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Fast 350 Millionen Euro Kindergeldzahlungen

fließen ins Ausland


21. März 2018

Kindergeld: Gelder ins Ausland haben sich fast verzehnfacht Foto: picture alliance/Ulrich
Baumgarten

BERLIN. Die Kindergeld-Zahlungen der Bundesagentur für Arbeit an Konten ins Ausland
haben sich seit 2010 fast verzehnfacht. Der Betrag stieg von 35,8 Millionen auf rund 343
Millionen Euro im vergangenen Jahr, wie aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums
auf eine Kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten René Springer hervorgeht.

Im Dezember 2010 hatte die Bundesagentur demnach für 61.615 ausländische Kinder, die
nicht in Deutschland leben, Kindergeld gezahlt. Sieben Jahre später waren es 215.499 Kinder.
Die meisten davon wohnten in Polen (103.000), Kroatien und Rumänien (jeweils 17.000).
Überdies erhielten die Eltern von rund 34.000 im Ausland lebenden deutschen Kindern die
Gelder. Zuerst hatten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) darüber
berichtet.

Bundesregierung gibt sich ahnungslos

Wie die JUNGE FREIHEIT berichtete, gab sich die Bundesregierung in einer früheren
Anfrage Springers ahnungslos. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit weise lediglich
Zahlungen aus, die auf ausländische Konten erfolgten – ohne Differenzierung nach einzelnen
Ländern. Es werde keine Unterteilung nach einzelnen EU-Staaten gemacht.

Nach geltendem Recht haben EU-Ausländer für die Dauer ihres Arbeitsaufenthalts in
Deutschland Anspruch auf Kindergeld, auch wenn sich ihre Kinder in einem anderen Land
aufhalten. Der AfD-Bundestagsabgeordnete René Springer forderte, diese Zahlungen zu
kürzen oder einzustellen. „Es ist den deutschen Steuerzahlern nicht vermittelbar, warum sie
beispielsweise für bulgarische Kinder, die in Bulgarien leben, Monat für Monat Kindergeld
überweisen müssen“, sagte er dem RND.

Der frühere Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte vor rund einem Jahr einen
Gesetzentwurf vorgelegt, wonach das Kindergeld für EU-Ausländer an das Niveau des
Heimatlandes angepaßt werden sollte, falls ihre Kinder dort leben. Die EU-Kommission
lehnte dies allerdings ab. (ls)

Beim Kindergeld für EU-Ausländer gibt sich


die Bundesregierung ahnungslos
von Felix Krautkrämer 20. Februar 2018

Viele EU-Ausländer beziehen deutsches Kindergeld, auch wenn ihre Kinder nicht in
Deutschland leben Foto: picture alliance/chromorange
Mit seinen Äußerungen zum Kindergeld für EU-Ausländer provozierte Sigmar Gabriel im
Dezember 2016 nicht nur die Linkspartei und die Grünen. Auch in den eigenen Reihen regte
sich damals Unmut über den damaligen SPD-Chef. Gabriel hatte sich dafür ausgesprochen,
das Kindergeld für Kinder von EU-Ausländern, die nicht in Deutschland leben, zu kürzen.
„Wenn ein Kind nicht bei uns lebt, sondern in seinem Heimatland, dann sollte auch das
Kindergeld auf dem Niveau des Heimatlandes ausgezahlt werden“, begründete Gabriel seinen
Vorstoß.

Geschehen ist seitdem nichts. Nach wie vor fließen Monat für Monat Millionen Euro an im
EU-Ausland lebende Kinder. Und schlimmer noch: Angeblich hat die Bundesregierung keine
Erkenntnis darüber, wie hoch genau die Summe ist und in welchen EU-Ländern die Kinder
gemeldet sind.

Bundesregierung schlechter informiert als Zeitungen?

Das zumindest legt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-
Fraktion im Bundestag nahe. Die AfD wollte unter anderem wissen, wieviel Kindergeld
Deutschland 2017 an wie viele im Ausland lebende Kinder von EU-Bürgern gezahlt habe,
und zwar aufgeschlüsselt nach den einzelnen EU-Staaten.

Doch die Bundesregierung gab sich in ihrer Antwort ahnungslos. Zu den Beträgen für im
Ausland lebende Kinder lägen ihr keine Angaben vor. Die Statistik der Bundesagentur für
Arbeit, deren Familienkassen für die Kindergeldanträge zuständig seien, wiesen lediglich
Zahlungen aus, die auf ausländische Konten erfolgten – ohne Differenzierung nach einzelnen
Ländern. „Darin enthalten sind auch Kindergeldzahlungen an deutsche Kindergeldberechtigte
mit einem Konto im Ausland.“

Die Antwort überrascht, denn 2016, als Gabriel die Kindergeld-Diskussion losgetreten hatte,
gab es diese Zahlen durchaus. So flossen 2016 rund 470 Millionen Euro an im EU-Ausland
lebende Kinder ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Und auch über die Nationalität der
Empfänger gab es Erkenntnisse. „Am häufigsten bezogen Polen, Rumänen, Kroaten und
Tschechen Kindergeld aus Deutschland“, schrieb damals beispielsweise die FAZ unter
Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Aufschlüsselung nach EU und „übrige Staaten“

Doch laut Bundesregierung erfolge keine Unterteilung nach einzelnen EU-Staaten. Der
Wohnsitz der Kinder im Ausland werde lediglich wie folgt ausgewiesen: „Deutschland,
restliche europäische Union, restlicher europäischer Wirtschaftsraum, Türkei, ehemaliges
Jugoslawien und ‘übrige Staaten’“. Hierunter zählten aber auch im Ausland lebende Kinder
von deutschen Kindergeldberechtigten. „Es ist nicht bekannt, in welchem konkreten
Mitgliedstaat der EU die Kinder ihren Wohnsitz haben. Eine Auswertung der Zahlbeträge
nach einzelnen Ländern innerhalb der EU ist daher nicht möglich.“

Daher ist von der Bundesregierung auch nur zu erfahren, daß laut Statistik der Bundesagentur
für Arbeit im Dezember 2017 für „im EU-Ausland beziehungsweise im Europäischen
Wirtschaftsraum 179.567 lebende Kinder Kindergeld nach dem Einkommensteuergesetz und
für 31.321 Kinder Kindergeld nach Bundeskindergeldgesetz“ gezahlt worden sei.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete René Springer, der für seine Partei im Ausschuß für Arbeit
und Soziales sitzt und die Anfrage mit initiierte, will sich damit allerdings nicht zufrieden
geben. „Die Antwort der Bundesregierung zu den Kindergeldzahlungen an Ausländer ist
völlig unzureichend und wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet“, kritisierte er gegenüber
der JUNGEN FREIHEIT.

AfD: Mißbrauch offenlegen

„Es kann nicht sein, daß ich aus einem Zeitungsartikel mehr darüber erfahre, in welchen EU-
Ländern die ausländischen Kinder wohnen, die deutsches Kindergeld bekommen, als aus der
Antwort der Bundesregierung.“ Die Zahlen über den tatsächlichen Umfang der deutschen
Kindergeldzahlungen an Ausländer müßten endlich „vollständig auf den Tisch“.

Dazu gehöre auch, daß der Umfang des Mißbrauchs beim Bezug von Kindergeld durch
Ausländer offengelegt werde. „Die Zeit des Vertuschens und Verschleierns muß endlich
vorbei sein“, fordert Springer. Er werde daher mit einer weiteren Anfrage zu dem Thema
nachlegen.

Organisierter Mißbrauch bei Kindergeld für


EU-Ausländer
30. Mai 2017

BERLIN. Die Bundesregierung geht davon aus, daß zahlreiche Ausländer aus EU-Staaten
illegal Kindergeld für den im Heimatland lebenden Nachwuchs erhalten. Es lägen „aus
Stichproben und Überprüfungen Erkenntnisse über die mißbräuchliche Beantragung von
Kindergeld vor“. Das geht aus einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage im
Bundestag hervor, aus der die Bild-Zeitung zitiert.

Erkennbar sei „ein Anstieg von Leistungsmißbrauch in organisierter Form“. Angaben der
Bundesagentur für Arbeit zufolge zahlte Deutschland im vergangenen Jahr 537 Millionen
Euro Kindergeld für 168.400 Kinder im EU-Ausland. Seit 2010 hat sich diese Zahl
verfünffacht.

Die CDU fordert dem Bericht nach, die Förderungen auf die im jeweiligen Ausland geltenden
Sätze zu kürzen. „Offensichtlicher Sozialmißbrauch muß unterbunden werden können“, sagte
der Vorsitzende der Unions-Abgeordneten im EU-Parlament, Herbert Reul. Entsprechende
Pläne hatte die schwarz-rote Koalition zuvor wegen Bedenken der EU-Kommission gestoppt.
(ls)

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