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Hier noch mal der Text:

Transkript Webschau 07.01.2011 – Dradio-Wissen (Deutschlandfunk Spartensender) (Das folgende


ist wie gehört niedergeschrieben.)

Westerwelle: (Auszug aus Drei Königsrede 2011) Der Maßstab unserer Meinung, das sind unsere
Ideale, unsere Überzeugungen, das sind unsere Werte - Und wir haben den Wert, Freiheit zur
Verantwortung. Es muss eine Partei in Deutschland geben, die ohne Wenn und Aber für Freiheit zur
Verantwortung kämpft.

Moderatorin: Ein Ausschnitt aus der Rede von Guido Westerwelle, gestern auf dem Drei
Königstreffen der FDP. Im Vorfeld ist ja zu hören gewesen, das werde die wichtigste Rede in
seinem politischen Leben. Seit Wochen scheint der FDP-Vorsitzende direkt auf der Abschussrampe
zu hocken und sogar seine Parteikollegen haben offen darüber nachgedacht, ob er überhaupt noch
zu halten ist. Auch vor dem Hintergrund, dass die FDP bei Umfragen derzeit bei ungefähr drei bis
vier Prozent dümpelt. Wenn man das vergleicht: Bei der Bundestagswahl hatten die Liberalen 14,6
Prozent errungen.
Und nun das: Eine Stunde hatte Guido Westerwelle gestern das Wort in Stuttgart. Doch von Einsicht
keine Spur. Das die FDP vielleicht Fehler gemacht haben könnte und am Ende sind die FDPler im
Saal aufgestanden und haben ihrem Vorsitzenden applaudiert. Bei mir im Studio ist Konstantin
Zurawski mit der Webschau. Konstantin, das ist doch sicher ein gefundenes Fressen für
Kommentatoren. Wer hat sich denn im Netz schon darüber hergemacht?

Konstantin: Also die Blogger, die haben sich noch gar nicht so wirklich viel zu Wort gemeldet. Es
scheint nicht so ein Riesen Thema bei denen zu sein. Die klassischen Medien, die berichten und
kommentieren aber sehr viel und sie sind sich auch sehr einig. Von wirtschaftsliberal über
konservativ zu links und sozialliberal was die mediale Ausrichtung angeht: Alle schreiben das war
nicht die große Rede des Guido Westerwelle. Wir wollen aber mit etwas ganz anderem anfangen:
Nämlich ein paar Tweets, äh, die ich mitgebracht habe. Kurzmeldungen auf Twitter. Und einer ganz
interessanten Sichtweise, wie ich finde. Diese Tweets, die stammen nämlich von Julia Probst, sie ist
seit ihrer Geburt Gehörlos und weil sie nicht hören kann, kann sie, das sagt sie von sich selbst,
besser die Körpersprache von Menschen deuten, als das Menschen können die hören was gesagt
wird.

Moderatorin: Das heißt, sie hat gestern nicht an den Lippen von Guido Westerwelle gehangen,
sondern sie hat nur auf seine Körpersprache geachtet?

Konstantin: Genauso ist das und sie hat ihre Eindrücke gestern während der Rede live getwittert.
Dutzende Tweets sind da zusammen gekommen. Ich habe mal ein paar rausgesucht und
mitgebracht. Julia Probst twitterte gestern während der Rede zum Beispiel:

Oh, Westerwelle knetet seine Hände. Das nennt man das Beruhigungsstreicheln, wenn man
sich selbst Mut zusprechen muss.

Oder auch dieser:

Über seine Stirn huschen immer wieder Zweifel über die Richtigkeit seiner Aussagen.
Und weiter bei Tweet:Westerwelle überzeugt mich einfach nicht. Das Verlegenheitskratzen und die
vorgetäuschte
Lässigkeit.

Oder:

Lippenlecken und Mundwinkelzucken – Gekräuselte Stirn und Nasenkratzen – der steht


gewaltig unter Druck.

Und der letzte Tweet als Beispiel für die dutzenden Tweets von der Gehörlosen Julia Probst:

Lindner guckte grad beim Klatschen auf den Boden damit man sein Siegerlächeln nicht
sieht.

Moderatorin: [Unverständlich] Christian Lindner der Generalsekretär der FDP, der ja schon
bisschen heimlich gehypt wird als der potentielle Nachfolger von Guido Westerwelle. Wie sind
denn diese Tweets von Julia Probst bekannt geworden? Sie ist wahrscheinlich nicht die Einzige, die
über Guido Westerwelles Rede getwittert hat...

Konstantin: Richtig! Also zum einen hat sie 1500 Follower bei Twitter, das ist ja schon mal eine
recht ordentliche Zahl – zum anderen sind ihre Tweets jetzt in einigen Blogs verlinkt worden, also
so heute im Laufe des Vormittags, ähm, ist das so bekannt geworden, äh, auch bekannt geworden ist
ein Artikel der Rheinzeitung. Die Rheinzeitung hat über Julia Probst und ihre Analyse berichtet -
online in einem längeren Artikel als in der Printausgabe. Und auf der Website der Rheinzeitung, da
ist sie gefragt worden, was es denn mit der Deutung der Körpersprache auf sich hätte. Darauf sagte
sie, also Julia Probst, die gehörlose Julia Probst – Zitat:

Um das Gesagte abzulesen muss ich ja meinen Gegenüber immer auf das Dreieck Augen
Nase Mund schauen. Wenn man dann noch an die Gebärdensprache gewöhnt ist, ergibt sich,
dass man automatisch auch auf die Körperbewegungen schaut.

Deshalb, das schreibt jetzt die Rheinzeitung, deshalb ist sie sich sicher, dass sie mehr sieht als das
Gesagte.

Moderatorin: Und was hat sie denn konkret gesehen? Zu welchem Ergebnis ist sie gekommen
nachdem sie die Körpersprache von Westerwelle analysiert hat?

Konstantin: Also, äh, der Rheinzeitung hat sie ihren Eindruck von Westerwelle zusammengefasst
und der lautet, ich zitiere:

Das war nicht der gewohnte Westerwelle, wie wir ihn kennen. Weniger bissig, weniger
kämpferisch. Das konnte ich auch daran erkennen, dass er sich die Hände immer wieder
kurz beschwichtigend gestreichelt hat um sich selbst kurz Mut zu machen.

Moderatorin: Das sind ja durchaus Hinweise, dass dem FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle doch
nicht so ganz wohl gewesen ist, gestern in seiner Haut. Was er aber von sich gegeben hat, das klang
ja gar nicht nach verlegenen Handsteichel oder Lippenlecken oder so, sondern kämpferisch ohne
jeden Anflug von Selbstkritik. Wie das die Zeitungen und einige Blogger kommentieren, dazu hören
sie gleich mehr in der Webschau

PAUSE

Moderatorin: Sie hören die Webschau mit Konstantin Zurawski auf D-Radio Wissen. Und wir
beschäftigen uns mit den Reaktionen auf die Rede von Guido Westerwelle bei beim Drei
Königstreffen der FDP gestern. Der kritisierte Politiker zeigte sich dort sehr kämpferisch auch wenn
seine Körperhaltung eine andere Sprache gesprochen hat wie wir gerade erfahren haben von einer
Gehörlosen Beobachterin. Und die meisten Kommentatoren im Netz haben sich auf seine Worte
konzentriert und die Kommentatoren der klassischen Medien vor allem sind anscheinend recht einig
in ihrer Bewertung, dass war kein großer Auftritt, keine große Rede von Guido Westerwelle,
Konstantin, was sind denn die größten Kritikpunkte an Westerwelles Auftritt?

Konstantin: Also es gibt einen größten Kritikpunkt, das kann man so sagen, das ist der, dass
Westerwelle keine Selbstkritik geübt hat. Auf der online Ausgabe der Financial Times Deutschlands
zum Beispiel, Thomas Schmoll schreibt da in seinem Kommentar, dass Westerwelle den
Delegierten etwas vorgegaukelt hätte, so steht das da, seine Rede wäre eine gewesen, die er schon
hundert Mal gehalten hätte. Westerwelle hätte an die alten Tugenden der FDP erinnert. Die alten
Stärken hervorgehoben und Sätze gesagt wie „Deutschland darf nicht Links überlassen werden“,
oder, „die FDP wird kämpfen. Ich werde kämpfen.“ Thomas Schmoll hat das kommentiert diese
Sätze von Guido Westerwelle, er schreibt dazu:

Mehr nicht! Kein Konzept oder eine Vision für die Zukunft. Nur uralte Phrasen, Parolen und
Forderungen.

Ganz ähnlich sieht das Roland Nellis auf Spiegel Online. Dort hat er kommentiert – Zitat:
Schade, wie erfrischend wäre es gewesen ein Mal einen anderen Westerwelle zu erleben.
Einen der zur Selbstkritik oder vielleicht wenigstens zur Selbstironie fähig ist. Einen der
zugibt, dass nicht alles rosig und dufte ist. Glaubwürdigkeit entsteht dadurch, dass man
sagt, was ist und nicht durch Selbstbetrug.

Zitat-Ende – Roland Nellis auf Spiegel Online. Dann gibt es noch den bekannten Politblogger
Michael Spreng vom Blog Sprengsatz. Auch er kritisiert, dass Westerwelle keine Selbstkritik übt.
Zitat:

Warum der beispiellose Absturz der Partei? Keine Antwort. Warum die massive Kritik aus
der eigenen Partei? Keine Antwort. Warum der ungeheure Ansehensverlust des Parteichefs?
Keine Antwort, stattdessen endlose Beschwörungen der Erfolge der Vergangenheit.

Zitat-Ende – Michael Spreng. Er schreibt übrigens weiter, dass man Vertrauen bei den Wählern nur
zurück gewinnen kann, wenn man Fehler erkennt und sie anspricht. Das hätte Westerwelle nicht
geschafft, weil ihm Selbsterkenntnis und Kraft fehle.

Moderatorin: Was diesen Kritikpunkt angeht: Westerwelle habe seinen eigenen Fehler und auch die
Fehler der Partei nicht eingestanden. Haben die Kommentatoren auch Ratschläge parat was
Westerwelle hätte besser machen können?

Konstantin: Also zum einen ist da die Forderung, Westerwelle muss das Amt aufgeben, das Amt des
Parteivorsitzenden. Thomas Schmoll von der Financial Times schreibt, dass Westerwelle wenigstens
eines der beiden Ämter aufgeben soll, also Außenminister oder Parteivorsitzender. Ähnlich sieht das
der Blogger Savas Savidis auf dem Blog-Netzwerk „Readers Edition“. Er schreibt da Westerwelle
äh wäre überfordert mit den beiden Ämtern, Parteivorsitzender und Außenminister.

Moderatorin: Und damit wären wir doch wieder voll in der Personaldebatte. Das klingt ein wenig
als hätte Westerwelle außer zurück zu treten eigentlich gar nichts gut machen können.

Konstantin: Das ist in der Tat an einigen Stellen zu lesen, also dass er mit der Rede Erwartungen
hätte erfüllen müssen, die er eigentlich gar nicht erfüllen kann, aber wenn man es mal konstruktiv
formulieren will, könnte man sagen, dass er mehr konkrete, liberale politische Ziele hätte ausgeben
können. So ist das an einigen Stellen zu lesen. Das hätte aber gar nicht er gemacht, also
Westerwelle, sondern sein Generalsekretär Christian Lindner. Das schreiben einige, zum Beispiel
Romand … Roland Nellis auf Spiegel Online. Zitat:

Es war eine gute Rede. Eine Rede die des Vorsitzenden der großen, alten, liberalen Partei
würdig war. Alle Themen wurden angesprochen analysiert. Und die Anhängerschaft zeigte
sich begeistert. Selbst die nötige Abgrenzung zum wichtigsten, politischen Gegner, den
Grünen, gelang perfekt. Nur blöd für Guido Westerwelle. Nicht er hat diese Rede gehalten,
sondern Christian Lindner, sein Generalsekretär.

Moderatorin: Christian Lindner der bringt sich anscheinend wirklich geschickt in Stellung ohne
seinem Vorsitzenden direkt auf die Füße zu treten, außer wenn man so genau hinschaut wie die
Gehörlose Twitterin Julia Probst, die ja gesehen hat, wie er beim Klatschen nach Westerwelles Rede
zu Boden schaute – Mit einem Siegerlächeln auf den Si – auf den Lippen. Das war die Webschau
mit Konstantin Zurawski zu den Reaktionen und Kommentaren auf die Rede von Guido Well
Westerwelle gestern. Alle Links finden sie auch in Kürze bei uns im Netz auf Dradiowissen DE.

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