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Radio aus Leidenschaft

Karina Reichl studierte Kunstgeschichte und Publizistik in Salzburg. Kurz vor dem Abschluss bekam sie Ende
2001 die Chance beim Salzburger Privatradiosender Welle 1 als News-Moderatorin in den Beruf einzusteigen.
2003 wechselte sie zum ORF Salzburg in die Service-Redaktion. Anschließend an dieses Engagement kam sie
zum Antenne-Verbund. Von Salzburg aus wurde Programm auch für Tirol und Oberösterreich produziert. Karina
Reichl moderierte die neue Morningshow auf Antenne Tirol. Nach 5 Jahren wechselte sie dann zur Antenne
Salzburg und war dort Moderatorin und Redakteurin. Nach sechs Jahren bei der Antenne reduziert sie nun ihre
Radioaktivitäten zu einem Hobby (einmal monatlich Wochenendmoderation) zugunsten neuer
Herausforderungen als Online-Texterin.

Verstehen Sie Ihren Wechsel von einem traditionellen Medium zu einem neuen
Medium als ein Zeichen der Zeit?

Das Internet ist ein Medium der Zukunft, das sich schnell weiterentwickelt und
sehr spannend ist. Die Zukunft der Printmedien ist im Internet. Für das Radio bin
ich da aber nicht so pessimistisch. Radio kann man ja auch genauso gut über das
Internet hören.

Im Internet kann man Radio bzw. Musik auch ohne Werbung hören. Ist das eine
Gefahr für das etablierte Geschäftsmodell?

Da stellt sich die Frage, wer das wirklich schon kann. Vielleicht wird die jüngere
Generation immer mehr auf herkömmliches Radio verzichten. Die Generation
50+ wird das Radio aber weiterhin begleiten. Wenn man aktuelle Infos braucht,
ist das Radio das schnellste Medium.

In der Vorbereitung auf das Gespräch wollte ich Antenne Salzburg hören. Da ich
keinen UKW-Empfänger in meinem Büro habe, wollte ich den Internet-Stream
suchen, fand diesen aber nicht.

Leider hat Antenne Salzburg keinen Live-Stream. Wir werden oft danach gefragt.
Den Grund dafür kenne ich aber nicht. Auch mit einer iPhone-App kann Antenne
Salzburg nicht aufwarten. Allerdings haben wir eine Facebook-Seite um Kontakt
zu den Hörern zu halten. Je präsenter man bei den Hörern ist, umso beliebter ist
man.

Haben Sie ein eigenes Facebook-Profil?

Ich habe lediglich ein privates Profil. Für meine Tätigkeit als Moderatorin habe ich
kein Facebook-Profil, weil ich diese Präsenz nicht so brauche, wie vielleicht
andere. Rampensau ist jeder, aber es gibt Nuancen. Ich bin nicht glücklicher mit
Tausenden Freunden. Das Potential von Facebook wird aber von den Privatradios
noch unterschätzt. Social Media ist ein ganz wichtiges Tool der Zukunft.

Im letzten Radiotest für das 2. Halbjahr 2010 hat Anntene Salzburg mit 13.5%
Tagesreichweite gut abgeschnitten und ist damit das erfolgreichste Privatradio
im Bundesland.

Die Gründe für den Erfolg sind oft schwer nachzuvollziehen. Der Radiotest ist ein
wichtiger Parameter für die finanzielle Seite. Die Steigerung des Marktanteils ist
das Ziel privater Radios. Wenn die Reichweiten sinken, muss man etwas ändern.
Sie moderieren jetzt noch einmal monatlich das Wochenendprogramm. Wie kann
ich mir das vorstellen?

Das Wochenende wird bei der Antenne so gestaltet, dass es gute Laune
vermitteln soll und daher keine zu ernsten Themen – wie zum Beispiel die
Berichterstattung über Unfälle – gebracht werden dürfen. Politik ist auch tabu,
außer es ist gerade Wahltag. Dann nehmen wir eine Sondersendung ins
Programm auf. Sonst steht die Musik im Vordergrund. Das ist überhaupt der
aktuelle Trend: weniger Wort, mehr Musik. Das sieht man bei allen Radiosendern.
Auch Ö3 macht das jetzt insbesondere am Wochenende so.

Ich habe zwei Themen in der Stunde. So zum Beispiel über das letzte
Sommerwochenende oder die Eröffnung der Schigebiete. Das sind dann die
Aufhänger. Am Wochenende bringen wir auch keine Regionalnachrichten sondern
nur stündliche Weltnachrichten, die von KroneHit zugekauft und aus Wien
eingespielt werden.

Die Sendeuhr gibt uns vor, wann die Musik von Themenblöcken, die allerdings
nicht länger als 1:30 Minuten sein dürfen, unterbrochen wird. Dort haben dann
die redaktionell aufbereitete Information unter dem Motto „Ist der Redakteur
auch noch so fleißig, kein Beitrag über 1:30“ Platz. Wenn jemand etwas länger
hören will, dann hört er Ö1. Obwohl ich glaube, dass man den Hörern mehr
zumuten könnte, geht der Trend in Richtung Kürze: „Nervt´s die Leut´nicht, sagt
´s nur etwas, wenn ihr etwas zum Sagen habt´s.“ 1:30 ist sicher eine Zeit, in der
man etwas vermitteln kann, wobei es mit manchen Themen dann doch schwierig
ist. Es ist die Kunst des Moderators das Wichtige herauszufiltern. Die
Werbeblöcke sind aber länger und trotz der Wirtschaftskrise im letzten Jahr
haben wir nicht gemerkt, dass weniger Werbung gelaufen wäre.

Mittlerweile gibt es in Österreich Medienförderung für den privaten Rundfunk.


Halten Sie das für gerechtfertigt?

Ja. Absolut. In Österreich haben wir als Private sonst nie eine Chance mit dem
ORF zu konkurrieren. Hinter dem ORF steht eine Maschinerie mit viel Geld.

Wo erkennen Sie Gemeinwohlorientierung wie zum Beispiel Förderung der


Vielfalt, Förderung der österreichischen Kultur, die auch als Ziel der öffentlichen
Unterstützung des privaten Rundfunks gilt?

Radio ist ein Unterhaltsmedium. Es ist wichtig, dass Musik gehört werden kann.
Wenn ich über Salzburg informiert werden will, dann ist die Antenne sicher eines
der besten Medien im Bundesland. Aber wenn man Menschen fragt, warum sie
Radio hören, dann wird man als Antwort bekommen, dass sie Musik hören wollen.
Radio soll unterhalten. Es ruft mich keiner an, weil er mit mir über irgendwelche
Ausstellungen philosophieren will. Die Leute rufen an, weil sie einen Musikwunsch
haben. Zum Beispiel bewegt das Super-Gitarrensolo von Toto in „Africa“, das ich
früher abgedreht habe. Das sind die Dinge, die die Leute wirklich interessieren.
Wenn ich Themensendungen auf der Antenne habe, rufen die Hörer nur bei ganz
brisanten Themen an. Wichtig ist die Musik.
Wir würden uns aber alle wünschen einmal eine Spezialsendung zu moderieren.
Aber wir wissen, dass das nicht möglich ist. Das Risiko ein Spartenprogramm zu
senden will keiner auf sich nehmen. Man geht nach dem, was die breite Masse
interessiert.

Ist das nicht ein bisschen traurig, wenn man Journalistin mit gewissen
Ansprüchen ist?

Ja. Natürlich. Das ist auch ein Kampf mit einem selber und für mich auch ein
Grund nach zehn Jahren mich langsam zu verändern, weil ich nicht mehr so
dahinter stehen kann in welche Richtung das Radio tendiert. Das hat jetzt nichts
mit der Antenne zu tun sondern mit der Entwicklung des Radios im Allgemeinen.
Du bist nur noch dazu da die Leute zu entertainen und nicht mehr zu informieren.
So drastisch das jetzt klingen mag: Bei einer Unwetterkatastrophe weiß ich, dass
ich Radio mache, weil die Menschen informiert werden wollen. Das macht mir als
Journalistin irrsinnig viel Spaß. Cool, jetzt schalten die Leute ein, weil sie wissen
wollen, was gerade passiert.

Das Moderieren an sich ist super. Aber ich will nicht mehr 40 Stunden in der
Woche Radio machen. Es kann natürlich lustig sein einen Beitrag zum Thema
„Welche Weihnachtsgeschenke sind heuer im Trend“ zu gestalten, aber auf
Dauer immer nur seichte Themen zu behandeln war für mich doch ein Grund,
neue Herausforderungen zu suchen.

Ist Radiomachen ein Beruf, den junge Menschen anstreben sollten?

Das ist eine schwierige Frage. Die Zeit, in der man beim Privatradio Geld
verdienen konnte, ist vorbei. Man kann eigentlich nicht mehr davon leben. Man
braucht mehrere Standbeine. Während des Studiums ist es ja OK.
Fixanstellungen sind sehr schwierig zu bekommen. Radios werden in Zukunft
einen Pool an Menschen aufbauen, auf den sie zurückgreifen können, wenn sie
gebraucht werden.

Welches Resümee können Sie für sich nach zehn Jahren Radioarbeit ziehen?

Es war eine sehr spannende Zeit. Ich war privilegiert, dass ich da vor 10 Jahren
hineingerutscht bin. Radiomachen ist sehr schön. Es ist aber schade, dass man
sich journalistisch nicht mehr ausleben kann. Die Arbeit bietet nicht die Vielfalt,
die man sich wünschen würde.

Welche Frage hätten Sie sich abschließend gerne selbst gestellt?

Ob ich den Weg noch einmal gehen würde? Ja. Genau dasselbe würde ich
nochmals tun. Ich bereue es keine Sekunde, dass ich mein Studium zugunsten
einer herausfordernden Tätigkeit abgebrochen habe.
David Röthler ist Unternehmensberater und Autor zum Thema „Neue
Internetanwendungen“ in Salzburg
Weblog: politik.netzkompetenz.at; Email: david@roethler.at

Foto:

http://www.flickr.com/photos/davidroethler/3140461731/