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Einführung in die Geschichte

der Philosophie
1. Sitzung

Apl. Prof. Dr. Andreas Luckner


WiSe 2010/11
VL Einführung in die Geschichte der Philosophie WiSe 10/11 1 - 2

Übersicht 1. Vorlesung

1. Was ist überhaupt „Philosophie“?

2. Was ist überhaupt „Geschichte der


Philosophie“?

3. Übersicht über die Vorlesung „Einführung


in die Geschichte der Philosophie“

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Mögliche Leistungs- und Teilnahmenachweise in der


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•  1-Fach-Bachelor und -Master, Haupt- und Nebenfach (neu, PO 2009):
Klausur am Di,15. 2. 2011, 14:00 – 15:30, Ort wird noch bekanntgegeben.
•  2-Fach-Bachelor und -Master, Haupt- und Nebenfach (alt, PO 2004):
–  0 LP: Protokoll zu einem Thema der VL nach Wahl (s. u.)
–  5 LP: Protokoll zu einem Thema der VL nach Wahl + mündliche Prüfung
(20 – 30 min) in der Woche nach der VL-Zeit.
•  Fachfremd Studierende (Teilnahmescheine)
Scheine/Prüfungsmeldungen: auf Grundlage eines Protokolls zu einem
Thema der VL nach Wahl (s. u.)

Zu den „Protokollen“: Ein Protokoll ist eine eigenständige Arbeit von 3 – 5


Seiten zu einem Philosophen, einer Epoche, einer philosophischen
Strömung etc. nach Wahl. Zitate müssen nachgewiesen werden. Die
Ausführungen des Dozenten können, müssen aber nicht berücksichtigt
werden. Abgabetermin (Ausdruck und Datei per mailanhang) bis spätestens
18. März 2011.
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1.  Was ist überhaupt „Philosophie“?


Auf jeden Fall (was immer sie sonst noch ist):

Philosophie ist:
methodische Reflexion von (Grund-)Begriffen,
m. a. W.:
Suche nach adäquaten Begriffsdefinitionen.
Wozu? Zum Zwecke der Klärung von Gedanken und der damit
einhergehenden (Selbst-)Orientierung des Denkens.

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2. Was ist überhaupt „Geschichte der


Philosophie“?

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Drei Arten, Philosophiegeschichte zu schreiben

•  katalogisch (doxographisch)
(von griech. kata logos: gemäß der Vernunft, doxa: Meinung)

•  teleologisch
(von griech. telos: Ziel, Zweck, Sinn)

•  genealogisch
(von griech. geneá: Herkunft)

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Drei Arten, Philosophiegeschichte zu schreiben

1. katalogisch (doxographisch)

Musterbeispiel:
Diogenes Laertios,
Philosóphôn biôn kai dogmátôn synagôgê
„Zusammenstellung von Leben und Lehren der
Philosophen“ (um 220 n. Chr.)

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Drei Arten, Philosophiegeschichte zu schreiben

2. teleologisch
(von griech. telos: Ziel, Zweck, Sinn)

Musterbeispiel:
Georg Wilhelm Friedrich Hegel,
Vorlesungen über die Geschichte der
Philosophie
(1805/1832)

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Hegels Geburtshaus in
Stuttgart, Eberhardstr. 53

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Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831):


„Wenn die Geschichte der Philosophie nur eine Galerie von
Meinungen […] aufstellte, so würde sie eine sehr überflüssige
und langweilige Wissenschaft sein […] Was kann unnützer sein,
als eine Reihe bloßer Meinungen kennenzulernen, was
langweiliger? […] Eine Meinung ist eine subjektive Vorstellung,
ein beliebiger Gedanke, eine Einbildung, die ich so oder so und
ein anderer anders haben kann; – eine Meinung ist mein, sie ist
nicht ein in sich allgemeiner, an und für sich seiender Gedanke.
Die Philosophie aber enthält keine Meinungen; es gibt keine
philosophischen Meinungen. Die Philosophie ist objektive
Wissenschaft der Wahrheit […], begreifendes Erkennen und kein
Ausspinnen von Meinungen.“

(Theorie-Werkausgabe (=WW), Bd. 18, S. 30)

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Hegel II

„Es geht vernünftig zu.


Mit diesem Glauben an
den Weltgeist müssen
wir an die Geschichte
und insbesondere an
die Geschichte der
Philosophie gehen.“
(WW 18, 38)

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Hegel III

„Jede Philosophie eben darum, weil sie die Darstellung einer


besonderen Entwicklungsstufe ist, gehört ihrer Zeit an und ist in
ihrer Beschränktheit befangen. Das Individuum ist Sohn seines
Volkes, seiner Welt. Der Einzelne mag sich aufspreizen wie er will, er
geht nicht über sie hinaus, denn er gehört dem allgemeinen Geiste
an, der seine Substanz und sein Wesen ist; wie sollte er aus diesem
herauskommen? Derselbe allgemeine Geist ist es, der von seiner
Philosophie denkend erfasst wird; sie ist sein Denken seiner selbst
und ist somit sein bestimmter substantieller Inhalt. Jede Philosophie ist
Philosophie ihrer Zeit, sie ist Glied in der ganzen Kette der geistigen
Entwicklung; sie kann also nur Befriedigung für die Interessen
gewähren, die ihrer Zeit angemessen sind.“
(WW 18, 65, Hervorhebung von mir, A. L.)

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Hegel IV

Wir müssen uns begreiflich


machen, „dass diese
Mannigfaltigkeit der vielen
Philosophien […] zur
Existenz der Wissenschaft der
Philosophie schlechterdings
notwendig ist“

(WW 18, 37)

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Semesterplan I
19. 10. Einführung in die Einführung, Vorbegriff der Philosophie, Arten der
Philosophiegeschichtsschreibung. Überblick über die Vorlesung,
Scheinfragen

I Antike

26. 10. Vorsokratiker (v. a. Anaximander, Heraklit, Parmenides, Anaxagoras)


02. 11. Sophisten, Sokrates und Platon I
09. 11. Platon II
16. 11. Aristoteles
23. 11. Hellenismus (Skepsis, Epikur, Stoa, Neuplatonismus)

II Mittelalter

30. 11. Patristik (v. a. Augustinus) und Frühscholastik (Anselm, Abälard)


07. 12. Hoch- und Spätscholastik (Thomas von Aquin, Duns Scotus, Wilhelm von
Ockham, Meister Eckhart)
14. 12. f. a.
21. 12. f. a.
[Weihnachtspause]
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Semesterplan II

III Neuzeit

11. 01. Renaissance und Empirismus (Nikolaus von Kues, Bacon,


Hobbes, Locke, Hume)
18. 01. Rationalismus (Descartes, Spinoza, Leibniz)

25. 01. Kant

01. 02. Deutscher Idealismus (Fichte, Hegel, Schelling)

IV Moderne

08. 02. Die moderne Philosophie (Positivismus, Lebensphilosophie,


Phänomenologie, analytische Philosophie)

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Auswahlbibliographie I
Aster, Ernst von, Geschichte der Philosophie, 17. Aufl., Stuttgart 1980.
Bubner, Rüdiger (Hg.), Geschichte der Philosophie in Text und Darstellung. Stuttgart
1978 ff. [Eine von vielen namhaften Autoren erstellte Philosophiegeschichte mit
darstellenden Einführungstexten und Textauszügen aus den Primärtexten!]
Copleston, Frederick, A history of philosophy, London 1946 ff., 8 Bände.
Heimsoeth, Heinz, Die sechs großen Themen der abendländischen Metaphysik und
der Ausgang des Mittelalters, Berlin 1922, 3. Aufl. Darmstadt 1987.
Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Freiburg 1955 ff. (2 Bände)
[wohl die beliebteste Darstellung seit Jahrzehnten in Deutschland. Ihr folgt auch
weitgehend die noch populärere Kleine Weltgeschichte der Philosophie des
Journalisten Hanns-Joachim Störig. Nur für den allerersten Einstieg!]
Hirschberger, Johannes, Kleine Geschichte der Philosophie, Erftstadt 2004.
[Kurzfassung der zweibändigen Philosophiegeschichte].
Höffe, Otfried, Kleine Geschichte der Philosophie, München 2001 [kürzestmöglicher
Überblick, auch während des Studiums noch zu gebrauchen]
Kenny, Anthony, A New History of Western Philosophy (vol. i – iv), Oxford
(Clarendon Press) 2004. [Neueste Philosophiegeschichte vom Oxforder
Aristoteles-Altmeister. V. a. stark im Band über die Antike, sehr zu empfehlen]
Plümacher, Martina, Philosophie nach 1945 in der Bundesrepublik Deutschland,
Reinbek 1996.
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Auswahlbibliographie II

Röd, Wolfgang, Geschichte der Philosophie, 2. überarb. u. erw. Aufl., München 1988
ff., Bd. 1,2,3,4,7,8,9I,10,12,13 [auf 14 Bände angelegt].
Röd, Wolfgang, Der Weg der Philosophie: von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert,
München 1994 – 1996 (2 Bände).
Ruffing, Reiner, Einführung in die Geschichte der Philosophie, 2. Aufl. München 2007.
Schupp, Franz, Geschichte der Philosophie im Überblick, Hamburg 2003 (3 Bände).
Skirbekk, Gunnar; Gilje, Nils, Geschichte der Philosophie. Eine Einführung in die
europäische Philosophiegeschichte, in zwei Bänden, 3. Aufl. Frankfurt a. M.
(suhrkamp) 2003.
Stekeler-Weithofer, Pirmin, Philosophiegeschichte, Berlin/New York 2006 [ein Buch
über Philosophiegeschichtsschreibung].
Totok, Wilhelm, Handbuch der Geschichte der Philosophie, 2., völlig neu bearb. u. erw.
Aufl. Frankfurt a. M. 1997 ff. (auf 7 Bände angelegt, incl. Bibliographie mit
Kurzerläuterungen).
Ueberweg, Friedrich (Begr.), Grundriss der Geschichte der Philosophie, völlig neu
bearb. Ausg., Basel [u. a.] 1983 ff. [das klassische deutsche Gelehrtenwerk der
Philosophiegeschiche].
Windelband, Wilhelm, Lehrbuch der Geschichte der Philosophie, 15. durchges. u. erg.
Aufl. Tübingen 1957.

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