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Geologie des Oman


Wadi Hajir
Gleich am Anfang des Tales fährt man entlang der dunklen Dolomite der permischen Saiq-Formation, die reich
an Crinoiden, Brachiopoden und Foraminiferen sind. Bei der Weiterfahrt liegt links und rechts des Wadi wieder
die Kharus-Formation, über die die uns nun schon bekannte Winkeldiskordanz mit der Saiq-Fm liegt. Nach 3,3
Km erreicht man die unter der Kharus-Fm liegende Muayidin-Fm. Es handelt sich dabei um grüne und rosa Silt-
und Tongesteine (also klastischen Ursprungs). Interessant ist die teilweise starke Verfaltung dieser Gesteine, die
auf eine Kompressionsphase im Prekambrium schließen läßt. Bild 1 anklicken

Bild 1 Bild 2
Kurz vor der kleinen Siedlung Al Hajir fährt man
durch neine enge Schlucht (Bild 2) deren vertikale
Flanken von der Hajir-Fm gebildet werden. Wir sind
also nocheinmal viele Millionen Jahre in die
Erdgeschichte zurück gegangen. Es handelt sich hier
um schwarze, massige Kalke, die bituminös sind und
beim Anreiben nach faulen Eiern riechen. Dies läßt
auf anoxische (sauerstoffarme) Bedingungen
schließen. Fährt man von Al Hajir zuerst kurz nach
Westen und dann im Wadi Hajir weiter nach Süd-
Westen, so bewegt man sich zwischen den Gesteinen
der Mistal-Formation (Bild 3):

Bild 3 : Granitische Dropstones in der


Mistal-Formation imWadi Hajir

Bild 4 : In Siltgestein eingeschlossener Dropstone

Wir haben jetzt mit den ältesten Prepermischen Gesteinen des Wadi Hajir das Ende dieses Exkursionstages
erreicht. Eine 500 Km lange Rückfahrt bringt uns zu unsem nächsten Ziel nach Nizwa und in den Wadi Muaydin.

Autochtone Schichtfolge der Hajar-Supergruppe im Wadi Muaydin


Von Nizwa geht es zuerst Richtung E und dann nach N in den Wadi Muaydin. Da die Schichten
der Gesteinsformationen nach SW einfallen, durchläuft man bei der Fahrt nach Norden die
Schichtfolge von jung nach alt, d.h. von der O-Kreide bis in die Trias. Da wir bei den ältesten
Formationen beginnen wollen, fahren wir als erstes bis zu unserem nördlichsten Punkt. Hier
befindet sich die schöne kleine Oase Muaydin mit einer alten verlassenen Siedlung und sogar
sichtbares Wasser.

Es geht noch einige Kilometer weiter nach Norden und man erreicht dann nach einem Fußmarsch
von ca. 40 Minuten den ersten Aufschluss. Wir befinden uns jetzt so zu sagen, verglichen mit dem
Wadi Bani Kharus, auf der anderen Seite des im mittleren Perm angehobenen Domes. Wir
müssen daher uns von Norden nach Süden bewegen, um von den ältesten Gesteinen des Perm
zu jenen der Kreide zu gelangen.

In der folgenden Skizze ist die Hajar Supergruppe mit jenen Formationen dargestellt, die bei der
Exkursion begutachtet wurden:

Bilder 5 bis 14 aus dem Bereich Muaydin

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Bild 5

Bild 5 : Ruine beim Dorf Muaydin, Ausgangspunkt zu den hier beschriebenen Aufschlüssen

Ich

Bild 15 : Deckenstapel der Hajar-Supergruppe mit den wichtigsten Formationen


möchte, bevor es in die Schluchten des Wadi Muaydin geht, einen kurzen Überblick über die
geologischen Ereignisse geben, wie sie sich nach dem sogenannten Break Up ab dem Beginn
des Oberen Perm abgespielt haben:
Im Oberen Perm (256 - 248 Ma) hat sich der Tethys-Ozean über einen großen Teil von
Gondwana ausgebreitet (man spricht von einer Transgression). Damit hat die Ablagerung von
mächtigen Sediment-Schichten begonnen, die heute die Akhdar Gruppe (Saiq- und Mahil
Formationen) bilden.

In der Trias (248 - 205 Ma) wurden diese Sedimentgesteine aus dem Meer herausgehoben, womit
ihre Verwitterung und Erosion begonnen hat.

Vom Unteren bis zum Oberen Jura (205 - 165 Ma) hat sich dann im Bereich des Oman Orogens
(= Gebirge) ein Karbonatschelf gebildet, das heute in der Sathan Gruppe aufgeshlossen ist. Es
folgt dann am gesamten Rand der arabischen Plattform eine Dehnung (Extension) der
Lithosphäre. Sie dauert ca. 60 Millionen Jahre (Ma) vom Oberen Jura (160 Ma) bis bis in die
Untere Kreide (100 Ma). Die Lithosphäre wird dadurch dünner und der Karbonatschelf sinkt in
einen Tiefseebereich ab. Der Kontinentale Abhang zieht sich um ca. 250 Km zurück. Er ist heute
in der Kahmah-Gruppe (Awabi-, Birkat-, Shams-Formation) zu finden. Auf diesem Schelf werden
jetzt neuerlich Karbonate abgelagert, die sich somit von Südwesten nach Nordosten vorschieben
(progradieren). Sie sind heute in der Waisa-Gruppe aufgeschlossen.

Um bei den ältesten Formationen zu beginnen gehen wir weit in in den nördlichen, wild
romantischen Teil des Wadi Muaydin hinein, wo es nur mehr einen Pfad gibt und wo die Perm-
Formationen aufgeschlossen sind. Hier ist gut aufgeschlossen die:

Saiq-Formation : es handelt sich dabei um eine den Bellerophon-Schichten der Alpen


entsprechende Formation, die unter flachmarinen, bewegten Bedingungen abgelagert wurde,
reich an Fossilien ist und im ganzen Tethys Raum weit verbreitet ist. Es sind bioklastische Kalke
mit kalzitisch gefüllten Hohlräumen. Fusulinen ( Bild 7 ) erlauben eine gute zeitliche Einstufung
der Schichten und weisen auf das Mittlere Perm hin. Gut zu beobachten ist auch die

Grenze zwischen Perm und Trias : Saiq-Fm / Mahil-Fm ; Diese Grenze ist wunderbar
aufgeschlossen (Bild 9) : die triassischen Gesteine bestehen aus einem rötlichen Kalk (Dolomit)
der etwas kieselig gradiert ist und dadurch als aufbereiteter Dolomit in Form einer Brekzie vorliegt.
Dies weist auf eine zeitweise Trockenlegung mit früher Verfestigung hin. Später erfolgt eine
Umlagerung und Mischung mit Ton. Dunkle Flecken im Gestein weisen auf Wühlgänge hin.

Die Mahil-Formation ist in einer Epoche des sich zurück ziehenden Meeresspiegels (Regression)
entstanden, d.h. seichtes Wasser, zeitweise Trockenlegung der Küstenbereiche, Entstehung von
Dolomit und von Algen Teppichen, die heute als Stromatolithen fossilisiert sind. Fazit: Von der
Mittel-bis zur Obertrias gab es hier ein sehr flaches Meer.

Grenze Trias - Jura : Auf der N-Seite des Tales ist die Grenze zwischen Trias und Jura mit einer
Schichtlücke, die durch ein dazwischenliegendes terrigenes Band gekennzeichnet ist,
aufgeschlossen (siehe Bild 11).

Weiter talauswärts gehend, unweit des Dorfes Muaydin), befinden sich Bänke mit grau-blauem
Kalk der Mittel-Lias, die verschiedene Bivalven enthalten. Unter Anderem die austernförmige
Lithiotis (Bild 10) :

Mit dem Auto geht es vom Dorf Muydin wieder talauswärts nach Süden. Nach ca. 300 m erreicht
man einen Aufschluss, in dem der Übergang zwischen der Sathan Gruppe und der Kahmah
Gruppe zu sehen ist. Wir befinden uns an der Basis der Awabi-Fm, also an der

Grenze Jura -Kreide: Die unteren 10 bis 15 m der Formation bestehen aus Bioklastika,
Konglomeraten und karbonatischen Mikrobrekzien die auf einem Meeresabhang abgelagert
wurden. Die oberen 30 bis 40 m bestehen aus weiß bis rosa gefärbten Kalken und Fauna und
Flora (Radiolarien, Calpionella, Crinoiden) zeugen davon, dass es sich bereits um tiefmarine
Ablagerungen handelt. An einer Diskontinuität ist eine Schichtlücke zu erkennen; hier findet ein
Wechsel von siliziklastischem Material auf Karbonat statt. Sehr breite fossile Korallen (Bild 8)
zeugen von unruhigen Verhältnissen. Nach einer kurzen Weiterfahrt Richtung Süden erreicht man
einen Aufschluss des oben erwähnten oberen Members der Awabi-Formation mit seinen rötlichen
Kalken, die Spiculae und Calpionellen enthalten. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sich der
Schelfrand durch eine transgressive Entwicklung im Autochton um mindestens 100 Km nach
Süden verlagert hat. Der Schelfrand der Arabischen Kontinentalplatte hat sich in dieser Zeit
offensichtlich abgesenkt bis in den Tiefseebereich.

Noch einige Kilometer weiter südlich erreicht man neben der Straße die Shams-Formation: es ist
die oberste Formation der Kahmah-Gruppe. sie zeugt davon, dass es zu jener Zeit im Westen
einen inneren Schelfbereich gegeben hat, der nach dem offenen Meer nach Nord/Osten hin durch
eine Barriere aus Oolithen und Rudisten Kalke getrennt war (BIld 13).

Grenze Naith-Muti Fm:

Der letzte Aufschluss, der in Bild 16 zu sehen


ist, zeigt uns die Grenze zwischen zwei sehr
unterschiedlichen Sedimentations-Perioden:
die eisenhaltigen Ooidenkalke der Naith-
Formation gehen über in rote, massige Kalke
der Muti-Formation (Aruma Group). Das heißt,
dass der Schelfbereich wieder einmal
abgesunken ist und zwar in der geologisch
sehr unruhigen Zeit der Schließung des
Neotethys-Ozeans.
Bild 16 :Grenze Naith-Muti Formation

Hier endet der Exkursionstag, der uns 200 Millionen Jahre vom Mittleren Perm bis in die Obere Kreide geführt
hat. Weiter geht es auf Seite 3

Exkursion von Nizwa nach Al Jil


Heute geht von Nizwa zunächst nach Westen und dann unter Umfahrung des Jabel Kawra nach
Norden bis zur Oase Al Jil. Während der Fahrt nach Westen sieht man im Norden die hohen, felsigen
Gipfel des Jabel Akhdar.

Bild 17 : Auf der langen Fahrt nach Al Jil; Im Hintergrund Bild 18 : Kartenausschnitt für die Fahrt von Nizwa nach
die Berge des Jabal Akhdar Al Jil
Wir haben also den Bereich der Hajar Supergruppe verlassen und befinden uns südwestlich des Oman
Orogens. Um eine kurze geologische Orientierung zu geben, schauen wir uns die Skizze Bild 19 an:

Wir bewegen uns also auf jener Sediment-Decke, die sich vom Perm bis zum Jura auf den Grund jenes
Ozeanbeckens (südwestlicher Teil der Neotethys) abgelagert hatte, das der Afro-arabischen Plattform
vorgelagert war (siehe Skizze im pdf-Dokument). In diesem Becken hat es auch mehrere Atolle gegeben und
einen davon stellt heute der Jabel Kawra dar, den wir bei der Exkursion in der Form eines fossilienreichen Hügels
besteigen.

Bild 19 : Geologische Decken im SW des Jabel Akhdar nach einem Entwurf von Glennie at al.(1974)
Zur Erinnerung vielleicht: die Tiefseesedimente des Hawasina Beckens wurden während der
Kompressionsphase in der Neotethys von ihrem ozeanischen Basement abgeschert und vor bzw. mit dem
Semail-Ophiolit in der Ober-Kreide auf die Arabische Karbonatplattform aufgeschoben. Erst danach hat die
Orogenese der Oman-Berge stattgefunden.

Wer mehr Interesse an diesem Exkursionsbereich hat, kann sich den Ekursionsbericht

Nizwa-Al Jil (Nizwa-Al Jil.pdf)


im pdf-Format anschauen

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