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Ingenieurbüro Küpper-Feser

Am Südenberg 74, 58644 Iserlohn

Gutachten zu Korrosion von Kupferleitungen im


Wasserversorgungsgebiet des Wasserwerks
Drakenburg

für
Wasserverband an der Führse

Prof. Dr. Ralf Feser


Labor für Korrosionsschutztechnik
Fachhochschule Südwestfalen

Iserlohn, 29.03.2018

Haftungsausschluss
Die vorliegenden Untersuchungen wurden im Rahmen der vorhandenen Einrichtungen,
Kenntnisse und Erfahrungen als Dienstleistung durchgeführt. Alle Angaben, Empfehlungen usw.
erfolgen nach bestem Wissen, jedoch unverbindlich. Für etwaige Schäden bei einer
Verwendung in der Praxis wird keine Haftung übernommen.
1 Aufgabenstellung

Mit Datum vom 26.10.2017 wurde der Unterzeichner damit beauftragt ein Gutachten
zu Korrosion von Kupferleitungen im Wasserversorgungsgebiet des Wasserwerks
Drakenburg zu erstellen. Aufgabe war es dabei nicht durch eigene Untersuchungen
die Schadensfälle zu begutachten, sondern auf Basis der umfangreichen
Untersuchungen anderer Gutachten, Schriftwechsel und Informationen der
Bürgerinitiative, die Ursache für die Schadensfälle zusammenfassend darzustellen
und mögliche Abhilfemaßnahmen vorzuschlagen.

2 Einleitung

Zunächst einmal sollte festgehalten werden, dass alle Beteiligten von ihrem
jeweiligen Standpunkt aus Recht haben. Dies liegt sicherlich an der Besonderheit der
Regelung im Trinkwasserbereich in Deutschland. Dieses hilft aber den Beteiligten
nicht. Es soll daher im Weiteren die Aussagen präzisiert werden und
Abhilfemaßnahmen vorgeschlagen werden. Zunächst einmal soll kurz begründet
werden warum alle Beteiligten von ihrem jeweiligen Standpunkt Recht haben.

Die Wasserwerke, der Wasserverband an der Führse, haben deshalb Recht, weil sie
Trinkwasser liefern welches der Trinkwasserverordnung 2010 entspricht. Damit erfüllt
der Wasserverband die an ihn gestellten Anforderungen. Darüber hinaus ist der
Werkstoff Kupfer in dem vom Wasserwerk Drakenburg verteilten Wasser gemäß der
DIN 50930-6 (August 2001) „Korrosion metallischer Werkstoffe im Innern von
Rohrleitungen, Behältern und Apparaten bei Korrosionsbelastung durch Wässer Teil
6: Beeinflussung der Trinkwasserbeschaffenheit“ einsetzbar. In der Norm wird
folgendes für den Einsatz von Kupfer im Trinkwasser gefordert:

8.2 Kupfer (nach DIN EN 1057, DIN EN 1254, DVGW GW 392, DVGW GW 8, DIN
50930-5)
Eine Veränderung der Trinkwasserbeschaffenheit im Hinblick auf seine
Eigenschaften als einwandfreies Lebensmittel wird als vertretbar angesehen, wenn

2
das Wasser über die Anforderungen der Trinkwasserverordnung hinaus eine der
folgenden Bedingungen erfüllt:
pH ≥ 7,4
oder
7,0 ≤ pH < 7,4 und TOC ≤ 1,5 g/m³
Auf Basis der vorliegenden Wasseranalysen lag der pH-Wert zumindest seit dem
Jahr 2000 immer oberhalb von 7,4.
In der DIN 50930-6 wird die Einsetzbarkeit hinsichtlich der hygienischen Eignung
betrachtet. Die DIN EN 12502-2 (März 2005) (Korrosionsschutz metallischer
Werkstoffe– Hinweise zur Abschätzung der Korrosionswahrscheinlichkeit in
Wasserverteilungs- und -speichersystemen – Teil 2: Einflussfaktoren für Kupfer und
Kupferlegierungen; Deutsche Fassung EN12502-2:2004) werden die verschiedenen
Korrosionserscheinungen von Kupfer in Trinkwasser benannt. Für das Auftreten von
Lochkorrosion im Trinkwasser werden aber keine Grenzwerte angegeben.

Die Bürger die auf Basis eines Gutachtens des DVGW’s von Dr. Turkovic (30.9.2014)
einen Zusammenhang zwischen der Zusammensetzung des Wassers und dem
Auftreten von Lochkorrosion an ihren Trinkwasserleitungen in ihren Häusern
vermuten, haben offensichtlich dahingehend Recht, dass nach einer veränderten
Brunnenfahrweise seit dem Jahr 2005 die Schadenshäufigkeit offensichtlich
zugenommen hat. Dies lässt sich jedenfalls auf Basis der vorliegenden Informationen
abschätzen.

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Die Installateure die damals die Installationen gemäß der damals geltenden Regeln
der Technik hergestellt haben, arbeiteten auf Basis der bisher vorliegenden
Schadensberichte auch meistens korrekt. Die Verbindungen der Kupferrohre wurden
mit dem Fügeverfahren Hartlöten hergestellt. Das Hartlöten war zu diesem Zeitpunkt
Stand der Technik. Offenkundig ist jedoch, dass genau dieses Verfahren zu den
Schädigungen in der heutigen Zeit geführt hat bzw. die Grundlagen dafür darstellt.

Bei Folgeschäden deren Ursache in den siebziger und achtziger Jahren gelegt wurde
ist es nur schwer möglich zum heutigen Zeitpunkt Abhilfemaßnahmen genau zu
definieren. Diese werden zwar am Ende des Gutachtens aufgeführt, bedürften aber
einer Prüfung auf Erfolg vor dem Einsatz

3 Betrachtungen zur Lochkorrosion an Kupferrohren im


Wasserversorgungsgebiet des Wasserwerks an der Führse
3.1 Einfluss des Hartlötens und von Kohlenstofffilmen auf die Bildung der
Lochkorrosion an Kupfer

In den 70er und 80er Jahren wurden Kupferrohre verarbeitet, die vom
Herstellungsprozess Ziehhilfsmittel enthalten haben, die durch die
Wärmebehandlung bei der Herstellung der Rohre und Verlegung der Hausinstallation
zu Kohlenstofffilmen umgewandelt wurden. Dies führte zu Lochkorrosion an Kupfer,
welche in der Regel sehr schnell auftrat. Mit dem Verständnis der Prozesse wurde in
den DVGW-Arbeitsblättern GW392 seit 1983 der Kohlenstoffgehalt auf der
Oberfläche beschränkt und ist seit dieser Zeit in der Regel nicht mehr ursächlich für
Schäden. Für Schäden vor diesem Zeitpunkt und möglicherweise auch für Schäden
in den ersten Jahren nach 1982 (Lochkorrosion braucht in der Regel einige Jahre bis
es zu einer Perforation der Rohrwand kommt) ist es aber eine wahrscheinliche
Schadensursache.

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Eine weitere Ursache liegt in der bis in die 90er Jahre üblichen Verarbeitung der
Kupferrohre mittels Hartlöten. Dabei entstehen rissige Oxidschichten, die, abhängig
von der Zusammensetzung des Wassers, zu Lochkorrosion führen. Diese Bildung
von Lochkorrosion ist dabei von mehreren Faktoren abhängig. Offensichtlich
beeinflusst Stagnation des Wassers die Lochkorrosion, da Steigleitungen mit
Rohrdurchmessern von > 28 mm x 1,5 mm weiterhin hartgelötet werden dürfen,
während hingegen kleinere Rohrdurchmesser gemäß DVGW-Arbeitsblatt GW2 seit
1996 nicht mehr hartgelötet werden dürfen. Trotz der durch den Hartlötprozess
erfolgten Sensibilisierung der Rohroberfläche kommt es nicht immer zum Auftreten
von Lochkorrosion. Da das Hartlötverbot erst 1996 den Installateuren über das
geänderte DVGW-Arbeitsplatt GW2 mitgeteilt wurde, kann den Installateuren im
juristischen Sinne keine Mitschuld an den Schäden gegeben werden, da sie den
Stand der Technik vertreten haben. Gleichwohl ist es ganz offensichtlich, dass
basierend auf den durchgesehenen Untersuchungsberichten, insbesondere von
Herrn Dr. Turkoviċ in seinem Gutachten vom 30.9.2014, die Schäden zu einem
Großteil an hartgelöteten Rohren (27 untersuchte Schäden, davon 25 an
hartgelöteten Installationen, einer an einer weichgelöteten Installation und einer ist
nicht genau zuzuordnen) und hier vorzugsweise im Verbindungsbereich, aufgetreten
sind. D. h. es besteht offensichtlich ein kausaler Zusammenhang zwischen dem
Hartlöten und dem Auftreten von Lochkorrosion. Warum diese Schäden erst heute
mit einer Verzögerung von mehreren Jahrzenten auftreten, lässt sich nicht genau
nachweisen. Wie oben ausgeführt, führt Hartlöten nicht unter allen Bedingungen zu
Korrosionsschäden. Es ist wahrscheinlich, dass sich bei den hartgelöteten
Rohrkonstruktionen direkt nach der Inbetriebnahme Lochkeime gebildet haben, die
sich dann, in dem zum damaligen Zeitpunkt verteilten Wasser wieder repassiviert
haben. Durch die veränderte Brunnenfahrweise könnte es zu einer Aktivierung der
vorhandenen, repassivierten Löcher kommen, mit dem Ergebnis einer
voranschreitenden Lochkorrosion an den Installationen, die vor 1996 gebaut wurden.
Unter welchen Umständen eine Aktivierung alter Lochfraßstellen erfolgt, ist in der
Fachliteratur nicht beschrieben. Da aber offensichtlich die Mehrzahl der Schäden im
Bereich der Hartlötstellen auftritt, ist in dem oben beschriebenen Mechanismus die
Reaktivierung alter Lochfraßstellen wahrscheinlich. Eine mögliche Erklärung wird
nachfolgend geliefert.

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In den zur Verfügung gestellten Unterlagen waren mehrere Untersuchungsberichte
über Schadensfälle vorhanden, die folgenden Ergebnisse für die Schadensursache
ergaben:

a) DKI 23.6.2015
Verpresstes Rohr, offensichtlich aus einer Warmwasserinstallation oder einer
Zirkulationsleitung
Keine genaue Schadensursache feststellbar, es wird vermutet, dass das
Wasser aus dem Kalk-Kohlensäure Gleichgewicht geraten ist. Dieser Schaden
unterscheidet sich offensichtlich von den Lochkorrosionsschäden im
Kaltwasser und wird daher nicht weiter berücksichtigt.

b) MPA Hannover, Dez 2011/Jan 2012


Lochkorrosion an 2 Kapillarlötfittingen
Installation von 1990, Korrosionsprodukte auch am Rohr sichtbar
Keine Schadensursache angegeben

c) MPA Hannover, Dez 2011/Jan 2012


Kupferrohr mit T-Stück (Warmwasser, weichgelötet) d = 28 mm (Schaden 1)
Kupferrohr mit T-Stück (Kaltwasser, hartgelötet / überhitzt) d = 22 mm
(Schaden 2)
Ursache für Schaden 1) wahrscheinlich Mängel bei Installation und
Betriebsbedingungen (welche sind nicht spezifiziert), Installation eines
Feinfilters erst nach 10 Jahren Betrieb. Kein Zusammenhang zu den
Lochkorrosionsschäden im Kaltwasser.
Ursache für Schaden 2) Wärmebehandlung des Rohrs

d) DKI 2.5.2007
2 Rohrsegmente und eine hartgelötete Rohrkombination aus Kaltwasser
Schaden in der wärmebeeinflußten Zone, bzw. unmittelbar neben Hartlötstelle

e) DKI 2.3.1999
Rohrsegmente und Rohrkombination hartgelötet aus Kaltwasser

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Schäden im Bereich der wärmebeeinflußten Zone der hartgelöteten
Verbindungsstelle in Verbindung mit Stagnation

f) Mansfelder Kupfer und Messing GmbH, 26.6. 1996


Kupferrohr mit Fitting
Schaden durch Wärmebehandlung (Hartlöten und Warnbiegen)

g) Gleiches Objekt, Schadensuntersuchung DKI 23.3.1984


Lochkorrosion durch Kohlenstofffilme auf der Oberfläche (seit 1983
Begrenzung des Kohlenstoffgehaltes auf der Kupferrohrinnenoberfläche).

h) Gutachten TZW, Dr. Turkoviċ, 30.9.2014


Fast alle begutachten Schäden zeigen einen Zusammenhang zwischen
Hartlötverbindungen und dem Auftreten von Lochkorrosion. Im Detail handelt
es sich um 27 untersuchte Schäden, davon 25 an hartgelöteten Installationen,
1 an einer weichgelöteten Installation und 1 ist nicht genau zuzuordnen.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass bei allen untersuchten Schäden diese
überwiegend im Bereich der Hartlötstellen aufgetreten sind. Für die weiteren
Schäden ist keine systematische Ursache festzustellen.

3.2 Einfluss des Wassers auf die Lochkorrosion

In einer Studie von Frau Dr. Becker wird sehr detailliert die Rolle des Wassers auf
das Auftreten von Lochkorrosion betrachtet. Sie hat verschiedene Modelle auf die
Beurteilung für das Auftreten von Lochkorrosion hin untersucht. Insbesondere wurde
geprüft, wie kritisch das Wasser vor 2005 war und danach und wie sich ein Wechsel
hin zu einem Wasser des Harzwasserwerkes verhalten würde.

Frau Dr. Becker ordnet das Wasser im Versorgungsgebiet Drakenburg nach der
Umstellung 2005 als geringfügig lochkorrosionsbegünstigtes Wasser ein. Mit der
Änderung der Brunnenfahrweise 2005, die Gründe werden hier nicht weiter diskutiert,
kam es zu einer Änderung des für die Initiierung der Lochkorrosion interessanten
Verhältnisses der Anionen Chlorid und Sulfat und damit zu einer eher geringeren

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Neigung des Wassers für Lochkorrosion. Also die Wahrscheinlichkeit für das
Auftreten von Lochkorrosion wurde auf der einen Seite verringert.

Dem steht gegenüber, dass der Hydrogencarbonatgehalt, der eine puffernde


Wirkung hat und damit pH-Verschiebungen an der Werkstoffoberfläche reduziert,
gesunken ist, welches die Wahrscheinlichkeit für Lochkorrosion eher erhöht.
Ungünstig dürfte sich auch die Erniedrigung des TOC-Gehaltes bemerkbar machen,
jedoch ist hier die Datenlage über die Jahre nicht lückenlos. Nach Auskunft des
Wasserverbands an der Führse wurde der Brunnen XI erst 2000 in Betrieb
genommen und 2005 die Förderleistung reduziert, so dass es zu Änderungen in der
Wasserzusamensetzung gekommen ist. Grundsätzlich wird den organischen
Bestandteilen im Wasser (TOC) eine inhibierende und damit schützende Wirkung
zugeschrieben, welches die Lochkorrosionswahrscheinlichkeit absenkt. Die TOC-
Konzentration in früheren Jahren ist nicht bekannt. Mit unterschiedlichen Modellen
wird die Lochkorrosionswahrscheinlichkeit der verschiedenen Wässer von vor und
nach dem Jahr 2005 beurteilt. Eine einheitliche Tendenz ist nicht zu erkennen,
dennoch ergeben die von Frau Dr. Becker herangezogenen Modelle eher ein
unkritisches Wasser nach dem Jahr 2005, jedoch weißt sie auf die hohen
Sauerstoffgehalte, niedrigen Säurekapazitäten und hohen Natrium/Nitrat-
Verhältnisse hin, die die Lochkorrosionswahrscheinlichkeit eher erhöhen. Der
gesunkene Hydrogencarbonatgehalt wird von ihr auch als ungünstig betrachtet. Frau
Dr. Becker beschreibt das Wasser auf Basis der Norm DIN EN 12502-2 als nicht
eindeutig lochkorrosionsfördernd ein. Bei Betrachtung der verschiedenen Modelle,
die im Folgenden kurz zusammengefasst werden, kommt sie zu dem Schluss:
„Somit lässt sich hinsichtlich des Wassers aus dem WW Drakenburg
zusammenfassen, dass unter Berücksichtigung der Norm DIN EN 12502-2 und der
ausgewerteten Literatur keine eindeutigen Aussagen zur Lochkorrosionsneigung bei
Kupfer möglich sind. Tendenziell ist das Wasser aber durchaus als geringfügig
lochkorrosionsbegünstigend einzustufen (sinkende Gehalte an Hydrogencarbonat,
dadurch aus korrosionschemischer Sicht schlechtere Pufferung des Wassers).“

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Im Detail wurden in der Studie von Frau Dr. Becker verschiedene Modelle zum
Auftreten von Lochkorrosion an Kupfer in kaltem Wasser herangezogen, die im
Folgenden ganz kurz dargestellt werden sollen.
Nach den Betrachtungen auf Basis des Nomogramms von Lucey ist das Wasser
nach 1999 nicht korrosionsauslösend. In der Abb. 1 ist die Auswertung dargestellt.

Abb.1: Auswertung Lochkorrosionswahrscheinlichkeit nach Lucey [Becker]

Eine Auswertung des Wassers nach Diegle und Berry ergibt eine
Lochkorrosionsanfälligkeit auf Basis des Hydrogencarbonatgehaltes und des
Sauerstoffgehaltes. Der pH-Wert würde auf unkritisches Wasser hinweisen. Die
Auswertung ist in der Abb. 2 dargestellt.

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Abb. 2: Entwicklung des pH-Wertes im Hinblick auf die Bewertung nach Diegle
und Berry [Becker]

Zitat Frau Dr. Becker zu den Schlußfolgerungen aus der Betrachtung des Wassers nach
Diegle und Berry: „Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass nach den Kriterien von
Diegle und Berry, zumindest bezogen auf die Gehalte an Sauerstoff und Hydrogencarbonat,
die Wässer aus beiden Wasserwerken als deutlich lochkorrosionsfördernd einzustufen
wären. Betrachtet man zusätzlich die pH-Werte, so zeichnet sich ein etwas differenzierteres
Bild ab. Allerdings haben die Autoren keine eindeutigen Hinweise gegeben, wie die
einzelnen genannten Parameter in ihrer Bedeutung zu gewichten sind.“

Eine Auswertung nach Billau und Drapier ergab, dass sowohl das Sulfat/Chlorid
Verhältnis als auch der pH-Wert bis auf das Jahr 1998, unkritisch ist. Die Auswertung
ist in den Abb. 3 und 4 gezeigt.

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Abb. 3: Entwicklung des Verhältnisses von Sulfat zu Chlorid [Becker]

Abb. 4: Entwicklung des pH-Wertes in Hinblick auf die Bewertung nach Billiau und
Drapier [Becker]

Frau Dr. Becker schreibt dazu:


Anhand des Diagramms ist deutlich zu erkennen, dass die pH-Werte des Wassers
aus dem WW Drakenburg meist außerhalb dieses Bereiches lagen, außer im Jahr
1998.
Das Verhältnis von Natrium zu Nitrat ist in allen Fällen deutlich größer als 1, so dass
auf eine grafische Darstellung verzichtet wird.

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Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass alle betrachteten Wässer
bezüglich ihrer Gehalte an Sauerstoff und des Verhältnisses von Natrium zu Nitrat
als lochkorrosionsbegünstigend zu bewerten wären. Allerdings ist dies vor allem
beim Verhältnis zwischen Sulfat und Chlorid, dessen Einfluss als größer angesehen
wird, etwas differenzierter zu sehen. Danach hatte das Wasser aus dem WW
Drakenburg früher leichte lochkorrosionsbegünstigende Tendenzen, welche sich im
Laufe der Zeit deutlich verringert haben.

Die Auswertung nach Wollrab ergibt für das betrachtete Wasser folgende Abbildung
und Aussagen:

Abb. 5: Auswertung der Wasseranalysen nach Wollrab

Frau Dr. Becker schreibt zu dem Wollrab Modell:


Die von Wollrab definierten Bereiche für Beständigkeit bzw. Anfälligkeit gegenüber
Kupferlochkorrosion sind entsprechend grün bzw. rot hinterlegt. Nach diesem Modell
zeigte das Wasser aus dem WW Drakenburg nur im Jahr 2004 eine Anfälligkeit
gegenüber Kupferlochkorrosion, in den übrigen Jahren lagen die Werte außerhalb
dieses Bereiches, genau wie das Wasser aus den Harzwasserwerken.

Neben den von Frau Dr. Becker herangezogenen Modellen soll noch ein Modell von
Dr. von Franqué [1] betrachtet werden, welches aus den 60er Jahren stammt und
damit den Faktor hartgelötete Rohrleitung mit Kohlenstofffilmen auf der

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Kupferrohrinnenoberfläche wahrscheinlich abbildet. Basierend auf Schadensfällen
wurden dies in Abhängigkeit vom Sulfatgehalt und der Carbonathärte aufgetragen.
Unterhalb einer, in das Diagramm eingezeichneten Linie, sind keine Schäden
aufgetreten, darüber schon, siehe Abb.6. Der Bereich I zeigt die Korrosion in
Warmwasser, der Bereich II die Lochkorrosion in Kaltwasser an. Eine scharfe Grenze
zwischen beiden Bereichen ist nicht gegeben. Diese Betrachtung zeigt, basierend
auf den Sulfatgehalten und der Carbonathärte, dass das Wasser tendenziell schon
immer im Bereich der Lochkorrosionswahrscheinlichkeit lag, durch die Absenkung
der Härte bei vergleichsweise gleichbleibenden Sulfatgehalten aber die Verhältnisse
eher deutlicher in den Bereich der Lochkorrosion verschoben wurden, verbunden mit
der Zunahme der Wahrscheinlichkeit der Lochkorrosion auch im Warmwasser.

Warm- Kalt-
wasser wasser

Abb. 6: Auftreten von Lochkorrosion in Trinkwasser in Abhängigkeit von der


Carbonathärte und der Sulfat Konzentration mit Angabe der
Konzentrationen aus den Jahren 2004 (95,0 mg/l SO42-, 7,42°dH
Carbonathärte) und 2014 (90,90 mg/l SO42-, 4,79°dH Carbonathärte)
[Franqué 1968]

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Die Lage der Wässer in dem Diagramm sind in Abb. 6 eingezeichnet.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass keine eindeutige Aussage hinsichtlich


der Lochkorrosionsanfälligkeit der Wässer getroffen werden kann. Die Betrachtungen
beziehen sich allerdings mehr auf dem Auftreten von Lochkorrosion an nicht
vorgeschädigten oder sensibilisierten Rohren.

Der Meinung von Frau Dr. Becker, dass das Wasser des Harzwasserwerkes eher
korrosionskritischer wäre, würde sich der Unterzeichner anschließen. Der niedrige
Hydrogencarbonatgehalt und das höhere Sulftat-/Chloridverhältnis zeigen nicht, dass
damit eine deutliche Verbesserung auftreten sollte.

3.3 Einsatz von Inhibitoren zur Vermeidung der Kupferlochkorrosion

Das größte Problem für den Einsatz der Inhibitoren und insbesondere für die
Vorhersage des Korrosionsverhaltens ist das Alter der Installationen. Kupfer ist ein
deckschichtbildendes Metall. In Kontakt mit dem Trinkwasser werden
Kupferoxidschichten und Kupfercarbonatschichten gebildet. Die Lochkorrosion findet
unterhalb dieser Schichten statt. D. h. bei einem Einsatz von Inhibitoren müssen
diese ggf. durch die Deckschicht diffundieren und zu der Lochkorrosionsstelle
gelangen. Dies erscheint zumindest nicht einfach möglich. In der Dissertation von
Plagemann [4] wird die Rolle der Inhibitoren auf die Lochkorrosion an Kupfer
untersucht. Er zeigt, dass eine Mischung aus 70 % Orthoposphat und 30 %
Polyphosphat eine inhibierende Wirkung haben. Silikate zeigen praktisch keinen
Einfluss. Interessant ist auch die Beobachtung, dass die Wirkung der Inhibitoren auf
der Ausbildung von Kalziumphosphatschichten beruht und die Inhibitoren sog.
anodische Inhibitoren sind. Dies bedeutet auf der einen Seite, dass eine
Unterdosierung die Lochkorrosion eher verstärken kann und auf der anderen Seite
nimmt er an, dass bei einem Absetzen der Phosphatdosierung eine verstärkte
Lochkorrosion auftreten kann.

Allgemein muss man natürlich festhalten, dass es sich dabei um Laborversuche


handelt und natürlich nicht um Rohre, die schon mehrere Jahrzehnte im Einsatz

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waren. In einem Verbund-Forschungsvorhaben des BMBF (Bundesministerium für
Bildung und Forschung) wurden Untersuchungen zur Minimierung der Kupferabgabe
in Trinkwasserinstallationen untersucht. In einem Teilvorhaben wurde vom IWW, von
Frau Dr. Becker, der Einfluss von Inhibitoren auf die Kupferlochkorrosion untersucht.
Dabei wurden zwei Wässer (Hartes Wasser 24,9 °dH und enthärtetes Wasser
18,3°dH mit jeweils einem Chloridgehalt von ca. 46 mg/L und Sulfatgehalt von ca.
119 mg/L) untersucht. Die verwendeten Kupferrohre wurden durch eine
Wärmebehandlung, die das Hartlöten simulieren soll, in einen Zustand gebracht, der
die Rohre für Lochkorrosion empfindlich macht. Als Inhibitor wurde eine Mischung
aus 75 % Mono- und 25 % Poly-Phosphat eingesetzt. Weiterhin wurde der Einfluss
eines silikatischen Zusatzes auf die Lochkorrosion geprüft. Das Ergebnis ist in der
Tabelle VIII.3.1 zusammengefasst [2].

Es kann festgehalten werden, dass durch den Einsatz des Phosphatinhibitors eine
deutliche Hemmung des Lochtiefenwachstums beobachtet wurde. In der
zusammenfassenden Tabelle, s.o. des Teilbereichs des Forschungsvorhabens ist
dies vermerkt.

Ob die Inhibitoren die gleiche Wirkung in Installationen entfalten, die bereits mehrere
Jahrzehnte betrieben werden, müsste geprüft werden. Auch die Frage, was passiert

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wenn nach einer Phosphatdosierung von mehreren Jahren diese wieder abgesetzt
wird, kann nicht ohne weiteres beantwortet werden.

Ein positives Beispiel für den Einsatz einer Phosphatdosierung auf die Lochkorrosion
ist das Wasserversorgungsgebiet Dorsten-Holsterhausen. Dort wurden nach dem
gehäuften Auftreten von Lochkorrosion in Kupferrohrleitungen eine
Phosphatdosierung, sowie eine UV-Behandlung gegen Mikroorganismen, eingeführt.
Die Anzahl der Schadensfälle soll dadurch deutlich reduziert worden sein [3].

Eine Nachfrage bei Fa. Kurita (Inhibitor Hersteller) ergab ebenfalls, dass positive
Erfahrungen für eine zentrale Dosierung von Inhibitoren vorliegen. Es wird aber auch
von Seiten dieser Firma angeregt, die Wirkungsweise durch einen Versuchsstand
zum Beispiel im Wasserwerk zu überprüfen.

3.4 Statistische Betrachtungen zum Auftreten von Lochkorrosion

Die Frage der Häufigkeit von Schäden in einem Wasserverteilungsgebiet wird


betrachtet, um zu prüfen, ob es sich um das Auftreten von „normalen
Korrosionsschäden“ handelt, oder ob eine spezifische Besonderheit in einem
Wasserversorgungsgebiet vorliegt. Hierzu wurde eine Auswertung des TZW
durchgeführt und ein Artikel aus der Literatur [5] auf das Wasserversorgungsgebiet
an der Führse betrachtet.

Es wurden 27 Schadensfälle untersucht, von denen 25 Installationen hart- und 2


weichgelötete wurden. Die Erstellung der Installationen bezieht sich auf einen
Zeitraum von 1968 bis 1998. Neben Schäden die bereits vor 2005 aufgetreten sind,
kommt es offensichtlich zu einer Häufung von vorher schadensfreien Installationen
nach 2005. Nach Auswertung der Statistik sind dies 17 Fälle von Installationen die
vor 2005 nicht schadensauffällig waren. Eine weitere Installation zeigt den ersten
Schaden 2004. Von den bereits früher schadensauffälligen Installationen zeigen 8
auch nach 2005 weitere Schäden. Feinfilter waren teils vorhanden teils nicht.

Eine Betrachtung der Sachversicherer [5] ergibt, dass es 19 Mio VGV- Verträge
(Verbundene Wohngebäudeversicherungen) gibt, davon 67 % mit

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Leitungswasserschäden. Ca. 1 Mio. Leitungswasserschäden werden jedes Jahr
gemeldet. 50 % der Schäden beziehen sich auf Leitungswasser und mehr als 50%
davon sind durch Korrosion verursacht. In Summe also 250.000 Schäden pro Jahr.
Dies entspricht einer Schadensquote von ca. 2 %. Die Anzahl der betroffenen
Haushalte ist allerdings niedriger, da die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von
weiteren Schäden in einem Haushalt in dem bereits ein Schaden aufgetreten ist stark
steigt (bei einem Schaden auf ca. 15%, bei 2 Schäden auf ca. 22% usw.).
Zu betrachten ist auch, dass die Lebensdauer einer Trinkwasserinstallation mit
mindestens 50 Jahren angenommen wird. Dies würde bedeuten, dass Installationen
älter als aus dem Jahr 1968 ihre Lebensdauer erreicht haben.

Einer Zusammenstellung der BI kann entnommen werden, dass es in verschiedenen


Wohngebieten zu einer signifikant höheren Schadensfallzahl gekommen ist:
Haßbergen: 56 Haushalte
Bachstelzenweg: 16 Haushalte
Heemsen: 18 Haushalte
In vielen Haushalten traten mehrere Schäden auf, wie auch aus der Publikation von
[5] zu erwarten ist, eine zeitliche Zuordnung liegt nicht vor. Für die Betrachtung fehlt
eine Gesamtzahl der Haushalte in den betroffenen Bereichen. Für die statistischen
Betrachtungen ist die Auswahl der Stichprobengröße notwendig.

Bezogen auf die statistischen Daten der Versicherungen, kann es so sein, dass das
Wasserversorgungsgebiet in seiner Gesamtheit nicht schadensauffällig ist. Subjektiv
betrachtet, erscheint die Anzahl der Schäden in einzelnen Gebieten und die
Betrachtung des TZW, dass es zumindest lokal eine signifikant erhöhte
Schadensfallzahl durch Lochkorrosion an Kupferrohrleitungen gibt. Für die
Schadenshäufigkeit ist die Auswahl der statistischen Daten und die
Stichprobengröße entscheidend. Die Darstellung der BI legt den Schluß nahe, dass
es in bestimmten Wohnbereichen eben doch zu einer signifikant erhöhten Anzahl der
Schadensfälle gekommen ist.

17
4 Stellungnahme zu den Fragen der BI
4.1 Forschungsprojekt

Die Durchführung eines Forschungsvorhabens durch das IWW erscheint zum


jetzigen Zeitpunkt fraglich. Eine vorgeschaltete Studie zum Auftreten von
Lochkorrosion in Kupferleitungen in Deutschland ergab, dass 55 Versorgungsgebiete
identifiziert werden konnten, in denen Lochkorrosion auftritt. Im Detail beschäftigt
sich die Studie mit möglicherweise neuartigen Schäden an Kupferrohren in einem
Wasserversorgungsgebiet (Dorsten-Holsterhausen). Es wird aber auch darauf
hingewiesen, dass bei den beobachteten Schäden auch viele Schäden an
hartgelöteten Rohren aufgetreten sind. Da seit 1996 ein Hartlötverbot besteht,
handelt es sich um Altschäden. Eine Korrelation zwischen den Wasserparametern
und dem Auftreten von Lochkorrosion konnte nicht hergestellt werden.

4.2 Einfluss des Versorgungsnetzes auf die Lochkorrosion

Es wird die Frage gestellt, ob das Versorgungsnetz schadensursächlich ist. Diese


Frage wird vom TZW auf Basis von Wasserproben, die an zwei Übergabepunkten zu
Hausinstallationen genommen wurden, beantwortet. Die Analysen entsprechen
innerhalb der normalen Schwankungsbreite der Zusammensetzung des zur
Verteilung gelangenden Wassers. Ein Einfluss des Versorgungsnetzes wird daher
ausgeschlossen.

4.3 Diskussion der Schadenshäufung

Die Frage, warum es in manchen Bereichen zu einer erhöhten Häufigkeit von


Lochkorrosion kommt, ist nicht einfach zu beantworten. Grundsätzlich werden für das
Auftreten von Lochkorrosion statistische Modelle genutzt. Darüber hinaus muss man
drei unterschiedliche Teilschritte der Lochkorrosion betrachten:
- Lochinitiierung
- Lochwachstum
- Repassivierung.

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Nur ein Loch, welches gebildet wurde, kann auch wachsen.

Deshalb stellt auch der Teilschritt der Lochinitiierung vielfach den Grund für das
unterschiedliche Korrosionsverhalten der unterschiedlichen Objekte dar. Eine
Lochbildung setzt häufig direkt beim ersten Kontakt mit Wasser ein. Dabei kommt es
auf unterschiedlichste Einflussgrößen an. Z. B. die Innenoberfläche der Rohre, z. B.
ob dies voroxidiert sind oder Kohlenstofffilme aufwiesen, wie es z. B. sicher in den
1970er Jahren der Fall war. Kohlenstofffilme begünstigen die Lochbildung. Seit 1983
ist gefordert, dass die Innenoberfläche der Kupferrohre frei von schädlichen
Kohlenstofffilmen ist. Hartlötstellen erleichtern durch eine rissige Oxidstruktur die
Bildung von Löchern. Ablagerungen auf der Rohrinnenoberfläche, die nach der
Herstellung der Installation z. B. nicht weggespült wurden oder durch fehlende
Feinfilter im Lauf der Betriebszeit in die Rohre gelangen, sind ebenfalls häufig
ursächlich für Lochkorrosion. Rohrsysteme werden und wurden häufig durch
Druckproben mit Wasser auf Dichtigkeit geprüft. Stagniert das Wasser nach der
Druckprobe in den Rohrleitungen oder wird nur teilweise abgelassen, kommt es zur
Lochbildung. Auch im Betrieb der Rohrleitung sorgen Stagnationszeiten z. B. bei
Leitungen zum Gästebad, für die Initiierung von Löchern. Dies sind nur einige
Beispiele dafür, wie die Lochinitiierung bei unterschiedlichen Häusern im gleichen
Wasserversorgungsgebiet beeinflusst wird.

Die Löcher die gebildet wurden, wachsen dann auch. Durch Änderung der
Wasserparameter kann die Lochkorrosion auch wieder gestoppt werden. Im
günstigsten Fall repassivieren die Löcher und es kommt zu keinem weiteren
Lochwachstum. Der Betreiber der Rohrleitung bemerkt dies nicht, da ja dann kein
Schaden entsteht. Durch eine erneute Änderung der Wasserparameter kann es aber
wieder zu einem erneuten Auftreten der Lochkorrosion kommen, auch Jahre nach
der Inbetriebnahme, wie es offensichtlich im vorliegenden Fall passiert ist.

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4.4 Alternative Wasserversorgung

Eine alternative Wasserversorgung wurde von der Bürgerinitiative gewünscht. Dies


ist nicht ohne weiteres möglich. Grundsätzlich beinhaltet jeder Wasserwechsel wie
bereits oben ausgeführt, die Gefahr, dass Deckschichten verändert werden und
damit die Löslichkeit von Kupferdeckschichten und auch das Auftreten von
Lochkorrosion kann nicht detailliert vorhergesagt werden. Vor einem Wasserwechsel
wird daher empfohlen das Korrosionsverhalten, bzw. insgesamt das Verhalten der
Werkstoffe in dem dann geänderten Trinkwasser, zu prüfen.

Frau Dr. Becker bewertete auf Basis der Wasseranalysen der alternativ zur
Verfügung stehenden Trinkwässer. Diese wären:
i) Harz Wasser
j) Wasser aus unterschiedlichen Brunnen.

Das zur Verfügung stehende Harz Wasser erscheint zunächst nicht weniger korrosiv
als das Wasser welches aktuell zur Verteilung kommt. Die anderen Brunnen zeigen
niedrigere Konzentrationen von TOC sowie höhere Verhältnisse von Sulfat zu Chlorid
welches tendenziell negativer sein sollte.
Ein Wasserwechsel wird daher nicht angeraten, mindestens aber müsste durch
Untersuchungen belegt werden, dass es durch den Wasserwechsel zu keiner
vermehrten Lochkorrosion kommt.

4.5 Einsatz von Inhibitoren

Wie bereits erwähnt gibt es das grundsätzliche Problem, dass die Lochkeime
voraussichtlich schon bei der Inbetriebnahme der Installationen in den siebziger und
achtziger Jahren gelegt wurden. Diese Lochkeime finden sich unterhalb der in den
letzten Jahren gebildeten Deckschichten. Inhibitoren müssen daher die Deckschicht
durchdringen um den Prozess der Korrosion zu inhibieren. Dieser scheint nicht
ausgeschlossen, es liegen Beispiele hierfür vor, dass Lochkorrosion auch an älteren
Installationen durch den Einsatz von Inhibitoren gestoppt werden kann. Die
grundsätzliche Frage hinsichtlich einer zentralen Dosierung von Phosphaten liegt
darin, dass ein Minimierungsgebot in der Trinkwasserverordnung gibt bezüglich der

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Zugabe von Substanzen zum Trinkwasser. Nicht von Lochkorrosion betroffene
Bürger des Wasserverteilungsgebiets werden es vermutlich ablehnen dass ihr
Trinkwasser inhibiert wird. Grundsätzlich erscheint es dem Unterzeichner unkritisch
Inhibitoren auf Basis von Phosphat dem Trinkwasser zuzusetzen. Die Wirksamkeit
der Phosphatdosierung müsste aber erst durch einen geeigneten Versuch überprüft
werden.

Alternativ kann aber angeraten werden eine dezentrale Dosierung von Phosphaten in
den betroffenen Häusern in dem Wasserverteilungsgebiet durchzuführen. Damit
würde sichergestellt, dass nur die von Lochkorrosion Betroffenen ein inhibiertes
Trinkwasser erhalten und damit auch zielgerichtet das Auftreten von Lochkorrosion in
Häusern, die über eine kritische Rohrkonstruktion verfügen, inhibiert wird. Die
Errichtung und der Betrieb solcher Anlagen liegt in der Verantwortung der
Hauseigentümer.

5 Handlungsempfehlung und abschließende Stellungnahme

Auf Basis der vorliegenden Untersuchungen ist es sehr wahrscheinlich, dass die
Häufung der Schadensfälle durch Kupferlochkorrosion in der Zeit seit 2005 auf die
veränderte Brunnenfahrweise zurückzuführen ist. Selbstverständlich entspricht das
Wasser der Trinkwasserverordnung. Die Trinkwasserverordnung berücksichtigt aber
nicht, ob ein Trinkwasser korrosiv ist. Im Übrigen können auch Trinkwasserleitungen
aus nichtrostendem Stahl durch Korrosion geschädigt werden. Auch Leitungen aus
Kunststoff-/Kunststoffverbund-Rohren können Korrosionsschädigungen zeigen,
insbesondere im Bereich der Rohrverbinder. Für den Einsatz der jeweiligen Rohre in
den unterschiedlichen Wasserverteilungsgebieten liegt grundsätzlich ein großes
Erfahrungswissen vor, es gibt aber keine exakt definierten Einsatzgrenzen. Die
DIN12502 gibt eben auch keine scharfen Grenzen für den Einsatz der verschiedenen
Werkstoffe wieder. Im vorliegenden Fall wurde der Werkstoff Kupfer durch die
Verbindungstechnik Hartlöten in einen kritischen Zustand gebracht, der bei Vorliegen
weiterer kritischer Parameter dann zur Lochkorrosion führt. Da auch in früheren
Jahren (vor 2005) Schäden durch Lochkorrosion bekannt sind, kommen die
bekannten korrosionsverschärfenden Faktoren hinzu, wie z. B. Inbetriebnahme,

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Nutzungsverhalten, fehlende Filter, handwerkliche Fehler etc. Das gehäufte
Versagen der Installationen in den letzten Jahren ist aber wahrscheinlich auf die
Änderung der Brunnenfahrweise zurückzuführen. Hierdurch könnten die
repassivierten Lochfraßstellen wieder aktiviert worden sein. Bei Abwägung aller
Betrachtungen ob das verteilte Wasser zu Lochkorrosion führt, erkennt man, dass
das Wasser des Wasserwerkes Drakenburg schon immer grenzwertig hinsichtlich
des Auslösens von Lochkorrosion war. Die Änderung der Brunnenfahrweise könnte
dann zu der vermehrten Lochkorrosion an den durch das Hartlöten sensibilisierten
Stellen geführt haben.

Eine erneute Umstellung des Wassers (z. B. auf Harzwasser) ohne eine
experimentelle Absicherung im Vorfeld wird kritisch gesehen. Das Harzwasser ist
basierend auf den Erkenntnissen, die man zum Auftreten von Lochkorrosion hat,
tendenziell auch als lochkorrosionsauslösend zu betrachten. Durch eine
Wasserumstellung stellen sich neue Gleichgewichte ein, die einen Umbau der
Deckschichten bewirken. Die Konsequenzen daraus sind schwer vorherzusagen.

Eine zentrale Dosierung von Inhibitoren erscheint erfolgversprechend. Aber auch hier
wird angeraten, durch experimentelle Untersuchungen die Wirksamkeit vor dem
Einsatz zu prüfen. Insbesondere ist es nicht klar, ob eine einmal begonnene
Phosphatdosierung wieder reduziert werden kann. Die Stadt Düsseldorf wagt gerade
diesen Großversuch, dort wird die zentrale Dosierung gestoppt. Eine zentrale
Phosphatdosierung ist nicht im Sinne des Minimierungsgebotes der
Trinkwasserverordnung, könnte aber sicher durch die Reduzierung der Schäden in
den privaten Haushalten begründet werden.

Eine Alternative zu einer zentralen Phosphatdosierung wäre eine dezentrale


Phosphatdosierung. In betroffenen privaten Häusern könnten Inhibitordosieranlagen
eingebaut werden. Es könnte so unmittelbar Abhilfe für betroffene Häuser geschaffen
werden. Auf diese Weise könnten auch Erfahrungen zum Einfluss einer
Phosphatdosierung für eine zentrale Phosphatdosierung gesammelt werden. Durch
eine dezentrale Dosierung würde auch dem Minimierungsgebot der
Trinkwasserverordnung genüge getan werden. Die Kosten liegen dabei in
überschaubaren Größenordnungen. Auf Basis eines Telefonats mit der Fa. Grünbeck

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ergeben sich Kosten von ca. 1.000 € für den Dosierautomaten , zusätzlich Kosten
entstehen durch den Einbau durch den Installateur. Die Kosten für den Inhibitor
dürften bei ca. 100 €/Jahr liegen. Im Anhang sind Datenblätter der Produkte
angehängt. Fa. Grünbeck ist nur ein Anbieter von mehreren möglichen, eine
Festlegung auf deren Produkte soll hier nicht erfolgen.

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6 Literatur

[1] Franqué, Otto von: Über Bedeutung, Umfang und Stand der Untersuchungen des
Lochfraßes bei Kupferrohren. Werkstoffe und Korrosion 19 (1968) 5, 377 – 384.
[2] Th. Alex, K. Johannsen, K. Wichman (TUHH ), S. H. Eberle, Th. Dahlke, Fr. E.
Detscher, T. Merkel, W. Werner (TZW ), A. Becker, H. Overath (IWW ),
Forschungsreport des BMBF-Verbundprojektes „Kupferkorrosion“
Untersuchungen zur Minimierung der Kupferabgabe in Trinkwasserinstallationen
30 April 2009, Förderkennzeichen: 02WT0501
[3] DKI, https://kupfer.de/news/regionales-korrosionsphaenomen-im-
versorgungsgebiet-holsterhausen-vielleicht-muessen-wir
[4] P. Plagemann, Untersuchungen zur Lochkorrosion von Kupferrohren in
Trinkwasserinstallationen, RWTH Aachen (2001)
[5] Scholzen, G., www.schadensprisma.de, 3/2010

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