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Ist der zweite bekannte Offa-Dinar mit großer münzgeschichtlicher Tragweite echt

oder falsch? – Wie moderne materialanalytische Verfahren diese Frage klären helfen

In der November- Da Goldmünzen


Ausgabe 2009 von in Nordeuropa
moneytrend wurde zu dieser früh-
auf der Titelseite eine mittelalterlichen
interessante, konter- Zeit in der Regel
markierte Goldmünze nicht mehr ge-
vorgestellt, welche im prägt wurden
Fachartikel „König und fast nur
Offa lässt Gold prä- arabische Dinare
gen? – Neue Auf- durch den
schlüsse für die angel- Handel in
sächsische Münzge- nennenswerten
schichte“ eingehend Mengen zur
diskutiert wurde. Verfügung
Wie daselbst ausge- Kontermarkierter Dinar des Jahres 152 AH (769 AD, linkes Bild) und imitativer Offa-Dinar standen, wäre es
von 152 AH (rechtes Bild). Sind beide Münzen Gepräge des angelsächsischen Königs Offa
führt, nimmt König vom Mercia (757-96 AD)? Während der imitative Dinar im Britischen Museum als echt gilt, für den König
Offa von Mercia (757 stellt sich beim kontermarkierten Dinar aus einer privaten Sammlung dringlichst diese am einfachsten
-796 AD) in der eng- Frage. Wäre auch dieser zweite aufgetauchte Dinar echt, würde ihm eine münzgeschichtlich gewesen
lischen Münz- und große Tragweite zukommen. Die Echtheitsfrage konnte in den analytischen Laboratorien in originale Dinare
Hannover geklärt werden: es handelt sich n i c h t um eine moderne Gegenstempelung.
besonders Staatsge- gegenzustempel
schichte eine heraus- n, was das neu
ragende Rolle ein. Nach derzeitigem Stand des Wissens aufgetauchte Stück gut erklären würde. Dagegen stellt das
war er der erste Herrscher, welcher den Titel „rex ang- imitative Stück im Britischen Museum eine aufwändige
lorum“ (König der Engländer) geführt hat. Im Laufe seiner Umprägung dar und überrascht eben wegen des höheren
langen Regierungszeit gelang es ihm, die sieben angel- Aufwandes in der Herstellung viel mehr, als die relativ
sächsischen Königreiche (Heptarchie) unter sich zu ver- einfache Konter-markierung.
einen, weshalb er wohl (im Jahre 774) den besagten Titel
annahm und als erster König von England gilt. In der nu-
mismatischen Geschichte machte sich Offa als Reformer
des englischen Münzwesens einen Namen. Zu seinen be-
deutendsten Neuerungen zählte die erstmalige Ausprägung
einer Penny-Münze, welche als Nominal bis heute Bestand
hat. Auf einigen dieser Münzen erscheint sein Bild oder
auch das Bild seiner Gattin. Als Münzstätten waren Can-
terbury, London und zumindest eine in East Anglia tätig.
Im Verlaufe seiner Regierung hat er den Silbermünzfuß
angehoben und ließ auch (äußerst rare) Goldmünzen prä-
gen, darunter imitative Dinare, so genannte Mancusi.
Dafür dienten Dinare der Abbasiden als Vorbild, welche
wegen ihres konstant hohen Feingehalts (um 99 %) und
der weiten Verbreitung bei Kaufleuten und von der Be-
völkerung hoch geschätzt wurden.
Von Papst Leo III. ist ein interessantes Schreiben an König Prof. Wolfgang Hahn und der Materialanalytiker Robert Lehmann
Coenwulf, einen Nachfolger Offas überliefert, in welchem im Analysenlabor des Instituts für Anorganische Chemie der Leibniz
daran erinnert wurde, dass König Offa dem damaligen Universität Hannover. Zu sehen ist ein leistungsstarkes Digital-
Papst, Hadrian I. (772-95 AD), einen jährlichen Ehren- stereomikroskop, mit dessen Hilfe bei 1000-facher Vergrößerung die
fragliche Offa-Münze mit einschlägigem Münzmaterial verglichen
tribut von 365 Goldstücken („mancuses“, jeweils 1 Gold- wurde.
stück pro Tag) versprochen hatte. Möglicherweise wurde
diese Summe in Form von imitativen Dinaren entrichtet Obwohl also die neu aufgetauchte Münze mit der
und in diesen Zusammenhang würde auch der konter- Kontermarke plausi-bel zu erklären wäre, wurde ihre
markierte Dinar passen. Echtheit schon wegen des durch die hohe Bedeutung für
englische Münzge-schichte bedingten, nicht
unbeträchtlichen Sammlerwerts verständ-licherweise in
Frage ge-stellt, zumal das Stück aus Privatbesitz stammt
und keine Fundprove-nienz hat. Auf dem 14.
Internationalen Numis-matikerkongress in Glasgow
Anfang September 2009 stellte Herr Prof. Hahn vom
Institut für Numismatik und Geldgeschichte der
Der untersuchte Dinar (Nr. 1) des Jahres 152 AH mit dem Universität Wien das Stück vor und trat im Anschluss
Gegenstempel „OFFA REX“.
daran an Herrn Robert Lehmann von den
Analytiklaboratorien der Universität Hannover heran mit
der Anfrage nach den hierbei mit
Möglichkeiten einer 98,5 Gew-%
Echtheits-überprüfung Gold den
aus materialtechnischer niedrigsten
Sicht. Da die analy- Feingehalt der
tischen Laboratorien in untersuchten
Hannover vom Wiener Objekte dar.
Institut im Rahmen Geschnittener „OFFA REX“-Gegenstempel und dessen Abschlag in modernem Gold (Nr. 5) Da die LFK
mehrerer und auf einem originalen Abbasiden-Dinar (Nr. 3b) (152 AH, selbes Jahr wie beim echten eine reine
Kooperationsprojekte Offa-Dinar). Obwohl stets mit vergleichbarer Kraft geprägt wurde, zeigt der echte Dinar ein Relativmethod
schon zahlreiche nicht so scharf ausgeprägtes Bild wie das moderne Gold. Dies ist zum Teil auf den schiefen e ist, können
Dinar-Schrötling, zum Großteil jedoch auf die Altersverhärtung der Münze zurück zu
monetäre Objekte für führen. Hierbei gilt der Grundsatz, dass eine Münze umso härter wird, je älter sie ist. nur Objekte
Materialanalysen zur Verantwortlich für die Zunahme der Härte, die eine deutliche Erhöhung der Prägekraft zur mit ähnlicher
Verfügung gestellt guten Ausprägung erfordert, sind Alterungseffekte des Metalls (Altersverhärtung, die Zusammensetz
bekommen hatten, war Münzen werden brüchiger). Im vorliegen Fall wurde jedoch nicht auf die Ausprägung, ung und
sondern auf eine entsprechende Prägekraft Wert gelegt, um für die Analysen vergleichbare
eine fundierte Analy- Prägespuren zu erzeugen. Dimensionen
senerfahrung gegeben, miteinander
die besonders bei der Fäl-schungserkennung sehr hilfreich vergli-chen werden. Sie ermöglicht die Sortierung von
ist. Im November reiste dann Prof. Hahn persönlich nach Legie-rungen, Lokalisierung von Fehlstellen und kann
Hannover, im Gepäck die besagte kontermarkierte Münze aufgrund des Einflusses des Alters auf die Leitfähigkeit
sowie einige originale abbasidische Vergleichsexemplare. einer Münze im eingeschränkten Maße zur
Da die Untersuchung wegen des großen numismatisch- Fälschungsanalyse einge-setzt werden. Die LFK-
historischen Wertes der Offa-Münze zerstörungsfrei erfol- Ergebnisse sind in folgender Tabelle dargestellt.
gen musste, wählte Herr Lehmann als geeignete Analy-
setechniken die Rasterelektronenmikroskopie (REM), µ- Leitfähigkeit Fehler
Röntgenfluoreszenzanalyse (µ-RFA), Digitalstereomikro- Objekt in MS/m In MS/m
skopie und die Leitfähigkeitsmessung (LFK). Alle diese Nr. 1: Offa-Dinar 35,4 0,4
Analysen konnten in Anwesenheit von Prof. Hahn inner- Nr. 2: Dinar 152 AH 24,8 0,4
halb von 3 Stunden durchgeführt werden. Nr. 3a: beschnittener Dinar
Zur Überprüfung der Ergebnisse wurden auch einige 152 AH im
Mancus-Gewicht vor der
Prägexperimente angestellt. Hierfür fertigte Herr Lehmann Gegenstempelung im Labor 21,7 0,1
einen „OFFA REX“-Gegenstempel an, mit welchem mo- Nr. 3b: beschnittener Dinar
dernes 99 %-iges Gold (Nr. 5a) und ein echter Dinar aus 152 AH im
dem Jahr 152 AH (Nr. 3a) (gleiches Jahr wie der kon- Mancus-Gewicht nach der
Gegenstempelung im Labor 21,8 0,1
termarkierte Offa-Dinar) beprägt wurden. Die Prägung Nr. 4: Mancus 157 AH
erfolgte händisch mit dem Hammer, um eine ähnliche (98,5 % Gold) 6,5 0,1
Krafteinwirkung wie bei den Originalstücken zu simu- Nr. 5a: Modernes 99%-Gold 51,2 0,1
lieren. Die daraus resultierenden Gepräge (Nr. 3b und 5b) Nr. 5b: Gegengestempeltes
wurden eingehend materialanalytisch untersucht und mit modernes 99%-Gold 51 0,1
den Ergebnissen des Offa-Dinars (Nr. 1) verglichen.
Die LFK-Ergebnisse zeigen, dass die Leitfähigkeit von
echten Dinaren aus der Zeit des gegengestempelten Dinars
(um 770 AD) Werte unter 25 MS/m aufweisen. Eine stark
erniedrigte LFK, wie beim Mancus (Nr. 4) zu beobachten,
kann vorkommen und ist meistens auf Materialfehler und
die Herstellungstechnik zurückzuführen. Entscheidend ist,
dass die LFK nicht den Wert von modernem Gold
ähnlicher Zusammensetzung erreichen darf. So weist auch
der Offa-Dinar (Nr. 1) mit etwa 35 MS/m eine wesentlich
niedrigere LFK auf, als das moderne Vergleichsgold ähn-
licher Dicke. Dies ist ein Indiz dafür, dass die fragliche
Vergleichsmünzen. Links ein originaler abbasidischer Dinar des Münze nicht aus modern eingeschmolzenem und verpräg-
Prägejahrs 152 AH= 769 AD (Nr. 2). Mittig ein auf das Mancus- tem Gold hergestellt wurde. Lediglich die Folgen eines
Gewicht beschnittenes, originales Exemplar (Nr. 3a). Rechts ein Gusses könnten die LFK von modernem Gold ähnlich
Mancus mit dem Prägejahr 157 AH (773 AD), eine Dinar-Imitation, absenken. Mittels REM und Digitalstereomikroskopie
vermutlich aus Italien (Nr. 4)
konnte ein Guss jedoch sicher ausgeschlossen werden.
Allerdings zeichnet sich der Offa-Dinar im Vergleich zu
Da alle Vergleichsobjekte (sowohl Münzen, als auch die
den anderen Dinaren durch eine erhöhte Leitfähigkeit aus,
moderne Goldlegierung) einen Feingehalt von etwa 99%
was zunächst merkwürdig erscheint. Diese lässt sich damit
aufwiesen, konnte eine vergleichende Leitfähigkeits-
erklären, dass die Münze entweder modern aus einer Le-
messung durchgeführt werden. Ein untersuchter Mancus
gierung anderer Zusammensetzung hergestellt wurde oder
(Nr. 4) (Dinar mir leichterem Gewichtsstandard) wies
dass die Münze einer Hitzebehandlung in neuerer Zeit
unterworfen war. Der Guss von modernem Gold würde in der LFK sehr gering. Dies zeigt auch die Gegen-
zwar auch eine ähnliche LFK verursachen, allerdings stempelung von modernem Gold (Nr. 5b) und des Dinars
konnte ein Guss bereits durch Voruntersuchungen eindeu- von 152 AH im Mancus-Gewicht (Nr. 3b). Hier liegt die
tig ausgeschlossen werden. Weiterhin wurde bei den Veränderung der LFK im Fehlerbereich der einzelnen
Analysen festgestellt, dass der eigentliche Dinar, welcher Messungen. Bei anderen Münzmetallen ergeben sich aller-
dann kontermarkiert wurde, ebenfalls zweifelsfrei echt ist. dings signifikante LFK-Unterschiede, so dass dort die
Es bleibt also nur die Erklärung einer Hitzebehandlung Identifizierung einer modernen Gegenstempelung prinzi-
(über der Umkristallisationstemperatur von etwa 400°C), piell eher möglich ist.
um die Anomalie der LFK des Offa-Dinars zu erklären. Zur Klärung der Frage ob der Offa-Gegenstempel beim
Aus welchem Grund sollte man aber eine Münze einer fraglichen Offa-Dinar zeitgenössisch ist oder erst in mo-
Hitzebehandlung unterziehen? Diese Frage ist einfach zu derner Zeit eingeschlagen wurde, wurde die Oberfläche,
beantworten, wenn man sich intensiv mit Fundmünzen aus besonders an den Prägekanten, mittels Stereomikroskopie
dem arabischen Raum beschäftigt. Die meisten auf den und Rasterelektronenmikroskopie untersucht.
Markt kommenden Münzen stammen bekanntlich aus
Schatzfunden. Diese Stücke sind sehr oft korrodiert und/
oder zusammengebacken und deshalb unansehnlich. Auch
Gold korrodiert, obzwar wesentlich langsamer als andere
unedlere Metalle. Die Erfahrung der Analyse von Schatz-
fundmünzen zeigt, dass Goldmünzen aus Mischfunden mit
Silber und Kupfer öfters mit den unedleren Münzen ver-
backen sind und deshalb auch stärkere Korrosion auf-
weisen. Nach Augenzeugenberichten verwenden u.a. ori-
entalische Goldschmiede hierbei gerne die Technik der
Feuerreduktion, um die Münzen zu trennen und vom
Großteil der unansehnlichen Korrosion zu befreien. Dabei
wird die korrodierte Münze mit einer Flamme bis kurz
unter den Schmelzpunkt von Gold erhitzt. Bei diesen Digitalstereomikroskopvergrößerung einer Prägekante der moder-
hohen Temperaturen entstehen reduzierende Bereiche in nen Gegenstempelung eines echten Dinars von 152 AH im Mancus-
Gewichtsstandard (Nr. 3b). Deutlich ist die durch Umlaufspuren und
der Flamme, wo die Korrosion umgewandelt wird. Es Korrosion zerklüftete Originaloberfläche des Dinars zu erkennen. Im
findet eine Rückreaktion statt, bei welcher aus dem Gegensatz dazu zeigen die Bereiche der Gegenstempelung eindeutig
korrodierten Gemenge wieder kleine Metallkügelchen eine geglättete Oberfläche, es sind sogar Spuren des Schneid-
entstehen, während Chloride u.a. Verunreinigungen ver- werkzeugs, mit welchen der Stempel geschnitten wurde, zu erkennen.
Auch eine nachträgliche Korrosion würde zu keiner gänzlichen
dampfen. Diese kleinen Metallklumpen verbrennen Angleichung der Oberfläche führen, weil die neu verdichteten Berei-
weitestgehend in der Flamme bzw. werden sofort nach der che ganz anders korrodieren als die restlichen Bereiche der
Entstehung weggeblasen. Übrig bleibt die von Korrosion originalen und nicht neu geprägten Münzoberfläche. Die moderne
befreite Münze, von welcher manchmal noch anhaftender Einstempelung führte zu einer Tiefe des Reliefs von etwa 215 µm
(0,215 mm), was zufälligerweise typisch modernen Reliefhöhen bei
Restbelag abgebürstet werden muss. Da man die Auf- Umlaufmünzen entspricht.
heizung lediglich nach Augenmaß steuert, kommt es bei
diesem Prozess häufiger vor, dass die Münze zu heiß wird
und in einigen Bereichen anschmilzt. Doch dieses Risiko
wird offenbar in Kauf genommen, um die unansehnlichen
Korrosionsanhaftungen zu entfernen. Noch heute ist diese
Vorgehensweise bei Funden im asiatischen Raum stark
verbreitet. Im europäischen Raum ist man sich des hohen
Sammlerwerts solcher Münzen schon seit längerem be-
wusst und kennt viel schonendere, wenn auch lang-
wierigere und aufwändigere Methoden zur Korrosions-
Digitalstereomikroskopvergrößerung einer Prägekante des Offa-
entfernung, welche die Münze weit weniger beschädigen. Dinars (Nr. 1). Es ist deutlich zu erkennen, dass die Oberflächen so-
So ist das Phänomen der Feuerreduktion hier heutzutage wohl des gegengestempelten Bereiches, als auch der ursprünglichen
weitgehend unbekannt. Das bedeutet aber nicht, dass der Münze gleiche Beschädigungs- und Korrosionsspuren aufweisen. Die
kontermarkierte Offa-Dinar aus einem orientalischen Fund Oberflächencharakteristika unterscheiden sich gänzlich von denen
des neu gegengestempelten Dinars. Diese Beobachtung lässt die
kommen muss. Da er aus einer älteren Sammlung stam- Schlussfolgerung zu, dass die Gegenstempelung des Offa-Dinars zeit-
men soll, ist es durchaus möglich, dass er zu einer Zeit nah zur eigentlichen Prägung stattfand. Der genaue Zeitunterschied
gefunden wurde, als die Methode der Feuerreduktion in ist hierbei mittels der eingesetzten Untersuchungsmethode nicht
Europa noch weit verbreitet war, etwa vor dem 20. Jh. aufzuklären. Beide Prozesse dürften jedoch älter als tausend Jahre
sein, da keine unterschiedlich ausgeprägten und verteilten Mikrorisse
Die Frage, zu welchem Zeitpunkt die Gegenstempelung erkennbar sind, welche entstehen sollten, wenn zwischen den Prä-
des Offa-Dinars erfolgte, kann allein mit der LFK nicht gungen Jahrhunderte liegen und die Münze anschließend einer
beantwortet werden. Zwar sinkt die Leitfähigkeit bei langen, intensiver Korrosion unterworfen war. Dass die Korrosion
Gegenstempelung durch eingebrachte Materialfehler hier nicht so stark war um die gesamte Oberfläche zu nivellieren,
lassen die Spuren des Bearbeitungswerkzeugs des Gegenstempels
(hauptsächlich mikroskopische Risse) ab, jedoch ist bei erkennen (schräge parallele Kratzer). Diese Art der Spuren ist
Gold auf Grund seiner hohen Duktilität im Vergleich zu typisch für Handarbeit und lässt eine maschinelle Bearbeitung
den anderen Münzmetallen der resultierende Unterschied ausschließen.
mittels Rasterelektronenmikroskopie untersucht. Das Ras-
terelektronenmikroskop erlaubt Vergrößerungen bis zu 1
000 000-fach, wodurch kleinste Materialfehler von echten
und falschen Münzen zuverlässig verglichen werden kön-
nen. Weiterhin erlaubt diese Technik über den Element-
kontrast Abbildungen zu erstellen, in denen die lokale
Verteilung der Elemente zu erkennen ist.

Digitalstereomikroskopvergrößerung einer Prägekante des echten


Dinars im Mancus-Gewichtsstandard (Nr. 3). Die Prägekante zeigt
eine Höhe von etwa 150 µm und typische Beschädigungen (Mikro-
kratzer und Korrosion) einer länger umgelaufenen Münze. Eine
Imitation solcher Umlaufspuren an den Prägekanten ist nur schwer
möglich. Selbst die meisterhaften Beckerschen Fälschungen, welche
der Fälscher zur Imitation von Umlaufspuren und zufälligen Abrieb
über zwei Wochen in einer Kiste mit Mist und Eisenspänen unter
seine Postkutsche gespannt hatte, lassen sich an Hand der sauberen
Prägekanten eindeutig unterscheiden.

Rasterelektronenmikroskopaufnahme (Elektronenbild) des Randes


des Offa-Dinars (Nr. 1). Deutlich sind Putzspuren zu erkennen. Diese
sind so verteilt, dass weniger ein gewollter Abrieb, als eher die
Reinigung der Münze anzunehmen ist.

Rasterelektronenmikroskopaufnahme der Gegenstempel-Prägekante


des Offa-Dinars. Das rechte Bild zeigt den Elementkontrast, wobei
leichte Elemente (Korrosionsbestandteile) dunkel und schwere (Gold)
hell erscheinen. Das Gesamtbild der Korrosionsverteilung im mikros-
kopischen Maßstab weist eine sehr alte Münze mit starken Um-
laufsspuren aus. Eine Imitation dieser Spuren ist nur schwer
möglich.

Digitalstereomikroskopvergrößerung eines Bereichs des Offa-Dinars


(Nr. 1). Auf der linken Bildseite ist das originale Relief mit der
Rasterelektronenmikroskopaufnahme der arabischen Legende auf
arabischen Inschrift, auf der rechten Seite das Relief des Gegen-
dem Offa-Dinar. Es zeigt sich ein typisches Bild einer geputzten alten
stempels erkennbar. Die Oberfläche zeigt neben gleichen Mikro-
Münze, wobei zwischen den Buchstaben Bereiche mit metallischen
beschädigungen auch intensive Putzspuren, was zu der Erklärung
Anhaftungen zu sehen sind, welche Spuren einer Feuerreduktion sein
einer Reinigung mit Feuerreduktion mit anschließendem Abbürsten
könnten.
der Münze passen könnte.

Für eine genauere Betrachtung der Oberflächen und Be- Die Summe der Ergebnisse der Analysen, welche von
wertung der Schädigungsmuster wurden die Münzen Prof. Hahn und Herrn Lehmann in den analytischen
Rasterelektronenmikroskopaufnahme der Bereiche zwischen den
aufgeprägten Buchstaben auf dem Offa-Dinar. 800-fache Vergröße-
rung. Es sind Spuren von fein verteilten Metallauflagen erkennbar,
welche auf die Münzoberfläche geschmiert wurden. Dies sind
deutliche Hinweise für eine Feuerreduktion. Zunächst wurde die
Korrosion bis auf das enthaltene elementare Metall mittels Feuer
reduziert und die fein verteilten Metallreste der Korrosion durch
Abbürsten entfernt, wobei an vielen Stellen die besonders feinen
Metallanhaftungen auf die Münzoberfläche geschmiert wurden.

Laboratorien in Hannover durchgeführt wurden, lassen die


Schlussfolgerung zu, dass es sich beim vorliegenden
Offa-Dinar um einen originalen Dinar mit einem nur
wenig später aufgebrachten „OFFA REX“-Gegen-
stempel handelt. Die Münze stammt wohl aus einem
Bodenfund, bzw. einem Schatzfund mit mehreren zu-
sammen gebackenen Stücken und war stärker korrodiert.
Die Materialcharakteristika, besonders der Oberfläche,
deuten darauf hin, dass die Münze mittels Feuerreduktion
und anschließendem Abbürsten gereinigt wurde. Die
Gegenstempelung weist gleiche Oberflächencharakteris-
tika auf wie der Rest der Münze und dürfte zeitnah erfolgt
sein, d. h spätestens mittelalterlichen Ursprungs sein.
Im Rahmen dieses Artikels konnten nicht alle Ergebnisse
aufgelistet werden, für weitere Fragen wenden Sie sich
bitte an Prof. Hahn oder Herrn Lehmann. Mit der
materialanalytischen Klärung der gestellten Frage zur
Echtheit/Falschheit der Offa-Gegenstempelung sind nun
verlässliche numismatische Interpretationen möglich. In
diesem Zusammenhang sei nochmals auf die ausführliche
Diskussion der Münze durch Prof. Hahn in der Ausgabe
11/2009 von moneytrend verwiesen.
Die Kooperation zur wissenschaftlichen Klärung der Fra-
ge, ob ein numismatisch bedeutendes Objekt echt oder
falsch ist, eröffnet eine Perspektive in der Numismatik,
welche immer stärker genutzt wird und auf Grund des
regen Interesses der Materialanalytiker an solchen Frage-
stellungen auch genutzt werden sollte. Derartige inter-
disziplinäre Arbeiten bringen sowohl die Numismatik
durch Klärung der materialtechnischen Fragen, als auch
die Materialanalytik weiter, welche geeignete Analyse-
methoden und Analysestrategien entwickeln muss. In
beiden Fachrichtungen geben solche Kooperationen
wichtige Impulse, welche durch den Informationsgewinn
in letzter Konsequenz auch im Sinne der Sammler sind.

Robert Lehmann, Materialanalytiker an der Universität


Hannover