signale typisch:

Phonetische Ebene:

• phonetische Sprech-Erleichterungen und Verschiebungen.

Pausen un d Wiederholungen,

Lexische Ebene:

• Reduzierter Wortschatz,

• viele Modalwörter, die Nuancen der subjektiven Einstellung des Sprechenden wiedergeben,

• häufigere

Verwendung von Dialekt oder

regionalen

Syntaktische Ebene:

Umgangssprache.

-

• Häufigere Parataxe,

• Konstruktionsbrüche. Textebene:

Merkmalen

einer

• Thematische Steuerung ist nicht linear, sondern sprunghaft,

• Nonverbale und paraverbale

Mittel

sind sehr wichtig und

manchmal

treten

anstelle

der

verbalen

Äußerungen

[nach

Schank, Schwitalla 1980: 317ff.].

 

Die beiden Kommunikationsformen sind mit bestimmten

Funk-

tionalbereichen

verbunden. So sind die Äußerungen der Alltagsrede

überwiegend

mündlich un d die Texte des offiziellen Stils fast aus-

schließlich schriftlich realisiert.

In der modernen Sprachwissenschaft

diskutiert man noch über

die besondere Kommunikationsform in den modernen Medien (z.B.

verfasst,

im

Chat).

Hier werden die Texte konzeptionell mündlich

aber schriftlich realisiert. In diesem Zusammenhang sprechen die

Linguisten von der formalen oder Schriftlichkeit.

die

Einheit inhaltlicher und formaler Aufbauglieder der Gesamtstruktur, materiell erfasst in ihrer sprachstilistischer Ausformung [Riesel, Schendels 1975: 266]. Zur Textkomposition zählen die logische Ge- dankenführung (Einleitung, Charakteristik der Person, Historischer Exkurs u.a.) und ihre materielle Gestaltung in einzelnen Texteinhei- ten.

Texteinheiten sind beliebige äußerlich markierte Bestandteile des Textes (z.B. Absätze, Abschnitte, Kapitel usw.). Als Grundeinheit des Textes gilt der Absatz. Darunter versteht den Redekomplex, der ein

Unterthema i n der logischen Entwicklung des Textganzen

geschlossen darstellt. Der Absatz wird durch graphische und phone- tische Signale markiert. Graphisch ist der Absatz durch die neue Zei- le und phonetisch durch eine besondere Intonation („intonatorischen Rahmen") markiert. Die den Absatz konstituierenden Sätze enthalten verschiedene Mittel der Nachbarverbindung (anaphorisch: Der Junge

*— er, sein usw. , kataphorisch: sie —» die

konzeptionellen Mündlichkeit

E. Riesel

und

E. Schendels

/

Die

Textkomposition

ist

nach

relativ ab-

Stunde).

Die Verbindung/Verflechtung der Sätze bildet die Grundlage

der Existenz eines Textes (vgl. die Ganzheitlichkeit als eines der

Hauptmerkmale eines Textes). Das

dass die

wird

dadurch erklärt,

Sätze in einem zusammenhängenden Text den ähnlichen Denotats- bezug haben: Die Wörter und Wortverbindungen bezeichnen den gleichen Gegenstand, Erscheinung oder Sachverhalt. Referenzidentische Lexeme bilden die Topiks i m Text; mehrere Topikketten bilden die Isotopie eines Textes. Die Verflechtungsmittel im Text können folgende Verbin- dungsarten haben [Fleischer, Michel 1975: 208]:

Nachbarbindung / Distanzverbindung; Rückwärtsverbindung, Anapher (Er) / Vorwärtsverbindung, Katapher (nachfolgend) / gleichzeitige Rückwärts- un d Vorwärtsver- bindung (zweitens).

Als Mittel der Verflechtung dienen:

- Adjektive ähnlich, gleich,

- Adverbien ebenso, genauso, anders,

- Pronominaladverbien damit, hierher (=Deiktika, ITinweiswörter),

- Artikel ein, der,

- Konjunktionen damit, weil,

- Personal-, Demonstrativ-, Possessivpronomen,

Grammatische

Kategorien können auch als Mittel der

Satzver-

flechtung auftreten, vgl.:

- Genus der Substantive (im Zusammenhang mit den Topiks),

- Tempus (wird einmal gewählt und ist einheitlich für den gan-

Tempus-

formen),

- Modus (der Inhalt des Satzes wird in Beziehung zum genann- ten Sprecher gebracht),

zen Text; es gibt Beschränkungen in der Kombination der

- Satzgliedstellung (Thema-Rhema-Gliederung),

- Steigerungsstufen der Adjektive.

Rhetorisch-stilistische

Mittel verfügen neben der unmittelbaren

stilistischen Funktion im Text auch über eine architektonische Funk-

tion.

Besonders wichtig sind in dieser Hinsicht Figuren der Hizufü-

gung

und der Umstellung, vgl. Antithese, Chiasmus,

Aufzählung

(Klmax/ Antiklimax), Prolepse, Wiederholung; sprachUches Leitmo- tiv usw. Ein für die Stilistik wichtiger Begriff der Textebene ist der Begriff des Kontextes. Allgemein kann der Kontext als Umgebung eines sprachlichen Mittels im Textganzen verstanden werden. Der stilisti- sche Kontext ist dabei mit der Hervorhebung der wichtigsten Text- elemente verbunden, vgl. die Äußerung von M . Riffaterre: Language expresses and style stresses [zit. nach: Арнольд 1981: 46].

Die Wichtigkeit dieser Funktion des stilistischen Kontextes wird durch Prozesse der Textproduktion und der Textverständigung er- klärt. Während des Lesens verliert der Leser viel Information. Der Autor soll den Dekodierungsprozess steuern, damit die wichtigsten Momente im Auge behalten werden. Die Steuerung der Aufmerk- samkeit erfolgt dadurch, dass i m Text unerwartet ein ungewöhnli- ches stilistisches Mittel oder Element erscheint. Zum Unterschied von dem linguistischen Kontext besteht die

Funktion des stilistischen Kontextes darin, gleichzeitig zwei oder mehr Wortbedeutungen zu realisieren, neue Konnotationen, Sinn-

kompression z u schaffen un d dadurch Textes hervorzurufen. Die stilistische Analyse der Texte

erleichtert die Kenntnis über

die maximale Leistung des

ihre Textsorte. Unter Textsorte versteht man das prototypische Mus- ter der Redehandlung in verschiedenen Bereichen [Фикс 2001: 101], z.B. Lexikonartikel, Schlagertext, Slogan, Brief usw. Zur Ausgliede­ rung der Textsorten ist eine Reihe der Parameter entwickelt, deren Kombination verschiedenste Textsorten bzw. Textsortengruppen er­ gibt. Zu diesen Parametern zählen nach B. Sandig „gesprochen", „spontan", „monologisch", „räumlicher Kontakt", „zeitlicher Kon- takt", „festgelegter Textaufbau" usw. [Sandig 1972, zit. nach:

Богатырева, Ноздрина 2005: 157-159]. So sind Privatbriefe durch folgende Konstellation der Hauptmerkmale charakterisiert: [-gespro­ chen], [+spontan], [+monologisch]. Die Merkmale [-gesprochen], [-spontan], [+monologisch] charakterisieren offizielle Briefe, wissen­ schaftliche Texte, Kochrezepte. Die feinere Differenzierung der Textsorten wird durch zusätzliche Parameter erzielt.

Eine besonders lange Geschichte hat die Tradition der Erfor- schung und Beschreibung der Textsorten in der schönen Literatur. Hier unterscheidet man die Textsorten, die sich in jeder literarischen Gattung entwickelt haben (Trauerspiel, Drama und Komödie in der Dramatik, Gedicht, Ode, Sonette usw. in der Lyrik, Roman, Novelle, Fabel, Erzählung in der Epik). Jedenfalls fehlen hier die gemeinsa- men Kriterien für die Textsortenausgliederung und die Beschreibung der einzelnen Textsorten erfolgt frei nach der eigenen Logik jeder Textsorte und jeder Gattung. Dasselbe gilt für die Textsorten des wissenschaftlichen un d des offiziellen Stils.

ein einheitliches Textsorten-

modell vorzuschlagen [Шмелева 1997]. Dieses Modell wurde zwar primär für die Textsorten der mündlichen Rede (речевые жанры)

Interessant

sind jedoch

Versuche,

vorgeschlagen, man kann es jedoch versuchen, nach demselben Prin- zip in anderen Fällen vorzugehen. Unter den Parametern eines sol- chen Modells kann man folgende ausgliedern:

Pragmatische:

• Kommunikationsabsicht,

• Autor und Adressat,

• kommunikative Sphäre,

• temporale Orientierung der Textsorte, d.h. Abhängigkeit von

den früheren oder Bezogenheit

ladung - Antwort, Gratulation - Dank.

auf spätere Textsorten, z.B. Ein-

Formal-strukturelle:

• Kommunikationsform,

• Länge,

• Komposition,

• Monolog / Dialog. Inhaltliche:

• Thema

Sprachliche:

• typische Sprachmittel und Stilzüge,

• Gesprächsstrategien: Hauptstrategien dabei sind Kooperati-

on und Konfrontation, die einzelne Taktiken einschließen: positi- ve Selbstpräsentation, Fokussierung, Hervorhebung, Beschuldi- gung, Kritik usw.

Die Textsorte des Familiengesprächs sieht nach diesem Schema so aus. Die Kommunikationsabsicht ist phatisch (Kontakte pflegen), Autor und Adressat sind nahe Familienmitglieder, Kommunikative Sphäre ist Alltag,

Das Familiengespräch hat eine unabhängige temporale Orientie- rung, d.h. es ist nicht auf eine frühere oder spätere Textsorte obliga- torisch bezogen,

verschiedene

Länge haben, die Regeln für die Markierung der Anfangs- und End- grenze sind relativ frei. Die Komposition der Textsorte ist durch die Reihenfolge der dia- logischen oder polilogischen Einheiten bestimmt. Der Inhalt ist auf die Themen des Familienlebens, der Alltags- pflichten und der Erziehung beschränkt.

Das Familiengespräch ist mündlich realisiert, kann

Im Familiengespräch überwiegen sprachliche Mittel von Emoti- onalität und Imperativität, die Hauptstrategie dabei ist die Koopera- tion [nach: Антология речевых жанров 2007:172].

noch i m Entste­

hen.

Ein für die Stilistik und die Textanalyse wichtiger Begriff ist der Begriff der Darstellungsarten (DA). Unter Darstellungsarten werden Grundformen des emotionalen oder des rationalen sprachlichen Aus - drucks verstanden.

Die einheitliche Theorie

der Textsorten ist aber

Bei der Ausgliederung der

-

- die Haltung des Sprechers dazu (objektiv oder subjektiv).

D A sind wichtig

der Sachverhalt

(Gegenstand,

Vorgang oder ein Problem),

Aus der Kombination dieser Merkmale ergeben formen der Darstellung (Tab. 4).

sich 5 Grund-

Tabelle 4

Darstellungsarten

Sachverhalt

objektiv

subjektiv

Gegenstand

Beschreiben

Schildern

Vorgang

Berichten

Erzählen

Problem

Erörtern (Argumentieren, Schlussfolgern, finieren, Urteilen, Charakterisieren)

De-

bildet die Komposition

des Textes. Dabei gibt es bestimmte Regeln für den mehr oder weni- ger einheitlichen Gebrauch der Darstellungsarten i n bestimmten Sti- len und Textsorten. So sind im offiziellen Stil nur die objektiven Darstellungsarten fast ohne Variation erlaubt. Die konkrete Darstellungsart ist von der Textsorte bestimmt, z.B. Berichten ist in dem Untersuchungsproto- koll und Beschreiben in der Gebrauchsanweisung obligatorisch.

Der wissenschaftliche Stil erlaubt mehr Variation, obwohl hier auch nur die objektiven Darstellungsarten erlaubt sind. Die größten Variationen findet man in der Kombination der Dar- stellungsarten in der schönen Literatur, wo auf die beschreibenden oder schildernden Passagen die Charakteristik der Person, dann Er- zählen u.a. folgen kann. Für das Erschließen der Textkomposition ist ferner der Begriff der Erzählperspektive wichtig. Unter Erzählperspektive wird die Blickrichtung des Textes i n räumlicher, zeitlicher, personaler un d

Die Kombination der Darstellungsarten

gedanklicher Hinsicht verstanden. Zu den Bestandteilen der Erzähl- perspektive zählen:

- Erzählertyp (Arten: der auktoriale Erzähler, der Ich-Erzähler,

der personale Erzähler);

- der räumlich-zeitliche Blickpunkt der Darstellung (Erzählzeit, das zeitliche Relief, Vor- und Rückblenden);

- Erzähltempo (ruhig/episch, rasch/dynamisch, sprunghaft).

Die Rededarstellung umfasst nach W . Fleischer un d G. Michel [Fleischer, Michel 1975: 210] folgende Typen:

1. Nebeneinanderstellung zweier Perspektiven:

das Gesprochene - direkte Rede das Gedachte - innerer Monolog

2. Überlagerung der Perspektive des Redenden das Gesprochene - indirekte Rede

3. Verschmelzung der Perspektiven:

erlebte Rede

Jede Ar t der Rededarstellung hat eigene stilistische Effekte und bevorzugte Funktionalbereiche. So ist die indirekte Rede i m publizis- tischen Stil, die direkte (unmittelbare) Rede in der Alltagsrede oder

als Zitat i m wissenschaftlichen un d offiziellen Stil z u treffen. Außer-

anderen Faktoren

der Textebene zusammen und bestimmt auf diese Weise die indivi-

dem wirkt die Rededarstellung i m Komplex mit

duelle stilistische Wirkung jedes Textes.

Weiterführende

Literatur

1) Богатырева H.A., Ноздрипа Л.А. Стилистика современного немецкого языка: Учеб. пособие. М.: Академия, 2005. С. 150-179. 2) Домашнев А. И., Шишкина И.А., Гончарова Е.А. Интер­ претация художественного текста. М., 1989. С. 11-21. 3) Фикс у. Проявляется ли культурная специфика в типах текста? Слово в защиту широкой трактовки понятия "тип тек­ ста" / Перевод Л.И. Гришаевой // Вестник ВГу, Серия лингвис­ тика и межкультурная коммуникация. 2001. № 2. С. 100-107. 4) Шмелева Т.В. Модель речевого жанра // Жанры речи. Са­ ратов: Изд-во ГосуНЦ «Колледж», 1997. С. 88-98. 5) Brandes М.Р. Stilistik der deutschen Sprache. M., 1983. S. 56-91. 6) Fleischer W., Michel G. Stilistik der deutschen Gegenwarts­ sprache. Leipzig, 1975. S. 190-229, 268-297.

7) Koch P., Oesterreicher W. Gesprochene Sprache i n der Roma- nia: Französisch, Italienisch, Spanisch. Tübingen, 1990. S.12. 8) Riesel E., Schendels E. Deutsche Stilistik. M , 1975. S. 264-291. 9) Schank G., Schwitalla J. Gesprochene Sprache und Gesprächs- analyse // Lexikon der Germanistik. Linguistik. 2. Aufl. Tübingen, 1980. S. 313-322.

10) Sowinski B.

Deutsche Stilistik. F/M : Fischer, 1991. S. 31-37.

Aufgaben

Ш Aufgabe 1. Ist es ein Text? Beweisen Sie. Vergleichen Sie Ihre Antwort mit der Lösung.

Mit dem Brief kam neue Hoffnung. Vom Rückgang im Formen- gebrauch ist auch der Konjunktiv betroffen. Die damit zusammen- hängenden Einnahmen sind an den Bund abzuführen. Die Stadt, kurz vor Herbst noch in Glut getaucht, nach dem kühlen Regensom- mer dieses Jahres, atmete heftiger als sonst.

ffi Aufgabe 2. Formulieren Sie nach dem Muster der sprachli- chen Realisierung der mündlichen Rede (S. 49-50) die typischen Merkmale der schriftlichen Rede.

ffl

Aufgabe

3. Finden Sie

Signale der Mündlichkeit

un d der

Schriftlichkeit in dem Auszug aus einem öffentlichen Chat-Kanal.

Fri Jul 18 2008 08:33:23 #deutschland

[13:02]

<+sternchen113> hello

[13:02]

<Kerstin A > hallo kleiner stern

[13:03] <+sternchen113> huhuuu Kerstin* [13:03] <+sitaram> gumo sternchen113 :)))

[13:03] <+sternchen113> gumo sitaram

[13:03] <TikTak> kalt wind regen

[13:05] <+sitaram> tiktak: du bist ein wetterexremist [13:05] <TikTak> nein, ich warte auf die klimakatastrophe [13:06] <+sitaram> tiktak: warum? biste da verabredet ?

[13:07] <+sitaram> also, des momentane wetter ist nicht katastrohen- lasig ;) [13:07] <TikTak> nein.doch ueberall lese ich.dass es waermer wer-

Kieks guten tag

ein schoenertag :-)

den soll

und

das meer soll um 7meter hoeher werden

[13:07]

<Kerstin A > bbl

[13:07] <@Happosai> Ich warte auf dich, Kerstin*!

[13:08] <+sitaram> mach die keine sorgen tiktak.die natur hat immer recht :)) [13:08] <TikTak> dann bin ich ja beruhigt :-) [13:08] <+sitaram> so wie die norddeutschen sagen: wat kütt dat kütt ;)

Ш Aufgabe 4. Bestimmen Sie, welche Textsorten durch folgen­

de Parameter von B. Sandig charakterisiert sind. Vergleichen Sie Ihre Antwort mit der Lösung.

[-gesprochen, +spontan, +monologisch],

[+gesprochen,

[+gesprochen, +spontan, -monologisch],

[+gesprochen, -spontan, -monologisch],

-spontan, + monologisch],

ffl Aufgabe 5. Bestimmen Sie die Darstellungsarten, die den folgenden Textproben zugrunde liegen. Untersuchen Sie, welche sprachlichen Mittel auf jeweilige Darstellungsart schließen lassen.

(1) Das Land, in dem Lukas der Lokomotivführer lebte, hieß Lummerland und war nur sehr klein. Es war sogar ganz außerordentlich klein im Vergleich zu anderen Ländern, wie zum Beispiel Deutschland oder Afrika oder China. Es war ungefähr doppelt so groß wie unsere Wohnung und bestand zum größten Teil aus einem Berg mit zwei Gipfeln, einem hohen und ei- nem, der etwas niedriger war. Um den Berg herum schlängelten sich verschiedene Wege mit kleinen Brücken und Durchfahrten. Außerdem gab es auch noch ein kurvenreiches Eisenbahngleis. Es lief durch fünf Tunnels, die kreuz und quer durch den Berg und seine beiden Gipfel führten. (2) Eines schönen Tages legte das Postschiff am Strand von Lummerland an, und der Briefträger sprang mit einem großen Paket unter dem Arm an Land. „Wohnt hier eine gewisse Frau Malzaan oder so ähnlich?" fragte er und machte ein ganz dienstliches Gesicht, was er sonst nie tat, wenn er die Post brachte. Lukas schaute Emma an, Emma schaute die beiden Untertanen an, die beiden Untertanen schauten einander an, und sogar der Kö- nig schaute zum Fenster heraus, obwohl es weder ein Feiertag noch Viertel vor zwölf war. [M. Ende, „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer"]

ffl

Aufgabe 6. Informieren Sie sich über verschiedene

Erzähler-

274]. Notieren Sie sprachliche Signale

typen [Riesel, Schendels 1975:

jedes Erzählertyps.

4 ,

Als Musterfall der subjektiven Ich-Erzählung bringen wir den Ein- gang des Heineschen Reisebilds „Ideen. Das Buch Le Grand", wo der Autor im intimen Plauderton mit seiner vermeintlichen Ge- sprächspartnerin seine innere Welt und seine Persönlichkeit auf- deckt: Madame, kennen Sie das alte Stück? Es ist ein ganz außeror- dentliches Stück, nur etwas zu sehr melancholisch. Ich hat' mal die Hauptrolle darin gespielt, und da weinten alle Damen, nur eine einzi- ge weinte nicht, nicht eine einzige Träne weinte sie, und das war e- ben die Pointe des Stücks, die eigentliche Katastrophe. - Fassen wir die sprachliche Ausgestaltung ins Auge: Anrede, Fragesatz als Ein- leitung, also Erzählperspektive: unmittelbare Einstellung auf den Empfänger. Einfache parataktische Verbindung von kurzen Sätzen als Imitation der Alltagsrede. Freier Zeitformenwechsel; Präsens- Perfekt-Präteritum entsprechen der Gegenwart als Ausgangspunkt der Erzählung (Präsens); dem Rückblick in die Vergangenheit (Per- fekt), der Erzählform (Präteritum). Die Wortwahl ganz außerordent- lich, nicht eine einzige, die Katastrophe, etwas zu sehr, mal, sowie die dreifache Wiederholung des Wortes weinen verleihen dem Text eine emotional subjektive Note. Intonatorische Gestaltung: kurze kleine Syntagmen, bewegte abwechslungsreiche Tonführung, schnelles Tempo. Die Gestalt des Erzählers steht fast leiblich vor uns: ein witziger, galanter Weltmann, der hinter seiner allzu offenher- zigen Plauderei seelische Schmerzen verbergen will. Dies ist die Sprechmaske von Heine. Als Gegenstück diene die sachliche, distanzierte Haltung des be- richtenden Er-Erzählers in A. Zweigs Novelle „Schipper Schammes". Bewaldete Hügel begrenzen den Horizont. Von ihnen aus senkt sich das Land in welligen Mulden. Ein Bach durchspült das Tal; altmählich heben sich neue Kuppen ins Licht des späten Nachmittags. Vor einer Baracke sitzen um einen rohen Tisch auf rohen Ban- ken fünf Männer, vertieft in das heilige Kartenspiel Skat. Ihre weißen Drillichanzüge, die Hosen in den Stiefeln, machen sie einander gleich: Arbeiter, die sauber gewaschen ihren Feierabend genießen. Der Autor schildert ruhig, episch, in verlangsamtem Tempo. Der un- bestimmte Artikel und der ihm entsprechende Nullartikel im Plural, der gleichmäßige Präsens-Gebrauch, die neutrale Lexik formen die Autor-Gestalt aus; nur einmal bricht die Bewertung durch, bei dem Wort heilig.

Der Erzähler weiß alles über das innere und äußere Geschehen

in und zwischen seinen Gestalten. Sein Wissen ist unbegrenzt, über- all ist er und mit ihm der Leser auf eine stille und geheime Weise an-

wesend.

[Riesel, Schendels 1975: 274]

2. STILBESCHREIBUNG

2.1. Phonetische und graphische Stilmittel

Stilistisch .bedingte Besonderheiten der Aussprache (Lautmalerei, Lautsymbolik, Alliteration, Assonanz, Dissonanz). Graphische Darstel- lung der phonetischen Besonderheiten der Rede in einem schriftlichen Text. Rhythmus als Stilmittel. Stilistische Ausnutzung der Intonation. Rolle der graphischen Mittel in der Stilistik. Stilistische Ausnutzung graphischer Satzzeichen (das Komma, der Doppelpunkt, der Gedanken- strich, Gedankenpunkte).

Theoretische

Grundlagen

Jedes Wort, jede Aussage hat die materielle Seite: lautliche oder schriftliche Form. Das stilistische Potenzial der Laute bzw. deren graphischen Fixierung erforscht die phonetische Stilistik. Zum Auf- gabenbereich der phonetischen Stilistik gehört die Erforschung der stilistischen Wirkung einzelner Laute und ihrer Verbindungen (Lautmalerei, Lautsymbolik, Alliteration, Assonanz, Dissonanz) so-

wie auch der Tonführung un d der rhythmischen Organisation des Textes, die durch graphische und Interpunktionszeichen fixiert sind.

Die Lautmalerei (Lautinstrumentierung, Onomatopöe)

bezeich-

net eine bewusste Verwendung vo n Laut un d Lautverbindung. Sie geht auf Nachahmung von Naturgeräuschen zurück. Die Lautnach- ahmung bildet in jeder Sprache verschiedene Traditionen aus. I m Deutschen wird das Sausen des Windes, das Rauschen des Wassers,

das Zischen der Flamme durch Zischlaute wiedergegeben. Die Vokale der vorderen Reihe i, ü, (ei, e) drücken hohe Tier- und Vogelstimmen

aus,

z. B. piepsen, zwitschern, trillern, oder Naturgeräusche mi t hoher

und

dünner Stimme, z. B. i n Heines Harzreise: „Der Philister blinzelt

mit Äuglein und kichert und lispelt "

Der Vokal и wird zur Nachahmung des Tiefen un d Dunklen be­ nutzt: dumpf, plump, dunkel. Ähnlich entspricht dem Vokal a die Nachahmung eines krachenden Naturlauts, eines knarrenden Ge- räuschs: krach, knacks, trapp, z. B. i n Goethes Hochzeitlied:

„Nun dappelts und rappelts und klapperts im Saal von Bänken und Stühlen und Tischen " Die Lautsymbolik beruht auf Herstellung metaphorischer Bezie- hungen zwischen Lauteigenschaften und damit assoziierten Vorstel- lungen. Die Autoren stellen das Bild einer bestimmten physischen Erscheinung oder eines Gegenstandes dar, indem sie sorgfältig die Wörter nach deren Lautbild wählen. So schildert F. Schiller den Klang der Glocke i n seiner Ballade durch folgende Wörter:

Von dem Dome schwer und bang tönt der Glocke Grabgesang (Fr. Schiller, Die Glocke). Die Alliteration ist der Gleichklang der anlautenden Konsonan- ten. Wie jede Ar t Wiederholung dient die Alliteration der besseren Einprägung, Akzentuierung des Gesagten, vor allem i n den Zwil - lingsformeln, z.B. über Stock und Stein, mit Mann und Maus usw. Auch in den Schlagzeilen und in Werbeslogans ist die Alliteration ein mög- liches Klangstilmittel: Der bessere Beton. Da gibVs nichts dran zu rütteln (Werbeslogan der Firma „Aaton", 2002); Aufregend. Anre- gend. Anders (Werbeslogan des Büros „Abenteuer un d Reisen",

2005).

Die Assonanz bezeichnet den Gleichklang der inlautenden Vo-

kale bei verschiedenen Konsonanten. Dieses Stilmittel hilft die Eintö-

i n

Kästners „Sachlicher Romanze": „Als sie einander acht Jahre kann- "

Einige Zwillingsformeln enthalten auch manchmal Assonan-

zen, z. B. von echtem Schrot und Korn, ganz und gar, in Acht und Bann.

Bei der Dissonanz hat man umgekehrt die Verschiedenheit der inlautenden Vokale in den nach einander stehenden Wörtern. Das trägt zur aggressiven oder zur expressiven Ausdrucksweise bei. Es ist besonders typisch für die Poesie mit der freien rhythmischen Or- ganisation:

Bedecke deinen Himmel, Zeus, Mit Wolkendunst! (J.W. v. Goethe, „Prometheus"). Der Rhythmus ist die Regelmäßigkeit der Abfolge von betonten und unbetonten Silben, Ähnlichkeit der Silbenzahl und Abfolge von Wortgruppen, die u m sinntragende lexische Einheiten (Satzteil, Satzglied, Satz).gruppiert sind. Der Rhythmus spielt eine besondere

nigkeit zu erreichen

ten

und die Phrase

zusammenzuhalten,

z.

B.

Rolle in der Lyrik, wo die rhythmische Ablauffolge meistens streng geregelt ist. W. Kayser unterscheidet feierlichen, gemessenen, keu- chenden, hastigen, aufgeregten, drängenden, zögernden, steigenden und fallenden Rhythmus [zit. nach: Romanova 2003: 134]. Beim stei- genden Rhythmus tragen die Spracheinheiten die Hauptbetonung

am Zeilenende: Es schienen so golden die Sterne, / Am Fenster ich einsam stand / Und hörte aus weiter Ferne / Ein Posthorn im stillen Land

(J. v . Eichendorff, „Sehnsucht"). Beim fallenden Rhythmus trägt um -

gekehrt der Satzanfang die Hauptbetonung i n der Zeile: Verflossen ist

das Gold der Tage

(G. Trakl, „Rondell").

In der Prosa ist der Rhythmus meist ungeregelt, aber die rhythmi- sche Organisation kann bei der Verteilung der Akzente und der Pau- sen sowie für das Tempo der Rede un d die Tondauer wichtig sein. Für den Prosarhythmus ist der Begriff der Sprach- oder Atemgruppe wichtig, die in einem Atemzug gesprochen wird. Vgl. die Länge und Kürze der Akzentgruppen i m folgenden Beispiel:

Sie werden ersucht,

den Empfang

dieses Bescheides durch

Rücksendung

des beiliegenden von Ihnen mit Datum und eigenhändiger Unterschrift ver- schonen Zustellscheines in eingeschriebenem Brief zu bestätigen. (A. Seghers, „Das siebte Kreuz") Die Satzmelodie bezeichnet die Stimmbewegung zwischen Ton- höhen und Tonsenkungen. Die steigende Satzmelodie kommt in der

Regel i n Fragesätzen vor, die fallende dagegen in Aussagesätzen. Sti- listisch gesehen umfasst die Satzmelodie folgende Melodieerschei- nungen:

a) Die Tonführung charakterisiert die emotionale Färbung des

Satzes oder des Textes; sie kann schmeichelnd, zornig, leidenschaft- lich, spielend usw. sein.

b) Die Tonstärke bezeichnet,

flüsternd usw. zu sprechen sei.

ob die Rede laut, leise,

gedämpft,

c) Die Tonfarbe bezeichnet den Klang der Satzmelodie (weich,

metallen, ehern, müde).

der Rede

(hoch, tief, mittel) [Klin, Koch 1979: 92]. Die Vorstellung von den intonatorisch-stilistischen Besonderhei- ten des Textes geben die Semantik der Sätze un d der Komplex aller Stilmittel, die im Text zusammenwirken, vgl. die Intonation im „Erl- könig" von J.W. v. Goethe.

d) Die Tonlage

betrifft die Bestimmung der Tonhöhe

der Vokale,

die Wiederholung von Konsonanten, die Entstellung von Fremdwör-

Manche

Besonderheiten

der Aussprache

(Dehnen

tern, die Trennung der Silben bei Verlangsamung des Tempos, das Stocken der Rede usw.) werden durch die abweichende Schreibweise wiedergegeben. Es dient zur Charakteristik des Sprechenden oder seines emotionalen Zustandes:

Was saaagst du ? W-Wer? Erbex (Airbags), na-tür-lich

Da

Ich weiß

nicht

Außer der Unterstützung der phonetischen Erscheinungen (die Satzzeichen geben Hinweise für Rhythmus, Melodie und Tempo), kann die Graphik und Interpunktion ihren eigenen stilistischen Wert haben. Das besondere Potenzial besitzt die abweichende Interpunk- tion.

Der Punkt markiert eindeutig die Satz- und Gedankengrenze; das Semikolon verbindet zwei relativ selbständige Gedanken/Sätze. Der Punkt in der Mitte eines Satzes kann zur Isolierung der Satzglie- der gebraucht werden. Das dient der Betonung der abgesonderten Satzglieder und verursacht die Expressivität des ganzen Satzes, vgl.:

Marke. Super. Günstig (Werbeslogan vo n A2 Outlet, 2006). Das Komma dient gewöhnlich zur Trennung der Teile eines komplexen Satzes oder der gleichartigen Satzglieder. Eine wichtige

Funktion des Kommas besteht

die hervorgehoben werden müssen.

in der Absonderung der

Satzglieder,

Die Vorliebe für Kommanutzun g hängt oft vo m Individualstil

un d Jürgen Becker

eher durch Kommascheu gekennzeichnet, und Günter Grass oder Max Frisch sind für Überbetonung der Interpunktion bekannt. Bei der stilistischen Nutzung des Kommas kann man z.B. bei Kleist und den Romantikern die Erhöhung der Dynami k der Darstellung fin- den:

Wie! rief die Marquise, Sie kommen gleichwohl?-

Der Doppelpunk t (Kolon) wird häufig als Spannungssignal verwendet, das den Beginn einer Redeergänzung (wörtliche Rede, Aufzählung usw.) anzeigt. Dadurch wird diese Redeergänzung her- vorgehoben und unterstrichen. Der Doppelpunkt eignet sich auch gut für komplexe elliptische Sätze, vgl.: Ypsilanti: Probe bestanden (Spiegel Online, 29.09.2008).

und

des Autors ab. So ist der Stil vo n Uwe Johnson

indem sie aufstand, und sich loswickelte;

(H . Kleist, „Die Marquise von O.")

Gedankenpunkte markieren emotionale Pausen und Besonder-

heiten i m Zustand des Sprechenden: Unentschlossenheit, Unsicher- heit, Nervosität u.a. Ein Beispiel dafür finden wir am Anfang der Novelle „Im Krebsgang" von G. Grass, w o mehrere nicht abgeschlos-

sene Sätze in der Rede des Ich-Erzählers mi t Gedankenpunkten mar- kiert sind:

„Warum erst jetzt?" sagte jemand, der nicht ich bin. Weil Mutter

mir immer wieder

Weil ich wie damals,

als der Schrei

überm

Was-

ser lag, schreien wollte, mehr als drei Zeilen

Noch haben die Wörter Schwierigkeiten mit mir. (G. Grass, „Im Krebsgang") Gedankenstrich ist ein spannungssteigerndes Satzzeichen, v.a. charakteristisch für Satzabbrüche (Aposiopesen) und somit für die Wiedergabe erregter Rede oder Gedanken. Oft wird der Gedanken- strich als Einrahmung vo n Parenthesen gebraucht, un d den Gegen- satz des Eingefügten besonders bewusst zu machen. Gedankenstrich ist ein typisches graphisches Mittel für Markierung der Spannungs- pausen in bestimmten Epochen (Sturm und Drang, Naturalismus, Expressionismus):

unbedingt noch sagen, be-

Weil die Wahrheit kaum

aber nicht konnte

Weil jetzt

erst

Nein! - und das - wollte ich unbedingt

bevor - Sie - gingen. (G. Hauptmann, „Vor Sonnenaufgang") Der Gedankenstiich dient i n solchen Fällen als Hinweis auf etwas Unerwartetes und ist somit ein stärkeres Hervorhebungsmittel, als Doppelpunkt oder Gedankenpunkte.

Der Verzicht auf notwendige Satzzeichen neben der durchge-

henden Kleinschreibung kann als Stieben nach der Abweichung vo n

hat

allem „Üblichen" betrachtet werden, vgl. : }eden wahren künstler

einmel die Sehnsucht befallen in einer spräche sich auszudrücken deren die unheilige menge sich nie bedienen würde (S. George).

In den neuen Medien ist der Verzicht auf Interpunktion (neben der durchgehenden Kleinschreibung und Merkmalen der mündli- chen Rede) eher Ausdruck der Sprachökonomie:

glaubt mir der graka hilt NICHTS die karte ist der reinste schrott ich hatte diesselbe un hob se am selben tag noch umgetauscht!!! (Computerfo- rum, 2006).

Weiterführende Literatur

1) Brandes M. Stilistik der deutschen Sprache. M., 1983. S. 147-154. 2) Klin E., Koch H . Übungsbuch zur deutschen Stilistik. Warsza- wa, 1979. S. 90-94.

3) Riesel E. Stilistik der deutschen Sprache. M., 1963. S. 339-394.

4)

5) Romanowa N . Stilistik. Leicht gemacht. Стилистика

Riesel E., Schendels E. Deutsche Stilistik.

M. , 1975. S. 185-197.

немец­

кого языка: Учебное пособие. Вологда: ВГПу, 2003. S. 124-136. 6) Sowinski В. Deutsche Stilistik. F/M: Fischer, 1991. S. 157-161,

271-274.

Aufgaben

der

Lautmalerei. Bestimmen Sie anschließend, für welche Funktionalstile die Lautmalerei besonders wichtig ist.

ffl

Aufgabe 1 . Informieren Sie sich über die Ausprägungen

Lautmalerei finden wir in mehreren Ausprägungen:

Als Bedeutungsprinzip von Wörtern: jede Sprache hat viele Wör- ter, deren Bedeutung etwas mit Lauten zu tun hat und deren Laute diese Bedeutung nachahmen: platschen, plätschern, winseln, kra- chen, krächzen, schnuppern, schnüffeln, zischen Als direkte Nachahmung von Lauten, seien es Naturlaute wie Ki- keriki, Wauwau, Muh, Tirili oder andere Laute wie Peng! Kracks! Pfft. Als Ausrufe, die Stimmungen und empfindungen mit bestimmten Lauten in Verbindung bringen: ///// - Igittigit! - Au! - Oohh! - Auhaua- ha\ Als Versuch, mit bestimmten Lauten bestimmte Empfindungen zu verknüpfen: /' als heller Laut, der Höhe, Freude und Helligkeit aus- drückt, и als dunkler Laut, der Tiefe, Trauer, ein dumpfes Gefühl und Dunkelheit ausdrückt. Bei Konsonanten (Mitlauten) haben wir sowie- so die weichen b, d, g, das gesummte s, die harten p, t, k, scharfes ß / ss und z / tz. In der Poetik und Stilistik nutzt man alle diese Möglichkeiten, um Wirkungen zu erzielen. Die alten Griechen nannten solche Wörter und Stilmittel Onomatopoetika von onoma ,Name' und poietikos .poetisch'. Im Zauberlehrling zum Beispiel dichtet Goethe den ersten Zau- berspruch:

Walle! walle Manche Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe, Und mit reichem, vollem Schwalle Zu dem Bade sich ergieße. Er benutzt das lautmalende wallen mit der Bedeutung .Wasser ist in heftiger Bewegung' und reimt es in der doppelten Befehlsform Walle! walle auf Schwalle, ebenfalls ein lautmalendes Wort. [Bünting 2003:160-161]

ffl Aufgabe 2. Bezeichnen Sie i n beiden Beispielen die einzelnen Sprechgruppen, die beim Sprechen durch Pausen voneinander abge- trennt sind. Wodurch unterscheiden sie sich in beiden Sätzen? Wel- chen Sprachsälen gehören die Sätze an?

a) Sie werden ersucht, den Empfang dieses Bescheides durch

Rücksendung des beiliegenden von Ihnen mit Datum und eigenhän-

diger Unterschrift verschonen Zustellscheines in eingeschriebenem Brief zu bestätigen.

b) »Aber der Franz, der kommt nicht, weil er sich krumm ge-

schafft hat«, sagte die Auguste, »ganz im Gegenteil, der wird was haben, was ihn anlockt, in Frankfurt oder in Höchst«.

[A. Seghers, „Das siebte Kreuz"]

c

2.2. Lexikologische Stilistik

Stilistische Differenzierung des Wortschatzes. Stilistischer Aspekt der Wortbildung (Zusammensetzung, Ableitung, Wortartwechsel). Stilisti- sche Phraseologie.

Theoretische

Grundlagen

Der Wortschatz einer Nationalsprache schließt den stilistisch un- differenzierten und den stilistisch differenzierten Wortschatz ein. Das Grundkriterium für die erste Gruppe bildet Allgemeinverständ- lichkeit und -gebräuchlichkeit sowie vollständige Neutralität. Der stilistisch undifferenzierte Wortschatz bildet den Grund- wortschatz der Sprache, ist also statistisch am häufigsten vertreten. Solche Nomen wie Mutter, Wasser, Erde, Wald, Berg, Fisch, Mensch oder Verben wie leben, gehen, machen, schlafen sind stilistisch völlig undifferenziert; sie können in allen Sprachstilen un d auf allen Gebie-

ten des gesellschaftlichen Lebens ohne Unterschiede gebraucht wer- den. Auch die meisten Dienstwortarten wie Präpositionen an, auf für, mit, aus, von usw. haben keine Stilfärbung (vgl. dagegen solche Prä- positionen wie laut, gemäß, kraft, in Gemäßlieit, in Bezug auf, betreffs usw., die eine deutliche Färbung aus dem Stil des offiziellen Ver-

kehrs

aufweisen). Undifferenziert sind auch abgeleitete Wörter des

Grundwortbestandes, z.B. von machen:: aufmachen, anmachen, zuma- chen, mitmachen, ausmachen usw. Auch viele stehende Verbindungen

und verblasste Idiome haben keine ausgesprochene Stilfärbung, z.B.

weißer Wein, saure Milch, Abschied nehmen, einer Sache freien Lauf lassen usw. Stilistisch differenzierter Wortschatz ist nicht allen auf gleiche Weise verständlich und wird nicht von allen gleich oft gebraucht. Der differenzierte Teil des Wortbestandes ist für die Stilbetrachtung viel wichtiger als der neutrale Grundwortschatz, weil jedes markierte Wort zur Charakteristik des Textes, entsprechenden Stils oder des Sprechenden wesentlich beiträgt. Stilistisch differenzierte Wörter und Wendungen treten gewöhn- lich in einem bestimmten Stiltyp oder einer Gruppe von Stiltypen

kommen i m Privat- und Familienverkehr solche Wendungen

auf. So

vor wie: Er ist ein hohes Tier. Es war kein Aas zu Hause. Zur Fachlexik der Drucker z. B. gehören solche Bezeichnungen, wie Leiche für den ungedruckten Teil das Manuskripts, Hochzeit für den doppelt ge- druckten Teil des Manuskripts, Revolverblatt für sensationelle Zei-

tung, Käseblatt

für unbedeutende Zeitung usw.

Stilistisch differenzierter Wortschatz schließt ein:

• zeitlich markierte Lexik (Archaismen und Historismen, Neo- logismen),

• regional markierte Lexik (Mundarten/Dialekte),

• sozial markierte Lexik (Lexik, die für bestimmte Alters-, Be- rufs- und Sozialgruppen typisch ist,

• national markierte Lexik (Fremdwörter).

Im Weiteren betrachten wi r jede Gruppe der markierten Lexik eingehender. Unter Archaismen werden solche Wörter und Wendungen ver- standen, die vo m Standpunkt des Lesers veraltet erscheinen: die be- nannten Gegenstände oder Handlungen sind nicht mehr aktuell, vgl. die Historismen Harnisch (Ritterrüstung), Kemenate (mit einem Ka- min ausgestattetes Wohngemach i n Burgen des Mittelalters) u.a., o- der die Form ist nicht mehr gebräuchlich, vgl. stünde für stände, würde stehen.

Nach dem Zeitpunkt der Verwendung der