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Федеральное агенство по образованию

ГОУ ВПО «Волгоградский государственный педагогический университет»

Кафедра иностранных языков

СОЦИАЛЬНАЯ РАБОТА И
КОРРЕКЦИОННАЯ ПЕДАГОГИКА
В ГЕРМАНИИ

Сборник текстов на немецком языке


для студентов I - II курсов
неязыковых специальностей
педагогических вузов

Волгоград
Издательство ВГПУ
«Перемена»
0
2009

1
ББК 81.432.4

Социальная работа и коррекционная педагогика в Германии: Сборник текстов на


немецком языке для студентов I - II курсов неязыковых специальностей
педагогических вузов/ сост. О.В.Новакова, Н.В. Хорошева. – Волгоград: Изд-во
ВГПУ «Перемена», 2009. - с.

Сборник содержит оригинальные неадаптированные тексты по специальностям


«Социальная работа», «Социальная педагогика», «Сурдопедагогика»,
«Олигофренопедагогика», «Психологическое сопровождение образования лиц с
проблемами в развитии» вопросы и задания к ним, способствующие
формированию у студентов неязыковых факультетов педагогических вузов
навыков и умений изучающего чтения, навыков перевода, коммуникативных
навыков в процессе профессионального общения.

Новакова О.В., Хорошева Н.В., составление 2009


2
Составители О.В.Новакова, Н.В. Хорошева

Социальная работа и коррекционная педагогика в Германии

Сборник текстов по немецком языке для студентов I - II курсов


неязыковых специальностей педагогических вузов
Подписано к печати 2009 г. Формат 60х84/16. Печать офс. Бумага офс.
Усл.печ.л. Уч.-изд.л. Тираж экз. Заказ .

ВГПУ. Издательство «Перемена»


Типография издательства «Перемена»
400131. Волгоград, пр. им. В.И.Ленина. 27.

3
Kapitel I.
SOZIALE ARBEIT UND SOZIALPÄDAGOGIK

Folgende Fragen werden in diesen Texten geklärt:


1. Was versteht man unter Sozialpädagogik, was unter Sozialarbeit bzw. sozialer
Arbeit?
2. Welche Teilbereiche umfasst die soziale Arbeit?
3. Welche Methoden verwendet man in der sozialen Arbeit?
4. Welche Prinzipien sind bei ihrer Anwendung zu beachten?
5. Welche Schritte des Vorgehens1 kennzeichnen die einzelnen Methoden?
6. Was sind ihre wissenschaftlichen Grundlagen2 ?

1. Grundlagen sozialer Arbeit


In jeder Gesellschaft - ganz egal, durch welches System sie bestimmt wird - treten
individuelle und soziale Nöte3 verschiedenster Art auf4. Es gab und gibt keine
Gesellschaft ohne soziale Ungleichheiten, ohne individuelle und soziale Probleme wie
zum Beispiel Erziehungsprobleme, Probleme in Ehe und Familie oder Hilflosigkeit in
bestimmten Situationen. Soziale Arbeit entstand aus dem Bedürfnis 5 heraus, solche
negativen Lebenslagen, zu verbessern und abzubauen6 oder gar nicht entstehen zu
lassen. Damit steht soziale Arbeit im Dienste der Gesellschaft. Doch sie bedarf einer
rechtlichen Grundlage, wie sie im Grundgesetz (GG) und im Kinder- und
Jugendhilfegesetz (KJHG) gegeben ist.

1.1. Die Gegenwartsaufgabe sozialer Arbeit


Die Sozialarbeit ist eine Begleiterscheinung7 der modernen industriellen
Gesellschaft, genauer: eine Begleiterscheinung der durch die Schäden 8 dieser modernen
1
Vorgehen n — ход событий, процесс
2
Grundlage f - основа
3
Not f — нужда, потребность
4
аuftreten — возникать, появляться
5
Bedürfnis n - потребность
6
аbbauen — уменьшать, сокращать
7
Begleiterscheinung f — сопутствующее явление
8
Schaden m - вред, ущерб
4
Gesellschaft hervorgerufenen Sozialpolitik. Die Entwicklung der Bundesrepublik
Deutschland zu einer hoch entwickelten Industrienation rief unterschiedlichste
Notsituationen individueller und sozialer Art hervor, welche die Sozialpädagogik und
Sozialarbeit zu beseitigen oder zu verhindern versucht.
Solche Notsituationen können zum Beispiel Schwierigkeiten wie unzureichendes
Einkommen, Vereinsamung1, Drogen- oder Alkoholprobleme, Krankheit, Behinderung,
Ehekonflikte, persönliche Krisen, Arbeitslosigkeit, sozial auffälliges Verhalten,
Straffälligkeit2 und anderes mehr sein oder auch Mangellagen3 wie unzureichende
Spielmöglichkeiten für Kinder, fehlende Treffs4 für Jugendliche und Ähnliches.
Unter dem Begriff „Sozialarbeit" wird eine Vielzahl von Einrichtungen und
Maßnahmen zusammengefasst, die Menschen helfen sollen, unterschiedliche
Notsituationen individueller und sozialer Art zu bewältigen und zu verhindern. Die
Hilfe geschieht auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse durch professionelle
und dazu ausgebildete Helfer. Damit besteht eine klare Abgrenzung von privater Hilfe.
Bei der Sozialarbeit handelt es sich um die berufsmäßige, wissenschaftlich fundierte
Hilfeleistung an Menschen aller Altersgruppen, um individuelle und soziale
Notsituationen zu bewältigen bzw. zu verhindern.
Der Begriff „Sozialpädagogik" bezieht sich dagegen vorwiegend auf die
Erziehung junger Menschen außerhalb von Familie, Schule und Berufsausbildung, hier
wird stärker der pädagogische Auftrag herausgestellt. Damit ist sie ein Teilbereich der
Sozialarbeit. Doch diese Begriffsbestimmung hat sich im Laufe der Zeit als zu eng
erwiesen. Heute wird der Gegenstandsbereich5 der Sozialpädagogik ausgeweitet auf
Handlungen wie Unterstützung, Beratung6, Begleitung, geplantes und strukturiertes
Zusammenleben, Vermittlung von Informationen. Schließlich erwies sich auch die
Konzentration auf die Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen als nicht mehr
begründet. Schon in der Erziehungsberatung zum Beispiel richtet sich die,
einflussnehmende Intervention7 nicht nur auf die Kinder, sondern auch auf die Eltern
1
Vereinsamung f - одиночество
2
Straffälligkeit f - черепица
3
Mangellage f - дефицит
4
Treff m -встреча, свидание
5
Gegenstandsbereich m - область
6
Beratung f - консультация
7
Intervention f - вмешательство
5
und andere Erwachsene. Sozialpädagogik bezieht sich auf öffentlich organisierte,
unterstützende soziale bzw. pädagogische Hilfen und Dienstleistungen zur
Lebensbewältigung1 oder Bildung.
Die Trennung zwischen Sozialarbeit und Sozialpädagogik wird in der neueren
Literatur nicht mehr aufrechterhalten2, da sich die beiden Bereiche in ihren Tätigkeiten
oftmals überschneiden. Man ersetzt die Begriffe Sozialarbeit/Sozialpädagogik durch
den Begriff „soziale Arbeit", deren Aufgaben aus der Tradition von Sozialarbeit und
Sozialpädagogik zusammengewachsen sind.
Die wichtigsten Praxisbereiche sozialer Arbeit sind heute die Sozialhilfe mit den
Aufgaben der Beratung, finanziellen Unterstützung und Rehabilitation, die
Gesundheitshilfe in Form sozialer Dienste, von Beratung und Unterstützung Alter,
Behinderter, Kranker, und Drogenabhängiger3 und Kinder- und Jugendhilfe mit den
Aufgaben der Erziehung, Beratung, Hilfe und Fürsorge. Die Kinder- und Jugendhilfe
bildet den eigentlichen Bereich der Sozialpädagogik.

1.2. Die Sozialpädagogik als Theorie und Praxis der Kinder-und Jugendhilfe
Die Sozialpädagogik als „Erziehungsraum" neben Familie, Schule und
Berufsausbildung wird oft als Theorie und Praxis der Kinder- und Jugendhilfe
bezeichnet und will junge Menschen ergänzend zur Familie, Schule und Ausbildung in
ihrer Entwicklung fördern4 und durch Beratung und Unterstützung sozialen
Benachteiligungen und Entwicklungskrisen entgegenwirken. Ist das Wohl des Kindes
oder Jugendlichen nicht gewährleistet5, ist Hilfe zur Erziehung zu leisten und an
gerichtlichen Verfahren6 mitzuwirken.
In der Kinder- und Jugendhilfe haben drei Grundprinzipien Vorrang7:
- Erziehung der Kinder als Recht und Pflicht der Eltern. Die Eltern sind in ihrem
erzieherischen Handeln eigenständig8, sie können sich dagegen wehren, dass der Staat

1
Bewältigung f - преодоление
2
Aufrechterhalten - поддерживать
3
Drogenabhängiger m - зависимый от наркотиков
4
fördern - способствовать
5
gewährleisten - оказывать
6
Verfahren m - судебный процесс
7
Vorrang m - преимущество
8
eigenständig -самостоятельный, независимый
6
ihnen Vorschriften macht, andererseits müssen sie für eine Erziehung ihrer Kinder
sorgen.
- Vielfalt der Angebotsstruktur. Eltern, Kinder und Jugendliche erhalten vielfältige
Eziehungsangebote von Trägern1 mit unterschiedlichen Wertorientierungen, Inhalten,
Methoden und Arbeitsformen. Es ist nicht der Staat, der vorschreibt, welche Erziehung
die richtige ist, sondern die Eltern und ihre Kinder können entsprechend ihren
Bedürfnissen und Wertorientierungen frei wählen.
- Subsidiaritäts2prinzip. Die staatliche Kinder- und Jugendhilfe sieht von eigenen
Maßnahmen ab, wenn geeignete Einrichtungen und Dienste von freien Trägern der
Kinder- und Jugendhilfe zur Verfügung gestellt oder rechtzeitig geschaffen werden. Der
Staat kann und muss sich also solange zurückhalten, wie Menschen in selbst
organisierter Form auf regionaler Ebene in der Lage sind, durch eigene Organisationen,
Verbände und Zusammenschlüsse nötige Hilfsangebote abzudecken.
Die Kinder- und Jugendhilfe kennt mehrere Teilbereiche, welche die Erziehung in
der Familie unterstützen, ergänzen oder gegebenenfalls ersetzen:
- die Kinder- und Jugendarbeit, die den Kindern, Jugendlichen und jungen
Erwachsenen entsprechende Angebote3 zur Verfügung stellt, um deren Entwicklung
durch freiwillige Erziehungs-, Bildungs- und Freizeitangebote außerhalb von Familie,
Schule und Beruf zu fördern. Sie geschieht durch öffentliche und freie Träger wie zum
Beispiel Jugend- und Wohlfahrtsverbände4 sowie der Kirchen.
- die Jugendsozialarbeit, die jungen Menschen Hilfen anbietet5, durch die ihre
schulische und berufliche Ausbildung, die Eingliederung6 in die Arbeitswelt sowie ihre
soziale Integration gefördert werden.
- der erzieherische Kinder- und Jugendschutz, der Kinder und Jugendliche vor
Gefährdungen7 bewahren soll.
- die Förderung der Erziehung in der Familie, die Eltern bei ihren Erziehungsaufgaben
unterstützen und damit die Erziehungssituation von zu Erziehenden verbessern will.
1
Träger m — представитель, обладатель
2
Subsidiaritätsprinzip m — принцип помощи
3
Angebot n - предложение
4
Wohlfahrtsverbänd m — благотворительное общество
5
аnbieten - предлагать
6
Eingliederung f - включение
7
Gefärdung f - угроза
7
Hierzu gehören insbesondere die Unterstützung der Erziehung in der Familie durch
geeignete Angebote und die Hilfe für Familien in besonderen Lebenssituationen wie
zum Beispiel für alleinerziehende Elternteile1.
- die Förderung von Kindern und Jugendlichen in Tageseinrichtungen und Tagespflege,
die der gesellschaftlichen Entwicklung der zunehmenden Bedeutung von
Tageseinrichtungen2 wie Kinderkrippen, Kindergarten und Kinderhorte für die
Entwicklung der Kinder und Jugendlichen Rechnung trägt. Das Leistungsangebot an
Betreuung, Bildung und Erziehung des Kindes soll sich sowohl an den Bedürfnissen des
Kindes als auch deren Familien orientieren.
 die Hilfe zur Erziehung, die gewährleistet, dass Personensorgeberechtigte3 Anspruch
auf Hilfe bei der Erziehung haben, „wenn eine dem Wohl des Kindes oder des
Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet und die Hilfe für seine
Entwicklung geeignet und notwendig ist". Erziehungshilfen können zum Beispiel
Erziehungsberatung, soziale Gruppenarbeit, sozialpädagogische Familienhilfe,
Erziehung in einer Tagesgruppe, Vollzeitpflege, Heimerziehung und sonstige
betreute Wohnformen sowie intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung sein.
Sozialpädagogik als Theorie und Praxis der Kinder- und Jugendhilfe umfasst
Erziehungs- und Bildungshilfen zur sozialen Eingliederung von Kindern und
Jugendlichen, die staatlich oder von gesellschaftlichen und kirchlichen Gruppen
subsidiär geleistet werden. Die Entwicklung heranwachsender Menschen soll durch sie
gefördert und die Erziehung in der Familie unterstützt werden.

1.3. Lebensweltorientierte soziale Arbeit


Sozialpädagogik als Theorie und Praxis der Kinder- und Jugendhilfe, wie sie von
Klaus Mollenhauer (1993) vertreten wird, wurde von Hans Thiersch (2005)
weiterentwickelt als „lebensweltorientierte Soziale Arbeit". Deren Intention4 ist es, sich
an den Problemen und Ressourcen in der Lebenswelt der Betroffenen 5 zu orientieren.
Lebenswelt bezeichnet dabei denjenigen Ort, an welchem das Individuum handelt und
1
alleinerziehende Elternteil m - родитель, один воспитывающий ребенка
2
Tageseinrichtung f - учреждение дневного пребывания
3
Personensorgeberechtigte m -имеющий право на индивидуальную помощь
4
Intention f - намерение, целенаправленность
5
betreffen — относиться, касаться, затрагивать
8
ihm gesellschaftliche Verhältnisse widerfahren1.
Bei der Bewältigung2 von Problemen und bestimmten Situationen spielen Kräfte,
die einem Individuum zur Bewältigung einer bestimmten Situation zur Verfügung
stehen3, eine wichtige Rolle. Die Psychologie spricht in diesem Zusammenhang von
Ressourcen. Ressource ist eine allgemeine Bezeichnung für Hilfsquellen oder Kräfte
eines Individuums, die zur Bewältigung einer bestimmten Situation zur Verfügung
stehen.
Es ist jedoch entscheidend, ob und inwieweit ein Individuum selbst davon
überzeugt ist, dass es über Kräfte zur Bewältigung einer Situation verfügt 4. Dabei
unterscheidet man zwischen personalen und sozialen Ressourcen. Damit sind
Bewältigungskräfte gemeint, die zum einen bei der Person selbst, zum anderen in ihrem
sozialen Umfeld zu suchen sind.
Personale Ressourcen sind zum Beispiel bestimmte Bewältigungsstrategien, die
sich eine Person angeeignet5 hat, individuelle Fähigkeiten, Stärken oder Talente, soziale
Ressourcen können beispielsweise Ehepartner, Freunde, Sozialarbeiter oder bestimmte
Institutionen bzw. Dienste sein.
Der wachsende Bedarf an Hilfe bei der alltäglichen Bewältigung von Normalität 6
erfordert eine Erweiterung der Hilfe im Sinne von „lebensweltorientierten Hilfen -zur
Lebensbewältigung". Menschen in der heutigen Gesellschaft sind mit einer Vielfalt an
Lebens-, Wohn- und Beziehungsformen konfrontiert und müssen sich bewusst
entscheiden. Sie sind deshalb gefordert, Lebensplane zu entwerfen und diese
gegebenenfalls im Laufe ihres Lebens mehrmals zu verändern.
Die lebensweltorientierte soziale Arbeit umfasst folgende Elemente:
- Lebenswelt der Adressaten: Im Vordergrund der Betrachtung stehen der Mensch und
der normale Alltag. Darüber hinaus wird gefragt nach den Lebensverhältnissen und
-defiziten der Adressaten. Sozialpädagogik/Sozialarbeit muss die Lebenserfahrungen
und jener Menschen kennen, mit denen sie es zu tun hat.

1
widerfahren — происходить, случаться
2
Bewältigung f -преодоление
3
zur Verfügung stehen — находиться в распоряжении
4
verfügen über — располагать, иметь в распоряжении
5
sich aneignen — усваивать, перенимать
6
Normalität f - стандартность
9
 Gesellschaftliche Funktion: Sozialpädagogik hat die Funktion, Menschen in
kritischen Entwicklungen und bei Lebensproblemen zu helfen. Einerseits bietet sie
Hilfen bei der Lösung von Konflikten an 1, andererseits macht sie auf
gesellschaftliche Missstände2 aufmerksam.
- Sozialpädagogische Institutionen: Aufgabe der Sozialpädagogik ist neben der
Erforschung der Entstehungsursachen auch eine kritische Analyse der disziplinierenden,
unterdrückenden und stigmatisierenden Mechanismen von sozialpädagogischen
Institutionen und ihren spezifischen Leistungen3.
- Sozialpädagogisches Handeln: Auch die handlungspraktischen Methoden sind einer
kritischen Analyse zu unterziehen. Zu überprüfen ist dabei nicht nur die Effizienz
bestimmter Methoden, sondern auch die Frage, ob professionelle Hilfe in jedem Fall
einzuschalten ist bzw. ob Adressaten ihre Probleme nicht sinnvoller in eigener
Kompetenz lösen können.
- Wissenschaftskonzept der Sozialpädagogik: Sozialpädagogik ist ein Teil der
Erziehungswissenschaft, die sich allerdings als sozialwissenschaftliche und kritische
Handlungswissenschaft versteht. Die lebensweltorientierte Sozialpädagogik nutzt ihre
Möglichkeiten, Menschen in ihrer Lebenswelt zur Selbsthilfe, das heißt, ihnen in ihren
Verhältnissen zur Selbstständigkeit zu verhelfen.

2. Methoden sozialer Arbeit


Im Laufe der Praxis haben sich in der sozialen Arbeit drei klassische Methoden
entwickelt:
- die soziale Einzelhilfe,
- die soziale Gruppenarbeit,
- die soziale Gemeinwesenarbeit.
In der heutigen Zeit haben sich auch eine Reihe neuerer Methoden in der sozialen
Arbeit etabliert4, die in der Regel vom Sozialpädagogen eine zusätzliche berufliche
Qualifikation verlangen, wie zum Beispiel Einzel-, Gruppen-, Familientherapie,

1
anbieten - предлагать
2
Missstand m - недостаток
3
Leistung f - результат, успех
4
etablieren sich - открывать
10
Supervision usw. Das Unterstützungsmanagement, auch Case Management genannt,
wird als Beispiel für eine neuere Methode dargestellt, da es in viele Bereiche sozialer
Arbeit eingegangen ist.

2.1. Die soziale Einzelhilfe


Die methodische Arbeit mit Einzelnen, Familien oder Paaren wird mit dem
Begriff „soziale Einzelhilfe" - auch Casework oder soziale Fallarbeit1 - bezeichnet. Sie
wird von beruflichen und dazu ausgebildeten Helfern angewandt, um Menschen mit
psychischen und sozialen Schwierigkeiten zu helfen. In ihr steht das Individuum, so wie
es ist, und die persönliche Hilfe im Vordergrund.
Bei der sozialen Einzelhilfe handelt es sich um eine Betreuung2, Beratung oder
Therapie, in der das Individuum mit seinem Problem und seiner außergewöhnlichen
Belastung im Mittelpunkt steht. Dabei werden auf der Grundlage wissenschaftlicher
Erkenntnisse und mithilfe einer effektiven Gestaltung der Beziehung zwischen dem
Helfer und dem Klienten Unterstützungsmöglichkeiten durch bestimmte Personen wie
zum Beispiel Verwandte, Freunde oder Nachbarn mobilisiert und die im Klienten
vorhandenen Fähigkeiten geweckt, um eine „Hilfe zur Selbsthilfe" zu ermöglichen.
Ziele der sozialen Einzelhilfe sind:
- die Förderung der Selbsthilfekräfte des Klienten,
- die Befähigung3, mit dem Problem fertig zu werden, sowie zur verantwortlichen
Lebensführung,
- der Erwerb sozialer und kommunikativer Kompetenzen,
- die Entwicklung der Persönlichkeit zur Selbstständigkeit
- die Förderung von Veränderungsbereitschaft
 die Anpassung des Klienten an seine Umwelt, um mit dieser zurechtzukommen.
Anwendungsprinzipien. Sechs Prinzipien sind es in der Regel, die in der sozialen
Einzelhilfe von Bedeutung sind:
1. Akzeptieren4 ist ein Grundsatz des Handelns, nach dem der Sozialarbeiter den

1
Fallarbeit (Casework) f -изучение проблем лиц, нуждающихся в социальной помощи
2
Betreuung f -обслуживание
3
Befähigung f -способность
4
Akzeptieren n - признание
11
Klienten so annimmt wie er ist, mit all seinen Fehlern, Stärken und Schwächen, mit
seinen angemessenen und unangemessenen Haltungen und Eigenschaften, mit seinen
positiven und negativen Gefühlen. Der Sozialarbeiter, der den Klienten akzeptiert, hilft
ihm, Abwehrhaltungen1 abzubauen, was eine effektive Hilfe erst ermöglicht.
2. Im Mittelpunkt aller Bemühungen steht das Individuum in seiner Einmaligkeit
und Einzigartigkeit. Daraus ergibt sich der Grundsatz des Individualisierens, das
Bemühen, die einzigartigen Eigenschaften des Klienten zu erkennen und zu verstehen
und ihm eine ihm gemäße Hilfe und Förderung zu geben. Der Klient soll als Individuum
und nicht als „Fall" behandelt2 werden.
3. In dem Bemühen, dem Klienten zu helfen, geht es immer um eine Hilfe zur
Selbsthilfe: Nicht der Sozialarbeiter übernimmt die Lösung des Problems für den
Klienten, der Sozialarbeiter befähigt ihn vielmehr, dass er sein Problem selbst lösen
kann. Diese Selbstbestimmung des Klienten bedeutet auch, dass der Klient seine eigene
Wahl treffen und sich selbst entscheiden kann, was er sagen und tun will und was nicht.
4. Es geht in der Einzelhilfe nicht um die Schuld oder Unschuld eines Menschen.
Eine abwertende3 oder richtende4 Haltung würde ein Helfen behindern, wenn nicht gar
verhindern; Schuldgefühle erzeugen Abwehrhaltung und lassen das Selbstwertgefühl
sinken.
5. Eine Befürchtung seitens des Klienten, dass seine Probleme und
Schwierigkeiten auch außerhalb der Grenzen der Beziehung zwischen Sozialarbeiter
und Klient bekannt würden, hemmt den Klienten, offen und frei zu sprechen.
Vertraulichkeit5 ist somit Voraussetzung einer jeden effektiven Hilfe.
6. Der Sozialarbeiter ist wie sein Klient ein menschliches Wesen mit vielfältigen
persönlichen Motiven, Fehlern und Schwächen. Jeder Sozialarbeiter muss sich also
darüber klar sein, dass persönliche Impulse, Haltungen, Neigungen und Abneigungen,
Gefühle, eigene Probleme und Schwierigkeiten die helfende Beziehung beeinflussen.
Selbstkontrolle bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Sozialarbeiter sich seiner

1
Abwehrhaltung f - защитная позиция
2
behandeln - обращаться с кем-л.
3
abwerten - критиковать
4
richten- направлять
5
Vertrauligkeit f - конфеденциальность
12
Reaktionen genügend bewusst1 wird, um unterscheiden zu können, welche Vorgänge
beruflich und welche persönlich motiviert sind; sie verlangt von ihm, dass er alle
persönlichen Gefühle und Reaktionen in seinem Verhältnis zum Klienten sorgfältig
prüft.
Schritte des Vorgehens
- Herstellen einer positiven emotionalen Beziehung, ohne die eine Hilfe nicht möglich
ist.
- Genaue Beschreibung des Problems bzw. der Belastungssituation2 und Formulierung
der Erwartungen des Klienten.
- Sammlung von Informationen und Fakten, die Aufschluss darüber geben können, wie
es zu dem Problem bzw. zu der Belastungssituation gekommen ist. Möglichkeiten
hierzu sind das Gespräch, Fragebögen, Tests, Beobachtung, Befragung von Personen,
die zur Gewinnung von Informationen etwas beitragen können (beispielsweise Eltern,
Bekannte, Freunde, Lehrer, Meister).
- Auswertung und wissenschaftliche Interpretation der Daten bzw. Erklärung des Falles
mithilfe einer Theorie. Das „Zuhilfenehmen" einer Theorie ist notwendig, um
Maßnahmen zur Lösung des Problems erstellen zu können.
- Ausarbeitung eines Behandlungsplanes und Durchführung der Behandlung3. Je nach
Problem kann es sich bei der Behandlung um eine Betreuung, Beratung oder Therapie
handeln.
- Verlaufs- und Erfolgskontrolle der Behandlung, die Hinweise auf „Fortschritte" des
Klienten oder auch auf eine mögliche Korrektur des Behandlungsplanes gibt.
- Gegen Ende der Behandlung ist eine schrittweise Auflösung 4 der Beziehung zwischen
dem Klienten und dem Helfer notwendig, damit der Klient wieder mit sich alleine -
ohne Hilfe seitens des Sozialpädagogen/arbeiters - zurechtkommt 5. Wissenschaftliche
Grundlagen. Wissenschaftliche Grundlagen der sozialen Einzelhilfe bilden
psychologische Theorien des Verhaltens. Je nach Problem und der Ausbildung des
Sozialpädagogen/-arbeiters kommen tiefenpsychologische Theorien wie beispielsweise
1
bewusst sein - осознавать
2
Belastungssituation f — ситуация напряжения
3
Behandlung f - лечение
4
Auflösung f - расслабление
5
zurechtkommen - справляться
13
die Psychoanalyse, Lerntheorien und kognitive Theorien, sowie humanistische Theorien
zur Anwendung. In neuerer Zeit werden auch systemtheoretische Ansätze1 als
Weiterentwicklung der Einzelhilfe berücksichtigt2. Unterschiedliche Aspekte der
Einzelfallhilfe finden sich auch im Ansatz des Empowerment 3 und
Unterstützungsmanagements.

2.2. Die soziale Gruppenarbeit


In der sozialen Arbeit stellt Gruppenarbeit eine Methode dar, wodurch Gruppen
von Menschen mit persönlichen und sozialen Problemen durch geregelte
Gruppenerlebnisse geholfen wird. Dabei geht man davon aus, dass die gemachten
Gruppenerfahrungen auch auf Situationen und Probleme außerhalb der Gruppe
übertragen werden können. Der Begriff „soziale Gruppenarbeit" wird heute als
Oberbegriff4 verstanden, dem die Gruppenpädagogik im Sinne erzieherischer Arbeit mit
und in Gruppen untergeordnet ist.
Gruppenarbeit scheint dann angebracht5 zu sein, wenn eine bestimmte Anzahl von
Personen ähnliche bzw. vergleichbare Aufgaben, Probleme und Situationen zu
bewältigen hat. Dies ist beispielsweise bei Problemen nach Ehescheidungen, bei
Arbeitslosigkeit, oder Alkohol der Fall.
Gruppenarbeit wird vor allem im Freizeitbereich wie beispielsweise in
Jugendzentren, in der Jugendarbeit, in Beratungseinrichtungen (z.B. für
Suchtgefährdete6) im Bereich des Gesundheitswesens und im Strafvollzug eingesetzt7.
Aber auch in stationären Einrichtungen wie bei Therapiegruppen oder in der
Heimerziehung gewinnt die soziale Gruppenarbeit mehr an Bedeutung.
Die Gruppe gilt als Ort und Instrument der Erziehung, welche die
Gruppenmitglieder durch die Gruppenerlebnisse bei individuellen Lern-,
Reifungsprozessen, der Eingliederung und dem Erlernen sozialer Normen, unterstützt.
Solche Gruppenerlebnisse können zum Beispiel das Gespräch mit den
1
Ansatz m — начало, основание
2
berücksichtigen - учитывать
3
Empowerment - полномочие
4
Oberbegriff m — широкое понятие
5
anbringen — находить применение чему-л.
6
Suchtgefährdete m - наркоман
7
eibsetzen — вводить в действие
14
Gruppenmitgliedern sein, die Tatsache, sich einem Konflikt zu stellen 1 und mit der
Gruppe zu lösen, oder die Erfahrung, in der Gruppe anerkannt zu sein. Von sozialer
Gruppenarbeit spricht man, wenn ein geschulter Leiter der Gruppe die Gruppenprozesse
im Interesse der Mitglieder beeinflusst.
Die soziale Gruppenarbeit ist eine Methode der sozialen Arbeit, die dem
Individuum durch sinnvolle Gruppenerlebnisse hilft, sich als Person zu begreifen 2 und
ihr soziales Verhalten zu entfalten sowie Probleme und Situationen selbst meistern zu
können.
Ziele der Gruppenarbeit sind
- das Erlernen von mehr Selbstsicherheit3,
- das Sammeln neuer Erfahrungen,
- die Anerkennung durch die Gruppenmitglieder,
- soziale Anpassung und Funktionsfähigkeit innerhalb der Gruppe,
- die Lösung sozialer Konflikte.
Anwendungsprinzipien. Sechs pädagogische Prinzipien sind es, die in der sozialen
Gruppenarbeit von Bedeutung sind:
1. Dort anfangen, wo die Gruppe steht, und sich mit ihr in Bewegung setzen: die
Gruppe annehmen, wie sie wirklich ist, und sie sich entwickeln zu lassen von ihrem
eigenen Ausgangspunkt an.
2. Arrangieren4 von Gruppenprozessen: Einwirken des Gruppenleiters auf die
Gruppenprozesse zu sinnvollen Erlebnissen, die den Gruppenmitgliedern dazu
verhelfen, sich als Person zu begreifen und ihr soziales Verhalten entfalten sowie
Probleme und Situationen im Laufe der Zeit selbst meistern zu können.
3. Individualisieren entspringt dem Anliegen5, dass der Einzelne in der Gruppe
nicht untergeht, sondern diesem geholfen wird, sich als Individuum sehen zu können,
das einen Beitrag zum Ganzen liefern kann. Dabei geht es auch um die Entfaltung
einzelner, individuell begabter Menschen in der Gruppe, die eine ihnen gemäße Hilfe
und Förderung benötigen.
1
stellen sich Dat. -принять что-л.
2
begreifen - понимать
3
Selbstsicherheit f — уверенность в себе
4
Arrangieren n -проведение
5
Anliegen n — стремление, требование
15
4. Mit der Stärke eines jeden Einzelnen arbeiten heißt, die Fähigkeiten, Interessen
und Fertigkeiten eines jeden Einzelnen herauszufinden und Situationen zu bewirken, in
denen er diese in der Gruppe entfalten kann.
5. Selbstbestimmung der Gruppe: Nicht der Gruppenleiter allein bestimmt in der
Gruppe, Entscheidungen sind Gegenstand der gesamten Gruppe, die miteinander
getroffen werden. Konflikte werden zusammen so bewältigt, dass ihre Lösung für alle
Mitglieder der Gruppe befriedigend wirkt. Diese Selbstbestimmung bedeutet auch, dass
die Gruppenmitglieder selbst entscheiden können, wann und was der Einzelne sagen
und tun will und was nicht.
6. Sich als Gruppenleiter entbehrlich1 machen bedeutet, dass seine Rolle mehr die
eines ,Befähigers' und ,Beraters' ist, der sich so weit wie möglich zurückhält. „So aktiv
wie nötig, so passiv wie möglich" lautet die Regel, die auf diesem Prinzip beruht.

2.3. Die soziale Gemeinwesen2arbeit


Die dritte klassische Methode der sozialen Arbeit entstand aus der Erkenntnis
heraus, dass Probleme von einzelnen Menschen häufig gesellschaftlichen Ursprungs
sind und dass deshalb Hilfe für den Einzelnen auch Veränderung von gesellschaftlichen
Bedingungen bedeuten muss. Dazu gehört, dass die Bevölkerung einer Straße, einer
Wohnsiedlung, eines Dorfes, eines Stadtteils oder einer ganzen Stadt gemeinsame
Probleme erkennt und eigene Kräfte entwickelt, um an der Beseitigung von sozialen
Missständen und deren Ursachen gemeinsam zu arbeiten.
Gemeinwesen bezeichnet eine bestimmte räumliche Einheit 3, wie zum Beispiel
einen Stadtteil, eine Wohnsiedlung, eine Gemeinde, eine ganze Stadt usw.
Gemeinwesenarbeit meint eine grundsätzliche Herangehensweise4 an soziale Probleme
und will eine Verbesserung für die Menschen und ihrer Probleme in dieser räumlichen
Einheit. Die Verbesserung wird durch eine Vielzahl von Handlungen, Tätigkeiten und
Maßnahmen erreicht und schließt in der Regel die Aktivierung der betroffenen 5
Menschen mit ein.
1
entbehrlich - ненужный
2
Gemein n — общество, коммуна, коллектив
3
Räumliche Einheit f — пространственное единство
4
Herangehensweise f — подход к чему-л.
5
betroffen - озадаченный
16
Daneben gibt es auch öffentliche Einrichtungen, welche die Wohlfahrt und die
Gesundheit der betroffenen Menschen in einem Gemeinwesen verbessern helfen.
Solche Einrichtungen sind zum Beispiel Sozialdienste, Schaffung von
Entlastungsmöglichkeiten für Familien, Vermittlung von Berufsförderungsmaßnahmen.
Die heutige Sichtweise1 von Gemeinwesenarbeit hat sich etwas geändert: Hier
wird Gemeinwesenarbeit nicht mehr als „dritte Methode" neben der sozialen Einzelhilfe
und der sozialen Gruppenarbeit verstanden, sondern als übergreifendes Arbeitsprinzip,
welches soziale Einzelhilfe und soziale Gruppenarbeit mit einschließt.
Ziele der sozialen Gemeinwesenarbeit
Übergeordnetes Ziel der sozialen Gemeinwesenarbeit ist eine qualitative Verbesserung
der menschlichen Lebensräume. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, sind
vorhandene Ressourcen zu bündeln und Einzelmaßnahmen zu vernetzen. Dies bedeutet:
- Schaffung von Bedingungen, die Selbst- und Mitbestimmung erlauben,
- Aktivierung der Bewohner,
- Stärkung sozialer Beziehungen,
- Vorbeugung2 sozialer Probleme,
- Konflikt- und Krisenbewältigung,
- Aufhebung der Benachteiligung bestimmter Personen und Personengruppen.
Anwendungsprinzipien. Folgende Arbeitsprinzipien sind in der sozialen
Gemeinwesenarbeit von Bedeutung :
1. Gemeinwesenarbeit hat sich an den Interessen der Wohnbevölkerung zu
orientieren: Es ist zu erkunden, wo die Interessen und Bedürfnisse der Menschen im
Stadtteil liegen. Sozialpädagogisches Handeln richtet sich weniger an einzelne
Personen, sondern konzentriert sich stärker auf die Veränderungen von Situationen und
das soziale und kulturelle Umfeld.
2. Gemeinwesenarbeit aktiviert die Menschen, unterstützt Eigeninitiative und
Selbsthilfekräfte: Die Betroffenen selbst entwickeln mit Unterstützung der Fachleute,
was sie selbst zur Verbesserung ihrer Situation tun können. Alltagssolidarität,
Selbsthilfekräfte und Selbstorganisation werden gefördert.

1
Sichtweise f — способ видения
2
Vorbeugung f - профилактика
17
3. Gemeinwesenarbeit nutzt vorhandene Ressourcen: Der Bewohner mit seinen
Problemen wird in seiner sozialen Einbindung im Stadtteil und unter Berücksichtigung
seiner „Stärken" und „Bewältigungskräfte", die in seinem sozialen Umfeld zu suchen
sind, gesehen. Auch Ressourcen wie Nachbarschaften, Dienstleistungsstrukturen
werden aktiviert und genutzt. Gemeinwesenarbeit stellt aber auch Ressourcen in Form
von Dienstleistungen wie Räume, Beratung, Betreuung, emotionale Stützung,
praktische Alltagshilfe, Aufbau und Erweiterung von sozialen Netzen zur Verfügung.
4. Gemeinwesenarbeit ist ein zielgruppen- und bereichsübergreifender Ansatz:
Gesucht wird nach Problemkreisen im Stadtteil, an deren Beseitigung möglichst viele
verschiedene Gruppierungen interessiert sind, so dass sich möglichst viele Bewohner an
Aktivitäten1 beteiligen, z.B. Verbesserung des Wohnumfeldes2. Genutzt werden die
Kompetenzen3 möglichst vieler Bereiche im Stadtteil. Im Wohnsektor könnten durch
Gemeinwesenarbeit z. B. wichtige Anregungen für die Planung und Umgestaltung von
Wohnsiedlungen geben werden.
5. Gemeinwesenarbeit zielt auf Vernetzung, auf Kooperation und Koordination
der sozialen Dienste. Für eine erfolgreiche Durchführung von Projekten ist eine
kooperative Zusammenarbeit von professionellen und ehrenamtlichen Akteuren aus
verschiedensten Bereichen im Stadtteil nötig. Bestehende soziale Netze sind zu stärken
und soziale Dienste im Stadtteil zu vernetzen.
Schritte des Vorgehens
Die soziale Gemeinwesenarbeit durchläuft folgende Phasen:
- Phase der Analyse. Der Gemeinwesenarbeiter versucht durch Beobachtung oder
Befragung, Missstände oder Bedürfnisse aufzudecken und die Lokalität gründlich zu
analysieren.
- Phase der Planung. Es werden Ziele festgelegt und anhand dieser wird ein Plan bzw.
eine Strategie erarbeitet, um diese Ziele zu verwirklichen.
- Phase der Aktion. Der Plan wird in die Wirklichkeit umgesetzt.
- Phase der Auswertung. Das entwickelte Konzept4 wird bewertet. Wenn durch den

1
Aktivität f - действие
2
Wohnumfeld n — жилая среда, окружение
3
Kompetenz f - полномочие
4
Konzept n - план
18
Plan eine Verbesserung erreicht wurde, dann muss darauf geachtet werden, dass diese
langfristig ist und dass die Anwohner des Gemeinwesens selbstständig und
selbstverantwortlich handeln.
- Phase der Nachbereitung und Neuplanung. Die durch Aktionen ausgelösten
Veränderungen machen oft zusätzliche Maßnahmen erforderlich.
- Phase des Rückblicks und der erneuten Beurteilung. Eine Analyse der Wirkung ist
immer wieder angezeigt, um zu beurteilen, ob das Gesamtkonzept noch effektiv ist.
Wenn nicht, sind neue Ziele und Projekte zu entwickeln. Somit beginnt der Prozess von
vorne.

2.4. Das Unterstützungsmanagement (Case Management)


Das Unterstützungsmanagement, auch Case Management genannt, ist das
bekannteste ökologische Konzept. Die Methode des Unterstützungsmanagements
kommt aus den USA und wurde Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in
Deutschland bekannt gemacht. Gegenstand dieses umweltorientierten Konzeptes ist die
Mensch-Umwelt-Beziehung.
Im Unterstützungsmanagement geht es einmal um die Erschließung und
Koordination aller möglichen Hilfsquellen, die einer Hilfe suchenden Person in einem
Gemeinwesen zur Verfügung stehen und die Gewährleistung möglichst kostengünstiger
und effektiver Unterstützung.
Unterstützungsmanagement (Case Management) versteht sich als planmäßige und
organisierte Erschließung und Koordination von Hilfsquellen zur Unterstützung
einzelner Menschen und Gruppen mit Problemen. Dabei geht es nicht darum, dass der
Case Manager für den Klienten die Unterstützung bewerkstelligt 1, sondern der Klient
wird aktiv an seiner Problemlösung beteiligt. Ziel ist es, das Selbsthilfepotenzial des
Klienten zu fördern.
Aufgabe des Case Managements ist die Planung und Ablauforganisation der
Unterstützung, um dem Klienten und gegebenenfalls seinen Angehörigen in ihrer Lage
zu helfen.
Ziele des Case Managements sind
1
bewerkstelligen - осуществлять
19
- eine optimale Versorgung des Klienten mit Unterstützungsleistungen sozialer Dienste
durch Erschließung und Koordination der Hilfsquellen,
- sorgfältige Planung und Ablauforganisation der Erschließung und Koordination der
Hilfsquellen,
- eine aktive Beteiligung des Klienten an der Lösung der Situation und
- eine kostengünstige, effektive Durchführung von Hilfsangeboten.
Die Vorgehensweise des Unterstützungsmanagaments. Man unterscheidet bei der
Vorgehensweise des Unterstützungsmanagements fünf Phasen:
- Assessment1 (Falleinschätzung). In diesem ersten Schritt geht es um die Einschätzung
der Lage und um die Bedarfsklärung. Beim Erstkontakt mit der Case Management-
Stelle werden die Erwartungen der Beteiligten geklärt, welche Personen bzw. Familien
Unterstützung brauchen und ob das Unterstützungsmanagement diese leisten kann. Eine
sorgfältige Einschätzung der Lebenslage ermöglicht es, einerseits die objektiven
Gegebenheiten wie die Lebensgeschichte des Klienten, körperliche Bedingungen2
(Alter, Gesundheit u.a.) oder soziale Bedingungen (vorhandenes Netzwerk, Verwandte,
Bekannte, Nachbarn), andererseits seine subjektive Orientierung (Zukunftserwartungen,
Wert- und Normvorstellungen, Gefühle etc.) zu berücksichtigen.
- Planning (Hilfeplanung). Aus der Einschätzung der Problemlage leitet der Klient
zusammen mit dem Case Manager entsprechende Ziele der Veränderung ab 3. Mittel und
Wege sind zu suchen, die bei aktiver Beteiligung des Klienten zur Verbesserung seiner
Lebenslage bzw. Situation beitragen. Die Unterstützung des Betroffenen besteht darin,
bisher unerschlossene eigene und Ressourcen aus der Umwelt besser zu nutzen. In der
Kompetenz des Case Managers liegt es, Geldmittel zu erschließen und die im
Gemeinwesen vorhandenen informellen Hilfen (Angehörige, Freunde, Nachbarn usw.)
mit formellen Hilfen (verschiedene Einrichtungen, soziale Dienste) planmäßig,
personenbezogen zu vernetzen und zu koordinieren. Das Ergebnis ist ein
Unterstützungsplan, der erstellt wird in Absprache mit dem Klienten und in
Abstimmung mit formellen Diensten, Behörden und informellen Unterstützern.
- Intervention (Durchführung der Hilfe). Intervention bedeutet im
1
Assessment - оценка
2
Bedingung f - условие
3
ableiten - выводить
20
Unterstützungsmanagement kontrollierte Durchführung. Vor Beginn der
Managementaufgabe wird eine verpflichtende, eventuell sogar schriftliche Vereinbarung
getroffen1. Es erfolgt eine Festlegung nach Art, Umfang und Dauer der Unterstützung.
Bei der Durchführung der Hilfe hat der Case Manager eine begleitende, anwaltliche 2,
daneben aber auch eine steuernde und kontrollierende Funktion. Nötigenfalls erfolgt
eine Anpassung der Hilfestrategie an neue Erfordernisse bis schließlich die Ziele
erreicht sind.
- Monitoring (Begleitung und Überprüfung der Hilfen). Monitoring bedeutet im
Unterstützungsmanagement soviel wie Kontrolle, Überwachung. Die vereinbarte
Versorgung sowie der Veränderungsprozess des Klienten wird vom Case Manager
beobachtet und überwacht mit dem Ziel der Sicherstellung der Dienst und der
Bewältigungsleistung einer Person.
 Evaluation (Beurteilung und Bewertung der Ergebnisse). Hier wird überprüft, ob
und inwieweit das gesetzte Soll3 auch tatsächlich erreicht wurde. Case Manager und
Klient vergleichen und bewerten den Ist-Zustand der Problemlage mit dem Soll-
Zustand der anzustrebenden Lebenslage. In der Praxis erfolgt diese Einschätzung
mithilfe objektiver und subjektiver Verfahren4 (zum Beispiel Fragebogen, Interview)
oder Selbsteinschätzung des Betroffenen.

3. Aufgaben und Anregungen


Aufgaben:
1. Bestimmen5 Sie die Begriffe „Sozialpädagogik", „Sozialarbeit" und „soziale
Arbeit". Vergleichen Sie die verschiedenen Akzente dieser Begriffe. (Abschnitt 1.1)
2. Beschreiben Sie an geeigneten Beispielen die Bereiche der sozialen Arbeit. -
(Abschnitt 1.1)
3. Erläutern6 Sie die Sozialpädagogik als „Theorie und Praxis der Kinder- und
Jugendhilfe". (Abschnitt 1.2)

1
Vereinbarung treffen — заключать соглашение
2
anwaltlich — адвокатский, защищающий
3
Soll n - должное
4
Verfahren n — метод, способ
5
Bestimmen - определять
6
Erläutern - объяснять
21
4. Beschreiben Sie die lebenweltsorientierte soziale Arbeit. (Abschnitt 1.3)
5. Bestimmen Sie den Begriff „soziale Einzelhilfe" und beschreiben Sie die
Prinzipien, die in der Einzelhilfe von Bedeutung sind. (Abschnitt 2.1)
6. Erläutern Sie an einem Beispiel die Schritte des Vorgehens der sozialen
Einzelhilfe. (Abschnitt 2.1)
7. Fallbeispiel „Klaus"
Klaus, 8 Jahre, ist im Unterricht ständig zappelig 1 und unkonzentriert. Nach den
Worten seines Lehrers ist er „ständig abwesend2", verlässt regelmäßig nach der zweiten
Stunde die Klasse und geht nach Hause. Mit derzeit wird der Lehrer hilflos, die Eltern
sind verärgert. Als „Schulverweigerer3" etikettiert, wird Klaus dem Schulpsychologen
vorgeführt. Nachdem auch dieser scheitert, verschreibt der zu Rate gezogene
Kinderarzt Psychopharmaka zur Behandlung der Unruhe und ein Mittel zur Steigerung
der Konzentrationsfähigkeit. Am Ende seiner „Karriere" hat Klaus Glück, dass er in
der Kinder- und Jugendpsychiatrie auf eine engagierte 4 Ärztin trifft, der es gelingt, eine
engere Beziehung zu Klaus aufzubauen. In dieser Situation hat Klaus zum ersten Mal
die Möglichkeit, sich zu öffnen. Er beginnt zu erzählen, dass er eines Abends durch die
leicht geöffnete Tür den Streit der Eltern mit angehört habe, in dem seine Mutter unter
anderem drohte, die Familie zu verlassen. So hielt es Klaus selbstverständlich nicht
lange im Unterricht aus. Erst nachdem er siсh persönlich vergewissert hatte, dass die
Mutter noch zu Hause war, kam er für den Rest des Tages zur Ruhe.
Erläutern Sie anhand der Fallbeschreibung das Vorgehen der sozialen Einzelhilfe.
(Abschnitt 2.1)
8. Jugendarbeit findet meist in Gruppen statt.
a) Bestimmen Sie den Begriff „soziale Gruppenarbeit".
b) Zeigen Sie am Beispiel der Jugendarbeit Prinzipien und Vorgehensweise in der
sozialen Gruppenarbeit auf. (Abschnitt 2.2)
9. Bestimmen Sie den Begriff „Gemeinwesenarbeit" und erläutern Sie an einem
Beispiel, was Gemeinwesenarbeit als „Arbeitsprinzip" kennzeichnet. (Abschnitt 2.3)

1
Zappelig - непоседливый
2
Abwesend - отсутствующий
3
Schulverweigerer m - прогульщик
4
engagieren - приглашать
22
10. In einem städtischen Neubauviertel mit 20 Hochhäusern soll ein Streetworker
mit Hilfe der Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip das Problem steigender
Jugendkriminalität und zunehmender Brutalität effektiv bekämpfen. Erläutern Sie
anhand dieser Situation die Ziele dieses Arbeitsprinzips. (Abschnitt .2.3)
11. Das Stadtviertel St. Leo
Das Stadtviertel St. Leo ist vor ca. vierzig Jahren infolge des großen Zuzuges von
Arbeitskräften für eine große Autofirma entstanden; es hat in den letzten zwei
Jahrzehnten an Bewohnern erheblich zugenommen. In den letzten Jahren kamen noch
viele Aussiedler und Flüchtlinge hinzu. Gemeinnützige Vereine, aber auch die Stadt
Ausbruck selbst, haben hier für sozial schwächer gestellte Menschen Wohnblocks
errichtet. Der Stadtteil hat einen sehr hohen Anteil von Ausländern, es wohnen hier vor
allem sehr viele türkische Familien. Für die Jugendlichen gibt es dort so gut wie keine
Möglichkeiten, sich zu treffen, miteinander etwas zu machen. Viele Jugendliche wollen
in die Stadt fahren, weil dort „etwas los ist", doch die Busverbindungen zur Stadtmitte
sind vor allem abends nicht optimal.
a) Bestimmen Sie den Begriff „Gemeinwesenarbeit".
b) Beschreiben Sie mögliche Ziele, welche die Gemeinwesenarbeit in St. Leo erfordert.
(Abschnitt 2.3)
12. Sie haben als Sozialpädagogin/-pädagoge vor, mit Betroffenen ein Problem
im Gemeinwesen zu bearbeiten (zum Beispiel fehlende Kindergartenplätze, fehlender
Jugendtreff, fehlender Wohnraum). Zeigen Sie die Arbeitsweise ökologischer
Sozialarbeit anhand eines Beispiels auf (z.B. Gemeinwesenarbeit oder
Unterstützungsmanagement). (Abschnitt 2.3, 2.4.)

Anregungen1:
13. Fertigen2 Sie in Gruppen einen hierarchischen Plan zu dem Thema
„Erziehung außerhalb Familie und Schule" an: Das Thema wird in einem ersten Schritt
zu Begriffen bzw. Stichworten3 zusammengefasst. Dann werden diese Begriffe in
Oberbegriffe, Unterbegriffe, untere Unterbegriffe usw. gegliedert.
1
Anregung f — инициатива, побуждение
2
аnfertigen - выполнять
3
Stichwort n — ключевое слово
23
14. Gruppenkonflikt bearbeiten
- Beschreiben Sie auf einem Blatt Papier Konflikte, die Sie mit jemandem aus der
Klasse hatten bzw. in der Gruppe haben.
- Um die verschiedenen Aspekte eines Konfliktes zu veranschaulichen, stehen zwei
Stühle zur Auswahl. Ein Schüler, der Lust hat, seinen Konflikt vor der Gruppe
darzustellen, setzt sich nun auf einen der beiden Stühle und berichtet: „Einerseits
möchte ich ..., Vorteile dabei sind .... Nachteile, die ich sehe ..., meine Gefühle auf
diesem Stuhl ..."
- Danach wechselt er den Stuhl und äußert nun die Kehrseite 1 zu diesem Thema:
„Andererseits möchte ich ..., Vorteile dabei sind ..., Nachteile, die ich sehe ..., meine
Gefühle auf diesem Stuhl ..."
15. Auch in Ihrer Wohnsiedlung gibt es möglicherweise Defizite, welche bei den
Bürgern Unzufriedenheit auslösen. Um Veränderungswünsche festzustellen, könnten Sie
mit Ihren Mitschülern eine Bewohnerbefragung durchführen. Das Interview könnte
nach folgenden Fragen ablaufen:
- Womit sind Sie im Bezirk zufrieden?
- Womit sind Sie unzufrieden?
- Was könnte Ihrer Meinung nach getan werden?
- Meinen Sie, dass Sie selbst an Veränderungen mitwirken könnten?
- Wie lange wohnen Sie schon im Bezirk?
- Welche Kontakte pflegen Sie innerhalb oder außerhalb des Wohngebiets?
16. Rollenspiel: „ Wir wollen in St. Leo einen Jugendtreff"
- Lesen Sie die Fallbeschreibung „Das Stadtviertel St. Leo" in Aufgabe 11. Es ist eine
Initiativgruppe entstanden, die im Leoviertel einen Jugendtreff errichten will.
- Führen Sie in der Gruppe ein Rollenspiel durch: „Wir wollen in St. Leo einen
Jugendtreff" Team 1: Initiativgruppe, die sich vornehmlich aus Jugendlichen, aber auch
aus einigen Erwachsenen aus dem Leoviertel zusammensetzt.
Team 2: Vertreter des Stadtrates (Äußerungen zu gemachten Wahlversprechen; sonstige
Planungen).
Team 3: Vertreter des Stadtjugendringes sowie des Jugend- und des Sozialamtes.
1
Kehrseite f - обратная сторона
24
Team 4: Einige Jugendliche aus dem Leoviertel, die nicht der Initiativgruppe angehören;
darunter befinden sich auch viele ausländische Jugendliche.
 Werten Sie die Ergebnisse des Rollenspiels gemeinsam aus.

25
Kapitel II.
HEIL- UND SONDERPÄDAGOGIK
1. Pädagogik als Wissenschaft

Leitfragen:
Was versteht man unter Pädagogik, was unter Erziehungswissenschaft?
Womit beschäftigen sich Pädagogik und Erziehungswissenschaft?
Welche Disziplinen kennt die Pädagogik?

1.1. Die Begriffe „Pädagogik" und „Erziehungswissenschaft"


Die meisten Wissenschaften kennen für ihre Wissenschaft nur einen Namen: Der
Psychologe bezeichnet „seine" Wissenschaft als Psychologie, der Biologe als Biologie
und der Mediziner als Medizin. Bei den Pädagogen ist das anders: Für „ihre"
Wissenschaft gibt es zwei Begriffe: Pädagogik und Erziehungswissenschaft1.
Der ältere Begriff von diesen beiden, Pädagogik, stammt aus dem Griechischen.
Als „pai-dagogös“2 wurde ursprünglich jener Diener bezeichnet, der das Kind zur
Schule begleiten sollte. Dieses „Führen der Kinder" erhielt dann zunehmend die
Bedeutung von „Erziehen" in einem umfassenden Sinn.
Zunächst war Pädagogik eine Sammelbezeichnung für alle Formen, die das
praktische Erziehungsgeschehen3 betrafen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch
von Erziehungspraxis.
Erziehungspraxis bezeichnet das Handeln4 in konkreten erzieherischen Situationen, das
ein bestimmtes Ziel verfolgt.
Als Wissenschaft musste die Pädagogik natürlich eigene und eindeutige Begriffe
entwickeln, sie musste sich abgrenzen können von subjektiven Meinungen über
Erziehung und sie musste das Verhältnis von Erziehungspraxis und wissenschaftlicher
Erziehungstheorie genau bestimmen. Es bestand somit zunehmend Bedarf an einem
Begriff, der allein die wissenschaftliche Erhellung des Erziehungsgeschehens
bezeichnete: der Begriff Erziehungswissenschaft. Gegenüber dem vieldeutigen Begriff

1
Erziehungswissenschaft f - наука о воспитании, педагогика
2
päis (griech.): das Kind; agein (griech.j: fuhren, leiten, ziehen)
3
Erziehungsgeschehen n – процесс воспитания
4
das Handeln- деятельность
26
Pädagogik sollte durch die Einführung dieses neuen Begriffes ihre Wissenschaftlichkeit
dokumentiert werden.
Nach diesen Überlegungen können die beiden Begriffe Pädagogik und Erziehungs-
wissenschaft folgendermaßen voneinander abgegrenzt werden:
Unter Pädagogik werden sowohl alle Formen des praktischen
Erziehungsgeschehens als auch die wissenschaftliche Erhellung1 der
Erziehungswirklichkeit verstanden.
Erziehungswissenschaft bezeichnet die wissenschaftliche Erhellung des
Gegenstandsbereiches der Erziehung, der Erziehungswirklichkeit.
Der Gegenstand der Pädagogik ist die Erziehungswirklichkeit. Die Erforschung
dieser Wirklichkeit bezieht sich auf Vorstellungen über Erziehung, die Beziehung
zwischen Erzieher und zu Erziehendem2, Ziele und Handlungen in der Erziehung, auf
Voraussetzungen und Bedingungen der Erziehung sowie auf Erziehungseinrichtungen.
Um die Erziehungswirklichkeit in den Griff3 zu bekommen, haben sich bestimmte
Teilgebiete entwickelt, die als Disziplinen der Pädagogik bezeichnet werden.

1.2. Disziplinen der Pädagogik


Die Disziplinen der Pädagogik beziehen sich jeweils auf einen bestimmten
Teilbereich der Erziehungswirklichkeit und betreffen sowohl das praktische
Erziehungsgeschehen als auch wissenschaftlich-theoretische Bemühungen4 dieses
Geschehens.
- Allgemeine Pädagogik
Die allgemeine Pädagogik, manchmal auch systematische Pädagogik genannt, versucht
grundlegende Erkenntnisse über den Gegenstandsbereich der Pädagogik, die
Erziehungswirklichkeit, zu gewinnen und diese Erkenntnisse zu systematisieren.
- Geschichte der Pädagogik
Die Geschichte der Pädagogik verfolgt die Entfaltung von erzieherischen Ideen und
Vorstellungen in der Vergangenheit, beschäftigt sich mit der Erziehungswirklichkeit in

1
Erhellung f - объяснение
2
zu Erziehender - воспитуемый
3
in den Griff zu bekommen – овладеть, разобраться
4
Bemühung f - основа
27
den einzelnen Epochen und befasst sich mit der Interpretation von Texten und mit dem
Leben und Werk bedeutender Pädagogen der Vergangenheit.
- Schulpädagogik
Die Schulpädagogik setzt sich mit der Erziehung, dem Lehren und Lernen in der
Institution Schule auseinander1. Eng mit der Schulpädagogik hängt die Didaktik
zusammen, die sich mit dem Lehren und Lernen generell, also nicht nur in der Schule,
beschäftigt.
- Berufspädagogik
Die Berufspädagogik behandelt und klärt alle mit Beruf und Arbeitswelt
zusammenhängenden2 erzieherischen Fragen.
- Freizeitpädagogik
Die Freizeitpädagogik möchte Hilfen für sinnvolle Freizeitgestaltung bieten und den
Einzelnen befähigen3, den Spielraum persönlicher Freiheit gegenüber den verschiedenen
Interessengruppen zu behaupten.
- Sexualpädagogik
Sexualpädagogik befasst sich mit Aspekten der menschlichen Sexualität und den damit
verbundenen erzieherischen Konsequenzen.
- Medienpädagogik
Die Medienpädagogik beschäftigt sich mit allen erzieherischen Fragen, Problemen und
Themen, die mit den verschiedenen Medien zusammenhängen. Ein Teilbereich der
Medienpädagogik ist die Medienerziehung, unter der man die Erziehung zum
kritischen
Umgang mit Medien versteht.
- Sozialpädagogik
Die Sozialpädagogik bezeichnet denjenigen Teil der sozialen Arbeit, der sich auf die
Erziehung außerhalb Familie, Schule und Berufsausbildung bezieht und auf
Bewältigung und Verhinderung von unterschiedlichen Notsituationen individueller und
sozialer Art abzielt.

1
auseinander setzen sich – заниматься чем-либо
2
zusammenhängend – связанный
3
den Einzelnen befähigen – научить каждого человека
28
- Heil- bzw. Sonderpädagogik1
Die Heil- bzw. Sonderpädagogik ist die Theorie und Praxis der Erziehung von
Menschen, bei denen spezielle Lern- und Erziehungshilfen notwendig sind. Ihr
Gegenstand ist also die Erziehung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die im
Rahmen der allgemeinen und üblichen2 Erziehung nicht hinreichend gefördert3 werden
können und deshalb spezieller Hilfe bedürfen.
- Erwachsenenbildung
Erwachsenenbildung, im Fachausdruck Andragogik genannt, versteht sich als
organisiertes Lernen nach Schule und Berufsausbildung im Erwachsenenalter. Die
bekannteste Einrichtung der Erwachsenenbildung ist die Volkshochschule.
1) Bestimmen Sie die Begriffe „Pädagogik“ und
Aufgaben „Erziehungswissenschaft“ und grenzen Sie beide Begriffe
und
Anregunge
voneinander ab.
n 2) Erläutern Sie wichtige Disziplinen der Pädagogik und
veranschaulichen Sie diese an je einem Beispiel.
3) Fragen Sie Ihre Verwandten und Bekannte, welche Bedeutung sie mit dem Wort
„Pädagogik“ verbinden, was sie unter Pädagogik verstehen. Notieren Sie die Antworten
und diskutieren Sie darüber in Ihrer Klasse.

2. Heil- und Sonderpädagogik

Leitfragen:
Was versteht man unter Heil- bzw. Sonderpädagogik?
Was ist der Gegenstand der Heil- bzw. Sonderpädagogik?

2.1 Der Begriff „Heil- bzw. Sonderpädagogik"


Nicht bei allen Kindern und Jugendlichen reicht die landläufige 4 Erziehung aus,
sie benötigen zusätzliche und spezielle pädagogische Methoden und Maßnahmen, z.B.
ein geistig Behinderter5 oder ein Kind mit großen Angsterscheinungen zum Beispiel
benötigen eine besondere individuelle pädagogische Hilfe.
Mit Menschen, die im Rahmen einer allgemeinen Erziehung nicht hinreichend

1
Sonderpädagogik f – коррекционная педагогика
2
üblichen – обычный, общепринятый
3
fördern – поддерживать, содействовать
4
landläufig - общепринятый, принятый в данной стране; распространённый
5
ein geistig Behinderter – человек с умственными ограничениями
29
gefördert werden können und deshalb besonderer Hilfe bedürfen, befasst sich die Heil-
bzw. Sonderpädagogik.
Die Heil- bzw. Sonderpädagogik wird also unter dem Aspekt spezieller
Erziehungshilfen bei Lern- und Erziehungshindernissen1 gesehen und bezieht sich als
spezielle Pädagogik auf alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen mit besonderem
Lern-und Erziehungsbedarf. Sie hat es also mit Personen aller Altersstufen zu tun, bei
denen eine „besondere" Erziehung mit entsprechenden Zielen, Methoden und
Maßnahmen notwendig ist, und bezieht sich auf alle Erziehungsinstitutionen mit
speziellem Erziehungsauftrag2. Dabei ist nicht nur die pädagogische Praxis gemeint, sondern auch
die Theorie über die Erziehung dieser Menschen.
Heil- bzw. Sonderpädagogik ist die Theorie und Praxis der Erziehung von Menschen, bei
denen spezielle Lern- und Erziehungshilfen notwendig sind.
„Heilpädagogik" ist der ältere Begriff und bedeutet nicht ein auf „Heilung"
abzielendes Lehrsystem, sondern eine ganzheitliche Förderung des Beeinträchtigten mit
seinen persönlichen Eigenarten und Begabungen in seinem gesamten sozialen Umfeld.
Der Begriff „Sonderpädagogik" will dagegen die „besondere" Erziehung mit
„besonderen" Zielen, Methoden und Maßnahmen hervorheben. Dieser Begriff ist von
seiner Geschichte her sehr von der Sonderschule 3 - heute Förderschule - bestimmt und
wird nahezu ausschließlich im Bereich der Sonderschullehrer und im Sinne der
Sonderschulpädagogik verwendet.
Dabei ist die Heil- bzw. Sonderpädagogik auf andere Wissenschaften angewiesen,
insbesondere auf die Medizin und Psychologie.
Die Heilpädagogik hat also zum einen Behinderungen4 und zum anderen
Erlebens- und Verhaltensstörungen5 zum Gegenstand. Aufgabe der Heil- bzw.
Sonderpädagogik ist es nun, die Ursachen und die Entstehung von Behinderungen
sowie von Erlebens- und Verhaltensstörungen zu erforschen sowie Methoden und

1
Lern- und Erziehungshindernissen – трудности при обучении и воспитании
2
Erziehungsauftrag m – зд.: воспитательные задачи
3
Sonderschule f - специальная школа (для слепых, глухих и т. п. детей), вспомогательная школа (для
умственно отсталых детей)
4
Behinderung f - ограничение
5
Verhaltensstörung f - нарушение нормального поведения; нарушение правильного отношения к
окружающему
Erlebensstörungen f – нарушение эмоциональной сферы
30
Maßnahmen zu finden und zu begründen, die über die übliche Erziehung hinausgehen.

1) Bestimmen Sie den Begriff „Heil- bzw. Sonderpädagogik".


Aufgaben
und 2) Zeigen Sie an je einem Beispiel den Gegenstand der Heil-
Anregunge
n bzw. Sonderpädagogik auf.

3. Behinderung als Gegenstand der Heil- bzw. Sonderpädagogik

Leitfragen:
Was versteht man unter Behinderung? Welche Arten von Behinderung kennt die Heil-
bzw. Sonderpädagogik?
Welche Aufgabenfelder hat die Behindertenarbeit?
Welche Bedeutung hat die Integration für die behinderten Menschen?

Behinderte sind Menschen, die in ihren körperlichen bzw. geistig-seelischen


Fähigkeiten durch Krankheit beeinträchtigt sind. Man kann zwischen erworbenen1 (z. B.
Verletzungs-, Unfallfolgen) und angeborenen (z. B. erbliche Stoffwechselstörungen,
vorgeburtliche Hirnschädigungen, angeborene Fehlbildungen) Behinderungen
unterscheiden. Eine besondere Bedeutung hat die medizinische, psychologische,
heilpädagogische und soziale Behandlung, Förderung, Ausbildung und Hilfe für die
behinderten Kinder.
2006 waren in Deutschland insgesamt rund 6,6 Mio. Schwerbehinderte registriert,
rund 52% davon männlichen Geschlechts. Rehabilitation und Teilhabe behinderter
Menschen regelt das Sozialgesetzbuch.
Bei einer Behinderung liegen grundsätzlich (eine) funktionelle Schädigung(en)2
und Funktionseinschränkung(en) vor.
Behinderung ist also immer die Folge einer Schädigung. Im Alltag wird meist die
zugrunde liegende Schädigung nicht von der damit verbundenen Behinderung getrennt.
Von einer Behinderung spricht man, wenn
- eine funktionelle Schädigung vorliegt, die zu bestimmten

1
еrworben - приобретенный
2
Schädigung f - повреждение, поражение
31
Funktionseinschränkungen führt,
- die Folgen dieser Schädigung nicht wie bei einer Krankheit nach relativ kurzer
Zeit geheilt werden können, also langfristig sind,
- als Folge dieser Schädigung eine Beeinträchtigung1 im Erleben und Verhalten der
betroffenen Person2, in ihrem Leben und/oder in ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen
Leben vorliegt, die Folgen dieser Schädigung also für den gesamten Leben der
betroffenen Menschen unzumutbare Auswirkungen haben und
- aufgrund dieser Beeinträchtigung besondere Hilfen durch die Gesellschaft
erforderlich sind.
So gilt zum Beispiel eine Person als behindert, die in ihrem Lernverhalten3 aufgrund
einer Hirnverletzung4 langfristig und umfänglich in ihrer Entwicklung eingeschränkt und
bei der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben dauerhaft auf die Mithilfe von anderen
Menschen angewiesen ist. Wer ein Bein gebrochen hat, gilt nicht als behindert, weil die
nachweisbare körperliche Schädigung zwar umfänglich, aber nicht langfristig ist.
Behinderung ist die Bezeichnung für eine längerfristige Beeinträchtigung im Erleben und
Verhalten einer Person, in ihrem Leben und/oder in ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen
Leben, die Folge einer funktionellen Schädigung ist und besondere gesellschaftliche Hilfen
erforderlich macht.
Wie stark die Folgeerscheinungen einer Schädigung im Einzelfall sind, hängt von
den jeweiligen gesellschaftlichen, familiären und persönlichen Gegebenheiten 5 ab. So
kann die gleiche Schädigung in Abhängigkeit von den genannten Umständen zu einer
leichten oder zu einer schweren Behinderung führen.

4. Arten von Behinderungen


Entsprechend der unterschiedlichen Schädigungen kann man verschiedene Arten
der Behinderung unterscheiden:
- geistig Behinderte, die im Bereich der Intelligenz und des Denkens beeinträchtigt 6
1
Beeintrachtigung f- нанесение вреда (ущерба)
2
die betroffene Person – касающегося, относящегося (к этому) человека
3
Lernverhalten n - отношение к учебе
4
Hirnverletzung f - повреждение (головного) мозга, мозговая травма
5
Gegebenheit f - условие
6
beeinträchtigen - оказывать отрицательное влияние; причинять вред [ущерб], (по)вредить; ухудшать

32
sind,
- Lernbehinderte, die in ihrem Lernen und damit in ihren Schulleistungen ein ge-
schränkt sind, dass sie in einer Normalschule nicht hinreichend gefördert werden kön-
nen,
- Sprachbehinderte, die in ihrer Mitteilungs- und Ausdrucksfähigkeit1 sowie in ihrem
Sprachverständnis2 beeinträchtigt sind,
- Sinnesbehinderte3, die in ihrer Wahrnehmung (zum Beispiel Sehen, Hören) einge-
schränkt sind, also Sehbehinderte4, Blinde, Schwerhörige und Taube,
- Körperbehinderte5, die in ihrer Bewegungsfreiheit und/oder in ihrer Feinmotorik6
erheblich und dauerhaft eingeschränkt sind.
Liegt bei einer Person eine Behinderung - zum Beispiel eine Körperbehinderung -
vor, so spricht man von Einfachbehinderung. In einer groben Klassifizierung kann der
Zusammenhang zwischen Schädigung und Einfachbehinderung folgendermaßen darge-
stellt werden:

Schädigung führt zu Art der Behinderung


Hirnschädigung, geistiger Behinderung,
Schädigung des Zentralnervensystem Lernbehinderung, Sprachbehinderung
Schädigung der Sprachorgane Sprachbehinderung
führt zu
Sinnesschädigung Sinnesbehinderung,
Sprachbehinderung
Schädigung des körperlichen Stütz- und Körperbehinderung,
Bewegungssystems, Sprachbehinderung
Missbildung der Bewegungsorgane

4.1. Was ist eine Körperbehinderung?


Unter einer Körperbehinderung versteht man eine Schädigung der körperlichen
Funktionen einer Person infolge einer angeborenen oder erworbenen Schädigung des
Stütz- und Bewegungsapparates und/oder einer chronischen Erkrankung. Eine weitere
Differenzierung des Begriffs der Körperbehinderung könnte folgendermaßen aussehen:
1
Mitteilungs- und Ausdrucksfähigkeit f – способность высказываться и формулировать свои мысли
2
Sprachverständnis n – понимание речи (говорящего)
3
Sinnesbehinderte m – человек с нарушениями зрения
4
sehbehindert - c повреждением (нарушением) зрения; er ist sehbehindert — он инвалид по зрению, у
него повреждено [нарушено] зрение
5
Korperbehinderte m, f - человек с заболеваниями опорно-двигательного аппарата
6
Feinmotorik f – мелкая моторика
33
1) Schädigung des Zentralnervensystems, die zu einer cerebralen
Bewegungsstörung (50 % aller Kinder mit einer Körperbehinderung fallen hierunter),
2) Schädigung der Muskulatur und des Skelettsystems,
3) chronische Krankheiten und Fehlfunktionen der Organe, wie z.B. Rheuma,
Asthma bronchiale, Diabetes mellitus, angeborene Herzfehler, chronische
Nierenerkrankungen, Bluterkrankheit, Krebserkrankungen und AIDS.
Allerdings sollte man aufgrund einer Körperbehinderung keine Rückschlüsse 1
bezüglich der Intelligenz2 des Betroffenen ziehen.

4.1.1 Paralympics: Die besten körperlich behinderten Sportlerinnen und Sportler


der Welt treffen sich an den Olympischen Spiele
  Die Olympischen Spiele sind das wichtigste Sportereignis der Welt. Um dort
antreten zu können, müssen die Sportler daher körperlich topfit sein. Menschen mit
Behinderungen haben keine Chance, oder doch?
Olympische Spiele für behinderte Sportler wurden erstmals 1960 in Rom
ausgetragen. Seit 1976 gibt es auch paralympische Winterspiele. Paralympics ist ein
Begriff, der aus zwei englischen Wörtern zusammengesetzt ist: aus "paralyzed"
(=gelähmt) und aus "Olympics" (= Olympische Spiele).
Die Paralympics finden alle vier Jahre statt, immer an dem Ort, wo auch die
Olympischen Spiele ausgetragen wurden. Sie finden immer kurz vor oder nach den
„normalen“ Sommer- oder Winterspielen statt.
Die Paralympics wurden 1948 von dem Arzt Ludwig Guttmann ins Leben
gerufen. Er betreute in einem englischen Krankenhaus ehemalige Soldaten, die im
Zweiten Weltkrieg verletzt worden waren. Der Arzt sah zufällig, mit welcher
Begeisterung die Behinderten Rollstuhl-Polo spielten. Der Arzt erkannte, dass Sport gut
war für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Er verordnete allen seinen Patienten
Sportübungen. Vier Jahre später lud Dr. Guttmann andere Behinderte zu Wettkämpfen
auf sein Krankenhausgelände ein. Seitdem finden diese Treffen jedes Jahr statt.

1
Ruckschluss m- вывод, заключение
2
Intelligenz f - ум, интеллект; развитие

34
Heutzutage sind die Paralympics das größte Sportereignis für behinderte Sportler.
Auch die Zeitungen und das Fernsehen berichten über ihre Wettbewerbe. Das Interesse
an den Paralympics wächst von Mal zu Mal. Daran nehmen etwa 4000 Athleten aus 140
Ländern in verschiedenen Sportarten teil.
Eine weitere Besonderheit gibt es. Jeder Sportler, der an den Paralympics
teilnimmt, wird nach der Schwere seiner Behinderung eingestuft. Nur gleichwertige
Gegner treten gegeneinander an. Deshalb treten bei den Paralympics die Sportler in drei
Gruppen gegeneinander an: Es gibt spezielle Wettbewerbe für blinde und sehbehinderte
Athleten, andere Disziplinen richten sich an Sportler mit fehlenden Gliedmaßen, die
stehen, und die letzte Gruppe bilden die sitzenden Paraolympioniken, denen zum
Beispiel beide Beine fehlen oder deren Beine gelähmt sind. Geistig behinderte und
hörgeschädigte Sportler nehmen dagegen nicht an den Wettkämpfen teil.
Die Sportler mit Handicap treten in denselben Sportarten an wie ihre nicht
behinderten Kollegen. Neben den herkömmlichen Sportarten wie Judo, Gewichtheben
oder Rudern gibt es dort auch spezielle Disziplinen wie Rollstuhlbasketball oder
Sitzvolleyball. So steht zum Beispiel Fußball für Blinde auf dem Programm. Je vier
Spieler und ein Torwart treten gegeneinander an. Jeder hat allerdings einen Begleiter.
Die Paraolympioniken messen sich in fünf Wintersportarten: Schlitten-Eishockey,
Rollstuhl-Curling, Langlauf, alpiner Skilauf und Biathlon.

4.2 Was ist eine Hörbehinderung?


Hörbehinderungen1 können auf Störungen des peripheren und des zentralen
Anteils des Hörganges2 zurückgehen. Dabei kann die Fähigkeit des Hörens bei einer
Hörbehinderung von völliger Taubheit über Hörrestigkeit3 und Schwerhörigkeit bis zur
annähernden Normalhörigkeit gehen. Der Hörverlust kann sich dabei auf verschiedene
Frequenzbereiche4 beziehen.
In der heutigen Medizin gibt es aber die Möglichkeit, gehörlosen Kindern durch
eine Cochlear Implantation eine Sprachwahrnehmung zu verschaffen. Hierbei wird bei
1
Hörbehinderung f - ограничения по слуху
2
Hörgang m – ушной проход
3
Hörrestigkeit f – остаток слуха
4
Frequenzbereich m - диапазон частот
35
intaktem1 Hörnerv und bei intakter Funktion der Hörbahn zum Gehirn eine technische
Hörhilfe operativ eingesetzt. Zu den besonderen Methoden der Gehörlosenerziehung
zählen darüber hinaus verschiedene Gebärdenarten2 und Handzeichensysteme, wodurch
eine Kommunikation als verbindendes Element zwischen den Betroffenen und deren
Umfeld ermöglicht werden kann.

4.2.1 Mit den Händen reden


Als gehörlos werden die Menschen bezeichnet, die von Geburt
an nicht gehört haben und deshalb nie "normal" sprechen lernen
konnten. Andere Menschen mit Hörbehinderung sind im Laufe
ihres Lebenstaubs geworden - etwa durch einen Unfall - oder
hören mit der Zeit immer weniger, sind also schwerhörig.
Das Sprechen fällt den meisten schwerhörigen oder ertaubten
Menschen leicht, weil sie es als Kinder erlernt haben. Auch
wenn sie irgendwann nicht mehr hören, was sie selber sagen,
können sie sich meist noch gut daran erinnern, wie sie die Worte
aussprechen müssen. Gehörlose, die niemals hören konnten,
haben dagegen viel mehr Schwierigkeiten damit, Worte
richtig und verständlich auszusprechen.
Viele hörgeschädigte Menschen haben es mit der Zeit gelernt, ihren Gesprächspartnern
so genau auf die Lippen zu sehen, dass sie alle Sätze verstehen, ohne sie zu hören. Allerdings
erfordert dies sehr viel Übung. Eine sehr gute Möglichkeit für Hörgeschädigte, sich im Alltag
zu verständigen, ist die so genannte Gebärdensprache3.
Gehörlose Menschen benutzen ihre Hände, den Oberkörper und ihren
Gesichtsausdruck, um sich verständlich zu machen. Und statt mit den Ohren "hören" sie mit
den Augen. Auch die Mimik (die Sprache des Gesichts) spielt eine große Rolle. Wie bei den
gesprochenen Sprachen gibt es zehntausende Vokabeln und natürlich auch eine eigene
Grammatik.
Meist kann nur einer aus der Familie nicht hören
1
intakt - здоровый, интактный, функционирующий
2
Gebärdenarten pl - виды жестов
3
Gebärdensprache f - язык жестов
36
In Deutschland ist etwa einer unter 1000 Menschen gehörlos. Einige Kinder werden
schon mit einem Hörschaden geboren, die meisten allerdings ertauben erst später: durch
Krankheiten, wie Hirnhautentzündung und Röteln, oder durch Unfälle. Aber auch als
Erwachsener kann man noch das Gehör verlieren. Marlene gehört zu der kleineren Gruppe von
Kindern, deren Eltern ebenfalls gehörlos sind. Die meisten Kinder wachsen in hörenden
Familien auf. Neben den Kindern lernen Eltern, Betreuer und Lehrer die unhörbare Sprache. An
Universitäten werden sogar extra Dolmetscher ausgebildet, die wichtige Informationen für
Gehörlose übersetzen können.
Nicht gleich ist die Gebärdensprache auf der Welt
Seit es Menschen gibt, gibt es welche, die schwerhörig sind oder gar nichts hören
können. Ihre Sprache ist entstanden, wie unsere hörbare Sprache. Allerdings erschwert
dadurch, dass es immer nur wenige Gehörlose an einem Ort gab. Seitdem wuchs die Sprache
und hat sich verändert, in jeder Region anders. Ein englischer Gehörloser versteht also einen
Deutschen nur, wenn der die deutsche Gebärdensprache als Fremdsprache gelernt hat. Es gibt
sogar Dialekte, deren Gebärden sich zum Teil recht stark unterscheiden können. So existiert
neben der deutschen Gebärdensprache (DGS) die österreichische (ÖGS) und die
Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS).
Deswegen gibt es auch keine internationale Gebärdensprache, sondern einzelne
Landessprachen, also Deutsch, Englisch oder Französisch. Sogar Dialekte gibt es: In Bayern
"gebärdet" man etwas anders als in Thüringen.
Zweisprachiger Unterricht
Die hörgeschädigten Kinder besuchen eine Schule für Schwerhörige und Gehörlose. So
in der Samuel-Heinicke-Schule (Hamburg) werden alle Schüler seit der ersten Klasse
"bilingual" unterrichtet. Das bedeutet: Erst lernen sie die Gebärdensprache. Dann unterrichtet
man mit Hilfe der Gebärden die gesprochene Sprache. Sie lernen von den Lippen abzulesen,
geschriebenes Deutsch zu verstehen und selbst schreiben zu können. Dazu müssen die beiden
natürlich auch noch Biologie und Mathematik büffeln. Oft unterrichten zwei Lehrerinnen
gleichzeitig: eine hörende Lehrerin, die gebärdet, und eine zweite Lehrerin ohne Gehör. Die
passt dann auf, dass jeder wirklich alles versteht.
Gehörlose sind Technik-Freaks

37
Man könnte fast meinen, Fax, Internet und Emails wären extra für Gehörlose erfunden
worden, so beliebt sind die elektronischen Hilfsmittel. Für einige Menschen ist faxen so
normal, wie für andere telefonieren. Per SMS sagen sie den Verwandten, wenn es einmal
später wird. Und sie chatten leidenschaftlich, denn über das Internet klappt die Verständigung
problemlos. Und auch sonst nutzen Gehörlose alle Tricks aus der Technikwelt. Lichtsignale
wecken, wenn es ans Aufstehen geht und signalisieren, dass das Telefon klingelt. Auch
Bildtelefone sind eine super Lösung, weil man sehen kann, was der andere gebärdet.
Aber alle Gehörlosen wünschen sich gern von normal hörenden Kindern unterhalten.
Alle möchten mehr Kontakt zu Hörenden, damit alle verstehen: Sie sind ganz normale
Menschen.

4.3 Die Sehbehinderung


Durch eine Sehbehinderung1 kann das Sehvermögen2 in sehr unterschiedlicher Art
und Weise geschädigt sein. Es gibt hierbei verschiedene Gradabstufungen der
Sehschädigungen, sie reichen von völliger Blindheit über hochgradige Sehbehinderung
und Sehbehinderung in einem fließenden Übergang bis zur annähernden
Normalsichtigkeit.
Bereits bei der ersten interaktionalen Beziehung zwischen Mutter und Kind
kommt es zu Schwierigkeiten. Das blinde oder sehbehinderte Kind kann nicht die
„normalen“ Signale geben oder empfangen und dadurch kommt es vielfach zu
Irritationen und Stress bis zur Kontaktvermeidung oder Ablehnung von Seiten der
Bezugsperson. Darüber hinaus stellen alle Alltagssituationen eine besondere
Herausforderung an die Betroffenen dar.

4.3.1 Louis Braille


oder die Schrift für die Sehbehinderte, die von einem Kind erfunden wurde

1
Sehbehinderung f – ограничение по зрению
2
Sehvermögen n - зрение
38
Louis Braille wurde vor nunmehr fast 200 Jahren - im Jahr 1809 - in Coupvray,
einer kleinen Stadt nicht weit von Paris, geboren.
Louis war gern in der Werkstatt1. Er wusste, dass die Werkzeuge gefährlich
waren, denn auch sein Vater hatte sich schon mehrere Male an der Hand oder am Finger
verletzt. Eigentlich war Louis immer sehr vorsichtig, wenn er damit spielte, aber eines
Tages geschieht dann doch ein Unglück.
Der dreijährige Louis verletzt sich mit einer Ahle am Auge. Zuerst glauben alle,
die Verletzung sei nicht gravierend, aber nach kurzer Zeit infiziert sich das Auge. Nach
wenigen Tagen war seine Sehkraft verloren und die Infektion hatte auch das zweite,
unversehrte Auge ergriffen, das ebenfalls völlig erblindete. Die erste Zeit, als Louis und
seine Familie sich damit abfinden mussten, dass er nun nicht mehr sehen konnte, war
sehr hart. Doch Louis und seine Eltern wollten nicht aufgeben. Sie wandten sich an den
Pfarrer und den Lehrer ihrer Gemeinde. Die beiden hatten Verständnis und erlaubten
dem kleinen Louis als es so weit war, zusammen mit seinen sehenden Altersgenossen
die Schule zu besuchen. Hier in der Schule konnte er natürlich nur das lernen, was er
hörte, und weil er auch nicht schreiben konnte, musste er sich alles gut merken. Die
meisten hatten erwartet, dass Louis eine Menge Probleme in der Schule haben würde,
aber es kam ganz anders: Bald war der blinde Louis der Beste seiner Klasse!
Louis besucht das Blindeninstitut in Paris
Doch Louis wollte lesen lernen. Dann hörte sein Vater von einer Schule in Paris,
die vor wenigen Jahrzehnten speziell für Blinde erbaut worden war, und schickte den
erst zehnjährigen Louis dorthin.
Valentin Haüy, der Gründer des Instituts, war ein fortschrittlicher Mann. Er
wusste, wie wichtig es auch für Blinde war, lesen zu können. So entwickelte er als erster

1
Werkstatt f - мастерская
39
eine Art Blindenschrift und ließ mehrere Bücher in dieser Schrift herstellen.
Diese erste Blindenschrift bestand aus Buchstaben, die mit Kupferdraht in die
entsprechende Form gebogen und auf das Papier aufgebracht waren. Beim Lesen
mussten die Schüler jeden Buchstaben einzeln ertasten, Buchstabe für Buchstabe zu
einem Wort zusammensetzen. Leider waren die Bücher sehr unhandlich und schwer.
Dennoch hatte Louis die Schrift schnell erlernt und nach und nach alle vierzehn
Bücher, die es in der Schule in dieser Schrift gab, gelesen. Louis erkannte, dass selbst
für Geübte das Lesen auf diese Weise sehr mühsam war. Und es war vor allen Dingen
sehr teuer, solche Bücher für Blinde herzustellen.
Während seiner Schulzeit in Paris hatte Louis die Gelegenheit, sich mit der Musik
zu beschäftigen. Er liebte die Musik sehr und lernte, Cello 1 und Orgel zu spielen - dabei
konnte er die Noten gar nicht lesen und spielte nur nach Gehör! Bereits nach kurzer Zeit
war ein so hervorragender Organist, dass er in den Kirchen von ganz Paris spielen
durfte. Louis verdiente also Organist so viel Geld, dass er eigentlich gut davon leben
konnte.
Louis erfindet die moderne Blindenschrift
Eines Tages im Jahr 1821 besuchte die Blindenschule von Paris Charles Barbier,
ein Soldat der französischen Armee, um dort seine Erfindung vorzustellen. Es war eine
Schrift, die ursprünglich für Soldaten entwickelt worden war. Die Soldaten sollten mit
dieser Schrift nachts, auch in völliger Dunkelheit lesen können. Eine solche Schrift
musste also auch für Blinde geeignet sein, dachte Barbier, und davon war man auch am
Pariser Blindeninstitut überzeugt.
Barbiers Schrift beruhte auf einem System von zwölf Punkten und
Gedankenstrichen, sich vom glatten Papier abhoben. Durch verschiedene
Kombinationen ließen sich alle Buchstaben des Alphabets gut darstellen, man musste
die Symbole nur sorgfältig ertasten und in Laute übersetzen. Aber auch diese Schrift
war der Schrift der Sehenden nicht ebenbürtig, weil sie noch immer zu viel Platz
brauchte.
Louis hatte schon viel über den Armee-Code nachgedacht und hatte bereits eine
Idee, wie er diesen Code vereinfachen könnte. Louis wollte eine Schrift, die mit
1
Cello ['tse-] n - виолончель
40
möglichst einfachen Symbolen auskam; deshalb sollten nur Punkte verwendet werden.
Eines Tages, er saß gerade bei seinem Vater in der Werkstatt, hatte er die
entscheidende Idee! Zwölf Jahre nach seinem Unfall nahm er wieder eine Ahle in die
Hand und drückte sechs Punkte - wie auf einem Würfel angeordnet - in einen festen
Karton. Diese sechs Punkte, so hoffte er, sollten ausreichen, um die benötigten
Kombinationen für alle Buchstaben des Alphabets herzustellen.
Dieses einfache und ebenso geniale System funktionierte perfekt! Mit dieser
Schrift konnten Blinde nicht nur sehr schnell lesen, sondern - und das ist genauso
wichtig - auch selbst schreiben! In den späten 20er Jahren erarbeitete Louis noch
spezielle Blinden-Codes für die Mathematik und Musik. Bereits im Jahr 1827 wurde das
erste Buch in Braille-Schrift veröffentlicht.
Heute ist das Königlich-Nationale Institut der Blinden (England) das größte
Verlagshaus in Europa für Druckerzeugnisse in der Braille-Schrift und die größte
Organisation für Blinde und Sehbehinderte in Großbritannien. Seit den 90er Jahren des
20. Jahrhunderts ist die Braille-Blindenschrift die weltweit gültige Standard-
Blindenschrift.

4.4 Was ist eine geistige Behinderung?


Eine geistige Behinderung zeigt1 sich durch die mehr oder weniger vorhandene
Unfähigkeit2, Zusammenhänge logisch zu erfassen und in ein altersgerechtes 3, für den
Menschen mit geistiger Behinderung durchschaubares4 System einzuordnen,
Erfahrungen auf ähnliche Situationen zu übertragen, zwischen logischem und
chronologischem Zusammenhang sicher zu unterscheiden und langfristig, manchmal
auch kurzfristig, zu planen.
Das auffälligste5 Symptom von geistiger Behinderung ist die verminderte
intellektuelle Leistungsfähigkeit6, häufig verbunden mit einem gestörten
Sozialverhalten.
1
zeigen sich - проявляться
2
Unfähigkeit f - неспособность
3
altersgerecht - отвечающий возрастным потребностям, соответствующий возрасту
4
anschaubar - понятный (для кого-либо)
5
auffaellig – бросающийся в глаза, выделяющийся
6
Leistungsfähigkeit f - работоспособность
41
4.4.1 Menschen mit Down-Syndrom: Eingliederung in die Gesellschaft
Menschen mit Down-Syndrom sind meist relativ klein und haben eine typische
Gesichtsform. Durch ihre Erkrankung brauchen sie oft etwas länger, um sprechen oder
schreiben zu lernen. Einige Menschen mit Down-Syndrom können aufgrund der
Behinderung nicht richtig sprechen, andere hingegen sind weniger eingeschränkt und
können nach dem Schulbesuch auch Berufe erlernen.
Die meisten Kinder mit Down-Syndrom sehen sich durch das Vorhandensein
eines gleichen überzähligen1 Chromosoms mehr oder weniger ähnlich2. Sie gleichen
jedoch, genau wie andere Kinder, auch ihren Eltern. Aufgrund dieser Schrägstellung 3
und der damit verbundenen Ähnlichkeit mit Menschen aus Asien oder der Mongolei,
sprach man früher von der Krankheit "Mongolismus".
Früher wurden Menschen mit Down-Syndrom aufgrund schlechter medizinischer
Versorgung oft nicht älter als zehn Jahre, heute erreichen sie durchschnittlich ein Alter
von 60 Jahren. Weltweit leben ungefähr fünf Millionen Menschen mit Down-Syndrom.
Die Häufigkeit des Auftretens ist dabei mit etwa einer auf 800 bis 1000 Geburten
überall gleich. In Deutschland werden jährlich circa 1200 Kinder mit dieser
Behinderung geboren. Weltweit leben über fünf Millionen Menschen mit Down-
Syndrom
Geschichte des Down-Syndroms
Menschen mit Down-Syndrom gibt es schon sehr lange. Bereits auf frühen
Höhlenmalereien4 entdeckten Forscher Bilder, die Menschen mit dieser Behinderung
sehr ähnlich sehen. Auch auf späteren Gemälden der Künstler Mantegna oder Manet
finden sich Menschen mit Down-Syndrom.
Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieb der englische Forscher John Langdon-Down
zum ersten Mal eine genetische Veränderung aus Sicht der Wissenschaft. Nach ihm
wurde schließlich die Krankheit benannt. Langdon-Down begründete nicht nur die
wissenschaftliche Forschung des Down-Syndroms, er setzte sich auch für Menschen mit
1
überzählig - лишний
2
sehen sich ähnlich – выглядеть похожими
3
Schrägstellung f - косоглазие
4
Hohlenmalerei f - рисунки па стенах пещер, наскальные рисунки; пещерная живопись
42
Behinderung ein1.
So kaufte er ein altes Krankenhaus und machte daraus ein Institut, in dem
Menschen mit Behinderung nicht nur leben konnten, sondern auch in eigenen
Werkstätten, Wäschereien oder auf einem Bauernhof lernten, zu ihrer Versorgung
beizutragen. Langdon-Down war mit seiner Idee ein Vorreiter, denn auch heute gibt es
noch viele solcher Werkstätten, in denen Menschen mit Behinderung gemeinsam
arbeiten und somit in die Gesellschaft eingegliedert werden.
Ursache des Down-Syndroms
Um zu verstehen, wie das Down-Syndrom zustande kommt, muss man einen
Blick auf die Entstehung eines Kindes werfen. Bei der Befruchtung2 vereinigen sich die
Keimzellen3 der Eltern. In der Keimzelle befinden sich 46 Träger von Erbinformationen
und Genen, die so genannten Chromosomen: 23 Chromosomen in der Eizelle 4 und 23 in
der Samenzelle5. Die 1. Zelle eines Kindes hat also 46 Chromosomen, in weiteren
Schritten beginnt sie sich zu teilen und zu vermehren. Über die Chromosomen geben
Eltern Erbinformationen an ihre Kinder weiter. Die Gene auf den Chromosomen
bestimmen Wachstum, Aussehen und Funktionen des Körpers.
Dreifache Chromosomenpaare verursachen das Down-Syndrom. Du kannst dir
vorstellen, dass die jeweils 23 Chromosomen der Ei- und Samenzelle gegenüberliegend
ineinander greifen wie die Zacken eines Reißverschlusses6. Bei Menschen mit Down-
Syndrom ist das 21. Chromosomenpaar nicht doppelt, sondern dreifach vorhanden.
Deshalb nennt man die Krankheit auch "Trisomie 21". Somit ist ein Chromosom in der
Überzahl, und der "Reißverschluss" funktioniert nicht mehr reibungslos 7. Dieses
überzählige Chromosom stört das natürliche Gleichgewicht. Dadurch treten bei Kindern
mit Down-Syndrom häufig Verzögerungen8 in Wachstum oder bei verschiedenen
Funktionen des Körpers auf.

1
einsetzen sich auf Akk. – вступаться за кого-л.
2
Befruchtung f – оплодотворение
3
Keimzelle f – (биол.) зародышевая клетка
4
Eizelle f –(биол.) яйцевая клетка, яйцо
5
Samenzelle f - (биол.) сперматозоид
6
wie die Zacken eines Reißverschlusses – как зубцы на молнии
7
reibungslos - беспрепятственный; бесперебойный
8
Verzögerung f - задержка

43
Integration ist wichtig für die spätere Entwicklung
Im täglichen Leben ist es jedoch sehr wichtig, dass behinderte Menschen
Kontakte zu Menschen ohne Behinderung haben. Wenn ein Kind mit einer Behinderung
eine Grundschule oder ein Gymnasium besucht, nennt man das eine
Integrationsmaßnahme oder kurz Integration. Dabei lernen behinderte Kinder von
Gleichaltrigen, aber auch umgekehrt können behinderte Kinder den anderen etwas
beibringen.
Es hat viele Jahre gedauert, bis der Gesellschaft klar wurde, dass schulische
Integrationsmaßnahmen für alle Beteiligten wichtig und auch von Vorteil sind. So
wurden Kinder mit Down-Syndrom und anderen Behinderungen früher oft von ihren
Familien zu Hause versteckt und konnten teilweise keine Schulen besuchen.
Auch die Meinung über Lernfähigkeit von Menschen mit Down-Syndrom hat
sich in den letzten Jahren geändert. Früher ging man davon aus, dass sie nur begrenzt
förderbar sind und sehr schnell an ihre Grenzen stoßen. Jetzt weiß man, dass viele von
ihnen zu außerordentlichen Leistungen fähig sind. Wenn ein Kind mit Down-Syndrom
von seiner Klasse akzeptiert und von den Lehrern gefördert wird, kann es ständig
Fortschritte machen und den Mitschülern zeigen, dass man große Erfolge erreichen
kann, wenn man motiviert ist.
Ziel: Gleichstellung von behinderten und nicht-behinderten Menschen
Viele Menschen mit Down-Syndrom können Rad fahren, schwimmen oder
selbstständig einkaufen - eben jene Sachen, die andere Kinder auch machen. Nur
brauchen Menschen mit Down-Syndrom aufgrund ihrer Behinderung meist etwas
länger, um die Tätigkeiten gut zu beherrschen. In vielen Bereichen hat sich das Leben
für die behinderten Menschen verbessert.
Die Integration ist für eine gute Entwicklung dabei sehr wichtig. Jedoch haben
Menschen mit Down-Syndrom noch lange nicht die gleichen Möglichkeiten und
Rechte, die Menschen ohne Behinderung für sich als selbstverständlich betrachten. So
werden sie oft von anderen gehänselt, ausgegrenzt oder nicht als vollwertige Menschen
akzeptiert. Denn ob mit Behinderung oder nicht, jeder Mensch ist individuell und

44
einzigartig. Deshalb ist es wichtig, Menschen mit Down-Syndrom genauso zu
respektieren und ernst zu nehmen, wie andere Menschen auch. Nur so haben sie die
Möglichkeit, sich frei zu entfalten.

5. Aufgabenfelder der Behindertenarbeit


Es gibt viele Aufgabenfelder, die Heil- und Sonderpädagogen im Laufe des
Prozesses der Klienten begegnen, dazu gehören Anamneseerhebung 1, Diagnostik,
Förderung2, Elternarbeit.
Am Anfang der Arbeit mit einem Klienten steht die Anamneseerhebung, eine
umfassende Sammlung von Informationen über den Klienten. Daran anschließend folgt
die Diagnostik, als Grundlage für die Förderung. Die Förderung erfolgt durch
heilpädagogische Methoden, wie z. B. Spielbegleitung, Psychomotorik, kreatives
Gestalten3 etc. und ist abhängig von dem individuellen Klienten und den Fähigkeiten
und Neigungen des Heil- und Sonderpädagogen.
Begleitend4 zu der Förderung des Klienten findet in den meisten Fällen
Elternarbeit statt, die meist in Form von Elterngesprächen erfolgt. Beratung, Assistenz
und Begleitung sind Methoden, mithilfe derer ein Heilpädagoge mit Klienten arbeiten
kann und die Integration und Selbstentfaltung zum Ziel haben.

5.1 Die Anamneseerhebung


Unter einer heilpädagogischen Anamneseerhebung versteht man die Gesamtheit
aller Mitteilungen, die über den Lebensweg einer Person gesammelt werden. Hieraus
entsteht ein differenziertes Bild über den Klienten, in seiner Entwicklung, im Umgang
mit seinen Bezugspersonen sowie der Entwicklung der Symptomatik und dem
subjektive Erleben derselben.
Eine heilpädagogische Anamnese fragt nach der Lebensgeschichte, dem Verlauf
der Entwicklung und Symptomatik, der aktuellen Befindlichkeit sowie den
Beziehungen zu anderen Menschen. Hierin wird dann die aktuelle Situation deutlich.
1
Anamnese f =, -n мед - анамнез
2
Förderung f - поддержка
3
Gestalt m - образ
4
begleitend - дополнительно
45
Die Anamnese kann aufgenommen werden bei dem Klienten selber, durch z. B.
Schreiben oder Malen eines Lebenslaufes oder durch ein anamnestisches Gespräch,
soweit dies möglich ist. Eine Anamnese kann auch bei den Eltern, bzw. Erziehern
aufgenommen werden, durch anamnestische Gespräche oder Fragebögen, wobei auch
eine Kombination beider Methoden möglich ist.
Die Anamnese dient neben der Informationssammlung auch zum Erkennen der
Gefühlslagen der Betroffenen, der Beziehungen der Betroffenen untereinander und zu
anderen und vor allem auch zum Aufbau von Vertrauen und zum Beziehungsaufbau
durch verstehende Anteilnahme.

5.2 Heilpädagogische Diagnostik


Eine umfassende heilpädagogische Diagnostik setzt sich zusammen aus den
Elementen: Verhaltensbeobachtung1, Gesprächsführung und Tests, wobei der
Schwerpunkt2 einer heilpädagogischen Diagnostik in der Verhaltensbeobachtung liegt.
Erste diagnostische Informationen bekommt man schon durch das
Anamnesegespräch, in dem die Beteiligten erste Informationen zu dem Klienten und
dessen Problematik bekannt geben. Daran anschließend kann in Gesprächen mit dem
Klienten selber oder mit dessen Bezugspersonen die Entwicklung des Klienten und die
Entwicklung der Problemlage rekonstruiert werden, was zu einem umfassenden Bild
über den Klienten führt. Je nach der Art der Problematik des Klienten können dann
gezielt bestimmte Bereiche der Entwicklung beobachtet oder durch psychometrische
Tests erfasst werden. So kann z. B. beobachtet werden, ob die motorische Entwicklung
des Klienten angemessen verläuft oder in welchen Bereichen Defizite vorhanden sind,
es können Beobachtungen in Bezug auf das Sozialverhalten gemacht werden oder die
Wahrnehmungsfähigkeiten3 der Person können genauer betrachtet werden.
Zur diagnostischen Einschätzung bestimmter Bereiche, wie z. B. der Intelligenz

1
Verhaltensbeobachtung f – наблюдение за поведением
2
Schwerpunkt m - основа
3
Wahrnehmungsfähigkeiten – способность восприятия
46
oder der Motorik gibt es spezielle Testverfahren.

5.3 Förderung
Die heilpädagogische Förderung zielt1 darauf ab, Entwicklungsverzögerungen2 in
den Bereichen Sprache, Intelligenz, Motorik, Wahrnehmung, Emotionalität und
Sozialität in ihrer Entwicklung anzuregen, zu lenken und zu optimieren. Ziel ist die
Erreichung einer weitestgehenden selbstständigen Lebensführung und Unabhängigkeit.
Die Prinzipien der Freiwilligkeit, der kontinuierlichen Interaktion, der ganzheitlichen
Wahrnehmung des Anderen sowie das verantwortungsbewusste und
wirklichkeitsorientierte Arbeiten spielt dabei eine wichtige Rolle.
Die Förderdiagnostik beinhaltet Testverfahren, Beobachtungen,
Anamneseerhebung und Festlegung des Ist-Zustandes3, während die Planung der
Beratung, der Festlegung des Soll-Zustandes4 und der Auswahl sowie Festlegung
verschiedener Förderansätze dient.

5.3.1 Früherkennung, Frühförderung und Förderschulen


Da sich der menschliche Organismus in der Zeit nach der Geburt am
schnellsten entwickelt, sind Hilfen zu diesem Zeitpunkt am wirksamsten. Hilfen
können jedoch nur dann gegeben werden, wenn mögliche Schädigungen sehr früh
erkannt werden. Dies ist das Ziel der Früherkennung5.
Früherkennung bedeutet, dass eine Erkrankung, Schädigung oder Behinderung möglichst
dann erkannt wird, wenn sie beginnt, sich einzustellen.
Wenn eine Schädigung erkannt ist, dann besteht ein Anspruch auf kostenlose Hilfe
durch die Frühförderung6, die pädagogische und therapeutische Hilfe für behinderte
Kleinkinder und deren Eltern umfasst. Solche Frühförderstellen beschäftigen Heil- und
Sonderpädagogen, Krankengymnasten, Kinderärzte und Psychologen. Frühförderstellen
arbeiten sowohl mobil - der Therapeut kommt ins Haus - als auch ambulant. Hier

1
abzielen vi (auf A) - стремиться (к чему-л.); иметь своей целью (что-л.)
2
Entwicklungsverzögerung f – задержка развития
3
Ist-Zustand – исходное состояние
4
Soll-Zustand – желаемое состояние
5
Früherkennung f – раннее распознование
6
Frühförderung f - поддержка на ранней стадии заболевания
47
kommen die Eltern mit ihrem Kind in die Frühförderstelle.
Frühförderung versteht sich als Anleitung zur „Hilfe zur Selbsthilfe" für Kind und
Eltern sowie als Unterstützung der betroffenen Familien, für die ihr behindertes Kind
eine große psychische Belastung sein kann.
Behinderte Kinder können in speziellen schulvorbereitenden Einrichtungen
aufgenommen und gefördert werden. Auf Wunsch mancher Eltern besuchen behinderte
Kinder jedoch auch Regelkindergärten, wenn die betreffende Erzieherin sich bereit
erklärt, das Kind trotz vorliegender Behinderung aufzunehmen. Diese Eltern sind der
Meinung, dass es für ihr Kind besser sei, die soziale Gemeinschaft mit nicht behinderten
Kindern zu erfahren, als spezifische Fördermaßnahmen in einer separierten
Spezialeinrichtung zu erhalten.
Behinderte Kinder können ihre Schulpflicht in Förderschulen1 oder in den
allgemeinen Schulen erfüllen. Die Förderschulen bieten zwar intensive
behinderungsartspezifische Hilfen, sie werden jedoch manchen Eltern kritisiert, weil
durch den Besuch dieser Schule die Kinder von ihren nicht ihren nicht behinderten
Altersgenossen getrennt werden. Diese Trennung erschwert die Integration der
behinderten Schüler in die Gesellschaft. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass
behinderte Kinder eine allgemeine Schule besuchen. Dies ist möglich, wenn dort die
äußeren Voraussetzungen wie räumliche Bedingungen, Klassengröße oder
individualisierende Unterrichtsformen gegeben sind und eine Unterstützung durch
sonderpädagogisches Fachpersonal geleistet werden kann. Dies geschieht sowohl durch
den Einsatz von Sonderschullehrern in den Klassen der allgemeinen Schulen als auch
durch mobile sonderpädagogische Dienste, die von den entsprechenden Förderschulen
aus die behinderten Kinder betreuen und die Lehrkräfte beraten.

5.4 Die Elternarbeit


Die Entwicklung eines Menschen ist immer auch geprägt von dem sozialen
Umfeld, in dem er lebt und aufwächst. Heilpädagogische Arbeit darf sich deshalb
niemals nur allein auf das Individuum beschränken, sondern sie sollte immer auch die
Eltern mit einbeziehen. Hierbei spielen vor allem die Eltern eine entscheidende Rolle.
1
Förderschule f – коррекционная школа
48
Die Elternarbeit ist ein wichtiger Bereich der heilpädagogischen Arbeit, der nie in
den Hintergrund geraten sollte. Die Familie ist der Ort, in dem sich
Menschenentwickeln und zu dem werden, was sie sind. Sie ist von Beziehungen,
Wichtig ist die Bereitwilligkeit und Fähigkeit der Eltern zur kontinuierlichen
Mitarbeit. Die Elternarbeit soll stützende und aufdeckende Maßnahmen beinhalten.
Stützende Maßnahmen führen zu strukturellen Veränderungen innerhalb der Familie.
Gespräche mit anderen Eltern dienen der Entlastung und Beruhigung.
Elternarbeit im heilpädagogischen Sinne beschreibt die Zusammenarbeit
zwischen Eltern und Heilpädagoge vor allem im Rahmen von Befunderhebung,
Erziehungsberatung und Elternberatung. Zudem erstellt der Heilpädagoge eine
Familien- und Milieuanamnese, um ein besseres Verständnis für die Eltern und die
Situation zu bekommen.
Gerade bei Kindern mit Behinderung kann es in der Familie zu vielfältigen
Problemen kommen, bei deren Verarbeitung und Lösung der Heilpädagoge
Unterstützung geben kann. Mögliche Probleme sind beispielsweise erhöhte emotionale
und soziale Belastungen für alle Familienmitglieder oder Schwierigkeiten bei der
Akzeptanz des Kindes. Ein wichtiges Ziel der Elternarbeit ist vor allem das Umstimmen
der Gefühlslage und eine Entlastung der Eltern, um in ihnen neue Ressourcen wecken
zu können.

6. Integration - mit behinderten Menschen leben


„Behindert ist man nicht, behindert wird man!“ - dieser Slogan will sagen: Oft ist
es erst die Umgebung, die eine Einschränkung zu einer Behinderung werden lässt 1.
Viele Barrieren wären vermeidbar, wenn wir die Bedürfnisse von Menschen mit
Behinderungen in allen Lebensbereichen bewusst berücksichtigen würden. Doch dies
erfordert Verständnis für die Lebenssituation der Betroffenen.
Die Alltagswelt ist auf nicht behindertes Leben ausgerichtet und schließt
behinderte Menschen oft von gesellschaftlichen Vorgängen aus. Der Unterricht in
eigenen Institutionen sowie das Arbeiten in besonderen Werkstätten verringern den
Kontakt zur Alltagswelt und verstärken die sozialen Folgeerscheinungen der
1
lässt… werden – зд.: устанавливает
49
Behinderung. Diese können erst abgebaut werden durch:
- gemeinsame Erziehung in Kindergärten und Schulen,
- gemeinsame Berufsausübung,
- Begegnungen und gemeinsames Handeln in der Öffentlichkeit.
Diese gemeinsamen Prozesse von behinderten und nicht behinderten
Menschen bezeichnet man als Integration.
Unter dem Begriff Integration versteht man das Prinzip der sozialen Eingliederung von
Menschen mit Behinderung in natürliche und kulturell gewachsene Gemeinschaften mit
anderen Menschen, beim Lernen, Spielen, Arbeiten und Freizeit, gemäß den eigenen
Bedürfnissen.
Integration geht von einer wechselseitigen Abhängigkeit von
Persönlichkeitsentwicklung und sozialem Eingegliedertsein eines Menschen aus. Dabei
wird die personale (Integration auf individueller Ebene als Ausbildung des
Selbstkonzeptes) von sozialer (Eingliederung des einzelnen Menschen in bestimmte
soziale Gruppen, seiner Teilhabe am sozialen Ganzen, Übernahme sozialer Rollen und
Sicherung der sozialen Zusammengehörigkeit) Integration unterschieden.
„Integration ist … kein Zustand, den man ein für allemal erreichen kann, …
Integration ist ein lebendiger Vorgang, … Integration heißt, in einem bedeutsamen
Lebenskreis die Mitmenschen verstehen, sich mit ihnen verständigen und mit ihnen
gemeinsam tätig werden können. Integration ist nicht dann schon erreicht, wenn sich
Menschen untereinander nicht mehr fremd sind, sondern erst dann, wenn Wertschätzung
füreinander den Umgang bestimmt.“ (Schmeichler 1983)
Wie lässt sich die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft realisieren?
Seit dem Inkrafttreten des Sozialgesetzbuches IX im Juli 2001 (SGB IX)
entstanden erhebliche Konsequenzen für das heilpädagogische Handeln. Ziel der
Teilhabe ist die umfassende und dauerhafte Integration des behinderten Menschen in
Schule, Beruf und Gesellschaft. Die heilpädagogischen Maßnahmen und Institutionen
müssen sich zukünftig mehr an dem Wunsch- und Wahlrecht der Betroffenen orientieren
und die Teilhabe durch folgende Maßnahmen realisieren:
■ Partizipation behinderter Menschen in allen Lebensbereichen (Wohnen, Arbeit,
Freizeit etc.)
50
■ Erhaltung und Realisierung der Eingliederungshilfe
■ Ressourcenerhaltung und Realisierung individueller Lebensqualität
■ Schaffung einer Barrierefreiheit (z. B. ein Recht auf Gebärdensprache)
■ Beratung der Betroffenen bezüglich ihrer Rechte und Möglichkeiten
■ Hervorheben persönlicher Wünsche
■ Individuelle Hilfeplanung und Erweiterung ambulant regionaler Hilfesysteme.
Im Mittelpunkt heilpädagogischer Arbeit steht, dass alle Menschen das Recht auf
selbstbestimmte Lebensgestaltung und gleichberechtigte Teilnahme am Leben in der Gesellschaft
haben.
1) Bestimmen Sie den Begriff „Behinderung" und erläutern
Sie diesen am Beispiel einer Behinderungsart.
Aufgaben
und
2) Erläutern Sie an zwei Beispielen, wie aus einer
Anregunge Schädigung eine Behinderung entstehen kann.
n 3) Stellen Sie unterschiedliche Schädigungen als Ursachen
von Behinderungen dar.
a) Erläutern Sie mögliche Ursachen einer von Ihnen ausgewählten Behinderung (zum
Beispiel geistige Behinderung, Lernbehinderung),
b) Zeigen Sie am Beispiel dieser ausgewählten Behinderung das Zusammenwirken
mehrerer Ursachen, das eine solche entstehen lässt.
4) „Behindert ist man nicht - behindert wird man". Nehmen Sie zu dieser Aussage von
Hans-Günter Heiden. Stellung unter Berücksichtigung der normenbezogenen
Betrachtungsweise und der Stigmatisierung von Behinderten.
5) Begründen Sie, warum
- Früherkennung und Frühförderung so wichtige Aufgaben in der Arbeit mit Behin-
derten sind.
- Integration eine so wichtige Aufgabe in der Arbeit mit Behinderten ist.

7. Erlebens- und Verhaltensstörungen als Gegenstand der Sonderpädagogik

Leitfragen:
Was sind Erlebens- und Verhaltensstörungen? Welche Arten von Erlebens- und
Verhaltensstörungen gibt es?
Was sind mögliche Ursachen für Erlebens- und Verhaltensstörungen?
Wie können Erlebens- und Verhaltensstörungen behandelt werden?

Von einer Erlebens- und Verhaltensstörung 1 spricht man, wenn eine


Beeinträchtigung vorhanden ist, die nicht auf organische Ursachen zurückzuführen2 ist
1
Erlebens- und Verhaltensstörung f - нарушение эмоциональной сферы и поведения
2
zurückführen – обяснять, сводить
51
und besondere pädagogische bzw. psychologische Maßnahmen erforderlich sind. Eine
Erlebens- und Verhaltensstörung liegt vor, wenn
- eine Beeinträchtigung im Erleben und Verhalten einer Person, in ihrem Lebensvollzug
und/oder in ihrer Teilhabe1 am gesellschaftlichen Leben besteht,
- diese Beeinträchtigung erheblich ist und
- über einen längeren Zeitraum hinweg auftritt,
- diese Beeinträchtigung nicht auf organische Ursachen zurückzuführen ist und
- besondere pädagogische bzw. psychologische Maßnahmen erforderlich macht, um dem
Betroffenen bzw. seiner Umgebung zu helfen.
Nicht jede Ängstlichkeit2 beispielsweise ist eine Erlebens- und Verhaltensstörung.
Doch wenn eine Angst - etwa Prüfungsangst - über einen längeren Zeitraum anhält -
zum Beispiel während der ganzen Schulzeit -, nicht organisch bedingt ist, die betroffene
Person so stark einschränkt, dass sie deshalb an der Schule trotz guter Begabung und
Intelligenz scheitert, und die Person sich auch nicht selbst helfen kann, sondern eine
therapeutische Hilfe benötigt, so liegt eine Erlebens- und Verhaltensstörung vor.
Erlebens- und Verhaltensstörung bezeichnet eine erhebliche und längerfristige
Beeinträchtigung im Erleben und Verhalten einer Person, in ihrem Lebensvollzug
und/oder in ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, die nicht auf organische
Ursachen zurückzuführen ist und besondere pädagogische bzw. psychologische
Maßnahmen erforderlich macht.
Auch bei den Erlebens- und Verhaltensstörungen spielt die Normvorstellung3
eine wichtige Rolle. Erlebens- und Verhaltensstörungen können in verschiedenen
Bereichen und in unterschiedlicher Intensität auftreten. Diese Bereiche dürfen jedoch
nicht unabhängig voneinander betrachtet werden.

7.1 Ursachen von Erlebens- und Verhaltensstörungen

Agende4 Ursachen können eine Erlebens- und Verhaltensstörung bewirken und


an ihrer Entstehung beteiligt sein:

1
Teilhabe f - участие
2
Angstlichkeit f - боязливость, трусость, робость
3
Normvorstellung f – представление о норме
4
аgend - скрытый
52
- vorgeburtliche Faktoren wie Alkohol, Nikotin, Koffein oder Drogen sowie
Belastungssituationen und Stress während der Schwangerschaft;
Sehr viele Gifte können den Embryo im Mutterleib schädigen. Alkohol, Kaffe der
werdenden Mutter oder Drogenkonsum führen zu Schäden beim Kind. So führt Nikotin
zu Schädigungen des Ungeborenen. Selbst eine geringe Menge Nikotin reicht aus, um
Wachstum und Gehirnentwicklung nachhaltig und oft unwiederbringlich zu
beeinträchtigen. Man hat festgestellt, dass Kinder von Raucherinnen später im Leben
besonders häufig zu Lern- und Konzentrationsschwäche, verminderten
Intelligenzquotienten und Hyperaktivität neigen.
- soziokulturelle/situative Faktoren, d.h. das soziale und gesellschaftliche
Umfeld (Familie, Freundeskreis);
- ökonomische Faktoren wie schlechte Vermögensverhältnisse der Eltern bzw. des
Elternteils, mangelnder Wohnraum, Wohnraumverdichtung, fehlende
Kontaktmöglichkeiten im Wohnbezirk;
- familiäre Faktoren wie disharmonische Familienatmosphäre, Beziehungsstörungen
oder Gewalthandlungen zwischen den Eltern, ungünstige Geschwisterkonstellation wie
etwa ständige Benachteiligung gegenüber den anderen Geschwistern;
- Fehlformen1 in der Erziehung wie Ablehnung, Vernachlässigung, Überbehütung und
Verwöhnung; mangelnde emotionale Zuwendung oder zu starke emotionale Bindung in
der Beziehung Eltern(teil) - Kind, indifferente, inkonsequente oder widersprüchliche
Erziehungseinstellungen und -maßnahmen, Überforderung2, Übertragung3 unbewusster
Wünsche und Einstellungen der Eltern auf das Kind;
- individuelle Erlebnisse wie Misshandlungen4 und sexueller Missbrauch5,
Trennung der Eltern, Verlust eines Elternteils oder einer Bezugsperson 6, schicksalhafte
Erlebnisse wie zum Beispiel Unfälle, Erleben vermeintlicher Minderwertigkeit 7 wie
zum Beispiel Aussehen, Körpergestalt, Geschlecht, Behinderung.

1
Fehlformen pl – отсутствующие, недостающие формы
2
Überforderung f - чрезмерное требование
3
Übertragung - перенос
4
Mißhandlung - жестокое обращение, истязание
5
Mißbrauch - злоупотребление, (юр.) изнасилование
6
Bezugsperson f - опекун
7
Minderwertigkeit f = неполноценность
53
Es ist kaum möglich, dass lediglich eine dieser genannten Ursachen eine
Erlebens- und Verhaltensstörung hervorruft1, erst durch das Zusammenspiel mehrerer
Ursachen kann es zu einer solchen kommen. Eine Erlebens- und Verhaltensstörung
kann auch ein Folgesymptom einer Behinderung sein. Wenn etwa die organischen
Ursachen bestimmter Verhaltensweisen nicht erkannt werden und die Umwelt nicht
angemessen reagiert, dann kann eine Erlebens- und Verhaltensstörung als
Sekundäreffekt eines organischen Defekts auftreten.

7.2 Lernstörungen
Formen von Lernstörungen
Man unterscheidet Rechen-, Lese-Rechtschreib-Schwächen oder auch psychogene
Lern- und Leistungsstörungen in Form von Schulangst bzw. Schulphobie. Aber auch
Sprachstörungen, Autismus oder Hyperaktivität (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom,
ADS) können mehr oder weniger direkt mit einer Lernstörung zu tun haben.
Diagnose
Lernstörungen werden in der Schule daran erkannt, dass der Schüler die vorgegebene
Anforderung nicht erfüllt. Entweder2 werden anhaltend fehlerhafte Ergebnisse geliefert
oder die vorgegebene Lernzeit kann nicht eingehalten werden, d.h. die vorbestimmte
Lernzeit wird vom Schüler weit überschritten.
Bedingungen/Faktoren/Ursachen
Die Ursachen für eine Lernstörungen sind sehr vielfältig. Der Lerner steht im
Mittelpunkt von einigen wesentlichen Bedingungsfaktoren, die jeder für sich, aber auch
zusammen, Ursache einer Lernstörung sein können:
 die Schule als Lernumwelt, mit dem Lehrer als Erzieher und Autoritätsperson,
 mit der Schule hängt die Schulleistung eng zusammen, die wiederum vom Lehrer
gemessen und bewertet wird die Familie.
Häufig werden Lernstörungen durch mangelnde Konzentrations- und
Leistungsfähigkeit hervorgerufen, denen eine abnorme Leistungsangst3 zu Grunde

1
hervorrufen - вызывать (что-л.), приводить к возникновению (чего-л.)
2
Entweder …oder – либо … либо
3
Leistungsangst f – страх из-за оценки
54
liegen kann. In den meisten Fällen beruht Leistungsangst auf zu hohem Leistungsdruck 1
sowie auf einer zu hohen Erwartungshaltung2 gegenüber dem Lerner. Als Folge treten
mangelndes Selbstwertgefühl3 und Schamgefühl4 auf; der Lerner befindet sich in einem
Teufelskreis, aus dem er nur schwer ausbrechen kann. Er benötigt Hilfe aus seinem
sozialen Umfeld, vor allem von den Eltern, aber auch von der Schule bzw. vom Lehrer.
Auch der Rat von fachmännischer Seite (z.B. eines Kinderpsychologen) sollte nicht
vorenthalten5 werden.

7.3 Behandlung von Erlebens- und Verhaltensstörungen


Liegt eine Erlebens- und Verhaltensstörung vor, dann können verschiedene
Maßnahmen eingeleitet werden;
- Förder- und Therapiemaßnahmen mit den betroffenen Kindern bzw. Jugendlichen,
- Elternberatung und Elterntraining,
- Schule für Erlebens- und Verhaltensgestörte sowie Heimunterbringung.

7.3.1 Förder- und Therapiemaßnahmen mit den betroffenen Kindern bzw.


Jugendlichen
Meist ist der Einsatz pädagogisch-therapeutischer Maßnahmen notwendig. Als
Einzel- oder Gruppenverfahren werden sowohl in Erziehungsberatungsstellen als auch
in Sondereinrichtungen folgende Maßnahmen eingesetzt:
1) Das psychoanalytische Therapieverfahren
Grundlegende Annahme der Psychoanalyse ist, dass bestimmte seelische6 Vorgänge
und innere Kräfte - zum Beispiel unangenehme und unverarbeitete7 Erlebnisse oder
Probleme - dem Bewusstsein verborgen, also „unbewusst", sind. Diese Vorgänge
können sich jedoch auf das individuelle Verhalten und die Entwicklung der
Persönlichkeit nach ganz bestimmten Gesetzmäßigkeiten auswirken und so als

1
Leistungsdruck - давление
2
Erwartungshaltung f - ожидание
3
Selbstwertgefühl – уверенность в себе
4
Schamgefuhl n - чувство стыда, стыдливость
5
vorenthalten - отказывать (в чём-л. кому-л.)
6
seelisch - психический
7
unverarbeitet - неосмысленный
55
Symptom eine Störung verursachen.
Ziel psychoanalytischer Therapie ist demnach die Klärung unbewusster
Zusammenhänge und die emotionale Auf- und Verarbeitung 1 der bewusst
gemachten Konflikte. Dies führt schließlich zur Veränderung der Beschwerden 2 und
zur Bewusstmachung von seelischen Konflikten.
2) Die Spieltherapie
Sigmund Freud und andere Tiefenpsychologen betrachten das Spiel als Ausdruck
des Unbewussten und als Aufarbeitungsmöglichkeit von Problemen und
Konflikten. Dabei geht es um ein symbolisches Ausleben von unverarbeiteten
Konflikten: Im Spiel werden die dem Erleben und Verhalten zugrunde liegenden
Konflikte aufgedeckt und bearbeitet. Durch das Spielen von Ängsten und Problemen
können diese thematisiert und bisher nicht zugängliche Bewältigungsstrategien
gefunden werden. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen geht es neben dem
motorischen Entladen3, wie etwa beim Rollenspiel, um ein symbolisches Ausleben von
unverarbeiteten Konflikten durch Spielen, Malen, Basteln, Bauen und dergleichen.

3) Gesprächspsychotherapie
Wissenschaftliche Grundlage der Gesprächspsychotherapie bildet die
personenzentrierte Theorie von Carl Rogers. Ziel ist nach Rogers, dass der Mensch sich
findet, dass er selbst wird. Dabei geht es darum, dass der Klient „die falschen Fassaden,
die Masken oder die Rollen" fallen lässt 4, „mit denen er bislang dem Leben begegnet
ist".
Handlungsleitend ist demnach die Orientierung am Klienten, mit der Absicht,
dem Individuum zu einem besseren Verständnis über sich selbst und zu größerer
Unabhängigkeit zu verhelfen, damit es sich entwickeln und somit gegenwärtige und
künftige Probleme besser lösen kann. Der Therapeut konzentriert sich darauf, den
Klienten so zu sehen, wie dieser sich selbst sieht. Der Erfolg ist bei der
Gesprächspsychotherapie nicht von der Beherrschung bestimmter Techniken abhängig,
1
Auf- und Verarbeitung f – анализ и обработка
2
Beschwerde f – затруднение, трудность, трудная ситуация
3
Entladen n – разрядка, разгрузка
4
fallen lassen - снять с себя, отказаться от чего-л.
56
sondern von den deutlich spürbaren Haltungen1 des Therapeuten in der
Kommunikation mit dem Klienten.
4) Systemische Therapie
Die systemische Therapie, geht davon aus, dass sich Erlebens- und
Verhaltensstörungen in den wechselseitigen Beziehungen, in denen ein Mensch lebt,
entwickeln und aufrechterhalten2.
Der systemischen Familientherapie, eine der bekanntesten Formen der
systemischen Therapie, liegt die Annahme zugrunde3, dass bei Erlebens- und
Verhaltensstörungen Beziehungsprobleme in der Familie vorliegen. Es steht deshalb
nicht die Störung des Individuums als solche im Mittelpunkt der Behandlung, sondern
die Vorgänge und Beziehungen in der Familie und ihrem Umfeld. Eine Änderung der
Beziehungen hat auch eine Änderung des Erlebens und Verhaltens des Einzelnen und
damit auch der Störung zur Folge.
In die Therapie werden alle Mitglieder der Familie einbezogen, nötigenfalls auch
noch andere Personen, die Einfluss auf die Familie haben. Hierbei geht man davon aus,
dass die gesamte Familienkonstellation4 für das betroffene Kind in seiner Summe zu
einer unerträglichen Situation geworden ist und nur aufgelöst werden kann, wenn sich
in den Beziehungen etwas ändert.
5) Gruppentherapie
Die Gruppentherapie unterscheidet sich von der Einzeltherapie 5 dahingehend,
dass nicht der Einzelne, das Individuum, im Mittelpunkt steht, sondern der
Gruppenprozess. Dabei wird davon ausgegangen, dass durch Gruppenerfahrungen
Menschen mit persönlichen zudem sozialen Problemen geholfen werden kann. In der
Gruppensituation können Konflikte und Probleme besprochen werden, zudem eröffnen
die Erfahrungen der Gruppenmitglieder neue Möglichkeiten der Verarbeitung. In der
Gruppe können soziale Bedürfnisse wie zum Beispiel die Überwindung von Einsamkeit,

1
deutlich spürbaren Haltungen – ясно ощутимое отношение
2
aufrechterhalten - сохранять, поддерживать
3
liegt die Annahme zugrunde Dat. – в основе чего-л. лежит предположение
4
Familienkonstellation f – семейное положение дел, семейная ситуация
5
Einzeltherapie f – индивидуальная терапия
57
das Erfahren1 eines Selbstwertgefühls2, das Gefühl des Verstandenwerdens3 oder der
Aufbau von Selbstvertrauen befriedigt werden.
6) Logopädie
Die Logopädie ist eine Therapieform, in der es um die Erfassung4, Vorbeugung5
und Behandlung von Sprach-, Stimm- und Hörstörungen geht, die den Menschen in
seiner Verständigung und Mitteilung beeinträchtigen wie zum Beispiel Stottern 6,
Lispeln7.
7) Physikalische Therapien
Physikalische Therapien gehen davon aus, dass - aufgrund der engen
Wechselbeziehung8 zwischen seelischen und körperlichen Vorgängen - durch
körperliche Aktivitäten Erleben und Verhalten beeinflusst werden können. Die in
diesem Zusammenhang bekannteste Therapieform ist die Mototherapie, eine
bewegungsorientierte Methode zur Behandlung von Auffälligkeiten im
psychomotorischen und/oder im Verhaltensbereich. Die Ergotherapie ist eine
Beschäftigungstherapie9 und hilft und begleitet Menschen jeden Alters, die in ihrer
Handlungsfähigkeit10 eingeschränkt sind.

7.3.2 Elternberatung und Elterntraining


Elternarbeit ist eine wichtige Voraussetzung für eine effektive Arbeit mit
erlebens- und verhaltensgestörten Kindern und Jugendlichen. Der Behandlungserfolg
hängt nicht zuletzt davon ab, inwieweit die Eltern bereit sind mitzumachen und mit dem
Therapeuten zusammenarbeiten. Dabei ist die Elternarbeit als ein gemeinsamer
Lernprozess, in welchem Ziele und Maßnahmen in der Erziehung, Probleme und
Konflikte sowie mögliche Veränderungen in der Erziehung bzw. in den familiären

1
Erfahren n - понимание
2
Selbstwertgefühl n – чувство собственного достоинства
3
Gefühl des Verstandenwerdens – ощущение того, что тебя понимают
4
Erfassung f – обнаружение, диагностирование
5
Vorbeugung f - профилактика
6
Stottern n - заикание
7
Lispeln n - шепелявость
8
Wechselbeziehung f - взаимозависимость
9
Beschäftigungstherapie f - трудотерапия
10
Handlungsfähigkeit f - способность действовать; юр. дееспособность
58
Beziehungen und dem Familienleben erörtert werden.
Die Einbindung der Eltern in den Therapieprozess erfordert eine bestimmte
Bereitschaft und ein Engagement1 von ihnen. Oft ist hierzu ein Elterntraining
erforderlich, welches die Kompetenzen der Familie dahingehend stärken will, dass sie
zur Optimierung der Lebens- und Entwicklungsbedingungen des erlebens- und
verhaltensgestörten Kindes bzw. Jugendlichen in einem erheblichen Maße beitragen
kann. Ein Elterntraining kann die Autonomie der Eltern stärken und sie dazu befähigen,
ihre familiäre Situation eigenverantwortlich und selbstständig zu bewältigen.

7.3.3 Schule für Erlebens- und Verhaltensgestörte sowie Heimunterbringung


Kann eine vorliegende Erlebens- und Verhaltensstörung im familiären und
sozialen Umfeld nicht abgebaut2 werden, so ist die Einweisung in eine Förderschule zur
Erziehungshilfe oder in ein Heim3 angezeigt.
Ziel dieser Maßnahmen ist es, eine frühe Rückeingliederung in die gewohnte
Umgebung zu ermöglichen. Häufig zeigt sich, dass mit dem Abbau 4 von Erlebens- und
Verhaltensstörungen bei vielen Schülern auch die Lernstörungen zurückgehen und
Lerndefizite ausgeglichen5 werden können.

1) Bestimmen Sie den Begriff „Erlebens- und


Aufgaben Verhaltensstörung" und stellen Sie an einem Beispiel den
und Unterschied zwischen einer Behinderung und einer
Anregungen
Erlebens- bzw. Verhaltensstörung dar.
2) Beschreiben Sie eine Erlebens- und Verhaltensstörung
(zum Beispiel eine Kontaktstörung, gesteigerte
Aggressivität) und zeigen Sie deren mögliche Ursachen auf.
3) Zeigen Sie mögliche Ursachen einer Erlebens- und Verhaltensstörung auf und erläu-
tern Sie an einem Beispiel, wie durch das Zusammenwirken mehrerer Ursachen eine
solche entstehen kann.
4) Fallbeschreibung „Jan"
Frau Eisner, Jans Mutter, wurde vom Hausarzt an die integrierte Beratungsstelle6 einer
Kinder- und Jugendpsychiatrie überwiesen. Bei dem ersten Gespräch stellte sich die Situation nach

1
Engagement n – активность, увлеченность
2
abbauen – зд. получаться, удаваться
3
Heim n – детский дом
4
Abbau m - устранение
5
ausgleichen (i; i) – выравнивать, компенсировать
6
Beratungsstelle f - консультационный пункт, консультация
59
den Ausführungen der Mutter folgendermaßen dar: Ihren Sohn Jan gebar sie nach sieben Monaten
einer Risikoschwangerschaft. Damals wussten die Ärzte noch nichts von einer Behinderung. Da Herz
und Lunge nicht arbeiteten, war man zunächst froh, dass das Kind überlebte und drei Monate später
anscheinend gesund aus der Klinik entlassen wurde. Erste Beobachtungen von Auffälligkeiten machte
die Mutter einige Wochen später. Sie stellte fest, dass Jan zwar auf Geräusche und Ansprache
reagierte, nicht aber auf ein Lächeln von ihr. Auch wenn sie die Rassel 1 vor ihm hin und her bewegte,
so folgte er ihr nicht mit den Augen. Dies versetzte sie und ihren Mann in große Unruhe. Weitere
ärztliche Untersuchungen bestätigten dann die heimliche Furcht der Eltern, dass Jan blind sei. Frau
Eisner erinnert sich noch genau an den Schock an diesem Tag und an die Belastungen 2 der
nachfolgenden Zeit. Ihre Gefühle wechselten zwischen Hoffnung und Verzweiflung 3; manchmal konnte
oder wollte sie die neue Diagnose nicht wahrhaben. Sie befragte andere Experten, aber ohne die
erhoffte Beruhigung zu erhalten, die sie in dieser Zeit so benötigte.
Sie wusste nicht mehr, wie sie mit dem Kind umgehen 4 sollte. Ebenso wie sie war auch ihr
Mann mit dem Problem überfordert. Sie traute5 sich lange Zeit nicht, ihrer eigenen Mutter von der
Situation von Jan zu erzählen. Zu deutlich hatte sie noch deren abwertende Bemerkungen über ein
stotterndes Kind aus der Nachbarschaft im Ohr. Zu diesen belastenden Gefühlen und Einstellungen
kamen zunehmend Erschwernisse in der Betreuung von Jan. Der Junge schrie oft so laut, dass es die
Nachbarn hörten. Allmählich gab es kaum eine Nacht, in der sie richtig durchschlafen konnte. Jan ließ
sich beruhigen, wenn sie ihn streichelte oder ihm etwas vorlas. Oft musste sie so lange vorlesen, bis
der Junge einschlief - und das konnte sehr lange dauern. Danach war sie selbst so müde, dass sie
nicht mehr in der Lage war, ihren Haushalt in Ordnung zu bringen und für sich selbst etwas zu tun.
Jans allgemeine Entwicklungsfortschritte waren gering, verglichen mit denen anderer Kinder aus dem
Bekanntenkreis. Allmählich befand sie sich am Rande eines seelischen und körperlichen Zusammen-
bruchs. Sie fühlte sich allein gelassen, im Innersten verunsichert und überfordert, ihr Mann war
tagsüber in der Arbeit, so dass sie mit ihm die drängenden Probleme nicht besprechen konnte. In
diesem Zustand begann sie, das Kind immer wieder für lange Zeit sich selbst zu überlassen.
Zu den bisherigen Auffälligkeiten in der Entwicklung des Jungen kam hinzu, dass der Junge
begann, sich mit der Hand an den Kopf zu schlagen. Die Mutter lief immer sofort zu ihm und
versuchte ihn mit einem Spiel abzulenken, damit er davon ablasse. Doch sobald sie sich entfernte,
begann er kurze Zeit danach, sich wieder an den Kopf zu schlagen. Als der Junge schließlich laufen
konnte, stieß er sich in unbeaufsichtigten Augenblicken häufig an Möbelkanten, oder er stolperte über
irgendwelche Gegenstände, die im Zimmer umherlagen. Dabei erschrak er jedes Mal sehr. Manchmal

1
Rassel f - трещотка, погремушка
2
Belastungen - нагрузки
3
Verzweiflung - отчаяние
4
umgehen - общаться
5
trauen sich - решаться
60
verletzte er sich. Nach einiger Zeit wurde er auffallend ängstlich und traute sich nicht mehr zu, allein
in der Wohnung umherzugehen, sondern wollte nur noch von der Mutter geführt werden.
a) Bestimmen Sie die Begriffe „Behinderung" sowie „Erlebens- und
Verhaltensstörung" und zeigen Sie auf, dass bei Jan eine Behinderung und eine
Verhaltensstörung vorliegen.
b) Beschreiben Sie mögliche Ursachen, die zu Jans Beeinträchtigung geführt haben
könnten.
c) Zeigen Sie anhand der Fallbeschreibung die Problematik des Behinderungs-
begriffes auf.
d) Erläutern Sie Möglichkeiten, wie Jan geholfen werden könnte.
5) Versuchen Sie in einem Rollenspiel eine Spieltherapiesituation nachzuspielen, in der
ein Kind nicht sprechen will, sich zurückzieht, oder aggressiv gegenüber einem anderen
Kind ist.
Folgende Vorgaben sind gegeben: Die Mutter ist überlastet, weil sie tagsüber arbeitet
und wenig Zeit für das Kind hat; der Vater ist sehr leistungsorientiert und macht die
Mutter für das Problem verantwortlich; die Großmutter verwöhnt das Kind.
6) Besuchen Sie eine Einrichtung der Heil- bzw. Sonderpädagogik, z.B. eine
Sonderschule, oder ein Heim für behinderte Kinder und Jugendliche. Erkundigen Sie
sich dabei:
- nach den Aufgaben bzw. Zielen dieser Einrichtung,
- nach Formen erzieherischer Arbeit - wie versucht die Einrichtung ihren Aufgaben
gerecht zu werden bzw. ihre Ziele zu erreichen,
- nach dem Aufbau bzw. der Organisation der Einrichtung sowie
- nach Chancen, Problemen und Grenzen der erzieherischen Arbeit in dieser
Einrichtung.
Sichten und werten Sie die Ergebnisse in Gruppen aus. Die Ergebnisse können in einer
Wandzeitung präsentiert werden.
8. Heil und Sonderpädagogik als Profession

Leitfragen:
Bin ich zum Heilpädagogen berufen?
Was sind Inhalte der Ausbildung zum Heilpädagogen?
61 Heilpädagogen an Fachhochschulen?
Was sind zurzeit die Inhalte des Studiums zum
Welche weiteren Studienmöglichkeiten gibt es an Universitäten noch?
Wo liegen generelle Arbeitsfelder von Heil- und Sonderpädagogin?
Für die Ausbildung zu Heil- und Sonderpädagogen sind ein hohes Maß an
Fachwissen und persönlichem Engagement erforderlich. Voraussetzungen sind
Einfühlungsvermögen, Interesse und Verständnis für die Lebenssituation anderer
Menschen und die Bereitschaft ihre Lebensentwürfe zu akzeptieren. Man sollte sich
bewusst sein, dass man mit Menschen arbeiten wird, die in unserer Gesellschaft nur
wenig Anerkennung finden: z.B. Menschen mit Behinderungen, Verhaltensstörungen,
und dass man gefordert sein wird, sich mit ihnen für sie einzusetzen.
Der Heilpädagoge sollte fähig sein, mit eigenen seelischen und körperlichen
Belastungen angemessen umzugehen.
Weiterhin sollten die Dimensionen von helfenden Beziehungen zwischen
Heilpädagogin und Klient erkannt und ernstgenommen werden, da sie mit einer
besonderen ethischen Verantwortung verbunden sind und persönliche Reife erfordern.
Man sollte z.B. fähig sein, Nähe zuzulassen und Vertrauen aufzubauen, sich aber
auch abzugrenzen. Voraussetzung ist die Fähigkeit, das eigene berufliche Handeln
selbstkritisch zu reflektieren.

8.1 Bin ich zum Heil- und Sonderpädagogen berufen?


Bei der Ausbildung zu Heil- und Sonderpädagogen handelt es sich um eine
Fachschul- oder Fachakademieausbildung. Sie wird mit der staatlichen Anerkennung als
Heilpädagogin abgeschlossen. Zugangsvoraussetzungen sind eine sozialpädagogische
oder sozialpflegerische Ausbildung mit anschließender Berufsausübung von mindestens
einem Jahr.
Diese Form der heilpädagogischen Ausbildung ist eine Weiterbildung. Sie führt
zu einer neuen und eigenständigen Berufsbezeichnung. Inhalte sind die Vertiefung
theoretischer Kenntnisse und die Vermittlung spezifischer Methoden. Hier werden
Berufserfahrung und Erkenntnisse der Heilpädagogik sowie heilpädagogische

62
Handlungsmodelle und Übungen integriert.
Weiterhin werden Verbindungen zu anderen Fachwissenschaften, einschließlich
ihrer spezifischen Methoden hergestellt. Ziel ist es, eine kontinuierliche Verbindung zur
Praxis zu erhalten und diese zu reflektieren, um den beruflichen Alltag aus einem
anderen Blickwinkel zu sehen, zu bewerten und eigene berufliche Fähigkeiten in
heilpädagogischer Weise weiterentwickeln zu können.
Diese Ausbildung zur Heilpädagogin/zum Heilpädagogen dient zusätzlich der
Vorbereitung auf Führungs- und Leitungsaufgaben.
Die Ausbildung an Fachschulen und Fachakademien dauert:
- in Vollzeitform: 11/2 oder zwei Jahre
- in berufsbegleitender Form: 3–4 Jahre
Die Dauer der Ausbildung und ihre Voraussetzungen können unter Umständen
in den einzelnen Bundesländern variieren.

8.2 Was sind Inhalte der Ausbildung zum Heilpädagogen?


Das Studium der Heil- und Sonderpädagogik ist an verschiedenen
Fachhochschulen in Deutschland möglich. Die Inhalte des Studiums sind an allen
Fachhochschulen sehr ähnlich, für die folgenden Informationen wurde als Beispiel die
Katholische Fachhochschule NW ausgewählt.
Das Studium der Heil- und Sonderpädagogik umfasst in der Regel acht Semester,
gegliedert in ein viersemestriges Grundstudium und ein viersemestriges Hauptstudium.
Das Studium beinhaltet neben dem theoretischen Teil auch unterschiedliche
praxisintegrierende Elemente: ein Blockpraktikum nach dem zweiten Semester, ein
studienintegriertes Praktikum im dritten und vierten Semester, ein Praxissemester mit
wöchentlichen Studientagen und ein studienintegriertes Praktikum im sechsten
Semester.
Im Grundstudium werden viele grundlegende Inhalte vermittelt, wie
beispielsweise pädagogische, psychologische und medizinische Grundlagen,
Rechtswissenschaft, Soziologie oder Verwaltungswissenschaft. Gleichzeitig werden
verschiedene speziellere Veranstaltungen wie heilpädagogische Ethik, allgemeine und

63
spezielle Heilpädagogik, heilpädagogische Diagnostik und Methodik angeboten.
Im Hauptstudium wird auf diesen Kenntnissen aufgebaut, daneben kommen neue
Themenschwerpunkte hinzu. Hierzu zählen Politikwissenschaft, Sozialmanagement,
Konzepte der Beratung oder Supervisionen.
Die Veranstaltungen können in unterschiedlichen Lern- und Lehrformen erfolgen,
z. B. als Vorlesung, Seminar, Exkursion, Übung oder Praxisberatung. Das Studium
schließt mit der Diplomprüfung ab.

8.3 Was sind die Inhalte des Studiums zum Heilpädagogen an Universitäten? 3
Neben dem Studium an Fachhochschulen ist es auch möglich, Heilpädagogik an
Universitäten zu studieren. In Deutschland wird dieser oder ein ähnlich lautender
Studiengang u. a. an den Universitäten in Berlin, Dortmund, Gießen, Halle und Köln
angeboten. Um einen Kurzüberblick über die Struktur eines solchen Studiums zu
bekommen, wurde hier der Studiengang „Rehabilitation und Pädagogik bei
Behinderung“ in Dortmund ausgewählt.
Das Studium umfasst in der Regel neun Semester und schließt mit einem Diplom
ab. Anders als an den Fachhochschulen werden die Studienplätze nicht direkt von der
Universität vergeben, sondern über die ZVS (Zentralstelle für die Vergabe von
Studienplätzen).
Schon nach dem ersten Semester müssen sich die Studierenden festlegen, welche
Richtung der heilpädagogischen Arbeit sie in Zukunft einschlagen wollen. Sie müssen
sich für zwei der vier folgenden Richtungen „ästhetischer Bildung und Kreativtherapien
– Kunst, Musik, Bewegung“, „beruflich-soziale Bildung und Rehabilitation im
Erwachsenenalter“, „Frühförderung bei Behinderung“ und „Sprachheilpädagogik“
entscheiden.
Außerdem werden im Grundstudium allgemeine Grundlagen, beispielsweise in
den Bereichen Erziehungswissenschaft, Rehabilitationsmedizin, Grundlagen des
wissenschaftlichen und empirischen Arbeitens, Psychologie und Soziologie, vermittelt.
Im Grundstudium ist ein Praktikum im Umfang von acht, im Hauptstudium von
zwölf Wochen zu absolvieren.

64
Die Aufgaben in einem heilpädagogischen Praxisfeld liegen in der Erziehung,
Bildung, Förderung und Begleitung von Menschen jeder Altersstufe mit körperlichen
geistigen oder seelischen Behinderungen oder drohenden Behinderungen.

8.4. Wo kann ein Heil- und Sonderpädagoge arbeiten?


Eine Auswahl an Tätigkeitsfeldern, in denen Heilpädagogen interdisziplinär mit
anderen Professionen zusammenarbeiten, wird in der folgenden Liste aufgeführt:
■ Frühförderstellen, sozialpädiatrische Zentren und Ambulanzen
■ Sonderkindergärten, heilpädagogische, integrative Kindergärten
■ Kindertageseinrichtungen und Horte
■ Erziehungs-, Familien-, Schulberatungsstellen
■ Stationäre und teilstationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe (Tagesgruppen
und Heime)
■ Kliniken für Psychiatrie/Psychotherapie
■ Sozial- und heilpädagogische Familienhilfe
■ Freie Praxen (heilpädagogische, kinder- und jugendpsychiatrische, pädagogische,
psychologisch psychotherapeutische Praxen)
■ Rehabilitationseinrichtungen, Werkstätten für Behinderte
1) Worin unterscheiden sich Ausbildung und Studium bei
Aufgaben der beruflichen Vorbereitung eines Sonderpädagogen?
und
Anregunge 2) Welche Eigenschaften sind für diesen Beruf wichtig?
n
Besprechen Sie diese Frage in Kleingruppen und
präsentieren Sie die Antwort in der Klasse.
3) An welchem Tätigkeitsfeld möchten Sie als
Sonderpädagoge arbeiten? Begründen Sie Ihre Antwort.

65
Список литературы

1) Behinderung und Entwicklung. Informationen und Arbeitshilfen für Unterricht und


Bildungsarbeit. / Dritte Welt – Information. Ein Angebot von „eins
Entwicklungspolitik“. Hrsg. von Verein zur Förderung der entwicklungspolitischen
Publizistik e.V. – № 4 - 6. - 2007. - 16 S.

2) FAQ Heilpädagogik. - Hg.: H. Greving.- 1. Auflage.- Bildungsverlag EINS.- 2005. -


111S.

3) Pädagogik. - Hrsg.: H.Hobmair. - 4. Auflage, 1.korrigierter Nachdruck. -


Bildungsverlag EINS.- 2008. – 467 S.

Электронные ресурсы:

1) http://www.helles-koepfchen.de/artikel/1398.html

2) http://www.geo.de/GEOlino/mensch

3) http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressort/index.html

4) http://www.wikipedia.org

66
Содержание:

Kapitel I. Soziale Arbeit uns Sozialpädagogik ………………………………….


1. Grundlagen sozialer Arbeit.........................................................................
1.1. Die Gegenwartsaufgabe sozialer Arbeit........................................................
1.2. Die Sozialpädagogik als Theorie und Praxis der Kinder-und Jugendhilfe....
1.3. Lebensweltorientierte soziale Arbeit.............................................................
2. Methoden sozialer Arbeit............................................................................
2.1. Die soziale Einzelhilfe..................................................................................
2.2. Die soziale Gruppenarbeit............................................................................
2.3. Die soziale Gemeinwesenarbeit....................................................................
2.4. Das Unterstützungsmanagement (Case Management).................................
3. Aufgaben und Anregungen.......................................................................

Kapitel II. Heil- und Sonderpädagogik


1. Pädagogik als Wissenschaft ………………………………………………..
1.1. Die Begriffe „Pädagogik" und „Erziehungswissenschaft"…………………………..
1.2. Disziplinen der Pädagogik…………………………………………………………..
2. Heil- und Sonderpädagogik……………………………………………………
3. Behinderung als Gegenstand der Heil- bzw. Sonderpädagogik………………….
4. Arten von Behinderungen………………………………………………………………
4.1. Was ist eine Körperbehinderung?...............................................................
4.2 Was ist eine Hörbehinderung?....................................................................
4.3 Die Sehbehinderung…………………………………………………………
4.4 Was ist eine geistige Behinderung?.............................................................
5. Aufgabenfelder der Behindertenarbeit……………………………………………….
5.1 Die Anamneseerhebung………………………………………………………..
5.2 Heilpädagogische Diagnostik………………………………………………….
5.3 Förderung………………………………………………………………….
5.4 Die Elternarbeit………………………………………………………………
6. Integration - mit behinderten Menschen leben………………………………………
7. Erlebens- und Verhaltensstörungen als Gegenstand der Sonderpädagogik……………
7.1 Ursachen von Erlebens- und Verhaltensstörungen…………………………..
7.2 Lernstörungen…………………………………………………………….
7.3 Behandlung von Erlebens- und Verhaltensstörungen…………………………….
8. Heil- und Sonderpädagogik als Profession……………………………….
8.1 Bin ich zum Heil- und Sonderpädagogen berufen?........................................
8.2 Was sind Inhalte der Ausbildung zum Heilpädagogen?....................................
8.3 Was sind die Inhalte des Studiums zum Heilpädagogen an Universitäten?........... 3.
8.4. Wo kann ein Heil- und Sonderpädagoge arbeiten?........................................

Список литературы……………………………………………………………………

67
68