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Ф Е Д Е РАЛ Ь Н О Е АГ Е Н Т С Т В О П О О БРАЗО В АН И Ю

В О РО Н Е Ж С КИ Й Г О С У Д АРС Т В Е Н Н Ы Й У Н И В Е РС И Т Е Т

У ЧЕ БН О Е П О С О БИ Е
П О Л Е К С И КО Л О Г И И Н Е М Е ЦКО Г О ЯЗЫ КА
дляс тудентов-германис тов III к урс ад/ои III к урс ав/о

С п ец иальнос ть - 022600 «Т еорияи методик ап реп одаванияинос транны х


язы к ов и к ультур»

В О РО Н Е Ж – 2006
2

У тверж дено научно-методичес к имс оветомф ак ультета


романо-германс к ой ф илологии
П роток ол№ 1 от23 января 2006 г.

С ос тавители: Бы к оваО .И .
М олчановаЛ .В .

У чебное п ос обие п одготовлено на к аф едре немец к ой ф илологии ф ак ультета


романо-германс к ой ф илологии и п редназначено с тудентам-германис там,
обучаю щимс я п о с п ец иальнос ти 022600 «Т еория и методик а п реп одавания
инос транны х язы к ов и к ультур» п ри с амос тоятельном изучении тем к урс а
лек с ик ологии немец к ого язы к а (учебная дис ц ип лина О П Д .Ф .02.3):
«С ловообразование», «И зменение значения с лова», «Ф разеология
с овременного немец к ого язы к а», «С оц иальная и п роф ес с иональная
диф ф еренц иац иялек с ик и».
М етодичес к ие ук азания к к аж дой теме с одерж ат п лан для с амоп одготовк и,
с п ис ок обязательной и доп олнительной литературы , п роблемны е задания
п ознавательно-п оис к ового и п ознавательно-ис с ледовательс к ого харак тера,
тес ты .
3
Thema I: Die Wortbildung

Primä rliteratur
1. О льш анс к ий И .Г . Л ек с ик ология: С овременны й немец к ий язы к / И .Г .
О льш анс к ий , А.Е . Г ус ева.- М .: Ак адемия, 2005. – С . 98 - 123
2. С теп анова М .Д . Л ек с ик ология с овременного немец к ого язы к а: У чеб. п ос обие
для с туд. вы с ш . учеб. заведений / М .Д . С теп анова, И .И . Черны ш ева. - M.:
Ак адемия, 2003. – С . 78-121
3. Iskos, A.. Ü bungen zur deutschen Lexikologie / A. Iskos, A. Lenkova. - Leningrad,
1970. - S. 10-26
4. Schmidt, W. Deutsche Sprachkunde/ W. Schmidt. - Berlin, 1974. - S. 344

Sekundä rliteratur
5. Д евк ин В .Д . Занимательная лек с ик ология: (Worthumor/Язы к и ю мор) / В .Д .
Д евк ин. – М .: Г уманит. И зд. Центр В Л АД О С , 1998. – 312 с .: ил.
6. Fleischer, W. Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache / W. Fleischer. - 3.
ü berarb. Aufl. - Leipzig, 1974. - S. 53-64
7. Kü hn, I. Lexikologie: eine Einfü hrung / I. Kü hn. – Tü bingen: Niemeyer, 1994. – 127
S.
8. Schippan, Th. Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache / Th. Schippan. –
Leipzig, 1984. - S. 102-116
9. Stepanova M.D. Grundzü ge der deutschen Wortbildung / M.D. Stepanowa, W.
Fleischer. - Leipzig, 1985. - S. 36-49, 76-81

I. Informieren Sie sich ü ber folgende Problematik.


1. Die Wortbildungslehre in der Germanistik.
2. Die Modellierung in der Wortbildung. Die Grundwortbildungsmodelle des
Deutschen:
a) Wurzelwö rter;
b) implizite Wortbildung (Wortartwechsel);
c) Ableitung (präfixale, suffixale, präfixal-suffixale);
d) Zusammensetzung (Kompositum): determinative, nicht determinative
Komposita, Komposita mit Restelement;
e) affixale Ableitung mit einem Restelement oder einer Pseudowurzel.
3. Wortbildungsstrukturen als Varianten der Grundmodelle:
a) Initial- und Kurzwö rter;
b) Zusammenbildungen;
c) Strukturen mit Halbaffixen und Komponenten mit hoher Frequenz.

Aufgabe I. Charakterisieren Sie drei Grundlinien in der Wortbildungslehre der


gegenwärtigen deutschsprachigen Germanistik: strukturelle, inhaltsbezogene, strukturell-
semantische Wortbildungslehre.

Aufgabe II. Ergänzen Sie die unten gegebene schematische Ü bersicht ü ber die
Grundwortbildungsarten des Deutschen.
4
Wortbildungsarten

√ Ableitung √ Zusammen-
bildung
Determinative √ Explizite √
Z. A.

Silbenwö rter
Initialwö rter


Schwanzwö rter
Restelement

Suffixale A.
Präfixale A.
eigentliche

K. mit




Aufgabe III.
1) Analysieren Sie die wortbildende Struktur folgender Wö rter.
2) Stellen Sie verschiedene Ableitungstypen fest.

Wö rter Ableitungstyp
1. verlängern
2. das Geheule expl. präfixal-suff. Abl.
3. vorbildlich
4. das Schreibzeug
5. der Gesang
6. die Unabhängigkeit
7. hö flich
8. die Kunst
9. eisern
10. der Seemann
11. die Rede
12. das Gerede
13. die Rederei
14. der Stand
15. die Tat

Aufgabe IV.
Analysieren Sie folgende abgeleitete Wö rter: bestimmen Sie die Affixe und den Weg der
Bildung dieser Wö rter, achten Sie auf unproduktive Suffixe.

Absicht, Vernunft, Predigt, Kunst, Jugend, Tugend, Schicksal, R ätsel, Tracht, Überbleibsel

Aufgabe V.
1) Finden Sie determinative und nichtdeterminative Komposita.
2) Bestimmen Sie die Art der nichtdeterminativen Komposita (kopulative K.,
Imperativnamen). Fü llen Sie die Tabelle aus.
Lederschü rze, Kleiderschü rze, fü nfhundert, fü nfzehn, eiskalt, naß kalt, Stelldichein,
Ballkleid, Freundfeind, Springinsfeld, Sü dwest, rotgelb, pechschwarz, Jackenkleid,
5
Vergissmeinnicht, hundertfü nf, Erzfeind, Arbeitstag, Stichpunkt, Langeweile,
Tischleindeckdich
3) Welche Bedeutungsbeziehung zwischen den Wortbildungskomponenten
(Unterordnung bzw. Beiordnung) liegt den determinativen und nichtdeterminativen
Zusammensetzungen zugrunde?

Determinative Zusammensetzung nichtdeterminative Zusammensetzung


eigentliche nicht eigentliche kopulative Z. Imperativnamen

Aufgabe VI. In welchen Beispielen sind die Konstituenten einander unter- bzw.
beigeordnet?
Wörter einander einander
untergeordnet beigeordnet
weißrot
dunkelblau X
Baden-Wü rtemberg
Arztsekretärin
Spielermaterial
bü rgerlich-realistisch
Dichterkomponist
taubstumm
sü ßsauer
naßkalt
Sü dost
Ostwind

Aufgabe VII.
1) Leiten Sie mit Hilfe der Suffixe – ig, -lich, -isch, -e(r)n Adjektive von folgenden
Substantiven ab.
2) Beachten Sie, dass einige wortbildende Suffixe bedeutungsrelevant sind. Erschlie ßen
Sie die Bedeutung der adnominalen Adjektive.
Lust, Mut, Tag, Mund, Glas, Silber, Gold, Stadt, Dorf, Bauer, Rose, Kind, Weib, Herr,
Himmel, Erde, Heim, Sinn, Verstand

-ig -lich -isch -e(r)n


6

Aufgabe VIII. Bestimmen Sie Wortbildungsmodelle folgender Wö rter. Welche Besonderheit


weist die Zusammenbildung auf im Vergleich zu:
a) den anderen suffixalen Modellen;
b) den Zusammensetzungen mit primären Stämmen.
Identifizieren Sie die Zusammenbildung als eine besondere Wortbildungsart.

Wö rter Wortbildungsmodell
1. Inanspruchnahme
2. Nichtraucher
3. Besserwisser
4. Gesetzgeber
5. Steinbrucharbeiter
6. Kunststofftasche
7. Spätaufsteher
8. alltäglich
9. weltberü hmt
10. Instandsetzung
11. Abschiednehmen
12. Spießbü rgerlichkeit
13. Zustandsetzung
14. Aufgeschlossenheit

Aufgabe IX. Stellen Sie fest, welche Grundmorpheme auf dem Wege zum Affix (Halbaffix)
sind.
1. Hauptmann, Hauptstraß e, Hauptstadt;
2. blockfrei, bü gelfrei, zollfrei, arbeitsfrei;
3. Fachwerk, Feuerwerk, Zementwerk, Mauerwerk, Schuhwerk, Mundwerk;

4. Badezeug, Bettzeug, Fahrzeug, Waschzeug, N ähzeug, Arbeitszeug;


5. glü cklicherweise, arbeitsweise, notwendigerweise, probeweise.

Kuriositä ten der Wortbildung

Aufgabe X.
1) In welchen Beispielen wird der humoristische Effekt durch usuelle Wö rter
geschaffen?
2) Stellen Sie die Wortbildungsmodelle (auch okkasionelle) dieser W ö rter fest.
3) Was verspotten diese Parodien? Wann ist das treffend und erfolgreich, wann ist nur
fauler Formalismus vorhanden?
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A) setzen: Gesetzt wie du bist, nimm einen Ansatz, ü bersetze sitzend jeden
Satz mit Vorsatz und geistigem Einsatz, dann wird’s ein Aufsatz; sei nicht besessen, damit
der Setzer jeden Satz ohne Untersatz setzt und nicht brummend kritisiert: Kaffeesatz!
Vermeide jeden Nachsatz, bedenke den Absatz, dann hast du auch Umsatz.
B) –kunft: Jeder soll nach seiner Ankunft ü ber seine Herkunft und Abkunft, ferner
nach freier Ü bereinkunft ohne amtliche Dazwischenkunft bei seiner Zusammenkunft mit
anderen ü ber seine Einkunft Auskunft geben, sonst erhält er in Zukunft keine Unterkunft.
(Scherzhaftes Plakat fü r die Bahnhofshalle).
C) kommen: Es kann vorkommen, dass Nachkommen von gutem Herkommen mit ihrem
Einkommen nicht auskommen und soweit herunterkommen, dass sie auf den Hund kommen
und nicht hochkommen.

Thema II: Der Bedeutungswandel

I. Informieren Sie sich ü ber folgende Problematik.


1. Wortschatzerweiterung durch semantische Derivation bzw. Bedeutungswandel.
2. Die Ursachen des Bedeutungswandels:
a) extralinguistische Ursachen;
b) intralinguistische Ursachen.
3. Die Arten des Bedeutungswandels. Die logische Klassifikation des
Bedeutungswandels:
a) Bedeutungserweiterung (Generalisierung der Bedeutung);
b) Bedeutungsverengung (Spezialisierung der Bedeutung);
c) Bedeutungsü bertragung (Metapher, ihre Sonderarten; Metonymie, ihre
Sonderart Synekdoche; Hyperbel, Litotes, Euphemismus);
d) Wertsteigerung / Wertminderung.

Primä rliteratur
1. О льш анс к ий И .Г . Л ек с ик ология: С овременны й немец к ий язы к / И .Г .
О льш анс к ий , А.Е . Г ус ева.- М .: Ак адемия, 2005. – С . 151 - 176
2. С теп анова М .Д . Л ек с ик ология с овременного немец к ого язы к а: У чеб. п ос обие
для с туд. вы с ш . учеб. заведений / М .Д . С теп анова, И .И . Черны ш ева. - M.:
Ак адемия, 2003. – С . 36 - 47
3. Iskos, A. Lesestoffe zur deutschen Lexikologie / A- Iskos, A.Lenkova. - M., 1985. -
S. 56-57; 62-66
4. Schippan, Th. Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache / Th. Schippan. -
Leipzig, 1984. - S. 262-275
Sekundä rliteratur
5. Schippan, Th. Einfü hrung in die Semasiologie / Th. Schippan. – Leipzig, 1972. - S.
156-212
6. Kronasser, H. Handbuch der Semasiologie / H. Kronasser. - Heidelberg, 1951. - S.
82-84; 105-113
7. Kluge, F. Etymologisches Wö rterbuch der deutschen Sprache / F. Kluge. – Berlin,
New York: Walter de Gruyer, 1975. – 917 S.
8
8. Paul, H. Deutsches Wö rterbuch / H. Paul. – 7. Aufl., Halle (Saale), 1960. -

Aufgabe I. Was ist der Bedeutungswandel? Stellen Sie die richtige Definition daf ü r fest.
1. ... die gesellschaftliche Entwicklung mit all ihren vielseitigen Aspekten, die
fortwährend neue Begriffe entstehen lässt;
2. ... ein Bereich der Sprachwissenschaft, der sich mit der Erforschung des
Wortschatzes befasst;
3. ... die Bedeutungsveränderung der Wö rter, die sich im Laufe der Zeit bei diesen
sprachlichen Zeichen einstellt, bedingt durch Wesen und Charakter der Sprache als
gesellschaftliches Phänomen;
4. ... ein gesellschaftlich determiniertes, interindividuelles Abbild der Merkmalsstruktur
einer Erscheinung der objektiven Realit ät;
5. ... die Fähigkeit eines Wortes mehrere miteinander verbundene Bedeutungen zu
haben.

Aufgabe II. Ausgehend von der kritischen Sichtung der einschlägigen Literatur
verallgemeinern und systematisieren Sie die Ursachen des Bedeutungswandels, die in der
traditionellen und gegenwärtigen Semasiologie gegeben werden.

Aufgabe III. Ordnen Sie die gegebenen Lexeme und Lexemgruppen nach folgenden den
Bedeutungswandel bestimmenden Parametern an:
1. Veränderungen in der gesellschaftlichen Praxis;
2. Denotatsveränderungen und Beibehaltung der Bezeichnung;
3. Fortschreiten der menschlichen Erkenntnis als Ursache des Bedeutungswandels;
4. Einfluss der sozialen Beziehungen auf die Wortbedeutungen;
5. Normen der kommunikativen Tätigkeit und ihre Auswirkungen auf das
Bedeutungssystem;
6. Sprachgebrauch bedeutender Persö nlichkeiten als Ursache des Bedeutungswandels.

Parameter Lexeme und Lexemgruppen


Die Arbeit 1. ahd. ar(a)beit = Mü he, Plage, Schmerz;
2. heute: zielgerichtete, Nutzen bringende Tätigkeit.
der Bleistift 1. das Schreibzeug mit dem Stift aus Blei;
2. das Schreibzeug mit einer Patrone gefü llt, nicht mehr
aus Blei.
das Zimmer 1. ahd. zimbar = Bauholz;
2. später: Holzgebäude;
3. im 15. Jh.: Wohnraum (nicht unbedingt aus Holz).
die
Mondfähre луноход
das
Raumschiff к ос мичес к ий к орабль
der Engel 1. religiö se Gestalt;
2. jetzt auch: hü bscher (guter) Mensch.
die Hexe 1. religiö se Gestalt;
2. jetzt auch: ein hässlicher auch verfü hrerischer Mensch
(vgl. alte Hexe; sü ß e, kleine Hexe);
3. Aufzug fü r Baumaterialien.
9
der Beruf 1. frü her: Ruf, Berufung;
2. Amt, Tätigkeit (M. Luther)
der
Mehrwert п рибавочнаяс тоимос ть (K. Marx, F. Engels)
in anderen
Umständen = schwanger sein
sein
die Frau 1. ahd. frouwa = Herrin (Femininbildung zum Wort fro
= Herr, der Erste;
2. im Mittelalter: hochgestellte verheiratete Dame, in
der Regel adligen Stammes;
3. heute: jede verheiratete (neuerdings auch
unverheiratete) Person weiblichen Geschlechts.
feiner Herr,
nette Ge-
schichte, = Ironie
schö ne
Bescherung
die Brille 1. ursprü nglich: aus Beryll (glasklarem Mineral mit
Prismenkristallen) verfertigte Augenlinse;
2. heute: die Linsen nicht mehr aus Beryll, sondern aus
Bergkristall oder Glas hergestellt.

Aufgabe IV. Bestimmen Sie, wo:


1. ein neues Semem den Bedeutungsumfang erweitert (Bedeutungsextension);
2. ein neues Semem zunächst die Bedeutung erweitert und vorhandene Sememe
verdrängt;
3. sich die Qualität eines Semems verändert.

Parameter Lexeme
das Netz 1. S1: geknü pftes, maschenfö rmiges Gebilde;
2. S2: System aus vielen, sich vielfältig kreuzenden,
miteinander verbundenen Strecken und Linien
(Stromnetz, Eisenbahnnetz).
3. S3: Internet
das Maul 1. S1: Maul (Mund) der Tiere;
2. S2: frü her: Mund (neutral), vgl. „dem gemeinen Mann
aufs Maul schauen“ (M. Luther);
3. S3: heute pejorativ: Halt’s Maul!
gemein 1. S1: ursprü nglich: gemeinsam, allgemein; vgl. gemeines
Deutsch; die Gemeinsprache;
2. S2: heute: gewö hnlich, ordinär, vgl. sich gemein
verhalten.
der Rü cken → Messerrü cken
das Bein → Tischbein
der Gefährte 1. S1: mhd. geverte = einer, der mitreist;
2. S2: einer, der etw. Gemeinsam mitmacht; vgl.
10
Lebensgefährte, Spielgefährte.
der Geselle 1. S1: mhd. geselle = einer, der mit dem anderen zusammen
lebt, wohnt;
2. S2: Freund, Gefährte, Geliebte;
3. S3: der ausgelernte Handwerker, vgl. Schneidergeselle,
Tischlergeselle.
hö flich 1. S1: frü her: hö fisch, am Fü rstenhof ü blich;
2. S2: das schö ne Benehmen
schlecht 1. S1: mhd. slё ht = in gerader Linie laufend, eben, glatt;
2. S2: heute: geringwertig, nicht gut.
starten 1. S1: im Sport: den Wettlauf, das Rennen usw. beginnen;
2. S2: gemeinsprachlich: ein neues Unternehmen beginnen.

Fassen Sie die Ergebnisse Ihrer Beobachtung zusammen und schlie ßen Sie daraus auf
die semantischen Prozesse, die den Bedeutungswandel herbeifü hren. Dadurch erschließen
Sie den Mechanismus der semantischen Veränderungen, die dem Bedeutungswandel
zugrunde liegen.

Aufgabe V. Verbinden Sie die Begriffe mit deren Definitionen auf Grund der
Klassifikationsstruktur von Arten des Bedeutungswandels.
1. Die Bedeutungserweiterung (die Generalisierung der Bedeutung) ist ...
2. Die Bedeutungsverengung (die Spezialisierung der Bedeutung) ist ...
3. Die Bedeutungsü bertragung ist ...
4. Die Metapher ist ...
5. Die Synästhesie ist ...
6. Die Metonymie ist ...
7. Die Hyperbel ist ...
8. Die Litotes ist ...
9. Der Euphemismus ist ...
10. Die Synekdoche ist ...

a) ... die Sonderart der Metapher, die Ü bertragung von Namensbezeichnung von
einem Sinnesbereich auf einen anderen.
b) ... verhü llende, mildernde, beschö nigende Bezeichnung eines Gegenstandes
oder einer Erscheinung, funktional bedingt durch: Aberglauben,
Umgangsmanier, Verschleierung der gesellschaftlich-politischen Verh ältnisse.
c) ... die Bedeutungsentwicklung vom Konkreten zum Abstrakten, vom
Einzelnen zum Allgemeinen.
d) ... der Vergleich der Denotate auf Grund der Ä hnlichkeitsbeziehung zwischen
Primär- und Sekundärsignifikat nach der äußeren und inneren Ä hnlichkeit.
e) ... die Bedeutungsentwicklung vom Abstrakten zum Konkreten, vom
Allgemeinen zum Einzelnen.
f) ... die bildhaft ü bertriebene Verkleinerung der Merkmale des ähnlichen
Denotats;
g) ... die Bezeichnungsü bertragung auf Grund der assoziativen Beziehungen
zwischen den Signifikaten räumlicher, zeitlicher, ursächlicher Art;
h) ... die Sonderart der Metonymie (lat. pars pro toto), die Ü bertragung der
Merkmale eines Teils vom Denotat auf das ganze Denotat;
11
i) ... die bildhaft ü bertriebene Vergrö ßerung der Merkmale
des ähnlichen Denotats;
j) ... die Ü bertragung der Namensbezeichnung auf Grund der Ä hnlichkeit,
Assoziation zwischen zwei Denotaten oder auf Grund der unmittelbaren
Beziehungen zwischen zwei Denotaten.

! Jetzt haben Sie das Modell der logischen Klassifikation der semantischen Prozesse, die
sich bei dem Bedeutungswandel vollziehen.

Aufgabe VI. Aufgrund der Kriterien, die im Modell (↑) angegeben werden, erläutern Sie den
Mechanismus der semantischen Veränderungen folgender Lexeme und fü llen Sie das
Modell mit dem sprachlich illustrativen Material (je nach der Art des Bedeutungswandels)
aus.
Art des Grundbedeutung Ü bertragene Bedeutung
Bedeutungswandels
die Messe – kirchliche Feier die Messe – der Jahrmarkt
die Sache – ursprü nglich: der die Sache – jetzt: das Ding, der
Rechtsstreit Gegenstand
das Auge – das Sehorgan das Auge auf der Suppe
(Suppenfett); das Hü hner-auge
(Hornhaut an den Fü ßen)
der Mittag – der Zeitpunkt, die der Mittag – das Mittag-essen
Tagesmitte
politische Situation politisches Klima
Obst, Gemü se einfrieren Preise, Kredite einfrieren
warme Speise warmer Empfang
die Abwicklung (Schließung
der Betriebe und Institutionen)
die Mü tze – die Kopfbedeckung die Schlafmü tze
die Gans – der Hausvogel die Gans – eine dumme Frau
der Marschall – frü her: Der Marschall – jetzt: der
der Pferdeknecht hö chste Militärgrad
eine Handvoll von Menschen
j-n eine Ewigkeit nicht gesehen
haben
das Geld das Ungeld – große
Geldsumme
Tokaja – eine Stadt in Ungarn Der Tokajer -Weinsorte
L. Pasteur – ein Erfinder pasteurisieren – etw. durch
Erhitzen auf 65°C haltbar
machen
der Apfel der Augapfel
die Feder (eines Vogels) die Feder – das Schreibzeug
der (das) Scharlach – die Farbe der (das) Scharlach – die
Infektionskrankheit mit rotem
Hautausschlag
der Gast – frü her: der der Gast – jetzt: eingeladener
Fremdling Mensch
12
einschlafen fü r immer einschlafen (sterben)
das Nullwachstum (Stagnation)

Aufgabe VII. Welche metaphorischen Varianten kö nnen die folgenden Substantive haben?
Muster: Blitz – Wutblitz, Blitztelegramm u.a.m.
Donner, Regen, Bauch, Hals, Kopf, Zunge, Ast, Ader

Aufgabe VIII.
1) Verfolgen Sie mit Hilfe von speziellen Wö rterbü chern (sieh in
„Sekundärliteratur“ 3, 4) den Bedeutungswandel folgender Wö rter.
2) Bestimmen Sie die Arten des Bedeutungswandels.
Muster: 1) Gulden – das Wort, das in mhd. Zeit aus guldin pfenni(n)g „ goldene
Mü nze“ verselbständigt ist; seit dem 14. Jh. Goldmü nze, bis ins 19. Jh. Silbermü nze in Dtl.
und benachbarten Staaten; bis 2000 Währungseinheit in den Niederlanden.
2) Metonymie: Namensü bertragung von dem Stoff auf den Gegenstand, der daraus
verfertigt wird.
Frauenzimmer, Buchstabe, Jugend, Ofen, Ehe, Kupfer, Kopf, Farbe

Aufgabe IX. Bestimmen Sie die Art des Bedeutungswandels der fettgedruckten Wö rter und
Wortverbindungen (Metapher, Metonymie, Wertsteigerung, Wertminderung, Hyperbel,
Litotes, Verengung und Erweiterung der Bedeutung, Euphemismus).
1. „Ja, ja“, sagte sie, „da habe ich traurige Dinge hö ren mü ssen, Tony. Und ich verstehe
alles ganz gut, meine arme kleine Dirn, denn ich bin nicht bloß deine Mama, sondern
auch eine Frau, wie du...“ (Th. Mann).
2. Ich schwimme in Trä nen. Ihre Sie liebende Mutter Maria Theresia (L.
Feuchtwanger).
3. Drü ben wartet fü r Liebhaber eine Zigarre und ein Schluck Kaffee fü r uns alle ...
(Th. Mann).
4. ..., die nicht zu großen Diners und Bällen, sondern nur zu kleinen Kaffeezirkeln
gebeten ward und mit wenigen Ausnahmen von aller Welt „Tante Lottchen“ genannt
wurde (Th. Mann).
5. Es ist ein Brief von ihm da fü r Sie (B. Kellermann).
6. Halb Paris kennt ihn, jeder zehnte grü ßt ihn (L. Feuchtwanger).
7. Der Herbst ward kü hler. Zusammenschauernd sagte ich zu meiner bleichen
Gefä hrtin: „Wir werden fortgehen. Was tun wir in einer sterbenden Welt?“ (H.
Mann).
8. Sie befanden sich im schmutzigsten Viertel, die Gassen waren nicht breiter als eine
Mannslä nge, neben ihnen gä hnte ein niedriger Durchgang in einen dunklen Hof (B.
Brecht).
9. Eine leise Röte wö lkte ihr großes, schö nes Gesicht (L. Feuchtwanger).
10. ... das hatte ihm der sonst so höfliche Minister mit unhö flich dürrer Sachlichkeit
klargemacht (L. Feuchtwanger).
13

Kuriositä ten des Bedeutungswandels


Aufgabe X. Welche Rolle bei der Schaffung des Komischen spielen Wö rter und Bilder?

EUPHEMISMEN

Wenn der BH nicht gut passt,


kann sich unsereins schon sehen lassen.

Wenn er ein Ö rtchen aufsucht,


bleibt er dort lange stecken und liest.

Unsere Miezi ist stubenrein,


geht immer aufs Tö pfchen.

Die Kleine hat ein Bächlein gemacht.

Thema III. Die Stratifikation des deutschen Wortbestandes.


Erscheinungsformen und Erscheinungsweisen des Deutschen.

I. Informieren Sie sich ü ber folgende Problematik.


1. Der Begriff der Stratifikation des Wortbestandes. Erscheinungsformen und
Erscheinungsweisen des Deutschen.
2. Das Problem der sozial-beruflichen Klassifikation des Wortschatzes (Sonderlexik).
3. Die Charakteristik der Sonderlexik:
a) Fachsprachen (Fachwortschätze: Termini (Fachwö rter), Berufslexik bzw.
Professionalismen (Halbtermini), Fachjargonismen (Berufsjargonismen);
14
b) Gruppenspezifische Wortschätze
(Sonderwortschätze sozialer Gruppen, Soziolekte).
4. Wechselbeziehungen zwischen Sonderlexik und Allgemeinwortschatz.
Die territoriale Differenzierung des deutschen Wortbestandes (mundartliche,
landschaftliche, nationale Varianten der Lexik).

Primä rliteratur
1. О льш анс к ий И .Г . Л ек с ик ология: С овременны й немец к ий язы к / И .Г .
О льш анс к ий , А.Е . Г ус ева.- М .: Ак адемия, 2005. – С . 190 - 208
2. С теп анова М .Д . Л ек с ик ология с овременного немец к ого язы к а: У чеб. п ос обие
для с туд. вы с ш . учеб. заведений / М .Д . С теп анова, И .И . Черны ш ева. - M.:
Ак адемия, 2003. – С . 150 -175
3. Schippan, Th. Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache / Th. Schippan. -
Leipzig, 1984. - S. 243-252

Sekundä rliteratur
4. Д омаш нев А.И . С овременны й немец к ий язы к в его нац иональны х вариантах /
А.И . Д омаш нев. - Л енинград, 1983
5. Schippan, Th. Einfü hrung in die Semasiologie / Th. Schippan.- Leipzig, 1972. - S.
104-107

Aufgabe I.
1) Charakterisieren Sie die Stratifikation des Wortbestandes (seine Schichtung)
ausgehend von den Erscheinungformen und Erscheinungsweisen
(Funktionen) des Deutschen.
2) Fertigen Sie die Tabelle der Stratifikation an.
3) Schließen Sie aus der schematischen Darstellung der Stratifikation auf
einzelne regionale, soziale und funktionale Differenzierungen des deutschen
Wortschatzes.

Erscheinungsweise räumlich Soziologisch stilistisch


Erscheinungsform (historisch)
I. Schriftsprache
II. Umgangssprache oder
Halbmundart
III. Mundart

Aufgabe II. Aufgrund der Funktion in fachgebundener Kommunikation ordnen Sie folgende
Wö rter nach ihrer Zugehö rigkeit zu Fachsprachen/Fachwortschätzen in die Tabelle an.
Wörter: die Transplantation, die Auflage (im Buchdruck: die Gesamtzahl der
gedruckten Exemplare eines Werkes), die Laser-Strahlen, die Plaudertasche (das
Mikrophon), die Mottenkiste (die Kamera), der Stollen (im Bergbau: der von dem Schacht
ausgehender horizontaler Gang), die Nase (der vordere Teil des Schiffes, des Flugzeuges),
integrieren, Klavier spielen (in der Kriminalpolizei: Fingerabdr ü cke nehmen), der Bock
(das Sportgerät), Löffel (Ohren des Hasen)
15
Termini/Fachwö rter Halbtermini/Professionalismen Fachjargonismen

Aufgabe III.
1) Weisen Sie auf die Merkmale der gruppenspezifischen Wortschätze (Soziolekte)
hin.
2) Wodurch unterscheidet sich die gruppenspezifische Lexik von den
Fachwortschätzen? Bestimmen Sie, auf welchem Wege sind folgende
Jargonismen der Jugendsprache entstanden:

1. durch metaphorische
Bedeutungsü bertragung
2. durch expressive Wortbildung
3. durch Entlehnung aus
Fremdsprachen
4. durch Entlehnung aus anderen
Gruppensprachen
5. durch Phraseologisierung

Jargonismen der Jugendsprache: die Biene (Mädchen); ich denk, mich tritt ein Pferd
(Ausdruck des Erstaunens); ich glaub, mein Schwein pfeift (Ausdruck des missbilligenden
Erstaunens); die Heule (Transistorradio); die Absteige (Hotel, Wohnort, Wohnung); das
Sportdress; der Diskjockey; die Tenne (Tanzdiele); bei der Fahne sein (Militärdienst
leisten); die Flü stermaschine (Telefon); der Teenager; sich einen Kopf machen (sich
sorgen); Western-Musik; die Schulbank drü cken (lernen); ganz cool bleiben; alles easy
(flotte Redensart); Tussi (Mädchen); ich glaub’, mein Holzbein kriegt Ä ste (Ausdruck von
Erstaunen); die Penne (Schule).

Aufgabe IV.
1) Nennen Sie die Besonderheiten der Mundart, des Dialekts.
2) Fü hren Sie die Beispiele an, die die Spezifik der mundartlichen, territorialen
(landschaftlichen), nationalen Varianten des Deutschen illustrieren.

Aufgabe V. Verfolgen Sie die Kommunikation von Menschen aus unterschiedlichen


Sprachgebieten und ergänzen Sie die Worte des Wieners, die unter dem Strich gegeben
sind.

Ein Berliner tritt in einen Wiener Laden und verlangt eine Reisemü tze. Der Verkäufer
berichtigt: „Sie wü nschen eine ...?“ und legt ihm einige vor. Der Berliner bemerkt: „Die
bunten liebe ich nicht“. Der Verkäufer ü bersetzt dies in sein Deutsch: „Die ... gefallen Ihnen
nicht“, denn der Wiener liebt nur Personen, aber nicht Sachen. Der Berliner fragt
schließlich: „Wie teuer ist diese Mü tze?“ und macht sich unbewusst eines groben
Berolinismus schuldig. „Teuer“ bedeutet ja einen den normalen Preis ü bersteigenden,
16
ü bertrieben hohen Preis. „Wie teuer ist dies?“ heißt also, „wie ü bermäßig hoch ist
der Preis!“ Der Wiener sagt nur: „Was ... das?“ Der Berliner sucht die Kasse und findet nur
die ... . Er verlässt den Laden, weil es frü h ist, mit dem Gruß „Guten Morgen“ und erregt die
Verwunderung des Wieners, der diesen Gruß nur bei ... und nicht beim ... gebraucht. Der
Wiener selbst erwidert den Gruß mit „... ... ..., Guten Tag“, was wieder den Berliner in
Erstaunen versetzt, denn den Gruß „Guten Tag“ kennt er umgekehrt nur bei der Ankunft,
nicht beim ... .
kostet, Weggehen, Hab die Ehre, Reisekappe, Ankunft, färbigen, Abschied, Kassa

Aufgabe VI. Ü bersetzen Sie die Worte der Frau Thumann (die Thumannsche) ins
Hochdeutsch. Bestimmen Sie, welchen Dialekt spricht Frau Thumann.

Die Thumannsche (Frau Thumann): Ick wär’ ja ooch zeitlich jekommen, aba wie ick in de
Gollnowstraße bin und ick denke an jarnischt als an Sie und det ick zurechtkomme, rennt
doch ein Auto in en Pferd rin. Da konnt’ ick doch nicht weiter! Det janze Jedärme draußen,
und ick denke mir: Aujuste, bekiek dir das! Se saren ja imma, Mensch und Tier soll man
nich vergleichen, aba innen muss et doch ’ne ziemliche Ä hnlichkeit sind, und da ha’ ick mir
jedacht, wo du doch imma mit deine Blase zu tun hast, und ’ne Blase hat so ’n Hafamotoa
ooch ... (H. Fallada).

Aufgabe VII.
1) Stellen Sie fest, in welchem Dialekt der unten gegebene Textauszug aus dem
Grimms Märchen „Vogelgrif“ geschrieben ist.
2) Vergleichen Sie die Lexika des Dialekts und der Literatursprache. Bestimmen
Sie phonetische und lexikalische Dialektismen.

’s isch einisch e Chö nig gsi, woner gregiert Es ist einmal ein Kö nig gewesen, wo er
hat und wiener gheisse hat weiß i nü mme. regiert hat und wie er geheißen hat, das
De het kei Sohn gha, nummene einzige weiß ich nimmer. Der hat keinen Sohn
Tochter, die isch immer chrank gsi, und kei gehabt, nur eine einzige Tochter, die ist
Dokter het se chö nne heile. Do isch em immer und immer krank gewesen und kein
Chö nig profizeit worde, si Tochter werd se Doktor hat sie kö nnen heilen. Da ist dem
an Ö pfle gsund esse. Do lot er dur sis ganz Kö nig geweissagt worden, dass seine
Land bchant mache, wer siner Tochter Tochter sich werde an Ä pfeln gesund
Ö pfel bringe, daß se se gsund dar chö nn essen. Da lässt er durch sein ganzes Land
esse, de mü esse zur Frau ha und Chö nig bekanntmachen, wer seiner Tochter Ä pfel
wärde. bringe, dass sie sich daran gesund kö nne
essen, der solle sie zur Frau haben und
Kö nig werden.

Kuriositä ten bei der Stratifikation des Wortbestandes


Aufgabe VIII. Welche Besonderheit der chemischen Terminologie wird hier verspottet?
Die lä ngste chemische Bezeichnung
Die längste chemische Bezeichnung, die bis heute existiert, wird fü r ein synthetisches
Protein mit der Formel C1289 H2051 N343 O357 S8 angewendet und lautet:
Methionylglutaminylarginyltyrosylglutamylserylleucylphenylalanylalanyl-
glutaminylleucyllysylglutamylarginyllysyglutamylglycylalanylphenylalanylvalyl-pro... usw.
17
Die Formel nimmt 38 Zeilen in Anspruch.

Aufgabe IX. Verfolgen Sie die Wechselwirkung von primären und sekundären Bedeutungen
im Rahmen des Fachwortschatzes.

Merkwürdiges Orchester
Der Dirigent besitzt keinerlei Taktgefü hl, und der Trompeter will unbedingt die erste Geige
spielen, während der Pianist gewaltig auf die Pauke haut. Sein Kollege mit dem Kontrabaß
bringt dem Harfenisten die Flö tentö ne bei. Der Mann mit dem Cello tutet in das Horn von
seinem Freund am Xylophon, und der mit der Zither bläst dem Mann mit der Klarinette den
Marsch, worauf der Herr mit dem Saxophon bei dem mit dem Fagott andere Saiten aufzieht.
Der Mann mit der Posaunen, heute ein großer Virtuose, fiel bei seiner Aufnahmeprü fung
mit Pauken und Trompeten durch.
Da sie alle gut zusammenspielen, werden sie von den Zuhö rern in den hö chsten Tö nen
gelobt. Das ist doch merkwü rdig. (L. Backhus)

Thema IV. Die Phraseologie der deutschen Gegenwartssprache.


I. Informieren Sie sich ü ber folgende Problematik.

1. Klassen fester Wortkomplexe und das Problem ihrer Identifizierung.


2. Phraseologismen als eine Klasse fester Wortkomplexe. Ihre Definition und
Merkmale.
3. Klassifikation der Phraseologismen:
a) Subklasse „Phraseologische Einheiten“;
b) Subklasse „Phraseologische Verbindungen“;
c) Subklasse „Festgeprägte Sätze“ („Phraseologische Ausdrü cke“).

Primä rliteratur
1. О льш анс к ий И .Г . Л ек с ик ология: С овременны й немец к ий язы к / И .Г .
О льш анс к ий , А.Е . Г ус ева.- М .: Ак адемия, 2005. – С . 208 - 254
2. С теп анова М .Д . Л ек с ик ология с овременного немец к ого язы к а: У чеб. п ос обие
для с туд. вы с ш . учеб. заведений / М .Д . С теп анова, И .И . Черны ш ева. - M.:
Ак адемия, 2003. – С . 176 - 232
3. Fleischer, W. Phraseologie der deutschen Gegenwartssprache / W. Fleischer. –
Leipzig, 1982.
Sekundä rliteratur
4. Бинович Л .Э . Н емец к о-рус с к ий ф разеологичес к ий с ловарь / Л .Э . Бинович,
Н .Н .. Г риш ин. – М ., 2002. – 656 с .
5. Д евк ин В .Д . Занимательная лек с ик ология / В .Д . Д евк ин. – М .: Г уманит. изд.
ЦентрВ Л АД О С , 1998. – С . 84-98.
6. Рай хш тей н А.Д . В оп рос ы ф разеологичес к ой с емантик и: Т ек с ты лек ц ий п о
ф разеологии с овременногонемец к ого язы к а/ А.Д . Рай хш тей н. – М ., 1981
18
Aufgabe I. Was ist unter festen Wortkomplexen (FWK) zu verstehen?
Wählen Sie eine passende Definition.
1. ... primäre bzw. minimale sprachliche Zeichen.
2. ... reproduzierbare Syntagmen bzw. Wortverbindungen, Wortgruppen, prädikative
Verbindungen und festgeprägte Sätze, die ü ber eine besondere Semantik verfü gen.
3. ... fachbezogene Wö rter, die in fachgebundener Kommunikation realisiert werden.
4. ... sinngleiche oder sinnverwandte Wö rter und Wortgruppen.

AufgabeII.
1. Stellen Sie die Kriterien zur Identifizierung stehender Wortkomplexe fest und
ergänzen Sie die Tabelle.

Kriterien zur Identifizierung fester Wortkomplexe


1. 2. Verknü pfungsart der 3.
Konstituenten:
a. a. a. Bedeutung als Ergebnis der
semantischen Transformation
des Komstituentenbestandes-
b. prädikative Ver- b. b.
bindungen und Sätze
c. modellierte c.

2. Charakterisieren Sie folgende Wortkomplexe an Hand dieser Kriterien.


Muster: jmdn nicht riechen können – a) syntaktisch – Wortgruppe; b) seman-tisch –
ganzheitlich umgedeuteter fester Wortkomplex; c) Verknüpfungsart der
Konstituenten (VdK) – singulär transformiert.

FWK syntakt. Struktur Typ der Semantik VdK


1. etw. an den Nagel hängen
2. großer Bahnhof
3. der rote Faden
4. in Hü lle und Fü lle
5. mager wie eine Spinne
6. der gerade Weg ist der
kü rzeste
7. ein blinder Schuss
8. jmdn., etw. in Empfang
nehmen
9. der Nahe Osten
10. (ein) gebranntes Kind scheut
das Feuer

Aufgabe III. Bestimmen Sie freie syntaktische Wortverbindungen bzw. feste syntaktische
Wortkomplexe. Welche Wortverbindungen kö nnen sowohl als freie Wortgruppen als auch
feste Wortkomplexe gebraucht werden? Fü hren Sie Beispiele an!
Gute Freunde, dicke Freunde; rote Backen, eingefallene Backen; Hahn im Korb; laut
reden; die Hosen anhaben; ein Musikstü ck ü ben; in Frage kommen
19

Aufgabe IV. Ordnen Sie die kommunikativen Formeln einer der folgenden Gruppe zu.
a) Empö rung; b) Ü berraschung; c) Ablehnung/Zurü ckweisung;
d) Zustimmung/Anerkennung; e) Zweifel/Resignation; f) Aufforderung

Formeln a) –f)
1. Nun halt aber mal die Luft an!
2. Nach mir die Sintflut!
3. In der Tat!
4. Nun schlägtś aber dreizehn!
5. Mach mich nicht verrü ckt!
6. Aus der Traum!
7. Das ist ´
ne Wolke!
8. Ach du liebe Zeit!
9. Dass ich nicht lache!
10. Du kannst mir mal im Mondschein begegnen!
11. Das lass ich mir gefallen!
12. Das kö nnte dir so passen!
13. Hut ab!
14. Das wäre doch gelacht!
15. Kopf hoch!
16. So siehst du aus!
17. Wie manś nimmt!
18. Du kannst mich mal gerne haben!
19. Hand aufs Herz!
20. Bei mir ist Sense!
21. Da haben wir den Salat!
22. Das ist der Gipfel!
23. Das darf/kann doch nicht wahr sein!
24. Ich muss doch sehr bitten!
25. Ach du grü ne Neune!
26. Sei kein Frosch!
27. Halt die Ohren steif!
28. Ach du heiliger Strohsack!

Aufgabe V. Ordnen Sie die Sprichwö rter. Finden Sie russische Entsprechungen und
gebrauchen Sie sie in kurzen Situationen.

1. Neue Besen ... ...sagen die Wahrheit.


2. Klappern ... ...ist besser als Nachsicht.
3. Vorsicht ... ...macht auch Mist.
4. Kinder und Narren ... ...kehren gut.
5. Mü ßiggang ... ... hat Gold im Mund.
6. Kleinvieh ... ... gehö rt zum Handwerk.
7. Was sich liebt ... ... krü mmt sich beizeiten.
8. Wie man sich bettet ... ...so schallt es heraus.
9. Was ein Häkchen werden will ... ... das neckt sich.
20
10. Wie man in den Wald hineinruft ... ... so zwitschern auch die Jungen.
11. Morgenstund ... ... ist aller Laster Anfang.
12. Wie die Alten sungen ... ... so schläft man.
13. Gebranntes Kind ... ... nicht klü ger.
14. Stehen macht ... ... vom Himmel gefallen.
15. Es ist noch kein Meister ... ... scheut das Feuer.

Aufgabe VI. Häufig vergleicht man das Verhalten der Menschen mit dem der Tiere. Mit
welchem Tier lassen sich jeweils die folgenden Eigenschaften bzw. Verhaltensweisen
verbinden? Bestimmen Sie die Bedeutung folgender Phraseologismen.

Eigenschaften Tiere
1. stumm wie ein ... a) ...Esel
2. falsch wie eine ... b) ...Fisch
3. treu wie ein ... c) ...Schlange
4. fleißig wie eine ... d) ...Hund
5. stö rrisch wie ein ... e) ...Wiesel
6. flink wie ein ... f) ...Elster
7. scheu wie ein ... g) ...Biene
8. diebisch wie eine ... h) ...Reh

Aufgabe VII. Was gehö rt zusammen?


Muster: Grü nschnabel ... - noch nicht trocken hinter den Ohren sein

Begriffe Wendungen
1. Hasenfuß a) das Gras wachsen hö ren
2. Hausdrachen b) j-n auf den Arm nehmen
3. Pantoffelheld c) Hahn im Korbe sein
4. Besserwisser d) auf der Bärenhaut liegen
5. Frauenheld e) den Mund vollnehmen
6. Faulpelz f) klein beigeben/ den Schwanz einziehen
7. Prahlhans g) die Hosen vollhaben
8. Duckmäuser h) unter dem Pantoffel stehen
9. Spaßvogel i) die Hosen anhaben

Aufgabe VIII. Ergänzen Sie folgende Substantive durch passende Verben (und, wenn n ö tig,
auch durch Präpositionen und Artikel), damit verbale Wortverbindungen entstehen.
Muster: Bescheid ... → Bescheid geben, Bescheid bringen, Bescheid sagen, Bescheid
wissen, Bescheid tun.
Substantivische Komponente Verbale Wortverbindungen
Oberhand
Bewegung
Verbindung
Rat
Stellung
Mut
Kenntnis
21
Gefahr
Ausdruck
Auge

Aufgabe IX. Bestimmen Sie die Zugehö rigkeit folgender Phraseologismen zu einer
Subklasse bzw. Gruppe.

Phraseologismen Subklassen (Gruppen)


1. einen Beweis geben
2. mit Weh und Ach
3. mager wie ein Stockfisch
4. ein gutes Gewissen ist das beste Ruhekissen
5. den Rubikon ü berschreiten
6. die weiße Kohle
7. mit Mü h und Not
8. in Anspruch nehmen
9. wie Tag und Nacht verschieden sein
10. unter vier Augen
11. kurz und bü ndig
12. j-m blauen Dunst vormachen
1. soviel Kö pfe, soviel Sinne
14. Alles in Butter
15. warme Miete

Aufgabe X. Worum handelt es sich bei folgenden Phraseologismen?


a) „nicht recht bei Verstand sein“
b) „vergebliche, unnü tzliche Arbeit tun“
c) „verloren gehen, verschwinden“

Phraseologismen a) - c)
1. einen Vogel haben
2. in die Pilze gehen
3. leeres Stroh dreschen
4. in die Nü sse gehen
5. bei dem piept’s wohl
6. Holz in den Wald tragen
7. nicht alle Tassen im Schrank haben
8. Wasser im Siebe tragen
9. bei j-m spuckt es im Kopf
10. Wasser mit einem Sieb schö pfen
11. in seinem Oberstü bchen nicht ganz richtig sein
12. sich aus dem Staube machen
13. Wasser in den Rhein (in die Elbe) tragen
14. einen Sparren zu viel haben
22
Aufgabe XI. Stellen Sie an Hand der Wö rterbü cher die Bedeutungen fest, die ein
und derselbe Phraseologismus haben kann. Bestimmen Sie, wann es um die phraseologische
Polysemie, wann – um die Homonymie geht.

Phraseologismen Bedeutungen (Sememe)


1. j-n ü ber die Klinge springen lassen a)
b)
2. j-m auf die Beine helfen a)
b)
c)
3. die Tapeten wechseln a)
b)
c)
4. j-m schwillt der Kamm a)
b)

Kuriositä ten bei der Phraseologisierung


Aufgabe XII. Jeder der folgenden Sätze enthält ein Wortspiel. Erläutern Sie es. Suchen Sie
die idiomatischen Wendungen heraus und stellen Sie die Abweichungen vom
phraseologischen Modell fest.

1. Es gibt auch Briefe an Lehrer, die sind nicht von schlechten Eltern.
2. Wer Stroh im Kopf hat, fü rchtet jedes Fü nkchen Wahrheit.
3. Nicht jeder, der aus dem Rahmen fällt, war vorher im Bilde.
4. Leute, die ü ber den Wissensdurst getrunken haben, sind eine gesellschaftliche Plage.
5. Drü ckt man erst einmal ein Auge zu, kommt man aus dem Blinzeln nicht mehr
heraus.
6. Der Kohl, den manche Leute reden, wird auch durch Aufwärmen nicht schmackhaft.
7. Spinnen kann mitunter durchaus zum Ziel fü hren; man darf dabei nur nicht den
Faden verlieren.
8. Auch aus dem Geduldsfaden kann einem ein Strick gedreht werden.
9. Der Dickkopf erreicht immer nur, dass ihm kein Hut mehr passt.
10. Binsenweisheiten kö nnen sich in einem Hö rsaal vö llig neu anhö ren.
23

TEST I
zum Thema “Wortbildung”

I. Bestimmen Sie die Wortbildungsart.


1. der Straßenbahner 10. der Bus
2. das Gaswerk 11. der Verpackungsmü ll
3. leistungsmäßig 12. weißrot
4. gebietsweise 13. dunkelblau
5. die Ü berlegung 14. Baden-Wü rthemberg
6. beschö nigen 15. die Uni
7. die Missbilligung 16. der Dichterkomponist
8. die Geldeinnahme 17. der Ostwind
9. der Bruch 18. der Sü dost

II. Ordnen Sie folgende Substantive nach der Art der Wortbildung.
der Lauf, das Laufen, die Lauferei, der Läufer, die Sprache, die Aussprache, der Schrei, das
Schreien, das Schreiben, die Schreiberei, die Schreibung, der Zug, das Ziehen, die Ziehung,
der Pfiff, die Pfeife

III. Bestimmen Sie die Art der Zusammensetzung bzw. Zusammenbildung.


2. die Eingangsprü fung 8. die Hilfaktion
3. der Hauptschulabschluss 9. das Verfalldatum
4. der Einzelhandel 10. der Hosenhemd
5. der Großhandel 11. die Haßliebe
6. der Werbespot 12. dreiunddreißig
7. die Sonderaktion 13. der Trotzkopf

IV. Bestimmen Sie die Art der Kutzbildung.


1. LKW 8. Disko
2. AG 9. Labor
3. UNO 10. Profi
4. Motel 11. Krimi
5. Rotel 12. Klimbim
6. U-Bahn 13. Wirrwarr
7. EU 14. Mama
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TEST II
zum Thema „Der Bedeutungswandel“
I. Bestimmen Sie die Art der (Metapher/Metonymie), markieren Sie auch, auf Grund
welcher Beziehung zwischen den Signifikaten die jeweilige Bezeichnungsü bertragung
zustande kommt.
Lexeme Art der Bedeutungsübertragung
1. der Briefkopf
2. knallrot
3. der Bursche
4. der Trotzkopf
5. der Lehrstuhl
6. fallende Preise
7. das Rotkäppchen
8. scharfe Gewü rze
9. die Mahlzeit
10. die Heizschlange

II. Welche Bedeutungsvarianten sind metonymisch und welche metaphorisch?


Lexemgruppen metonymisch/ metaphorisch?
1. einen kostbaren Nerz tragen
2. eine diebische Elster
3. das schwarze Schaf in der Familie sein
4. einen Fuchs tragen
5. weißes Gold
6. einen Weg einschlagen
7. heißer Wind
8. ein alter Brummbär
9. ein Schafskopf sein
10. ein gepfefferter Witz

III. Verbinden Sie folgende Lexeme sinngemäß, bestimmen Sie die Bedeutungsbeziehungen
(direkte/ü bertragene Bedeutung) und die Ä hnlichkeitsbeziehung (Form, Farbe, Funktion
u.a.m.) dieser Wortverbindungen. Fü llen Sie die Tabelle aus.
1. Lexeme: kurz, lang, hoch, tief, bitter, weich, kalt, warm, heiß , käuflich, glü hend,
sitzen
2. Lexeme: die Ware, die Zeit, die Wange, die Ziel, das Kleid, das Gefü hl, die Liebe,
der Ofen, der Baum, die Stimme, das Bier, das Kind, die Farbe, die Ironie, der Fu ß ,
der Geschmack, das Bein, die Suppe
Wortverbindungen mit direkter Wortverbindungen mit übertragener
Bedeutung Bedeutung
Form Farbe Funktion
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IV. Bestimmen Sie die Art des Bedeutungswandels.


Lexeme und Lexemgruppen Art des Bedeutungswandels
1. ahd. stinkan = riechen, duften, stinken; heute:
stinken = einen ü blen Geruch haben
2. das ganze Land ist in Aufregung
3. lynchen = politische Gegner, vor allem Farbige
ermorden
4. das Brieffenster = Fenster auf dem
Briefumschlag
5. das Fieber schü ttelt ihn
6. bü ffeln, ochsen
7. der Zeitabschnitt
8. die Tafelrunde
9. nicht ü bel = hü bsch, angenehm
10. steinreich
11. ahd, mhd. stiften = grü nden, schenken im
kirchlichen Bereich: ein Kloster stiften; heute:
etw. schenken, schaffen
12. stockfinster
13. in bescheidenen Verhältnissen leben
14. kerngesund
15. kalter Krieg
16. guter Hoffnung sein
17. vom Hundertsten ins Tausendste kommen =
vom Gegenstand mehr und mehr abschweifen
18. die Mathematikolympiade
19. Dilletant (noch bei Goethe: j-d, der die Kunst
liebt); heute: dilletantisch = laienhaft,
oberflächlich
20. der Schirm: ursprü nglich – jeder schirmende
Gegenstand; heute – nur Regen- oder
Sonnenschirm
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TEST III
zum Thema „Die Phraseologie der deutschen Sprache“
I. Bestimmen Sie die Zugehö rigkeit folgender Phraseologismen zu einer Subklasse bzw.
Gruppe.
Phraseologismen Subklassen
1. einen Vogel haben
2. Nachts sind alle Katzen grau
3. durch dick und dü nn
4. Was ist in dich gefahren?
5. Haare auf den Zähnen haben
6. wie die Made im Speck leben
7. in der Tinte sitzen
8. den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen
(Ch. Wieland, Misarion)
9. Er tut, als ob er nicht bis drei zahlen
konnte
10. im großen und ganzen
11. j-m Sand in die Augen streuen
12. Vorbereitungen treffen
13. Schwein haben
14. eine harte Nuß
15. nach Recht und Gesetz

II. Handelt es sich bei den Wendungen darum,


a) schlagfertig zu sein, gut reden zu kö nnen;
b) j-n zu tadeln, zu kritisieren;
c) offen und ehrlich zu sein;
d) sich erstaunlich ähnlich zu sein.

Phraseologismen a) –d)
1. j-m die Leviten lesen
2. nicht auf den Mund gefallen sein
3. wie ein Ei dem anderen gleichen
4. kein Blatt vor den Mund nehmen
5. j-m eins auf den Hut geben
6. wie aus einer Form gegossen sein
7. eine gelenkige Zunge haben
8. Farbe bekennen
9. j-m eine Lektion erteilen
10. j-m den Kopf waschen
11. das Herz auf der Zunge haben
12. wie aus einem Stü ck geschnitten sein
13. j-m den Marsch blasen
14. j-m wie aus dem Gesicht geschnitten sein
15. j-m reinen Wein einschenken
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III. Setzen Sie die fehlenden Basiskomponenten (Tierbezeichnungen) ein.
Wählen Sie aus: Affe, Bär, Elefant, Fliegen (Pl.), Floh, Laus, Meise, Vogel, Wölfe (Pl.),
Stier
In Klammern stehen Hinweise zur Bedeutung der Phraseologismen.
1. den _________ abschießen (Sieg)
2. j-m einen ________ aufbinden (Unwahrheit)
3. sich wie ein __________ im Porzellanladen benehmen (Ungeschik)
4. (wie) vom wilden __________ gebissen sein (salopp: Verr ü cktheit)
5. eine ________ (oder: __________) haben (salopp: Verr ü cktheit)
6. mit den __________ heulen (Anpassung)
7. den __________ bei den Hö rnern packen (Entschlossenheit)
8. zwei ___________ mit einer Klappe schlagen (gleichzeitige Erledigung
unterschiedlicher Dinge durch eine einzige Handlung)
9. j-m einen __________ ins Ohr setzen (Beeinflussung)
10. sich eine ___________ in den Pelz setzen (selbst bereiteter Ä rger)

IV. Ordnen Sie die Wortpaare einander zu.


1. mit Ä chzen und ... a) ... Stein
2. von Tag zu ... b) ... vor
3. ü ber Stock und ... c) ... Kopf
4. ü ber Berg und ... d) ... Seele
5. nach wie ... e) ... Krächzen
6. Hals ü ber ... f) ... Tal
7. kreuz und ... g) ... Tag
8. auf Leben und ... h) ... klar
9. mit Leib und ... i) ... Tod
10. klipp und ... j) ... quer

V. Setzen Sie die fehlenden Zahlen/Zahlwö rter ein.


Wählen Sie aus: 1, 2, 3, 4, 5, 7, 10; zweimal, viere, Neune
In Klammern stehen Hinweise zur Bedeutung der Phraseologismen.
1. nicht bis ____ zählen kö nnen (nicht sehr intelligent sein)
2. Ach du grü ne ______! (Ausruf der Verwunderung)
3. das geht ___, ___, ___ ( das geht sehr schnell/im Handumdrehen)
4. alle ______ von sich strecken ( sich entspannen)
5. sich auf seine ____ Buchstaben setzen (sich hinsetzen)
6. sich alle ___ Finger nach etw. lecken (auf etw. begierig sein)
7. jeden Pfennig ______ umdrehen (sehr sparsam sein)
8. ein Gesicht machen wie ____ Tage Regenwetter (tr ü bsinnig aussehen)
9. das ____ Rad am Wagen sein (ü berflü ssig sein)
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Gesamtwiederholung
zu den Themen „Semantik und semantische Analyse“, „Wortbildung“,
„Bedeutungswandel“, „Phraseologie“, Die Stratifikation des deutschen Wortgutes“

I. Bilden Sie Wortfamilien zu folgenden Verben.


1. sitzen
2. geben
3. stehen
4. kommen

II. Ordnen Sie den Typ der Synonyme an. Markieren Sie durch 1, 2, 3, 4.
(1)Essen, (2)Junge, (3)klein, (4)klug, fressen, Bengel, wenig, verständig, ernähren, Knabe, speisen,
scharfsinnig, Bursche, winzig, weise, gering, naschen, Bub(e), unbedeutend, begabt, Halbwü chsiger

III. Bestimmen Sie die Arten der Wortbildung.


Lexeme Art der Wortbildung
1. der Schreibtisch
2. die Straßenbahnhaltestelle
3. dunkelblau
4. das Grü n
5. der Nordost
6. der Blumenstrauß
7. die Instandesetzung
8. die Dampfschifffahrtsgesellschaft
9. denkfähig
10. mucksmäußchenstill

IV. Bestimmen Sie die Arten des Bedeutungswandels.


Wörter und Wortgruppen Art der Bedeutungswandel
1. die Scharlach
2. der Flü gel
3. der Bergfuß
4. die Guillotine
5. das Glas
6. das Frauenzimmer
7. Halb Paris kennt ihn, jeder zehnte grü ßt ihn.
8. Es ist ein Brief da fü r Sie.
9. Drü ben wartet fü r Liebhaber eine Zigarre und
ein Schluck Kaffee fü r uns alle und, wenn Madame
spendabel ist, ein Likör.
10. .... die unfassbare, allgegenwärtige Macht, zu der
der fadendü nne ... Junge gehö rte ...

V. Ordnen Sie folgende Wörter nach ihrer Zugehörigkeit zu Fachsprachen in drei Spalten an.
A) Termini B) Halbtermini C) Fachjargonismen

Das Protein, die Gulaschkanone, der Mantel, zutage fö rdern, die Laser- Stralen, die Tippmamsell,
die Lieferfrist, die Automatisierung, die Mathe, die Hochzeit, der Kleinkrieg
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VI. Bestimmen Sie die Subklassen der Phraseologismen.
Phraseologismen Subklassen
1. klipp und klar
2. Abschied nehmen
3. wie ein Stock stehen
4. Morgenstunde hat Gold im Munde
5. Schlank wie eine Tanne
6. „Eine schö ne Bescherung“, sagte er.
7. Rosinen im Kopfe haben
8. Stellung nehmen
9. auf der Hand liegen
10. in Bewegung setzen

Texte
zur allseitigen lexikologischen Analyse
Aufgabe I. Stellen Sie in folgenden Texten Wö rter und Wortverbindungen fest, die
lexikologisch charakterisiert werden kö nnen. Erklären Sie diese vom Standpunkt der
Wortbildung, der Entlehnung, des Bedeutungswandels, der Phraseologie usw. aus.

Text I
... Der alte Buck hatte blaue Augen, ein menschenfreundliches Lächeln, und er war der falscheste
Hund von allen, die die Gutgesinnten umdrohten. Der Gedanke an den alten Buck hielt Diederich
noch im Traum besessen. Am folgenden Abend unter der Familienlampe gab er den Seinen keine
Antworten; er fü hrte eingebildete Streiche gegen den alten Buck. Besonders erbitterte es ihn, daß er
den Alten fü r einen schon zahnlosen Schwätzer gehalten hatte, und jetzt zeigte er die Zähne. Nach
all seinen humanitären Redensarten wirkte es auf Diederich wi eine Herausforderung, daß er sich
nun doch nicht einfach fressen ließ. Die heuchlerische Milde, mit der er getan hatte, als verzeihe er
Diederich den Ruin seines Schwiegersohnes! (H. Mann)

Text II
So ward Abend und Morgen
Erst mittags war er auf den Gedanken gekommen, die Weihnachtsgeschenke fü r Anna im Bahnhof
am Gepäckschalter abzugeben; er war glü cklich ü ber den Einfall, weil er ihn der Notwendigkeit
enthob, gleich nach Hause zu gehen. Seitdem Anna nicht mehr mit ihm sprach, fü rchtete er sich vor
der Heimkehr; Ihre Stummheit walzte sich ü ber ihn wie ein Grabstein, sobald er die Wohnung
betreten hatte. Frü her hatte er sich auf die Heimkehr gefreut, zwei Jahre lang seit dem Hochzeitstag:
er liebte es, mit Anna zu essen, mit ihr zu sprechen, dann ins Bett zu gehen; am meisten aber liebte
er die Stunde zwischen Zu-Bett-Gehen und Einschlafen. Anna schlief frü her ein als er, weil sie jetzt
immer mü de war - und er lag im Dunkeln neben ihr, hö rte ihren Atem, und aus der Tiefe der Straße
schossen manchmal die Scheinwerfer der Autos Licht ü ber die Zimmerdecke, Licht, das sich
senkte, wenn die Autos die Steigung der Straße erreicht hatten, Streifen hellen gelben Lichts, das
fü r einen Augenblick das Profil seiner schlafenden Frau an die Wand warf; dann fiel wieder
Dunkelheit ü bers Zimmer, und es blieben nur die zarten Kringel: das Muster des Vorhangs, vom
Gaslicht der Laterne an die Decke gezeichnet. Diese Stunde liebte er von allen Stunden des Tages
am meisten, weil er spü rte, wie der Tag von ihm abfiel, und er in den Schlaf tauchte wie in ein
Bad... (H. Bö ll)
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Text III
Aber der menschliche Genius weiß sogar die Unnatur zu verklären, vielen Malern gelang es, die
unnatü rliche Aufgabe schö n und erhebend zu lö sen, und namentlich die Italiener wußten der
Schö nheit etwas auf Kosten des Spiritualismus zu huldigen und sich zu jener Idealität
emporzuschwingen, die in so vielen Darstellungen der Madonna ihre Blü te erreicht hat. Die
katholische Klerisei hat ü berhaupt, wenn es die Madonna galt, dem Sensualismus immer einige
Zugeständnisse gemacht. Dieses Bild einer unbefleckten Schö nheit, die noch dabei von Mutterliebe
und Schmerz verklärt ist, hatte das Vorrecht, durch Dichter und Maler gefeiert und mit allen
sinnlichen Reizen geschmü ckt zu werden. Denn dieses Bild war ein Magnet, welcher die große
Menge in den Schoß des Ghristentums ziehen konnte. Madonna Maria war gleichsam die schö ne
Dame du Comptoir der katholischen Kirche, die deren Kunden, besonders die Barbaren des
Nordens, mit ihrem himmlischen Lächeln anzog und festhielt. Die Baukunst trug im Mittelalter
denselben Gharakter wie die andern Kü nste, wie denn ü berhaupt damals alle Manifestationen des
Lebens aufs wunderbarste miteinander harmonierten. Hier, in der Architektur, zeigt sich dieselbe
parabolische Tendenz wie in der Dichtkunst. Wenn wir jetzt in einen alten Dom treten, ahnen wir
kaum mehr den esoterischen Sinn seiner steinernen Symbolik. Nur der Gesamteindruck dringt uns
unmittelbar ins Gemü t. Wir fü hlen hier die Erhebung des Geistes und die Zertretung des Fleisches.
Das Innere des Doms selbst ist ein hohles Kreuz, und wir wandeln da im Werkzeuge des
Martyrtums selbst; die bunten Fenster werfen auf uns ihre roten und grü nen Lichter wie
Blutstropfen und Eiter; Sterbe-lieder umwimmern uns; unter unseren Fü ßen Leichensteine und
Verwesung, und mit den kolossalen Pfeilern strebt der Geist in die Hö he, sich schmerzlich
losreißend von dem Leib, der wie ein mü des Gewand zu Boden sinkt. Wenn man sie von außen
erblickt, diese gottischen Dome, diese ungeheuren Bauwerke, die so luftig, so fein, so zierlich, so
durchsichtig gearbeitet sind, daß man sie fü r ausgeschnitzelt, daß man sie fü r Brabanter Spitzen von
Marmor halten sollte: dann fü hlt man erst recht die Gewalt jener Zeit, die selbst den Stein so zu
bewältigen wußte, daß er fast gespenstisch durchgeistet erscheint, daß sogar diese härteste Materie
den christlichen Spiritualismus ausspricht. (H. Heine.)

Text IV
Als wir, von Berlin kommend ...
... Während wir bereits im Bewußtsein der kommenden, der mauerlosen Zeit lebten und -
kaum zu Hause angekommen - die Glotze in Gang setzten, dauerte es andererseits der
Mauer noch ein Weilchen, bis endlich der Bekannte meines Bekannten die paar Schritte
ü bers frischverlegte Parkett machte und den Ton des Fernsehers voll aufdrehte. Ab dann
kein Wort mehr ü ber Winterreifen. Dieses Problem mochte die neue Zeitrechnung, das
„richtige Geld“ lö sen. Nur noch den restlichen Korn gekippt, dann weg und hin zur
Invalidenstraße, wo sich bereits die Autos - mehr Trabant als Wartburg - stauten, denn alle
wollten zum Grenzü bergang hin, der wunderbar offenstand. Und wer genau hinhö rte, dem
kam zu Ohren, daß jeder, fast jeder, der zu Fuß oder im Trabi in den Westen wollte,
„Wahnsinn!“ rief oder flü sterte, wie ich kurz vor Behlendorf „Wahnsinn!“ gerufen, mich
dann aber auf Gedankenflucht begeben hatte. (G. Grass)

Text V
... und nun ...
... Und nun, liebe Zuhö rer und Zuhö rerinnen, ist, wie man in Berlin sagt, der Bär los. Hö ren
Sie nur, zwei-, dreihunderttausend mö gen es sein, die den Ku'damm, der so viele
Schicksalsstunden erlebt hat, in ganzer Länge, von der Gedächtniskirche bis hoch nach
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Halensee, zum Kochen, nein, zum Ü berkochen bringen. So etwas ist nur in
dieser Stadt mö glich. Nur hier, in Berlin, wo vor kurzem noch ein Event sondergleichen, der
von dem international gepriesenen Kü nstler Christo auf so unvergleichlich zauberhafte
Weise verhü llte Reichstag, zu einem Ereignis wurde, das Hunderttausende angezogen hat,
hier, nur hier, wo vor wenigen Jahren die Tugend auf der Mauer getanzt, der Freiheit ein
ü berschäumendes Fest bereitet und den Ruf „Wahnsinn!“ zum Wort des Jahres erhoben hat,
einzig hier, sage ich, kann zum wiederholten Mal, doch diesmal bei ü berwältigendem
Andrang, so lebenshungrig wie total ausgeflippt die „Love Parade“ ü ber die Bü hne gehen
und dü rfen sich, auch wenn anfangs der Senat zö gerlich reagiert und der zu erwartenden
Mü llberge wegen sogar ein Verbot erwogen hat, nun endlich doch - gewi ß, liebe Zuhö rer
und Zuhö rerinnen, wir respektieren Ihre Bedenken - auf einer vom Innensenator
zugelassenen Demonstration die sogenannten Raver, was soviel wie Schw ärmer,
Phantasten, total Ausgeflippte heißen mag, als besessene Techno-Tänzer versammeln und
ganz Berlin, diese wunderbare, stets allem Neuen offene Stadt, mit, so hei ßt es, „der grö ßten
Party der Welt“ beglü cken, sagen die einen, schockiert es die anderen, denn was hier seit
Stunden abläuft – Hö ren Sie nur! ... (G. Grass)

Text VI
Karl Alexander schickte Magdalen Sibylle prächtige Geschenke, flandrische und
venezianische Gobelins, goldene Parfü mfläschchen mit persischem Rosenö l, ein arabisches
Reitpferd, ein Per-lengehänge. Er war kein Filz, er ließ sich nicht lumpen, und er
betrachtete Magdalen Sibylle als seine erklärte Mätresse. Täglich kam der Kammerdiener
Neuffer, fragte fö rmlich im Auftrag des Herzogs nach dem Befinden der Demoiselle.
Magdalen Sibylle ließ sich alles kalt und wortlos gefallen. Sie ging stumm wie eine
Tote, starr das männlich kü hne, schö ne Gesicht, verpreßt die Lippen, die Arme seltsam
steif. Sie verließ das Haus nicht, sie sagte guten Morgen, guten Abend, sonst nichts, sie a ß
allein, sie kü mmerte sich nicht um das Hauswesen. Sie hatte zu niemandem, zu ihrem Vater
nicht, zu niemandem ü ber die Sache mit dem Herzog gesprochen, es kam vor, daß sie ihren
Vater tagelang nicht sah.
Weißensee wagte keinen Versuch, sie aus ihrer Starre zu wecken. Er war nobilitiert
worden, er hatte jetzt den Rang ernes Konferenzministers. Er war flatterig und sehr elend,
er fü hlte das Mißtrauen seiner Kollegen vom engeren landschaftlichen Ausschuß, er wollte
sich aussprechen mit Harpprecht, dem Juristen, mit Bilfinger, der ein rechter, ehrlicher
Mann war und sein Freund. Er wagte es nicht. Magdalen Sibylle saß stundenlang und
starrte. Sie war aus sich herausgeworfen, zertrampelt, zerfetzt, zerwü stet.
Waren dies ihre Arme? Wenn sie sich stach, war das ihr Blut? Das Seltsamste war, sie
hatte keinen Haßgegen den Herzog. (L. Feuchtwanger)

Text VII
... «Elefanten im Paul-Celan-Laden» nennt der Kneipenphilosoph die Verbrecher an der
Sprache und will schon resignieren vor ihrer Ü berzahl und Ü bermacht. Doch
Fernsehwerbungs-zumutungen wie «Das Kö nig der Biere», «Wir haben verstanden»,
«Deutschlands meiste Kredit-karte» oder «Die tun was» wecken noch einmal seinen
Kampfgeist und versetzen ihn schier in Raserei. Frei assoziierter: nein, wenn diese Welt
schon nicht in der Lage ist, ihm Schö nheit entgegenzubringen, Respekt zu erweisen und
Dank zu zollen, so sucht er Schö nheit wenigstens im luziden Gedanken, in der lichten
Formulierung zu finden.
Und so vermag er sich zu besänftigen: indem er die Niedrigkeit des Daseins mit den
Niederungen des Humors auskontert - mit Kalauern und Wortspielen, zu denen er qua
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alkoholischer Assoziation eine besondere Affinität hat. So kann dem
Kneipenphilosophen beispielsweise in der ihm aufgedrängten Diskussion um die
angeblichen oder tatsächlichen Entgleisungen seines Schutzheiligen Harald Juhnke schon
mal ein sehr saloppes «Barfuß oder Lackshoah» entwischen. Das ist hart an der Grenze zur
Frivolität oder sogar schon darü ber hinaus geschossen, aber nicht einmal halb so
unangenehm wie die billige Maulzerreißerei, mit der Pharisäer und Philister ihr eigenes
angebliches Lupenrein-sein ausstellen. (W. Drostle)

Text VIII
Assoziationen in Blau
Wer aber schrie vor Freude,
als das Blau geboren wurde?
Pablo Neruda
Sie, Pablo, stellen merkwü rdige Fragen. Das Blau? Geboren? Aber war es denn nicht immer
da? Als Himmelsblau ü ber der Kindheitslandschaft? Als das unvergänglichste Blau, das es
gibt? Draußen ist der schö nste blaue Himmel, und du hockst hier drin ü ber deinem Buch!
Du wirst noch zum Blaustrumpf, dann kriegst du später keinen Mann. Das Blau schrieb
Geschichten. Der Freund von Annemarie will ihr das Blaue vom Himmel runterholen, hat er
gesagt. Ich hol dir vom Himmel das Blau. Ach du liebes Gottchen, das sagt so einer doch
nur so ins Blaue hinein. Aber treu ist er ihr, sagt sie. Wer's glaubt. Sie ist blond, da tr ägt
man Blau, sagt ihr Freund. Blau, blau, blau sind alle meine Kleider. Blau ist die Farbe der
Treue. Aber rote Schuhe neuerdings, die hat er ihr sogar geschenkt. Rot und Blau schm ü ckt
die Sau und dem Kasper seine Frau. Er macht gerne mal blau, ihr Freund. Heute blau, und
morgen blau, und ü bermorgen wieder. Blauer Montag.
Na siehst du. Montag blau, Dienstag Hunger, das kennt man. Und jetzt torkelt er leider
draußen ü ber den Platz und singt dazu: Kornblumenblau ist der Himmel am herrlichen
Rheine. Total blau, der Mensch. Dem hilft auch kein Blaukreuzler mehr. Kornblumenblau
sind die Augen der Frauen beim Weine. Das kannst du laut sagen.
Neulich hat er sie grü n und blau geschlagen. Na siehst du. Und da hat ihr Bruder gesagt,
jetzt kann er aber sein blaues Wunder erleben und hat ihn gehö rig verbleut, er ist nochmal
mit 'nem blauen Auge davongekommen. Schö n und gut. Aber jetzt wird sich Annemarie
von dem hoffentlich keinen blauen Dunst mehr vormachen lassen. - So blauäugig kann
doch selbst sie nicht sein. Von den blauen Bergen kommen wir, Schatz ach Schatz, du bist
so weit von hier. Unser Lehrer ist genauso dumm wie wir, haben wir gesungen. Der
Himmel ist blau, das Wetter ist schö n, Herr Lehrer, wir wollen spazierengehn. Ihr wollt
euch wohl einen blauen Brief einfangen, was? Merkt euch lieber endlich die Farben des
Regenbogens: Rot Orange Gelb Grun Blau Indigo Violett. ROGGBIV. Oder wollt ihr blo ß
wieder was vom Krieg hö ren, als die blauen Bohnen unsereins nur so um die Ohren
geflogen sind. Im Gleichschritt Marsch. Ein Lied. Die blauen Dragoner, sie reiten, mit
klingendem Spiel durch das Tor.
Kö nnt ihr nicht mal was Schö nes singen, Donau so blau, so blau, so blau, das war der
erste Walzer, den ich mit Hans getanzt habe.
Ja ja. Immer dasselbe. Hat schlecht geendet mit ihrem blauen Matrosen.
Darü ber kommt Grete nicht hinweg. Ein blauer Matrose, der segelt um die Welt. Er liebte
ein Mädchen, doch hatte er kein Geld. Das Mädchen errö tet, und wer war schuld daran?
Der blaue Matrose in seinem Liebeswahn. So was kann schiefgehen. Eben mußte die Frau
X mit Blaulicht weggebracht werden. Blausäure, sag ich nur. Hatte schon ganz blaue
Lippen. Da kommt jede Hilfe zu spät. Der feine Pinkel, der sie sitzengelassen hat, soll ja
blaues Blut gehabt haben, jedenfalls hat er ihr das gesagt.
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Kö nig Blaubart, kennt man ja. „Der fremde Ritter nämlich hatte einen ganz blauen Bart,
und vor dem hatte sie ein Grauen, und es ward ihr unheimlich zumut, sooft sie ihn ansah. “
Hätte sie man auf ihr Gefü hl gehö rt. Aber der hat ihr einen Blaufuchs geschenkt, da hat sie
gedacht, so einer kann nicht lü gen, und da ist sie weich in den Knien geworden. Das hier
kostet Sie aber ein paar blaue Lappen, die wollen erstmal verdient sein. Wenn schon. Fur
die Reinschrift verwenden wir immer blaue Tinte. Aber zuerst stellen Sie mir bitte eine
Blaupause her, bei so einem Projekt will man ja keinen Schuß ins Blaue hinein machen.
Doch mancher schießt ins Blaue und trifft ins Schwarze.
Frü her hatten wir in zwei Stunden die Milchkanne voll Blaubeeren. Und nachmittags war
der Kuchen schon fertig. Karpfen blau zu Neujahr? Niemals. Karpfen in Bierso ße, so gehö rt
sich das. Und Forelle blau ist was fü r feine Leute. Blau ist einfach keine Farbe fü r Eßwaren.
Mehr fü r Blumen. Veilchen, zum Beispiel. Ein Veilchen auf der Wiese stand, gebü ckt in
sich und unbekannt, es war ein herzig's Veilchen. Blaukraut, im Sü den, na meinetwegen.
Und blauen Likö r, den gibt's ja wohl. Curaçao, oder wie der heißt. Und Käse, der sich Blue
Master nennt, mit Schimmel drin, nichts fü r mich. Aber wie man blaue Kartoffeln zü chten
und die dann „blaue Maus“ nennen kann, wird mir ewig unbegreiflich bleiben. So was
Unnatü rliches.
Blau, Pablo, ist die Farbe der Sehnsucht. Haben Sie das gemeint? Frü hling läßt sein
blaues Band wieder flattern durch die Lü fte. Die blauen Hü gel in der blauen Ferne. Auf zu
blauen Horizonten. Blaue Fahnen nach Berlin. Preußisch Blau, Berliner Blau, wichtiges
Blaupigment, aus Eisensulfat und gelbem Blutlaugensalz gewonnen.
Als feiner Strich auf Porzellan. Das tiefe Kobaltblau der gläsernen Vasen, Schalen und
Aschenbecher, Lieblingsfarbe. Tischdecken mit Blaudruck, alte Muster. EineTechnik, die
ausstirbt.
Einmal im Leben an der blauen Adria sein. О Himmel, strahlender Azur. Der blaue Falter,
der uns vorausflattert. Der blaue Vogel auf dem Vorhang der Kü nstlerin Liessner-Blomberg
fü r das Kabarett der russischen Emigranten im Berlin der zwanziger Jahre. Kandinskys
Blauer Reiter. Franz Marcs Turm der blauen Pferde. Picassos blaue Periode. Die blaue
Stunde zwischen Tag und Traum. Nachtblau.
Taubenblau. Das blaue Licht aus dem Grimmschen Märchenbrunnen, das dem braven,
ungerecht behandelten Soldaten, wenn er seine Pfeife daran anzü ndet, nicht nur
Genugtuung, sondern ein ganzes Kö nigreich verschafft und die Kö nigstochter dazu. Auf
andre Art geht’s nicht. Des Generals Franco Blaue Division im Spanischen B ü rgerkrieg. Die
Europafahne in Blau. Und die Lebensmittelpäckchen, welche die Amerikaner in
Afghanistan abwerfen, neuerdings in Blau, nicht mehr in Gelb, damit sie sich von den
gelben Streubomben, die sie auch abwerfen, unterscheiden. Die blaue Blume dagegen,
Pablo, ein Symbol der deutschen Romantik, eine Erfindung des Freiherrn Friedrich von
Hardenberg, genannt Novalis.
Dessen Romanheld, der Heinrich von Ofterdingen, begegnet ihr im Traum, eine hohe,
lichtblaue Blume, die zunächst an der Quelle stand und ihn mit ihren breiten, glänzenden
Blättern berü hrte.
„... Er sah nichts als die blaue Blume und betrachtete sie lange mit unnennbarer
Zärtlichkeit.“ Und er folgt ihrem Sehnsuchtsbild, und er sieht in ihr „eine Schutzwehr gegen
die Regelmäßigkeit und Gewö hnlichkeit des Lebens“, einen Zauber gegen die Monotonie
des Irdischen. Wer aber schrie vor Freude, als das Blau geboren wurde?
Woran dachten Sie, Pablo. Jetzt weiß ich es: Es waren die Außerirdischen, die vor Freude
schrien, als sie sahen, wie die Erde, der blaue Planet, geboren wurde. (Ch. Wolf)

Text IX
Die Legende lockt in Essen
Eine dreidimensionale Computer-Rekonstruktion des legendären Bernsteinzimmers,
dessen bis heute verschollenes Original von der deutschen Wehrmacht 1941 bei St.
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Petersburg geraubt worden war, ist in Essen zu sehen. „Das vielleicht berü hmteste
Zimmer der Welt ist damit erstmals seit seinem Verschwinden wieder vollständig erlebbar“,
erklärte ein Sprecher der Essener Ruhrgas AG. Die Gasgesellschaft sponsert derzeit mit
rund sieben Millionen Mark die exakte Wiederherstellung des Bernsteinzimmers, das 2003
im Katharinenschloss von Zarskoje Selo vollendet sein soll.
Ein begehbares Computermodell aus vielen Millionen elektronischen Daten, das auf
vier Leinwande projiziert wird, bildet im Essener Ausstellungszentrum Cube die kostbaren
Bernsteinvertäfelungen exakt und scheinbar plastisch nach. Ein besonderes Problem sei
dabei die Vielfarbigkeit der zwischen Honiggelb und Dunkelbraun schimmernden
ungezählten Bernsteinplättchen gewesen. Per Joystick kann der Besucher bis zum
15.September dreimal täglich sogar durch den „historischen“ Raum schweben und dabei
gleichsam aus der Perspektive einer Fliege das mit Mö beln, Konsolen und einer kleinen
Standuhr in den Zustand von 1760 versetzte Kabinett begutachten.

Text X
Die Bernstein-Zimmermä nner
Wladimir Domratschow ist, wie jeder große Handwerker, ein kleiner Philosoph: „Im
Grunde sind die Restaurateure nichts anderes als Ä rzte. Nur legt man uns Patienten auf den
Operationstisch, die bereits 90 Jahre im Buckel haben – und wir sollen ihr Leben dann um
weitere 50 verlängern. Besser, man schafft dann gleich einen neuen Menschen. “
Beziehungsweise ein neues Stü ck Kunst – und mit nichts anderem ist der Elektriker und
studierte Designer seit ü ber zwanzig Jahren beschäftigt: Er arbeitet an der Rekonstruktion
des Bernsteinzimmers. Jener historischen Glitzerkammer, der w ährend der vergangenen 300
Jahre von „legendär“ ü ber „achtes Weltwunder“ bis „mysteriö s“ so ziemlich alle Attribute
verliehen wurden, die menschliches Erstaunen signalisieren.

Text XI
Eine Handvoll Menschen um den Alex
Am Alexanderplatz reißen sie den Damm auf fü r die Untergrundbahn. Man geht auf
Brettern. Die Elektrischen fahren ü ber den Platz die Alexanderstraße herauf durch die
Mü nzstraße zum Rosenthaler Tor. Rechts und links sind Stra ßen. In den Straßen steht Haus
bei Haus. Die sind vom Keller bis zum Boden mit Menschen voll. Unten sind die L äden.
Destillen, Restaurationen, Obst- und Gemü sehandel, Kolonialwaren und Feinkost,
Fuhrgeschäft, Dekorationsmalerei, Anfertigung von Damenkonfektion, Mehl und
Mü hlenfabrikate, Autogarage, Feuersozietät: Vorzug der Kleinmotorspritze ist einfache
Konstruktion, leichte Bedingung, geringes Gewicht, geringer Umfang. – Deutsche
Volksgenossen, nie ist ein Volk schmählicher getäuscht worden, nie wurde eine Nation
schmählicher, ungerechter betrogen als das deutsche Volk. Wi ßt ihr noch, wie Scheidemann
am 9. November 1918 von der Fensterbrü stung des Reichstags uns Frieden, Freiheit und
Brot versprach? Und wie hat man das Versprechen gehalten! – Kanalisationsartikel,
Fensterreinigungsgesellschaft, Schlaf ist Medizin, Steiners Paradiesbett. – Buchhandlung,
die Bibliothek des modernen Menschen, unsere Gesamtausgaben fü hrender Dichter und
Denker setzen sich zusammen zur Bibliothek des modernen Menschen. Es sind die gro ßen
Repräsentanten des europäischen Geisteslebens.
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С ос тавители: Бы к оваО льгаИ льинична


М олчановаЛ ю дмилаВ ик торовна

Редак тор: БунинаТ .Д .